Österreichische SpanienkämpferInnen in anarchistischen Milizen

Zum Zeitpunkt des spanischen Bürgerkrieges war die anarchistische Bewegung in Österreich kaum mehr präsent. Der Niedergang des "Bundes herrschaftsloser Sozialisten" (BhS) und die austrofaschistische Repression - etwa gegen eine Gruppe Grazer AnarchistInnen 1937 (u.a. Aktenzahl DÖW 4068) - führten dazu, dass der Anarchismus hierzulande nurmehr in Kleinstgruppen oder individualistisch wahrnehmbar war. Der Großteil der etwa 1.400 österreichischen Freiwilligen in Spanien kam entsprechend aus sozialdemokratischen und kommunistischen Gruppen und gelangte über eine illegale Transportorganisation via Schweiz und Paris nach Spanien. Dort reihten sie sich in die "Internationalen Brigaden" ein. Eine handvoll ÖsterreicherInnen schloss sich jedoch  anarchistischen Milizen und der CNT oder der marxistischen P.O.U.M. an. Einige von Ihnen sind hier angeführt.

Ausführliche Informationen über österreichische Spanienfreiwillige findet ihr im Spanien-Archiv des Dokumentationszentrums des österreichischen Widerstands (DÖW), dem auch die folgenden Kurzbiografien sowie das Bild entnommen sind: www.doew.at/erinnern/biographien/spanienarchiv-online (zu SpanienkämpferInnen aus der Schweiz: www.spanienfreiwillige.ch/handbuch.html)


Federn, Marietta ("Etta"), Dr. - geb. 28.4.1883 in Wien
verehelichte Kirmsse, Kohlhaas

Publizistin. Geschieden, 2 Söhne. Studium der Germanistik und Philosophie in Wien, ab 1905 in Berlin. Dort tätig als Schriftstellerin, Pädagogin und Übersetzerin. Mitglied der anarchistischen Freien Arbeiter-Union Deutschlands. 1932 Emigration nach Spanien. Barcelona. Mujeres Libres. 1937 Gründerin eines nach den Prinzipien des anarchistischen Pädagogen Francisco Ferrer geführten Schulzentrums in Blanes. Ab April 1938 Paris. Unter deutscher Besatzung Widerstandstätigkeit. 1940 bis 1945 Lyon, dann wieder Paris.

Gestorben am 29. 10. 1951 in Paris.


Kopp, Guido - geb. 17.3.1896 in Ruderting bei Passau
Landwirt und Schriftsteller. Verheiratet.

Im November 1918 Vorsitzender des Soldatenrates von Rosenheim. KPD. Im Mai 1919 wegen "Beihilfe zum Verbrechen des Hochverrats" von Feldgericht zum Tode verurteilt, Umwandlung des Urteils in acht Jahre Zuchthaus. 1919-1927 Zuchthaus Straubing. 1929 Österreich, Strasshof an der Nordbahn. SchB. KPÖ. 1934 Wöllersdorf, dann ČSR. 1936 von dort nach Spanien. Anarchistische Milizen. Im Mai 1937 Rückkehr nach Österreich, in Salzburg verhaftet und an die Gestapo München ausgeliefert. Juni 1937 bis September 1939 Dachau, September 1939 - 11.4.1945 Buchenwald. Nach der Befreiung Salzburg. 1946 Gründung des Ried-Verlages, autobiographischer Bericht: "Ich aber habe leben müssen ... Die Passion eines Menschen des 20. Jahrhunderts". 1947 Österreichische Staatsbürgerschaft. Vorstandsmitglied des Salzburger Landesfriedensrates.

Gestorben am 5. 12. 1971 in Salzburg.


Lackner, Wilhelm - geb. 24.2.1906 in Innsbruck
Bäcker. Ledig.

1932 Emigration nach Spanien. 1934 CNT. Am 4. 3. 1940 in Barcelona verhaftet. Im Flugzeug nach Italien überstellt und am Brenner den deutschen Behörden übergeben. 30.5. - 1.8.1940 Gestapohaft in Innsbruck, anschließend Dachau, dann Sachsenhausen und Groß-Rosen, ab 19. 6. 1941 wieder Dachau. Am 28. 10. 1943 aus Dachau entlassen. Einberufung zur Deutschen Wehrmacht. Nach Kriegsende Innsbruck. Aufseher im Flüchtlingslager Reichenau, Wäscher, Färber, Fotolaborant, Postbeamter.

Am 26. 9. 1961 in seiner Wohnung tot aufgefunden.


Landau, Kurt - geb. 29.1.1903 in Wien
Ps. Wolf Bertram, Spectator. Publizist. Verheiratet.

