Peter Kropotkin - Die soziale Enteignung der Enteigner. Die Expropriation

I.

Wir stehen nicht mehr allein damit, wenn wir sagen, daß sich Europa am Vorabend einer großen Revolution befindet. Die Bourgeoisie beginnt dies ihrerseits zu bemerken und konstatiert es durch ihre Zeitungen. Die ‹Times› erkannte es in einem Artikel an, der umso bemerkenswerter ist, da er von einem Blatt ausgeht, welches sich nie über etwas aufregt. In diesem Artikel spottet dieses Organ der Hochfinanz über jene, welche die spartanische Tugend der Sparsamkeit und der Enthaltsamkeit predigen und fordert die Bourgeoisie auf, lieber über das Los nachzudenken, welches in der heutigen Gesellschaftsordnung den Arbeitern bereitet wird, und zu entscheiden, was für Zugeständnisse man ihnen machen soll, da sie alle Ursache haben, unzufrieden zu sein. Das ‹Journal de Genève› beeilt sich auch, einzugestehen, daß die Schweizer Republik sich entschieden nicht genug mit der sozialen Frage befaßt hat. Noch andere, welche ein getreuer Ausdruck der reichen Bourgeoisie und der Hochfinanz sind, bedauern schon das Los des armen Unternehmers, der in naher Zukunft gezwungen sein wird, wie seine Arbeiter zu arbeiten, oder konstatieren mit Entsetzen, daß die Flut der Volkserbitterung um sie herum steigt.

Die Ereignisse, die sich kürzlich in der österreichischen Hauptstadt abgespielt, die dumpfe Agitation, welche in Nordfrankreich herrscht, die Ereignisse von Irland und Rußland, die Bewegung in Spanien und tausende andere Anzeichen, die wir alle kennen; das Band der Solidarität, welches die Arbeiter Frankreichs mit einander und mit den Arbeitern anderer Länder vereinigt – dieses unsichtbare Band, welches im selben Augenblick die Herzen aller Arbeiter gleich schlagen macht und sie in einem einzigen Bündnis vereinigt, das unvergleichlich mächtiger ist als jenes der Gewerkschaften, welche bloß durch irgend ein Komité vertreten werden – all dies kann diese Voraussagen nur bestärken.

Betrachten wir endlich die Lage in Frankreich, welche wieder in jene Phase eintritt, wo alle Parteien, die nach Macht streben, bereit sind, sich die Hand zu reichen, um einen Schlag gegen das Volk zu versuchen; betrachten wir die verdoppelte Tätigkeit der Diplomaten, welche das Herannahen eines europäischen Krieges verkündet, der so oft aufgeschoben wurde und deshalb umso sicherer ist; die unvermeidlichen Folgen dieses Krieges in Ländern wie Frankreich: nämlich der Volksaufstand im besiegten und von der feindlichen Armee besetzten Land; – all diese Tatsachen, die in einer mit Ereignissen schwangeren Zeit wie die unsrige zu gleicher Zeit Vorkommen, lassen uns vorhersehen, daß wir dem Tage einer sozialen Umgestaltung bedeutend näher kommen.

Die Bourgeoisie begreift dies und bereitet sich zum Widerstand vor – durch die Gewalt, denn sie kennt kein anderes Mittel und will kein anderes kennen. Sie ist entschlossen, sie bis zum äußersten Widerstand zu leisten, und wenn notwendig, hundert oder zweihunderttausend Arbeiter und außerdem noch fünfzigtausend Frauen und Kinder niedermetzeln zu lassen, um ihre Herrschaft aufrechtzuerhalten. Wahrhaftig, sie wird nicht vor den Greueln von Metzeleien zurückschrecken. Sie hat dies am Pariser Marsfeld in 1790, in Lyon in 1831, in Paris in 1848 und 1871 genugsam bewiesen. Um ihr Monopolkapital und das Recht auf verbrecherischen Müßiggang zu retten, sind diesen Leuten alle Mittel gut.

Ihr Aktionsprogramm ist schon im voraus bestimmt. Können wir vom unsrigen dasselbe sagen?

Für die Bourgeoisie ist die Metzelei selbst schon ein ganzes Programm, wenn es nur Haudegen gibt – französische, deutsche, Türken, es ist alles eins – denen sie dies anvertrauen kann. Da sie nichts anderes anstrebt, als das Bestehende zu erhalten, den gegenwärtigen Stand der Dinge, wenn auch nur um einige Jahrzehnte, zu verlängern – wird die ganze Frage für sie zu einem einfachen Waffenkampf.

Ganz anders stellt sich die Frage für die Arbeiter dar, da sie ja eben die bestehende Ordnung der Dinge ändern wollen; für sie ist das Problem nicht mehr so verteufelt einfach; im Gegenteil es ist ungeheuer, riesenhaft. Der blutige Kampf der Bourgeoisie gegen uns, dessen wir gewärtig sein müssen, kann nur eine Episode im großen Kampfe sein, den wir gegen das Kapital zu führen haben. Es würde uns nichts nützen, der Bourgeoisie mit Gewaltstreichen zu begegnen und schließlich alles beim Alten zu lassen. Unser Ziel ist bei weitem größer, unser Streben geht viel höher.

Für uns handelt es sich darum, die Ausbeutung des Menschen abzuschaffen. Es handelt sich darum, den Ungerechtigkeiten, den Lastern und Verbrechen ein Ende zu machen, welche die Folge davon sind, daß ein Teil der Menschen in Müßiggang und der andere in wirtschaftlicher, intellektueller und moralischer Knechtschaft lebt. Das Problem ist ungeheuer groß. Aber da die vergangenen Jahrhunderte dieses Problem unserer Generation als Erbteil überlassen haben; da wir es sind, die sich in der Notwendigkeit befinden, an der vollständigen Lösung desselben zu arbeiten, müssen wir diese Aufgabe auf uns nehmen.

Übrigens brauchen wir nicht mehr im Ungewissen herumzutappen, um die Lösung zu finden. Diese Lösung wird uns mit dem Problem zugleich durch die Geschichte geboten: sie wurde und wird in allen Ländern Europas mit lauter Stimme verkündet, und faßt die wirtschaftliche und geistige Entwicklung unserer Zeit in sich zusammen. Es ist die Expropriation, d.h. die soziale Enteignung der Enteigner und die ihr folgende Anarchie.

