Gerhard Kern - Theosophie und Anthroposophie

Eine philosophische Basis der Neuen Rechten, oder: Der (esoterische) Rassismus aus der besseren Gesellschaft

Als ich 1994 in der "Contraste - Zeitschrift für Selbstverwaltung", das Thema Braunzone in der Selbstverwaltungsszene initiierte, war mir nicht klar in was für ein "Wespennest" ich trat. In der Folge tauchte die Kritik an der Anthroposophie in immer mehr Publikationen auf. Man kann allerdings sagen, daß nicht alles, was publiziert dem Gegenstand gerecht und der Kritik würdig war.

Leserinnen und Leser werden im Verlaufe der Beschäftigung mit dem Thema merken, daß wir es mit einer durchaus bedeutsamen Verirrung des menschlichen Geistes und schlimmer noch mit äußerst bedenklichen Auswirkungen auf das Leben der Spezie Mensch zu tun haben. Dies ist nicht so sehr gemeint in Bezug auf die einzelne Person, sondern eher schon auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung mit ihren indirekten Auswirkungen auf das Individuum. Sie werden auch feststellen, daß die Anthroposophie die vollkommenste Ausgestaltung einer irrationalen Weltsicht ist. Die Schwierigkeit, die das Thema Anthroposophie mit sich bringt, ist seine Komplexität und der Wust von teilweise fast undurchschaubaren Beziehungen von Menschen und Ideen, von politischen Gruppierungen und Institutionen, sowie die Abschottung der Anthroposophen gegen Außenstehende und ihre Angst vor den 'materialistischen' Medien. Sie grenzen sich allerdings auch ab von anderen esoterischen Strömungen und behaupten, ähnlich der katholischen Dogmatiker, die alleinseligmachenden zu sein. Auch sagte der 'Doktor' (so wird Steiner liebevoll und ehrfürchtig von seinen AnhängerInnen genannt) in Bezug auf das Lesen seiner sogenannten Privatdrucke: " Ein Urteil über den Inhalt eines solchen Privatdruckes wird ja allerdings nur demjenigen zugestanden werden können, der kennt, was als Urteils-Vorausetzung angenommen wird. Und das ist für die allermeisten dieser Drucke mindestens die anthroposophische Erkenntnis des Menschen, des Kosmos, insofern sein Wesen in der Anthroposophie dargestellt wird, und dessen, was als "anthroposophische Geschichte" in den Mitteilungen aus der Geist-Welt sich findet"(1). Das heißt doch eindeutig: nur einem Anthroposophen kann eine Beurteilung der steinerschen Äußerungen zugestanden werden. Wie dann überhaupt Kritik möglich sein soll, weiß wohl auch nur Rudolf Steiner und der weilt nun in den höheren Welten. Aber wir werden einige Originalauszüge aus den Schriften als Beispieltext beifügen, damit die KritikerInnen mithilfe der jägerschen Diskursanalyse den präfaschistischen Charakter entlarven können.

Der Gründer Dr. Rudolf Steiner

Verständlich wird die Anthroposophie, wenn Steiners Leben und Werk in Augenschein genommen wird. Daher soll auch der Initiator etwas genauer betrachtet werden:

"An der Grenzlinie zwischen Mittel- und Osteuropa wurde Rudolf Steiner (am 27. Februar 1861, d.A.) geboren. Er selbst hat in dieser Lage seines Geburtsortes keinen Zufall erblickt. Daß er als Kind österreichischer Eltern in Kraljevec im damaligen Ungarn , heute Jugoslawien, zur Welt kam, erschien ihm von zeichenhafter Bedeutung. Die Polarität von Ost und West sollte als Spannung sein ganzes Leben begleiten." Diese einleitenden Sätze finden sich in dem Buch von Johannes Hemleben "Rudolf Steiner" (2) und die Leser/innen werden sehen, daß, was Hemleben "Spannung" nennt und besser Bewußtseins-Spaltung hieße, vielleicht das wesentliche Element der späteren Anthroposophie in ihren Grundzügen darstellt.

"Zwei Tage nach seiner Geburt empfing Rudolf Steiner die christliche Taufe der römisch-katholischen Kirche." (3).... und "Schon als Kind hatten sich bei Rudolf Steiner hellseherische Fähigkeiten gezeigt, die ihm das Vorhandensein einer geistigen Welt "hinter" und "über" der Sinnenwelt nie in Zweifel ziehen ließ"(4) Diese "Spannung" ist eigentlich eine Trennung der Welt in eine "reale Geisterwelt" und die "Sinnenwelt", die bei Steiner auch schon mal Maya (Trugbild) heißt. Angelegt wurde so schon in der Kindheit ein christlich/mystisches Weltbild.

Steiner besuchte die Realschule in Wien und lernte an der Technischen Hochschule die Naturwissenschaft kennen. In dieser Zeit studierte er auch die deutschen Idealisten Fichte, Hegel, Schelling, und war zutiefst von Fichtes "Ich-Philosophie" beeindruckt. Die 'Ich-Frage' war dann eine sein ganzes Leben begleitende und Grundlage seiner Selbsterziehungstheorie. Ebenfalls in dieser Zeit wurden die Fragen nach der Reinkarnation(Wiedergeburt) und des anthroposophischen Christentums angelegt. 1989 wurde er Mitarbeiter beim Goethe- und Schillerarchiv in Weimar und arbeitete an der Herausgabe der Werke Goethes. Zwei Jahre später entstand seine philosophische Doktorarbeit an der Universität Rostock, von der 1892 die erweiterte Dissertation "Wahrheit und Wissenschaft", ein Vorspiel zur "Philosophie der Freiheit", 1894 erschien. Dies war die Grundlage für seine Anerkennung als Naturwissenschaftler bei den Theosophen und auch der Ansatz für die Konvergenz zu anarchistischen Bewegungen früher und heute.

Um die Jahrhundertwende kam eine entscheidende Wende im Leben Steiners. Seit dem Jahre1900 hielt Steiner Vorträge im Hause des Grafen Brockdorff in Berlin. Der Theosoph warb Steiner für die theosophische Gesellschaft an, die aus der von H.S.Olcott, H.P. Blavatzky und W.Q.Judge1887 in New York gegründeten Theosophischen Gesellschaft(TG) hervorgegangen war. Ziel dieser Gesellschaft war das wissenschaftliche Studium spiritistischer Phänomene, aber auch die Erforschung der "latenten göttlichen Kräfte im Menschen". Später wurde behauptet, die TG sei von den "tibetanischen Meistern" selbst gegründet worden. Auch Steiner soll Kontakt zu den 'Meistern' gehabt haben. Sie sind nach theosophoscher Lesart Autoritäten aus der geistigen Welt, und die Eingeweihten der Gesellschaft berichteten von Inspirationen, die sie von ihnen empfangen hätten. Nach Horst E. Miers (5) hat die TG mehrere doktrinäne Wandlungen durchgemacht und zwar etwa in der Reihenfolge: Spiritismusforschung, Buddhismus, Hinduismus und esoterisches Christentum..

Für die Analyse der Anthropsophie ist es von Bedeutung, daß sich alle Elemente in beinahe gleicher Reihenfolge in Steiners Anthroposophie wiederfinden lassen; in leicht gewandelter Form versteht sich, war doch Steiner stets darauf bedacht, seine 'Erkenntnisse' originär erscheinen zu lassen. So behauptet er in seinen Büchern, daß es sich um seine eigenen "Schauungen" handele, obwohl die Ausführungen beinahe deckungsgleich mit denen der Helena Blavatzky waren.

1902 bei der Gründung der TG-Deutschland, wurde Steiner Generalsekretär und löste sich 1913 u.a. wegen des Streites innerhalb der Gesellschaft um die Lehre von der Wiedergeburt Christi in dem Hinduknaben Krisnamurti. 90 Prozent der Mitglieder standen auf Steiners Seite und es wurde die Anthroposophische Gesellschaft gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er folgende Schriften verfaßt: "Das Christentum als mystische Tatsache"(1902), "Theosophie, Einführung in die übersinnliche Welterkenntnis"(1904), "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten"(1904/05), "Die Geheimwissenschaft im Umriß"(1910), "Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit"(1911), Anthroposophischer Seelenkalender" und "Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen"(1912). In der ersten Ausgabe des Lehrbuches "Wie erlangt man..." findet sich noch die Yoga-Kraft Kundalini, das berühmte Schlangenfeuer. Diese 'Jugendsünde' wurde jedoch später entfernt.

Steiner bemühte sich danach sehr, indische, durch Begriffe aus dem deutschen Geistesleben zu ersetzen. In dieser Zeit(1905) stand Steiner auch mit den 'echten' Rosenkreuzern, der SRIA (Societas Rosicruciana in Anglia), in Verbindung. In der Geheimloge des O.T.O.(Ordo Templi Orientis) wurde er 1906 zum Rex Summus (Großmeister) ernannt. Ähnlich den nach Freimaurergesichtspunkten aufgebauten esoterischen Logen und der E.S.(Esoterische Schule innerhalb der Theosophischen Gesellschaft) legte Steiner auch in der anthroposophischen Gesellschaft einen 'inneren Kreis' an, der 'Klasse' genannt wurde. Drei sollten es wohl werden, doch existiert bis heute nur eine 'erste Klasse' Die zelebrierten Inhalte dieser waren und sind allerdings Nichtmitgliedern und den Nicht-Klassen-Mitgliedern innerhalb der Gesellschaft fest verschlossen.

Nach 1913 baute Steiner sich und der AAG (Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft) einen eigenen Tempel, das 'Goetheanum', auch 'Hochschule für Geisteswissenschaft' genannt. Der Holzbau brannte 1922 (wahrscheinlich durch Brandstiftung) ab und wurde danach in Beton und veränderter Architektur wieder aufgebaut. Dort befindet sich auch die von Steiner geschnitzte Holzskulptur, der 'Menschheitsrepräsentant'. Am 30. 3.1925 starb Steiner in Dornach. Er hatte weitere Schriften verfaßt und eine große, mir unbekannte Zahl von Vorträgen gehalten. Die Vorträge wiederholten sich allerdings und variierten von Vortragsort zu Vortragsort nur wenig. Es wurden jeweils ortsspezifische Elemete den vorher woanders gehaltenen Vorträgen zugefügt. Steiner war, wie ähnlich veranlagte Propheten, ein Meister der Multiplikation. Laut Rudolf Steiner Verlag, Dornach, lassen sich 28 Bücher zählen.

