Rosa Antifa Wien - Widerstand gegen Sexualnormen! Für freie Liebe

Wir schreiben das Jahr 1997

Trotz aller Bemühungen fortschrittlicher Kräfte, mittelalterliche Moralvorstellungen auf den Müllhaufen der Geschichte zu verbannen, gelang es der reaktionären Allianz aus Kirche und selbsternannten Moralaposteln das Rad der Geschichte zum Stillstand zu bringen.

Neuesten Berichten zufolge gelang es der Allianz aus Spießern und ewig Gestrigen trotz Widerstands und gegen alle Erkenntnisse der modernen Wissenschaft, die Kriminalisierung freiwilliger homosexueller Beziehungen zwischen Männern (wenn ein Partner unter 18 Jahre alt ist) in IHREM Gesetzwerk aufrecht zu erhalten.

Nicht genug, daß sie in vergangenen Jahrhunderten anders Denkende und anders Lebende verfolgten, tyrannisierten, mißhandelten und ermordeten, versuchen sie auch heute noch, uns ihre Moralvorstellungen mit den Methoden modernster Propaganda aufzuzwingen: Die Familie, in der nachweislich die meisten Gewalttaten und sexuellen Verbrechen gegen Frauen und Kinder begangen werden, wird von ihnen als gott- und staatsgewollte Zusammenlebensform gepriesen.

Frauen, die es satt haben, sich in der Keimzelle des Patriarchats (was die Familie meistens ist) unterdrücken zu lassen und ihre "Pflicht" zu erfüllen, werden von mittelalterlichen Helfershelfern der Allianz unter Druck gesetzt, diskriminiert (besonders in ländlichen Gebieten) und von IHREM Gesetzbuch finanziell bestraft.

So gelang es der Allianz, alleinerziehenden Müttern 25% ihres überlebensnotwendigen Karenzgeldes zu unterschlagen, während es dem Patriarchen ermöglicht wurde, selbst in Karenz zu gehen und sich so das "ihm verloren gegangene Geld" zurückzuholen. (Eine Mutter hat Anrecht auf 1,5 Jahre Karenzgeld, der Kindesvater auf ein halbes Jahr. Es ist zwar sehr wünschenswert, wenn endlich auch die Väter einen Teil der Verantwortung auf sich nehmen und in Karenz gehen, aber die derzeitige Regelung bedeutet für alle alleinerziehenden Mütter und Mütter von Kindern mit unbekanntem Vater, daß ihnen ein halbes Jahr Karenzgeld weggenommen wird). Aber nicht genug dessen, versuchen sie das auch noch mittels ihrer Propagandamaschinerie (Zeitung, Fernsehen) als Beitrag zu einer harmonischen Mann-Frau Beziehung zu verkaufen.

Nachdem es ihnen also gelungen war, gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Männern mit Knast (bis zu 5 Jahren!!) zu belegen, fragten wir uns, warum sie homosexuelle Beziehungen zwischen Frauen "tolerieren", und stießen nach Nachforschungen in IHRER Geschichte auf folgende interessante Tatsachen: Auf Grund der dogmatischen Interpretation ihres irrationalen und unwissenschaftlichen Glaubenswerkes (der Bibel), versuchten sie seit jeher unter Berufung auf den Sündenfall von Eva jegliche Form selbstbestimmter Entwicklung von Frauen abzutöten.Die christliche Frau hat(te) entweder ihrem Gott und Herrscher jungfräulich gegenüberzutreten, oder sich dem "reinem Geschlecht" (dem Ehemann) bedingungslos zu unterwerfen, zu gehorchen und ihm möglichst viele Kinder zu "schenken". Es wurde seit jeher der Frau das Recht auf eine eigene Sexualität abgesprochen. Und wo nichts ist, kann Mann auch nichts bestrafen. Lesbische Liebe kann dementsprechend laut Gesetz nicht von Körperpflege unterschieden werden.

Doch nicht genug dessen, versuchen Anhänger der Allianz (Sexistenschweine!!) unter dem Motto "wo nichts penetriert wird, gibt es keinen Sex" gerade lesbische Frauen übelst anzumachen und zu vergewaltigen, weil sie der Meinung sind, sie müssen ihnen zeigen "wo der Hammer hängt". Im allgemeinen sehen sie in ihrer pervertierten Sexualität eine Machtausübung über Frauen, die durch die Penetration besiegelt wird. Analog ergibt sicht daraus ihr schwulenfeindliches Verhalten, da sich ein "echter Mann" nicht penetrieren läßt. Wir hoffen, daß diese Arschlöcher Verständnis dafür haben, daß wir das nicht gutheißen können und deshalb bei jeder Gelegenheit zurückschlagen werden.

