Mujeres Libres - Campesina (Bäuerin)

Die Arme allein reichen nicht, Genossin vom Land. Auch die Anstrengungen aller sind nicht genug. Wir müssen den Produktionsrhythmus ändern und mehr produzieren, sehr viel mehr. Wir müssen die Anstrengungen potenzieren, und dafür reichen die Arme allein nicht mehr aus. Wie? Indem man Teams bildet, Gruppen von Frauen, die stark sind und die Feldarbeit kennen.

Gleichzeitig sollen zu diesen Gruppen jeweils zwei oder drei Genossinnen kommen, die Landwirtschaftstechnik gelernt haben. Einige gute Grundkenntnisse aus dem Bereich der Agronomie, der Pflanzenkunde, der Ökonomie werden zu einer Verdoppelung der landwirtschaftlichen Produktion beitragen. Die richtige Anwendung von Dünger, ein gutes Bewässerungssystem, Kenntnisse des Klimas und dessen Vorkommen in den unterschiedlichen Regionen sowie die Handhabung von landwirtschaftlichen Maschinen werden die Arbeitsbedingungen verändern und die Produktionskapazität unserer Erde erhöhen. Die Landarbeiter werden mit weniger Anstrengung einen größeren Ertrag erhalten. Und nur so wird es möglich sein, die Kämpfer, die Arbeiter in der Stadt und die Kinder aller Genossen zu versorgen. Nur so wird es möglich sein, entschieden den Krieg zu unterstützen und zu einem siegreichen Ende zu kommen.

Im Unterricht von "Mujeres Libres" wirst Du Dich auf diesen neuen und notwendigen Produktionsrhythmus vorbereiten können, indem Du geeignete Kenntnisse aus dem Bereich der Landwirtschaft, der Geflügelzucht und der landwirtschaftlichen Verwaltung erwirbst.

CAMPESINA!

Du warst immer mit ausgebreiteten Armen auf dem Feld, immer mit erhobenem Haupt, wartend, ausgedörrt, unglücklich und traurig, als seiest Du noch eine weitere Pflanze, eine Sklavin. Du hast immer gewartet: auf die Wolken, das Unwetter, die Überschwemmungen, auf die Steuereinzieher... Das ganze Unglück unseres ("castellano") Landes, karg, schwer, eben, elendig, hat Spuren in Deinem Herzen hinterlassen. Und Du schienst unveränderlich …

Erinnerst Du Dich an Deine feindselige Haltung, Campesina? Du hattest einen mürrischen Blick und eine derbe Schale. Elend, Verlassenheit, Schmutz, Analphabetismus, Grobheit, zahllose Kinder, endlose Arbeitsstunden waren Deine Plage. Und am Ende die Gewißheit, das alles den Herren zu schulden.

CAMPESINA!

Die alten Herren sind weg, und das Land lacht Dich an. Mit den alten Herren sind der Analphabetismus, der Schmutz, die unzähligen Kinder verschwunden. CAMPESINA!

Ritze in die Tür Deines Hauses die Namen der neuen Herren über das Land in Spanien ein: LIEBE, FREIHEIT.

Aus: "Mujeres Libres", Nr. 13

Originaltext: Mary Nash: Mujeres Libres. Die freien Frauen in Spanien 1936 - 1978. Karin Kramer Verlag, Berlin 1979. Digitalisiert von www.anarchismus.at mit freundlicher Genehmigung des Freundeskreis Karin Kramer Verlag. Das Copyright des Textes liegt weiterhin beim Karin Kramer Verlag, der Text darf ohne Rückfrage nicht weiter kopiert oder gedruckt werden. Im Karin Kramer Verlag sind zahlreiche Bücher zum Anarchismus erhältlich.


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