Wenn der gesellschaftliche Reichtum in den Händen jener Wenigen bleibt, die ihn heute besitzen, wenn die Fabriken, die Werkstätte und Industrieanlagen das Eigentum der Unternehmer bleiben; wenn die Eisenbahnen und andere Transportmittel im Besitz der Gesellschaften oder Einzelnen verbleiben, die sich dieselben angeeignet; wenn die Häuser in den Städten und die Herrenhäuser auf dem Land ihren jetzigen Eigentümern belassen werden, anstatt sofort beim Beginn der sozialen Umwälzung in die unentgeltliche Nutznießung aller Arbeitenden überzugehen; wenn all die Werte, die in den Banken oder in den Häusern der Reichen, aufgestapelt sind, nicht sofort der Gemeinschaft der Menschen zurückgegeben werden – da alle Menschen an der Hervorbringung derselben mitgearbeitet haben –; wenn das sich befreiende Volk nicht von allen Lebensmitteln und Vorräten Besitz ergreifen kann, die in den großen Städten aufgehäuft sind; und wenn es sich nicht organisiert, um sie all jenen, die dieselben benötigen, zugänglich zu machen; wenn zum Schluß der Grund und Boden das Eigentum der Bankiers und Wucherer bleibt – denen er heute tatsächlich, wenn auch nicht von Rechts wegen gehört – und wenn die herrschaftlichen Landgüter nicht aus den Händen der Großgrundbesitzer übergehen in die Hände all jener, die den Boden selbst bearbeiten wollen; wenn sich überdies die neue herrschende Klasse bildet, welche den Beherrschten befiehlt – dann wird auch die zukünftige Volksaktion keine Befreiungsaktion sein, und man wird alles von vom anfangen müssen. Der Arbeiter wird, nachdem er das Joch für einen Augenblick abgeschüttelt, seinen Kopf wieder unter dasselbe Joch beugen und wieder die Peitsche und den Stachel seines Arbeitsherrn, die Anmaßung seiner Vorgesetzten, die Laster und Verbrechen der Müßiggänger erdulden müssen – nicht zu reden von der «weißen Schreckensherrschaft» der Regierenden, von den Deportationen, Hinrichtungen, dem zügellosen Siegestaumel der Bourgeoisie über den Leichen der Arbeiter.

Die Enteignung der Enteigner – dies also sind die Losungsworte, welche die kommende Befreiungsaktion des Volkes unvermeidlich im Munde führen wird, wenn sie nicht ihre historische Aufgabe verfehlen will. Die vollständige Expropriation all jener, die die Mittel zur Ausbeutung der Menschen besitzen. Die Wiederkehr in die Hände der Gemeinschaft, der ganzen Nation von all dem, was in den Händen von wem immer sonst zur Ausbeutung anderer dienen kann.

Die kommende Revolution muß also, kurz zusammengefaßt, es verwirklichen, daß ein jeder frei arbeitend leben kann, ohne gezwungen zu sein, seine Arbeit und seine Freiheit anderen – die aus der Arbeit ihrer Knechte sich Reichtümer anhäufen – zu verkaufen.

Vor fünfzig Jahren war dieses Programm (wenigstens in seinem wirtschaftlichen Teil) von allen Sozialisten angenommen. Jeder, der sich Sozialist nannte, schloß sich demselben ohne Zögern an. Seitdem sind aber so viele Hochstapler aufgetaucht, die den Sozialismus zu ihrem persönlichen Interesse ausbeuten, und diese haben so gründlich an der Beschränkung dieses Programmes gearbeitet, daß heute nur mehr die Anarchisten dasselbe in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten haben. Man hat dasselbe verstümmelt und mit leeren Phrasen vollgestopft, welche nach dem Gutdünken eines jeden ausgelegt werden können; und man hat es auf solche Weise verschandelt, nicht um es den Arbeitern recht zu machen – wenn der Arbeiter den Sozialismus annimmt, so tut er dies meistens in seiner vollen Ausdehnung – sondern einfach um der Bourgeoisie zu gefallen, um sich einen Platz in deren Reihen zu sichern. Die Anarchisten allein sind es also, denen die riesige Aufgabe zufällt, bis in die verstecktesten Winkel diese Idee der Expropriation zu verbreiten. Sie können bei dieser Arbeit auf niemand anderen rechnen.

Es wäre ein verderblicher Irrtum zu glauben, daß die Idee der Expropriation bereits den Geist aller Arbeiter durchdrungen hätte, und daß dieselbe für alle eine jener Überzeugungen geworden, für welche ein ehrlich denkender Mensch bereit ist, sein Leben zu opfern. Weit entfernt davon. Es gibt Millionen, die außer durch deren Gegner nie davon reden gehört haben. Wie wenige gibt es, sogar unter jenen, welche diese Idee anerkennen, die sie von allen Gesichtspunkten, in all ihren Einzelheiten untersucht haben!

Wir wissen allerdings, daß die Idee der Expropriation hauptsächlich während der sozialen Umgestaltung selbst Anhänger gewinnen wird, zu Zeiten, wo jedermann ein Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten nimmt, wo alle Leute lesen, diskutieren, handeln und wo gerade die klarsten und einfachsten Ideen imstande sind, die Massen mit sich zu reißen. Wir wissen auch, daß wenn in einer Revolution sich bloß zwei Parteien – die Bourgeoisie und das Volk – gegenüberstehen würden, die Idee der Expropriation von letzterem voll und ganz angenommen würde, sobald diese Idee von irgendeiner noch so kleinen Gruppe angeregt werden würde.

Wir müssen aber außer der Bourgeoisie auch mit anderen Feinden der sozialen Revolution rechnen. Alle Zwitterparteien, welche zwischen der Bourgeoisie und den kommunistischen Anarchisten emporgeschossen sind, all jene, die, wenn auch ehrlich, dennoch bis ins Mark von jener geistigen Feigheit durchdrungen sind, welche die unvermeidliche Folge des Jahrhunderte langen Respektes vor der Autorität ist, schließlich all jene Elemente der Bourgeoisie, welche im allgemeinen Schiffbruch einen Teil ihrer Vorrechte zu retten suchen, und umso lauter gegen jene paar Vorrechte donnern werden, welche sie für den Augenblick bereit sind zu opfern (mit der Aussicht, sie später wieder zu erobern), – alle diese Mittelpersonen werden ihre Tätigkeit entfalten, um das Volk dazu zu bringen, daß es seine Aufgabe für einen Schatten fahren läßt. Es werden sich tausende von Leuten finden, die damit kommen, daß es besser sei, sich mit Wenigem zu begnügen, um nicht alles zu verlieren; Leute, die darauf hinarbeiten werden, daß das Volk seine Zeit verliert und seine revolutionäre Begeisterung erschöpft mit nutzlosen Angriffen gegen kleinliche Sachen und unbedeutende Menschen, anstatt mit ganzer Entschlossenheit die grundlegenden Einrichtungen der alten Gesellschaftsordnung umzugestalten, Leute, die die diktatorische Rolle eines Robespierre spielen wollen, anstatt das direkt zu tun, was der französische Bauer am Ende des achtzehnten Jahrhunderts tat – nämlich sich den gesellschaftlichen Reichtum, den er selbst erzeugte, zu nehmen, denselben sofort nutzbar zu machen und das Recht auf diesen Reichtum dadurch zu begründen, daß man dessen Nutzen dem gesamten Volke erschließt.
Es gibt heute bloß ein Mittel, um dieser Gefahr vorzubeugen, nämlich unausgesetzt, von heute angefangen, daran zu arbeiten, die Idee einer Enteignung der Enteigner zu verbreiten. Alles, was wir tun, soll sich an diese Grundidee anschließen, sie soll in jede Gegend, jede Gemeinde Vordringen, man soll sie in jedem Dorf besprechen, und sie soll für jeden Arbeiter, für jeden Bauern zum wesentlichen Bestandteil des Wortes Anarchismus werden, und dann – aber nur dann – können wir sicher sein, daß diese Idee dereinst auf allen Lippen sein wird, daß sie sich mächtig, durch das ganze Volk ausgerufen, erheben und daß das Volk durch sie zur wahren Befreiung gelangen wird.

