Feindbild Mensch: Ökofaschismus und New Age

Nach den Morden von Mölln demonstrierte das "andere" Deutschland mit den Lichterketten seine "Ausländerfreundlichkeit", während das Asylrecht abgeschafft, Roma und Sinti nach Rumänien deportiert und mit den osteuropäischen Staaten Verträge über Saisonarbeiterinnen abgeschlossen werden. Was Schönhubers Republikaner in den 80er Jahren forderten, ist heute Konsens der bundesdeutschen Parteien bis hin zu den Grünen. Oberflächlich wie die Lichterketten ist auch die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Rassismus, eingegrenzt auf Skinheads und einige organisierte Nazigruppen. Als Ursache rassistischer Gewalt werden sozialökonomische und psychologische Defizite angenommen. Rassismus wird zum "Protest" von "Randgruppen", von "sozial Schwachen" und "orientierungslosen" Jugendlichen erklärt. Rassismus und Faschismus entstehen aber keineswegs am Rande der Gesellschaft. Im Gegenteil, seit über zweihundert Jahren produzieren Intellektuelle rassistische Ideologien, die mit finanzieller Hilfe des Kapitals über die Massenmedien verbreitet und von staatlichen Apparaten umgesetzt werden.

Wie in der ersten Jahrhunderthälfte haben in Deutschland antirationale Ideologien Konjunktur, auch im liberalen und linken Spektrum der Gesellschaft. Soziale Verhältnisse werden mit biologistischen Kategorien interpretiert. Postmoderne Kritik an einer angeblichen Herrschaft der Vernunft als Ursache gesellschaftlicher Fehlentwicklungen, traditionelle Frauenbilder Mütterlichkeit, Emotionalität etc. verklärt als "Recht auf Differenz", ein Multi-Kulti-Ansatz der von statisch fixierten homogenen Kulminationen und "nationalen Identitäten" ausgeht.

Zwei Strömungen breiten sich derzeit rasant aus, ökorassistische Positionen und New-Age. Die New Age-Szene hat zehntausende von Anhängerinnen. Das Geschäft mit entsprechenden Veranstaltungen, Accesoires und Literatur blüht. Zwölf Prozent der Umsätze im deutschen Buchhandel werden mit Esoterik erzielt. Schon vor Jahren wiesen die beiden Wiener Autoren Schweidlenka und Guggenberger auf die Verbindung zwischen New-Age und Rechtsextremismus hin. Sie untersuchten 367 New AgeGruppen und 161 Zeitschriften. Ergebnis: 46 Gruppen und 28 Zeitschriften sind eindeutig rechtsextrem, weitere 56 Gruppen und 27 Zeitschriften haben entsprechende Kontakte.

Zur Entwicklung des Begriffs Ökologie

Esoterische und völkisch-rassistische Strömungen knüpfen nicht bloß taktisch an die Ökologiebewegung an, sondern haben diese entscheidend und massenwirksam mitgeprägt. Den Begriff "Ökologie" prägte der deutschen Zoologe Ernst Haeckel (1834-1919). Er definierte Ökologie als Wissenschaft von den Beziehungen der Organismen zur Umwelt und verknüpfte esoterische, sozialdarwinistisch-rassistische Positionen sowie Fortschritts und Technikoptimismus zu einer "ökologischen Weltanschauung". Die Evolution bezeichnete er als kosmische Kraft, die sich in der Natur verkörpert. Haeckel propagierte die "Umkehr zur Natur": Eine "naturgemäße Gesellschaftsordnung" müsse "ewigen Naturgesetzen" entsprechen, worunter er Darwins Lehren vom Kampf ums Dasein und dem Aussterben der Schwachen verstand. Darwins eifriger deutscher Schüler forderte deshalb (1879) rassenhygienische Maßnahmen, wie z.B. die Todesstrafe als Selektionsinstrument.

Wollte Haeckel eine "natürliche Gesellschaft" durch unbeschränkten Einsatz moderner Naturwissenschaft und Technik errichten, so distanzierten sich seine Nachfolger unter dem Einfluß der sogenannten Lebensphilosophie vom Fortschritts und Technikoptimismus und entwickelten den "Organismus"-Ansatz. Die "Lebensphilosophie" war um die Jahrhundertwende eine sehr verbreitete Strömung. Ihre zentrale These lautet, daß die neuzeitliche Geschichte eine Geschichte des Verfalls ist, weil unter der Herrschaft der Vernunft die menschliche "Ganzheitlichkeit" aufgelöst werde. Der Geist spaltet Leib und Seele, schrieb etwa Ludwig Klages (1872-1956). Gegen eine "mechanistische" Naturwissenschaft und einen "lebensfeindlichen" Intellekt setzte Klages Herz, Gefühl und Instinkt, die "Rückkehr zum natürlich-unbewußten Leben". Der Philosoph Wilhelm Dilthey (1813-1911) definierte Leben als Intuition;. Erkenntnis sei nicht durch rationale Methoden, sondern nur durch "geistiges Schauen" möglich.

Ihren Höhepunkt erreichte die Lebensphilosophie mit Oswald Spengler (1880-1936). In seinem Buch "Der Untergang des Abendlandes" zeichnet er den Menschen als Raubtier und den Kampf als "Urtatsache" des Lebens, woraus sich Herrschaft und "natürliche" Rangunterschiede ergeben. Geschichte interpretiert Spengler als Aufeinanderfolge verschiedener Kulturen, wobei jede Kultur ein Organismus ist, Ausdruck einer bestimmten Volksseele. Der "Untergang des Abendlandes" kann nach Spengler durch die Herrschaft der "unverbrauchten" weil "jungen" deutschen Rasse verhindert werden. Martin Heidegger (1889-1976) schrieb, seine "eigentliche Existenz" erreiche der Mensch erst im völkischen Kollektiv, das sich seinerseits in erster Linie im Kampf konstituiere. Der Mensch als instinktgetriebenes Raubtier, Leben als Krieg und Kampf, Waten im Blut als Erlebnis; diese Ideen wurden nach dem l. Weltkrieg durch die Freikorps-Literatur, durch die Romane Ernst Jüngers millionenfach verbreitet.

Die Ökologen gaben die Idee einer linearen Evolution zu immer vollkommeneren Formen auf. Gemäß der Spenglerschen Kulturtheorie sollten auch Pflanzen- und Tiergemeinschaften dem Kreislauf des Entstehen, Wachsen, Reifen und Vergehen unterliegen. Die Entwicklung eines Organismus sei unabhängig von allen Umweltfaktoren im Keim schon vorherbestimmt. Die Ökologen Friederichs und Thienemann setzten eine "ganzheitliche" intuitive Anschauungsweise gegen den "mechanistischen Aufklärungsaberglauben" (Friederichs). Die "ganzheitliche" Ökologie beanspruchte den Stellenwert einer Leitwissenschaft für menschliches Handeln überhaupt. Friederichs schrieb 1934: "Weiter aber breitete sich die Welle der ökologischen Auffassung aus über alle Lebensgebiete: Heimatpflege und Heimatschutz, Naturschutzbewegung, Städtebau, Volk als Gemeinschaft, Wirtschaft als Organismus." Landschaften wurden als Ausdruck des "Volksgeistes" interpretiert: "..So unterscheiden sich auch die Landschaften der Deutschen in allen Wesensarten von denen der Polen und Russen wie auch die Völker selbst. Die Morde und Grausamkeiten der ostischen Völker sind messerscharf eingefurcht in die Fratzen ihrer Herkommenslandschaften." Gemäß dem Organismus-Konzept hatte sich der einzelne vollkommen dem Ganzen und dessen vorherbestimmtem Zweck unterzuordnen.

