Markus Delzer - Die Eroberung des Brotes / Leben und Werk des Peter A. Kropotkin

Inhaltsverzeichnis:
1. Beschreibung des Themas
1.1. Beschränkung des Themas
1.2.Gliederung des Themas
2. Begriffsbestimmung
3. Der Anarchismus - ein Überblick über die politischen Theorien
4. Peter A. Kropotkin - eine Biographie
5. Der anarchistische Kommunismus
5.1. Der Einzelne und das Ideal der Freiheit
5.2. Der Staat
5.3. Das Gesetz
5.4. Die Wirtschaft
5.5. Die Revolution
6. Gesamteinschätzung
6.1. Kropotkins naturwissenschaftliche Annahme
6.2. Kropotkins Gesellschaftsanalyse
6.3. Zur Aktualität der Kropotkin'schen Vorstellung
7. Literaturverzeichnis

1. Beschreibung des Themas

1.1. Beschränkung des Themas

Ziel dieser Arbeit ist es, eine Darstellung der Theorie des kommunistischen Anarchismus zu geben, wie er von Peter Alexejewitsch Kropotkin vertreten wird. Die im Rahmen dieser Ausarbeitung geleistete Darstellung erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sie beschränkt sich auf einige wesentliche Aspekte der Theorie. Unberücksichtigt bleiben dabei viele Aspekte, wie z.B. Peter Kropotkins Ethik oder die Stellung des kommunistischen Anarchismus zum Marxismus und zum Syndikalismus.

Auch auf die Wirkungsgeschichte der politischen Theorie des Peter Kropotkin wird in dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Da es sich bei dieser Arbeit um eine Darstellung des kommunistischen Anarchismus und nicht um eine Kritik dieses politischen Ansatzes handelt, finden auch die umfangreichen Auseinandersetzungen um die "Richtigkeit" bzw. "Haltbarkeit" dieses Ansatzes in der Sekundärliteratur nur am Rande Platz.

Bei der Darstellung der Kropotkinschen Theorie habe ich mich hauptsächlich mit den im Literaturverzeichnis als Quellen ausgezeichneten Schriften Kropotkins auseinandergesetzt.

1.2. Gliederung des Themas

Für das Verständnis des kommunistischen Anarchismus von P. A. Kropotkin halte ich einige vorausgehende Erläuterungen für hilfreich und sinnvoll. Daher findet sich im ersten Teil dieser Arbeit eine Definition des zentralen Begriffes des Anarchismus ,der Anarchie, wie er im folgenden zu verstehen sein wird. Im zweiten Teil der Arbeit liefere ich eine kurze ideengeschichtliche Darstellung der unterschiedlichen Ansätze des Anarchismus. Dies hat das Ziel, die Theorie Kropotkins innerhalb der unterschiedlichen Richtungen des Anarchismus einzuordnen. Die unter Punkt 4. zu findende Biographie Kropotkins soll seinen politischen Werdegang veranschaulichen. Dabei stehen besonders die Ereignisse seines Lebens im Vordergrund, die für seine Hinwendung zum Anarchismus und zum kommunistischen Anarchismus bzw. zum anarchistischen Kommunismus, wie Kropotkin die Theorie selbst benennt [1], von Bedeutung sind. Nicht berücksichtigt dabei werden viele persönlich bzw. familiär bedeutsame Ereignisse. Im letzten Teil der Arbeit stelle ich dann die Theorie des anarchistischen Kommunismus dar.

2. Begriffsbestimmung

Am Anfang einer Arbeit über eine anarchistische Theorie, die als Ziel der politischen Organisation das Ideal der Anarchie propagiert, muß eine Definition des Begriffes der Anarchie stehen, denn sowohl in der staats- und gesellschaftspolitischen Diskussion als auch in der praktisch politischen Anwendung hat der Begriff unterschiedliche Aspekte bzw. Bedeutungen entwickelt, die nebeneinander existieren und in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind.

Das Wort Anarchie leitet sich aus dem griechischen Wort ánarchos (wörtlich: herrschaftslos) her und wird im allgemeinen mit Herrschaftslosigkeit und Gesetzeslosigkeit übersetzt. In den Jahrhunderten vor dem Auftreten des Anarchismus wurde der Begriff der Anarchie zumeist als Synonym für Unordnung, Zügellosigkeit und Chaos benutzt. Dieser Bedeutungsgehalt des Wortes impliziert stets Gewalt und Gesetzlosigkeit. Eine Gesellschaft, in der die Anarchie "herrscht", ist in dieser Denkrichtung ein Kampf jeder gegen jeden, ein Bürgerkriegsszenario.

Die politischen Theorien des Anarchismus definieren den Begriff der Anarchie in einem anderen Sinn. Für sie bedeutet Anarchie nichts anderes als Herrschaftslosigkeit bzw. eine gesellschaftliche Ordnung, die nicht auf den Prinzipien von Herrschaft aufgebaut ist und die auf diese Weise die Freiheit des Einzelnen ermöglicht. Eine treffende Beschreibung dieser anarchistischen Begriffsbestimmung liefert uns Immanuel Kant in seiner Schrift "Anthropologie in pragmatischer Hinsicht", in der er vier verschiedene Kombinationen von Freiheit und Gesetz auf der einen Seite und Gewalt auf der anderen Seite unterscheidet. Anarchie ist demnach "Gesetz und Freiheit ohne Gewalt" [2]. Noch treffender wäre diese Gesellschaftsform beschrieben, wenn der Begriff Gesetz durch Ordnung und der Begriff Gewalt durch Herrschaft ersetzt würden. Als Anarchie wird also im folgenden eine herrschaftslose gesellschaftliche Ordnung verstanden, die auf der Freiheit eines jeden Einzelnen basiert bzw. diese Freiheit erst ermöglicht.

3. Der Anarchismus - ein Überblick über die politischen Theorien

Der Anarchismus als Ganzes ist lediglich ein Sammelbegriff für verschiedene politische Theorien einer bestimmten Ausrichtung. Anders als der Marxismus kennt der Anarchismus kein geschlossenes Lehrsystem. Die Theorien, die unter dem Begriff des Anarchismus gefaßt werden, beinhalten unterschiedliche Positionen und Ansichten sowohl über die gegenwärtige als auch über die für die Zukunft zu erstrebende Gesellschaftsform. Das einende charakteristische Merkmal aller politischen Theorien, die als anarchistisch bezeichnet werden, ist die Ablehnung der Herrschaft des Staates bzw. - positiv gewendet - das Ideal der Anarchie und das primäre Interesse für das Individuum und seine Freiheit. [3]

Als politische Bewegung entwickelt sich der Anarchismus seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit bilden sich zwei Grundformen des Anarchismus heraus, der individualistische und der kollektivistische Anarchismus. Doch auch diese Einteilung der politischen Theorien in zwei Formen bezieht sich nicht auf eine umfassende Übereinstimmung der einzelnen Theorien einer Form. Die Unterscheidung in den individualistischen und den kollektivistischen Anarchismus basiert nur auf dem Ausgangspunkt der Theorien: der Stellung zur Freiheit des Individuums. Die als individualistisch bezeichneten Theorien des Anarchismus sehen die Freiheit des Einzelnen in dem uneingeschränkten Recht des Individuums verwirklicht, das nur seiner eigenen Kontrolle unterliegt, während die als kollektivistisch bezeichneten Theorien die Freiheit des Einzelnen nur in einer Form der Gegenseitigkeit gesichert sehen.

Ein bedeutender Vertreter des individualistischen Anarchismus ist Max Stirner, alias J.C. Schmidt (1806-1856). In seiner Schrift "Der Einzige und sein Eigentum(1845)" vertritt er einen radikalen Individualismus. Nur das Individuum ist real und nur der Dienst am Ich ist werthaft. Staat, Kirche, Recht und Familie sind abzulehnende Formen der Herrschaft des Menschen über den Menschen, auf freiwilliger Basis kann sich der Einzelne mit anderen zu Vereinen zu seinem Vorteil zusammenschließen. [4] Die Richtung des kollektivistischen Anarchismus beginnt mit P.J. Proudhon(1809-1865). Michail Bakunin(1814-1876), einer der bedeutendsten anarchistischen Kämpfer und Theoretiker, hat den kollektivistischen zum revolutionären Anarchismus und Peter Alexejewitsch Kropotkin (1842-1921), Errico Malatesta (1853-1932) u.a. haben ihn zum kommunistischen Anarchismus fortentwickelt.

