Freie Liebe (Teil 1)

Was bedeutet Freie Liebe?

"Freie Liebe" ist kein eindeutiger Begriff, sondern ein vieldeutiger, der im Laufe der Geschichte in seiner Bedeutungsvielfalt unterschiedlich betont wurde. Im folgenden Versuche ich diese Bedeutungsvielfalt auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und allgemein zu umschreiben.

Die Liebe - die Himmelsmacht auf Erden - ist eine alles umfassende Verbindungskraft und Verbindungssehnsucht. Sie ist die Einheit hinter den Gegensätzen. So gibt es nur eine Liebe. Die Liebe zur Partnerin, zu einem Freund, zu Gott, zu den Kindern, zur Natur, zu einem Gedanken..., sie ist zutiefst eine Liebe, für die es aber eine Vielzahl von unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten gibt. Jeder Kontakt, den wir eingehen, bedeutet etwas anderes. Keiner ist mit einem anderen letztlich identisch. Und jeder muss seinen ganz eigenen Ausdruck finden. Die Liebe zu einem Menschen muss nicht die Liebe zu einem anderen ausschließen. Ganz im Gegenteil: Die Liebe des einen kann zur Liebe des anderen führen. Denn jede Liebe ist mit jeder anderen Liebe verbunden. Ich stelle mir eine Quelle vor, aus der Wasser fließt. Schon nach einiger Entfernung entsteht aus dem kleinen Bach ein großer Fluss, der sich verzweigt, größer und weiter wird und das ganze Land befruchtet. So sehe ich die Liebe. Daß wir lieben, hat Konsequenzen für die Welt!

Die Sinnlichkeit, die sexuelle Lust kann eine der schönsten Ausdrucksformen der Liebe sein. Die sexuelle Liebe ist die "Verleiblichung" des Strebens nach Ganzheit und Verbindung. Sie ist die Schöpferkraft auf Erden, Quelle potentiellen Glücks. Sex und Liebe sind verschiedene Dinge. Nachhaltiges Glück geschieht dort, wo beides zusammenkommt. Wo sexuelle Lust aus Liebe, wo Liebe aus sexueller Lust entsteht, da lacht der Eros, da ist das Glück leibhaftig, da umarmen wir die ganze Welt!

Doch leider wurde und wird die Liebe - vor allem die sexuelle Liebe - immer wieder vergiftet, ausgetrocknet und in Unfreiheit gehalten. Wenn die Quelle der Liebe z.B. durch Angst, Sinnlosigkeit, Beziehungsunfähigkeit und Gewohnheit ausgetrocknet wird, dann verkümmert das Wasser im Fluss der Liebe und kann das Land nicht mehr befruchten. Oder es geschieht das Gegenteil: wenn der Wasserstrom der Liebe nicht mehr seinen Schwingungen folgen kann, weil er eingezwängt wurde in ein Betonbett aus Furcht, falscher Moral und überholten Regeln, dann kann er sich irgendwann gewaltsam Bahn brechen und die Landschaft überschwemmen. Auch dies hat Konsequenzen für die Welt! Freiheit tut not. Doch was heißt hier Freiheit?

Freiheit und Liebe, Freie Liebe, Liebe in Freiheit. Der Freiheitsbegriff im Begriff "Freie Liebe" meint zweierlei:

Erstens: Freiheit bedeutet hier die Freiheit von inneren und äußeren Zwängen, welche die Freiheit in der Liebe und Sexualität einschränken. Also z.B. die Freiheit von inneren Zwängen und Blockaden wie Angstgefühle, Eifersuchtsgefühle, Hass- und Konkurrenzgefühle, Gefühle der moralischen Schuld usw. Zum anderen die Freiheit von äußeren Zwängen wie ökonomische, staatlich-rechtliche, kirchliche sowie andere autoritäre Fremdbestimmungsformen. Das Ziel einer Freien Liebe ist die Möglichkeit, das Selbstbestimmungsrecht in all seinen gewünschten Variationen leben zu können: das Recht zu lieben, wie, wen, wann und wo ich will, das Recht, über den eigenen Körper zu verfügen, die GeschlechtspartnerInnen frei zu wählen, anders- und/oder gleichgeschlechtlich, das Recht auf eigene Lust und Befriedigung entgegen allen religiösen, staatlichen, moralischen und anderen Fremdbestimmungsformen. Und wenn ich alle diese Rechte habe, dann hat der/die andere sie auch. Die Freiheit der Liebe und Sexualität in diesem Sinne findet erst an den gleichen Rechten anderer Menschen ihre Grenzen.

