Was ist die FAU (Ö)?

 

Die Freie ArbeiterInnen Union Österreichs (kurz FAU-Ö) versteht sich als anarcho-syndikalistische Gewerkschaftsinitiative. Der Begriff "Syndikat" kommt dabei aus dem Französischen und bedeutet nichts anderes als Gewerkschaft. Warum wir uns dann nicht einfach Gewerkschaft nennen? Weil der Begriff mit dem ÖGB gleichgesetzt würde. Wir sind aber eine Gewerkschaftsinitiative im ursprünglichen Sinne: eine klassenkämpferische, soziale Selbstorganisation, frei von Hierarchien, Bürokratie und satten FunktionärInnen.

 

 

Was ist Anarcho-Syndikalismus?

 

Der Anarcho-Syndikalismus verbindet den Kampf um eine sozialistische Gesellschaft mit den antistaatlichen, auf Selbstverwaltung aufbauenden Ideen des Anarchismus. Entstanden ist der Syndikalismus als Reaktion auf den zunehmenden Kuschelkurs der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften mit den ArbeitgeberInnen zu Ende des letzten Jahrhunderts. Unter dem Einfluss des Anarchismus entwickelte sich innerhalb des Syndikalismus eine Gewerkschaftsbewegung mit gesamtgesellschaftlicher Perspektive - der Anarcho-Syndikalismus. Seine größte Stärke entwickelte er in Spanien, Frankreich, Italien und Skandinavien - allein in Spanien organisierten sich bis zu zwei Millionen Menschen in der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft CNT, ehe diese nach der Niederlage im spanischen Bürgerkrieg von der Diktatur Francos blutig unterdrückt und zerschlagen wurde.

 

Wir Anarcho-SyndikalistInnen lehnen die Organisation unserer Interessen in zentralistisch aufgebauten Parteien und Organisationen ab. Gegen StellvertreterInnenpolitik (= FunktionärInnen entscheiden für uns) und Parlamentarismus setzen wir die Selbstorganisation der Arbeitenden in unabhängigen Gruppen, die auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene zusammengeschlossen sind. Im Gegensatz dazu pfeifen wir darauf, dass BürokratInnen und Funktionäre für uns entscheiden - wir wollen nicht bei PolitikerInnen und ChefInnen "betteln" gehen, sondern uns unsere Rechte selbst erkämpfen. Unser Ziel ist eine herrschaftsfreie, auf Selbstorganisation aufgebaute und auf Selbstverwaltung gegründete Gesellschaft.

 

Anarcho-SyndikalistInnen kämpfen für die Verbesserung der derzeitigen Arbeits- und Lebensbedingungen. Sie bleiben jedoch nicht dabei stehen, sondern wollen gemeinsam die Errichtung einer herrschaftslosen und klassenlosen Gesellschaft. Dazu gehört auch die Aneignung der Fähigkeiten einmal Fabriken, Dienstleistungsbetriebe und Landwirtschaft durch die Selbstverwaltung der dort Beschäftigten übernehmen zu können. Unter anderem hierin besteht die Kreativität des Anarcho-Syndikalismus und hierdurch löst er auch die problematische Frage des Übergangs zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft, ohne wie marxistische Parteien auf eine "Diktatur des Proletariats" zurückzugreifen.

 

 

Was wollen wir?

 

Im Herbst 2002 haben sich bundesweit Menschen zusammen geschlossen, um eine anarcho-syndikalistische Organisation aufzubauen. Die existierenden Gewerkschaften sind mehr am Machterhalt ihrer Funktionärselite und deren Parlaments- und Aufsichtsratspöstchen interessiert, als an den Interessen der ArbeitnehmerInnen. Sie sind undemokratisch organisiert, entmündigen ihre Mitglieder und dienen letztendlich dem Fortbestand der bestehenden Wirtschaftsordnung.

 

Der ÖGB hat der aktuellen kapitalistischen Entwicklung ("Neoliberalismus") und ihren katastrophalen sozialen Auswirkungen nichts entgegenzusetzen, wie er in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen hat (Semperit u.a.). Kämpferische Mittel wie etwa Streiks kommen durch ihn so gut wie gar nie zur Anwendung - lieber wird vor den ArbeitgeberInnen "gekuscht" und ein sozialer Rückschritt nach dem anderen akzeptiert. Dagegen vertritt der ÖGB immer wieder eine rassistische Politik, die MigrantInnen fundamentaler Rechte beraubt und der Ausbeutung der ArbeitgeberInnen preisgibt. Nicht eine Ausgrenzungspolitik gegenüber MigrantInnen wird unsere Lage verbessern, sondern ein konsequentes Auftreten gegen die Chefs und ihre Ausbeutung!

 

Wenn auch ein Schwerpunkt unserer Arbeit im wirtschaftlichen Bereich liegt, so bedeutet das nicht, dass alle anderen gesellschaftlichen Bereiche ausgeschlossen sind. Der Kampf im Arbeitsalltag ist unser Hauptansatzpunkt, denn er trifft den Kapitalismus nicht nur in seinen Erscheinungsformen, sondern an seiner Wurzel. Dabei muss aber auch klar sein, dass mit der Beseitigung des Kapitalismus andere Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus nicht automatisch verschwinden, da diese in den Köpfen vieler Menschen und bei zahlreichen ArbeiterInnen tief verwurzelt sind.

