„Reich den Bullen nicht die Hände“. Katja Belomorkina - Anarcho-Chanson aus Russland

Am Ursprung des russischen Anarcho-Chansons steht die Band „Dwigatelj rewoljuzii“ („Getriebe der Revolution“) aus Nishni Nowgorod, welche seit 2000 Lieder mit Berührung zum russischen Rock, Metall und Chanson spielte. „Dwigatelj rewoljuzii“ nahm mehrfach am Wettbewerb „pesni soprotiwlenija“ („Lieder des Widerstandes“) in Moskau teil, und schuf damit womöglich die Grundlage für ein neues Genre.

Das weissrussische Musikensemble „PolitSek“ („PolitHäftling“), an dem auch russische Musiker in Zwangsemigration beteiligt waren, gab so 2007 sein erstes Album heraus. So entstand das Genre „Anarcho-Chanson“ – Lieder mit anarchistischer Thematik, häufig Coversongs von anarchistischen Punk-Bands, welche im Stil des Chanson vorgetragen wurden.

2009 fand diese Richtung in „Katja Belomorkina“ eine würdige Fortsetzung. Alle Lieder ihres ersten Albums „Reich den Bullen nicht die Hände“ wurden unter einfachen Bedingungen aufgenommen – in der Heimat des Weissmeerkanals, dem Gebiet des GULAG im hohen russischen Norden. Das Album wird sich wohl hauptsächlich über das Internet verbreiten – wo es bereits jetzt begeisterte Aufnahme gefunden hat und in die Top-Ten des antifaschistischen Musikportals http://gnwp.ru aufstieg.

Dabei ist klar, dass die Autorin und Sängerin sich hervorragend sowohl in anarchistischen als auch in Häftlingsthemen auskennt. Praktisch alle Lieder haben einen realen Hintergrund – Repressionen gegen Anarchisten in Russland, mit einer nur geringen künstlerischen Einfärbung. Im Gegensatz zu anderen Bands, wie „PolitSek“, die häufig mit einem humoristischen Unterton agieren, sind die Lieder von Katja Belomorkina ernst. Die Realität der anarchistischen und der antifaschistischen Bewegung wird in ziemlich harten und düsteren Farben gezeichnet, aber ungeachtet dessen sind sie kompromisslos – die Sängerin verachtet Modeanarchisten, Internet-Schwätzer und von der Sache abgewandte Intellektuelle.

In Verbindung mit der wunderschönen Stimme von Katja Belomorkina erwartet Euch eine gelungene Synthese von russischer Gangstermusik mit anarchistischem Inhalt.

Textausschnit aus dem Lied „Dewki-Anarchistki“ (Mädels-Anarchistinnen):

„Mitten in der Hauptstadt
Zerbombten mutige Mädels
Das Gebäude des FSB.
Sie krümelten nicht viel,
Erwischten keine Menschen,
Aber verdienten sich die Haft.
Putin – du faschistische Herrschaft
Putin – du niedriges Biest!
Putin – du schädlicher Abschaum,
doch auch du bist sterblich!“

Originaltext: http://syndikalismus.wordpress.com/2010/06/01/reich-den-bullen-nicht-die-hande-katja-belomorkina-anarcho-chanson-aus-russland/


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