Nach 1945 hatte das "Ökosystem"-Konzept des britischen Verhaltensforscher Tansley die Nase vorn. Der "ganzheitliche" Ansatz war durch den Faschismus diskreditiert und aufgrund seiner irrationalen Komponente ungeeignet, ökologische Zusammenhänge in quantitativen Größen mathematisch, physikalisch, chemisch auszudrücken; Voraussetzung sowohl für weitere Erkenntnisse als auch deren kapitalistische Verwertung.

Beide Ansätze koexistieren in der Ökologiebewegung. Allerdings wird der naturwissenschaftliche Ansatz von Ökofaschisten und New Age angegriffen. So argumentiert Herbert Gruhl, ökologische bzw. organische Prinzipien seien ebenso "unergründlich" wie das Leben selbst, nicht wissenschaftlich zu erklären sondern von "geheimnisvollen Antrieben" bestimmt. Gruhl nennt konkret Haß, Neid, Hilfsbereitschaft, und führt als Beispiel die aufopfemde Mutter an. Fritjof Capra behauptet, rationales/wissenschaftliches Denken sei linear und deshalb prinzipiell antiökologisch. Das Verständnis ökologischer Zusammenhänge werde "durch die innerste Natur des rationalen Geistes behindert". Ökologisches Bewußtsein könne nur aus einer "intuitiven Erkenntnis" entstehen.

Deutschland als Biotop: Ökofaschismus und "Neue Rechte"

Ehemalige NSDAP-Ökologen wie der Prof. Werner G. Haverbeck, gründeten 1958 den "Weltbund zum Schutz des Lebens" (WSL). Haverbeck gehörte 1928 zur Reichsleitung des NS-Studentenbundes, später leitete er den Reichsbund "Volkstum und Heimat, Dachverband aller gleichgeschalteten Landschafts, Volkstums- und Heimatpflegeverbände. 1950 bis 1960 war Haverbeck Pfarrer der anthroposophischen Christengemeinde, 1974 wird er Präsident des WSL. Haverbecks Ökologieverständnis basiert auf der Annahme, daß die "Unterarten des Menschen ebenso wie die Pflanzen und Tiere einem jeweiligen Ökosystem zugeordnet" sind. Umweltschutz wäre deshalb "Völkerschutz", Schutz der "biologischen Substanz" vor "Überfremdung". Für die Republikaner sind Flüchtlinge und Migrantinnen schuld an der Umweltzerstörung, weil sie die BRD überbevölkem. Umweltschutz definieren die Republikaner als "Erhaltung des deutschen Volkes und seines ökologischen Lebensraumes".

Die pseudowissenschaftliche Grundlage für die sogenannte "Neue Rechte" und den Ökofaschismus liefern Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Praktisch alle Verhaltensweisen des Menschen seien angeboren und genetisch fixiert. Der Mensch ist unveränderlich aggressiv und egoistisch, er haßt "Fremde" und verteidigt sein "Revier", ganz natürlich ist, daß Männer Frauen beherrschen. Lorenz' Position war seit 1940 weitgehend gleich, nur die Wortwahl hat er verändert: Durch das Bevölkerungswachstum komme es zu einer "Verhaustierung" (1940), die Menschheit degeneriere, weil "sozial Ausfallbehaftete" (1972) nicht mehr ausselektiert würden. Gegen angebliche Überbevölkerung setzte Lorenz 1940 den "rassischen Gedanken" und 1988 AIDS. Die behauptete "Bevölkerungsexplosion" im Trikont und die "materialistische Lebenseinstellung" der Menschen im Norden sind für Ökofaschistinnen die Ursachen der ökologischen Zerstörungen. Einwanderungsstop, Konsumverzicht "für alle" und bevölkerungspolitische Maßnahmen werden damit ökologisch begründet.

1975 veröffentlichte Herbert Gruhl das Werk "Ein Planet wird geplündert". Das Buch avancierte zu einem der meistgelesenen Bücher in der Ökologiebewegung. Gruhl tritt aus der CDU aus, behält aber sein Abgeordnetenmandat im Bundestag. 1975 bis 1977 ist er Vorsitzender des. BUND und beteiligt sich am Gründungsprozeß der Grünen. 1980 verläßt er die Grünen wegen deren "Linksentwicklung" und gründet 1982 die Ökologische Demokratische Partei (ÖDP). Für Gruhl ist die Erde ein "Raumschiff' mit begrenzten Ressourcen (Sonnenenergiez.B. ist jedoch unerschöpflich!), angesagt ist deshalb "Konsumverzicht". Bedroht wird das "Raumschiff" durch eine "Inflation von Ansprüchen" der Arbeiterinnen und "Eingeborenen in allen Ländern" bzw. die "sozialutopisch motivierte Anspruchsmentalität der Linken" wie HansJoachim Ritter, derzeitiger ÖDPChef, formuliert. Das Rezept Gruhls dagegen ist ein starker deutscher Staat, der mit diktatorischer Gewalt den "Konsumverzicht" erzwingt und Flüchtlinge und Migrantinnen an der Grenze stoppt. Er prognostiziert einen globalen sozialdarwinistischen Kampf ums Dasein: "Für die jetzt folgende Periode der Weltpolitik sind der Rüstungsstand, die zahlenmäßige Größe eines Volkes, seine Ausstattung mit fruchtbarem Boden, Grundstoffen und Industrien weiterhin wichtigste Voraussetzungen. Für die Zukunft werden die Völker einen riesigen Vorsprung erreichen, denen es gelingt, ihren Rüstungsstandard auf der höchsten Spitze, ihren Lebensstandard jedoch niedrig zu halten"

Gruhl bedauert, daß gnadenlose Selektion in unserer Gesellschaft (angeblich) nicht stattfindet: "Das Geflecht der karitativen menschlichen Einrichtungen, das man heute als soziales Netz bezeichnet, fängt auch den noch auf, der seine Lage selbst verschuldet hat". Die "Menschenlawine" verstoße gegen die "Gesetze der Natur", jedoch: "Der Tod bringt den Ausgleich, er schneidet alles Leben, das auf diesem Planeten auswuchert, wieder zurück.."

