Michael Bakunin - Der Bauer und die soziale Revolution

Aus "Lettres a un Francais sur la crise actuelle" (September 1870)

Die Bauern, sagt Ihr, sind bigott und abergläubisch und lassen sich durch die Priester regieren. Ihr Aberglaube ist die Folge ihrer Unwissenheit, welche von allen Bourgeois-Regierungen künstlich und systematisch erhalten wird. Und übrigens sind sie gar nicht so bigott und abergläubisch, wie Ihr Euch es einredet: es sind ihre Frauen, die so sind. Aber sind denn wohl alle Arbeiterfrauen wirklich ganz frei von Aberglauben und den Dogmen der katholischen Religion? Und was den Einfluß und die Herrschaft der Priester betrifft, so unterwerfen die Bauern sich nur scheinbar denselben; nur so weit, als es der häusliche Frieden verlangt, und so lange, als diese Faktoren nicht ihren Interessen widersprechen.

Diese Abergläubigkeit hat sie nicht davon abgehalten, nach 1789 die vom Staate konfiszierten Güter der Kirche zu kaufen, trotz des Bannfluches, den die Kirche über Verkäufer und Käufer derselben verhängte. Daraus folgt, daß, um den Einfluß der Priester auf die Landbevölkerung endgültig zu zerstören, die zukünftige Revolution nur eines zu tun braucht, nämlich: die Interessen der Bauern mit jenen der Kirche in Gegensatz zu bringen.

Es hat mich immer schmerzhaft berührt, wenn nicht nur revolutionäre Jakobiner, sondern auch Sozialisten, die unter den Einfluß dieser Schule geraten sind, jene vollständig antirevolutionäre Idee aussprachen, daß die Republik der Zukunft durch eine Verordnung jeden öffentlichen Gottesdienst abschaffen und ebenfalls durch eine Verordnung alle Priester gewaltsam vertreiben müsse. Erstens bin ich ein unbedingter Gegner der Revolution durch Verordnungen, denn dies ist das Ergebnis und die Anwendung der Idee des revolutionären Staates, welcher nichts anderes ist, als die Reaktion, die sich hinter dem Schein der Revolution versteckt. Dem System der revolutionären Verordnungen stelle ich die revolutionären Taten gegenüber, denn nur diese sind erfolgreich, konsequent und wahr, ausser den gewaltsamen offiziellen oder autoritären Eingriffen.

Wenn man also, in diesem Falle, auf den unglücklichen Gedanken käme, die Abschaffung des Gottesdienstes und die Vertreibung der Priester zu verordnen, könnten wir sicher sein, daß sogar die am wenigsten religiösen Bauern die Partei des Gottesdienstes und der Priester ergreifen würden, wenn auch nur aus Widerspruchsgeist und weil ein berechtigtes, natürliches Gefühl, welches den Grund der Freiheit bildet, sich in jedem Menschen gegen jede ihm aufgezwungene Maßnahme empört — selbst wenn dieselbe die Freiheit bezweckt. Man kann also sicher darauf rechnen, daß, wenn die Städte die Dummheit begehen würden, die Abschaffung des Gottesdienstes und die Vertreibung der Priester zu dekretieren, die Landbewohner, für die Priester Partei nehmend, sich empören und zu einem furchtbaren Werkzeug in den Händen der Reaktion werden würden.

Aber sollen wir denn die Priester und ihre Macht aufrechterhalten? Keineswegs. Wir müssen sie aufs Entschiedenste bekämpfen — nicht nur als die Diener der katholischen Religion, sondern auch weil sie die stärksten Stützen der beklagenswerten kaiserlichen Herrschaft waren, welche Frankreich in den Krieg geführt hat; weil sie das Volk überredet haben, für den Kaiser Napoleon zu stimmen, indem sie ihm unter der Bedingung Frieden und Sicherheit versprachen, und weil sie deshalb Betrüger, Unheilstifter und Verräter sind. (*)

Die Hauptursache, warum alle revolutionären Autoritäten der ganzen Welt so wenige Revolutionen vollbracht haben, ist, daß sie dieselbe immer aus sich selbst heraus, durch ihre eigene Autorität und ihre eigene Macht machen wollten. Das hat immer zwei Sachen zur Folge gehabt. Erstens hat es das Feld der Revolution sehr beschränkt; denn sogar für die weiseste, tatkräftigste, aufrichtigste revolutionäre Autorität ist es unmöglich, viele Fragen und Interessen auf einmal zu umfassen, da jede Diktatur, sowohl eines Einzelnen wie auch einer aus mehr oder weniger offiziellen Personen bestehenden Gruppe, notwendiger Weise sehr beschränkt, sehr blind und ganz unfähig ist, die Tiefen und Breiten des Lebens des Volkes zu ergründen.