Es gibt weiterhin eine Reihe von Aufsätzen und einen künstlerischen Nachlaß, denn Steiner war auch auf diesen Gebieten ungeheuer schöpferisch. Weiterhin gab es fast kein Gebiet menschlichen Wissens oder Lebens, zu welchem Steiner nicht allumfassende Aussagen machte oder Anstöße gab, um Alternativen zu entwickeln. Seine Jünger entwickelten die Waldorfschulen, eine anthroposophische Medizin, die Christengemeinschaft, diverse anthroposophische Kunstrichtungen, von denen die Eurythmie und die spektakulären Kunstwerke des Joseph Beuys die populärsten Ergebnisse sind. Auf politischem Gebiet ist die 'Dreigliederungsbewegung' entstanden, aber auch im ökonomischen Bereich hat sich ein anthroposophisches Geldwesen etablieren können, mit nicht unerheblichem Einfluß in der Alternativ-…konomie. Hier sei stellvertretend die GLS-Bank in Bochum genannt.

Eine gespaltene Person?

Für die psychologische Einschätzung Rudolf Steiners und der auf ihn zurückgehenden Anthroposophie ist eine Analyse des Nervenarztes und Psychiaters Dr. Wolfgang Treher bedeutsam. In dem Buch "Hitler, Steiner, Schreber - Gäste aus einer anderen Welt" findet dieser erstaunliche Parallelen bei den drei, nach seiner Untersuchung schizophrenen Personen.. Ob man ihm bei allen Schlußfolgerungen zustimmen muß, sei dahin gestellt, doch überzeugen die Aussagen bei der "vergleichenden Verhaltenspathologie". Sie sind so frappierend, daß man die Verhaltensweisen der beiden erstgenannten geradezu austauschen kann.

"Rudolf Steiner und Adolf Hitler sind nicht nur, da sie beide aus dem niederösterreichischen Waldviertel stammen, Landsleute, sondern ähneln sich auch in ihrer Individualität außerordentlich. Beide erleben nach dem Prodromalstadium (Vorsymptomphase einer Krankheit, d.A.) einen kometenhaften Aufstieg. Sogar daß sie ,wenigstens zeitweise, durch ihre Kleidung auffallen, haben sie gemeinsam...." eine Erscheinung, wie sie eigentlich bei uns Christen selten vorkommt"(R.Hanisch). -In der Inkubationsphase Beider spielen enthusiamierte, zum Teil ältere Frauen als schützende, haltgebende und fördernde Kräfte eine entscheidende Rolle. Beide waren Vegetarier und betrieben den Vegetarismus als Weltanschauung, für die sie missionierten...... Steiner und Hitler haben ferner gemeinsam die abudante Fülle ihrer unermeßlichen Produktion, die allein schon psychoseverdächtig ist.......beide litten sie an dem Symptom, was ich(Treher,d.A.) Lauftrommelphänomen genannt habe. Hitler reist ununterbrochen kreuz und quer durch Deutschland, Steiner durch ganz Europa. ...Sie sehen sich selbst als universelle Menschheitsgenies von unvorstellbarer Größe......" (6)

Sie fühlten sich als Führer oder Menschheitsrepräsentanten und waren beide omnipotent. Nach Trehers Ansicht sind selbst die besten Kritiken an Steiner (oder Hitler) aus dem Grunde verkürzt, nicht falsch, weil sie die Krankheit der beiden Macht- und Willensmenschen nicht erkennen. Das führe zu einer Verkehrung der Sicht, die "die Zeitumstände für dominierend" halte und den krankheitsbedingten Zufallsmoment im Leben vom exponierten Personen unberücksichtigt läßt.

Ich selbst neige hier zu einer Synthese und denke das die Aussagen Dr. v.d.Schalcks, der Steiner einen "geschickten Schauspieler" oder K.H.E. de Jongs, der ihn einen "Schwindler wie keiner" nennt, richtig sind(7) und an konkrete zeitgeschichtliche Bedingungen, wie die Nachwirkungen der Aufklärung, der französischen Revolution, der fortschreitenden Industrialisierung, dem Aufkommen des völkischen Denkens, als Folge der Romantik mit ihrer Tendenz zum Irrationalismus und auch an einen tatsächlichen Krankheitsprozeß, wie ihn Treher beschreibt. (9)

Im Gegesatz zu Treher denke ich, daß Steiner sehr wohl dazu neigte, sagen wir gelinde, die Wahrheit zu verschleiern, zu mystifizieren. Nirgendwo gesteht er seine Mitgliedschaft bei den Freimaurern(8) offen vor seinen AnhängerInnen ein, auch dort nicht, wo konkret nach der Freimaurerei gefragt wird. Wie sehr er von den geistigen Zeitströmungen beeinflußt wurde, zeigen seine Auseinandersetzungen mit den Werken Goethes, Nietzsches oder Häckels. Manche seiner Aufsätze lesen sich übrigens wie eine Zusammenfassung einer ganzen völkischen Literatengeneration. Inwieweit die 'Wiener Gesellschaft' Steiner beeinflußte, mit Vordenkern des Faschismus, wie z.B. Guido von List, ist nicht nachzuweisen, aber wahrscheinlich.

Wer Steiners Werke und die Person unvoreingenommen studiert, wird auf ein Phänomen stoßen, welches erklärt, warum die Anthroposophie einerseits zum Steinbruch für den Liberalismus taugt und ihm erhebliche Impulse gibt, aber andererseits auch eine unerschöpliche Fundgrube für den Faschismus und die ihn vorbereitenden Ideologien war und heute wieder ist. Letzteres werde ich später noch an den Beispielen von Nationalrevolutionären und Anthroposophen wie Wolfgang Strauss und Günther Bartsch aufzeigen. Für den Faschismus waren die rassistischen Elemente in Steiners Lehre so willkommen, wie seine Pädagogik mit ihrer Erziehung zu Ganzheit, Gemeinschaft und Selbsterziehung .

Der edlere oder auch kulturelle Rassismus bei den Anthroposophen

Die Anthroposophen haben den biologistischen Rassismus veredelt und erhöht. Steiner transformierte den Biologismus und den Nationalismus ins Geistige. Seine Anthroposophie bietet sich an, die Menschen auf der Erde durch die Besseren zu führen. Wer diese sind, hat der Menschheitsführer deutlich gemacht.

Um geistigen oder biologischen Rassismus handelt es sich immer dann, wenn irgend eine Menschengruppe sich als besondere dünkt und daraus ableitet die vermeintlich jeweils tiefer stehende in mehr oder weniger zwingender Weise, also pädagogisch und/oder militärisch, zu behandeln. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich z.B. um das Verhalten weißhäutiger Menschen gegenüber andersfarbigen handelt oder ob z.B. Christen glauben ihre Spezies sei die vollkommenere in Bezug auf andere Religionen.

Und es kann wohl nicht anders als rassistisch bezeichnet werden, wenn der Begründer der Anthroposophie in einem seiner Grundlagenwerke zu dem Schluss kommt, daß , wenn die "Erden und Menscheheitsentwickelung so weit fortgeschritten sein wird"....es geschehen wird, daß dann "eine genügend große Anzahl von Menschenseelen so viel innere Kraft haben wird, daß sie diese Mondenkräfte zur weiteren Entwickelung fruchtbar machen wird. Das wird in einer Zeit sein, in welcher neben der hohen Entwickelung, die eine entsprechende Anzahl von Menschenseelen erreicht haben wird, eine andere einhergehen wird ,welche die Richtung nach dem Bösen genommen hat. Die zurückgebliebenen Seelen werden in ihrem Karma so viel Irrtum, Häßlichkeit und Böses angehäuft haben, daß sie zunächst eine besondere, der guten Gemeinschaft der Menschen scharf entgegenstrebende Vereinigung der Bösen und Verirrten bilden werden." (R.Steiner: Die Geheimwissenschaft im Umriß. S. 304/305)

Danach haben dann die Guten die Aufgabe die Bösen zu veredeln, usw. usf. Damit dies in Zukunft geschehen kann, dazu qualifizieren die Anthroposophen ihre menschenbildnerischen Institutionen schon heute.

Auswirkungen des Spezialdiskurses über den Interdiskurs zum Handeln

Spezialdiskurse werden in kleinen Expertenkreisen geführt und gelangen von dort über die Medien zum Interdiskurs und werden schließlich materiell.

Die folgenden Ausführungen zeigen verschiedene Einflüsse unter Zurhilfenahme anthroposophischen Gedankengutes in politisch wirksame Strömungen. Es sind nur die augenfälligsten Beispiele angeführt. Weniger spektakuläre, aber dennoch äußerst wirksame, finden sich außerdem im Bereich der Pädagogik (Waldorfschulen), die laut Geschäftsführer des Bundes der Freien Waldorfschulen, Walter Hiller, mit ca. 61 000 Schülern in 157 Schulen allein in der BRD, wohl die größte und erfolgreichste Alternativschule sein dürfte (11) oder der Medizin (anthroposophische Krankenhäuser und Privatuniversitäten) und in vielen anderen Lebensbereichen.

Wie sehr der steinersche Spezialdiskurs zur anthroposophischen Erziehung mittlerweile in die allgemeine politische Landschaft eingebettet ist, zeigt ein Bericht der anthroposophischen Zeitschrift "Erziehungskunst", der von einem Festakt zum 75jährigen Bestehen der Stuttgarter Waldorfschule schreibt: "Es gaben sich die Ehre zu Ansprachen: S.Niedermayer-Thary(UNESCO), Hildegard Hamm-Brücher(FDP) und Oberbürgermeister Rommel. Anwesende Waldorfschulvertreter kamen aus Rußland, USA, Afrika, Israel und Skandinavien(12)." Daß die Waldorfpädagogik der herrschenden Politik regelrecht entgegenkommt, zeigt sie an einem ganz konkreten Punkt: dem Antimaterialismus. "Das gefällt den Herren der Politik immer gut. Schon an den Kirchen schätzen sie schließlich die Propaganda, die materiellen Opfer, die diese Gesellschaft produziert, seien nicht das Wesentliche an einem Leben, das aus dem Jenseits seinen Sinn bezieht. Dem speziellen religiös-mystischen Brimborium der steinerschen Ersatzreligion gewähren sie daher in einer eigenen Schule Raum, weil und sofern es sich auf eine Variante der Begründung staatsbürgerlicher Moral, also der Zutat zum staatlich verordneten Bildungskanon zurücknimmt."(13).

