Nie wieder Arbeit! - Eine ArbeiterInnenbewegung muss gegen die Arbeit sein

In den heutigen Industrieländern ist die Arbeit mittlerweile zu einem zentralen Wert gewachsen. Statt wie in vorkapitalistischen Gesellschaften - in denen Arbeit noch als ein notwendiges Übel gesehen wurde - definieren sich die Menschen heute über ihren Beruf.

So ist die weit bekannte Frage "Was willst du einmal werden?" nicht nur eine Frage nach der künftigen Tätigkeit eines Menschen, sondern impliziert immer auch, welche Position jemand in der Gesellschaft einnehmen wird, zu welcher Klasse jemand gehört. Es gibt also eine allgemein akzeptierte "Rangordnung" der geleisteten Berufe und damit auch eine Einteilung der Menschen, die diese Berufe ausüben, in verschiedene "Schichten" - oder genauer - in Klassen. Damit einher geht eine ungerechte Verteilung des vorhandenen gesellschaftlichen Reichtums, politischen Rechten und der Verteilung zu leistender Arbeit.

Menschen, die aus der Arbeitswelt herausfallen - weil sie zu alt, den "falschen" Bildungsstand, den "falschen" Pass oder einfach nur keine Lust auf fremdbestimmte Arbeit haben, werden an den gesellschaftlichen Rand gedrängt. Doch anstatt sich gegen ein solches ausbeuterisches Arbeitsverhältnis gemeinsam zu solidarisieren und auch wieder ein Recht auf Faulheit zu fordern, ist der Kampf der ArbeiterInnenbewegung immer ein Kampf für Arbeit gewesen - zumindest im autoritären, sozialdemokratischen Flügel. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der DGB z.B. in einem "Bündnis für Arbeit" wiederfindet, und auch der 1.Mai wird im allgemeinen noch "Tag der Arbeit" anstatt "Tag der ArbeiterInnen" genannt.

Die Befreiung der Menschheit von der Arbeit ist seit der Industrialisierung immer mehr verdrängt worden, mittlerweile sogar zum Gegenteil verkehrt. Ein Beispiel dafür ist es, dass es für die meisten Menschen nebensächlich ist, welche Arbeit sie ausüben, für viele zählt nur: Hauptsache Arbeit. Durch die fortschreitende Technologisierung der Arbeitsabläufe gibt es nur noch wenig Beschäftigung für immer mehr Arbeitssuchende, dafür aber immer höher werdende Anforderungen an die, die noch Arbeit haben. Maschinen werden nicht erfunden, um uns die Arbeit zu erleichtern, sondern dienen der Leistungssteigerung derer die sie bedienen, ohne auf deren tatsächliche Bedürfnisse einzugehen.

Und zudem arbeiten Maschinen zuverlässiger, länger und auch noch ohne Lohn für den Unternehmer/ die Unternehmerin. Deshalb ersetzen in allen großen und kleinen Betrieben mittlerweile Maschinen die Arbeitskraft vieler Menschen, die dann häufig zu hohen Zahlen auf die Strasse gesetzt werden. Aus Angst, selbst von so einer "Rationalisierungsmaßnahme" betroffen zu sein, oder zu wissen, dass mensch jederzeit ausgetauscht werden kann, leisten nur wenige Widerstand gegen die Arbeitsverhältnisse oder solidarisieren sich mit den immer mehr werdenden arbeitslosen Mitmenschen.

Es gibt vielmehr einen Konkurrenzkampf um die wenigen verbliebenen Arbeitsplätze, bei dem jene, die schon aus der Arbeitswelt herausgefallen sind, als "SozialschmarotzerInnen" bezeichnet und am untersten gesellschaftlichen Rand gehalten werden. Die Gewinner bei diesem Kampf um Arbeit sind die Arbeitgeber, für die es ein Leichtes ist, die Löhne niedrig zu halten, da die Nachfrage auch nach unangenehmen Beschäftigungen groß bleibt. Der gesellschaftliche Druck ist für viele einfach zu hoch, um sich gegen solche ausbeuterischen Bedingungen zu wehren. Der Wert der Arbeit in solchen Gesellschaften hat sich mittlerweile zu einem Dogma mit faschistoiden Auswirkungen gegen Arbeitslose entwickelt.

Eine wichtige Ursache, die diese drastische soziale Situation begünstigt hat, liegt sicherlich in der bodenlosen Konsumhaltung der in den Industriegesellschaften lebenden Menschen. Um diesen - luxuriösen - Massenkonsum aufrecht zu erhalten und den Profit der Reichen weiter zu steigern, ist ein hoher Grad an Selbstversklavung der ArbeiterInnen von Nöten, wogegen massiv angegangen werden muss. Denn klar ist, dass diese kapitalistische Wirtschaftsordnung jeden Tag unser ökologisches und soziales Klima mehr zerstört.

Organisiert euch selbst, leistet Widerstand und sorgt dafür, dass dieser Horror ein Ende nimmt!

Literaturhinweise:

  • Gruppe Krisis: Manifest gegen die Arbeit. Eigenverlag, Köln 1999.
  • Lafargue, Paul: Das Recht auf Faulheit. Widerlegung des "Rechts auf Arbeit" von 1848. Edition Sonne und Faulheit, o.O.1980.
  • Materialien zu Paul Lafargues "Recht auf Faulheit". O.v., o.O., o.J. (evtl. Marburg 1973).
  • Unruh, Ludwig: Hauptsache Arbeit? Zum Verhältnis von Arbeit und menschlicher Emanzipation. Syndikat A, Moers 2001.


Quelle:
Interhelpo # 7


Originaltext: http://www.free.de/schwarze-katze/texte/1mai01.html#da133


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