4. Peter Alexejewitsch Kropotkin - eine Biographie

Fürst Peter Alexejewitsch Kropotkin wurde 1842 als Abkömmling des russischen Königsgeschlechts der Ruriks in Moskau geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Kropotkin in Moskau sowie im Landhaus seines Vaters, eines pensionierten Generals und Großgrundbesitzers. In diesem aristokratischen Milieu lernte Kropotkin während seiner Jugend ganz unmittelbar die Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse im damaligen Rußland kennen. [5] Mit 15 Jahren wurde er auf besonderen Wunsch des Zaren Nikolaus I. in die Pagen-Corps-Schule in Petersburg aufgenommen. In dieser "priviligierten Anstalt, die den Charakter einer mit Sonderrechten ausgestatteten Militärschule und eines an den kaiserlichen Haushalt angeschlossenen Hofinstituts in sich vereinte" [6], erhielt Peter Kropotkin seine Ausbildung. Als einer der besten sechzehn Schüler der letzten Klasse wurde er zum Kammerpagen des Zaren ernannt.

Nach Ablauf seiner Dienstzeit in der Schule konnte Kropotkin, wie für die Absolventen üblich, als Offizier in ein beliebiges Regiment aufgenommen werden. Kropotkin entschied sich im Jahr 1862 für ein in Sibirien stationiertes Kosakenregiment. Da ihm jeder Posten offen stand, war die Wahl, nach Sibirien zu gehen, sehr ungewöhnlich, läßt sich aber aus den wissenschaftlichen Neigungen und der politischen bzw. administrativen Situation in Sibirien erklären. Zum einen war Peter Kropotkin sehr an Geographie und Zoologie interessiert und die weiten, unberührten Flächen Sibiriens, insbesondere der Amurgegend, boten viel Beobachtungs- und Untersuchungsmaterial, zum anderen erhoffte er sich, weit entfernt vom russischen Machtzentrum, "ein ungeheures Arbeitsfeld zur praktischen Durchführung von großen bereits beschlossenen oder noch zu erwartenden Reformen" [7]. In Sibirien war Kropotkin in der Armeeverwaltung tätig und hatte mit militärischen Dingen so gut wie gar nichts zu tun. Als Adjutant des Gouverneurs von Transbaikalien wurde Kropotkin unter anderem mit einer Untersuchung über des Straf- und Verbannungswesens in Sibirien beauftragt. Bei seinen Nachforschungen in Sibirien wurde Kropotkin die erschreckende Brutalität und Unmenschlichkeit des russischen Strafsystems vor Augen geführt. Seine Erwartung, durch seine Arbeit Reformen einleiten und durchführen zu können, erfüllten sich jedoch nicht. [8]

Während seines 5jährigen Aufenthaltes in Sibirien bot sich für Kropotkin oft die Möglichkeit, weite Reisen durch das Land und die Mandschurei zu unternehmen. Mit großem Interesse studierte er die Lebensweisen, Arbeitsformen und Gewohnheiten der dort lebenden Völker und machte interessante geographische und zoologische Beobachtungen. Diese Beobachtungen und seine beruflichen Erfahrungen und Enttäuschungen in der Verwaltung brachten Kropotkin zu der Einsicht, daß es "völlig unmöglich sei für die Masse des Volkes auf dem gewöhnlichen Weg der Verwaltung etwas wirklich Heilsames zu schaffen" [9], und er begann zu erkennen, daß nicht Befehl und Disziplin, sondern der Grundsatz des allgemeinen Verständnisses bzw. Einvernehmens die innere Triebfeder des sozialen Lebens sind. Etwa zur gleichen Zeit kam Kropotkin über den nach Sibirien verbannten polnischen Dichter M.L. Mikhailow zur Lektüre von P. J. Proudhons "Ökonomischen Widersprüchen". Neben diesem ersten Kontakt mit anarchistischer Literatur führte die immer stärker werdende Reaktion des zaristischen Rußland gegen politische Emanzipationsbestrebungen und die fehlende Bereitschaft, notwendige Reformen durchzuführen, dazu, daß Kropotkins Glaube an die Staatsdisziplin immer mehr verlorenging. In seinen Memoiren schreibt Kropotkin dann auch, daß seine Erfahrungen in Sibirien ihn vorbereitet hätten, Anarchist zu werden. [10]

Anfang 1867 legte Kropotkin nach der Erschießung mehrerer polnischer Verbannter [11] seinen Offiziersrang nieder und fing an, an der Universität Petersburg Mathematik und Geographie zu studieren. Den größten Teil seiner Zeit widmete er geographischen Studien. 1871 wurde die Russische Geographische Gesellschaft auf seine Arbeiten und insbesondere auf seine Theorie zur Orographie und Kartographie Nordasiens aufmerksam und entsandte Kropotkin zu Forschungszwecken nach Finnland und Schweden. Durch diese Arbeit für die Russische Geographische Gesellschaft konnte Kropotkin seinen Lebensunterhalt bestreiten, denn nach dem Austritt aus dem Offizierscorps verweigerte sein Vater ihm jegliche finanzielle Unterstützung. In Skandinavien erhielt Kropotkin das Angebot einer festen Forschungsstelle, doch er lehnte sie ab, da er sich entschlossen hatte, seine ganzen Kräfte erst einmal für die Lösung der fundamentalen gesellschaftlichen Probleme Rußlands einzusetzen. Insbesondere die Armut weiter russischer Bevölkerungsteile, die durch die Bauernbefreiung von 1861 und die beginnende Industrialisierung verschärft wurde, und auch die starken politischen Repressionen des Zarenregimes brachten ihn zu diesem Entschluß. [12]

1872 reiste Kropotkin in die Schweiz, wo er Kontakt zu russischen Emigrantengruppen aufnahm. In der Schweiz kam Kropotkin in Kontakt mit verschiedenen Gruppen der sozialistischen Arbeiterbewegung. Besonders angezogen wurde er von den Uhrmachern des Juragebietes, die Teil des von Bakunin beeinflussten anarchistischen Flügels der Internationalen Arbeiter Assoziation waren. Tief beeindruckt von den Ansichten und Arbeitsformen der Uhrmacher schloß er sich diesem Flügel an: "Als ich die Uhrmacher des Jura, nachdem ich 12 Tage unter ihnen geweilt hatte, verließ, standen meine sozialistischen Ansichten fest: Ich war Anarchist!" [13] Noch im gleichen Jahr kehrte Kropotkin nach Petersburg zurück und schloß sich dort dem revolutionären Geheimbund Nikolaus Tschaikowskis an, der als Teil der sozialrevolutionären Narodnaja Wolja Bewegung für einen agrarischen Sozialismus kämpfte. 1874 wurde Peter Kropotkin wegen seiner illegalen Tätigkeit in diesem Geheimbund verhaftet. Zwei Jahre wartete er in der Peter und Pauls Festung auf seinen Prozeß. Als er erkrankte wurde er in ein Militärhospital überführt, aus dem er Mitte 1876 fliehen konnte. Über England reiste er wieder in die Schweiz. Dort lernte er den Anarchisten Elisée Réclus kennen, der ihn sehr beeinflußte und Impulse für sein weiteres Denken gab.