Anthroposophen tun immer so, als ob die Waldorfschule ihre originäre Erfindung wäre. Tatsache ist jedoch, daß sie ein Kind ihrer Zeit und hier ganz konkret der Reformschulbewegung war. Sie ist ein Ergebnis berechtigter Kritik am Staatsschulwesen und dem Wunsch nach Mystifikation der realen Welt. Fast alle Grundzüge ihrer Pädagogik finden sich in anderen reformpädagogischen Ansätzen auch. Nach Barz gibt es Übereinstimmungen mit anderen "Bewegungen" in den Bereichen:

Wie fast alle Reform- oder Alternativschulen, so ist auch die Waldorfschule nur eine Variante der diversen pädagogischen Nischen, wenn auch eine durchaus wirksame. Nur eins ist sie sicher nicht: revolutionär. Dem Staat ist sie durchaus willkommene Handlangerin bei seinen Belangen. Sie festigt das Bildungsbürgertum und den ihm eigenen Konservativismus. Nicht zuletzt vermittelt die Steinerschule den Idealismus des Gründers durch den 'lebendigen Lehrplan', der praktisch den Lehrplan der Stuttgarter Mutterschule aus den 20er Jahren wiedergibt. Eine versteinerte Schule im wahrsten Sinne des Wortes also. Jener dort einstudierte Idealismus findet später seinen Niederschlag in den merkwürdigsten politischen Strömungen.

Die Kompatibilität mit reaktionären und faschistischen Bewegungen

Am Beispiel einer zeitgenössischen Erscheinung kann die steinersche Philosophie als kompatibel mit neurechten Ideen und Tendenzen erkannt werden:

Die Diskursanalyse entlarvt den folgenden Satz als schwülstig und präfaschistisch: "Der Idealist wird immer siegen; er allein ist wirklich 'praktisch', nämlich in einem höheren Sinne; und er allein - wie aufrecht sein Ideal auch sein mag, ja , wie alles Menschliche sein muß - er allein besitzt jene übermäßige Lebenskraft, welche ihren Willen gegen andere Willen durchsetzt"(15). Es wird die dem faschistischen Weltbild eigene Überhöhung zelebriert.

Dieses Zitat stammt jedoch nicht von Rudolf Steiner, auch nicht von Friederich Nietzsche. Der Vater dieses Gedanken ist Houston Stewart Chamberlain und findet sich wieder in den 'Lebensschutz - Informationen' (LSI) mit dem Untertitel 'Stimme des Gewissens'. Herausgegeben wird sie vom Weltbund zum Schutze des Lebens (WSL-D), Collegium Humanum, Akademie für Umwelt und Lebensschuz e.V. in Vlotho.

Er war englischer Kulturphilosoph und mit seinem Werk "Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" wohl der einflußreichste Rassentheoretiker seiner Zeit und Nachfolger des Franzosen Graf Josef Arthur von Gobineau, welcher das vierbändige Werk "Versuch über die die Ungleichheit der Menschenrassen" verfasste(16).

Chamberlain war Verehrer des antisemitischen Richard Wagner und ließ sich als Deutscher naturalisieren (17). Ein Zitat Chamberlains wird Geleitwort für eine Institution, deren maßgeblicher Initiator Werner Haverbeck, eine eigenartige Karriere in der Zeit des Deutschen Faschismus durchlaufen hat: In der frühen Jugend war er 'natürlich' der bündischen Jugend zugehörig. "Bereits 1928 , noch vor dem Aufstieg zur Massenbewegung, gehörte Haverbeck der Reichsleitung des NS-Sudentenbundes an". Er gehörte zum Stab des 'Stellvertreters des Führers' und zog sich nach den Säuberungsaktionen in der Folge des 'Röhmputsches' für eine Zeit aus dem politischen Leben zurück."Nach Kriegsende kehrt Haverbeck an die Universität zurück" und wurde 1950 Pfarrer der 'Christengemeinschaft'(18).

Die Christengemeinschaft als religiöse Gruppierung der Anthroposophen (diese eigenständige Bewegung innerhalb der anthroposophischen ist nur teilweise akzeptiert) entließ den Professor 1960 wegen 'kommunistischer Sympathien'(19). Es ist anzunehmen, daß Haverbeck hier sozusagen "Bauernopfer" der Anthroposophen wurde. Es wurde herausgearbeitet, daß Prof. Haverbeck einen großen Teil seiner Erkenntnisse Dr. Steiner verdankte, die er allerdings ohne sich direkt auf den Urheber zu beziehen, ständig in seinen volkspädagogischen Schriften beinahe wortgleich zitierte (20). Es ist daher nur zu verständlich, daß Haverbeck den Anthroposophen äußerst unangenehm war und ist. Brachte er doch zutage, daß zumindest der spirituelle Teil des Rassismus, sozusagen seine Überhöhung oder auch Tranzendenz, u.a. auf dem geistigen Humus des großen Meisters gewachsen ist.

Völkisch und romantisch

Haverbeck schrieb in einem WSL-Info: "Was sind Völker? ....Wir müssen also mit der Gegebenheit von Völkern als Lebensqualitäten rechnen.... Der von Herder und der Geistesbewegung der deutschen "Romantik" ausgegangene Impuls zum Volkstum hin scheint noch lange nicht abgeklungen...So sind nicht nur die slawischen Völker noch auf dem Weg zu ihrer "Identität"...Solche Völker in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen oder gar durch Assimilierungstendenzen (sic) sich selbst zu entfremden, bedeutet einen schwerwiegenden Eingriff in die Lebenszusammenhänge...." In demselben Info schreibt der Geistesschüler "Völker sind eine Naturtatsache .." und " Der Naturwissenschaftler spricht von Rassen und Arten, von Stämmen und Völkern."

Daß Rudolf Steiner von 'Volksgeistern' sprach und schrieb wird später noch deutlich, und wer meint, dieser reaktionäre Ton sei von gestern, der wird im folgenden eines anderen belehrt. Daß der Rassismus entgegen der Dementi der Anthroposophen auch heute noch gegenwärtig ist, zeigt die folgende Beschreibung Peter Bierls von einem Wochenendseminar in der anthroposophischen Volkshochschule Forum Kreuzberg, Berlin: " Hauptreferent Rainer Schnurre fragt die Anwesenden nach ihren 'Rassenbegegnungen' und will wissen, 'welche Unterschiede es denn zwischen den Rassen' gebe. Schnurre antwortet selbst: 'Der Afrikaner 'läuft und bewegt sich anders als 'wir' weswegen 'wir' auch in den USA effektiver Fußball gespielt laben..., deshalb könne gesagt werden, Schwarze hätten 'etwas kindliches an sich'. Weil laut Schnurre jede 'Rasse' eine andere, besondere Fähigkeit besitzt, könne 'kein' gleiches und globales System für alle Menschen auf der Erde geschaffen werden". Der Anthroposoph erklärt seinen ZuhörerInnen, daß 'wegen der Unterschiede der Rassen die Entwicklungshilfe keinen Nutzen gebracht' hätte. Gemäß der Lehre Steiners, wonach Schwarze Triebtäter sind und nur Weiße denken können, besonders die Angehörigen der fünften Unterrasse der arischen Wurzelrasse, gelangt der Referent zu dem Ergebnis: 'Die Aufgabe der Deutschen ist es, das Geistesleben weiterzuentwickeln und in die Welt hinauszutragen'.

Wie alle Rechten sieht sich Schnurre als Tabubrecher und bedauert, dass 'man in Bezug auf Rassen nicht alles aussprechen kann - es bestehen Redeverbote oder auch Tabus (...) Tabus brechen bedeutet, die Dinge beim Namen zu nennen. Dies bedeutet, Unterschiede kennen zu lernen zwischen den Rassen".(21)

Hier zeigt sich eine beinahe ungebrochene Linie von der Romantik über die völkische Anthropologie und Theosophie/Anthroposophie bis in heutige neurechte Lager eines Henning Eichberg oder eben des Anthroposophen und Nationalrevolutionärs Wolfgang Strauss.

Die Grundlagen des Neorassismus

Steiner selbst hat an vielen Stellen seines Werkes rassistische Äußerungen getan und die spirituelle Rassistin H.P.B. nur jeweils leicht modifiziert. Hier sei nur die Kostprobe geliefert: "Die Weißen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln, daher sind sie auf sich selber angewiesen. Wenn sie auswandern, so nehmen sie die Eigentümlichkeiten der anderen Gegenden etwas an, doch sie gehen, nicht als Rasse, sondern als einzelne Menschen zugrunde.(...) Daher kann der Europäer, weil ihn Seele und Geist am meisten in Anspruch nimmt, Seele und Geist am meisten verarbeiten. Der kann am ehesten vertragen, in alle Erdteile zu gehen.(...) Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse." (22).

Für den deutschen oder eben mitteleuropäischen Nationalisten und Regionalisten bietet sich die folgende Äußerung von R. Steiner geradezu als Argumentationshilfe an:

Bei der russischen Seele liegt es so, daß sie in die Schule zu gehen hat bei Mitteleuropa, und wenn sie verarbeitet hat, was in Mitteleuropa vorgearbeitet wird, dann wird sie einmal beitragen können, was sie beizutragen hat zur europäischen Kultur." (23).

"Diese ahrimanischen und luziferischen Impulse sind überhaupt die Ursache, daß sich der Osten jetzt in solch schauerlicher Weise gegen Deutschland gewendet hat."

An dieser Stelle sei die Zeit in Erinnerung gerufen, in welcher Steiner hier spricht: Nachdem 1914 …sterreich-Ungarn den Serben den schon vorher beabsichtigten Krieg erklärt hatte, fühlte sich wohl die deutsche Volksseele mitteleuropäisch solidarisch und erklärte den Russen ebenfalls den Krieg. Steiner "sah" das geistig so:

"Indem die eigentliche Mission der fünften Kulturepoche von dem germanischen Elemente übernommen worden ist, war dieses germanische Element dasjenige, welches für diese fünfte Kulturepoche das eigentliche Verständnis des Christentums im inneren Erringen in die Erdenevolution einzufügen hatte. Und es wäre das größte Unglück geschehen, wenn auf die Dauer das germanische Element besiegt worden wäre von dem römischen.....und es wäre das größte Unglück, wenn jemals das slawische Element das germanische besiegen würde."usw.,usw(24).

Mitteleuropa mit seinem germanisch inspirierten Christentum wird so zum geistigen Gravitationszentrum und die Satelliten haben sich nach diesem zu richten. Verbunden mit der Entwicklungslehre Steiners werden Europas Weltmachtgelüste philosophisch legitimiert.