Zweitens: Freiheit kann nicht nur bedeuten frei von inneren und äußeren Zwängen und Einschränkungen zu sein, weil eine solche Freiheit, die immer nur fragt: "Frei wovon?", einen rein negativen Inhalt hat. So meint Freiheit andererseits auch die positive Freiheit für etwas. Es geht um den qualitativen "Gebrauch der Freiheit". Früher litten viele Menschen darunter, dass sie nicht durften (weil es verboten war), was sie sich ersehnten; heute leiden viele eher darunter, dass sie nicht können (weil ihnen die Fähigkeit fehlt), was sie sich wünschen. "Wir wollen uns lieben, aber wir wissen nicht wie", heißt es da zum Beispiel. Der Kampf um die Freiheit zu dürfen, was man will, verschiebt sich mehr und mehr zum Kampf um die Freiheit auch zu können, was man will. Es sind heutzutage weniger die äußeren Hindernisse, die uns Grenzen setzen, sondern viele erleben sich auf dem Gebiet der Liebe orientierungs- und haltlos, sozusagen in innerer Selbstbeschränkung gefangen.

Das Sich-befreien muß in ein Gestalten, ein Kreieren, ein Verwirklichen führen, wenn die Befreiung von etwas nicht in ein Fiasko enden soll. Von daher ist die Liebe und Sexualität ein Thema der Kulturschaffung. Voraussetzung für die Entstehung der Freien Liebe ist somit die Kulturarbeit in diesem Bereich. Kultivieren heißt pflegen, behüten, üben, lernen, entfalten, verfeinern, verschönern, erfinden und gestalten, angefangen von der Art über die Liebe und Sexualität zu denken und zu sprechen, bis hin zu der Frage nach den sozialen Organisationsformen. Somit ist das Thema der Freien Liebe letztlich auch ein Politikum. Es geht hierbei also nicht nur um die Liebe und Sexualität an sich, sondern auch um die Frage, unter welchen sozialen Bedingungen die Liebe und Sexualität sinnvoll und frei gestaltet werden kann. Freie Liebesverhältnisse setzen freie Lebensverhältnisse voraus. Der Kontext ist hier oftmals wichtiger als der Text. Die Frage nach der Freien Liebe ist also auch eine Frage nach neuen Formen des Zusammenlebens.

Und was heißt hier "Freie Sexualität"?

"Freie Liebe" in Form der "freien Sexualität" meint hier vor allem die Freiheit des leiblichen Ausdrucks bezüglich einer schier unerschöpflichen Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten. Von daher gibt es die Sexualität eigentlich gar nicht. Vielmehr müssten wir bezüglich der "Vielfalt sexuellen Erlebens" von Sexualitäten sprechen (vgl. Bartholomäus 1993). Die Lust am Leib, die leibliche Lust im sexuellen Verhalten kann also einer unerschöpflichen Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten entsprechen, wenn wir frei dafür sind, hier eine große Bandbreite an inneren und äußeren Handlungsmöglichkeiten zu sehen und diese auch sinnvoll nutzen können.

Ausgeübte Sexualität ist kultürlich und nicht natürlich, ist immer Kultur und niemals Natur, zu der sie von kirchlichen Vertretern bis hin zu den linken Revolutionären der "sexuellen Befreiung" oftmals allzugerne stilisiert wurde und wird. Unsere patriarchal-christliche Kultur akzeptiert Sexualität nur im Zusammenhang mit (lustloser) Zeugung und Fortpflanzung als "Notwendigkeit der Natur". In diesem Zuge kommt es zur verhängnisvollen Aufspaltung von Sexualität und Liebe (Liebe = oben = rein = gut = geistig und heilig und Sex = unten = unrein = schlecht = leibhaft und sündhaft), zur Abspaltung und Abwehr weiblicher Potentiale mit gleichzeitiger Überbewertung männlicher Macht und Kontrollfähigkeit.

Die Vorkämpfer einer sexuellen Revolution setzen die Sexualität auf die Ebene zu den "natürlichen" Körperbedürfnissen wie Essen und Ähnliches (nach dem Motto: Sex ist so "natürlich" wie Essen und Trinken). Damit hängen sie aber meist in der Luft, weil von daher noch nicht verstanden werden kann, wie mit Sex umzugehen ist. Die menschliche Sexualität ist Kultur, und von den "natürlichen" Körperbedürfnissen unterscheidet sie sich schon deshalb, weil sie zwischen Menschen stattfindet sowie dem Kennenlernen anderer dient und somit eher den "kommunikativen Künsten" zuzuschreiben ist. Interessant ist hier zu wissen, daß "weniger als 1% der Geschlechtsakte (...) Fortpflanzungsakte (sind). Menschliche Sexualität ist vom Zwang der Hormone weitestgehend befreit. Die Orgasmusfähigkeit ist bei beiden Geschlechtern sehr ausgeprägt, bei der Frau auch während der Schwangerschaft und nach dem Erlöschen der Fortpflanzungsfähigkeit. Sexuelles Interesse und sexuelle Anziehung sind grundsätzlich immer gegeben, unabhängig von der Möglichkeit zu zeugen. Ob dieses Interesse tatsächlich aktiviert wird, hängt von ganz anderen Faktoren und Umständen ab als von der biologisch gegebenen Befruchtbarkeit. (...) Fortpflanzung als scheinbar einziger oder hauptsächlicher Zweck der Sexualität tritt also im Laufe der Evolution zum Menschen hin immer mehr zurück, sozial-kommunikative Aufgaben der Sexualität im Sinne neuer Funktionen gewinnen zusätzlich an Bedeutung" (Loewit 1992, 28f.).

