Marx' feuchter Traum

In Argentinien haben Tausende Arbeiter ihre Fabriken besetzt. Während die Wirtschaftskrise die Bewegung wachsen lässt, gefährdet sie ein Prestigeobjekt: das besetzte Hotel Bauen in Buenos Aires.

Utopia. So heißt das Restaurant in der Lobby des Hotel Bauen im Zentrum der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Der Kellner Armando Casado arbeitet hier seit 18 Jahren. „Am Anfang habe ich nicht daran geglaubt, dass es funktionieren könnte“, sagt Casado. Für das Interview hat er an einem der Tische des hoteleigenen Restaurants Platz genommen. Mitten in der Arbeitszeit. Casado musste dafür nicht erst seinen Chef um Erlaubnis fragen. Er ist der Chef. Seine vier Kollegen, die hier arbeiten, sind auch Chefs. Alle 130 Mitarbeiter im Hotel Bauen sind Chefs. Oder keiner von ihnen, je nach Sichtweise.

Vor rund sechs Jahren haben 30 seiner heutigen Kollegen das ehemalige Fünf-Sterne-Haus besetzt, renoviert und nach drei Jahren Dornröschenschlaf wiedereröffnet. Heute ist ein Großteil des Gebäudes mit seinen 20 Stockwerken wieder in Betrieb: 180 Zimmer, das Restaurant, das Schwimmbecken, die Veranstaltungsräume. Alles wurde von den Arbeitern in mühsamer Kleinarbeit wieder hergerichtet. „Wir haben anfangs alle daran gezweifelt“, erzählt der 59-jährige Casado. Bis heute wundert er sich jeden Tag aufs Neue, dass dieses Experiment funktioniert. Und bleibt dennoch skeptisch. „Sehen Sie sich das Gebäude doch an!“ Der alte Kasten in der Avenida Callao ist trotz aller Bemühungen der Belegschaft noch immer vor allem eines: baufällig.

Das Bauen hat seine besten Tage in Argentiniens dunkelster Epoche erlebt. Für die Fußballweltmeisterschaft 1978 wurde es eröffnet, finanziert von jener Militärdiktatur, die sich die Argentinier von 1976 bis 1983 durch Entführungen, Folter und Morde gefügig machte. Im Bauen wohnte 1978 die deutsche Nationalmannschaft, bis sie im Spiel von Córdoba gegen Österreich aus dem Bewerb flog. Der Bauherr und Besitzer Marcelo Iurcovich sollte seine Schulden an die Staatsbank nie zurückzahlen. Im Gegenteil: Bis er das Bauen Ende 2001 schließen ließ, zahlte Iurcovich weder Zinsen noch Steuern. Gleichzeitig wurde kaum in die Instandhaltung des Gebäudes investiert. „Das war ein geplanter Bankrott“, sagt Armando Casado. Vor der Schließung war er zehn Jahre lang zuständig für Bankette und Events im Hotel. „Als Kellner verdiene ich heute viel weniger. So wie alle anderen“, sagt er. Seit die Arbeiter das Hotel im Kollektiv als eine selbstverwaltete Genossenschaft führen, bekommen alle 130 Mitglieder denselben Lohn: je nach Umsatz 1.500 bis 1.800 Pesos pro Monat, rund 275 bis 330 Euro, egal ob Kellner oder Manager. (Zum Vergleich: Die Gewerkschaft fordert für Kellner derzeit 1.500 Pesos pro Monat.)