Nach diesem Exkurs in das perfide, frauenfeindliche Weltbild unserer reaktionären Zeitgenossen wollen wir nun analysieren, wie sie versuchen, uns und unseren homo- und bisexuellen Freunden und Freundinnen das Leben schwer zu machen: Ihre größte Macht üben sie über Geschreibsel in einem Buch, das sie Gesetz nennen, über uns aus. In diesem Buch mit sieben Siegeln steht zum Beispiel geschrieben, daß homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen (weil mensch in einer heterosexuellen Familie ja so harmonisch aufwächst), kein Besuchsrecht im Krankenhaus haben, kein Weitergaberecht einer Wohnung besitzen (wenn also ein(e) ParterIn auszieht oder stirbt, fliegt der/die Andere aus der gemeinsamen Wohnung), keinen erbrechtlichen Anspruch auf irgendetwas haben (wenn also kein Testament vorhanden ist, bekommt der/ die PartnerIn nichts und die Eltern und Verwandten, die einem ja oft genug in einer homo- oder bisexuellen Beziehung das Leben schwer machen, alles; und selbst bei einem Testament kriegen Verwandte saftige Pflichtteile des Erbes).

IHR Gesetzbuch erlaubt es ihnen, jemanden, der das Pech hat, einen Menschen zu lieben, der außerhalb ihres fiktiven Striches auf der Landkarte (sie nennen es Staatsgrenze) geboren wurde, den/die PartnerIn wegzunehmen und ins Elend abzuschieben.

Doch nicht genug, daß sie uns mit ihren Gesetzen zu knechten versuchen, so tun ihre Propagandaeinrichtungen und ihre Institutionen zur Heranzüchtung von "ordentlichen" und "pflichtbewußten" Staatsbürgern (genannt Schule, Kindergarten, Universitäten, Bundesheer usw.) ihr übriges. Im Fernsehen (und in der Kirche) predigen Priester (die sich im Vatikan über 12-jährige "nehmen" dürfen), daß man was gegen die "Krankheit" Homosexualität tun müsse, die so viele Knaben in den Selbstmord treibe. Auch Khol (Klubobmann der öVP) warnt vor den Folgen "homosexueller Verführung" von Jugendlichen, die viele psychische Traumata und andere Probleme mit sich bringe.

Sehr geehrte Herrn, haben sie schon einmal daran gedacht, daß nicht die Homosexualität ein Problem darstellt, sondern Ihre Erziehung zur Zwangsheterosexualität, ihre ach so heiligen Werte von Ehe und Familie, ihre Hetzkampagnen gegen Schwule, die sie in fast jeder Diskussion in Zusammenhang mit Kindesmißbrauch und Kinderpornographie bringen, das Problem sind. Ist es schon in ihr Großhirn vorgedrungen, daß sexueller Mißbrauch absolut nichts mit Sexualität zu tun hat, sondern mit Gewalt, Unterdrückung und Machtsicherung (sowohl persönlicher als auch SYSTEMatischer).

Merken sie nicht, daß Menschen, die aus ihrer schwachsinnigen, reaktionären Lebensform auszubrechen versuchen und ihre eigene, selbstbestimmte Sexualität entwickeln, in von IHNEN geschaffene Gewissenskonflikte gebracht werden, von IHREN Anhängern diskriminiert werden, von euch ach so toleranten Christen aus der Arbeit geworfen werden und Vielen (außer in einigen "Szenebeiseln") es verunmöglicht wird, ihre sexuelle Orientierung öffentlich zu zeigen.

Glauben Sie nicht, liebe Allianzmitglieder, daß SIE für die hohe Selbstmordrate unter Homosexuellen verantwortlich sind? Ist es nicht absolut schwachsinnig, Homosexualität, die vielen Menschen das oft so graue Leben versüßt, als Krankheit darzustellen? Für Sie anscheinend nicht! Warum gebt ihr dann Geld für die Suche nach einem (wahrscheinlich eh nicht existenten) Homosexualitätsgen aus? Vielleicht, um Müttern gleich die Abtreibung des "erbkranken" Kindes zu ermöglichen? (Hatten wir das nicht schon mal vor 60 Jahren?) Um endlich der Menschheit offenbaren zu können, daß alle homo- und bisexuellen Menschen von einer "Erbkrankheit" befallen sind? Warum gibt es Psychologen und esoterische Gurus, die versprechen, mit den unterschiedlichsten "Heilmethoden" homo- und bisexuelle Menschen von ihrem "Leiden" zu befreien?