Die Sexualität kommt wie ein Auftrag aus der Bezogenheit zu unseren sexuellen Mitmenschen als Idee, Gefühl, Trieb, Bedürfnis hervor: von daher will sie gelernt und gestaltet sein. Sexualität als leibhaftiges Ereignis verstanden, stellt sich in Bezug auf meine sexuellen Mitmenschen somit zur Entfaltung und Ausgestaltung zur Verfügung. Sexualität bedeutet eine mitmenschlich bezogene Kunst, die sich zwischen Traum, Phantasie und dem realen Leib gestalten läßt. Als Menschen können wir unsere Sexualität lebenslang als kommunikative Kunst, als Leibsprache einsetzen und sie geht somit weit über die Fortpflanzungsfunktion hinaus. Eigentlich ist die Kommunikationsfunktion unserer Sexualität das, was uns Menschen vom Tier unterscheidet.

Die Befreiung der Sexualität braucht ihre Form und Struktur, und diese neue Form und Struktur bildet sich gerade erst vor dem Hintergrund einer fast zweitausendjährigen Unterdrückung der sinnlichen Liebe. Jung ist also die Erfahrung, daß es zunehmend weniger eindeutige Regeln (Gebote und Verbote) und Formen (z.B innerhalb der monogamen Ehe und Kleinfamilie) des sexuellen Spiels gibt. Wir müssen als relativ enttraditionalisierte und individualisierte Menschen Sexualität erst wieder lernen. (Das mag biographisch als auch gattungsgeschichtlich verstanden werden). Sexuelle Lust bedarf der Inszenierung und der Übung. Und des Leibes, des realen Leibes.

Auch hier sollte "Freie Liebe" in Form der sexuellen Freiheit vor allem das Selbstbestimmungsrecht für alle Beteiligten geltend werden. Dabei geht es darum, sich und seine Interessen so einzubringen, daß ich mein Gegenüber nicht festschreibe und übergehe, sondern daß ich sein Anliegen genauso respektiert und verstanden haben will, wie mein eigenes. Ich sage also nicht: Ich weiß besser als du, was für dich gut und richtig ist, sondern: Ich bin nicht du und weiß dich nicht. Ich und Du, wir begegnen uns, wir versuchen gemeinsam eine Situation zu gestalten: was liegt mir und was liegt dir soviel daran, daß die Sache so und so gemacht wird? Ich kann von daher meine sexuelle Freiheit nicht beliebig ausleben! Sexuelle Freiheit verlangt hier also eine Ethik der Freiheit!

Die zentralen (menschenrechtlichen)Werte im freien Spiel der Sexualität sind somit vor allem Freiwilligkeit, Gleichwertigkeit und Solidarität , die zusammen die Basis für persönliche Selbstbestimmung bilden. Aufgrund dieser Wertebasis kann ein gestärktes Ich hervorgehen, das den Beteiligten gestattet, um der Hingabe- und Orgasmusfähigkeit willen auf alle Kontrollen und Hemmungen zu verzichten. Von daher sind wir sogar frei, unsere eigene Unfreiheit zu wählen, wenn wir es wollen und weil es uns vielleicht soo.. guttut. Letzteres ist z.B. in der S/M-Szene (also unter Menschen mit sadomasochistischer sexueller Orientierung) üblich. In der S/M-Szene gelten die Beteiligten als wirklich gleichberechtigt, zumindest auf der sexuellen Beziehungsebene. Das heißt: Auf der Basis von Freiwilligkeit, Gleichwertigkeit und Solidarität, im Schutz bestimmter Spielregeln, werden sexuelle Beziehungen gelebt, die zeigen, was ein gleichberechtigtes Beziehungsverhältnis bedeuten könnte: die Zulassung und Respektierung des Anderen. Gerade in der speziellen Kultur der S/M-Szene wurden Formen leiblicher Kommunikation gefunden, die in ihrer Radikalität zwar einerseits schockieren mögen, andererseits aber in ihrer gelebten Souveränität und Bewußtheit beachtlich sind. In der S/M-Szene gilt die Regel: Tue, was immer du willst, wenn dein/e PartnerIn freiwillig daran teilnimmt und wenn die Folgen deiner Handlungen reversibel sind. Solche S/M-Spiele sind außerdem nur dann lustvoll, wenn keine reale soziale Abhängigkeit besteht (Vergleiche dazu die hervorragende Studie der Universität Trier, Abteilung Soziologie, durchgeführt und gefördert von der Deutschen Forschungsgemeischaft - DFG (vgl. Wetzstein/Steinmetz/Reis/Eckert 1993)).