Das Bauen ist ein empresa recuperada, ein „zurückgenommener Betrieb“. Als Folge der argentinischen Wirtschaftskrise Anfang des Jahrtausends nahmen viele damals von heute auf morgen arbeitslos gewordenen Menschen ihr Schicksal in die Hand und besetzten stillgelegte Fabriken im ganzen Land. Heute sind in Argentinien rund 30.000 Menschen in mehr als 200 solchen Betrieben beschäftigt. Diese Zahlen sind freilich Schätzungen, denn die Arbeiterkollektive bewegen sich de facto im rechtsfreien Raum, der in der argentinischen Gesellschaft traditionell groß ist. Der Weg von der Besetzung einer Fabrik bis zu einer gewissen Rechtssicherheit für die jeweilige Belegschaft ist lang. Ein Großteil der ehemaligen Besitzer wird von den Regionalparlamenten nach einigen Jahren aber offiziell enteignet, was eine Duldung der Besetzung bedeutet. Rund um die empresas recuperadas ist eine Bewegung aus Arbeitern, Gewerkschaftern und Aktivisten entstanden. Das Bauen ist eines ihrer Zentren, wegen seiner symbolischen Lage im Zentrum der Hauptstadt. Und weil sich die Veranstaltungssäle des Hotels perfekt eignen für Versammlungen. Im dritten Stock sitzt die FACTA, die Föderation der selbstverwalteten Genossenschaften in Argentinien. Ihr Motto: trabajo sin explotación – Arbeit ohne Ausbeutung.

Diese Arbeiterbewegung entging auch den sozialistischen Führern des linken Südamerika nicht. Die ersten Gäste, die im besetzten Bauen übernachteten, waren Mitglieder eines Kinderchors aus Venezuela. Präsident Hugo Chávez ließ den Arbeitern über die Botschaft Geld zukommen, um die Zimmer für den Chor zu renovieren. So ist es nur konsequent, dass im „Office Center“ des Hotels heute Bilder der heiligen Vierfaltigkeit der lateinamerikanischen Linken an der Wand hängen: Hugo Chávez, Evo Morales (der Präsident von Bolivien) sowie die kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro und Che Guevara – letzterer wurde in der argentinischen Stadt Rosario geboren.

„Die Arbeiter bekamen kein Geld, keine Abfertigung, als das Hotel geschlossen wurde“, erzählt Diego Ruarte. Der 33-Jährige trägt zwei Piercings im Gesicht, eine schwarze Hornbrille und sieht mit seinem Kinnbart selbst ein bisschen wie Che aus. Vor der Schließung war er im Einkauf für die Gastronomie beschäftigt. Heute ist er Sprecher des Kollektivs. „Nach zwei Jahren Warten auf die Löhne haben die Arbeiter sich zusammengetan und beschlossen, etwas zu unternehmen“, sagt er. Nach vielen Versammlungen brachen am 21. März 2003 30 ehemalige Angestellte durch den Hintereingang in das Hotel ein. Ihnen halfen Arbeiter bereits besetzter Fabriken bei der Umsetzung des Leitspruchs der Bewegung: ocupar, resistir, producir – besetzen, Widerstand leisten, produzieren. Nur wurde vor dem Hotel noch nie ein Servicebetrieb besetzt.

Anfangs waren die Arbeiter aber sowieso erstmal mit dem Leisten von Widerstand beschäftigt: „Einige wohnten im Hotel, um es auch nachts zu bewachen“, sagt Ruarte. „Die Polizei empfingen wir auf der Straße, die Türen waren verriegelt.“ Als die Exekutive 2007 zum letzten Mal versuchte, das Hotel zu räumen, protestierten Tausende Menschen auf der Avenida Callao. Die Bewegung der besetzten Betriebe erhält auch Unterstützung von der weltbekannten Menschenrechtsorganisation der „Mütter vom Plaza de Mayo“, die bis heute Aufklärung über das Schicksal ihrer während der Militärdiktatur scheinbar spurlos verschwundenen Kinder fordern.

Die Voraussetzungen für die heutige Bewegung wurden Ende 2001 geschaffen, als der Staat pleiteging. In den Neunzigerjahren hatte man in dem Land am Rio de la Plata, wo 40 Millionen Menschen auf einer Fläche leben, die fast achtmal so groß ist wie Deutschland, noch an eine goldene Zukunft geglaubt. In der zweiten Amtszeit des peronistischen Präsidenten Carlos Menem galt Argentinien Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds als Musterschüler. Der versorgte den Staat mit Milliardenkrediten, während Menem die politischen Forderungen des Fonds umsetzte: Staatsunternehmen wurden privatisiert, die Märkte dereguliert und der argentinische Peso eins zu eins an den US-amerikanischen Dollar gebunden.

