Zum Umgang mit Kameras, Blogs & Twitter bei Demonstrationen

Liebe Fotograf_innen und Kameraleute

Das Dokumentieren von Demonstrationen, Aktionen und Polizeirepression ist wichtig. Überlassen wir die Berichterstattung über Demonstrationen und Aktionen nicht der Polizeipressestelle und Mainstreammedien. Eigene Berichte auf selbst gewählten Kanälen und in eigenen Medien helfen uns, Informationen und Erfahrungen auszutauschen, zu reflektieren und unsere Bewegungen weiter zu entwickeln. Mit unseren Interventionen in Mediendiskurse untergraben wir die Deutungshoheit der Behörden über die Geschehnisse auf der Straße. Das richtige Foto zur richtigen Zeit kann Polizeilügen aufdecken und Anklagen in sich zusammenbrechen lassen.

Eine Gefährdung von Demonstrant_innen müssen wir dabei aber freilich unter allen Umständen vermeiden.

Die Behörden sammeln Gesichter von Aktivist_innen, um sie zu identifizieren, Verbindungen zwischen Demonstrant_innen aufzudecken, kriminelle und terroristische Organisationen zu konstruieren, oder wozu sie sich sonst gerade veranlasst fühlen. Und auch Neonazis, FPÖ, Abtreibungsgegner_innen und Ähnliche haben Interesse an Bildern ihrer Gegner_innen, also von uns, zum Beispiel für Aufrufe zur Kriminalisierung oder zur Gewalt gegen Linke, Antifaschist_innen, Feministinnen, … Helfen wir ihnen nicht dabei!

Einmal gemachte Bilder vernichten sich nicht von selbst. Im Internet überdauern sie länger als den Abgebildeten oft lieb ist, selbst wenn es ihnen heute nichts ausmacht. Sie können noch Jahre später zu den ungünstigsten Zeitpunkten von Behörden, Neonazis, Arbeitgeber_innen gefunden und gegen die Abgebildeten verwendet werden.

Lasst uns verantwortungsvoll mit unseren Kameras umgehen.

Wenn du fotografierst oder filmst:

Liebe Twitterant_innen, Facebooker_innen, SMS-Schreiber_innen

Neue Medien erlauben, rasch Information über Geschehnisse auf Demonstrationen nach außen zu bringen, um das Meinungsklima über die Proteste zu beeinflussen oder um solidarische Personen zu mobilisieren oder auch um innerhalb der Demonstration zu kommunizieren.

Bitte bedenke aber, dass alle diese Meldungen nicht intern bleiben. Überlege, was du wie weitergibst. Für die Weitergabe geheimer Treffpunkte eignen sich diese Medien nicht.

Wenn du Informationen über solche Kanäle bekommst, versuche die Vertrauenswürdigkeit deiner Quelle einzuschätzen. Gerade bei Großdemonstrationen kommt es immer wieder zu Falschinformationen, die lanciert werden, um Verwirrung zu stiften.

Wenn du wichtige gesicherte Informationen erhalten hast, gib sie auch an andere Demonstrant_innen weiter. Kommunikation funktioniert auch mündlich, ohne Smartphone, bisweilen sogar schneller und verlässlicher.

Liebe Bloger_innen, Ticker_innen, Berichteschreiber_innen

Berichterstattung, Kommentare, Nacherzählungen sind ein wichtiger Bestandteil von Protesten und Aktionen. Sie bieten die Möglichkeit – unabhängig von Mainstream-Medien und APA-Meldungen – Gegenöffentlichkeit herzustellen, und für kommende Aktionen auch Reflexionsprozesse unterstützt. Wie bei anderen Medienformaten gilt es aber auch hier mitzudenken! Repressionsbehörden lesen mit! Veröffentlicht keine Namen von Personen. So wie Fotos können natürlich auch Namen in Berichten unangenehmen Folgen für die Betroffenen haben. Stellt keine wilden Spekulationen an, streut keine Gerüchte sondern, wenn sie unbedingt sein müssen, kennzeichnet diese klar als solche, veröffentlicht keine Interna! Achtet auch auf eure eigene Sicherheit und veröffentlicht im Zweifelsfall die Berichte anonym.

Erstunterzeichner_innen:

Originaltext: http://nochrichten.net/?p=861