Wien. KPÖ. 1927 KPÖ (Opposition). Ab 22.8.1929 Berlin. Leninbund, Linke Opposition. Mitarbeiter Trotzkis, dann zunehmende Distanz. Gruppe Kommunist. Am 17. 3. 1933 Emigration nach Paris. Gruppen Der Funke und Que Faire?. Auslandsvertretung der Marxisten-Internationalisten. Anfang November 1936 aus Frankreich nach Spanien. Barcelona. POUM. Autor der Broschüre "Die deutsche Revolution von 1918 und die spanische Revolution von 1936". Mitarbeiter der Parteizeitung "La Batalla" und der deutschen Sendungen von Radio POUM. Entzog sich am 17.6.1937 der Verhaftung durch Polizei und Guardia de Asalto, fand Zuflucht in der CNT-Zentrale und im Haus der POUM-Sympathisantin Carlota Duràn. Am 23.9.1937 in Barcelona entführt. Seither verschollen.

Mit Sicherheit ein Opfer des sowjetischen Geheimdienstes.


Michaelis-Sachs, Margaret - geb. 6.4.1902 in Dzieditz/Dziedzice (Galizien)
geborene Gross, Margarethe. Fotografin. Verheiratet.

Ab 1918 Studium der Fotografie an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Tätigkeit für verschiedene Fotostudios, u. a. Atelier d'Ora. 1928 von Wien nach Prag und November 1928 nach Berlin. 1933 Heirat mit Rudolf Michaelis. Am 9.3.1933 in Berlin verhaftet. Im Dezember 1933 gemeinsam mit Rudolf Michaelis Emigration nach Barcelona. Gruppe DAS (Deutsche Anarcho-Syndikalisten). Fotografische Tätigkeit, u.a. für die Propagandakommission der Katalanischen Regierung. 1937 nach Paris, 1938 Emigration nach England und 1939 nach Australien. 1960 Heirat mit Albert Sachs.

Gestorben am 16. 10. 1985 in Melbourne (Australien).


Peutl, Karl - geb.16.6.1909 in Wien
Maschinentechniker. Ledig.

Wien. SchB. Im September 1936 über Norwegen nach Spanien. Bis 12.1.1937 Grupo Internacional der Columna Durruti. 8.2. - 11.4.1937 Primera Compañía Internacional/División Durruti. Im Mai 1937 in Barcelona Teilnahme an den Straßenkämpfen zwischen Anarchosyndikalisten und Regierungstruppen auf Seiten der FAI. Wollte sich über die CNT eine Arbeitsbewilligung für einen Betrieb im Hinterland beschaffen. Ausreise aus Spanien im Juni 1937.

Karl Peutl CNT österreichischer Spanienkämpfer


Reiss, Maurizio - geb. um 1889
Elektriker. Ledig.

Am 17.10.1936 aus Frankreich nach Spanien. Gruppe DAS (Deutsche Anarcho-Syndikalisten). Vielleicht identisch mit Moritz Reiss, geb. 11.2.1889 in Wien, gestorben am 29.6.1943 in Wien.


Schwarzbeck, Hubert - geb. 7.10.1906 in Marburg/Maribor
Ingenieur. Verheiratet. Kämpfte in einer Pioniereinheit der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT.

Graz. Bund herrschaftsfreier Sozialisten in Graz. Seit August 1932 Spanien, Madrid. Heirat mit Carmen Palencias Bravo. CNT. Ab November 1936 Baon de Obras y Fortificaciones. Hauptmann, dann Major des 31. Pionierbaons in Madrid. Am 6. 4. 1939 von deutschen Agenten verhaftet und von Angehörigen der Legion Condor verhört. Am 9. 2. 1940 zu 20 Jahren strengen Kerker verurteilt. 1944 bedingte Entlassung. Neuerliche Festnahme. Arbeitslager Herrera de Manzanares, Ciudad Real. Im September 1946 mit seiner Familie über Genua nach Graz repatriiert. Technischer Leiter des Landessonderkrankenhauses Graz.

Gestorben 1989 in Graz.


Starke, Gregor - geb. 1914 in Deutschland
Hauslehrer.

Wien. SAJ. Mit Mutter und Stiefvater 1933 nach Spanien emigriert. Parteigänger der POUM.

Gefallen am 20.7.1936 in Barcelona, beim Sturm auf Atarazanas-Kaserne.


Winkler, Rosa - geb. 17.1.1896 in Seebach/Bezirk Spittal a. d. Drau

1936 mit ihrem italienischen Lebensgefährten Duilio Balduini, der einer Miliz beitritt, von Frankreich nach Barcelona. Mehrere Reisen nach Frankreich, um dort Propaganda gegen Franco zu machen. Deckname: Stiker. Im Herbst 1936 Delegierte auf dem Anti-Kriegs-Kongress in Brüssel. Nach dem Mai 1937 Flucht vor politischer Verfolgung aus Spanien nach Frankreich, lebte dann in Paris und Lyon. Widerstandstätigkeit, Gruppe "Fédérer et libérer".

Originaltexte: http://www.doew.at/erinnern/biographien/spanienarchiv-online (Stand März 2013)


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