Dies ist die Idee, welche heute sich bei den Anarchisten aller Gruppierungen über die Aufgabe, die ihnen bevorsteht, Bahn bricht. Die Zeit drängt; aber gerade dies wird uns neue Kraft geben und unsere Anstrengungen zur Erreichung dieses Zieles verdoppeln; denn ohne dieses wird jeder Kampf und jedes Opfer des Volkes wieder umsonst sein.

II.

Bevor wir unsere Ansichten über die Expropriation darlegen, müssen wir eine Einwendung beantworten, welche theoretisch sehr schwach, aber trotzdem sehr verbreitet ist.

Die Nationalökonomie – diese bezeichnende Scheinwissenschaft der Bourgeoisie – singt uns fortwährend in allen Tonarten die Wohltaten des Privateigentums. – «Seht» – sagt sie – «die Wunder, welche der Bauer vollbringt, sobald er Eigentümer des von ihm bebauten Bodens geworden; seht, wie er sein Stück Feld mit Hacke und Pflug bearbeitet; was für Ernten er einem oft undankbaren Boden abringt! Seht schließlich auch, was die Industrie vollbracht hat, seitdem sie von den Schranken der Zünfte und des Meisterwesens befreit ist! Alle diese wunderbaren Erfolge sind dem Privateigentum zuzuschreiben!»

Es ist wahr, daß, nachdem sie dieses Bild gezeichnet haben, die Nationalökonomen daraus nicht den Schluß ziehen: «Die Erde dem, der sie bearbeitet!» sondern sie beeilen sich daraus zu folgern: «Die Erde dem – Gutsherrn, der dieselbe durch Lohnarbeiter bearbeiten lassen wird.» Dennoch scheint es, daß viele brave Leute sich durch diese Argumentation betören lassen und dieselbe, ohne nachzudenken, wiederholen. Was uns «Utopisten» anbetrifft, so sind wir bestrebt – gerade weil wir Utopisten sind – die Frage zu vertiefen, zu untersuchen, und wir finden das Folgende:

Auch wir konstatieren, daß der Boden viel besser bearbeitet wird, sobald der Bauer der Besitzer des Feldes ist, welches er bebaut. Aber mit wem vergleichen die Herren Nationalökonomen den kleinen Grundbesitzer? Vielleicht mit den kommunistischen selbständigen Bearbeitern des Bodens? Vergleichen sie ihn z.B. mit einer Dukoborzen-Gemeinde russischer Bauern, welche, im fernen Ost-Sibirien auf den Ufern des Amurs ankommend, ihr Vieh und die Arbeit ihrer jungen Leute zusammentun und den Pflug, mit vier bis fünf Paare von Ochsen bespannt, über das Eichengestrüpp führen, gemeinsam ihre Häuser bauen und so vom ersten Jahr an gemeinschaftlich zu Wohlstand und Gedeihen gelangen, während der vereinzelte Auswanderer, der versucht hat, eine sumpfige Niederung urbar zu machen, vom Staate einige Kilo Mehl erbettelt? Vergleichen sie den kleinen Besitzer mit jenen amerikanischen Gemeinschaften, von denen uns Nordhof berichtet, welche, nachdem sie alle ihre Mitglieder mit Nahrung, Kleidung und Behausung versorgt, heute jedem von denselben die Summe von 100 Dollars anweisen, damit sie sich das Musikinstrument, den Kunstgegenstand, die Luxusobjekte kaufen können, welche sich unter Umständen in den Magazinen der Kommune nicht vorfinden?

Nein! Selber die einander widersprechenden Tatsachen zu sammeln und zu untersuchen, um sie erklären zu können, um seine Hypothese zu unterstützen oder zu verwerfen – das ist unter der Würde der offiziellen Wissenschaft. Die Nationalökonomen vergleichen den bäuerlichen Kleinbesitzer einfach – mit dem Leibeigenen, dem Halbpächter, dem Pächter.

Aber wußte der Leibeigene, während er das Land seines Herrn bearbeitete, nicht im vorhinein, daß der Herr ihm seine ganze Ernte nehmen würde, außer einem kargen Anteil an Buchweizen und Roggen – gerade nur so viel zurücklassend, um Leib und Seele zusammenzuhalten, auf daß er sich wie immer abrackern könne und im Frühjahr dennoch gezwungen sei, sein Mehl mit getrockneten Gräsern zu vermischen, wie es die russischen Bauern auch jetzt tun, wie es die französischen Bauern vor der Großen Revolution von 1789 taten; daß wenn er das Unglück hätte, sich ein bißchen Wohlstand zu erarbeiten, er zur Zielscheibe der selbstsüchtigen Verfolgungen des Herrn werden würde? Der Leibeigene zog es also vor, so wenig wie möglich zu arbeiten, so schlecht wie möglich zu ackern. Wird man sich wundern, daß die Enkel dieser Bauern den Boden unendlich besser bearbeiten, sobald sie wissen, daß sie die Ernte für sich selbst einheimsen können?

Der Halbpächter bietet schon einen Fortschritt über den Leibeigenen. Er weiß, daß die Hälfte der Ernte ihm durch den Besitzer des Bodens weggenommen werden wird, aber dadurch ist er doch sicher, daß wenigstens die andere Hälfte ihm bleiben wird. Und trotz diesem Verhältnis – welches unserer Ansicht nach empörend, aber in den Augen der Nationalökonomen sehr gerecht ist – gelingt es ihm, den Boden besser zu bearbeiten, soweit dies durch die bloße Arbeit seiner Arme möglich ist.

Der Pächter, wenn ihm seine Pachtung für eine Anzahl von Jahren gesichert ist, und wenn die Bedingungen des Pachtvertrages nicht zu schwer sind, wenn dieselben ihm erlauben, etwas zur Seite zu legen, um seine Wirtschaft zu verbessern, oder wenn er etwas bewegliches Kapital besitzt, macht noch einen weiteren Schritt vorwärts! Und der bäuerliche Besitzer endlich, wenn er nicht durch den Ankauf seines Grundstückchens über und über verschuldet ist, wenn er sich einen Reservefonds schaffen kann, bearbeitet den Boden noch besser als der Leibeigene, der Halbpächter, der Pächter; denn er weiß, daß, außer den Steuern und dem Löwenanteil des Geldverleihers, all das, was er dem Boden durch schwere Arbeit abringt, ihm gehören wird.

Was kann man aus diesen Tatsachen folgern? Nichts weiter, als daß niemand gern für andere arbeitet, und daß der Boden nie gut bearbeitet wird, wenn jener, der ihn bearbeitet, weiß, daß der bessere Teil seiner Ernte so oder so, von irgendeinem Müßiggänger – sei es ein adeliger Herr, ein Bourgeois oder ein Gläubiger – oder von den Steuern des Staates aufgezehrt werden wird. Um in diesen Tatsachen den geringsten Vergleich zwischen dem Privateigentum und dem gemeinsamen Besitz zu finden, muß man sehr geneigt sein, Schlußfolgerungen aus solchen Tatsachen zu ziehen, die nicht einmal die Elemente dieses Vergleiches in sich haben.

Es läßt sich aber aus diesen Tatsachen auch noch etwas anderes folgern.