Diese Entwicklungslehre ist eine Metarmorphose der G.W.F.Hegelschen"Stufenordnung" (Hegel: Kindheit, Jugend, Reife und analog bei Steiner: Neger Asiaten, Europäer) und der Rassenlehre der Frau Blavatzky. Es gibt bei ihm eine immer wieder vorkommende Dreiteilung, die sich letztlich sowohl in seiner Anthropologie, wie auch in der Gesellschaftslehre der "Dreigliederung des sozialen Organismus" niederschlägt: "schwarze, braune/gelbe und weiße Welt" oder "Europa, Asien, Afrika" (25).

Das Volk als lebendiges und eigenständiges Wesen

" ...Diese verschiedenen germanischen Völker, die ursprünglich von einem Erzengelwesen geleitet worden sind, waren dazu berufen, nach und nach unter die Leitung der verschiedenen Erzengel zu kommen, in der verschiedensten Weise Völker-Individualitäten zu bilden"(26).

Aus solchen sehr häufig vorkommenden Äußerungen können z.B. Nationalrevolutionäre heute ihren weltanschaulichen Backgound ableiten. Rudolf Steiner sieht die Völker als Einzelwesen analog etwa zum menschlichen Individuum. Es (das Volk/Individuum) besteht aus Körper, Seele und Geist. Der Erzengel übernimmt so die Rolle des lenkenden Geistes.

Der kulturelle Rassismus des Dr. Steiner wird sehr deutlich in dem Vortrag während des 1. Weltkriegs, in dem er betont: "Bei den westeuropäischen Völkern ist es so, daß der Erzengel hineinwirkt mit seinen Willensstrahlen, bei dem italienischen Volk in die Empfindungsseele, bei dem französichen Volk in die Verstandes- und Gemütsseeele, bei dem britischen Volk in die Bewußtseinsseele und bei dem deutschen Volk in das Ich"(27).

Hier wird auch die unglaubliche Arroganz der Deutschen angelegt. Aber auch der Militarismus kann sich Steiners Gedanken zu Nutzen machen. Schwülstig in der Diktion, wie der heutige Neurechte Pierre Krebs in seinen Artikeln dichtet er:

"Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht-
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich"(28).

Steiner und der "Stein der Weisen"

Das Problem für die emanzipatorische Linke mit dem Phänomen Anthroposophie klarzukommen, liegt m.E. nicht in der Menge und Qualität der Kritik, sondern im Blickwinkel. Es wird den GeistesschülerInnen immer wieder gelingen die lästigen Kritiken wie Fliegen abzuschütteln, mit Hinweisen, sie hätten mit Haverbeck und seiner Schar aber auch gar nichts mehr zu tun. Sie werden immer wieder verweisen können auf die sogenannten fortschrittlichen Kreise innerhalb ihrer internationalen, finanz- und bildungsstarken Bewegung.

Strukturelle Merkmale

Zu den grundlegende Strukturmerkmalen der theosophischen und anthroposophischen Bewegung gehören die folgenden Eigenschaften.

Antiaufklärerisch
Irrational und regressiv
Völkisch
Rassistisch (im metaphysischen Sinne)
Autoritätshörigkeit (Steiner ist der Menschheitsführer)

Was sie eindeutig vom Faschismus unterscheidet ist, daß sie die grobe kriegerische Gewalt verachtet. Diese hat sie ins Psychologische transformiert; man kämpft als Feingeist eben nur feingeistig (Anthroposophen prägten den Nonsens von der 'sanften Revolution'). Die Menschen werden nicht physisch ausgelöscht, sie werden seelisch nivelliert. Alle sind sanfte Individualisten, knallhart nur in materialistischen Dingen, die sie so nicht nennen, und alle sind Kommunisten- und Materialistenhasser (pardon, Liebhaber: sie haben sie zum Fressen gern). Steiner subsumierte bekanntlich Bolschewismus, Kommunismus und Materialismus unter den Begriff Materialismus.

Damit die vorgeführten Behauptungen aber nicht nur im 'leeren Raum' stehen bleiben, werden die ersten zwei näher erläutert. Die anderen haben Jutta Ditfurth, Gilbert Reis, Peter Bierl, Volmar Wölk und Oliver Geden in diversen Aufsätzen zur Genüge belegt, sie sind bisher zumindest nicht mal in Ansätzen widerlegt worden(29).

Anti-Aufklärerisch

Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft bezeichnen sich zum Teil auch als Rosenkreuzer. Diese esoterische Schule hat ihre Ursprünge in der Tradition des Geheimbundes der Gold- und Rosenkreuzer, welcher wiederum auf einen Christian Rosenkreutz(1388 -1494) zurückgehen soll. Eine organisatorische Kontinuität kann zwar nicht nachgewiesen werden, doch ist eine Beschäftigung unabkömmlich, da zentrale Ideen der Anthroposophie aus diesen völlig unzulänglichen Quellen herrühren. Rose und Kreuz sollen die Zweiteilung des rosenkreuzerischen Wissens in Theosophie und Philosophie kennzeichnen. Dies ist der 'Stein des Weisen'.

Das Herrschaftssystem des Ordens wurde abgesichert durch eine 'Hierarchie des Wissens'. Die Folgeorganisationen, die sich jeweils als die einzig richtigen Rosenkreuzer bezeichneten, hatten inhaltlich Verbindungen durch die Einbindung in christlich-kabbalistische, theosophische, pansophische, magische und alchymische Strömungen. Ein für Laien undurchdringliches Lehrgebäude sicherte so die Hierarchie der Macht.

Der Orden der Gold- und Rosenkreuzer ist von Horst Möller eindeutig als anti-aufklärerisch definiert und analysiert worden(30). (siehe hierzu den Beitrag in "Tendenz Rechts")

Rudolf Steiner war seit 1905 für eine Zeit Mitglied in der SRIA (Societas Rosicruciana in Anglia), die in der Tradition des o.g. Ordens stand und 1906 im OTO (Ordo Templis Orientis) oder auch Weltbund der Illuminaten, wo er als Rex Summus (Großmeister) eingestuft wurde.(31)

Der Rosenkreuzer Dr. Rudolf Steiner hat geschrieben: "Wer ein Führer innerhalb der Rosenkreuzer-Gemeinschaft ist, davon erfährt exoterisch nie jemand etwas, bevor nicht 100 Jahre verflossen sind nach seinem Tode". (32) Er fühlte sich selbst als ein wahrer Rosenkreuzer.

In der Vorbemerkung zu dem Buch "Das Rosenkreuzertum als Mysterium der Trinität", Verlag Freies Geistesleben schreibt 1994 George Adams:

"Zahlreiche Menschen, die heute in der westlichen Welt nach neuen Erkenntnis- und Lebensimpulsen suchen, welche den modernen Zeitforderungen gerecht werden, kommen früher oder später mit der spirituellen Strömung des Rosenkreuzertums in Berührung Denn der Erkenntnisweg des Rosenkreuzertums steht tatsächlich im Einklang mit den Anforderungen, die das technischzivilisierte Zeitalter an jeden modernen Menschen stellt. Wer mit dem Werke Rudolf Steiners bekannt ist, wird wissen, daß er sich selbst stets als einen Repräsentanten dieser Geistesströmung verstanden hat. Allerdings hat er niemals in einer nur äußerlichen Weise an diese Strömung angeknüpft, sondern sie aufgrund selbständig erworbener übersinnlicher Erkenntnisse vertiefen und erweitern können. Den spezifisch rosenkreuzerischen Erkenntnisweg hat Rudolf Steiner wiederholt als die westliche Entsprechung zum Yoga-Weg des Ostens bezeichnet."

Wissenabsicherung

Das Wissen der oberen Eingeweihten im Orden der Gold- und Rosenkreuzer um diesen beinahe undurchdringlichen Wust an esoterischen Organisationen mit ihren Hintergründen verschaffte den Hochgraden die Machtfülle zur Aufrechterhaltung der Hierarchie und ist insofern für die Analyse der Anthroposophie von Wichtigkeit, weil diese Geheimbünde anti-aufklärerisch tätig waren und sich dem sogenannten mystischen Christentum zugehörig fühlten.

Steiner schreibt dazu: "Die Menschen, von denen man sagen kann, daß sie auf eine solche Weise mit Christian Rosenkreutz verbunden waren oder es jetzt werden, das sind diejenigen, in welchen zuerst entstehen sollte eine tiefere Auffassung des esoterischen Christentums. Aus den geistigen Strömungen, die anknüpfen an Christian Rosenkreutz, geht die mächtige Hilfe hervor für ein Verständnismachen des Christus-Impulses in unserer gegenwärtigen Zeit....."(33)

Das Rosenkreuzertum ist sozusagen die okkulte Form des fürs gemeine Volk bekannte Christentum. Beide Strömungen (das esoterische und exoterische) waren und sind sich durchaus nicht grün und haben sich zeitweise regelrecht bekämpft. Derzeit jedoch findet eine Annäherung wieder statt. Paradigmatisch ist hierfür das Entgegenkommen des Herrn Drewermann mit seiner 'Totenkopftheologie' von Seiten der undogmatischen Christen und der Brückenschlag zu den C.G. Jung-Anhängern durch den Anthroposophen Gerhard Wehr, der als Drehpunktfigur zwischen den diversen Christenströmungen und dem New-Age eine nicht unwesentliche Rolle spielt(34).

Irrational und Regressiv

Wie schon hervorgeht, sind die gesamten theosophisch-anthroposophischen Bewegungen, in ihrem Vorfeld die Alchymisten, die Mystiker, die Kabbalisten und in ihrer Nachhut die Thule-Esoteriker, Germanen- und Indianertümler, die New-Ager, Neu-christlichen und Neu-heidnischen Sekten Prototypen der Verhinderung von Aufklärung und des Vorantreibens von Mystifikation und Religion.

Es kann nachgewiesen werden, daß der freimaurerische Ansatz im 18.Jahrhundert von den religiösen und spirituellen Kräften systematisch (nicht im Sinne von organisiert, wohl aber im Sinne einer kulturellen Hegemonie) ursupiert wurde. Es gab fast durchweg Doppelmitgliedschaften in freimaurerischen und religiös-mystischen Geheimgesellschaften. Bekannte Namen sind z.B. Goethe, Knigge,Lessing oder auch Peter der Große, u.v.a. Diese Doppelmitgliedschaften hatten von Seiten der Esoteriker Methode und hat zum Niedergang der weltlichen Freimaurerei geführt, die ja durchaus weltliche und soziale Ziele verfolgte.