Die ÖDP: nationalistisch, antisozial, frauenfeindlich und rassistisch

Seit Gruhl 1989 aus der ÖDP ausgetreten ist, kursiert das Gerücht, die ÖDP habe sich von ökofaschistischem Positionen verabschiedet. Nach wie vor wirbt die Partei mit Gruhls Schriften, seine Auftritte bei NeoNazis wurden nie kritisiert. 1990 bot die ÖDP Gruhl den Ehren vorsitz an,der ÖDP-Vorsitzende Ritter hielt 1991 eine Laudatio als Umweltministerin Monika Griefahn (Ex-Greenpeace) im Namen der rosagrünen Landesregierung Niedersachsens Herbert Gruhl das Bundesverdienstkreuz an die deutsche Brust heftete.

Im ÖDPWahlprogramm 1990 ist nachzulesen wie bestimmend die Positionen Gruhls immer noch sind: "Schon jetzt wächst in unserem Land die Fremdenfeindlichkeit. Ein unbegrenzter Zuzug von Menschen aus anderen Ländern würde unsere ökologischen Möglichkeiten überfordern." Die Opfer des staatlichen Rassismus und der Neonazis, MigrantInnen und Flüchtlinge, sind selber schuld und obendrein verantwortlich für ökologische Zerstörungen suggeriert die ÖDP. Gefordert wird, "rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber ...umgehend in ihre Herkunftsländer zurückzuweisen." "Keine Gründe für Asyl", heißt es im Wahlprogramm weiter, "sind Unzufriedenheit mit einem politischen System, sowie eine wirtschaftliche Notlage". Die ÖDP möchte "Ausländer" nach ihrer Arbeitskraft selektieren: "Ausländer aus Nicht-EG-Staaten... dürfen weder eine Aufenthalts noch eine Arbeitserlaubnis erhalten. Ausnahmen gelten für solche, die keiner Arbeitserlaubnis bedürfen, zB. Wissenschaftler." Die ÖDP fordert "Arbeitsplatzteilung" und "Verkürzung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich". Die Forderung nach dem Anschluß der DDR hat sich inzwischen erledigt, aber die ÖDP ist keineswegs zufrieden. Sie "bekennt sich zu den Freiheits- und Selbstbestimmungsrechten für alle Teile des deutschen Volkes". In einem Flugblatt wird von rechts kritisiert:

"Was sollen Heimatvertriebene von einer Bundesregierung erwarten, welche die Oder-Neiße-Linie als endgültige deutsche Grenze bezeichnet." Wie die gesamte "Neue Rechte" lehnen Gruhl und die ÖDP das Prinzip der Gleichheit der Menschen und damit auch gleiche Rechte für alle ab. Gruhl: "Der Schwan ist weiß... der Rabe ist schwarz, alles ist von selbst an seinem natürlichen Platz. Das ist gut. All dieses Streben der Menschen nach... organisierter Gerechtigkeit ist hoffnungslos". Wegen der "Andersartigkeit und Vielgestaltigkeit der Völker" lehnt die ÖDP Einwanderung ab. Die Partei ist gegen. "einseitige Frauenpolitik" und für " Familienpolitik". Abtreibungen dürfe es "in einem humanen Staat nicht geben". Gruhl kritisiert im April 1991 "die Mitteldeutschen" die nicht bereit seien, "auf marxistische Emanzipationsideale wie die Beschäftigung der Frau zu verzichten."

Menschen als Katastrophe

"Bevölkerungswachstum" wird bereits im Bericht des "Club of Rome" von 1972 als eine Hauptursache ökologischer Zerstörungen und Armut bezeichnet. Hunger wird nicht analysiert als eine Frage der Verfügbarkeit über Boden oder Einkommen, sondern als das Ergebnis einer mathematischen Beziehung von Kopfzahl zu bebaubarem Land. Dem Unternehmer "Club of Rome" stellt sich nicht die Frage, was Hunger damit zu tun hat, daß multinationale Konzerne in Kenia Blumen oder im Sahel Erdbeeren für den Export anbauen oder Todesschwadrone Bauern und Bäuerinnen im Trikont von ihrem Land verjagen.

Die ÖDP glaubt, "die Bevölkerungsexplosion bedroht das Leben auf der Erde' Während sie deshalb den "Kinderreichtum der Armen" durch Kontrollmaßnahmen in den Griff bekommen möchte, sollen weiße deutsche Frauen zum Gebären genötigt werden: Abtreibung dürfe nicht "öffentlich gefördert werden", indem die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Der Vorsitzende des Bund Naturschutz (BUND), Hubert Weinzierl findet, "Jeder Naturschutz endet dort, wo die Menschenlawine alles überrollt." "Nur wenn die Eindämmung des Überbevölkerungsstromes gewährleistet ist", so glaubt. Weinzierl, "wird... eine Aussicht bestehen, ...unsere Zivilisationslandschaft so zu gestalten, daß sie wert bleibt, Heimat genannt zu werden." Die rassistische Forderung nach Ausländerstop wird zunehmend ökologisch verbrämt Menschen aus dem Trikont als Lawine zu bezeichnen, die alles zerstört, ist rassistischer Sprachgebrauch. Gruhl betrachtet Hungerkatastrophen als natürlichen Ausgleich gegen die "Bevölkerungsexplosion". Konrad Lorenz äußerte im Interview mit Weinzierl in der Zeitschrift NATUR, "daß die ethischen Menschen nicht so viele Kinder haben und die Gangster sich unbegrenzt und sorglos weiter reproduzieren", weshalb er als ein Mittel gegen "Übervölkerung" auch "eine gewisse Sympathie für Aids" habe.

Im UN-Weltbevölkerungsbericht wird Bevölkerungswachstum als "Hauptursache für die Zerstörung des Bodens in den Entwicklungsländern" benannt, keineswegs die von multinationalen Konzernen durchgesetzte Agroindustrie mit Monokulturen, genetisch manipuliertem Saatgut, Dünger und Giften. Hingegen rechnete die FAO (Welternährungsorganisation der UN) aus, daß bei einer Umstellung der Landwirtschaft im Trikont auf bessere Produktmischung, weniger Einsatz von Dünger und Gift, Maßnahmen zur Bodenerhaltung, sowie Orientierung am Eigenbedarf 15 Milliarden Menschen ernährt werden könnten.

Das Bild von der "Bevölkerungsexplosion", von der "Menschenflut" aus dem Süden und Osten wird auch von liberalen Blättern wie dem SPIEGEL, der ZEIT oder GEO ("Sprengstoff Mensch") verbreitet. Sie liefern die propagandistische Begleitung für die Praxis westlicher Regierungen und Institutionen wie IWF und Weltbank: Frauen in Asien, Afrika und Lateinamerika werden zwangssterilisiert und gesundheitsgefährdenden Verhütungsexperimenten ausgesetzt.