Die Arbeit des Halbpächters, des Pächters, von welcher wir sprachen, und besonders jene des kleinen Besitzers ist intensiver als jene des Leibeigenen oder des Sklaven. Und dennoch: die Landwirtschaft gedeiht weder unter dem System der Halbpacht, noch unter jenem der Bauernpachtungen, noch unter jenem der kleinen Grundbesitzer. Man konnte in den ersten Jahrzehnten des XIX. Jahrhunderts glauben, daß die Lösung der landwirtschaftlichen Frage im kleinen Grundbesitz gefunden sei, denn zu dieser Zeit fing der bäuerliche Kleinbesitz wirklich an, sich eines gewissen Wohlstandes zu erfreuen, welcher umso auffälliger war, da derselbe auf das Elend des vergangenen XVIII. Jahrhunderts folgte.

Doch dieses goldene Zeitalter des kleinen Grundbesitzers ist rasch vorübergegangen. Heute gelingt es dem Bauern, der ein kleines Stück Land besitzt, kaum, notdürftig auszukommen. Er verschuldet sich, er wird die Beute des Viehhändlers, des Landspekulanten, des Wucherers; Wechselschulden und Hypotheken richten ganze Dörfer zugrunde, in noch viel größerem Maße als die schweren Steuern, welche der Staat und die Gemeinde eintreiben. Der Kleinbesitz müht sich in Sorgen ab, und wenn der Bauer auch noch dem Namen nach Besitzer seines Grundstückes ist, so ist er dennoch im Grund genommen bloß der Pächter des Bankiers und Wucherers. Er glaubt, daß er sich eines Tages seiner Schulden entledigen kann, und in Wirklichkeit wachsen dieselben immer mehr. Für einige hundert Bauern, die gedeihen, gibt es bereits Millionen, die sich aus den Umgarnungen des Wuchers nur durch die soziale Revolution würden befreien können.

Woher kommen also diese feststehenden Tatsachen, welche durch Bände von Statistiken bewiesen werden – und welche die Theorien über die Wohltaten der herrschenden Formen des Privateigentums ganz über den Haufen werfen?

Die Erklärung ist sehr einfach. Sie liegt nicht in der amerikanischen Konkurrenz – da die vorerwähnten Tatsachen schon länger bestehen als diese; sie liegt sogar nicht ausschließlich in den Steuern; man mag dieselben herabsetzen – der Prozeß wird sich verlangsamen, aber er wird nicht auf gehalten werden. Die Erklärung liegt in jener anderen Tatsache, daß die Landwirtschaft in Europa, nachdem dieselbe fünfzehn Jahrhunderte lang am gleichen Fleck geblieben, seit den ersten Jahrzehnten des XIX. Jahrhunderts anfängt, einige Fortschritte zu machen. Sie liegt auch, bis zu einem gewissen Grade, in den wachsenden Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Bevölkerung selbst, in der Erleichterung des Kredits, den die Banken, die industriellen Unternehmungen, die Höflinge und die Stadtherren gewähren, um die Bauern in ihre Netze einzuspinnen; sie liegt schließlich im enorm hohen Preis des Bodens, welchen die Reichen für sich ergattert haben, entweder als Vergnügungsbesitz, oder für die Bedürfnisse der Industrie und des Handels.

Untersuchen wir nun den ersten dieser Faktoren, der in unseren Augen der allgemeinere ist. Um mit den Fortschritten der Landwirtschaft Schritt zu halten, um auch zu denselben Preisen zu verkaufen, wie jene, die mit dem Dampfpflug ackern und die Ernten mit chemischen Düngern beschleunigen, muß der Bauer heutzutage ein gewisses Kapital besitzen, welches ihn befähigt, in seiner Wirtschaft einige Verbesserungen einzuführen. Ohne Reservefonds ist keine Landwirtschaft möglich. Das Wohnhaus verfällt, das Pferd wird alt, die Kuh gibt keine Milch mehr, der Pflug nützt sich ab, der Wagen zerbricht; man muß sie ersetzen, sie ausbessern. Aber außerdem muß man noch den Viehbestand vermehren, sich einige vervollkommnete Gerätschaften anschaffen, sein Feld verbessern. Dafür muß man sofort einige Tausend-Frankscheine haben, die der Bauer nie finden kann. –

Was tut er also? Er wendet umsonst das «Einkindersystem» an, welches Frankreich entvölkert; es gelingt ihm nicht, sich aus der Verlegenheit zu ziehen. Schließlich schickt er sein Kind in die Stadt – das städtische Proletariat zu vermehren; und er selbst nimmt Hypotheken auf, macht Schulden – und wird wieder zum Leibeigenen des Bankiers, wie er ehemals der Leibeigene der Adelsherren gewesen.

Dies ist heute die Lage des kleinen Grundbesitzes. Jene, die demselben noch soziale Lobgesänge singen, sind dreiviertel Jahrhundert zurück; sie ziehen ihre Schlußfolgerungen, welche vor 75 Jahren beobachtet wurden; sie ignorieren die Wirklichkeit der Gegenwart.

Die einfache Tatsache, welche man in den Worten zusammenfassen kann: «Keine Landwirtschaft ist ohne Reservefond möglich», schließt eine Lehre in sich, welche die Anhänger der «Nationalisation des Bodens» (Verstaatlichung) gut bedenken sollten.  Mag es morgen den Anhängern von Henry George [1] gelingen, sämtlichen englischen Großgrundbesitzern all ihre Besitzungen zu nehmen; mögen sie diese Landgüter in kleinen Parzellen an alle verteilen, die dieselben bearbeiten wollen; mag der Pachtzins dafür aufs allergeringste oder sogar auf nichts reduziert werden; – zwanzig bis dreißig Jahre lang wird der Wohlstand zunehmen, aber nach dreißig Jahren wird man alles wieder von vorn anfangen müssen.

Der Boden erfordert sehr viel Sorgfalt. Um neunundzwanzig Hektoliter Weizen vom Hektar zu erzielen, wie dies heute in der englischen Grafschaft Norfolk der Fall ist, und bis zu sechsunddreißig und zweiundvierzig Hektoliter – solche Ernten sind kein Roman mehr – muß man den Boden von Steinen säubern, trocken legen, umgraben; man muß die Hacke durch den Bissoc ersetzen; man muß Dünger kaufen, die Straßen in Stand halten. Man muß schließlich neue Ländereien urbar machen, um mit den steigenden Bedürfnissen einer zunehmenden Bevölkerung Schritt zu halten.

All dies erfordert Ausgaben und eine Menge Arbeit, welche die Familie nicht allein leisten kann – und deshalb macht die Landwirtschaft keine Fortschritte. Um solche Ernten zu erzielen, wie man sie bereits heute durch die intensive Bearbeitung des Bodens erzielt, muß man manchmal für Entwässerung allein in ein oder zwei Monaten vier- oder fünftausend Arbeitstage (120 000 Franks) auf einen Hektar verwenden. Dies ist es, was der Kapitalist tut, und was der kleine Grundbesitzer mit der geringen Summe, die er beiseite legen kann – sogar wenn er sich dabei alles, was zu einem wirklich menschenwürdigen Leben notwendig ist, versagt – nie tun kann. Der Boden fordert, daß der Mensch mit seiner belebenden Arbeit ihm naht, um die Flut von goldenen Ähren in Tausch zu geben – und der Mensch fehlt. Sein ganzes Leben lang eingesperrt in industrielle Kasernen, fabriziert er wunderbare Stoffe für indische Prinzen, für afrikanische Sklavenhalter, für Bankiersfrauen; er webt, um Ägypter, Tataren oder Turkumenen zu bekleiden, wenn er nicht mit gekreuzten Armen um die stillstehenden Fabriken herumstreift – und der Boden erhält nicht jene Bebauung, welche für Millionen die Notwendigkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens verschaffen würde.