1924 in Paris sagte Rudolf Steiner "....(daß d.A.) der geistige Impuls, der aus den spirituellen Welten herunterkommen muss, wenn die anthroposophische Bewegung ihren richtigen Fortgang nehmen soll, durchaus gewachsen ist, so dass unsere anthroposophische Bewegung seit unserer Weihnachtstagung immer esoterischer und esoterischer werden konnte und es weiter werden wird"(35).

Es ist schwierig an authentisches Material aus der Vergangenheit zu kommen und die Zusammenfassungen eines Freimaurers , Esoterikers, wahrscheinlich auch Anthroposophen, wie Karl Heise, werden von allen Seiten denunziert, vielleicht weil der Inhalt so explosiv ist und Verbindungen auftischt, die etlichen Zeitgenossen äußerst unangenehm sein dürften(36).

Auffallend ist die ausgesprochene Geringschätzung Steiners der 'weltlichen' Wissenschaft, der Rationalität und besonders des 'Materialismus'(siehe auch oben). Die äußere Welt sei nur ein Schein (Maya) und die wirkliche im Geisterreich zu suchen. Der Weg nach innen sei der einzige dem Menschen gemäße, daher die mystische Versenkung und die Vervollkommnung durch ständige Selbsterziehung notwendig. Dies entspricht den neuzeitlichen Tendenzen der Verinnerlichung und Spiritualität.

Man kann auch Rainer Alisch folgen, der davon spricht, daß Steiner den Irrationalismus insofern noch überhöht hat, als er ihn zu einer "Re-Formierung in veränderte(n) Formen der Vergesellschaftung" steigert. Dies bedeutet, daß Steiner beanspruchte, das daß, was an positiven Entwicklungen in der "äußeren Welt" geschehen sei, nun auch innen stattfinden müsse. Dieser verengte, weil einseitige Blick auf Metaphysik und Identität, gibt den alten und neuen Führern einen Hebel an die Hand, mit dem sie pädagogisch geschult einen Menschentypus schaffen können, der sozusagen selbstbestimmt das verordnete Paradigma der "schönen neuen Welt" lebt(37). Die Menschen kümmern sich nicht mehr in erster Linie um die Veränderung der schlechten gesellschaftlichen Verhälnisse. Sie meditieren und erziehen sich selbst und sind so keine Gefahr mehr für politische Potentaten.

Regressiv wurde die Anthroposophie wie alle Religionen nach erfolgter Institutionalisierung. Sie ist es verstärkt, weil sie die Säkularisierung, die teilweise bei den christlichen Kirchen stattfand, nicht mitvollzieht. Sie spiritualisiert und mystifiziert geradezu die Wirklichkeit. Eine moderne Gesellschaft sollte aber die Religionen erklären und gegebenenfalls überwinden und nicht rehabilitieren. Sie braucht die gleiche Verteilung der Güter und kein metaphysisches Trostpflaster für die Gedemütigten.

In diesem Zusammenhang ist auch auf die anthroposophische Medizin hinzuweisen, die als Spezialform der Homöopathie aufgefaßt werden kann. Nirgendwo wird die Spiritualisierung und damit das irrationale Herangehen an physische Phänomene deutlicher. Glauben statt Wissen ist die Triebfeder der spirituellen 'Wissenschafter'. "Rudolf Steiner gilt mit seinen Schriften zu Erziehung, Kunst, Landwirtschaft und vielem anderen als Paradebeispiel eines ganzheitlichen Denkers. Er ließ esoterische Grundsätze auch in die Medizin einfließen"(38).

Zur Frage der Wissenschaftlichkeit der Homöopathie gibt es den ausgezeichneten Artikel der Autoren Hans Binder und Prof. Dr. med. W.H.Hopff vom pharmakologischen Institut der Uni Zürich(39). Hierin wird die Unhaltbarkeit der homöopathischen Glaubenssätze dargestellt. Aber was tut das schon gegen die religiöse Borniertheit?

Dies scheint mir aber auch das zentrale Problem im Umgang und in der Diskussion mit Anthroposophen und Spirituellen aller Art. Ein religiöser Glaubenssatz kann nicht widerlegt werden. Durch nichts auf dieser Welt. Gott ist für den, für den er ist! Man hat den 'Stein des Weisen' und damit die Magie.

Wer im Besitz der Weisheit (Anthroposophie = Menschenweisheit) ist, dem kann keiner mehr etwas sagen, nur noch fragen und das in Demut und Scheu.

Futterkrippe für die Neue Rechte

Heute können wir feststellen, daß die 'russische Volksseele' bei der mitteleuropäischen in die Schule gegangen ist, und der neurechte Anthroposoph Wolfgang Strauss frohlockt auch berechtigterweise in Bezug auf die Heimkehr des sich als Nationalisten entpuppenden Literaten Alexander Solchenizyn: " Sein Volk verehrt ihn nicht nur als einen großen Schriftsteller in der Nachfolge von Tolstoj und Dostojewskij, sondern auch als Propheten und Erwecker , als Wiederbegründer des nationalen Geschichtsbewußtsein, als geistigen Überwinder des kommunistischen Materialismus und als genialen Vollender der 'Russkoje Wosroschdenije' = Russische Wiedergeburt!" Strauss schließt seinen Beitrag mit dem fettgedruckten Hinweis: "Alexander Solchenizyn, der seine Deutschfreundlichkeit niemals verheimlicht hat, schließt mit einem Bekenntnis zu Herder, zum Menschenbild der deutschen Romantik und des Deutschen Idealismus: 'jedes, auch das kleinste Volk, ist eine unwiederholbare Facette des göttlichen Plans.' Wer das einmalige Wir Selbst der Völker vernichten will, versündigt sich wider Gott. "(40)

Strauss ist Artikelschreiber in diversen rechten Publikationen, u. a. auch in den Lebensschutzinformationen des WSL. Er ist einer der spirituell/geistigen Wegbereiter zur extremen Rechten. Er verbindet Rassismus und Volksglauben mit den Lehren Dr. Steiners.

Anthroposophisches Germanentum?

Bei einem Vortrag in Stuttgart am 13. Februar 1915 sprach Steiner: "Sträuben mußte sich der Osten gegen dasjenige, was für ihn notwendig war...., die Verbindung mit dem Westen und seiner Kultur......Und ein äußerer Ausdruck ist der Konflikt zwischen dem, was man Germanentum, und dem, was man Slawentum nennt....: die Auseinandersetzung zwischen Germanischem und Slawischem. Man möchte sagen,wie sich ein Kind dagegen sträubt, die Errungenschaften der Alten (i.d.Fall die Germanen, d.A.) zu lernen, so sträubt sich der Osten gegen die Errungenschaften des Westens, sträubt sich dagegen, sträubt sich so weit, daß er ihn haßt, selbst wenn er sich gezwungen fühlt, zuweilen seine Errungenschaften aufzunehmen."(41)

Damit diese "Errungenschaften" denn auch im heutigen Europa aufgenommen werden, nicht nur im westlichen, dafür sorgt heute die 'Wiederverkörperung' der alten Thule Gesellschaft. Sie war in der Zeit zwischen 1918 u. 1923 gegründet worden und verband germanische Mystik mit dem Okkultismus der Zeit. Der Synkretizismus von dem Buche Dzyan, mit seinen tibetanischen 'Weisheiten', von dem auch Steiner wußte(42), mit den Lehren des Georg Iwanowitsch Gurdjew, der daraus eine streng autoritäre esoterische Schule entwickelte und einem Bayrischen Germanenorden, schaffte den Ort, an dem sich die geschichte-machenden Männer des 'dritten Reiches' die geistige Nahrung holten: Hitler, Heß, Göring, Rosenberg, Prof.Morell(Leibarzt Hitlers) Himmler u.a.

Das Thule-Seminar leistet eine weitere Synthese, die bedeutend für die Entwicklung des neuen/alten Faschismus und seine Infiltration in linke Bewegungen ist. Dieses Seminar schafft eine Verschmelzung und Umdeutung der verschiedensten teils linken Theoretiker. Sie finden sich in den Thule- Publikationen und Seminaren in rechtsgewendeter Aufmachung wieder(43). Der Vorsitzende Pierre Krebs lebt in Kassel und bereiste mindestens seit 1981 Deutschland, …stereich, Frankreich und Libyen und referierte an den verschiedensten Orten(44) zu Neu-Rechten Themen.1981 erschien ein Grundlagenwerk der Neuen Rechten, welches uns in wissenschaftlicher Form im Zusammenhang mit der Siemens-Stiftung wieder begegnen wird: "Das unvergängliche Erbe, -Alternativen zum Prinzip der Gleichheit". Herausgeber ist Pierre Krebs, weitere Autoren waren Armin Mohler und der Rechtsanwalt Jürgen Rieger. Krebs trat gemeinsam mit Alain de Benoist, dem Chef-Ideologen der Nouvelle Droite auf(45), der den Begriff der "Nation Europa" prägte und sozusagen zum geistigen Rückgrat des Thule-Seminars avancierte. In einem Interview im Rahmen einer Rundfunksendung erläuterte Krebs die Strategie der Neuen Rechten, als er gefragt wurde, ob er sich eine Zusammenarbeit mit der deutschen Linken vorstellen könne: " Aber natürlich, aber natürlich, und ich würde betonen, daß ich für Menschen, die sich heute im Rahmen der Neuen Linken bewegen, eine große Achtung und Sympathie empfinde. Das bedeutet, wenn ein Mensch heute, der den sogenannten american way of life ablehnt, jenseits seines politischen Konzepts unser natürlicher (sic!) Bündnispartner ist".

In dem gleichen Interview betonte er auch, daß sowohl die Grünen als auch die Friedensbewegung für ihn mögliche Bündnispartner seien(46). Der gemeinsame ideologische Ansatz ist die Neutralität Europas und die Entfernung der Militärstationen der Siegermacht Amerika. Die Nation Europa als führende Macht im Trio mit Japan und Amerika, das ist der Traum der Neuen Europäischen Rechten!