In den sadomasochistischen Zirkeln werden bewußt Emotionen bzw. Gefühlslagen wie Wut und Angst, Schmerz und Ekel, Wille und Willenlosigkeit, Scham und Schamlosigkeit, Stolz und Demut in der Kombination mit Erotik und Sexualität inszeniert. Solche Gefühle geschehen real, werden 'materiell-leibhaftig' gefühlt, ereignen sich spürbar und meßbar, sind also Sinn-Bilder nicht in übertragener geistiger Weise, sondern bilden den Sinn durch reale Verkörperung ab, durch Verleiblichung der spielerisch inszenierten Beziehungsinhalte.

Das ist eine hohe Kunst der leiblichen Kommunikation und steht nicht im Widerspruch zu der hier skizzierten Freiheitsethik. Ganz im Gegenteil: Wir können von der Art und Weise des Umgangs der S/M-PraktikerInnen in Bezug auf die Werte Freiwilligkeit, Gleichwertigkeit und Solidarität im sexuellen Spiel einiges lernen. Unter Bewahrung dieser Werte, in Bezug auf die inhaltliche Stimmigkeit und des gegenseitigen Einvernehmens innerhalb einer sexuellen Beziehung, kann die sexuelle Lust derart vielgestaltig sein, so daß eigentlich nur noch der Mangel an Kreativität und Phantasie dem unerschöpflichen Gestaltungsspielraum hier Grenzen setzen kann. Die Sinnenvielfalt der Sexualität, die spielerische Lust, das lustvolle Spielen - auch in ihren geilsten Formen - kann somit ein sinnvolles und geglücktes Spiel werden, da die beteiligten Menschen auf dieser Basis wohl am ehesten in ihren Bedürfnissen nach persönlicher Anerkennung, nach hautwarmer Geborgenheit, nach sinnenreicher und orgastischer Lust, nach kreativer Lebendigkeit und pulsierender Vitalität befriedigt werden.
Von daher muß Sexualität auch nicht an Liebe, Freundschaft oder ähnliche Legitimationsgründe verknüpft sein, da es hier mehrere Arten der Sexualität geben kann, die sinn- und wertvoll sein können: die intensive warme mit großer Nähe verbundene Intimität - oder eine kurze hitzige geile Lusterfahrung des Moments - oder einfach nur technisches Können (z.B. Tantra-Massage), das dazu dient, daß sich ein Leib wohl fühlt.

Zur Aktualität der Freien Liebe

Heutzutage bedeutet "freie Liebe" hauptsächlich die Fähigkeit, mehr innere Freiheit in der Liebe zu wagen, was vor allem als ein sozialpsychologisches Problem gesehen wird. Hier wird zum Beispiel gefragt: "Gibt es ein Zusammenleben, in dem auch die sexuelle Zuwendung zweier Menschen in einem Dritten keine Verlustangst, keine Lähmung und keinen Haß mehr hervorruft?"

Aufgrund meiner Beobachtungen denke ich, dass viele heutzutage, vor allem Jugendliche, in Bezug auf die Freiheitsmöglichkeiten in der Liebe einerseits aus Angst vor wirklicher Nähe und aufgrund einer gewissen Orientierungslosigkeit zurückhaltend und distanziert reagieren. Andererseits nehme ich auch eine bestimmte Besinnung auf menschliche Werte und die Wiederentdeckung der Wichtigkeit seelischer Verbundenheit wahr. Entsprechend wird auch das Thema der Freien Liebe so gut wie gar nicht mehr ideologisch thematisiert, sondern vielmehr auf ihre realistischen Möglichkeiten hin befragt.

Das Thema der Freien Liebe wird derzeit vor allem um die Begriffe "offene Beziehung", Treue/Untreue, Eifersucht, Seitensprung, Fremdgehen, aushäusige Verliebtheit, erotische Freundschaften... diskutiert.

Freie Liebe als Ideologie - Die entwertende Übertreibung

"Wer das Schöne im Leben vergißt wird böse. Wer das Schlechte vergißt wird dumm." Erich Kästner

"Die gesamte Freiheitsbewegung wird geschmäht und verdorben, weil so viele Anhänger der Freiheit nicht auf dem Boden der Wirklichkeit stehen." Alexander S. Neill

Eine entwertende Übertreibung entsteht dann, wenn bestimmte Motive und Einsichten verabsolutiert werden und dadurch in einer bestimmten Lebenslage nicht mehr stimmig sind. Im Fall der Idee der "freien Liebe" liegen solche entwertenden Übertreibungen immer dann vor, wenn ihre Grundaussagen, die Prozeß- und Situationscharakter haben, verabsolutiert und zu Programmen verkürzt werden.