Das Land erlebte einen Aufschwung, finanziert durch Kredite, Staatsanleihen und Exporte. Gleichzeitig blieben Demokratie und Rechtsstaat in den Kinderschuhen stecken; mit der Wirtschaft blühte auch die Korruption. Argentinien war ein neoliberaler Schnellzug, der Ende 2001 entgleiste. In vielerlei Hinsicht war die Argentinienkrise so gesehen eine Vorschau auf die heutige Weltwirtschaftskrise. Als die Menschen Ende November 2001 die Banken stürmten und rund 1,3 Milliarden Dollar von ihren Konten abhoben, war klar, dass das neoliberale Experiment gescheitert war. Ausländisches Kapital war schon in den Monaten zuvor massiv abgezogen worden. Die Regierung von Präsident Fernando de la Rúa (Menems Nachfolger als Präsident regierte von 1999 bis 2001) reagierte mit einer Sperre der meisten Konten.

Einen Monat später war das Land am Ende. Am 19. und 20. Dezember gingen die Menschen auf die Straße. Die Bilder der sogenannten cacerolazos, die auf Töpfen und Pfannen trommelten, gingen um die Welt. Die Regierung erklärte das Kriegsrecht. Bei Zusammenstößen mit der Polizei starben mindestens 20 Demonstranten. De la Rúa musste zurücktreten. Sein Nachfolger Adolfo Rodríguez Saá erklärte am 25. Dezember, dass Argentinien seine Schulden in Höhe von 132 Milliarden Dollar nicht zurückzahlen könne. Dies war Rodríguez Saás einzige Handlung als Präsident. Am 31. Dezember trat er nach nur einer Woche im Amt zurück. Argentiniens Kollaps ging als größter Staatsbankrott aller Zeiten in die Geschichte ein. In den Chaostagen rund um Weihnachten 2001 verloren auch die Angestellten des Hotel Bauen ihre Jobs.

Am 28. Dezember wurden sie aufgefordert, ihre Uniformen abzugeben. Die verbleibenden Gäste wurden in ein anderes Hotel, das der Besitzer Marcelo Iurcovich ums Ecke vom Bauen betrieb, einquartiert. „Der Zusammenbruch der Wirtschaft war die perfekte Ausrede, das Hotel zu schließen“, sagt Diego Ruarte. „Sie haben alles mitgenommen in das andere Hotel: die Gäste, die Fernseher, die Security-Kameras.“

Dieser Zusammenbruch hatte auch seine Vorteile. Nachdem die Peso-Dollar-Kopplung aufgelöst wurde, verlor die argentinische Währung drei Viertel ihres Werts. Aus Buenos Aires, einst eine der teuersten Hauptstädte der Welt, wurde über Nacht eine der billigsten. Als die Arbeiter das Hotel 2003 besetzten, kamen mehr Touristen ins Land als je zuvor – obwohl Buenos Aires mit Sehenswürdigkeiten à la Eiffelturm oder Freiheitsstatue nicht gerade üppig ausgestattet ist. Bis heute gilt die Metropole mit ihren rund 13 Millionen Einwohnern dennoch als „Paris des Südens“. Das Nachtleben ist legendär. Und nicht zuletzt sorgen Einwanderer aus Nordamerika und Europa für internationales Flair.

Der Tourismusboom ermöglichte die Neueröffnung des Hotels. Auch wenn sich die Anfänge äußerst bescheiden gestalteten. „Zuerst haben wir die Veranstaltungsräume renoviert“, erzählt Diego Ruarte. Die ersten Mieter waren oft die eigenen Arbeiter, die ihre Hochzeit oder den 15. Geburtstag ihrer Kinder dort feierten. (In Argentinien hat der 15. Geburtstag denselben Stellenwert wie der „Sweet 16“ in den USA.) Zwei Jahre nach der Besetzung waren die ersten Zimmer für Gäste hergerichtet.

