Comandante Felipe - Arbeiter und Zapatismo (2003)

Guten Tag, guten Nachmittag und guten Abend!

Es spricht Comandante Felipe, dies ist der Beitrag des Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees - Generalkommando der EZLN zur Gesprächsrunde "Arbeiter und Zapatismus".

Brüder, Schwestern, Arbeiter und Arbeiterinnen. Vor Beginn meiner Ansprache, möchte ich im Namen meiner Compañeros einen brüderlichen Gruß an Sie richten.

In dieser Stunde möchte ich zu Ihnen als Bruder sprechen: Wir wissen, daß Sie als Arbeiter und Arbeiterinnen ein sehr wichtiger Sektor im Leben unseres Landes sind; denn ohne die Arbeiter und Arbeiterinnen arbeitet, baut und produziert niemand etwas, nicht einmal die Maschinen in den Fabriken der reichen Mexikaner und Ausländer. Eines ist klar, nämlich daß die Maschinen in den Fabriken immer von den Arbeitern und Arbeiterinnen angetrieben werden, um die industriellen Produkte herzustellen. Ohne Ihre Arbeitskraft gibt es keine industrielle Produktion und keinen Wohlstand für die Reichen.

Um mehr Reichtum für einige wenige Personen herauszuholen, muß die Arbeitskraft des Arbeitersektors, das heißt, der Sektor von dem hier die Rede ist, als Teil der Produktionsmittel gehandhabt werden, um den Reichtum, die Macht und das Geld für die Reichen voranzutreiben.

Damit Sie als Arbeiter und Bergleute den Reichtum produzieren, werden Sie von den Aufsehern in den Fabriken und Minen angeherrscht, überwacht, mißhandelt, und es gibt keine gute Arbeitsbedingungen. Deshalb sind aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen schon viele Arbeiter und Arbeiterinnen in den Fabriken und Minen gestorben.

Ihnen und uns ist klar, daß die Chefs und Eigentümer der Fabriken und Minen die Arbeitskraft ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen ausbeuten müssen, um mehr Gewinn herauszuschlagen; die ganze Welt weiß das. Die Arbeitskraft der Arbeiter und Arbeiterinnen wird immer ausgebeutet, von den Chefs, von den Fabrikeigentümern, das weiß jeder.

Sie und wir wissen, daß die Chefs keine gerechten Löhne zahlen, von denen Sie mit Ihren Familien besser leben könnten. Sie erhalten einen ungerechten Lohn, der nicht einmal ausreicht um das Lebensnotwendige für die Familie zu kaufen, schon gar nicht für die ärztliche Versorgung und Schulbildung Ihrer Kinder; aus diesem Grund müssen viele Kinder, Söhne und Töchter der Arbeiter und Arbeiterinnen, deren Mütter und Väter in den Fabriken arbeiten, Chicle auf den Strassen verkaufen, um sich jeden Tag ein paar Tortillas zum Essen kaufen zu können. Diese Lage der Arbeiter mit Kindern ist sehr traurig, wenn man die Situation der Arbeiter in den Städten kennt.

Diese ungerechte Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen gleicht der Lage der Campesinos: wir, die zwei Sektoren der Arbeiter und Produzenten, sind die Ärmsten und unsere Arbeitskraft wird am meisten ausgebeutet; wir sind Teil der Produktionsmittel der Reichen, aus diesem Grund kämpft die EZLN dafür, daß es Arbeit für alle Arbeiter und Arbeiterinnen in den Städten und auf den Feldern gibt; denn unser Ziel ist es, Arbeit für alle zu erwirken, damit es keine Arbeitslosigkeit mehr gibt, damit keine Leute mehr auf der Strasse sitzen, weil sie keine Arbeit haben, um ihre Bedürfnisse zu stillen. Aber für diese Arbeit sollen Arbeiter ein besseres Gehalt erhalten, und gerechte Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Unser Ziel ist es, die Lage der Arbeiter und Campesinos zu verändern, das heißt, wir möchten eine gute ärztliche Versorgung, eine gute Ernährung, eine gute Schulbildung und das alles. Die dreizehn Forderungen.

Eines Tages werden wir das haben, das heißt, es wird Veränderung geben, die Lage der Arbeiter und Campesinos wird sich ändern, wenn wir die Erfüllung dieser Forderungen der EZLN durchsetzen können.

Diese Veränderung kann nur erzielt werden, wenn Sie sich organisieren und wirklich kämpfen, für unsere Kinder und Kindeskinder. Auch wenn es uns viel kosten wird, ist dies der einzige Weg, um Freiheit, Demokratie, und Gerechtigkeit für alle zu erreichen.

Wir, die zapatistischen Indígenas, haben uns entschlossen bereit zu sein zu kämpfen, denn wir haben das verstanden, aber mit dem Verstehen allein ist es noch nicht getan. Denn auch wenn wir viel darüber wissen wie sie uns ausbeuten, das heißt, wenn viel darüber geredet wird, aber nichts getan wird, werden wir darüber nur diskutieren können und Bescheid wissen, aber damit alleine werden wir nichts für unsere Völker, für unsere Söhne und Töchter, für unsere Enkelkinder erreichen. Wir können ein gerechteres und würdigeres Leben für alle nur erreichen, wenn wir mit Taten kämpfen.

Brüder und Schwestern, Arbeiter und Arbeiterinnen, wie gedenken Sie zu kämpfen? Schreiben Sie es uns in Briefen und schicken Sie es an alle Caracoles, damit wir es wissen, und auch mit Ihnen kämpfen können, damit wir die ungerechte Situation, in der wir leben, Arbeiter in den Städten, Landarbeiter und Angestellte, verändern können.