Die Geschichte der "freien Liebe" hat teilweise auf tragische Weise gezeigt, was passiert, wenn man/frau sich zugunsten einer Ideologie der "freien Liebe" aufopfert. So ist es halt: Wer mit Idealen allzu hoch greift, stürzt allzu tief ab. Die Generation der "freien Liebe" vor uns neigte ständig zu der Meinung: Wenn das eine richtig ist , muß das andere falsch sein. Doch das Wahre wird nicht wahrer, wenn man/frau es verabsolutiert; es wird dann meist falsch. Aus der Verabsolutierung der "freien Sexualität" wird die Diktatur der "freien" Sexualität - eine zwanghafte Vergewohltätigung im Namen der "freien Sexualität". Pfui Teufel! So wird das Gute eben nicht besser, wenn man/frau es verabsolutiert; es erzeugt vielmehr das Schlechte und Böse, das es zu seiner Profilierung benötigt. Die Macht der freien Sexualität wird nie positiv sein können, wenn sie zu viel Macht bekommt; denn Macht korumpiert und absolute Macht korumpiert absolut. Die Verabsolutierung von Werten und jede Form von Extremismus sind grundsätzlich falsch. Das Dilemma der revolutionären Bewegung im Namen der Befreiung von Liebe und Sexualität, ist, daß sie die eigenen Werte im gewissen Sinne verabsolutisieren mußten. Denn um etwas Neues und Grundsätzliches deutlich zu machen, muß man/frau es bis zu einem gewissen Grade überzeichnen, auf die Gefahr hin, daß es dann bereits wieder falsch ist.

Die Idee der "freien Liebe" wurde als ein "reines" Charisma mit revolutionärer Kraft wahrgenommen. Die Freiheitsbewegung der "freien Liebe" kann man/frau somit auch als eine ideencharismatische Bewegung sehen. Das Charisma der Idee der "freien Liebe" ruht in seiner Macht auf ein Offenbarungsglauben im Hinblick auf eine bessere, freiere und gewaltlosere Welt. Das ist heroisch und edel, aber auch gefährlich. Das Charisma der "freien Liebe" muß sich an der Wirklichkeit der Menschen relativieren, um nicht zu entarten und Unheil zu bewirken. Die Geschichte zeigt: Die Idee der "freien Liebe" kann also nicht verordnet, sondern nur im gemeinamen und freiwilligen Dafürhalten der Beteiligten im gemäßigten Tempo entwickelt werden. "Freie Sexualität" als Hau-Ruck-Ideologie funktionalisiert menschliche Bedürfnisse und Gefühle losgelöst vom authentischen Empfinden der Beteiligten. Damit ist man/frau auf dem absoluten Holzweg! Hier macht Liebe blind! Was fehlt ist die Erkenntnis, um die Liebe in Freiheit wieder sehend zu machen.

Das Werteverhältnis von "Freier Liebe" und "Zweierliebe"

Im folgenden soll die These vertreten werden, daß die inneren Bezugsgrößen "freie Liebe" (Freiheit) und "Zweierliebe" (Bindung) auch in einem inneren Spannungsverhältnis bestehen müssen. Zwischen diesen positiven Werten besteht kein Außschließungsverhältnis, sondern ein positives Spannungs- bzw. Ergänzungsverhältnis. Um dieses Werte- und Spannungsverhältnis anschaulich plausibilisieren zu können, verwenden wir ein Wertequadrat, das der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun in seinem Buch "Miteinander Reden II" (1989) in Anlehnung an Helwig (1967) als gedankliches Werkzeug vorgestellt hat.

"Die Prämisse lautet: Um den dialektisch strukturierten Daseinsforderungen zu entsprechen, kann jeder Wert (jede Tugend, jedes Leitprinzip, jedes Persönlichkeitsmerkmal) nur dann zu einer konstruktiven Wirkung gelangen, wenn er sich in ausgehaltener Spannung zu einem positiven Gegenwert, einer 'Schwestertugend', befindet. Statt von ausgehaltener Spannung läßt sich auch von Balance sprechen. Ohne diese ausgehaltene Spannung (Balance) verkommt ein Wert zu seiner 'Entartungsform' (Helwig) - oder sagen wir lieber: zu seiner entwertenden Übertreibung" (Schulz von Thun 1989, 38).

Und hier das allgemeine Wertequadrat:

Wertequadrat

"1. Die obere Linie zwischen den positiven Werten bezeichnet ein positives Spannugs- bzw. Ergänzungsverhältnis, wir können auch von einem dialektischen Gegensatz sprechen.
2. Die Diagonalen bezeichnen konträre Gegensätze zwischen einem Wert und einem Unwert;
3. die senkrechten Linien bezeichnen die entwertende Übertreibung;
4. die untere Verbindung zwischen beiden Unwerten stellt gleichsam den Weg dar, den wir beschreiten, wenn wir dem einen Unwert entfliehen wollen, aber nicht die Kraft haben, uns in die geforderte Spannung der oberen Pluswerte hinaufzuarbeiten. Also wenn wir aus einem Unwert in den entgegengesetzten anderen Unwert fliehen. Die Verbindung zwischen den unteren Begriffen stellt also die Fehlleistung einer 'Überkompensation· des zu vermeidenden Unwertes durch den gegenteiligen Unwert dar" (Helwig, 1967, S.66)" (Schulz von Thun 1989, 39f.).