Die Touristen interessieren sich freilich kaum für die politische Krise und die Spannungen in der argentinischen Gesellschaft. Dafür umso mehr für saubere Bettwäsche, auch wenn das Haus heute nur noch drei Sterne hat. Im 20. Stock drehen sich jeden Tag die Wäschetrommeln. Patricio Barrionuevo, der das weiße Leinen in die riesigen Maschinen stopft, war Koch, früher, vor der Schließung. „Aber ich mache auch diesen Job gerne“, sagt er. „Es fühlt sich gut an, mit meinen companeros etwas aufzubauen.“ Es wird auch wieder produziert im Bauen. In Zimmer 1104 im elften Stock sitzt Arminda Palacios täglich an der alten Nähmaschine. Das tat die 73-Jährige auch vor 2001 – 20 Jahre lang.

Sie begrüßt Diego Ruarte mit einem Kuss auf die rechte Wange, wie er in Argentinien sogar unter Männern üblich ist. „Früher hatten wir einen Boss. Heute sind wir frei“, sagt Palacios. Als Angestellte durften sie ihren Bereich nicht verlassen, manche kannten noch nicht mal die Lobby des Hotels, erzählt die alte Frau. Heute werde jeder Beschluss gemeinsam gefällt und jeder wisse, wie es um die Finanzen steht. Die Stoffe für Bezüge, Tischtücher und Uniformen kommen aus einer besetzten Fabrik. Auch bei Palacios hängt ein Bild von Che Guevara an der Wand. „Ich war sogar in seinem Geburtshaus. Er ist mein Idol“, sagt sie.

Arbeiterkollektive sind kein Neues Phänomen. Machtübernahmen durch Arbeiter fanden bereits im Großbritannien des 18. Jahrhunderts statt. 1930 gab es dort bereits zwischen 300 und 500 selbstverwaltete Fabriken. Die Vordenker dieser Arbeiterbewegung gelten heute als Prämarxisten. Während des spanischen Bürgerkriegs (1936–1939) wurde die Idee auch in Katalonien übernommen. Kollektive Selbstverwaltung wird in Argentinien in verschiedenen Bereichen (zum Beispiel in großen Konsumkollektiven) praktiziert.

Die eigentlich illegale Besetzung und Inbetriebnahme von Fabriken und Betrieben ist eine neue Entwicklung. „Auch heute kommen Menschen zu uns, die keinen Betrieb übernommen haben, sondern einen neuen aufbauen wollen“, sagt Brendan Martin, der mit seiner Nonprofitorganisation La Base seit Ende 2004 Mikrokredite an Genossenschaften vergibt. Der US-Amerikaner hatte sich von einem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2003 inspirieren lassen. Die kanadischen Journalisten Avi Lewis und Naomi Klein gaben in ihrem Film „The Take“ der Arbeiterbewegung in Argentinien eine Stimme. Ein Jahr später kam Martin nach Buenos Aires und gründete mit Spenden aus den USA La Base. Bis heute hat die Organisation rund 100 Mikrokredite in der Höhe von 1.000 bis 6.000 Euro vergeben. „Fast alle konnten schnell zurückzahlen, weil wir nur solide Businesspläne unterstützen“, sagt Martin. Das Besetzen des ehemaligen Arbeitsplatzes war Anfang des Jahrtausends eine Notlösung mit ungewissem Ausgang.

Seit Organisationen wie FACTA und La Base systematisch Unterstützung anbieten, gewinnt die Idee aber immer mehr an Popularität. Auch trotz und vielleicht gerade wegen der neuen Krise, jener der Weltwirtschaft. „Die Zahl der Anfragen an uns hat sich seit Beginn der Krise vervierfacht “, sagt Martin: „Inzwischen bekommen wir E-Mails von Arbeitern in den USA und England.“ La Base expandiert derzeit nach Nicaragua.

Von einer weltweiten Bewegung zu sprechen wäre wahrscheinlich übertrieben, aber in Südamerika wird die Machtübernahme durch Arbeiter inzwischen auch von der Politik unterstützt. „In Venezuela oder Bolivien versuchen die Regierungen die Idee von oben herab zu propagieren“, sagt Martin. „In Argentinien kommt die Bewegung aber von unten, von den Menschen.“ In diesem Jahr erhält La Base aber auch Unterstützung von Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner. Ihre Regierung stellt 200.000 Pesos (rund 40.000 Euro) zur Verfügung.

