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Die CNT und bürgerliche Demokratie

Die spanischen Syndikalisten und Anarchisten sind niemals Anhänger der sog. Demokratie im Rahmen der kapitalistischen Ordnung gewesen. Das Einstehen der CNT-FAI für die antifaschistische Einheit haben gewisse Interessenten zu planmässigen Entstellungen benutzt. Ein konkreter Fall veranlasst uns zu folgenden Erklärungen:

Durch die Tageszeitung "Treball" Barcelona und die "Presseinformationen" des Propagandakommissariats der Generalidad von Katalonien sind angebliche Zitate von Erklärungen des spanischen Anarchosyndikalisten Vázquez verbreitet und kommentiert worden, die dieser dem "Manchester Guardian" gegenübet abgegeben haben soll.

Mariane Vázquez, der Vorsitzende des Nationalkomitees der anarchosyndikalistischen CNT, veröffentlicht hierzu in S0LIDARIDAD OBRERA von 11.1.37 eine Note, aus der folgendes hervorgeht: Die fraglichen Meldungen gehen zurück auf ein Interview, das von Vázquez vor mehr als zwei Monaten einem grösseren Kreise von ausländischen Journalisten gegeben wurde. Die Veröffentlichung des "Manchester Guardian", die zu oben angeführten Publikationen führte, liegt schon lange zurück, und obwohl sie vollkommen entstellend war, verzichtete Mariano Vázquez auf jede Richtigstellunge bis diese angeblichen Erklärungen nochmals und noch gröber entstellt in der spanischen Presse auftauchten.

Vázquez hat in seinen Erklärungen gegenüber ausländischen Journalistan niemals ein Bekenntnis zu einer sogenannten "fortgeschrittenen Demokratie" abgelegt und niemals die Überzeugung gehegt noch geäussert, dass die Bestrebungen des spanischen Anarchosyndikalismus sich für die Zukunft auf die Grenzen der Verfassung der Republik beschränkten. Die diesbezüglichen Behauptungen sind frei erfunden.

Vázquez bekannte sich in seinen Erklärungen jedoch zur Toleranz im Sinne der Erhaltung der antifaschistischen Einheit, welche der spanische Anarchosyndikalismus heute in der Tat für unerlässlich hält, wenn jemals später entscheidende soziale Umwandlungen erstrebt werden sollen, wie sie der Anarchosyndikalismus wünscht und heute so wenig leugnet wie je.

Wir fügen den Erklärungen des Genossen Vázquez hinzu, dass sie der Haltung entsprechen, zu der er von seiner Organisation mandatiert ist. Wir müssen ferner mit dem Genossen Vázquez gemeinsam bedauern, dass die tolerante Haltung und der Opfergeist der spanischen anarchosyndikalistischen Bewegung gerade in einem Augenblick zu Entstellungen im Interresse parteipolitischer Manöver ausgenützt werden sollen, in dem Einheit und Verständigung das oberste Gebot sind.

Aus: Die Soziale Revolution Nr. 3, 1937. Digitalisiert von der Anarchistischen Bibliothek und Archiv Wien. Nachbearbeitet (Scanungenauigkeiten entfernt, ä zu ä, That zu Tat usw.) von www.anarchismus.at.