Die Rehabilitation des Konservativismus

Ideologische und wirtschaftliche Zusammenarbeit leisten die unauffälligsten, weil seriös und wissenschaftlich scheinenden Institutionen. Da gibt es die Verbindungen, personell und ideologisch, von der Thule-Gesellschaft über Alain de Benoist und Armin Mohler zur 'neurechten' Denkfabrik, der Carl-Friederich -von -Siemens-Stiftung. Die 1958 gegründete Stiftung wurde im wesentlichen durch den vom Criticon-Buchrezensenten Michael Paulwitz als 'Anarchisten von rechts' betitelten Armin Mohler geprägt(47). Dieser realisierte in der Siemens-Stiftung die Ideologieschmiede und Drehpunktinstitution der zukünftigen Herrschernation Europa unter deutscher Regie. Es fanden sich in den Veranstaltungen der Stiftung Themen und Personen wieder, die eine Elite -Universität vor Neid erblassen ließe. Von biologistischen Größen, wie Eibl-Eibesfeld über Konrad Lorenz bis hin zu rechten Theologen, wie Helmut Thielicke, aber auch national-revolutionäre Experten, wie Günter Bartsch gaben sich ein Stelldichein(48). Dem Nachfolger von Mohler, Heinrich Meier , gelang mit dem Buch," Diskurs über die Ungleichheit", eine völlige Verdrehung der Ambitionen des Franzosen Rousseau, indem er 'bewies', daß jener eine esoterische-exoterische Darstellung der 'Ungleichheit der Menschen' beschrieben habe, um einerseits die Egalitaristen zu befriedigen und gleichzeitig die wenigen Eingeweihten von dem Gegenteil zu überzeugen(49). So kehrte der antiquierte Rassismus eines Gobineau oder eines Chamberlain in neu-wissenschaftlichem Gewande sozusagen auf gehobenem Niveau und für die Neue Rechte brauchbar wieder.

Theosophie = Gottesweisheit und Germanenglaube

Die Theosophie (Gottesweisheit) hat eine gewisse Schlüsselfunktion zu den hier beschriebenen prä-und neofaschistischen Organisationen. Sie ist die Vorstufe zur Anthroposophie. Die theosophische Wurzelrassenlehre taucht auch beim Armanen-Orden auf, welcher auf Guido von List und Lanz von Liebenfels(1874 - 1954)zurückzuführen ist (50). List spielte in seiner Zeit eine mindestens ebenso bedeutende Rolle im Geistesleben, wie sein Freimaurerkollege Rudolf Steiner. Karl Heise schreibt in dem Kapitel "Verbindungen zwischen Okkultismus und Freimaurerei" zur Bedeutsamkeit der beiden: " Daß die übersinnlichen Welten der Menschenseele durchaus nicht verschlossen sind, zeigen schon die beiden großen Zeitgenossen Dr. Rudolf Steiner und ....der Wiener Gelehrte Guido von List." (51).Inwieweit sich beide gegenseitig beeinflußt haben ist nicht nachzuvollziehen und wird konträr dargestellt, doch die Andeutung Steiners während einer Vortragsreihe in Wien läßt Achtung ahnen: " ..Man braucht ja nur hinzuweisen auf jene feinen Geister, die im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts in …sterreich gewirkt haben. Ich will ihre Namen nicht nennen, aber sie sind ja überall zu finden, manchmal gerade an den unscheinbarsten Orten." (52). Doch auch das Büchlein " Die Mission einzelner Volksseelen" von Steiner deutet auf den Einfluß von List , bzw. darauf, daß Steiner sich mit völkischen Themen befaßte und sie gewandelt in sein Weltbild integrierte.

Lanz von Liebenfels war seit 1909 mit Hitler bekannt und gilt als "der Mann, der Hitler die Ideen gab"(W.Daim, Diez Verlag Berlin). Der aus seinem Orden ausgetretene Zisterzienser-Mönch kaufte 1907 die Burg Werfenstein im Studengau(Donau). Sie wurde eine Kultstätte des von ihm gegründeten ONT (Orden des Neuen Tempels). Der intensive Gedankenaustausch des von Liebenfels und von List ist bekannt und die Entwicklung des Hakenkreuzes der Hitlerfaschisten hat in dieser Verbindung seinen Ursprung.

Grundzüge der esoterischen Rassenlehre im Kontext mit der Rassenlehre der Germanenmystiker finden so ihren Weg in die Edda-Gesellschaft, die wiederum Ausgangspunkt für die Ludendorffer-Bewegung war(53). Die Ludendorffer Bewegung distanzierte sich zwar von der Anthroposophie, was aber insofern relativiert wird, weil in fast allen okkulten, theosophisch und ariosophisch grundierten Gesellschaften gehässige Feindschaften existierten und existieren. Der Hass gegen die Anthroposophen kam wohl in erster Linie daher, weil diese einem östlich-westlichen Okkultismus huldigten, einen esoterischen Christuskult verfolgten und vermutet wurde, daß Steiner Jude sei. Aber auch andere okkulte Gruppen wurden verfolgt. So wurde z.B. das Buch " Heidnischer Imperialismus" des Gründers der "Gruppe von UR" Julius Evola(1898 -1974), im Leipziger Armanen-Verlag veröffentlicht und später vom Sicherheitshauptamt unter Beobachtung gestellt. Evola, in Deutschland kaum bekannt, war im romanisch sprechenden Raum Kristallisationsfigur für Freimaurer, Katholiken, Anthroposophen und anderer Magier(54). In Evolas Theorien verbanden sich tibetanische, theosophische, indogermanische und früh-anarchistische Lehren zu einer militant patriarchalen und egozentrischen Ideologie, die auch linksradikale Geister beeinflusste. Evola ist heute wieder höchst aktuell, wie die Neuauflagen seiner Bücher im rechsextremen Grabert Verlag zeigen. Nach dem "Lexikon der Esoterik" wurden 1937 alle Freimaurer und okkulten Gruppen vom Reichsführer der SS aufgelöst. Dies aber nicht, weil der Führer etwas gegen Okkultismus hatte, bediente er sich für seine machtpolitischen Ziele doch selbst aus dem reichhaltigen Schatz, die ihm die zuvor beschriebenen Orden bereithielten, sondern weil die Nazis nur ihren eigenen völkischen Okkultismus duldeten. Sie wollten eine eigene Religion etablieren.

Es ist bedeutsam, daß die der tibetanischen Kultur und Religion entlehnten und mutierten Theorien in den krudesten Formationen nach der Niederschlagung des Hitlerfaschismus wieder auferstanden und dem derzeit erstarkenden 'Faschismus der Zukunft' (55) den sinnspendenden Auftrieb verleihen, den der Faschismus der Vergangenheit auch aus ihnen ziehen konnte. Was die völkische Esoterik für den alten Faschismus war, könnte das New-Age von heute, mit seinen diversen Ausformungen, für den 'Faschismus der Zukunft' sein.

Gegenwärtige Ausblicke

Die Not der Menschen angesichts der Zerstörung der ökologischen Ressourcen, begründet durch Kapitalismus und weltweite Rezession, deren Ende nicht absehbar ist, des eiskalten und brutalen Vernichtungswillens der Machthaber 'schwächeren Völkern' gegenüber, treibt die Bevölkerung geradezu in die ausgestreckten Arme der neuen/alten HeilsversprecherInnen. Daß sich auch die theosophisch/anthroposophische Gesinnungsart als durchaus kompatibel mit den ganz rechten bis faschistoiden politischen Bewegungen erweist, hat jüngst Sybille Tönnies aufgezeigt. Am Beispiel der schwarz-grünen Annäherungsversuche beschreibt sie in dem Artikel "Schwarz-grüne Verwandschaft im Geiste" u. a. das Folgende:

"Inzwischen hat man das Stichwort Subsidiarität als Brücke entdeckt, dieses Wort, mit dem 1931 in der päpstlichen Enzyklika "Quadrogesimo anno" der Staat in seine Schranken gewiesen wurde. Nach dem Subsidiaritätsprinzip ist die Gesellschaft aufgebaut wie eine Zwiebel, bei der verschiedene Häute um einen Kern, das Individuum, liegen. Löst dieses seine Probleme nicht selbst, so fallen sie in die Verantwortung der nächstliegenden Schicht: die Familie, die unmittelbare Gemeinschaft; als nächstes ist die Nachbarschaft zuständig, die Kirchengemeinde, und erst im letzten Notfall, wenn alle dazwischenliegenden Schichten versagt haben, kommt die Aufgabe auf den Staat zu, der lediglich die äußerste Haut bildet. Niemals in erster Linie, sondern immer nur hilfsweise ist der Staat nach dieser Idee zuständig subsidere (lat.) bedeutet, "daruntersitzen" und ,helfen'). Auf diese Weise hat die Kirche ihren Anspruch abgestützt, in eigener Verantwortung (wenn auch auf Staatskosten) Sozialarbeit zu betreiben, denn die Kirche ist in diesem Konzept eine Schicht, die enger um das Individuum herumliegt als der Staat.

Das Subsidiaritätsprinzip ist den Grünen sympathisch, weil es die Stärkung der Gemeinschaft verspricht. Dieser soziologische Begriff wurde in der Jugendbewegung populär; er drückt bei wertender Verwendung die Bevorzugung des intimeren Zusammenhangs organischer Einheiten gegenüber den kalten gesellschaftlichen Verbindungen aus. Die Sichtweise wird begünstigt vom ganzheitlichen Denken, das auch mit der Jugendbewegung aufkam und dann im Nationalsozialismus eingesetzt wurde. Dieses Stichwort, das zunächst von Anthroposophen und anderen Esoterikern wieder aufgegriffen wurde, spielt jetzt auf der Wirtschaftsseite der Zeitungen eine Rolle: Es hilft, das Trennende, das in dem Antagonismus zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften zum Ausdruck kommt, zu überwinden und den Betrieb zu einer Gemeinschaft zusammenzuschweißen(57).

Ein neuer Faschismus?

Der kommende 'Faschismus' hat noch keine Form, doch an Inhalt mangelt es ihm nicht. Die präfaschistischen Theo- und Ariosophen haben für alle Lebensbereiche in ihren Organisationen Theorien entwickelt und Praxismodelle verwirklicht. Die rechten Zukunftsdenker haben begriffen, daß nur so jene Hegemonie erreichbar, die für ihr Weltmachtstreben unentbehrlich ist. Längst haben sich auf die großdeutsche Gesellschaft bezogen in allen Lebens- und Wissenschaftsgebieten konservative Theoretiker etabliert und strafen schon jetzt die Theoriefeindlichkeit der post-anti-parlamentarischen Opposition bis heute durch ihre Erfolge an den Hochschulen und in der Politik.