Und hier das spezielle Wertequadrat, das als Orientierungsmodell für Liebesbeziehungen verstanden werden kann:

Wertequadrat2

Bei dem positiven Spannungsverhältnis "freie Liebe" und "Zweierliebe" geht es nicht um eine ausgewogene Mittelmäßigkeit. Das angepeilte Ziel ist keine statische, sondern eine dynamische Balance. Entscheidend ist, daß als innere Möglichkeit je beide Haltungen zur Verfügung stehen.

Dieses Wertequatrat als Denkwerkzeug verstanden, ist ein Orientierungsmodell für die Liebe und Sexualität, das sich nicht nur auf eine Liebesbeziehung beschränken läßt. Es enthält in sich eine Orientierungskraft für alle Menschen, die man/frau wirklich liebt. Als Wertequadrat dient es somit der sozialethisch begründeten Verhaltensorientierung. Darüber hinaus kann es auch als Entwicklungsquadrat für unterentwickelte Verhaltenskompetenzen gesehen werden. Entsprechend können die Entwicklungsrichtungen eines Menschen bestimmt werden, die angezeigt sind, um den besonderen Herausforderungen der Lebenswelt gerecht zu werden.

Im folgenden geht es nun darum, das Netz von Beziehungen zwischen den vier Polen des Wertequadrats zu interpretieren und einige Aussagen darüber zu machen. Es geht mir dabei nicht um Vollständigkeit. Ganz im Gegenteil: es soll noch genügend Frei-Raum für weitere Interpretationen bleiben.

Einseitig gelebte "Zweierliebe" (Bindung) unter Ausblendung des positiven Gegenwerts von "freier Liebe" (Freiheit) verkommt zur "Zwangs-Monogamie" (Gebundensein): Diese Extremform ist meist das Leitbild in der Phase der Verliebtheit. Man/frau möchte ein "Herz und eine Seele" sein, einander ganz gehören, alles miteinander teilen und sich auf eine totale Harmonie einstimmen. Hier sucht man/frau die erlösende Geborgenheit in der symbiotischen Verschmelzung. Dies kann gerade in der Phase der Verliebtheit durchaus sinnvoll sein, um die neu gefundene Beziehung nach außen zu schützen und im Inneren zu festigen. Aber dann, wenn sie fest genug ist, muß die Abschottung beseitigt werden. Sonst kommt es zur "Überintimität", die zur völligen Selbstaufgabe führen kann, indem wichtige Bedürfnisse (Autonomie, Sexualität...) unterdrückt werden. Längerfristig gesehen herrscht in dieser Beziehung viel Tod. Anstatt Wachstum gibt es viel Wiederholungen und Rollenspiele. Diese Klammerbeziehung gründet hauptsächlich auf Angst: Verlustangst, Sexualangst, Angst vor Ablehnung, vor dem Alleinsein... Hier heißt es dann: "Ich brauche dich, weil du die Angstbewältigung garantierst". Diese Zwangsform einer Beziehung führt somit oft in "eine kleinkarierte Idylle gegenseitiger Abhängigkeit und Selbstgenügsamkeit mit der Tendenz, alles, was außerhalb der Dyade (Zweierbeziehung) passiert, ängstlich zu beobachten, als feindlich oder bedrohlich abzuwehren und möglichst unberührt daran vorbeizuleben. Diese Ideologie stellt sich bildhaft dar in der Konstruktion des Idealheimes mit eigenem Gärtchen, das durch Mauern und dicke Laubhecken vor jedem Einblick geschützt ist und einen durch zugezogene Vorhänge und mit Gucklöchern versehene Haustüren vor bösen Blicken bewahrt" (Willi 1990, 20). Die Entwicklungsrichtung im Wertequadrat macht deutlich, daß sie nur von unten rechts ("Zwangs-Monogamie") nach oben links ("freie Liebe") verlaufen kann.

Aber auch umgekehrt gilt: "Freie Liebe" (Freiheit) mißrät, wenn sie nicht mit den Werten der "Zweierliebe" (Bindung) gepaart ist, zur "narzistischen Beziehunglosigkeit": Hier wird ohne Rücksich auf Verluste eine selbstsüchtige Egozentrik gehegt, die im Kontakt zu einer anderen Person diese gar nicht wirklich trifft, sondern nur dazu benutzt wird, um im Spiegel der eigenen Selbstgefälligkeit bewundert zu werden. Hier werden die Gefühle eines anderen rücksichtslos ausgenutzt. Durch eine solche Illusion der Freiheit verblendet, glaubt man/frau, zu sich selber zu kommen, stattdessen ist man/frau auf der Flucht vor der Unfähigkeit zur echten Kontaktaufnahme, zum authentischen SichEinbringen-Können. Diese Ideologie der Freizügigkeit führt zur einer asozialen Selbstentfremdung. In dieser großen Scheinfreiheit stirbt man/frau in der Kälte der Isolation und Entfremdung. Anstatt Wachstum gibt es in dieser beziehungslosen Beziehung viel Indifferenz und Unempfindlichkeit. Hier kann die Entwicklung im Wertequatrat nur von unten links ("narzistische Beziehungslosigkeit") nach oben rechts ("Zweierliebe") erfolgen.

