Die proletarische Einigung ist der entscheidende Faktor für den Sieg

Wir haben unzählige Male über das Thema der gewerkschaftlichen Einigung gesprochen, die notwendig, mehr noch, die unerlässlich ist zur Gewinnung des Krieges zu dem uns die Verräter-Generäle zwangen, die ihr Vaterland an das Ausland verschacherten mit einer Gewissenlosigkeit, die wir mit ihrer "unantastbaren" Auffassung von Vaterlandsliebe nicht in Einklang bringen können.

Wir kommen immer wieder auf dieses Thema zurück weil wir die Probleme nicht vergessen dürfen, von deren Lösung unser Sieg abhängt. Und hier ist enge und wahrhafte Einigung des Proletariats der entscheidende Faktor. Alle Forderungen des Augenblicks weisen auf die dringende Notwendigkeit der Bildung einer engen und ehrlichen Allianz der Arbeiterschaft hin: Forderungen der Wirtschaft, des Krieges und der Moral. Es liegt auf der Hand, dass eine loyale Union aller Kräfte die Lösung aller Probleme um ein beträchtliches erleichtern würde, die aus dem Kriege entstanden sind und vor die uns die Revolution stellt. Einigen wir uns aber nicht, so werden wir nie zu einer Lösung dieser Probleme kommen.

Diese für uns lebenswichtige Einigung sucht der Feind mit Hilfe seiner heimlichen Agenten zu stören. Wenn wir faschistische Zeitungen lesen, wird es uns klar, in wie starkem Masse die Faschisten an einer Uneinigkeit innerhalb der Arbeiterklasse interessiert sind. Sobald sie auch nur die kleinste Notiz von Differenzen innerhalb des proletarischen Blockes lesen, so unbedeutend sie auch sein möge — veröffentlichen sie in entsprechend grosser Aufmachung übertriebene Berichte und versehen sie mit hoffnungsfrohen Würdigungen und Ausblicken, die uns ob ihrer Übertreibungen und Abwegigkeiten lächeln machen... Sie zählen aber all diese Dinge für sich als Siege. Welche Bedeutung für die uniformierten Verbrecher die Möglichkeit einer Spaltung innerhalb unserer Reihen hat, beweist die Tatsache, dass sie Nachrichten dieser Art erfinden und veröffentlichen. Sie kennen sehr wohl die jesuitischen Maximen und ihre Folgen: "Divide et impera" (Teile, und du wirst herrschen). Aber wir selbst kennen diesen Wahlspruch auch. Im Bewusstsein der Glieder der einzelnen proletarischen Parteien ist man sich völlig klar über die Macht einer loyalen und wirksamen Einigung aller proletarischen Kräfte, wie man sich einig ist über die katastrophalen Folgen, die die Uneinigkeit und der Bruch innerhalb unserer Reihen haben müssten. Wir wissen, dass die Verhandlungen über den Zusammenschluss in einer Allianz einen guten Fortgang nehmen; wir wünschen nichts weiter, als bald zu einem guten Abschluss zu kommen und die Worte und Vorsätze zu Taten werden zu lassen.

Aber wir wissen ebensogut, dass es Leute gibt, die an der Union nicht interessiert sind. Es sind die Anwärter auf Posten und Pöstchen, die aus den Fabriken und Werkstätten weggegangen sind, um sich der "Politik" zu widmen. Das sind diejenigen, die den Gewerkschaften das Gift "Politik" eingeimpft haben. Wir beobachten dieses Phänomen schon seit beträchtlicher Zeit, obwohl wir bisher dazu geschwiegen haben. Jetzt aber kommt uns eine Nachricht, die diese Tatsache voll bestätigt. Eines der leitenden Elemente der UGT schreibt in "La Correspondencia de Valencia": "Die UGT von Katalonien ist weit davon entfernt, die gewerkschaftlichen Normen unserer Gewerkschaft zu unterstützen. Sie verfolgt keine ernsthafte Politik. Sie schmeichelt der Masse. Durch diesen Opportunismus hat sie sich ins Schlepptau der kleinbürgerlichen Linken nehmen lassen."

Es sind also die alten politischen Elemente, die nicht auf gewerkschaftlichem Boden stehen, die die endgültige Einigung immer wieder verhindern. Mit den Scheuklappen ihrer politischen Auffassungen ziehen sie vor, einen Wagen zu steuern, der langsam und holpernd vorwärts geht, als sich einzureihen als Arbeiter unter Arbeitern in die Reihen des geeinten Proletariats, das die Revolution zu vollenden hat, die das Schicksal in unsere Hände gelegt hat und die wir unter allen Umständen zu einem guten und erfolgreichen Ende führen müssen. Wir freuen uns, dass die Genossen vom Nationalkomitee der UGT klar sehen in dieser Frage. Es ist uns der Beweis, dass der Block des Proletariats eine Realität sein wird, und dazu eine Stosskraft, die entscheidend sein wird für den Sieg.

Den Sieg wird uns nie Politik bringen, sondern einzig und allein die gemeinschaftliche Aktion der beiden Gewerkschaftsrichtungen.

Aus: Die Soziale Revolution Nr. 11, 1937. Digitalisiert von der Anarchistischen Bibliothek und Archiv Wien. Nachbearbeitet (Scanungenauigkeiten entfernt, ae zu ä, That zu Tat usw.) von www.anarchismus.at.


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