Es ist den konservativen Revolutionären gelungen Bereiche zu besetzen, die früher wissenschaftliche Hochburgen der Linken galten. Wenn z.B. die Disziplinen Soziologie und Politologie durch Experten wie Konrad Lorenz, Irenäus Eibl-Eibesfeld, Fritjof Capra oder auch Alain de Benoist 'biologisiert' werden, können sie als willkommene Ideenfabriken für eine meta-rassistische + biologistische Familien- und Bevölkerungspolitik mißbraucht werden. Hinzu kommt außerdem, daß moderne rechte Theoretiker ihren Rassismus so sublimiert haben, daß er auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.

Das Individuum haßt sich selbst!

Der Neo-Rassismus wird realisiert durch die Transformation von außen nach innen: Kein platter Rassismus ˆ la Chamberlain ist angesagt. Die Rechte schafft es, sozusagen den Rassismus in das Individuum zu verlegen, wobei ihnen z.B. die Anthroposophen mit ihrem Selbsterziehungsanspruch gerade recht kommen.

Die Meßlatte wird nicht mehr zwischen 'Rassen' und 'Völkern' angelegt, sondern zwischen und in den Menschen. Verdeutlicht werden kann das am Beispiel der Normierung des Sexualverhaltens:

Die Gesellschaft gibt eine 'normale' Sexualität vor und wer abweicht ist nach Auffassung der 'kompakten Mehrheit' minderwertig. Das geht so weit, daß der Schwule, die Lesben durch das erzwungene Leben in Subkulturen von der ehrenwerten Gesellschaft ausgeschlossen werden. Die sozio-biologische Politik der Neuen Rechten hat tatsächlich ein ganz anderes Format als die brutal-gewalttätigen Faschisten des 'Dritten Reiches'.

Schritte zum "Vierten Reich"?

Derzeit gibt es in den USA, die ja bekanntermaßen Vorbildfunktion für die moderne Welt haben, ein beinahe pathologisches Rollback der Konservativen in Hinsicht auf eine moralisch saubere Gesellschaft. Mit allen erdenklichen Mitteln kämpfen christliche Fundamentalisten für ihre Werte, die dann ganz klar Lesben und Schwule zu 'Geisteskranken' stempeln. Jegliche Abweichung von der normalen Sexualität im konservativ-christlichen Sinne wird pressewirksam verurteilt. Die Christen haben den "moralischen Krieg" ausgerufen. Nach und nach schaffen sie es, die Rathäuser mit ihrer Erziehungspolitik zu erobern und es scheint nur eine Frage der Zeit wann die USA extrem rechts-konservativ regiert werden.(58)

Dieser Konservatismus korrespondiert mit einem modernen Liberalismus, der seine ausgeprägteste Form in der Bioethik hat. Hier wird der Mensch zum Experimentierwesen und somit den politischen Führern oder Führungscliquen zur Manövriermasse.

Anmerkungen:
(1) R.Steiner: "Die Europäischen Völker im Verhältnis zu ihren Volksgeistern - Moralische Impulse und ihre Egebnisse" Sonderdruck aus Bibliographie Nr. 159/160, Rudolf Steiner Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz 1968)
(2) Johannes Hemleben,"Rudolf Steiner" rowohlt Verlag 1963 S. 8
(3) ebenda S. 9
(4) ebenda S. 23 ff
(5) Horst E.Miers, "Lexikon des Geheimwissens", Goldmann 1976 S. 403 ff
(6) W.Treher "Hitler, Steiner, Schreber" Oknos, Emmendingen 1990 S. 45
(7) Max Dessoir "Vom Jenseits der Seele" Nachdruck im Ferdinand Enke Verlag Stuttgart 1967 S. 489 ff
(8) Horst.E.Miers, "Lexikon des Geheimwissens" SRIA S. 385
(9) Wolfgang Treher, "Hitler,Steiner, Schreber" Oknos 1966/90 Seite 23 -78.
(10) Michel Foucault, "Leben machen und sterben lassen" in Bio-Macht, DISS-Texte Nr. 25 S. 49
(11) Zeitschrift Info3, 10/94, Frankfurt
(12) Erziehungskunst 10/94
(13) Freerk Huisken, "Weder für die Schule noch fürs Leben" v. VSA-Verlag Hamburg 1992 hier "Steinerpädagogik und Waldorfschule", S.309 ff Sehr ausführlich haben sich mit diesem Thema der ehemalige Waldorflehrer Paul-Albert Wagemann und die Wissenschafterin Martina Kayser in ihrem Buch "Wie frei ist die Waldorfschule", erschienen 1991 im Ch.Links-Verlag , Berlin, befaßt. Hier wird auf das totalitäre Weltbild der Anthroposophen abgehoben.
(14) Heiner Ullrich, "Waldorfpädagogik und okkulte Weltanschauung", Juventa, Weinheim, S. 21 ff
(15) LSI,(Lebensschutzinformationen des Collegium Humanum), Vlotho
(16) Rosemarie Schuder/Rudolf Hirsch, "Der gelbe Fleck", Pahl Rugenstein Verlag S. 195 f.
(17) ebenda
(18) Volkmar Wölk "Natur und Mythos" , DISS Verlag, Duisburg, S. 6 ff
(19) Raimund Hethey/Peter Kratz(Hg),"In bester Gesellschaft", Verlag die Werkstatt, Göttingen, Beitrag von Volkmar Wölk, S. 119 ff
(20) Roger Niedenführ, "Das Neue Bewußtsein.." im Rechten Rand Nr.10/11/91 Informationen von und für Antifaschisten, Hannover
(21) ÖkolinX, Sept. 1994 , Zeitschrift der Ökologischen Linken, Frankfurt
(22) Gilbert Reis, "Waldorfschulen für Arier?" in der Zeitschrift AKAZ Nr.3, Morbach
(23) I. + R. Engelen (Hg), Manuskriptdruck im Rahmen des Fortbildungswerkes der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten, m. Hinweis auf GA Nr. + S. "Rudolf Steiner über Rußland" Berlin 22.06.1915 , GA 157, S. 265
(24) ebenda, Stuttgart 13.02.1915 , GA 174, S. 42 f
(25) R.Steiner, "Die Mission einzelner Volksseelen", R.S. Tb Ga.613, S.78
(26) ebenda, S.122 u.f.
(27) R.Steiner "Die Europäischen Völker im Verhältnis zu ihren Volksgeistern", , Vortrag vom 14. März 1915 in Nürnberg, Verlag der Rudolf Steiner Nachlaßverwaltung Dornach/Schweiz, S. 22 ff
(28) ebenda S.31 f
(29) Jutta Dithfurt,"Feuer in die Herzen", Carlsen Verlag, Hamburg 1992, S. 151-228 Hier wird das ganze Spektrum der faschistoiden Esoteriker abgehandelt. Volkmar Wölk, "Natur und Mythos" , DISS 1992, Standardwerk für die 'Blut und Geist-Thematik'. Oliver Geden, "Rechte Ökologie", Elefantenpress, Berlin 1996
(30) Peter Christian Ludz (Hg), "Geheime Gesellschaften", Wolfenbütteler Studien Bd.V/1 hier Horst Möller: "Die Gold und Rosenkreuzer, Struktur, Zielsetzung und Wirkung einer anti-aufklärerischen Geheimgesellschaft.",S. 153
(31) Horst E.Miers,"Lexikon der Geheimwissens" Goldmann, München 1975, S.383
(32) Paul Regenstreif, "Christian Rosenkreutz und seine Mission" Verlag Die Kommenden, Freiburg S.66 ff
(33) ebenda, Vortrag v. 18.11.1911 München Bibl.-Nr. 130, S. 44
(34) Heiner U.Ritzmann in Kritik & Krise Nr. 6/93 zu Drewermann und Gerhard Wehr," C.G. Jung und Rudolf Steiner", Diogenes, Zürich 1990
(35) Margarete und Erich Kirchner-Bockholt, "Die Menschheitsaufgabe Rudolf Steiners und Ita Wegmann" Philosophisch-Anthroposophischer Verlag, S.102
(36) Karl Heise,"Entente-Freimaurerei und Weltkrieg", Archiv-Verlag, Struckum
(37) Rainer Alisch, "Neuere Forschungen zur Anthroposophie im NS", Argument Sonderband
(38) Rüdiger Dahlke, "Die Medizin wird immer esoterischer" in esotera 11/94
(39) Binder/ Hopff in"Streitbarer Materialismus" Heft Nr.17, 1993, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung, München, S.163 ff
(40) LSI Nr. 6, Nov/Dez 1993
(41) I. + R. Engelen (Hg) "Rudolf Steiner über Rußland" GA 174 b, S.42
(42) Horst E.Miers, Lexikon des Geheimwissens, S. 178
(43) AK Neue Rechte (Hrsg)."Spinne im Netz der Neuen Rechten" Kassel
(44) ebenda
(45) ebenda
(46) ebenda
(47) Critikon Nr. 122
(48) Raimund Hethey/Peter Kratz(Hg),"In bester Gesellschaft" S. 33 f.
(49) ebenda
(50) Horst E.Miers, "Lexikon des Geheimwissens" S. 258 + 437. Siehe hierzu auch das ausgezeichnete Buch "Mutter Erde Magie und Politik.", Anm. 55, Zu den Wurzelrassen: S.138 ff
(51) Karl Heise "Entente-Freimaurerei und Weltkrieg" v., Archiv-Verlag, Struckum, S. 356
(52) Margarete und Erich Kirchner-Bockholt, "Die Menschheitsaufgabe Rudolf Steiners und Ita Wegman", Phil.-Anthropos. Verlag Dornach 1976, S. 196. Dieses Buch ist überdies eine Fundgrube für die Analyse der Zusammenhänge der rosenkreuzerischen Ambitionen der Anthroposophen.
(53) Mathilde Ludendorff, " Der Seele Wirken und Gestalten" Ludendorff Verlag 1933
(54) Eduard Gugenberger/Roman Schweidlenka(Hg), "Mutter Erde Magie und Politik." Verlag für Gesellschaftskritik, Wien S. 129 f.
(55) Freitag 11.12.92 Nr. 51
(56) Jochen Kirchhoff "Nietzsche, Hitler und die Deutschen - Die Perversion des Neuen Zeitalters" edition diogenes 1990
(57) Sybille Tönnies: "Schwarz-grüne Verwandschaft im Geiste", in der taz v. 12..1.1995
(58) Monika Gierig "Die Perspektive des schleimigen Spermiums" im Freitag vom 16.12. 1994

