Zur Erinnerung an einen Unbekannten - Waleri Tarkowski (12.10.1903 - 15-19.05.1919)

Heute vor 107 Jahren wurde im ukrainischen Städtchen Jelisawetgrad Waleri Tarkowski geboren. Schon seit frühester Kindheit schrieb er Essays und Gedichte, mit dreizehn Jahren begann er eine handgeschriebene Zeitschrift herauszugeben - „Ossennija mysli“ („Herbstgedanken“). Als 1917 die Revolution begann, war Waleri mit ganzem Herzen dabei.

Bereits sein Vater Alexander Tarkowski war als Mitglied der „Narodnaja Wolja“ aktiv an der entstehenden sozialistischen Bewegung beteiligt - aus seiner Feder stammt auch das excellente Werk zur Frühzeit der russischen Sozialisten - „Aufzeichnungen zur revolutionären Bewegung der 80-er Jahre in Jelisawetgrad“.

Waleri schloss sich zunächst den Sozialrevolutionären an. Doch schon kurz darauf wurde er Mitglied der ukrainischen anarchistischen Konföderation „Nabat“ – der er bis zu seinem Tod angehörte. Gemeinsam mit Freunden organisierte Waleri erste anarchistische Zirkel und beschaffte sich Schusswaffen. Hierbei kam es zu einer heiklen Begebenheit – mit je einem Revolver in jeder Tasche, wurde Waleri von einer Militärpatrouille angehalten. Auf den Befehl „Hände hoch!“ blieb ihm nichts anderes übrig, als beide Hände mit den Revolvern zu heben. Doch die Soldaten tasteten ihn nur ab, ohne die erhobenen Revolver zu bemerken – und liessen ihn laufen.

Die fieberhafte Tätigkeit in die sich Waleri stürzte, fand auch in der anarchistischen Presse jener Zeit ihren Niederschlag. Unter verschiedenen Pseudonymen (u.a. „Kidd“) veröffentlichte Waleri zahlreiche Gedichte und Artikel.

Im Frühjahr 1919 nahm Waleri an Agitationstouren in umliegende Ortschaften teil und beteiligte sich an ersten Gefechten. Als im Mai 1919 der reaktionäre Ataman Grigorjew sich Jelisawetgrad näherte, war Waleri wieder an der Front. Zwischen dem 15. und 19. Mai 1919 kam es zu heftigen Abwehrkämpfen gegen die Truppen Grigorjews, bei denen Waleri den Rückzug seiner Genossen deckte. Dabei wurde er getötet.

Waleri Tarkowski gehört zu jenen Tausenden anarchistischen Revolutionären, die von der Geschichte vergessen werden. In diesem Fall jedoch nicht ganz – in den Werken seines Bruders, des wunderbaren Dichters Arseni Tarkowski, und den Filmen dessen Sohnes Andrei Tarkowski schlummert im Verborgenen die Erinnerung an Waleri – der in der Familie ein Vorbild blieb.

M.Debess

Quellen:

  • Tarkowskaja, M.: Oskolki serkala, isdatelstwo Dedalus, Moskwa 1999
  • Wolkowa, P.D.: Arseni Tarkowski, Shisn semji i istorii roda, Isdatelski dom „Podkowa“, Eksmo-Press, Moskwa 2002


Originaltext: http://syndikalismus.wordpress.com/2010/10/12/zur-erinnerung-an-einen-unbekannten-waleri-tarkowski-geb-12-10-1903-gest-15-19-05-1919/

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