"Sich fügen heißt lügen"

Erich Mühsam (1878- 1934) war Dichter und Schriftsteller. Der Pazifist – Anarchist und Antifaschist gehörte zu den Mitstreitern der Münchner Räterepublik. Er wurde in der Nacht vom 09. auf 10.07.34 im KZ Oranienburg von der SS ermordet. In diesem Artikel soll es weniger um seine literarischen Werke, als vielmehr um sein „politisches Leben „ gehen.

Am 6. April 1878 wird Mühsam als Sohn einer jüdischen Apotheker-Familie in Berlin geboren. Auf dem Gymnasium in Lübeck fällt er bereits wegen „sozialistischer Umtriebe“ auf und muss dieses verlassen. Nachdem der junge Mühsam im mecklenburgischen Parchim das Abitur nachgeholt hat, lernte er Apotheker. Er versucht sich aber dann in Berlin eine Existenz als freischaffender Schriftsteller und Publizist aufzubauen. Nach einigen Wanderjahren die ihn u.a. in die Schweiz, nach Österreich, Italien und Frankreich führen, lässt er sich 1909 in München nieder.

Hier gründet er 1911 die Zeitschrift „Kein“ (Zeitschrift für Menschlichkeit). Politische Inhalte sind neben Anarchismus u.a. Antimilitarismus, Werbung für die freie Liebe (trotzdem heiratet er 1915 Kreszentia Elfiunger) und gleiche Rechte für Homosexuelle. Während des ersten Weltkriegs betreibt Mühsam Antikriegspropaganda. Erfolglos versuchte er einen internationalen Bund der Kriegsgegner zu gründen. 1915 wird er wegen Kriegsdienstverweigerung zu 6 Monaten Festungshaft verurteilt. Trotzdem war er Organisator von Protesten und Streiks gegen den Krieg (z.B. Hungerdemonstration 1916, Januarstreik 1918). Im März 1918 wurde Mühsam wegen radikaler Straßenaktionen und Streikaufrufen in Traunstein interniert.

Als Verfechter des Rätesystems und Mitglied der Münchner Arbeiter-, Bauern-, und Soldatenräte ist er an der Novemberrevolution 1918 beteiligt. Er nähert sich dem Spartakusbund an und arbeitet mit marxistischen Linken zusammen. 1919 ist er neben Landauer und Toller eine politische Leitfigur der Münchner Räterepublik. Diese wird von der rechten Freikorps blutig niedergeschlagen. Erich Mühsam wird zu 15 Jährigere Haft verurteilt. In der Haft tritt er kurzzeitig der KPD bei (er verlässt sie aber bereits nach einem Monat wieder). Am 24. Dezember 1924, nach 6 Jahren wird er aufgrund einer allgemeinen Amnestie freigelassen und lässt sich in Berlin nieder.

Nach seiner Entlassung engagiert er sich weiterhin für die Schaffung einer neuen Gesellschaft und versucht verschiedene Organisationen der Linken zusammen zu bringen. Was aber viele Kommunisten und Anarchisten nicht gerne sehen, wegen seiner Nähe zur KPD wird er aus der „Föderation Kommunistischer Anarchisten“ Deutschlands ausgeschlossen. Mühsam findet in der „anarchistischen Vereinigung“ eine neue Heimat und gibt die Zeitung Fanal heraus. Im November 1932 entwickelt Mühsam die Gesellschaftsutopie- „die Befreiung von Staat und Gesellschaft“, ein auch heute noch aktuelles Werk. Hier spricht er sich gegen eine von „Staatssozialisten“, besonders Marxisten, angestrebten autoritären, obrigkeitlich geleiteten und zentralistisch verwalteten Sozialismus aus. Er befürwortet eine „auf Gütergemeinschaftberuhende Gesellschaftsbeziehung, die jedem nach seinen Fähigkeiten zu arbeiten, jeden nach seinen Bedürfnissen zu verbrauchen erlaubt“.

Sein ganzes Leben lang betätigt sich Mühsam also politisch, auch als Redner bei Veranstaltungen und Kundgebungen. Dieses Engagement verstärkt er unter der heraufziehenden Gefahr des Nazismus. Als Jude, als linker Intellektueller und Kommunistischer Anarchist gehört Erich Mühsam zu den ersten Opfern des NS Regimes. Er wird bereits in der Nacht des Reichtagsbrandes (27.02.33) verhaftet. „Sich fügen heißt lügen“ schrieb er in einem seiner Gedichte. Als er von der SS grausam gefoltert und schließlich im Juli 1934 erhängt wurde, blieb er dabei. [FL]

Quellen:

  • www.erich-muehsam.de/
  • www.muehsam.de
  • www.dhm.de/lemo/html/biografien/MuehsamErich/
  • www.mela.de/Mela/muehsam.shtml


Originaltext: http://mitglied.lycos.de/infogrupperosenheim/newpage4.html


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