Außer jenen die sich Tag für Tag der landwirtschaftlichen Arbeit widmen, braucht diese außerdem zu gewissen Zeiten noch Millionen von Arbeitshänden, um die Felder zu verbessern und von Steinen zu säubern, um mit Hilfe der Naturkräfte einen reicheren Boden zu schaffen, um zur gegebenen Zeit die üppigen Ernten einzuheimsen. Sie fordert, daß die Stadt ihr diese Arbeitshände, diese Maschinen und Motore zu Hilfe sendet, und diese Motore, Maschinen und Hände bleiben in der Stadt, einige unbeschäftigt, die anderen damit beschäftigt, die Eitelkeiten der Reichen aller Länder zu befriedigen.

Weit davon eine Quelle des Reichtums fürs Land zu sein, ist das kapitalistische Privateigentum eine Ursache des Stillstandes in der Entwicklung der Landwirtschaft geworden. Während einige Pioniere der Bebauung des Bodens neue Bahnen eröffnen, bleibt diese selbst in beinahe ganz Europa am alten Fleck – dank dem monopolistischen Privateigentum.

Folgt aus den vorhergehenden Ausführungen, daß die soziale Revolution alle Grenzen und Hecken der kleinen Landbesitzer Umstürzen, die Gärten und Obstpflanzungen zerstören muß, um den Dampfpflug über dieselben zu führen, um die fragwürdigen Wohltaten des Großbetriebes einzuführen, wie dies gewisse autoritäre Reformer träumen?

Für unseren Teil werden wir uns jedenfalls hüten, dies zu tun. Wir werden uns hüten, das Feld des Bauern anzutasten, solange er dasselbe mit seinen Kindern selbst bearbeitet, ohne bezahlte Arbeit in Anspruch zu nehmen. Aber wir würden alles zu Gunsten der Gemeinschaft expropriieren, was nicht durch die Hände jener bearbeitet wird, die gegenwärtig den Boden besitzen. Und wenn die soziale Revolution eine vollendete Tatsache sein wird, wenn der städtische Arbeiter nicht mehr für einen Kapitalisten, sondern für die Bedürfnisse Aller arbeiten wird — dann werden Gruppen von frohen Arbeitern aufs Land hinauswandern, um den expropriierten, der Gemeinde Aller zurückerstatteten Feldern jene Bearbeitung angedeihen zu lassen, welche denselben heute fehlt; und um in kurzer Zeit die brachliegenden Strecken in üppige Äcker zu verwandeln, Reichtum ins Land bringend, allen Menschen im Überfluß die reichen und verschiedenartigen Erzeugnisse zugänglich machend, welche die Erde, das Licht, die Wärme bereit sind, ihnen zu geben. Und was den kleinen Grundbesitzer betrifft, glaubt ihr, daß er die Vorteile der gemeinsamen Bearbeitung des Bodens nicht begreifen wird, wenn er dieselben mit eigenen Augen sieht; und daß er nicht selber verlangen wird, in die große Familie der autonomen Gemeinde aufgenommen zu werden?

Die Aushilfe, welche heute die Arbeitslosen von London zur Zeit der Hopfenernte den Landwirten von Kent leisten, welche die Stadtbewohner den Dorfleuten hie und da zur Zeit der Weinlese geben, wird dann für die Bearbeitung des Bodens gegeben werden, so wie sie jetzt für das Einbringen der Ernte gegeben wird. Als ein dem Wesen nach an gewisse Zeitabschnitte gebundener Arbeitszweig (wie die Spekulanten des fernen Westens sehr gut begriffen haben), welcher zu manchen Zeiten einen Überschuß an Arbeitshänden erfordert — zur Verbesserung des Bodens noch viel mehr als für die Ernte —, wird die Landwirtschaft, als gemeinsame Bearbeitung des Bodens, das Bindeglied zwischen Stadt und Dorf werden; sie wird die beiden zu einem einzigen Garten verschmelzen, den eine einzige große Familie kultiviert. Die Riesenfarmen der Vereinigten Staaten, wo die Bearbeitung des Bodens heute in riesigem Maßstabe durch Tausende Proletarier besorgt wird, die man für einige Monate aufnimmt und, sobald die Frühlingsarbeiten und die Ernte vorbei sind, sofort wieder entläßt, werden zu Erholungsparks der industriellen Arbeiter werden.

Die Zukunft gehört nicht dem individualistischen Besitz, dem Bauer, welcher sich auf dem Stückchen Land, das ihn kaum ernähren kann, verschanzt; sie gehört der kommunistischen Kultur innerhalb anarchistischer Freiheit. Nur diese sind im Stande, der Erde das zurückzugeben, was wir ein Recht haben, von ihr zu verlangen.

Ist es vielleicht in der Industrie, wo wir die Wohltaten des monopolistischen Privateigentums finden werden?

Wir wollen nicht lang und breit die Übel besprechen, welche in der Industrie durch dieses Privateigentum des Kapitalismus angerichtet werden. Alle Sozialisten kennen sie zur Genüge. Elend des Arbeiters, Un sicherheit des kommenden Tages, sogar dort, wo nicht tatsächlich der Hunger an der Tür pocht; Krisen, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung der Frauen und Kinder, Zugrundegehen der Rasse, ungesunder Luxus der Müßiggänger, Erniedrigung des Arbeiters zum Arbeitstier, welchem die Mittel versagt sind, teilzunehmen am Genuß des Wissens, der Kunst, der Wissenschaften — all dies ist schon so oft und so gut gesagt worden daß es überflüssig ist, es zu wiederholen. Kriege um den Export und die Beherrschung der Märkte; Bürgerkrieg, riesige Armeen, ungeheure Budgets, Ausrottung ganzer Generationen; moralische Verderbnis der Müßiggänger, die falsche Richtung, die sie der Wissenschaft, den Künsten, den ethischen Grundsätzen geben; Regierungen, welche notwendig sind, um die Empörung der Unterdrückten zu verhindern; das Gesetz und seine Verbrechen, seine Henker und Richter; die Unterdrückung, die Unterwerfung, der knechtische Sinn, die daraus entspringen, die Verderbnis, die all dies über die Gesellschaft ausschüttet — so sieht die Bilanz des monopolistischen Privateigentums und der persönlichen Herrschaft, die aus demselben entspringt, aus!

Aber vielleicht leistet uns, trotz aller seiner Fehler, seiner Übelstände, das Monopoleigentum zu Gunsten Weniger, dennoch irgendwelche Dienste, welche die schlechten Seiten desselben aufwiegen? Vielleicht ist sie, diese Gewaltform des Eigentumsmonopols, in Anbetracht der menschlichen Dummheit, von der uns unsere Beherrscher so viel vorreden, noch immer das einzige Mittel, um die Gesellschaft in Gang zu halten? Vielleicht verdanken wir ihr den industriellen und wissenschaftlichen Fortschritt unseres Jahrhunderts? Wenigstens behaupten dies gewisse ‹Gelehrte›. Aber sehen wir, worauf sie ihre Behauptungen gründen, was ihre Argumente sind!