Die Verbindung von Esoterik und Ökofaschismus

Charakteristisch für ökofaschistische Ansätze ist der Gedanke von der "Ganzheit" der Natur und abgeleiteten "ewigen Naturgesetzen" denen sich Gruppen und Individuen unterzuordnen haben. Die menschliche Gesellschaft wird sozialdarwinistisch interpretiert: Kampf ums Dasein, Überleben der Stärksten, Ausmerze der Schwachen bzw. jener, die gegen "Naturgesetze" verstoßen, ökofaschistische Konzepte beruhen auf einem mythischen Naturbegriff: Natur und Evolution sind materieller Ausdruck transzendentaler, kosmischer Prinzipien und Kräfte. Aus dieser ideologischen Gemeinsamkeit ergibt sich die Verbindung von Ökofaschismus und Esoterik. Alle esoterischen Richtungen gehen davon aus, daß die Welt bzw. das Universum lediglich Manifestierung spiritueller Prinzipien bzw. einer kosmischen Energie oder Intelligenz ist Dieses transzendentale Prinzip begründet die innere Einheit und Ordnung, sowie die Harmonie des Kosmos.

Wurzelrassen und Weltherrschaft: die Theosophie

Die Esoterik hat ihre Wurzeln in der Theosophie. Deren Begründerin Helena Petrowna Blavatsky (1831-1891) übernahm vom Hinduismus und Buddhismus die Lehre von der Seelenwanderung und Wiedergeburt. Hinzu kommen die elitäre Konzeption der stufenweisen Einweihung der Anhängerinnen in die "Geheimlehre" und eine spezielle "Wurzelrassentheorie". Laut Blavatsky entwickeln sich sieben "Wurzelrassen" auf einem Planeten. Die "wilden Stämme" und Menschenaffen sind Nachkommen der dritten Wurzelrasse, der Völkermord europäischer Kolonialisten in Afrika, Asien und Amerika deshalb nur das "Austerben einer niedren Rasse". "Die Flutwelle der inkarnierten Egos ist über sie hinweggerollt... und ihr Verlöschen ist daher eine karmische Notwendigkeit..". 1875 gründet Blavatsky die Theosophische Gesellschaft, um die Jahrhundertwende hatte diese weltweit etwa 100.000 Mitglieder. Heute gibt es theosophische Gruppen in etwa 50 Staaten. Einer der ersten 1884 gegründe ten theosophischen Gruppe in Deutschland gehörte u.a. Ernst Haeckel an. Nachfolgerin Blavatskys wurde Annie Besant (1847-1933). Seit 1907 Führerin der Theosophen erlangte sie 1914 auch noch den Vorsitz im indischen Nationalkongreß und wurde zur Gegnerin Gandhis, weil Besant gemäß der theosophischen Rassenlehre für das Kastenwesen eintrat.

Anknüpfend an Nietzsches Kritik der christlichjüdischen Religion als Sklavenmoral, die die Herrschaft des Übermenschen behindert, wollten völkische Esoterikgruppen das germanische "Heidentum" wiederbeleben. Jörg Lanz v.Liebenfels gründete 1900 den "Neutemplerorden"; auf der "0rdensburg" Werfenstein wehte als germanisches Sonnensymbol die Hakenkreuzfahne. Guido v. List entwickelte aus der Theosophie und dem "Ariermythos" Gobineaus die sogenannte "Ariosophie": Die Herrschaft der Germanen ist schicksalhaft vorherbestimmt, Führer sind die Armanen, als germanische Religion gilt der "Wotanismus", den v.List als Reinkamationslehre interpretierte. 1912 gründete der Verleger antisemitischer und völkischer Zeitschriften Theodor Fritsch (1852-1933) den "Germanenorden für deutsche Art" als straff-zentralistische und konspirative Organisationsstruktur nach Art der Freimaurer. Als bayrischer Ableger entstand 1918 die "Thule-Gesellschaft". Deren Ziel war die Kontaktaufnahme zu transzendentalen Wesen durch okkulte Praktiken. Mit Hilfe dieser Wesen sollte eine deutsche Vorherrschaft sowie die Zucht einer neuen Rasse durchgesetzt werden. Die Thule-Gesellschaft beteiligte sich 1919 an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik, initiierte die Ermordung Kurt Eisners und organisierte das Freikorps Oberland maßgeblich mit. 1920 gründete die Thule-Gesellschaft, der u.a. Rudolf Hess und Alfred Rosenberg angehörten die "Deutsche Arbeiterpartei", kurz darauf in NSDAP umbenannt.

Theosophie deutschnational: die Anthroposophie

Rudolf Steiner(18611925), Gründer der Anthroposophie, war zunächst Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophen. 1913 trennte er sich von den Theosophen. Sein anthroposophischer Erkenntnisweg richtet sich gegen die Auffassung, übersinnliche Erkenntnis sei Glaubenssache und entziehe sich menschlichem Denken. Zwar behauptet Steiner, er wolle keinen blinden Glauben, andererseits: "Schon der Einwand: ich kann auch irren, ist störender Unglaube. Er zeigt, daß der Mensch kein Vertrauen hat in die Kraft des Wahren. Denn gerade darauf kommt es an, daß er sich nicht vermißt, von seinem eigensüchtigen Standpunkte aus sich die Ziele zu geben, sondern darauf, daß er sich selbstlos hingibt und von dem Geiste sich die Richtung bestimmen läßt." Nach Gehirn-Wäsche klingt auch der Satz, "Der Lernende muß in jedem Augenblick sich zum völlig leeren Gefäß machen können, in das die fremde Welt einfließt."

Anthroposophie ist eine Geheimlehre

"Gewisse Teile der Geheimkunde können allerdings auch heute nur solchen mitgeteilt werden, die sich den Prinzipien der Einweihung unterwerfen". Auch für die WaldorfschülerInnen empfiehlt Steiner, auf plumpe Indoktrination zu verzichten: "nicht indem man den Kindern Anthroposophie lehrt das würde uns nicht einfallen sondern indem man belebt den Unterricht durch das, was aus der Anthroposophie kommt, indem man Anthroposophie in den Unterrichtsstoff einfließen läßt."

Von der Theosophie übernimmt Steiner die Wurzelrassenlehre. Die Individuen gehen wegen der Reinkarnation durch die verschiedenen Rassen hindurch. Bis heute sind fünf "Wurzelrassen", inklusive Unterrassen, auf der Erde entstanden. Die ersten beiden Wurzelrassen hatten kaum menschliche Züge. Die 3. Wurzelrasse, die "Lemurier", lebten südlich des heutigen Asien. Diese Rasse verfiel, ihre Nachkommen sind die gegenwärtigen "wilden Völker". Aus dem besten Teil der Lemurier entstand die 4. Wurzelrasse, die "Atlantier". Auch ihre Kultur zerfiel, Nachkommen heute sind teilweise die Mongolen, "der begabteste Teil" entwickelte sich zur 5 Wurzelrasse der "Arier". Innerhalb der einzelnen Wurzelrassen gibt es je sieben Unterrassen, denen sieben verschiedene historische Epochen zugeordnet werden, in denen jeweils bestimmte Fähigkeiten ausgebildet werden. Anthroposophie ist in diesem Sinne Geschichtsphilosophie, religiös-mystische Welterklärung plus Erlösungsweg. Zunächst findet eine Ablösung vom kosmischen Prinzip statt, hin zum Materiellen. Dieser Prozeß hat laut Steiner im griechisch-lateinischen Zeitalter seinen Höhepunkt erreicht. Dort wird die Ich-Entwicklung vorangetrieben durch das Selbstbewußtsein und die Fähigkeit physische Triebe zu unterdrücken und damit die Voraussetzung geschaffen, um den Kontakt mit den höheren Wesen wieder aufzunehmen.

