Arbetlose-Marsch

Ejns, tswej, draj, fir,
arbetlose senen mir,
nischt gehert chadoschim lang
in farbrik dem hammer-klang,
's lign kejlim kalt, fargesn,
's nemt der sschawer sej schoj fresn,
gejen mir arum in gas,
wi di gewirim pust-un-pas,
wi di gewirim pust-un-pas.

Ejns, tswej, draj, fir,
arbetlos senen mir,
on a beged, on a hejm,
undser bet is erd un lejm,
hat noch wer wos tsu genisn,
tajt men sich mit jedn bisn,
waser wi di g'wirim wajn,
gisn mir in sich arajn,
gisn mir in sich arajn.

Ejns, tswej, draj, fir,
arbetlose senen mir,
jorn lang gearbet, schwer,
un geschaft alts mer un mer,
hajser, schleser, schtet un lender,
far a hojfele farschwebder.
Unser lojn derfar is woa?
Hunger, nojt un arbetlos,
Hunger, nojt un arbetlos.

Ejns, tswej, draj, fir,
ot asoj marschirn mir,
arbetlose, trit noch trit,
un mir singe sich a lid
fun a land, a weit a naje,
wu es lebn mentschn fraje,
Arbetlos is kejn schum hant,
in dem najen fajen land,
in dem najen fajen land.

http://www.youtube.com/watch?v=kRCt0vkDKfY

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Arbeitslosen-Marsch

Eins, zwei, drei, vier
Arbeitslose, das sind wir:
Wehrlos, stumm muss man anhör'n,
wenn sie voll Mitgefühl beschwör'n:
»Leider müssen wir mitteilen,
dass Sie nicht mit der Zeit miteilen;
Sie sind in unserm Ziel zuviel«
Ich aber frage: »Welches Ziel?«
Ich aber frage: »Welches Ziel!«

Fünf, sechs, sieben, acht,
arbeitslos und ausgelacht:
Der Lebenslauf, der sei ein Witz
und wegen Alters abgenützt.
Doch was wärt ihr, die Arbeit habt,
so komisch das jetzt klingen mag,
wär'n wir nicht für euch Arbeit los,
an eurer Stelle arbeitslos,
an eurer Stelle arbeitslos!

Neun, zehn, elfe, zwölfe
Arbeitslose unter Wölfen:
Nur Hunde die mit Wölfen heulen,
holen sich die fettsten Keulen,
mit Rationalisierungshetz,
mit Aktienkurs und Dax-Index.
Ene mene, du bist draus:
Die Börse feiert Leichenschmaus.
Die Börse feiert Leichenschmaus!

Hundert, tausend, abertausend
Arbeitslose stehen draußen,
warten auf Gelegenheit,
warten aus Verlegenheit,
wo's längst nichts mehr zu warten gibt,
weil brach das Feld der Arbeit liegt,
dann heisst’s noch ihr seid selber schuld
es reisst der Faden der Geduld,
es reisst der Faden der Geduld!

Vier, drei, zwei, eins
Wär’n Arbeitslose sich mal eins:
Manchmal träume ich davon,
ein dicker Hammer wär es schon;
der schlüge dann in eure Fressen,
ihr die mit uns so ganz vermessen
Götter spielt und selbstgerecht
uns die Zeche zahlen lässt,
uns die Zeche zahlen lässt!

Tausendfach, millionenfach,
Arbeitslose schlagen Krach.
Es ist ein stiller, stummer Schrei,
an jene Wichtigtuerei,
derer die das eingebrockt,
geifernd, fleddernd abgezockt,
doch mit Judaslohn und Silberstück
strickt ihr euch einen eig’nen Strick,
strickt ihr euch dann den eig’nen Strick!

Eins, zwei, drei, vier
Arbeitslose waren wir.
Denn heute sag' ich laut und klar:
Es ist gelogen, ist nicht wahr.
Ich denke, also bin ich noch,
ich bin noch, also denk' ich noch:
Was glaubt ihr denn, ihr Herrn der Welt,
das wahre Nichtstun liegt im Geld,
das wahre Nichtstun liegt im Geld.


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Text: Mordechaj Gebirtig
Deutsche Nachdichtung: Christof Hoyler


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