Zweitens facht es den Widerstand an, denn jede gesetzlich durchgesetzte Handlung einer offiziellen Macht und Autorität erweckt in den Massen unvermeidlich ein Gefühl der Empörung, der Reaktion.

Was müssen also die Revolutionäre tun, um die Revolution zu verbreiten und zu organisieren? Sie dürfen diese nicht selbst, durch Verordnungen, machen wollen, sie dürfen sie nicht den Massen aufzwingen, aber sie in diesen Massen selbst hervorrufen. Sie dürfen ihnen nicht irgend eine Art von Organisation aufzwingen, sondern indem sie von unten nach oben die selbständige Organisation der Massen erwecken, mit Hilfe ihres persönlichen Einflusses auf die intelligentesten Menschen an jedem Ort darauf hinarbeiten, daß diese Organisation so weit als möglich nach richtigen Grundsätzen aufgebaut wird. Das ganze Geheimnis des Erfolges liegt darin.

Daß diese Arbeit auf riesige Schwierigkeiten stößt, wer kann das bezweifeln? Aber wer glaubt denn, daß die Revolution ein Kinderspiel ist, und daß man sie vollbringen kann ohne unzählige Schwierigkeiten zu besiegen? Die sozialistischen Revolutionäre unserer Tage dürfen nichts oder beinahe nichts von den revolutionären Handlungen der Jakobiner von 1793 nachahmen. Sie wären verloren, wenn sie nach dem Muster früherer Revolutionen arbeiten wollten. Sie müssen ins lebendige Leben hineingreifen, sie müssen alles neu schaffen.

***

Der letzte und hauptsächlichste Vorwuf der städtischen Arbeiter gegen die Bauern ist die Habgier, die grobe Selbstsucht der letzteren, und ihre leidenschaftliche Anhänglichkeit an den Privatbesitz des Grund und Bodens.

Die Arbeiter, die den Bauern dies vorwerfen, sollten sich zuerst fragen: Wer ist denn nicht selbstsüchtig? Wer ist in der heutigen Gesellschaft nicht habgierig in dem Sinne, daß er sich verzweifelt an das Wenige klammert, was er zusammenhäufen konnte und was ihm, in der bestehenden wirtschaftlichen Unordnung und in dieser Gesellschaft, welche kein Mitleid mit denen kennt, die Hungers sterben, sein und seiner Familie Dasein sichert? Die Bauern sind keine Kommunisten, das ist wahr; sie fürchten, sie hassen die "Aufteiler", denn sie haben etwas zu behalten, wenigstens in der Einbildung — und die Einbildung ist eine große Kraft, die man in der Gesellschaft gewöhnlich nicht genügend in Betracht zieht.

Die Arbeiter, deren Mehrzahl nichts besitzt, haben unendlich viel mehr Neigung zum Kommunismus als die Bauern; nichts ist natürlicher: der Kommunismus der einen ist ebenso selbstverständlich wie der Individualismus der anderen — es ist nichts dabei, worauf man stolz sein oder was man verachten könnte. Denn die Einen wie die Anderen sind, mit all ihren Ideen und Leidenschaften das Ergebnis der Verhältnisse, unter denen sie leben. Und dann, sind denn alle Arbeiter Kommunisten?

Es handelt sich also nicht darum, den Bauern zu grollen und sie zu verleumden; es handelt sich darum, eine Richtung des revolutionären Handelns zu finden, welche die Schwierigkeit umgeht, und welche nicht nur verhütet, daß der Individualismus der Bauern sie in die Arme der reaktionären Partei treibt, sondern im Gegenteil diesen Individualismus benutzt, um dadurch der Revolution zum Siege zu verhelfen.