Ihre Argumente? Das einzige, welches sie vorbringen, ist das Folgende:

«Seht», sagen sie, «den Fortschritt der Industrie seit 120 Jahren, seit dem sie sich von den Fesseln der Zünfte und der Regierungsmonopole befreit hat! Betrachtet diese Eisenbahnen, diese Telegraphen, diese Maschinen, von denen eine jede die Arbeit von hundert bis zweihundert Menschen leistet, die alles herstellen, von der Schiffsschraube, die hunderte von Tonnen schwer ist, bis zu den feinsten Spitzen! All dies verdanken wir der Privatunternehmung, dem Bestreben des Menschen, sich zu bereichern!»

Gewiß, der Fortschritt in der Erzeugung der Reichtümer, welche seit 120 Jahren hervorgebracht worden sind, ist riesengroß; und gerade deshalb wird heute eine dementsprechende, neue Verteilung der Produkte zur zwingenden Notwendigkeit. Aber verdanken wir diesen Fortschritt wirklich dem persönlichen Interesse, der intelligenten Habsucht der Unternehmer? Gab es nicht einige andere, viel wichtigere Faktoren, welche dieselben Folgen haben konnten, und die sogar im Stande waren, bis zu einem gewissen Grade die nachteiligen Wirkungen der kapitalistischen Habsucht aufzuheben?

Wir kennen sie alle, diese Faktoren. Es genügt, sie zu nennen, um ihre Wichtigkeit klar zu machen. Da ist vor allem die Dampfmaschine – bequem, handlich, immer bereit zu arbeiten, welche die Industrie von Grund aus umgestaltet hat. Es ist die Entwicklung der chemischen Industrien, welche so wichtig geworden sind, daß, dem Ausspruch der Technologen gemäß, ihr Entwicklungsgrad der Maßstab der industriellen Entwicklung einer jeden Nation ist. Diese chemischen Industrien sind vollständig die Frucht des neunzehnten Jahrhunderts; man erinnere sich, was die Chemie im achtzehnten Jahrhundert war!

Es ist schließlich jene ganze Bewegung in den Ideen, welche seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts vor sich gegangen ist und welche, den Menschen von den geistigen Fesseln befreiend, ihm jene physischen und mechanischen Erfindungen ermöglichte, welche die Industrie umgewälzt haben. Wer wagte es, angesichts dieser mächtigen Faktoren, zu behaupten, daß die Abschaffung der Zünfte und Meisterrechte wichtiger für die Industrie waren als die großen Erfindungen unserer Zeit? Und wer kann es wagen, zu behaupten, daß, wenn diese Erfindungen einmal gemacht worden sind, eine gemeinschaftliche Produktionsweise nicht ebenso viel, wenn nicht mehr Nutzen aus denselben gezogen hätte als die Privatindustrie?

Was aber die Erfindungen selbst betrifft, so muß man nie die Lebensgeschichte der Erfinder gelesen und nie einen von ihnen gekannt haben, um zu behaupten, daß sie durch das Streben nach Gewinn zu ihren Erfindungen getrieben worden wären! Der größte Teil von ihnen ist in Armut gestorben, und man weiß, wie sehr das Kapital, das private Monopoleigentum, die praktische Anwendung und die Verbesserung der großen Erfindungen verzögert hat.

Andernteils müßte man, um die Vorteile jenes monopolistischen Eigentums gegen den gemeinsamen Besitz zu verteidigen, beweisen, daß dieser letztere den Fortschritt der Industrie hindert. Ohne diesen Beweis hat die ganze Beweisführung keinen Wert.

Nun ist aber gerade diese Behauptung unhaltbar, aus dem einzigen und einfachen Grunde, daß man nie gesehen hat, daß eine kommunistische Gruppe, die das nötige Kapital besaß, um eine große Industrie in Gang zu halten, sich geweigert hätte, in dieser Industrie neue Erfindungen einzuführen. Im Gegenteil: Wie immer unvollkommen die Vereinigungen, Genossenschaften usw. sein mögen, die man bisher entstehen sah, was immer ihre Mängel gewesen sind – sie haben nie den Fehler begangen, sich dem industriellen Fortschritt zu verschließen.

Wir können den verschiedenen Versuchen genossenschaftlicher Natur, welche seit 120 Jahren gemacht worden sind, vieles vorwerfen. Aber – dies ist bemerkenswert – der größte Vorwurf, den wir ihnen machen können, ist gerade der, daß sie nicht genossenschaftlich genug waren. Den großen Aktiengesellschaften, welche Landengen und Bergketten durchbohrt haben, werfen wir vor allem vor, daß sie eine neue Form des unpersönlichen Kapitalismus schaffen, und daß sie jeden Meter ihrer Kanäle und Tunnels mit Menschengebeinen bestreut haben; den Arbeitergenossenschaften werfen wir vor, eine privilegierte Aristokratie zu bilden, welche oft nichts weiter erstrebt, als ihre Brüder auszubeuten. Aber man kann weder den einen noch den anderen Saumseligkeit oder eine feindliche Haltung gegenüber den industriellen Verbesserungen vorwerfen. Die einzige Lehre, welche wir aus den bisher gemachten Versuchen zu genossenschaftlichen Unternehmungen ziehen können, ist, daß ein Unternehmen umso mehr Aussicht auf Erfolg hat, je weniger die persönliche Selbstsucht sich an die Stelle der gemeinsamen Interessen setzen kann.

Aus dieser, notwendigerweise kurzen Untersuchung geht also hervor, daß, wenn man uns die Wohltaten des monopolistischen Privateigentums rühmt, diese Behauptungen von einer wirklich erbärmlichen Oberflächlichkeit sind.

Kümmern wir uns also nicht so sehr um dieselben. Versuchen wir lieber, zu bestimmen, unter welcher Form die Besitzergreifung des gesamten gesellschaftlichen Reichtums durch Alle vor sich gehen wird, versuchen wir, die Richtung klar zu machen, in welcher die heutige Gesellschaft voranschreitet und versuchen wir, uns auf diese Grundlage stützend, zu entdecken, welche Gestalt die Expropriation im Laufe der kommenden Revolution annehmen wird.

III.

Keine Frage ist wichtiger, und wir fordern alle unsere Genossen auf, dieselbe von allen Gesichtspunkten aus zu studieren und dieselbe ohne Unterlaß zu besprechen, in Anbetracht ihrer sofortigen Verwirklichung, welche früher oder später sich uns aufzwingen wird. Von der richtigen oder verfehlten Durchführung dieser Expropriation wird der endgültige Erfolg oder der zeitweilige Mißerfolg der Revolution abhängen.

Tatsächlich kann niemand leugnen, daß jeder Versuch zu einer Revolution von vorneherein zum Scheitern verdammt ist, wenn sie nicht den Interessen der großen Mehrheit entspricht und nicht die Mittel findet, dieselben zu befriedigen. Es genügt nicht, ein edles Ideal zu haben. Der Mensch lebt nicht nur von hohen Gedanken oder großartigen Reden; er braucht auch Brot: der Magen hat größere Rechte als das Gehirn, denn er ernährt den ganzen Organismus.

Nun, wenn am Tage nach der Revolution die Volksmassen blos Phrasen zu ihrer Verfügung haben, wenn sie nicht durch sonnenklare Tatsachen merken, daß die Lage sich zu ihren Gunsten verändert hat, wenn die Umwälzung blos zu einem Wechsel der Personen und Formeln führt, wird nichts getan worden sein! Wir werden bloß um eine Enttäuschung reicher sein, und wieder werden wir uns an die endlose, hoffnungslose Arbeit machen müssen!