 

Der Arbeitsalltag und die Strukturen der kapitalistischen Gesellschaft wirken in unser gesamtes Leben hinein. Beide bestimmen ebenso den Freizeitbereich wie die Art unseres Zusammenlebens, unserer Beziehungen. Der ökonomische Kampf kann daher nicht losgelöst von den anderen gesellschaftlichen Bereichen betrachtet werden. Wir wollen aber nicht nur den Widerstand gegen bestimmte Erscheinungsformen des Kapitalismus organisieren, sondern eine gesamtgesellschaftliche Alternative zum Privatkapitalismus im Westen und zum zusammengebrochenen Staatskapitalismus im Osten entwickeln. Diese Alternative heißt für uns "Selbstverwaltung".

 

In einer Zeit, in der die Welt enger zusammenrückt, der Kapitalismus sich über Staatsgrenzen und Kontinente hinweg immer unsozialer organisiert, in der die kapitalistische Wirtschaftsordnung die Welt aufgeteilt hat in wohlhabende Zonen auf der einen Seite und in ausgesaugte RohstofflieferantInnen auf der anderen, kann der Kampf um eine freie Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung nicht mehr isoliert in einem Land geführt werden. Die Folgen dieser "Globalisierung" sind ein brutaler Konkurrenzkapitalismus, in dem für den "besseren Standort" Sozialleistungen und fundamentale Rechte der ArbeitnehmerInnen abgebaut und die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft maximiert werden. Deshalb muss auch der Kampf gegen die Ausbeutung "global" organisiert werden, wie es etwa die in der "Internationalen Arbeiter Assoziation" (IAA) zusammengeschlossenen Gewerkschaften machen.

 

 

Organisation ja - aber nicht als Selbstzweck

 

Der Anarcho-Syndikalismus erstrebt eine hochgradig vernetzte und von unten nach oben aufgebaute Gesellschaft, ohne künstliche Hierarchien. Basis der Organisation sind deshalb die lokalen Ortsgruppen, die ihre Angelegenheiten und Arbeitsschwerpunkte unabhängig regeln. Wir haben keine zentralistische Leitung, die von oben herab bestimmt. Fragen, die die gesamte Organisation betreffen, werden gemeinsam diskutiert und entschieden. Bezahlte FunktionärInnen gibt es bei uns nicht - und damit auch keine Funktionärseliten.

 

 

Aktuelle Arbeitsgebiete

 

Die Arbeitsschwerpunkte innerhalb der FAU-Ö sind ein Spiegelbild der Aktivitäten ihrer Mitglieder. Sie reichen von der Tätigkeit der Ortsgruppen über antifaschistische, antirassistische und antisexistische Arbeit bis hin zu kulturellen Themen und zur Verbreitung anarchistischer und direktdemokratischer Ideen. Die FAU-Ö ist derzeit eine kleine Organisation. Sie lebt vom Engagement ihrer Mitglieder und ist so gut und so schlecht wie diese.

 

Gemeinsam sind wir überzeugt davon, dass die aktuelle neoliberale Entwicklung die Frage nach gesellschaftlichen Alternativen in neuer Schärfe aufwirft. Das kapitalistische System hat außer Arbeitslosigkeit, ständiger Verschärfung der Arbeitshetze und einem sinkenden Lebensstandard für den Großteil der Bevölkerung nichts zu bieten. Chefs, BürokratInnen und FunktionärInnen entmündigen uns tagtäglich und nehmen uns die Möglichkeit, Entscheidungen selbst zu treffen. Noch immer verdienen Frauen für die selben Tätigkeiten deutlich weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen und sind in vielen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt. Uns geht es nicht darum, den Kapitalismus zu reformieren oder sozialer zu gestalten. Wir lehnen ihn als ausbeuterisches System mit all seinen unsozialen Folgen ab. Eine antikapitalistische Perspektive, die über die konkrete Verbesserung der Lebensbedingungen zu einer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung führt, in der die Menschen in Würde zusammen leben und arbeiten können, hat Namen: Gegenseitige Hilfe, Solidarität und Selbstverwaltung.

 

Alle Menschen, die in diesem Sinne mit uns zusammenarbeiten wollen, sind bei der FAU-Ö willkommen.

 

 

Die FAU-Ö ist seit Herbst 2002 in mehreren Bundesländern (vor allem Vorarlberg und Oberösterreich) aktiv. FAU-Gruppen gestalten mehrere Homepages, geben in Vorarlberg die Zeitschrift "Die Syndikalistin" heraus, haben bislang mehrere Broschüren verfasst und einige Aktionen durchgeführt. Außerdem arbeiten FAUistas in verschiedensten Initiativen und Infoläden mit und betreiben den Anarchia - Versand. Wir wollen ein Netzwerk von arbeitenden und nicht-arbeitenden Menschen aufbauen, das es uns wieder ermöglicht, uns gegen Willkür und Ausbeutung durch ChefInnen  und Konzerne zu wehren. Das heißt natürlich nicht, dass wir den Kampf gegen andere Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und den ganzen anderen Scheiß "vernachlässigen´" - wir sind genauso in antifaschistischen oder feministischen Initiativen aktiv.