Außer dem Mittel, welches ich hier vorschlage, gibt es noch ein anderes: den Terrorismus der Städte gegen das Land. Ich habe gesagt und widerhole es: jene, die sich eines solchen Mittels bedienten, würden dadurch die Revolution töten, anstatt ihr zum Sieg zu verhelfen; man muß diese alte Waffe des Terrorismus, der vom Staat organisierten Gewalt, welche dem Arsenal des Jakobinismus entlehnt ist, unbedingt aufgeben; sie würde die zehn Millionen französischer Bauern nur in das Lager der Reaktion zurücktreiben.

Glücklicherweise machen die Niederlagen Frankreichs es ihm unmöglich, auch nur für einen Moment an den Terrorismus, die Gewaltherrschaft des revolutionären Staates zu denken. Und ohne dem ist es höchst wahrscheinlich, daß manche Sozialisten, von jakobinischen Vorurteilen durchdrungen, versucht hätten, ihr Programm mit Gewalt durchzusetzen. Sie hätten z.B. eine parlamentarische Nationalversammlung, bestehend aus den Abgeordneten der Städte, zusammengerufen; diese Versammlung hätte versucht, den Kollektivismus durch Verordnungen den Landbewohnern aufzuzwingen; diese hätten sich dagegen empört, und um sie zum Gehorsam zu zwingen, wäre eine riesige bewaffnete Gewalt notwendig gewesen. Diese Armee, welche natürlich der militärischen Disziplin unterworfen wäre, hätte Generale — und wahrscheinlich ehrgeizige — gehabt; — und so hätte sich die ganze Staatsmaschine Stück für Stück wieder aufgebaut. Wenn diese Maschine einmal wieder da ist, wäre bald der Maschinist, der Diktator dazu gekommen. Das ist es, was unvermeidlich geschehen wäre, denn das ist die Logik der Sachen selbst.

Glücklicherweise werden heute die Geschehnisse selbst die Arbeiter dazu zwingen, dieses schlechte System aufzugeben. Sie wären verrückt, wenn sie unter den jetzigen Verhältnissen gegen die Landbewohner Terrorismus gebrauchen wollten. Wenn sich jetzt die letzteren gegen die Städte empörten, wären diese und ganz Frankreich verloren. Die Arbeiter fühlen das, und das erklärt teilweise die große Verstimmtheit und Untätigkeit der Arbeiterbevölkerung in den großen Städten.

In Wirklichkeit sind die Arbeiter heute vollkommen verwirrt und betäubt durch die Neuheit der Lage, in welcher sie sich befinden. Bis jetzt haben sie kaum etwas anderes aus -persönlicher Erfahrung gekannt als ihre eigenen Leiden; alles andere — ihr Ideal, ihre Hoffnungen, ihre politischen und sozialen Zukunftsbilder, ihre praktischen Pläne und Projekte, deren nahe Verwirklichung sie eher erträumten als überdachten — all das haben sie viel mehr aus Büchern geschöpft, aus allgemein verbreiteten und endlos beredeten Theorien, als aus Erwägungen, welche auf die Erfahrungen des Lebens gegründet waren. Sie haben nie ihr tägliches Leben, selbst ihre alltäglichen Erfahrungen beachtet, sich nie daran gewöhnt, ihre Ideale, ihre Gedanken aus diesen zu schöpfen. Ihr Denken hat sich aus einer durch Überlieferung, ohne Kritik, mit vollem Vertrauen angenommenen Theorie genährt, und diese Theorie ist nichts anderes als das politische System der Jakobiner von 1793, welches mehr oder weniger zum Gebrauch der Sozialdemokraten verändert wurde.

Jetzt hat diese Theorie der Revolution Bankrott gemacht, denn ihre Hauptgrundlage, die Staatsmacht, ist zusammengestürzt. Unter den gegenwärtigen Umständen ist die Anwendung der terroristischen Methode, welche die Jakobiner so gern haben, augenscheinlich unmöglich geworden. Und die französischen Arbeiter, die keine andere Methode kennen, verlieren den Kopf. Sie sagen sich ganz richtig, daß es unmöglich ist, einen regelrechten offiziellen gesetzlichen Terrorismus auf die Bourgeoisie auszuüben, oder Zwangsmaßregeln gegen die Bauern anzuwenden; daß es unmöglich ist, den revolutionären Staat zu errichten, einen Wohlfahrtsausschuß für ganz Frankreich einzusetzen, in einem Moment, wo die feindliche Armee nicht an den Grenzen steht, wie in 1792, sondern im Herzen Frankreichs, dicht vor den Toren von Paris.