In dieser Zeit reifte Kropotkins Anschauung des kommunistischen Anarchismus und die Vorstellung, daß diese Form des Anarchismus Teil einer natürlichen und sozialen Philosophie ist, die sich auf dem Weg der Durchsetzung befand. 1879 übernahm Kropotkin die Redaktion einer Zeitung des Jurabundes. "Le Revolté" wurde unter seiner Mitarbeit schnell zur einflußreichsten anarchistischen Publikation seit J.P. Proudhons "Le Peuple". 1881 wurde der Zar Alexander II. von einem Mitglied der Narodnaja Wolja Bewegung ermordet. Daraufhin wurde Kropotkin auf Druck des russischen Botschafters aus der Schweiz ausgewiesen. Kropotkin ging nach Frankreich. Dort kam es zu dieser Zeit zu einigen anarchistischen Sprengstoffattentaten, die zu einer großen Zahl von Verhaftungen führten. Im Jahr 1883 wurde auch Peter Kropotkin verhaftet. Er saß bis 1886 im Gefängnis. Nach seiner Entlassung ging er nach England. Mit der Übersiedlung nach England endete seine praktisch-revolutionäre Arbeit, und er begann die theoretische Ausarbeitung seiner politischen Vorstellung des Anarchismus. Die meisten seiner Werke zur wissenschaftlichen Begründung und publizistischen Darstellung des kommunistischen Anarchismus entstanden in seiner Londoner Zeit. Erst 1917, vier Jahre vor seinem Tod, kehrte Kropotkin nach der Oktoberrevolution nach Rußland zurück. Aufgrund seines Werdegangs vom privilegierten Adligen und hervorragenden Geographen zum anarchistischen Kämpfer und Theoretiker und seiner herausragenden praktischen und vor allem theoretischen Revolutionstätigkeit genoß Kropotkin nicht nur innerhalb der anarchistischen Bewegungen bis zu seinem Lebensende großes Ansehen.

5. Der anarchistische Kommunismus

Peter Kropotkin ist einer der bekanntesten Vertreter des kommunistischen Anarchismus, doch er hat ihn nicht "entdeckt". Seine Grundlagen sind schon in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts von Francois Dumartheray, Carlo Cifero, Errico Malatesta beschrieben worden. Jedoch legt Kropotkin das umfassendste Werk innerhalb dieser politischen Richtung vor. Bei der Betrachtung seiner Darstellung des anarchistischen Kommunismus darf aber nicht vergessen werden, daß es sich bei seinen Schriften nicht um die zusammenfassenden Theoreme einer politischen Bewegung handelt, sondern "nur" um Kropotkins Vorstellungen zum kommunistischen Anarchismus, seiner Begründbarkeit, seiner Ausprägung und seiner historischen Rolle.

In seinen Schriften spricht Kropotkin von idealen Organisationsformen einer Gesellschaft, die es für die Menschen zu erreichen gilt, um frei zu sein. Diese Ideale bilden für Kropotkin einen zentralen Bestandteil seiner politischen Vorstellung. Er war der Meinung, daß man nicht einmal eine theoretische Kritik des Bestehenden geben kann, "ohne sich ein mehr oder weniger klares Bild von dem gemacht zu haben, was an die Stelle des Bestehenden treten soll." "Bewußt oder unbewußt schwebt stets ein Ideal, die Vorstellung von etwas besseres dem Geiste eines jeden vor, der die bestehenden sozialen Einrichtungen kritisiert." [14] Für Kropotkin hängt also die Kritik an dem Bestehenden mit der Vorstellung eines anderen, "besseren" Zukünftigen zusammen. So ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn er aus seiner Kritik ein klares und detailliertes Bild einer zukünftigen Gesellschaft entwickelt. Und weil das zukünftige Ideal des anarchistischen Kommunismus sich in Kropotkins Theorie erst in der Auseinandersetzung mit der Kritik und durch die kritische Analyse des Bestehenden herauskristallisiert und verständlich wird, werden in dieser Arbeit Kritik und Ideal zusammen dargestellt. Für das Verständnis der grundlegendsten Aspekte der politischen Theorie Kropotkins - seiner Gesellschaftskritik und seines Gesellschaftsideals - scheint mir die von mir Unterteilung in die Stellung der Theorie des anarchistischen Kommunismus zum Einzelnen und seiner Freiheit, zum Staat, zum Gesetz, zur Wirtschaft und zur Revolution am Sinnvollsten zu sein. [15]

5.1. Der Einzelne und das Ideal der Freiheit

Im Zentrum der anarchistischen Theorie Kropotkins steht das Ideal der Freiheit des Einzelnen. Dieses Ideal im anarchistischen Kommunismus basiert auf einer bestimmten Sichtweise des Einzelnen und in diesem Zusammenhang auf einem bestimmten Menschenbild, das für das Verständnis dieses Ideals und damit auch der gesamten politischen Theorie von grundsätzlicher Bedeutung ist. Kropotkins Menschenbild ist zugleich auch ein Gesellschaftsbild, weil er den Menschen als Einzelwesen immer auch als ein in Gesellschaft lebendes Wesen begreift. [16] Als Einzelwesen hat der Mensch eine Vielzahl von Bedürfnissen, die er mit anderen zu befriedigen sucht. Unter diesen Bedürfnissen versteht Kropotkin aber nicht nur die zur Reproduktion notwendigen materiellen Erfordernisse des Menschen, sondern auch dessen Bedürfnisse nach Entspannung, Muße und Vergnügen. Für ihn ist der Mensch ein Kulturmensch und "keineswegs ein Wesen, welches ausschließlich leben könnte, um zu essen, zu trinken und zu schlafen. Sobald er den materiellen Erfordernissen genügt hat, regen sich in ihm jene Bedürfnisse, die man Bedürfnisse künstlerischer Art nennen könnte, nicht minder heftig." [17] Kropotkins Menschenbild zeigt sich in diesem Punkt als ein sehr individualistisches, hält er doch die Verschiedenartigkeit der Geschmacksrichtungen und der Bedürfnisse für die Hauptgarantie des menschlichen Fortschritts. [18]

Desweiteren begreift Kropotkin den Menschen aber auch als ein sittliches Wesen: "Da der Mensch nicht allein lebt, entwickeln sich in ihm Gefühle und nützliche Gewohnheiten, um die Gesellschaft zu erhalten und seine Rasse zu vermehren. Ohne diese gesellschaftlichen Gefühle, ohne solidarische Betätigung wäre das gemeinschaftliche Leben absolut unmöglich, undenkbar" [19], denn "ein jeder sieht ein, daß ohne Redlichkeit, Selbstachtung, Mitgefühl und gegenseitige Hilfe die Gattung verkommen muß" [20]. Da der Mensch in Gemeinschaft lebt, kann auch die Freiheit des Einzelnen für Kropotkin nur eine mit anderen Menschen zusammenhängende Freiheit, eine in Kollektivität gedachte und durch die Gleichheit aller begründete Freiheit sein und keine individualistische Freiheit eines isolierten Einzeldaseins, das auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen muß. In diesem Sinn definiert Kropotkin die individuelle Freiheit des Einzelnen dann auch als "sein Recht und die Macht, alles zu tun, was ihm gefällt, alle seine Bedürfnisse zu befriedigen, ohne eine andere Begrenzung als die natürlichen Unmöglichkeiten und die Bedürfnisse seines Nachbarn, die ebenfalls zu respektieren sind". [21]

Als Gemeinschaftswesen steht in Kropotkins Theorie der Mensch mit anderen Menschen in vielfältigen Beziehungen. Diese Beziehungen beschränken die individuelle Freiheit des Einzelnen jedoch solange nicht, wie sie auf gegenseitigem Einvernehmen beruhen, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens umschließen können und durch keine gesellschaftlichen Institutionen bzw. "überpersonale" Instanzen behindert werden. [22] Für Kropotkin stellt dieses Einvernehmen das Prinzip der Gegenseitigkeit dar, auf dem das gesamte gesellschaftliche Leben im anarchistischen Kommunismus beruhen wird. [23] In der politischen Theorie des anarchistischen Kommunismus stellt sich die Gegenseitigkeit aber nicht nur als gedankliches Konstrukt, als vernünftige Handlungsmaxime oder als Moralkodex dar, sondern wird von Kropotkin zu einem evolutionären Entwicklungsprinzip erklärt. In seiner Schrift "Gegenseitige Hilfe"(LV 4) verknüpft Kropotkin, auf umfangreiche Untersuchungen über die gegenseitige Hilfe bei Tieren und Menschen gestützt, den anarchistischen Kommunismus mit einer eigenen Entwicklungstheorie. Aufbauend auf den Arbeiten des russischen Zoologen Kessler und im ausdrücklichen Gegensatz zu Charles Darwin bemüht sich Kropotkin nachzuweisen, welch große Bedeutung der Solidarität, der gegenseitigen Hilfe im Kampf der Menschen gegen die Natur zukommt. Bei seinen zoologischen, anthropologischen und geschichtlichen Untersuchungen kommt Kropotkin zu dem Schluß, daß gegenseitige Hilfe, also ein soziales Verhalten sowohl von Tieren als auch von Menschen praktiziert wurde und praktiziert wird und daß dieses Verhalten im Kampf ums Dasein von Vorteil ist. [24]