Die Frage "wie" und "wieviel" die Werte "freie Liebe" und "Zweierliebe" in einer Liebesbeziehung zur Geltung kommen können, läßt sich natürlich nicht in allgemeiner Form darstellen. Es läßt sich jedoch von den konkret Betroffenen in einer konktreten Situation erspüren, wenn sie hellhörig dafür sind und sich in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit dahingehend ausbilden. Für mich gilt hier die Frage: "Was ist die Wahrheit der Situation?", als wichtiger Maßstab. Stimmigkeit hat Vorrang! Was ist stimmig und was ist unstimmig? Stimmigkeit bezieht sich dabei auf mein inneres Zumutesein und auf das mittels Emphatie wahrnehmbare Zumutesein meiner Partnerin bzw. meines Partners. Desweiteren bezieht sich Stimmigkeit auf die Beziehung ("Was läuft bei uns ab?") und die Anforderung der Lage (sozialer Kontext), sowie das Anliegen meiner Existenz. Als kommunikatives Subjekt mache ich mich dahingehend möglichst transparent, um somit aufrichtig und fair in Kontakt zu treten. Dies ist jedoch immer auch ein Weg des Versuchs und Irrtums - ob es letztlich für alle Beteiligten aufrichtig ist, was ich aufgrund meiner Werte, Fähigkeiten und Möglichkeiten anstrebe, ergibt sich schließlich aus den Wirkungen, aus dem Zusammenspiel, aus dem, was daraus entsteht: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!"

In unserem Kulturkreis sind vor allem die Werte "oben rechts", aber auch teilweise noch die Unwerte "unten rechts" jeweils hoch im Kurs. Vor diesem Hintergrund wird es verständlich und für die Humanisierung des Menschen erstrebenswert, wenn die Entwicklungslinie von unten rechts ("Zwangs"-Monogamie) nach oben links verläuft ("Freie Liebe") - auch um die Gefahr, daß das Gegenpendel gelegentlich zu weit schlägt ("narzistische Beziehunglosigkeit"). Deshalb ist darauf zu achten, daß die neuen Werte bezüglich der Idee der "freien Liebe" nicht zu einer Art Pflichtprogramm werden. Was als Prozeß der persönlichen Befreiung, der inneren Emanzipation und als gesellschaftliche Befreiung gedacht ist, verkümmert auf diese Weise zur neuen Anpassungsleistung. Die Ideenwerte der "freien Liebe" sind auf dem Holzweg, wenn sie nicht zu einer inneren und äußeren Emanzipation, sondern zu einer bloßen Uniformierung des Verhaltens führen. Es geht hier um eine Erweiterung der persönlichen Substanz und nicht um die Einübung eines Optimalverhaltens der "freien Liebe", das ja meistens dazu dient, mehr aus sich zu machen, bevor man/frau wirklich "mehr" geworden ist. So sollte auch das Lernziel: "Freie Liebe" nicht mit großen Lettern auf der Flagge stehen. Die Leitwerte der "freien Liebe" können nur langsam, nach dem individuellen Tempo und dem beziehungsimmanenten Tempo entwickelt werden. "Freie Liebe" ist letztlich ein Spontan-Phänomen, was ganz von selbst kommt, wenn das Arrangement dafür stimmig ist. "Freie Liebe" kann somit nicht direkt und unmittelbar erzeugt werden.

Literatur:

Im folgenden soll eine kurzkommentierte Auflistung aktueller Bücher zum Thema "freie Liebe" aufgestellt werden:

Harriet, Elisabeth-Joe: Ich kann nur treu sein, wenn ich frei bin. München 1994
Die ehemalige Lehrerin und jetzige Schauspielerin, Sängerin, Kaberettistin und Moderatorin (bei Vox), beschreibt aufgrund eigener Erfahrungen mit vielen Beispielen aus dem Leben, was für sie eine neue Kultur der freien Liebe ohne sexuelle Verdrängung bedeuten könnte. Dabei werden u.a. die Themen Eifersucht, Ehe, sexuelle Treue, offene Zweierbeziehung und die Folgen für die eigenen Kinder angegangen und sehr persönlich beleuchtet. Das Buch von Dieter Duhm "Der unerlöste Eros" hat hier deutliche Spuren hinterlaßen!

Heinzelmann, Regula: Die neuen Paare - Anleitung zur Polygamie. München 1994
Die studierte Rechtswissenschaftlerin und jetzige freie Journalistin versucht in ihrem Buch, den LeserInnen praktische Anregungen zu bieten, wie man/frau mehrere Partnerschaften langfristig koordinieren kann. Ausgehend von der Kritik der traditionellen "Monogamie-Ideologie" plädiert sie für eine neue Partnerschaftethik, die in der Lebensform der "Polygamie" ihren sachlichen Anhalt findet. Im weiteren versucht sie mittels einer Beziehungs- und Lebensanalyse allgemein zu erklären, wie man/frau sich im Leben mit mehreren PartnerInnen orientieren kann. Dabei diskutiert sie die Folgen für das Alltagsleben und die Probleme, die sich hier ergeben können und auch wie man/frau sie lösen kann.