Damit die Revolution etwas anderes ist als ein leeres Wort, damit die Reaktion uns nicht den nächsten Tag zur vergangenen Situation zurückführt, muß der Erfolg wertvoll genug sein, um verteidigt zu werden: der Arme von gestern darf nicht mehr der Arme von heute sein!

Erinnert ihr euch der naiven Republikaner von 1848, die «drei Monate des Elends» in den Dienst der provisorischen Regierung stellten? Die drei Monate des Elends wurden mit Begeisterung angenommen, und man vergaß nicht, dieselben zu bezahlen, als die Zeiten sich änderten – aber mit Kartätschen und massenhaften Deportationen! Die Armen hatten darauf gehofft, daß die schmerzlichen Monate des Wartens genügen würden zur Schaffung jener erlösenden Gesetze, welche sie in freie Menschen umwandeln und ihnen die tägliche Arbeit, das tägliche Brot, sichern sollten.

Anstatt dergleichen zu fordern, wäre es nicht besser gewesen, es sich zu nehmen? Anstatt ihr Elend zur Schau zu tragen, wäre es nicht besser gewesen, demselben ein Ende zu machen? Nicht, daß die Selbstaufopferung keine große und schöne Sache wäre; aber es ist nicht Opfermut, es ist Verrat, wenn wir alle jene, die mit uns gehen, ihrem elenden Los überlassen. Daß die Kämpfer für die Sache sterben, ist gut, aber ihr Tod muß der Sache nützen! Daß selbstlose Menschen sich opfern, ist gerecht, aber die Menge muß vom Opfer dieser wackeren Kämpfer einen Vorteil haben!

Nur die allgemeine Expropriation kann die große Menge der Leidenden und Bedrückten befriedigen. Aus dem Gebiet der Theorie muß man dieselbe auf das Gebiet der Praxis übertragen. Aber damit die Expropriation ihrer Grundidee entspricht, d.h. das monopolistische Privateigentum abschafft und Alles für alle zugänglich macht, muß sich dieselbe im großen Maßstabe vollziehen. Im Kleinen würde man in ihr bloß eine gemeine Plünderei sehen, im Großen ist sie der Beginn der Neuorganisierung der Gesellschaft.

Jedenfalls würden wir die geschichtlichen Entwicklungsgesetze vollkommen außer Acht lassen, wenn wir uns einbilden würden, daß plötzlich ein ganzes großes Land sich als ein Feld für unseren Versuch hergeben könnte. Frankreich, Europa, die Welt werden nicht durch eine plötzliche Umwandlung anarchistisch werden. Aber wir wissen auch, daß einesteils die Unvernunft der Regierenden, ihr Ehrgeiz, ihre Bankerotte, und andernteils die fortwährende Propaganda unserer Ideen große Verschiebungen des Gleichgewichts, d.h. Revolutionen, zur Folge haben werden. An diesen Tagen werden wir in der Lage sein, zu handeln. Wie oft haben sich schon die Revolutionäre überraschen lassen indem sie die Ereignisse vorübergehen ließen, ohne dieselben für ihre Sache auszunützen und die günstige Gelegenheit verschwinden sahen, ohne dieselbe zu ergreifen!

Nun, wenn diese Tage kommen – und an euch liegt es, ihr Kommen zu beschleunigen! – wenn ein ganzer Distrikt, wenn große Städte mit ihren Vorstädten sich von ihren Beherrschern befreit haben werden, da wird unsere Aufgabe klar vor uns stehen.

Das gesamte Arbeitsmaterial muß in die Hände der Gemeinschaft zurückgegeben werden, der gesellschaftliche Reichtum, welchen Einzelne sich angeeignet haben, muß wieder in den Besitz seiner wahren Eigentümer, nämlich aller Menschen, kommen, damit ein jeder seinen rechtlichen Anteil an allen Gebrauchsgegenständen hat, damit die Erzeugung notwendiger und nützlicher Sachen ungehindert voranschreiten kann, und damit das gesellschaftliche Leben nicht unterbrochen wird, sondern im Gegenteil mit erneuter Kraft wieder einsetzt.

Ohne Gärten und Felder, welche uns die unentbehrlichen Lebensmittel geben, ohne Scheunen, Magazine und Warenhäuser, welche die angehäuften Arbeitserzeugnisse in sich schließen, ohne Werkstätten und Fabriken, welche uns die Stoffe, die bearbeiteten Metalle und die tausenderlei Erzeugnisse der Industrie und sogar der Kunst liefern, ohne Eisenbahnen und andere Verkehrsmittel, welche uns ermöglichen, unsere Erzeugnisse mit jenen der benachbarten, freien Gemeinden auszutauschen und unsere Kräfte zum Widerstand und zum Angriff zu vereinigen – ohne alles dies sind wir von Anfang an dem Verderben geweiht, und wir würden ersticken, wie der Fisch, den man aus dem Wasser zieht und der nicht im Stande ist zu atmen, obgleich er vom ungeheuren Luftmeer umgeben ist.

Erinnern wir uns des großen Streiks der Eisenbahnarbeiter, welcher in Amerika vor mehreren Jahren stattfand. [2] Das große Publikum hatte die Gerechtigkeit ihrer Forderungen anerkannt; alle Leute waren die Unverschämtheit der Bahngesellschaften müde; sie waren froh, dieselben der Gnade ihrer Arbeiter ausgeliefert zu sehen. Aber als diese, die Schienenwege und Lokomotiven in ihrer Macht haltend, versäumten, sich derselben zu bedienen, als der ganze Verkehr unterbrochen war, und die Lebensmittel und Waren aller Art im Preise aufs doppelte stiegen, änderte das Publikum seine Meinung. «Lieber die kapitalistischen Aktiengesellschaften, die uns bestehlen, und uns Arme und Beine zerbrechen, als diese Kerle von Streikenden, die uns verhungern lassen!»

Vergessen wir dies nicht! Es ist notwendig, daß sämtliche Interessen der großen Masse gewahrt werden und daß sowohl ihre materiellen Bedürfnisse, wie ihr Gerechtigkeitsgefühl, befriedigt werden!

Aber es genügt nicht, bloß das Prinzip anzuerkennen, man muß es auch anwenden.

Oft wiederholt man uns: «Versucht nur, das Stückchen Feld des Bauern, das Häuschen des Handwerkers anzurühren, und ihr werdet sehen, wie sie euch empfangen werden: mit Heugabeln und Fußtritten!»

Sehr richtig! Aber wir haben schon erklärt, daß wir das Stück Feld und das Häuschen nicht anrühren werden. Wir werden uns wohl hüten, unseren besten Freunden ein Unrecht anzutun, jenen, die, ohne es heute zu wissen, morgen unsere Bundesgenossen sein werden.

Die Expropriation wird sich auch zu ihrem Nutzen vollziehen. Wir wissen, daß es ein durchschnittliches Einkommen gibt, unter welchem der Mensch Not leidet, und über welchem man in Überfluß lebt. Dieses durchschnittliche Einkommen ist in jeder Stadt, in jedem Land verschieden; aber das Gefühl des Volkes wird sich nicht irren, und ohne, daß es notwendig sein wird, statistische Tabellen auf schönem Papier aufzustellen und ganze Bände mit Ziffern zu füllen, wird das Volk den richtigen Weg zu seinem eigenen Wohl finden.