Die Bedeutung der gegenseitige Hilfe fand Kropotkin in der Geschichte der Menschheit immer dann besonders ausgeprägt, wenn der staatliche Einfluß auf die Menschen besonders gering und die individuelle Freiheit hoch war. [25] Auf dem Hintergrund dieser Erkenntnis faßt er den Entwicklungsfaktor "gegenseitige Hilfe als Element des Fortschritts" [26] auf, d.h. die gesellschaftliche Durchsetzung und Praktizierung des Prinzips der Solidarität bzw. gegenseitige Hilfe bedeutet für Kropotkin Fortschritt, wobei er Fortschritt als Formen des sozialen Lebens definiert, die "einer gegebenen Gesellschaft und weiterhin der Menschheit die größte Summe Glückes" [27] sichern. Für Kropotkin war es eine bewiesene Tatsache, daß sich die Menschheit auf dem Weg dieses Fortschrittes befindet, der letztendlich zur vollständigen Befreiung bzw. Freiheit des einzelnen Menschen führen wird. Das Gesellschaftsideal des anarchistischen Kommunismus entspricht dem von Kropotkin formulierten Ziel des Fortschrittes, nämlich der Freiheit aller, die sich in die ökonomische und politische Freiheit aufgliedert [28], und somit auch dem Entwicklungsziel der Menschheit.

5.2. Der Staat

In der Theorie Kropotkins stellt der Staat ein Hemmnis für den Fortschritt der Menschheit und die Entwicklung der politischen Freiheit dar. [29] Kropotkin weist darauf hin, daß es schon lange bevor Staaten bestanden, Formen des sozialen Lebens gab, daß also Staat nicht notwendige Bedingung zur Organisierung des gemeinschaftlichen Lebens ist. Ganz im Gegenteil verhindert der Staat die Formen des sozialen Lebens, die auf Gleichheit, Freiheit, Solidarität und Eigeninitiative beruhen und die somit die fortschrittlichsten Formen seien: "Wir sehen in ihm (den Staat) eine Einrichtung, die im Laufe der Geschichte der menschlichen Gesellschaften entwickelt wurde, um die Anknüpfung von Verbindungen zwischen den Menschen zu hindern, um die Entfaltung der lokalen und individuellen Initiative zu hemmen, um bestehende Freiheiten zu zermalmen und um das Aufkeimen neuer zu verhindern." [30]

In seiner Kritik der neuzeitlichen Staaten, deren Entstehung Kropotkin im 16. Jahrhundert ansetzt, beschreibt er diese Staaten als die "Bildung jener Versicherung auf Gegenseitigkeit zwischen der Militär-, Gerichts-, Grundherrn-, und Kapitalautorität" [31], die "zu dem Zwecke geschlossen ist, einander die Herrschaft über das Volk und eine überlegene wirtschaftliche Position auf deren Kosten zu sichern" [32]. Die Existenz der neuzeitlichen Staaten sieht Kropotkin eng mit der Existenz des Kapitalismus verbunden, so beschreibt er den Staat als Förderer, Stütze sowie als direkten oder indirekten Schöpfer des Kapitals [33], der durch seine Macht die Ungleichheit und Ausbeutung innerhalb der bestehenden Gesellschaft zu schaffen hilft und legitimiert. [34] Kropotkins scharfe Kritik an diesen Funktionen des Staates, die nur den Herrschenden dienen und der Masse des Volkes Elend, Abhängigkeit und Unfreiheit bescheren, ist begleitet von der Überzeugung, daß der Staat in Kürze verschwinden und die Gesellschaft durch die herrschaftsfreie, sprich anarchistische Gesellschaft ersetzt wird. [35] Für dieses Ende des Staates sieht Kropotkin in den damaligen Gesellschaften vielfältige Tendenzen [36], so daß er zu dem Schluß kommt, daß die Völker danach trachten "seine Gewalt zu zerstören, die lediglich ihre Entwicklung hemmt, sie wollen die Selbständigkeit der Provinzen, Gemeinden und Arbeitsgruppen, wollen sich keiner Herrschaft fügen, sondern sich frei miteinander verbinden." [37]

Die auf Selbständigkeit beruhende freiwillige Verbindung, die in Kropotkins Theorie als freie Vereinbarung bezeichnet wird, ist schon innerhalb der bestehenden Staates zu einer wichtigen Form der Organisation gemeinschaftlichen Handelns geworden (z.B. Eisenbahngesellschaften, Rettungsgesellschaften für Schiffbrüchige, Rotes Kreuz, etc.). [38] Mit der Durchsetzung des anarchistischen Kommunismus wird diese freie Vereinbarung zur Grundlage der gesamten Organisation des sozialen Lebens und beinhaltet die politische Freiheit. Aufbauend auf vielfältigen Verbindungen zwischen Ortsgemeinden/Kommunen (territorial bestimmte Einheiten), die sich in Werksgemeinden (Gruppierungen aufgrund sozio-ökonomischer Faktoren) und Wahlgemeinden (durch persönliche Affinität gegründete Einheiten) [39] aufteilen, wird sich die Gesellschaft in "freier Gliederung vom Einfachen zum Zusammengesetzten" entwickeln [40]. So wird jede "Gruppe der Kommune notwendigerweise zu gleichartigen Gruppen anderer Kommunen enge Beziehungen unterhalten und sich mit ihnen föderieren. (...) Diese Gruppenverbindung wird also eine Interessenskommune bilden, deren Mitglieder über Tausende von Städten und Dörfern verstreut sind" [41]. Die Interessenskommunen oder Föderationen besitzen gegenüber den einzelnen Kommunen bzw. einzelnen Gruppen einer Kommune keine Herrschaftsbefugnisse, Kropotkin versteht sie lediglich als Einrichtungen, die auf dem Wege der freien Vereinbarung, des gegenseitigen Einvernehmens im Sinne der in Punkt 5.1. beschriebenen "Gegenseitigen Hilfe" mehrerer Gruppen und nicht durch den Mehrheitsbeschluß einiger Delegierter notwendige und sinnvolle Entscheidungen für die Gemeinschaft treffen werden. [42]

Das auf der freien Vereinbarung basierende "Anarchie-Ideal" der anarchistisch-kommunistischen Gesellschaftsordnung faßt Heinz Hug treffend zusammen als ein "amorphes Nebeneinander verschiedenster Gruppen, die es dem Individuum erlaubt, seinen Platz im vielfältig geknüpften sozialen Netz zu finden und zwar nicht im Sinne einer Einordnung bzw. Unterordnung in staatlichen Institutionen oder einer mit hoher sozialen Kontrolle ausgestatteten Großfamilie." [43] Die Kommune, die Kropotkin auch als Gruppierung von Gleichgesinnten beschreibt ist "organischer" Ausgangspunkt der neuen Gesellschaft. Als Summe aller Gleichgesinnten eines Gebietes steht sie mit jedem einzelnen Mitglied der Kommune in einem imaginären Vertragsverhältnis, das den einzelnen Menschen Pflichten gegenüber der Gemeinschaft übernehmen läßt (eine bestimmte Zeit in frei wählbaren Werksgemeinden für die Reproduktion der Gesellschaft zu arbeiten) und die Gemeinschaft für ihre einzelnen Mitglieder zu gewissen Leistungen verpflichtet (Anspruch auf Waren zur Befriedigung der Bedürfnisse nach Essen, Schlafen, Wohnen, Kultur, etc.). [44] Diese Selbstverpflichtung zur Arbeit als Grundlage für die Güterbereitstellung zur materiellen Bedürfnisbefriedigung wird in der anarchistisch-kommunistischen Gesellschaft auf der allgemeinen Einsicht der Notwendigkeit einer produktiven Arbeit zum Erhalt für den Fortbestand der Gemeinschaft beruhen. [45]