Gegenwärtig leben wir laut Steiner in der angelsächsischgermanischen Epoche. Diese Epoche wird im Kampf aller gegen alle untergehen und nur die spirituell Erleuchteten werden überleben. Krieg ist unvermeidlich, weil er ein Kampf zwischen Spirituellen und Materialisten ist und weil Schmerz und Leid notwendig sind, um erleuchtet zu werden. Jede Epoche wird von einem "Erzengel" beherrscht, der die "Volksseele" des führenden Volkes repräsentiert. Führend sind nach Steiner die Deutschen bzw. "Mitteleuropäer", deshalb herrscht Erzengel Michael. Die spirituelle Sendung der Deutschen wird bedroht durch eine internationale Verschwörung gegen Deutschland so interpretierte Steiner den I. Weltkrieg und durch "Rassenmischung" mit spirituell "erstarrten" Völkern. Juden bezeichnete Steiner in diesem Zusammenhang als eine "vorzeitig", weil "einseitig" zur abstrakten Intellektualität entwickelte Gruppe. Einen klassischen' Gedanken rassistischen Denkens greift Steiner auf, wenn er behauptet, Wertigkeit von Menschen könne an der Physiognomie abgelesen werden: Die alten Griechen mit hoher Stirn sind "hochwertig", "Asiaten" minderwertig, Schwarze egoistische Triebwesen, weil sie wegen ihrer Hautfarbe die starke Sonnenstrahlung "aufsaugen" und es deshalb in ihnen ständig kocht "Weiße" hingegen reflektieren die Sonne und müssen sich Licht und Wärme mit dem Mittelhirn erarbeiten. Sie sind deshalb zur "am Geist schaffende(n) Rasse" bestimmt, "die das Menschliche in sich entwickeln". Wie die Theosophie befürwortet auch Steiner ein Kastenwesen auf "freiwilliger" Basis, nämlich aufgrund spiritueller Einsicht sowie "moralischer und intellektueller Differenzierung entsprechend".

Der gesellschaftliche Einfluß der Anthroposophinnen ist nicht zu unterschätzen. In der BRD sind etwa 12.000 organisiert in der "Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" (AAG). Dazu gehören die Waldorfschulen (seit 1919/20), der biologisch-dynamische Landbau (Demeter), Kosmetika (Weleda), die anthroposophische "Christengemeinschaft" und die "Freie Hochschule für Geisteswissenschaften" in Dornach bei Basel, die GLS Gemeinschaftsbank, eine Elitehochschule in Baden-Württemberg. Anthroposophen haben führende Positionen bei den Grünen. Mitglieder bzw. Financiers sind bzw. waren V.Siemens, Ludwig Bölkow (MBB), Herrhausen (Deutsche Bank) und Rohwedder.

Die New-Age Bewegung

Der Begriff New Age stammt von der Theosophin Alice Bailey und bezeichnet den Glauben an ein "Neues Zeitalter", das künftige "Zeitalter des Wassermanns". Die Übergangsperiode in der wir leben ist die "Wendezeit". Im "Neuen Zeitalter" wird das Dasein nach kosmischen bzw. göttlichen Gesetzen geregelt, es herrschen Frieden und Harmonie, Einheit mit Natur und Kosmos. Voraussetzung dafür ist ein "neuer" spiritueller Mensch. Allerdings kann esoterisches Wissen nicht gelernt oder gelehrt, sondern nur er und gelebt werden. Charakteristisch sind die Lehren vom Karma und der Reinkarnation. Entsprechend der Bilanz des irdischen Handelns (=Karma) wird die Seele wiedergeboren als Pflanze, Tier oder Mensch. Nach der theosophischen Lehre "reinigt" sich die Seele auf ihrem Inkarnationsweg und ermöglicht damit die spirituelle, soziale und rassische Höherentwicklung der Menschheit. Aufgabe im Diesseits sind deshalb "Psychohygiene" und Bewusstseinserweiterung um in eine "höhere Sphäre" inkamiert zu werden.

Die New Age Bewegung ist die aktuelle Spielart der Esoterik. Entstanden ist sie Ende der 60er Jahre in den USA, breitete sich in den 70er Jahren in Westeuropa aus und erlebt seit den 80er Jahren einen Boom in der BRD. In den USA entstand New Age im Kontext der Protestbewegungen der weißen Mittelschicht (Vietnamprotest, Ökologie und Frauenbewegung, Hippies), in der BRD knüpft sie inhaltlich und personell ebenfalls an solche Bewegungen an. Ökologische Zerstörung, Patriarchat, Kriegsgefahr sowie die Sehnsucht nach einer anderen Lebensweise wurden aufgegriffen und esoterisch kanalisiert. Zur esoterischen Szene gehören die "Wiederentdeckung" der Indianer, Kelten und Germanen mit ihrer "natürlichen" Lebensweise, die Bewußtseinserweiterung durch Meditationstechniken oder Drogen, das Interesse an Autoren wie Hermann Hesse oder Carlos Castaneda, Strömungen in der Pop-Musik (z.B. das Musical Hair), Tarot-Karten und Astrologie, "natürliche" Heilverfahren, sowie diverse straff organisierte Psycho-Sekten (Bhagwan etc). Die New Age Bewegung im engeren Sinn ist netzwerkartig strukturiert und verknüpft, sie besteht aus einer Vielzahl von Gruppen,Einzelpersonen, Verlagen, Zeitschriften und Unternehmen.

Fritjof Capras Buch "Wendezeit" war in der BRD in den 80er Jahren in seiner Breitenwirkung vergleichbar mit Gruhls "Ein Planet wird geplündert". Capra serviert die alten Thesen der Lebensphilosophie: Krisenbeschwörung, Herrschaft der Vernunft als Übel, Rettung durch Spiritualität und Intuition. Einer negativen "alten", "mechanistischen" Naturwissenschaft stellt er eine positive "neue", kybernetische gegenüber. Der neue Ansatz, so Capra, sei "ganzheitlich" und "intuitiv", der alte nicht. Das ist insofern falsch, als bereits bürgerliche Denker der Aufklärung von einer Einheit der Welt ausgingen und das Verhältnis der Teile zum Ganzen problematisierten. Auch ist die Systemtheorie weder "intuitiv" noch "neu" wie Capra unterstellt. Ihre "Ganzheitlichkeit bezieht sich auf ein System, jedoch teilt sie in System und Umwelt. Systeme sollen perfektioniert werden, im Verhältnis ihrer Teile zueinander und zur Außenwelt. Ausgeblendet bzw. als systemnotwendig verklärt werden Herrschafts und Ausbeutungsverhältnisse innerhalb des Systems oder nach Außen. Systemtheorie verträgt sich bestens mit einer umwelttechnokratisch perfektionierten Beherrschung und Ausbeutung der Natur. Ideologisch bildet Capras Theorie die Basis für ein Bündnis von Esoterik und High-Tech.