In unserer schönen Gesellschaftsordnung ist es eine kleine Minderheit, welcher der beste Teil unseres nationalen Einkommens zufällt, die sich in den Städten und auf dem Lande Paläste bauen läßt, die in den Banken und unter ihrem Namen Geld, Banknoten und allerlei Papiere, die Ersparnisse der allgemeinen Arbeit darstellend, anhäuft.

Dies sind die Sachen, die man für null und nichtig erklären muß; und mit demselben Schlag befreit man den unglücklichen Bauer, dessen Feld über und über mit Hypotheken belastet ist; man befreit dadurch den kleinen Krämer und Handwerker, der in fortwährender Angst vor Steuerexekutionen, Zwangsversteigerungen und dem unvermeidlichen Bankerott lebt – mit einem Wort, man befreit die ganze im Elend versunkene Menge, die nicht weiß, woher das Brot für den nächsten Tag herzunehmen!

Wenn sie vor der sozialen Revolution noch gleichgültig war, kann sich diese Masse am Tage der Expropriation nicht vor der Erkenntnis verschließen, daß es von ihr selber abhängt, frei zu werden oder wieder in das alte Elend und die ewigen Sorgen zurück zu versinken. Oder wird sie noch so leichtgläubig sein, sich eine provisorische «revolutionäre» Regierung von glatthändigen und zungenfertigen Leuten zu wählen, anstatt sich selbst zu befreien? Wird sie vielleicht nicht zufrieden sein, so lange sie ihre alten Herren nicht durch neue ersetzt hat? – Wenn sie etwas vollbringen will, so muß sie es selber tun; sie mag versuchen, das Werk ihren «Vertretern» anzuvertrauen, wenn sie verraten werden will!

Wir wissen, daß die Vernunft nicht alles ist. Es genügt nicht, daß die Menschen ihr wahres Interesse erkennen, welches darin besteht, leben zu können, ohne fortwährend Sorgen um die Zukunft zu haben und ohne irgendwelchem Herren gehorchen zu müssen; es ist auch notwendig, daß alle Ideen über das Eigentum, und die daraus entspringende Moral sich demgemäß ändern.

Wir müssen ohne Zögern oder Hintergedanken begreifen, daß alle Erzeugnisse, die Gesamtheit der Ersparnisse und der Arbeitsmittel, die Frucht der solidarischen Arbeit aller Menschen sind, und deshalb nur einen Eigentümer haben können, nämlich die ganze Menschheit. Wir müssen klar sehen, was das monopolistische Privateigentum in Wahrheit ist: ein bewußter oder unbewußter Diebstahl an dem, was Allen gehört; und wir müssen freudig von alledem zum Nutzen Aller Besitz ergreifen, wenn die Stunde der Abrechnung schlägt.

In früheren Revolutionen, wo es bloß galt, einen König der älteren Linie durch einen König der jüngeren Linie oder durch die Republik zu ersetzen, traten neue Eigentümer an die Stelle der alten und die Gesellschaftsordnung blieb unverändert. Die Plakate «Tod den Dieben!», welche man am Eingang aller Paläste anschlug, befanden sich in vollkommener Übereinstimmung mit der gangbaren Moral, und mancher arme Teufel, der einen Taler des Königs oder sogar bloß ein Stück Brot des Bäckers anrührte, wurde als Beispiel der Volksjustiz erschossen. Der würdige Nationalgardist, ein Inbegriff der ganzen scheußlichen Würde der Gesetze, die sich die Ausbeuter zum Schutze ihrer Besitztümer geschaffen haben – zeigte stolz auf den Leichnam, der auf den Stufen des Palastes lag; und seine Kameraden beglückwünschten ihn als einen Rächer des Rechtes.

Aber diese Plakate von 1830 und 1848 wird man in der kommenden Revolution nicht mehr an den Mauern der aufständischen Städte sehen.

Wo Alles Allen gehört, da ist kein Diebstahl möglich. «Nehmt und verschwendet nichts, denn all dies gehört euch, und ihr werdet es brauchen.» Aber zerstört, ohne zu säumen, alles, was umgestürzt werden muß, die Gefängnisse und Zuchthäuser, die Festungen, die gegen die Städte gekehrt sind, und die ungesunden Stadtteile, wo ihr so lange eine verpestete Luft geatmet habt. Richtet euch häuslich in den Palästen und herrschaftlichen Häusern ein und macht ein Freudenfeuer aus den Haufen von Ziegeln und verrottetem Holz, welche euere Behausung gebildet hatten. Der Instinkt der Zerstörung, so natürlich und gerecht, wenn derselbe gleichzeitig ein Instinkt der Erneuerung ist, wird reichlich seine Befriedigung finden. Wie viel alter Kram muß durch Neues ersetzt werden! Ist denn nicht alles neu zu schaffen: die Häuser, die Städte, die landwirtschaftlichen und industriellen Arbeitsmittel - mit einem Wort: das gesamte Material der ganzen Gesellschaft?

Jedem großen Ereignis der Geschichte entspricht eine bestimmte Entwicklung im moralischen Leben der Menschen. Die moralischen Beziehungen zwischen gleichen Menschen sind natürlich nicht dieselben, wie jene zwischen dem «wohltätigen» Reichen und dem «dankbaren» Armen. Eine neue Welt braucht einen neuen Glauben; und es ist unzweifelhaft eine neue Welt, deren Geburt sich ankündigt!

Unsere Gegner selbst wiederholen ja fortwährend: «Die Götter fallen! Die Herrscher fallen! Das Ansehen der Autorität schwindet!». Wer aber kann und soll an die Stelle der Götter, Herrscher, Priester treten, wenn nicht der freie Mensch, der auf seine eigene Kraft vertraut? Der naive Glaube vergeht; Raum dem Wissen! Willkür und philantropisches Wohlwollen mögen verschwinden; freie Bahn für die Freiheit und Gerechtigkeit!

Fußnoten:
[1] George, Henry (1839-1897), amerikanischer Volkswirtschaftler, sah die Ursachen sozialer Not im Privateigentum an Grund und Boden; er forderte dessen Aufhebung bzw. die Konfiskation der Grundrente durch eine Einheitssteuer (single tax). G. hatte starken Einfluß auf die englische und deutsche Bodenreformbewegung. 1879 Veröffentlichung von ‹Progress and poverty› (Fortschritt und Armut, dt. 1959).
[2] Im Juli 1877 kam es in den USA zu einem Eisenbahnerstreik, der durch eine zehnprozentige Lohnherabsetzung auf den drei Hauptlinien hervorgerufen worden war. Der Streik wurde durch Regierungstruppen und Nationalgarde blutig unterdrückt.

Quelle: Peter Kropotkin - Worte eines Rebellen, rowohlt 1972. Französischer Originaltitel: L'expropriation. Erschienen in Original-Ausgabe unter dem Titel: Kropotkin, Petr A.: Paroles d'un révolté, 1882. Aus dem Französischen von Pierre Ramus (Rudolf Grossmann).

Originaltext: https://anarchistischebibliothek.org/library/peter-kropotkin-die-soziale-enteignung-der-enteigner


Creative Commons - Infos zu den hier veröffentlichten Texten / Diese Seite ausdrucken: Drucken


Email  RSS