5.3. Das Gesetz

Mit der Einführung des anarchistischen Kommunismus wird mit dem Staat auch das Gesetz verschwinden, da es einer freien und gerechten Gesellschaftsordnung hinderlich ist. [46] Für Kropotkin stellt das geschriebene Gesetz das Machtmittel dar, mit welchem der Staat die Bevölkerung unterdrückt, so hat das Gesetz nur "eine Mission, die Aufrechterhaltung der Privilegien der Machthaber über das Volk." [47] In seiner Kritik an der Gesamtheit des geschriebenen Rechts unterscheidet Kropotkin zwischen drei Gruppen von Gesetzen, die Gesetze zum Schutz des Eigentums, die Gesetze zum Schutz der Regierung und die Gesetze zum Schutz der Person, die er allesamt ablehnt. Die Gesetze zum Schutz des Eigentums verwirft Kropotkin für die anarchistische Gesellschaft, weil sie die Ungleichverteilung von Produktionsmitteln und Waren einer Gesellschaft legitimieren und die durch Ausbeutung des Menschen durch den Menschen entstandenen Reichtümer zum unberührbaren Eigentum weniger erklären. [48] Die Gesetze zum Schutz der Regierung, die er ebenfalls ablehnt, sind dafür geschaffen worden, die bestehenden ungerechten Herrschafts- und Besitzverhältnisse zu erhalten [49], wobei es für Kropotkin unerheblich ist, welche Organisationsform ein Staat hat. Auch die Gesetze zum Schutz der Person lehnt Kropotkin ab. Er hält diese Gesetze in einer Gesellschaft für entbehrlich, da sie eine moralische, ethische Haltung des Menschen erzwingen wollen, für die es seiner Meinung nach keines Zwanges bedarf, da diese Haltungen durch das gesellige Zusammenleben der Menschen natürlicherweise entstehen. [50] Die Menschen an sich entwickeln nach Kropotkin, insofern sie nicht durch staatliche Organisationen verdorben sind, nicht notwendiger Weise Verhaltensweisen, die für das Zusammenleben der Gemeinschaft schädlich sind.

Für Kropotkin ist das geschriebene Gesetz als Ganzes in diesem Sinne eine "geschickte Mischung aus solchen Gewohnheiten, die der Gesellschaft nützlich sind und auch ohne Gesetz befolgt werden würden und anderen, die für die herrschende Minderheit von Vorteil, den Massen aber schädlich und nur durch Furcht und Schrecken aufrechtzuerhalten sind." [51] In der Gesellschaft des anarchistischen Kommunismus wird es dann auch kein geschriebenes Recht geben. Anstelle des geschriebenen Rechts wird die anarchistisch-kommunistische Gesellschaft durch ungeschriebene Gewohnheiten, d.h. durch Gewohnheitsrecht geordnet sein. Das gesamte soziale Leben wird mittels des Gewohnheitsrecht, das aus "denjenigen Gefühlen und Betätigungen der Brüderlichkeit und Solidarität besteht, die unausbleibliche Folge des gesellschaftlichen Zusammenlebens" sind (siehe Punkt 5.1.), geregelt. Dieses Gewohnheitsrecht wird genügen, um "das gute Einvernehmen aufrechtzuerhalten." [52] Eine Gesellschaft die so organisiert ist, hat erkannt, daß sogenannte "Verbrecher" Unglückliche sind und nicht durch Gesetze und autoritäre Strafen, wie Gefängnis, Züchtigung oder Hinrichtung zu bessern sind, sondern einzig und allein "durch brüderliche Pflege, menschenwürdige Behandlung und einen lebhaften geselligen Verkehr mit rechtschaffenden Leuten." [53]

Unter der Voraussetzung, daß die politische und ökonomischen Ordnung im Sinne des anarchistischen Kommunismus organisiert ist, wird es überhaupt nur noch sehr wenige Verbrechen geben, da deren Hauptursachen, die von Gesetz und Autorität geschützten auf Ausbeutung und Unterdrückung angelegte ungerechte Eigentumsordnung und politische Herrschaft, verschwinden werden. [54] "Darum lehrt der Anarchismus: Eine freie und gerechte Gesellschaft kann nur dort sein und entstehen, wo es keine Gesetze und keine Richter mehr gibt! Die Freiheit, die Gleichheit und die Ausübung der Solidarität sind die einzig wirksamen Schutzwehren, welche wir den antisozialen Instinkten Einzelner innerhalb der Gesellschaft entgegenstellen können." [55]

5.4. Die Wirtschaft

In Kropotkins Theorie des anarchistischen Kommunismus umfaßt die Durchsetzung der Freiheit des Einzelnen als Voraussetzung für eine freie und gerechte Gesellschaft neben der politischen auch die ökonomische Freiheit, daher ist es sinnlos "von Freiheit zu sprechen, solange wirtschaftliche Sklaverei besteht". [56]

Der Kapitalismus der bürgerlichen Staaten Europas steht für Kropotkin für diese Sklaverei. Das Wesen des Kapitalismus besteht darin, für Wenige Reichtum und für die große Masse Armut zu schaffen. [57] Die private Aneignung von Produktionsmitteln und Gütern in den Händen Weniger führt nach Kropotkin dazu, daß nicht das produziert wird, was für die Masse notwendig wäre. Diese Produktionsweise ist ein charakteristischer Wesenszug des Kapitalismus und in diesem System nicht reformierbar. Zwangsweise richte sich die Industrie jetzt und weiterhin nicht danach, die Bedürfnisse aller zu befriedigen, sondern danach, was in einem gegebenen Augenblicke einigen Wenigen die größten momentanen Überschüsse bringt. In diesem Wirtschaftssystem muß also zwangsläufig der Reichtum der einen auf der Armut der anderen begründet sein. Die in allen europäischen Staaten des 19. Jahrhunderts zu beobachtende Armut und Unterdrückung weiter Bevölkerungsteile sind somit kein korrigierbarer Fehler des kapitalistischen Systems, sondern seine Grundlage, denn es muß in diesem System genug Menschen geben, die sich für einen Teil dessen verkaufen, was sie fähig sind zu produzieren. In Abgrenzung zu den Marxisten sieht Kropotkin die Übelstände in den kapitalistischen Gesellschaften weniger in der Tatsache begründet, daß der Kapitalist sich den Mehrwert aneignet, sondern vielmehr darin, daß dieser Mehrwert überhaupt möglich ist. Für Kropotkin besteht die Möglichkeit der Aneignung des Mehrwerts/Reingewinns nur, "weil Millionen von Menschen sich buchstäblich nicht ernähren können", ohne ihre Kräfte oder ihre Intelligenz zu einem Preis zu verkaufen, der einen Mehrwert erst möglich macht. [58] Kropotkin geht in seiner Theorie davon aus, daß das Wirtschaftssystem des Kapitalismus in naher Zukunft aufhören wird zu existieren [59] und ersetzt wird durch eine Tendenz, die er schon in den damaligen Gesellschaften Europas beobachtete. Diese Tendenz beschreibt Kropotkin als die Unabhängigmachung der menschlichen Bedürfnisse von der Größe der Dienste, welche der Mensch der Gesellschaft geleistet hat oder leisten wird. [60]

In der anarchistisch-kommunistischen Gesellschaft wird diese Tendenz zum gesellschaftlichen Prinzip und kulminiert in der kommunistischen Formel "Jeder nach seinen Bedürfnissen" oder nach Kropotkin "Wohlstand für Alle" [61]. Dieser "Wohlstand für Alle" ist für Kropotkin keine Utopie, sondern in den europäischen Gesellschaften seiner Zeit erreichbar. Mit der modernen Technologie und den auf ihr basierenden Produktivkräften der Menschheit sind die materiellen Voraussetzung für eine ungeheurer Steigerung des allgemeinen Wohlstandes gegeben. [62] Grundbedingung dieses allgemeinen Wohlstandes ist die Abschaffung des Privateigentums und somit des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Kropotkin versteht alle materiellen Werte einer Gesellschaft als aus der Kollektivarbeit aller entstanden [63] und somit als ein Allen überkommenes Erbe [64]. Er fordert daher, daß der individuelle Besitz/das Privateigentum verschwinden muß und daß die Produktionsmittel als Kollektivprodukt der Menschheit wieder in Kollektivbesitz der Menschheit gelangen müssen, damit sie zu Gunsten Aller eingesetzt werden können. Im anarchistischen Kommunismus beschränkt sich das Gemeineigentum nicht nur auf die Produktionsmittel, sondern umfaßt alle Dinge, auch die produzierten Waren und Güter. Die Gesellschaft beruht auf dem Prinzip: Alles soll Allen gehören! [65]