Blau, Ros: Der geteilte Mann. Erfahrungen in der Ehe zu Dritt. Reinbek bei Hamburg 1995
Die Autorin, konvertierte Muslima und studierte Psychologin und Germanistin, lebt zusammen mit ihrem Mann, dem gemeinsamen Sohn sowie ihrer Mitfrau und deren Töchtern in einer islamisch geführten Mehrehe. Ihre Erfahrungen damit bringt sie in Verbindung mit den Leitbildern und Lebensformen der westlichen Welt und sie diskutiert dabei auch grundsätzlich die Themen von Liebe, Eifersucht, Treue...Eine sehr spannende Abhandlung!

Joachim, Frank: Die 8er Ehe. Variationen über die Monogamie. 1993
Vor dem Hintergrund der hohen Scheidungszahlen und Ehezerüttung schlägt Joachim die 8er-Ehe als Ausweg vor, die als eine paritätisch besetzte Gruppenehe mit zeitlich limitierter Paar-Rotation verstanden wird. Nicht ohne Augenzwinkern!

Lichtenfels, Sabine: Weiche Macht. Perspektiven eines neuen Frauenbewußtseins und einer neuen Liebe zu den Männern. 1996

Zur Einführung berichtet Lichtenfels sehr persönlich über ihre bisherigen Erfahrungen in der Liebe: "Meine Suche nach neuen Wegen in der Liebe." Augrund dieser Einführung werden auch ihre nachfolgenden Gedanken verständlich und nachvollziehbar. Konsequent und sehr zielsicher bringt sie somit ihre umfassende Ansichten zur Freien Liebe auf den Punkt. Da heißt es zum Beispiel: "Freie Liebe und Partnerschaft schließen sich nicht aus, sie bedingen einander. Freie Liebe bedeutet ja nicht, daß man von einem zum nächsten wechselt. Solange Liebe nicht den Weg zu wirklicher Freundschaft findet, rennen die einzelnen bedürftig von einem zum nächsten. Was du beim einen nicht kriegst, das suchst du beim anderen. Du wirst es aber nie finden, wenn du immer an den gleichen Stellen abhaust. Und je mehr Menschen du auf deinem Weg verläßt, desto mehr steigt die Angst, verlassen zu werden. Die kritischen Stellen werden sich, egal mit wem, solange wiederholen, bis du sie gelöst hast. Beziehungen klären und klar halten, ist eine Grundvoraussetzung für die freie Liebe, denn sonst ist sie nur ein guter Nährboden für Angst, Haß und Neid. Natürlich wünscht man sich Intimität, Partnerschaft, Treue in der Liebe. "Bis an mein Lebensende..." Dieser Satz soll ja endlich wahr werden können, und zwar nicht durch Moral und strenge Gesetze, sondern weil es spannend bleibt miteinander, sinnlich und geistig."

Onken, Julia: Die Kirschen in Nachbars Garten. Von den Ursachen fürs Fremdgehen und den Bedingungen fürs Daheimbleiben. 1999

Geschickt in eine Geschichte verpackt und garniert mit einer Fremdgeh-Umfrage schildert Onken ihre Ansichten zu diesem Themenbereich. So bietet sie ohne moralischen Zeigefinger sehr spannende Gedanken, die zum Teil sehr gescheit durchdacht sind. Vor allem plädiert sie dafür, nach den wirklichen Ursachen des Fremdgehens zu forschen und in der Krise die Chance zu erkennen, mehr über sich selbst zu erfahren und das Verhältnis zum anderen von Grund auf zu klären. Somit gelangt man zu einem realistischen Selbstbewußtsein und kann damit mehr Freiheit in der Liebe wagen.

Moeller, Michael Lukas: Worte der Liebe. Erotische Zwiegespräche. 1998 Und: Gelegenheit macht Liebe. Glücksbedingungen in der Partnerschaft. 2000
Moeller entwickelt mit dem Konzept des "Zwiegesprächs" ein hervorragendes "Werkzeug", um Gelegenheiten in der Liebe zu kultivieren und somit die Freiheitsmöglichkeiten in der Liebe bewußter zu gestalten. Ich habe mit den Büchern von Moeller intensiv gearbeitet und kann sie nur wärmstens weiterempfehlen. Äußerst tiefgreifend befasst sich Moeller immer wieder mit dem Thema "aushäusige Verliebtheit". Dabei entwickelt er "seelische Instrumente für kritische Situationen", um konstruktiv mit aushäusigen Verliebtheiten umgehen zu können: Die Hebung des Schatzes der Eifersucht!

Originaltext: http://www.timowendling.de/fl/index.htm (Text wurde leicht gekürzt) - aktuell http://www.freieliebe.timowendling.de/


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