Sie sehen die ganze offizielle Organisation zusammenstürzen, sie haben keine Hoffnung, eine andere begründen zu können — und diese Revolutionäre können sich außerhalb der öffentlichen Ordnung kein Heil vorstellen; diese Männer des Volkes verstehen nicht die Kraft und das Leben, welche in jener Form der Gesellschaft liegt, die von allen offiziellen Leuten — vom loyalsten Monarchisten bis zum rötesten Sozialdemokraten — die Anarchie genannt wird; sie kreuzen, die Arme und sagen: Wir sind verloren, Frankreich, ist verloren.

Nein, Freunde, es ist nicht verloren, wenn Ihr es nicht selbst verderben wollt, wenn Ihr es retten wollt Ihr wißt, was Ihr dafür zu tun habt: Die Verwaltung, die Regierung, die ganze Staatsmaschine stürzt überall zusammen: hütet euch, darüber zu verzweifeln und sie wieder aufrichten zu wollen! Befreit von diesem ganzen offiziellen Gebäude, wendet euch an das Leben des Volkes, an die Freiheit, und Ihr werdet das Volk retten.

***

Ich komme noch einmal auf die Bauern zurück. Ich habe nie daran geglaubt, daß die Arbeiter, sogar unter den günstigsten Umständen, die Macht haben werden, ihnen den Kollektivismus aufzwingen zu können. Und ich habe es nie gewünscht, denn ich verabscheue jedes aufgezwungene System, weil ich die Freiheit aufrichtig und leidenschaftlich liebe. Diese falsche Idee und diese freiheitstötende Hoffnung ist die Hauptverirrung des autoritären Kommunismus, welcher den Staat braucht, weil er die regelrecht organisierte Gewalt notwendig hat; und darum, weil er den Staat braucht, führt er unvermeidlich zur Wiederaufrichtung des Prinzips der Autorität, und einer privilegierten Klasse von Staatsbeamten. Man kann den Kollektivismus nur Sklaven aufzwingen — und dadurch wird derselbe zum Gegenteil jedes menschlichen Wohles. Bei einem freien Volk wird der Kollektivismus nur ein Ergebnis der lebendigen Kraft der Tatsachen sein. Nicht von oben nach unten, sondern durch eine freiwillige Bewegung von unten herauf wird derselbe entstehen, frei und unvermeidlich, sobald die Verhältnisse des privilegierten Individualismus, der politischen und gerichtlichen Einrichtungen des Staates verschwunden sind.

***

"Dann werden wir den inneren Krieg haben", sagt ihr. "Da das Privateigentum durch keine höhere Autorität mehr gesichert ist und nur durch die eigene Kraft des Besitzers verteidigt werden kann, wird sich ein jeder das Besitztum des anderen aneignen wollen, und die Stärkeren werden die Schwächeren ausplündern."

Nein, habt keine kindische Furcht vor den Gefahren einer Bauernerhebung. Glaubt nicht, daß, obgleich hie und da Ausschreitungen vorkommen mögen, die Bauern, wenn die Gewalt des Staates sie nicht mehr im Zaume hält, einander auffressen werden. Wenn sie im Anfang das versuchen würden, so würden sie sich sehr bald davon überzeugen, daß es einfach unmöglich ist, so weiter zu leben, und dann würden sie sich Mühe geben, sich unter einander zu verständigen, mit einander zu verhandeln, sich zu organisieren. Die Notwendigkeit, sich und ihre Kinder zu ernähren und in Folge dessen das Land auch weiterhin zu bebauen, die Notwendigkeit, ihre Häuser in bewohnbarem Zustande zu erhalten, sich und ihre Familien vor unvorhergesehenen Angriffen zu schützen — all dies würde sie ohne Zweifel dazu zwingen, den Weg der gegenseitigen Verständigung und Hilfe zu betreten.