Mit der Überführung aller materiellen Werte in Gemeineigentum wird auch das Lohnsystem abgeschafft werden. Eine Entlohnung der geleisteten Arbeit findet im anarchistischen Kommunismus weder nach qualitativer noch quantitativer Bemessung statt. [66] Die Grundlage der Wirtschaftsordnung ist nicht mehr die vom Einzelnen erbrachte Leistung, sondern das Bedürfnis des Einzelnen nach Nahrung, Wohnung, Kleidung, Kulturleistungen, etc... . Erst in dieser freien Gesellschaft, in der jeder das Recht auf Wohlstand unabhängig von seiner Leistung hat, "kann die Arbeit nicht mehr als ein fluchwürdiges Los betrachtet werden" [67]. Eine so organisierte Gesellschaft wird "freiwillig eine unendlich bessere und höhere Arbeitsleistung zu Tage fördern(...), als man bisher unter dem Stachel der Sklaverei, der Leibeigenschaft und des Lohnsystems erreicht hat" [68] und somit weiter zum Anstieg des allgemeinen Wohlstandes beitragen.

Für die Schaffung dieses Wohlstandes genügt es nach Kropotkin, daß ein jeder eine geringe Zeit für die Grundbedürfnisse arbeitet, um den ihren entsprechenden Teil des Gesamtproduktes zu erhalten. In seinem Buch "Die Eroberung des Brotes" geht Kropotkin nach einer Analyse des Gesamtbedarfes an einzelnen Gütern, den zur Verfügung stehenden Produktionsmitteln und Arbeitskräften [69] von einer durchschnittlichen Arbeitszeit von ca. 5 Stunden aus, um alle zur Reproduktion notwendigen Güter und Waren zu produzieren. Die Abschaffung des Privateigentums und des Lohnsystems, sowie die Orientierung der Produktion an den Bedürfnissen der Menschen kann sich in Kropotkins Theorie nur in einer dezentralen Neugestaltung der Wirtschaft verwirklichen lassen. Die neuen Wirtschaftszentren werden die Kommunen darstellen, die föderiert mit anderen Kommunen ein Wirtschaftsnetz aufbauen werden, das jedem Einzelnen die Bedürfnisbefriedigung sichern und damit die ökonomische Befreiung der Menschen verwirklichen wird.

Das Ziel des anarchistischen Kommunismus ist es aber nicht nur die materiellen Bedürfnisse eines Jeden zu befriedigen. Neben der Notwendigkeit zur Produktion zum Erhalt der Gesellschaft bzw. zum "Wohlstand für Alle" kommt in Kropotkins Theorie der Mußezeit eine zentrale Bedeutung zu. Während in den bestehenden Gesellschaften der Großteil der Menschheit, seine ganze Zeit und Arbeitskraft einsetzen muß, um überleben zu können und "niemals in die Lage kommt, an jenen hohen Genüssen - den höchsten, welche dem Menschen zugänglich sind - teilzunehmen, jenen Genüssen, welche die Wissenschaft und namentlich die wissenschaftliche Entdeckung, die Kunst und namentlich das künstlerische Schaffen gewähren" [70], wird in der anarchistisch-kommunistischen Gesellschaft jedem die Möglichkeit dieser Freuden gegeben sein. Denn da für die Produktion der Existenzmittel nur ein halber Arbeitstag nötig sein wird, bleibt einem jeden genug Mußezeit "seine geistigen Fähigkeiten zu entwickeln" [71]. Für die Befriedigung der geistigen und künstlerischen Bedürfnisse werden sich Gruppen bzw. Gesellschaften von Gleichgesinnten bilden (Wahlgemeinden, z.B. für die Astronomie (auch zum Bau von Teleskopen), für die Schriftstellerei (auch zur Herstellung von Büchern), für die Musik (auch zur Herstellung von Instrumenten, etc.) [72] und "tausend Gesellschaften werden entstehen, entsprechend ebenso vielen Geschmacksrichtungen und allen denkbaren Bedürfnissen." [73] Die Möglichkeit eines Jeden, die individuellen Neigungen zu befriedigen, ist integraler Bestandteil der anarchistischen Gesellschaft und macht für Kropotkin das Leben erst lebenswert. [74]

5.5. Die Revolution

In Kropotkins späten Schriften ist immer deutlicher zu erkennen, daß er die gesellschaftliche Entwicklung der europäischen Staaten dahingehend interpretiert, daß das gesellschaftliche Organisationsprinzip des anarchistischen Kommunismus - die freie Vereinbarung - schon in diesen Staaten immer mehr an die Stelle von Gesetz und Zwang tritt. [75] Dennoch wird sich der Anarchismus nicht evolutionär aus den bestehenden Staaten entwickeln.

Das Studium der ökonomischen und politischen Lage führt Kropotkin zu der Überzeugung, daß "Europa schnell einer Revolution entgegenschreitet" [76]. Diese Revolution [77] wird sich nicht auf ein Land beschränken und sie wird "nicht nur eine politische, sondern vor allem eine ökonomische Revolution sein" [78]. Nach Kropotkin kann das anarchistische Ziel - die Abschaffung des Staates - nur gelingen, wenn die ökonomischen Verhältnisse völlig umgewälzt werden. Er geht dabei davon aus, daß mit den modernen Technologien und den auf ihr basierenden Produktivkräften der Menschheit, die materiellen Voraussetzungen für eine ungeheure Steigerung des allgemeinen Wohlstandes gegeben seien, dem nur noch die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse im Wege ständen. Als notwendige Vorbedingung für einen möglichen "Wohlstand für Alle" ist somit die Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln sowie an Grund und Boden unerläßlich: "Dies bedingt die Expropriation. Wohlstand für Alle ist das Ziel, die Expropriation das Mittel." [79] Diese Enteignung ist für Kropotkin nur in einer Revolution denkbar, die er von Arbeitern der Stadt und des Landes getragen sieht. Ebenso wie die Revolution von diesen Arbeitern durchgeführt wird, so muß und wird auch die Enteignung von den Arbeitern selbst vollzogen werden, denn "es wäre ein großer Irrtum zu hoffen, daß irgendeine Regierung diese Enteignung durchführen wird, denn die Geschichte lehrt uns, daß die Regierungen, selbst wenn sie aus einer Revolution hervorgegangen sind, stets nur bereits vollzogene revolutionäre Tatsachen legalisieren." [80] Nach der Abschaffung des Staates als Schutz vor dem Entstehen neuer Herrschaft hält Kropotkin "Die Eroberung des Brotes" für das vordringlichste Ziel der ersten Revolutionszeit.

"Die Eroberung des Brotes", also die Übernahme der Produktionsmittel und insbesondere auch der lebensnotwendigen Güter durch das Volk stellt die sicherste Garantie für die materielle Unabhängigkeit breiter Bevölkerungsschichten dar, die das "Aushungern" der Revolution durch die Reaktion auf der einen Seite und das Wiedererstehen von Herrschaft auf der anderen Seite verhindern werde. [81] Die materielle Unabhängigkeit bzw. die Versorgung mit allen lebensnotwendigen Gütern, d.h. der vollständige Bruch mit der alten Wirtschaftsordnung ist die Voraussetzung dafür, daß sich in der Gesellschaft eine neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Organisationsform und Austauschweise herausbildet. Diese werden nach Kropotkin den Vorstellungen des anarchistischen Kommunismus entsprechen, da diese "den Erfordernissen des Lebens und den Erwartungen des Volkes und der gegenseitigen Beziehungen entsprechen". [82] Die materielle Absicherung der Bevölkerung ist für Kropotkin das erste Ziel der Revolution, doch nicht ihr höchstes, das er in der Mußezeit sieht, in der Zeit also, die jedem Einzelnen gegeben sein muß, seinen individuellen Neigungen, geistigen und künstlerischen Bedürfnissen nachzugehen. [83] Damit sich aber die Revolution überhaupt in diesem Sinne vollzieht, bedarf es der Propagandatätigkeit. Kropotkin sieht es als wichtigste Aufgabe aller anarchistischer Kommunisten und ihrer Organisationen an, die Menschen auf die bevorstehende Revolution vorzubereiten. Es gilt das Ziel der Revolution bekannt zu machen: "In Wort und Tat ist es zu verkünden, bis es durchaus volkstümlich wird, so daß es am Tage der Erhebung in aller Munde ist." [84] An diesem Punkt schließt sich dann auch wieder der Kreis zu Kropotkins eigener theoretischer Tätigkeit. Denn erst die von ihm geleistete Darstellung der anarchistisch-kommunistischen Gesellschaft, ihrer Organisationsprinzipien, Voraussetzungen und Grundlagen beschreibt das in der Propaganda zu verbreitende Ziel der Revolution und macht so eine Revolution im Sinne bzw. in der Ausformung Kropotkins überhaupt erst möglich.