Die Meditationsprogramme der New Age Szene erfreuen sich inzwischen wachsender Beliebtheit im kapitalistischen Management. Seit 1970 verwenden Konzerne in Japan und den USA Meditation in Betrieben zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität. Führend ist dabei die Transzendentale Meditation des Maharishi Maharesh Yogi. Auch die Findhomgemeinschaft betätigt sich im Sinne einer Kooperation mit dem Kapital. Findhom wurde 1962 in Schottland auf einem Atom und Luftwaffenstützpunkt gegründet. Führer war der ehemalige Luftwaffenoffizier Peter Caddy. Die anfänglich kleine Gruppe hat inzwischen Kontakte zur "Soil Association", einer anthroposophischen britischen Adelsvereinigung. Bei der EG-Kommission gibt es eine FindhomMeditationsgruppe und die Organisation "Planetary Citizens", auch in der BRD aktiv, ist als Unterabteilung der UNESCO anerkannt. Ziel von "Planetary Citizens" ist eine UNO-Weltregierung. Findhom finanziert sich u.a. durch Seminare und Wirtschaftskonferenzen von Konzernen wie Volvo, Shell,Rank-Xerox, IBM, Philips in ihrem schottischen Hauptquartier.

Findhom ist autoritär organisiert. Anfangs akzeptierten alle "die Notwendigkeit der Führung durch einen starken Mann", Peter Caddy, heißt es in einer Selbstdarstellung, in den 70er Jahren etablierte sich eine oligarchische Führung. Seitdem gehört David Spangler zu den Chefideologen von Findhom. Er plädiert für Hierarchien, Kapitalismus, Atomkraft und Gentechnik: "Alle spirituellen Gesellschaften sind hierarchisch. Anders können sie nicht funktionieren. Es ist klar, daß man sich bei der Führung der Angelegenheiten einer spirituellen Gesellschaft nicht an jene wenden kann, die weniger erleuchtet sind." Wirtschaftlicher Erfolg und hoher Profit signalisieren laut Spangler gesteigertes spirituelles Bewußtsein. Der theosophische Einfluß ist unverkennbar. Etwa wenn Spangler den Ort als Übungsplatz und Heiligtum der "fünften Wurzelrasse" bezeichnet. Wie für Blavatsky und Steiner sind "die Eingeborenenvölker der Erde" für Spangler minderwertig, weil spirituell nicht entwicklungsfähig und deshalb "dazu bestimmt.. zu vergehen". Nicht weiter schlimm, schließlich können sie als Angehörige einer höheren Kultur wiedergeboren werden. Überhaupt ist der Tod für Spangler und andere New Ager nichts Negatives. Für viele sei "der Tod ein großer Segen", weil das irdische Dasein nur spirituelle Energie durch Angst, Gier, Trägheit etc. bindet und schädigt: "Der Tod ist die kreative Zerstörung der Gewohnheiten". Ein anderer Findhom-Führer, Sir George Trevelyan meint, "Der Atomkrieg ist für die "Spirituellen" eine Aussicht auf höchste Freude, nur für "Materialisten" wird es schrecklich werden." 1980 erhielt Trevelyan von dem späteren Europaabgeordneten der Grünen, Jakob v. Uexküll, den "Altemativen Nobelpreis" überreicht.

Nach theosophischer Lehre haben nur die am höchsten entwickelten Angehörigen der fünften arischen Wurzelrasse eine Zukunft im New Age. Für "Materialisten" und "Eingeborene" ist da kein Platz, Herrenmenschen sind gefragt. Spangler: Die "Schöpfung einer neuen Zivilisation.. ist kein Werk für Schwache, sondern für die im inneren Leben und in der äußeren Manifestation Starken, die bereit sind, die Energien zu empfangen und den Gesetzen ihres sicheren Einsatzes zu gehorchen." Ein Ärgernis für deutschnationale Anthroposophen ist, daß Spangler als "Führer der Völker der Erde in ein neues Zeitalter" die USA betrachtet, während nach anthroposophischer Lehre die Deutschen dazu berufen sind.

New Age Ideologie hilft auch gegen feministische Anwandlungen. Männlich und weiblich werden als verschiedene, sich ergänzende Wesenheiten biologistisch interpretiert, symbolisiert im YingundYang Zeichen. Ausgeblendet wird, daß unterschiedliches Verhalten von Männern und Frauen Folge patriarchaler Verhältnisse ist, Herrschaft und Ausbeutung widerspiegelt wie reproduziert. Selbst Vergewaltigung wird gerechtfertigt. In einer "Einführung in die esoterische Astrologie" aus dem Rowohlt-Verlag heißt es, Ursache von Vergewaltigung seien Verletzungen aus früheren Leben. Teile der eigenen Seele seien abgespalten worden: "..Frage: Wer hat Dich vergewaltigt? Eine der fünf (oder wieviele es bei Dir eben sind) Personen [gemeint sind Elemente der Seele, PB], die Du damals weggeschickt hast. Sie möchte heute mit Gewalt wieder zu Dir zurück. Die gleiche Gewalt, mit der Du sie damals wegschicktest, wendet sie jetzt auf ihre Rückkehr auf. Das erlebst Du als Vergewaltigung. Sie will einfach wieder rein!" Think positive, selbst bei Vergewaltigung.

Mit Rudolf Bahro zurück zum "grünen Adolf"

Rudolf Bahro, Professor für "Soziale Ökologie" an der Berliner Humboldt Universität, erfreut sich wohl aufgrund seines DissidentenImage in der ehemaligen DDR großer Beliebtheit. Seine Vorlesungen sind brechend voll. Bahro war Mitglied der SED und Funktionär in der DDR-Industrie. Von 1977 bis 1979 saß er wegen seines Buches "Die Alternative" in Haft Ende 1979 wurde er entlassen und in die BRD abgeschoben. Dort engagierte er sich bei den Grünen; 1980 veröffentlichte er die "Elemente einer neuen Politik" In beiden Büchern fordert Bahro eine sozialistische Gesellschaft als Ergebnis einer "Kulturrevolution", die mit der "Megalomanie brechen" und "kollektive Rücksicht gegenüber dem Naturzusammenhang lernen" muß. Kulturrevolution bedeutet, "die Entfremdung, die Subalterunität der arbeitenden Massen" zu überwinden. Eine Gruppe von Propheten müsse das Volk führen, indem sie dessen Hoffnung artikulieren. Noch ist Bahros Utopie ein Zusammenschluß von Kommunen, analog der Pariser Commune von 1871 mit rätedemokratischen Strukturen. Schon in den "Elemente einer neuen Politik" ist der Kommunegedanke anders definiert. Gemeint sind selbstverwaltete Projekte innerhalb des Kapitalismus, die sich ausdehnen und vemetzen und langfristig das System evolutionär überwinden. Ausdrücklich lehnt Bahro revolutionäre "Gegengewalt" ab. Statt von "Kulturrevolution" ist jetzt von einer "Umkehrbewegung" die Rede. Diese ist spirituell fundiert, weil "das Bedürfnis nach irgendeiner Art religiöser Transzendenz eine menschennatürliche, innerweltliche Angelegenheit ist". Bahro empfiehlt Gruhl-Lektüre und Abschied vom Klassenkampf zugunsten des "Gattungsinteresses". Motto: "Nicht rechts, nicht links, sondern vorn".