Und man darf auch nicht glauben, daß in diesen Einrichtungen, welche ohne jede offizielle Bevormundung, einzig durch die Kraft der Tatsachen, zu Stande gekommen sind, die Stärksten, die Reichsten, einen überwiegenden Einfluß ausüben werden. — Der Reichtum der Reichen wird nicht mehr durch gerichtliche Einrichtungen gesichert sein, deshalb wird derselbe auch aufhören, eine Macht zu sein. Die reichen Bauern haben heute nur darum eine große Macht, weil sie durch die Beamten des Staates und den Staat selber geschützt und bevorzugt werden. Wenn ihnen diese Stütze fehlt, wird ihre Macht sofort aufhören. Und was die schlaueren, die stärkeren betrifft, so werden dieselben überwältigt werden durch die vereinte Kraft der Masse, der großen Anzahl von kleinen und sehr kleinen Bauern, so wie auch von den landwirtschaftlichen Arbeitern; einer Masse, welche heute versklavt, zu stummen Leiden verurteilt ist, welcher aber die revolutionäre Bewegung eine unwiderstehliche Macht verleihen wird.

Wohlgemerkt, ich behaupte nicht, daß die Landbezirke, die sich auf diese Art, von unten nach oben, selbständig organisieren, sofort auf einen Schlag eine ideale Organisation schaffen werden, welche in allen Punkten der gleichen wird, die wir erträumen. Aber wovon ich überzeugt bin, ist, daß dieselbe eine lebendige Organisation sein wird; daß sie tausendmal besser sein wird als jene, welche jetzt besteht; und da dieselbe einesteils der aktiven Propaganda der Städte offen steht, andernteils nie durch die schützende Herrschaft des Staates, der Gesetze festgesetzt und sozusagen versteinert werden kann, wird sie frei voran schreiten, und wird sich ins Unendliche entwickeln und vervollkommenen können; sie wird immer lebendig und frei, nie durch Verordnungen oder Gesetze gebunden sein, bis sie endlich einen so vernünftigen Zustand erreichen wird, wie dies in unserer Zeit überhaupt möglich ist.

Die Möglichkeit des eigenen, selbständigen Lebens und Handelns, welche Jahrhunderte lang durch die alles aufsaugende Tätigkeit des Staates unmöglich gemacht wurde, wird so den Kommunen zurückgegeben werden; und so wird natürlich jede Kommune als Ausgangspunkt ihrer neuen Entwickelung den wahren Zustand der Kultur nehmen, in dem sie sich am besten befindet. Und da die Gemeinden von Frankreich und ebenso von ganz Europa auf sehr verschiedenen Kulturstufen stehen, wird diese Entwickelung selbstverständlich sehr verschieden sein. Aber die gegenseitige freie Verständigung, die Eintracht, das Gleichgewicht, welches aus diesen entspringt, wird an die Stelle der erkünstelten Einheit der verschiedenen Staaten treten. Es wird ein neues Leben und eine neue Welt erstehen.

Anmerkung:
*) Diese Bemerkungen beziehen sich auf die Geschehnisse vor dem deutsch-französischen Krieg 1870. Wir dürfen aber nie vergessen, daß nicht nur in diesem besonderen Falle, sondern immer und überall die Kirche und die Priester die stärksten Stützen jeder Herrschaft, Ausbeutung und Unterdrückung sind. Ihre Lehre und Wirksamkeit hat direkt den Zweck, das Volk in Demut und Zufriedenheit mit seinem Elend, in Gehorsam und Unterwürfigkeit vor den Reichen und Herrschenden zu erhalten. Es ist eine unserer ersten und wichtigsten Aufgaben, den religiösen Glauben, die Autorität und das Ansehen der Priester aus dem Inneren der Menschen auszurotten, indem wir sie mit der Natur und überhaupt mit der modernen Wissenschaft bekanntmachen und zu selbständigem Denken anregen. (Anm. d. Red.)

Aus: "Die Freie Generation. Dokumente der Weltanschauung des Anarchismus", 3. Jahrgang, Nr. 1, Juli-August 1908. Digitalisiert von der Anarchistischen Bibliothek und Archiv Wien. Nachbearbeitet (Scanungenauigkeiten entfernt, ae zu ä, That zu Tat usw.) von www.anarchismus.at.


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