6. Gesamteinschätzung

Bei der abschließenden Beurteilung der Kropotkin'schen Theorie des anarchistischen Kommunismus werde ich mich auf drei ausgewählte Bereiche beschränken. An erster Stelle steht die Kritik des Versuches, seiner politischen Theorie eine naturwissenschaftliche Begründung zu geben. Als zweites wird die Gesellschaftsanalyse, die Kropotkin in seinen Werken vornimmt, einer Kritik unterzogen. Als letztes geht es um die Aktualität der politischen Aussagen Kropotkins außerhalb ihres historischen Kontextes.

6.1. Kropotkins naturwissenschaftliche Annahme

Die anarchistische Theorie Kropotkins zeichnet sich vor allem durch den Versuch aus, den Anarchismus durch eine naturwissenschaftliche Basis abzustützen bzw. zu begründen. Mit diesem Versuch leistet Kropotkin in der anarchistischen Bewegung Pionierarbeit. Vor ihm stützen sich anarchistische Theorien ausschließlich auf philosophisch-moralische Ideale. Bei seiner Beweisführung für den Nachweis eines evolutionär-dominanten Entwicklungsgesetzes der gegenseitigen Hilfe setzt Kropotkin in seinem Werk "Gegenseitige Hilfe" vor allem auf Hypothesen, die er anhand von ausgewählten Beispielen zu beweisen sucht, anstatt ein umfassendes theoretisches Modell zu liefern. In diesem Zusammenhang ist Kropotkin eine sehr selektive Auswahl von Beispielen aus der menschlichen Geschichte vorzuwerfen, so wären ebenso viele Beispiele anführbar, die anstelle eines solidarischen Verhaltens der Menschen, wie es Kropotkin zeigt, absolut Gegenteiliges vorführen würden. Dennoch sind die von Kropotkin angeführten Beispiele zur Abstützung seiner Hypothese - insbesondere in der Tierwelt - in sich plausibel und bedeutungsvoll.

Auch wenn Kropotkin letztlich nicht die Dominanz der gegenseitigen Hilfe in der Natur nachweist, zeigt er deutlich auf, daß sich die Natur nicht nur nach dem Darwin'schen Entwicklungsgesetzes des Kampfes ums Dasein richtet. In Kropotkins Entwicklungstheorie setzt sich die Kette der Beweisführung für einen Sozialtrieb bzw. ein Entwicklungsgesetz der gegenseitigen Hilfe bruchlos vom Tier auf den Menschen fort. Vernachlässigt werden dabei die Unterschiede zwischen Mensch und Tier. Kropotkin scheint es zu genügen festzustellen, daß es sich auch beim Menschen um ein Lebewesen handele und daß er somit den gleichen Entwicklungsgesetzen wie ein Tier unterworfen sei. Er berücksichtigt dabei jedoch nicht, daß der Mensch im Gegensatz zum Tier die Möglichkeit besitzt, sich von seinen Instinkten und von seiner naturgesetzlichen Determiniertheit zu emanzipieren. Doch auch wenn Kropotkin in seiner Theorie die Annahme der Kontinuität des Entwicklungsgesetzes der gegenseitigen Hilfe im Übergang vom Tier zum Mensch nicht erläutert und seine Theorie somit leicht angreifbar wird, kann die grundlegende Aussage trotzdem zutreffend sein. Auf jeden Fall stellt sie die herkömmliche Sicht des tierischen und menschlichen Lebens bzw. der tierischen Evolution auf den Kopf. Mit Kropotkins Darlegung, daß neben dem Überleben der Geeignetsten ein zweites evolutionäres Prinzip existiert, wird die Darwin'sche Theorie bzw. ihr heutiges Verständnis zumindest kritisch hinterfragt. Und dies auch wenn die wissenschaftliche Begründung des Kropotkin'schen Ansatzes einige Fragen offen läßt und im Ganzen betrachtet nicht stichhaltig ist.

6.2. Kropotkins Gesellschaftsanalyse

In seinen Arbeiten beschränkt sich Kropotkin nicht darauf, sein politisches Ideal und dessen wissenschaftliche Herleitung darzustellen. Ein integraler Bestandteil seiner politischen Theorie ist auch die Gesellschaftskritik. Die Kritik des Bestehenden hängt für Kropotkin mit der Vorstellung eines anderen "besseren" Zukünftigen eng zusammen. Ohne diese Gegenüberstellung mit dem, was kritikwürdig erscheint, verlöre Kropotkins Werk bzw. sein politisches Ideal seinen emanzipatorischen Impetus, der gerade in seinen Werken besonders ausgeprägt ist. Leidenschaftlich deckt Kropotkin die Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Unterdrückung in den Gesellschaftsformen seiner Zeit auf und entwirft aus der Ablehnung dieser Formen ein freiheitliches Gegenbild.

Im Zentrum seiner Kritik steht die Unterdrückung des Menschen bzw. die Unterdrückung der Freiheit durch den Staat und die von ihm geschaffenen Institutionen, worunter er auch die Wirtschaftsweise faßt. Bei dieser Kritik verbleibt Kropotkin oftmals an der Oberfläche der Dinge, es scheint ihm zu genügen festzustellen, daß etwas der Entwicklung der Freiheit entgegensteht und somit abgeschafft werden muß. Ist dies gezeigt, erübrigt es sich scheinbar, z.B. nach Ursache und Wirkung oder nach der hinter einem kritisierten Phänomen liegenden Struktur zu fragen. Dadurch bleiben die Zusammenhänge seiner Gesellschaftskritik oftmals unklar. Daß Kropotkin sich vielleicht zu sehr an einzelne Phänomene klammert und aus diesen Allgemeingültiges ableitet, anstelle mehr auf die Zusammenhänge und inneren Verknüpfungen der einzelnen Phänomene einzugehen, ist wohl ein Grund dafür, daß er aus seiner Analyse oftmals falsche Schlüsse für die nahende Zukunft gezogen hat.

Beispielsweise ist seine Vermutung eines raschen Durchsetzens des Triebes zur gegenseitigen Hilfe bei den Menschen einigen interessanten Beispielen solidarischer Organisierung aus bürgerlich-kapitalistischen Staaten geschuldet, die er jedoch in ihrer allgemeinen Bedeutung für das ganze System des Staates weit überschätzt, indem er sie quasi zu Vorboten der Freiheit erklärt. [85] Ebenfalls falsch war Kropotkins Einschätzung, daß die bürgerlichen Staaten Europas Ende des 19. Jahrhunderts schnell einer Revolution entgegenschreiten würden. Mit dieser Einschätzung steht Kropotkin in der Arbeiterbewegung [86] jedoch nicht allein. Die Prophetie eines baldigen Endes des bürgerlich-kapitalistischen Systems durchzieht diese von ihren Anfängen an. Die Tatsache, daß Kropotkin die Zeichen der Zeit falsch interpretiert hat, ist sicherlich auch zu einem Teil auf seinen Fortschrittsoptimismus zurückzuführen, der alle seine politischen Aussagen durchzieht. Diesem Optimismus wohnt oftmals ein psychologisches Moment inne, den ich als Mobilisierungsfaktor kennzeichnen möchte. Die positiven "Überdeutungen" der gesellschaftlichen Entwicklungen sind notwendige Motivationsschübe sowohl für die eigene Einsatz- bzw. Leistungsfähigkeit als auch für die durch die Aussicht eines baldigen gesellschaftlichen Wandels besser zu agitierenden Menschen. Trotz Kropotkins Fehleinschätzung über den Zeitpunkt der Erreichbarkeit seines politischen Ideals, muß nicht auch die Theorie seiner anarchistisch-kommunistischen Gesellschaft von Fehleinschätzungen getragen sein. Auf jeden Fall können die Fehleinschätzungen kein Argument gegen diese Gesellschaft sein.