Liebe Pfaffen (und sonstige Kuttenbrunzer), Politiker und Psychodoktors: Wer ist da krank? WIR sicher nicht - weil wir sehr viel Lust, Spaß und Leidenschaft in unseren (homo-, bi- und hetero-) sexuellen Beziehungen haben. Seid nicht IHR "abnormal" (ätsch - Eure Diktion), wenn ihr Eure Familie, die nur ganz selten zu Harmonie usw. führt, sondern meist in Frust, Streit und Unterdrückung endet, als "normal" und "gesund" anpreist? Sind nicht die "normal", die sich aus Euren Zwängen und Euren Moralvorstellungen versuchen zu befreien?

Deshalb ist es für uns auch nicht erstrebenswert zu heiraten (außer zu Provokation) und ein spießiges (40 Jahre schuften, Kinder groß ziehen usw. und irgendwann mal merken, daß alles für‘n Arsch war) Leben mit einem eventuell gleichgeschlechtlichen Partner zu führen, sondern als ersten Schritt die vollständige Gleichberechtigung aller Lebensgemeinschaften zu fordern (egal wie viele Menschen daran beteiligt sind).

Es ist auch nicht gerade fortschrittlich, wenn sexuelle Orientierung als "Marktlücke" ausgenutzt wird, um uns scharenweise in angeblich homosexuellenfreundliche Kaufhäuser zu treiben - denn denen geht‘s nur um die Kohle, die sie uns aus der Tasche ziehen wollen - nicht um unsere Befreiung. Auch selbstgeschaffene Nischen, in denen wir für kurze Zeit so sein können, wie wir wirklich sind, können nicht alles sein. Es gilt alle Kräfte zu sammeln, um unsere gemeinsamen Utopien zu verwirklichen.

Wir schreiben das Jahr 2000-irgendwas, wir befinden uns auf dem Planeten Utopia, der früher einmal "Erde" genannt wurde. Unterschiede zwischen Mann und Frau sind nur noch biologisch vorhanden. Die Menschen probieren verschiedenste Zusammenlebensformen aus, und da ein Großteil von ihnen bisexuell ist (neuesten Untersuchungen zu Folge ist ein Großteil der Menschen bisexuell) ergeben sich daraus äußert interessante, bereichernde, erotische Lebensgemeinschaften. Während in früheren Zeiten Beziehungen mit Besitzverhältnissen (was schon in der Sprache "mein Freund", "meine Freundin" zum Ausdruck kam) verwechselt wurden, haben die Menschen erkannt, daß das Besitzstreben jede Form der Liebe abtötet, und daß es nicht auf die Beziehungsform (offen oder nicht oder sonstwie) oder die Anzahl der beteiligten Personen ankommt, sondern die Emotion, d.h. die Liebe und Solidarität, die Qualität aller Beziehungen bestimmt.

Der unauflösliche Widerspruch zwischen Liebe und Besitz führte dazu, daß das Streben, einen Menschen zu besitzen, was früher einmal das Zusammenleben der Menschen bestimmte (und mittels Ehevertrag zementiert wurde), Liebesbeziehungen in Eifersuchtsdramen verwandelte und viele Menschen an ihrer geistigen und sexuellen Entfaltung hinderte, aufgegeben wurde.

Unseren Analysen zu Folge muß sich niemand mehr als hetero, homo oder sonstwie sexuell definieren, sondern lebt in der Beziehungsform (von 2-er Beziehung bis zur Großkommune), die ihn/sie gerade am meisten bereichert. Mensch amüsiert sich über die Verstocktheit und spießigen Ansichten der Leute vergangener Tage, und bedauert die armen Menschen von früher, die so viele geniale Erfahrungen durch ihre Engstirnigkeit verpaßt haben....

PS: Frage an die Allgemeinheit: Wer sind die "Spinner" der heutigen Zeit?

Diejenigen, die sich auf Sachzwänge oder Glaubensschriften ("Des is halt so") berufen, ein graues, eintöniges, von ängsten und Besitzansprüchen ("des is mei FreindIn", "des is mei Sandburg") geprägtes Leben führen, sich einbilden, daß es ihnen eh ganz gut geht (weil es gibt immer jemanden, dem es noch schlechter geht), und Menschen, die aus den von IHNEN geprägten Sachzwängen versuchen auszubrechen, schadenfroh Mißerfolge vorhalten (weil ganz so einfach ist es nicht, jahrelange Erziehung=Indoktrinierung vor allem emotionell zu überwinden), oder diejenigen, die diese "Sachzwänge" zum Teufel jagen wollen, um möglichst bald diese Welt zum Planeten Utopia umzugestalten?

Liebe kennt keine Farben! Liebe kennt keine Grenzen!
Freiheit wird nicht erbettelt - Freiheit wird erkämpft!

Originaltext: www.raw.at


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