Für den Erfolg des Hotel Bauen stellt die globale Wirtschaftskrise eine neue Bedrohung dar. War das Hotel bis Ende vergangenen Jahres nahezu immer ausgebucht, sind die Nächtigungszahlen nach dem südamerikanischen Sommer um rund 60 Prozent zurückgegangen. „Dabei habe ich erst seit Kurzem daran geglaubt, dass das Experiment klappen könnte“, sagt Esteban Magnani. Der 36-jährige Sozialwissenschaftler war einer der Mitbegründer von La Base und hat ein Buch über die Bewegung geschrieben („The Silent Change“, Teseo Verlag 2009).

Die Buchungsflaute gefährdet auch die gute Stimmung unter den Partnern im Kollektiv. „Sie haben schon so viel Geld, rund eine Million Euro, in das Haus gesteckt“, erzählt Magnani, der auch am Dokumentarfilm „The Take“ mitgearbeitet hat. Und um das alte Gemäuer weiter in Stand zu halten, wird noch mehr Geld nötig sein.

Derzeit werden zehn Prozent der Einnahmen in das Hotel reinvestiert. Der Rest wird aufgeteilt. Eine Million Euro in sechs Jahren – das reicht nur für die nötigsten Arbeiten, auch wenn die Kellner in der Freizeit den Frühstücksraum ausmalen. „Wir renovieren Stock für Stock, und wenn wir oben angelangt sind, müssen wir unten wieder anfangen“, sagt Diego Ruarte. Das ehemalige Prunkstück des Hotels, die Disco im ersten Stock, ist bis heute eine riesige Abstellkammer. „Das war damals einer der besten Clubs in der Stadt“, sagt Ruarte, „aber das teure Equipment wurde natürlich auch entfernt.“ Die monatlichen Versammlungen der Belegschaft, wo jeder Arbeiter mitbestimmen kann, sind in der jüngsten Vergangenheit immer mehr zu Krisensitzungen verkommen. Der Tourismus in Argentinien wird durch die Schweinegrippe zusätzlich bedroht. Schon jetzt verzeichnet das Land die zweithöchste Quote an Grippetoten nach den USA. Schulen und Universitäten blieben im Juli geschlossen.

„Aber die Arbeiter des Bauen haben schon so viel Unmögliches geschafft“, sagt Esteban Magnani. „Sie hatten kein Geld und mussten alles selbst wieder aufbauen. Marx lehrt uns, dass Kapital von Arbeit kommt. Sie haben das bewiesen.“ Im Bauen erleben die Arbeiter gerade die Schattenseiten einer selbstverwalteten Genossenschaft. Jeder weiß, dass es nicht gut steht um sein Hotel. Und eine Beteiligung der Mitarbeiter führt nicht automatisch zu höherer Motivation. „Die Bosse haben früher zu viele Regeln vorgegeben. Jetzt haben manche zu viele Freiheiten“, sagt Armando Casado, der grauhaarige Kellner. Für große Entscheidungen stelle die basisdemokratische Vollversammlung ein gutes Mittel dar, bei kleineren aber erweise sie sich als problematisch.

Wie es weitergeht? „Keine Ahnung“, sagt Casado. Schon als das Hotel 2001 geschlossen wurde, fanden nur die wenigsten Arbeiter einen neuen Job. Heute, da sie sechs Jahre älter sind, wäre ihre Chance noch geringer. Das schweißt zusammen. „Wir müssen die Arbeit besser organisieren, ja.“ Aber Aufgeben komme nicht infrage. Auch wenn der Name des Restaurants, in dem Casado arbeitet, treffender nicht sein könnte: Utopia.

Text:
Nikolaus Jilch (Mitarbeit: Valeria Lopez)

Aus:
Datum. Seiten der Zeit 09/2009

Originaltext:
http://www.datum.at/0909/stories/marx-feuchter-traum/


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