Beispieltext von Dr. Rudolf Steiner aus seinem Grundlagenwerk "Die Geheimwissenschaft im Umriß" geschrieben 1909

"So schreitet die Entwickelung von Zeitraum zu Zeitraum fort. Die übersinnliche Erkenntnis beobachtet nicht nur solche Veränderungen in der Zukunft, woran die Erde allein beteiligt ist, sondern auch solche, welche sich im Zusammenwirken mit den Himmelskörpern ihrer Umgebung abspielen. Es kommt eine Zeit, in welcher die Erden- und Menschheitsentwickelung so weit fortgeschritten sein wird, daß die Kräfte und Wesenheiten, welche sich während der lemurischen Zeit von der Erde loslösen mußten, um den weiteren Fortgang der Erdenwesen möglich zu machen, sich wieder mit der Erde vereinigen können. Der Mond wird sich dann wieder mit der Erde verbinden. Es wird dies geschehen, weil dann eine genügend große Anzahl von Menschenseelen so viel innere Kraft haben wird, daß sie diese Mondenkräfte zur weiteren Entwickelung fruchtbar machen wird. Das wird in einer Zeit sein, in welcher neben der hohen Entwickelung, die eine entsprechende Anzahl von Menschenseelen erreicht haben wird, eine andere einhergehen wird, welche die Richtung nach dem Bösen genommen hat. Die zurückgebliebenen Seelen werden in ihrem Karma so viel Irrtum, Häßlichkeit und Böses angehäuft haben, daß sie zunächst eine besondere, der guten Gemeinschaft der Menschen scharf entgegenstrebende Vereinigung der Bösen und Verirrten bilden werden.

Die gute Menschheit wird durch ihre Entwickelung den Gebrauch der Mondenkräfte sich erwerben und dadurch auch den bösen Teil so umgestalten, daß er als ein besonderes Erdenreich mit der weiteren Entwickelung mitgehen kann. Durch diese Arbeit der guten Menschheit wird die dann mit dem Monde vereinigte Erde fähig, nach einer gewissen Entwickelungszeit auch wieder mit der Sonne (auch mit den anderen Planeten) vereinigt zu werden. Und nach einem Zwischenzustande, der wie ein Aufenthalt in einer höheren Welt sich darstellt, wird sich die Erde in den Jupiterzustand verwandeln. Innerhalb dieses Zustandes wird es das nicht geben, was jetzt Mineralreich genannt wird; die Kräfte dieses Mineralreiches werden in pflanzliche umgewandelt sein. Das Pflanzenreich, welches aber gegenüber dem gegenwärtigen eine ganz neue Form haben wird, erscheint während des Jupiterzustandes als das niederste der Reiche. Höher hinauf gliedert sich das ebenfalls verwandelte Tierreich an, dann kommt ein Menschenreich, welches als Nachkommenschaft der auf der Erde entstandenen bösen Gemeinschaft sich erweist. Und dann die Nachkommen der guten Erden-Menschengemeinschaft, als ein Menschenreich auf einer höheren Stufe. Ein großer Teil der Arbeit dieses letzteren Menschenreiches besteht darin, die in die böse Gemeinschaft gefallenen Seelen so zu veredeln, daß sie den Zugang in das eigentliche Menschenreich noch finden können. Der Venuszustand wird ein solcher sein, daß auch das Pflanzenreich verschwunden sein wird; das niederste Reich wird das abermals verwandelte Tierreich sein; daran werden sich nach oben gehend drei Menschenreiche von verschiedenen Vollkommenheitsgraden finden. Während dieses Venuszustandes bleibt die Erde mit der Sonne verbunden; die Entwickelung während der Jupiterzeit geht dagegen so vor sich, daß in einem gewissen Augenblick sich die Sonne noch einmal loslöst von dem Jupiter und dieser die Einwirkung derselben von außen her empfängt. Dann findet wieder eine Verbindung von Sonne und Jupiter statt, und die Verwandlung geht allmählich in den Venuszustand hinüber. Während desselben spaltet sich aus der Venus ein besonderer Weltenkörper heraus, der alles an Wesen enthält, was der Entwickelung widerstrebt hat, gleichsam ein "unverbesserlicher Mond", der nun einer Entwickelung entgegengeht mit einem Charakter, wofür ein Ausdruck nicht möglich ist, weil er zu unähnlich ist allem, was der Mensch auf Erden erleben kann. Die entwickelte Menschheit schreitet in einem völlig vergeistigten Dasein zur Vulkanentwickelung weiter, deren Schilderung außerhalb des Rahmens dieses Buches liegt." S. 304/305 der Tb.Ausgabe 1962, Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz

Arbeitshinweis: Nehmen Sie das Vorbild der Diskursanalyse und trennen Sie die einzelnen Sätze, kennzeichnen Sie moralische Begriffe, das Evolutionskonzept und die hierarchische Gliederung der Aussagen. Arbeiten Sie den kulturrassistischen Kontext heraus.


Beispieltext von Dr. Rudolf Steiner aus seinem Buch "Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie", Rudolf Steiner Verlag Dornach/Schweiz, 1982

"Wenn wir dies ins Auge fassen, dann werden wir das, was an Einzelheiten überliefert ist, auch besser verstehen. Bei uns handelt es sich ja darum, diese Götterindividualitäten in entsprechender Weise verstehen zu können. Nun aber hat der germanisch-nordische Mensch empfunden, miterlebt dieses Einprägen der Seele in die Leiblichkeit. Er war dabei, als das Ich sich in die Leiblichkeit hineingliederte und von jedem einzelnen Menschen Besitz ergriff. Nun wissen wir, daß das Ich im Blute des physischen Leibes pulsiert, und es entspricht jedem Inneren ein Äußeres, jedem Mikrokosmischen ein Makrokosmisches. Der Arbeit des Sprachen- und Runenweisheit gebenden Odin, der auf einem weiten Umweg durch das Atmen wirkte, entspricht draußen im Makrokosmos die Windesbewegung. Dem regelmäßigen Eindringen der Luft durch unsere Atmungsorgane, welche die Umformung der Luft zu dem Wort, der Sprache bewirken, dem entsprechen draußen im Makrokosmos die Bewegungen, die Strömungen im Winde. Ebenso wahr, wie wir das Walten des Odin in der Umgestaltung der Luft zu den Worten in uns selber empfinden, ebenso wahr müssen wir ihn draußen im Winde walten und wirken sehen. Das aber hat derjenige, der noch die alten germanisch-nordischen Fähigkeiten besaß, zu denen besonders ein gewisser Grad von Hellsichtigkeit gehörte, wirklich gesehen. Der hat überall Odin im Weltenwind walten gesehen, hat ihn gesehen, wie er durch seinen Atem die Sprache formte. Das sah der nordische Mensch als eine Einheit. So wie das, was in uns lebt und die Sprache organisiert - das heißt so, wie bei der nordischen Organisation die Sprache war-, hindurchdringt in das Ich und die Pulsation des Blutes bewirkt, so entspricht dem, was sich da als Sprache hineinorganisiert, draußen im Makrokosmos der Blitz und der Donner. Die Sprache ist eher da, als das Ich geboren ist. Daher wird das Ich überall als der Sohn derjenigen Wesenheit empfunden, welche die Sprache gibt. An der Einprägung in das einzelne Ich ist insbesondere Thor beteiligt, und was dem Vorgange im Makrokosmos entspricht, ist im Mikrokosmos die Pulsation des Blutes. Was also draußen im Makrokosmos der Pulsation des Blutes im Menschen entspricht, das ist dasjenige, was als Blitz und Donner durch die wehende Winde und webenden Wolken geht. Das aber sieht wiederum der germanisch-nordische Mensch in seinem Hellsehen als ein Einheit, und er sieht das Wehen des Windes, das Zucken des Blitzes draußen in innigem Zusammenhang mit dem Weben der von ihm eingeatmeten Luft. Er sieht, wie sie ins Blut übergeht und da das Ich pulsieren macht. Das wird heute als ein materieller Vorgang angesehen, war aber noch ein astralischer Vorgang bei den germanisch-nordischen Menschen. Der sah die innige Verwandtschaft des Feuers, des Blitzes mit dem, was durch das Blut geht. Er fühlte den Pulsschlag in seinem Blute und wußte: Das ist der Schlag des Ich, - wußte: Das, was da schlägt spüre ich und spüre ich nach einiger Zeit wieder. Aber den äußeren, materiellen Vorgang beachtete er nicht. Das alles war in hellseherische Empfindung gekleidet. Er empfand das, was den Pulsschlag bewirkt und ihn immer wieder an dieselbe Stelle zurückgehen läßt, als Thors Tat. Als das Immer-wieder-Zurückkehren des Hammers des Thor in die Hand des Thor fühlt er in seinem Ich die Thor-Kraft, die Kraft eines der mächtigsten Engel, die überhaupt jemals verehrt worden sind, weil er ein mächtige Wesenheit war, die angesehen wurde als stehengeblieben auf der Stufe des Engeltums. Wie die geistige Kraft den physischen Leib zusammenhält, das drückt sich in der germanisch-nordischen Mythologie dadurch aus, daß das Ich dasjenige ist, was bei dem Gesponnen werden des seelisch-leiblichen Wesens dieses zusammenhält. Von innen heraus sieht der germanisch-nordische Mensch das Weben des leiblich-seelischen Menschen, und er hat in späterer Zeit noch Verständnis dafür, wie aus dem Astralischen sich sein Inneres hineingliedert, wie sozusagen das Innere dem Äußeren antwortet. Er hatte noch Verständnis dafür, wenn ihm von Eingeweihten gesagt wurde, wie die Welt zum Menschen sich formt....." (S.150 /151)

Arbeitsauftrag: Markieren Sie mythologischen Begriffe. Arbeiten Sie heraus, wo Zusammenhänge zwischen Blut und Volk hergestellt werden. Achten Sie auf die biologistisch/naturalistische Wortwahl.


Nachwort: Wir schreiben heute das Jahr 2002 und die obigen Ausführungen haben sich, was die Einschätzung zur philosophischen Unterstützung des Konservativismus und auch zur Vorbereitung der neuen rechten Strömungen insbesondere innerhalb der Wissenschaften angeht, in vollem Umfang bestätigt. Die Anthroposophie hat sich gar etabliert und wie am Beispiel Otto Schily zu sehen ist, in der Politik eingenistet. Sie ist ein Machtfaktor geworden.

Originaltext: http://www.trend.infopartisan.net/trd0602/t150602.html


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