Bahro verabschiedet sich vollkommen von der Kapitalismuskritik zugunsten eines kulturpessimistischen Ansatzes. Die menschlichen Eingriffe in die Natur führen zur "Isolierung des Menschen von den natürlichen Energiekreis laufen. Unvermeidlich entartet so die menschliche Physis und Psyche, wie das von Krebs bis zur Kriminalität zutage tritt.". 1991 verortet Bahro die Ursache biologistisch, in "'genotypische(n) Antriebsräße(n) aus der Altsteinzeit", die unbewußt im Hirn regieren und zur "Overkillkapazität" des Menschen führen. In der Friedensbewegung entdeckt Bahro sein Herz für Deutschland: "Nationale Emotionen" hätten in Deutschland "einen höheren Stellenwert als anderswo". Sie müssten kanalisiert werden "auf "Frieden schaffen ohne Waffen", auf Volkssouveränität und Demokratie von unten, aus regionalen und kommunalen Bindungen, auf Bewahrung von Heimat, Landschaft, Sitte vor dem nivellierenden, terroristischen Zugriff des zentralen Staatsapparates und des vaterlandslosen Kapitals..." Den grünen Realpolitikerinnen wirft er im Dezember 1984 vor, die Grünen als Hoffnungsträgerin einer spirituellen deutschen Volksbewegung zu zerstören. Diese Ökopax-Bewegung werde sich dann andere politische Ausdrucksformen suchen und zwar rechts. Auch "die Bewegung" vor 1933 wertet Bahro positiv. Negativ war ihre "macht-materialistisch(e)", "expansiv(e)" Wendung nach außen durch die Realpolitik der NSDAP. Nach dem Austritt aus den Grünen und einem Trip zur BhagwanKommune nach Oregon/USA sucht Bahro in "Logik der Rettung" weiter die guten Seiten des Nationalsozialismus:

"Ich halte die Frage nach dem Positiven, das vielleicht in der Nazibewegung verlarvt war und dann immer gründlicher pervertiert wurde, für eine aufklärerische Notwendigkeit, weil wir sonst von den Notwendigkeiten abgeschnitten bleiben, aus denen jetzt Rettendes erwachsen könnte." "Kein Gedanke verwerflicher als der an ein neues 1933?! Gerade der aber kann uns retten. Die Ökopax-Bewegung ist die erste deutsche Volksbewegung seit der Nazibewegung. Sie muß Hitler miterlösen die seelische Tendenz, die wenn auch schwächer, immer noch in uns ist.."

Die Ursache ökologischer Zerstörungen, in Bahros Sprache "die Apokalypse", liegt in der menschlichen Natur. Der Mensch ist von Natur aus disponiert, sich "selbstisch gegen das Ganze zu stellen", weil die Rückbindung zur kosmischen Ordnung fehlt. Der rationale Geist, die linke analytisch-denkende Hirnhälfte dominiert, verdrängt den archaischen, magischen, mythischen Geist, wodurch "die nur intuitiv zu leistende Einordnung unserer Existenz ins Weltganze unterentwickelt" und die Verbindung zur kosmischen Intelligenz gekappt ist.

In Anlehnung an Machiavellis "Fürsten" plädiert er für die "Rettungsregierung" eines "guten Fürsten", weil in einer Demokratie den "Sonderinteressen" Raum gegeben wird. Zunächst braucht es eine charismatische Führung, einen Propheten, der das Volk in Bewegung setzt. In der Übergangsphase soll dann ein "House of the Lord" regieren, ein Gremium von Menschen, die Erde, Wasser, Luft, Feuer, Pflanzen, Steine und Tiere rituell symbolisieren, dazu Vertreterinnen ethnischer Minderheiten und der Kinder. Am Ende steht die globale Föderation von "Stämmen" mit einem "Ökologischen Rat" als "spirituell-politische Instanz" an der Spitze. Potentieller Kandidat für den "Fürsten" war Gorbatschow, "die wunderbarste politische Figur, die ich in meinem Leben gesehen habe", mit Fehlern, aber entwicklungsfähig: "ich kenne die Seele dieses Mannes, weil wir in unseren Biographien und Intentionen ziemlich ähnlich sind". D.h. natürlich Bahro wäre als Führer ebenso geeignet..

Zusammen mit dem Alt-68er Rainer Langhans und Jochen Kirchhoff betreibt Bahro aus esoterischökologischer Perspektive die Verharmlosung des Nationalsozialismus, und damit die Relativierung seiner Verbrechen, bis hin zur Rehabilitierung bestimmter Strömungen des Nationalsozialismus. So fordert Bahro 1990, sich "..dem Nationalsozialismus als einem notwendigen, d.h. zunächst nachträglich indisponiblen, unvermeidlichen' Ereignis (zu) stellen. Es muß da eine Herausforderung gegeben haben, auf die er die psychologisch nächstliegende Antwort war, und es muß massenhaft, mehrheitlich, gerade auch in der Intelligenz, eine seelische Disposition gegeben, die keiner besseren Antwort fähig war vielleicht noch nicht denn wieso erweisen sich Werke wie die Heideggers, C.G. Jungs, Ernst Jüngers, Carl Schmitts heute, in der ökologischen Krise, als im Theoretischen aufschlußreich, während so manche antifaschistische Analyse ihren Impuls erschöpft hat?" Zum Hauptgegner wird die antifaschistische Linke, weil sie "dieses nationale.. völkische Moment nicht bedient. Eigentlich ruft es in der Volkstiefe nach einem grünen Adolf.

Positiv am Nationalsozialismus wertet Rainer Langhans "Regionalisierung, Anerkennung und Förderung der Eigenarten, ...Wiederverwendung von Rohstoffen... Das Gefühl für Autarkie und dezentrale Kreisläufe... Selbsthilfe, schonender und naturgemäßer Umgang mit den Gaben der Natur. Sie wandten sich gegen den Kapitalismus und seine Entfremdung. Blut und Boden bedeutet eigentlich eine Wiederverzauberung. (...) Und sie kümmerten sich um die Jungen. Sie gaben ihnen, was sie in der blauen Blume suchten. Kampf und Erschauern, selbstverwaltete Strukturen, Natur contra Asphalt, Begeisterung und hohe Ziele" (nur die Autobahnen waren ein Fehler! ?,PB). Im Vergleich kommen die Grünen schlechter weg, sie hätten Angst vor Autorität und Hierarchie, vor Kampf und Vorbildern, vor den "polaren Lebenskräfte." und fördern stattdessen die "Gleichmacherei".