Wir denken, daß es an der Zeit ist uns in einem einzigen Kampf zu vereinen, und von jetzt an alle Formen des Kampfes miteinander zu kombinieren, damit wir so alle gemeinsam, Männer, Frauen, Arbeiter, Campesinos, mehr Kraft haben, denn die gleiche Situation verlangt die Einheit aller Arbeiter und Campesinos, um diese ungerechte Situation verändern zu können, die wir erleben. Denn die Neoliberalisten stehen vereint, um noch mehr ausbeuten zu können, Mexikaner und die ganze Welt. Die Neoliberalisten stehen immer vereint, aber wir Arbeiter auf dem Feld und in der Stadt sind oft gespalten, das ist der Vorteil der Ausbeuter. Deshalb bitten wir Sie, Brüder und Schwestern, unsere Kräfte und unsere Arme zu vereinen, um die Einheit zu streben, um nach Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit für alle zu streben.

Brüder und Schwester Arbeiter und Arbeiterinnen, lassen Sie sich nicht betrügen: der Wandel, von dem die Regierung spricht, ist nichts anderes als die gleiche traurige Lage. So wurden schon Ihre Großeltern betrogen, deshalb ist es ungerecht und schlecht, wenn Sie sich betrügen lassen.

Brüder und Schwestern Fabrikarbeiter, kommt und laßt uns gemeinsam kämpfen. Wir Arbeiter sind es, die bestimmen müssen. Wenn Sie jetzt nicht kämpfen, was gedenken Sie ihren Kindern zu hinterlassen? Denn wenn wir weiterhin in einer so ungerechten Situation leben, werden unsere Kinder und unsere Enkelkinder ein noch ungerechteres Leben führen müssen als wir jetzt. Deshalb müssen wir uns überlegen, wie wir kämpfen können, um das Wohl aller zu erreichen, und das Wohl unserer mexikanischen Heimat.

Wir Zapatisten kämpfen für alle Armen in Mexiko, wir werden getötet und sterben für eine gute ärztliche Versorgung, Ernährung, Land, Arbeit, Schulbildung, Gerechtigkeit, Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit, Gleichheit für alle und für die Frauen, Kommunikation und Information, und Frieden.

Brüder und Schwestern Arbeiter, wer glauben Sie wird wohl kommen, um für uns zu kämpfen? Wir können auf nichts hoffen, weder auf die Regierungsbeamten, noch auf die Regierung. Sie denken nicht an uns, um unsere Situation zu ändern. Die Lage wird sich nicht ändern, bis wir Arbeiter und Campesinos uns zum Kampf vereinen und die ungerechte Situation in der wir leben ändern können. Oder glauben Sie, daß die Reichen eines Tages darauf verzichten werden uns auszubeuten? Niemals!.

Wir machen uns darüber keine Hoffnungen, die Reichen und Mächtigen denken nur daran wie sie uns immer mehr ausbeuten können, wie sie unsere Arbeitskraft immer mehr ausbeuten können. Für uns Arbeiter wird es wegen der Ungerechtigkeit keine Ruhe geben, und somit auch kein Frieden. Denn wenn wir weiterhin in Ungerechtigkeit und Ausbeutung leben, wird es keine Ruhe für die Familien der Arbeiter und ihre Kinder geben. Nicht solange wir in einer ungerechten Lage leben. Der Frieden, den es in Mexiko geben soll ist ein Betrug, denn es gibt nicht viel Frieden, wenn es wegen dieser Schlechtigkeit so viele Eingesperrte, Gefolterte, Verschwundene, Ermordete, Witwen und Waisen gibt. Das ist kein Frieden, auch wenn die Mächtigen, die staatlichen und Bundesregierungen sagen, daß es Frieden gäbe, gibt es keinen Frieden, weil es viele Eingesperrte, Gefolterte, Verschwundene, Ermordete, Witwen und Waisen wegen dieser Schlechtigkeit gibt, darüber sind wir uns alle einig. Was bleibt dann zu tun? Wer glaubt noch was die herausgeputzten Anführer sagen? Auch wenn sie uns erzählen, daß sie die Interessen des Volkes verfolgen, oder die Interessen der Arbeiter, ist das nicht wahr, denn sie sind Personen, die von den Mächtigen gekauft wurden, die uns, ihre eigenen Brüder, nur betrügen wollen, um Geld für ihre eigenen Interessen zu bekommen. Aber wir glauben an nichts was diese Anführer sagen; für uns gibt es Repräsentanten, die das Volk, das Denken oder das Abkommen des Volkes vertreten. Keine Manipulatoren oder Verräter und Korrupte, die sich verkaufen, um das Dorf zu vernichten. Denn ein Verräter wird immer von den Mächtigen gekauft, oder von den staatlichen und Bundesregierungen, deshalb können wir es nicht zulassen, daß sie uns betrügen.

Brüder und Schwestern: Für den Augenblick dieses Gespräches mit Ihnen, ist dies erstmal alles. Wir müssen die Einigkeit unter allen suchen, und dies ist die Stunde des 'Ya Basta' gegen das Leiden, das wir seit Jahrhunderten erleben. Schreitet voran, und wir werden alle gemeinsam folgen.

aus den Bergen des mexikanischen Südostens
für das CCRI-CG der EZLN zum 20. Jahrestag, Comandante Felipe


Originaltext: http://www.chiapas.at/ezln/20_und_10_felipe.htm


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