Langhans kritisiert die "überalterte Faschismustheorie", denn: "Spiritualität in Deutschland heißt Hitler". Gegen eine "..dumme Aufklärung, die gegen den sogenannten "Einbruch des Irrationalen" Dämme baut" setzt Langhans die Aufgabe, Hitlers Vision zu verstehen und seine Fehler zu vermeiden, "Wir müssen also sozusagen die besseren Faschisten werden". Wenn wir mit Langhans positiv denken, vermögen wir "noch in den fürchterlichsten Verzerrungen das Schöne zu entdecken, das eigentlich intendiert ist". Zum Beispiel in der Gentechnologie als einem Weg, "auf der grobstofflichen Ebene einen "neuen Menschen" zu realisieren, so schön wie irgend möglich. Das ist sehr verdienstvoll, nur bleibt die Frage: Warum so?.." Der Guru hat nämlich längst abgehoben: "Wenn Du weiter oben sitzt, siehst Du den größeren Zusammenhang und du siehst: Es ist gut." und daß "..das Nichttun das wahre Tun ist".

Jochen Kirchhoff, der dritte Mann neben Bahro und Langhans in der gemeinsamen "Lemwerkstatt", will die "nationale Identität fördern. Sein Freund Bahro setzt dabei auf die Ossis, weil dort der Mauer sei Dank "die nationalkulturelle Substanz noch viel unverbrauchtbarer gegenwärtig" ist als im Westen. Kirchhoff beklagt, daß "nationale Identität" und die "schöpferischirrationale Komponente im deutschen Geist" durch die Nazis diskreditiert sind. In der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus hätten sich die Deutschen als "gelehrige Schüler der Alliierten" erwiesen, sie seien durch eine "materialistische PseudoAufklärung" umerzogen worden, statt das "eigentlich Gemeinte" zu begreifen. Ergebnis: "Der deutsche Geist unserer Tage ist in ein enges Korsett eingeschnürt..". So interpretiert Kirchhoff den Nationalsozialismus als "Revolte gegen den Nihilismus und die lebensfeindliche Grundtendenz des modernen Industriesystems, ein verhunzter und darum gescheiterter Versuch, den Ausrottungsfeldzug gegen die Natur zu stoppen, der sich damals schon abzeichnete (..) (ein) pervertierter Aufstand des Mythos gegen die lebensfernen Abstraktionen und Projektionen eines eindimensionalen, mechanistischen Denkens (..) Zerr form einer in der Substanz berechtigten deutschen Visionssuche". Gegen die "kosmische Verlorenheit" des Menschen als Konsequenz aus dem "Siegeszug des vom Lebendigen losgelösten Intellekts" predigt Kirchhoff die Rückbesinnung auf das Irrationale.

Bahro und Kirchhoff knüpfen an den esoterischvölkischen Ökologiebegriff der 20er Jahre an, einschließlich der Angriffe auf "die Vernunft" und "die Moderne". Wie die Faschisten des Thule-Seminars und der "Neuen Rechten" beziehen sie sich auf Autoren wie Nietzsche, Carl Schmitt und Martin Heidegger. Inzwischen vertritt Langhans die These, die SS habe eine "hohe Sterbekultur" entwickelt und Bahro knüpft Kontakte zur nazistischen "Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft". Autoren aus dem Umfeld der "konservativen Revolution" wie Carl Schmitt oder Ernst Jünger, aber auch Martin Heidegger, die sogenannte "Neue Rechte" und die Gruppe um Bahro, sie alle verbindet das selbe Verhältnis zum Nationalsozialismus: Distanz zur NS "Realpolitik" weil diese die "wahren" Ziele der Bewegung "verraten" habe.

Feindbild Mensch: Die Rettung des Menschen vor der Natur

Die New-Age Bewegung verbreitet Schicksalsgläubigkeit und Entpolitisierung, propagiert hierarchische und elitäre bis hin zu offen sexistischen und rassistischen Positionen, wirbt für die "positive" Kooperation mit Managern und Militärs, für die Akzeptanz gefährlicher Technologien (was stört den Geist schon die Zerstörung des schnöden Körpers). Menschen, vor allem aus dem Trikont, werden durch die ökofaschistische Propaganda von der "Überbevölkerung" zur Hauptursache ökologischer Zerstörungen erklärt. Das Unternehmen ESPRIT ließ auf Werbetafeln plakatieren, "Wir könnten alle in Harmonie mit der Natur leben, wenn die Übervölkerung nicht wäre". Dieses Feindbild Mensch lenkt ab von den eigentlichen Ursachen, rechtfertigt bevölkerungspolitische Maßnahmen wie Zwangssterilisierungen, Hunger und Elend sowie politische und militärische Einmischung der westlichen Führungsmächte. Nach dieser Logik muß die Natur gegen den Menschen verteidigt werden" als wäre der Mensch nicht ein Teil der Natur und als gäbe es keine Klassen, Täter und Opfer.

Der moderne Begriff "Ökologie" ist entstanden in einem rassistischen, sozialdarwinistischen und esoterischen Kontext. Er knüpfte an den Inhalt des älteren philosophischen Begriffs der "Natur" an, der die Frage nach dem Sinn und dem Wesen des Seins umfaßte. Dieser philosophische Naturbegriff war immer Welterklärung, Orientierung für den Alltag, aber auch Legitimation von Herrschaft Der Inhalt und die Assoziationen die sich mit einem Begriff verbinden sind aber nicht statisch und unveränderlich, sondern abhängig von intellektuell-theoretischen wie praktischen politischen Auseinandersetzungen. Der Begriff Ökologie war und ist zunehmend wieder esoterisch-rassistisch besetzt. Unter anderem auch, weil für manche Linken Ökologie immer noch kein Thema ist. Sie halten das für "kleinbürgerliche Romantik" oder setzen auf die "freie Entfaltung der Produktivkräfte", d.h. auf die unter kapitalistischen Bedingungen entwickelte Technik, Wissenschaft und Arbeitsorganisation. Das ist falsch. So bleiben beispielsweise Atomkraft und Gentechnik auch "in Volkes Hand" Destruktivkräfte. Marx schrieb, der Kapitalismus entwickelt den gesellschaftlichen Reichtum nur, indem er die Quellen menschliche Arbeitskraft und Natur zerstört. Im Sinne einer linken Politik kann der Begriff Ökologie zunächst nur die rationale Analyse der ökologischen Zusammenhänge meinen. Auf dieser Grundlage geht eine linke ökologische Politik davon aus, daß der Mensch als Naturwesen von bestimmten ökologischen Bedingungen abhängig ist und stellt fest, daß eben diese durch die kapitalistische Entwicklung zerstört werden. Antikapitalistische und radikalökologische Orientierung gehören insofern zusammen, als die ökologische Frage nur im Zusammenhang mit der sozialen gelöst werden kann, d.h. durch die Überwindung der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Einer Wirtschaftsweise, die stets danach drängt, sich zum Zweck des maximalen Profits Mensch und Natur zu unterwerfen, sie auszuplündern und zu zerstören.

Peter Bierl in Schwarzer Faden 2/93

Originaltext: http://www.free.de/schwarze-katze/texte/eso01.html


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