6.3. Zur Aktualität der Kropotkin'schen Vorstellung

Bei der kritischen Bearbeitung einer politischen Theorie ergibt sich immer auch die Frage nach der Aktualität der politischen Vorstellungen außerhalb des historischen Kontextes. Auf Kropotkins Theorie angewandt bedeutet das, was von dem politischen Ideal des anarchistischen Kommunismus heute noch bedeutsam ist.

Kropotkins Schriften sind auch heute noch Zeugnisse eines großen sozialphilosophischen Denkers und dies selbst dann, wenn seine Theorie der gegenseitigen Hilfe wissenschaftlich -in der Art und Weise wie Kropotkin es aufzeigt- letztlich nicht haltbar ist. Seine Aussagen über die Solidarität würden dann von einem naturgesetzlich-determinierten Potential des Menschen zu einer ethischen Forderung an die Menschen generieren, dabei jedoch nichts von ihrer revolutionären Energie verlieren.

Bei der Rezeption der Kropotkin'schen Schriften erscheinen heute sicherlich das eindringliche Verdeutlichen der Notwendigkeit solidarischen Verhaltens in der Entwicklung zu besseren bzw. befriedigenderen Lebensverhältnissen und die unnachgiebige Einforderung dieses Verhaltens als die größten Verdienste Kropotkins. Seine Analyse, daß das System der Ungerechtigkeit der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften auf einer ethisch-moralischen Insuffizienz aufbaut, kann bei der Betrachtung heutiger Gesellschaften nur bestätigt werden.

Doch auch heute ist es nicht anzunehmen, daß in naher Zukunft durch einen revolutionären Akt die bestehende Gesellschaft in die solidarische Ordnung des anarchistischen Kommunismus umgeformt wird. Das bedeutet aber nicht, daß Solidarität nicht trotzdem unbedingt notwendig ist - angesichts z.B. von einer rasant ansteigenden Armut in den Industrienationen oder der katastrophalen Situation in den Ländern der sogenannten "Dritten Welt". Solidarität im Sinn von sozialer und globaler Gerechtigkeit sind Kropotkins Forderungen, die auch außerhalb der Theorie des anarchistischen Kommunismus ihre Bedeutung haben sollten. Bei Kropotkin bezieht sich diese Solidarität jedoch nicht nur auf das Verhältnis von Menschen zu Menschen. Rolf Cantzen zeigt in seinem Buch "Weniger Staat – mehr Gesellschaft", daß Kropotkins Solidaritätsbegriff auch das Verhältnis des Menschen zur Natur, d.h. zur belebten und unbelebten Umwelt umfaßt. Diese Form von Solidarität wäre in unserer hochindustriellen Welt, die sich durch immer weitgehendere, irreversible Umweltzerstörung auszeichnet, für die Existenz weiteren Lebens - außerhalb jeder politischen Gesinnung - absolut notwendig.

Über das gesamte libertäre Gesellschaftsideal Kropotkins ist zu sagen, daß es zwar im Moment nicht durchsetzbar erscheint (und vielleicht auch nie durchsetzbar sein wird), daß es aber auf jeden Fall ein anzustrebendes politisch-emanzipatorisches Ideal darstellt. Es bleibt zwar fraglich, ob sich nach einer möglichen revolutionären Beseitigung des Staates die nachfolgende Gesellschaft im freiheitlichen Sinne des anarchistischen Kommunismus entwickelte, ob die neuen Organisationsformen autonom, frei und dezentral wären und ob die Mitglieder dieser Gesellschaft den Prinzipien von Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität dauerhaft verpflichtet blieben. Dennoch legen dies die von Kropotkin veranschaulichten Formen gemeinschaftlichen Lebens im anarchistischen Kommunismus recht schlüssig nahe. Durch das vielfältige soziale, ökonomische und politische Beziehungsnetz, das die Grundlage der anarchistischen Ordnung ausmacht, erhöht sich die Beständigkeit des Zusammenlebens, gleichzeitig verringert sich die Wahrscheinlichkeit, daß sich die Einflußmöglichkeiten einzelner auf Kosten anderer erhöht und Herrschaft neu entstehen kann. Auf diese Weise scheint es möglich, daß eine stabile, solidarische Gesellschaft entstehen könnte, die zur Aufrechterhaltung ihrer Ordnung und zur Regelung ihrer Angelegenheiten keinen Staat braucht. Voraussetzung für die Erreichung einer solch wünschenswerten Gesellschaftsform ist neben dem Erstarken der Solidarität die Überzeugung breiter Teile der Bevölkerung, denn nur durch die aktive Beteiligung des Großteiles der Bevölkerung ließe sich Freiheit durchsetzen. Staatliche Herrschaft läßt sich von wenigen erringen (z.B. durch einen Militärputsch), Abschaffung von Herrschaft dagegen ist nur mit vielen machbar.

7. Literaturverzeichnis

Quellen:

  • Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes. Wohlstand für Alle, Verlag "Der Syndikalist", Berlin, 1920.
  • Kropotkin, Peter A.: Memoiren eines Revolutionärs, Insel Verlag, Frankfurt, 1973.
  • Kropotkin, Peter A.: Moderne Wissenschaft und Anarchismus, Verlag Johannes Räde, Berlin, 1904.
  • Kropotkin, Peter A.: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt, Karin Kramer Verlag, Berlin, 1975.
  • Kropotkin, Peter A.: Landwirtschaft, Industrie und Handwerk, Verlag "Der Syndikalist", Berlin, 1921.
  • Kropotkin, Peter A.: Gesetz und Autorität. In: Gesetz und Autorität und andere Schriften, Libertad Verlag, Berlin, 1985.
  • Kropotkin, Peter A.: Die politischen Rechte. In: Gesetz und Autorität und andere Schriften, Libertad Verlag, Berlin, 1985.
  • Kropotkin, Peter A.: Der anarchistische Kommunismus. In: Gesetz und Autorität und andere Schriften, Libertad Verlag, Berlin, 1985.
  • Kropotkin, Peter A.: Der Anarchismus. Seine Philosophie/Sein Ideal. In: Peter Kropotkin. Der Anarchismus. Mit einer Einführung in Kropotkins Leben und Werk, Winddruck Verlag, Siegen-Eiserfeld, 1983, S. 57-101.
  • Kropotkin, Peter A.: Die anarchistische Idee und ihre Verwirklichung. In: Oberländer, Erwin(Hrsg.): Der Anarchismus. Dokumente der Weltrevolution, Band 4, Walter- Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 1972, S. 186-192.


Sekundärliteratur:

  • Barclay, Harold: Völker ohne Regierung. Eine Anthropologie der Anarchie, Libertad Verlag, Berlin, 1985.
  • Buber, Martin: Pfade in Utopia, Darmstadt, 1985, S. 84ff..
  • Cantzen, Rolf: Weniger Staat - mehr Gesellschaft. Freiheit - Ökologie - Anarchismus, Frankfurt, 1987.
  • Carter, April: Die politische Theorie des Anarchismus, AHDE-Verlag, Berlin, 1979.
  • Cattepoel, Jan: Anarchismus. Rechts- und staatsphilosophische Prinzipien, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1973, S. 94-109.
  • Eltzbacher, Paul: Der Anarchismus. Eine ideengeschichtliche Darstellung seiner klassischen Strömungen, Libertad Verlag, 1987, S. 125-163 u. 244-271.
  • Hug, Heinz: Die Inthronisation der Solidarität. Peter Kropotkin als sozialinnovativer Denker. In: Beyer, Wolfram(Hrsg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Oppo Verlag, Berlin, 1993.
  • Kant, Immanuel: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, Leipzig, 1922.
  • Nettlau, Max: Geschichte der Anarchie, Band I. u. II., Bremen 1980.
  • Nettlau, Max: Anarchisten und Sozialrevolutionäre. Die historische Entwicklung des Anarchismus in den Jahren 1880-1886, Verlag Detlev Auermann KG, Glashütten im Taunus, 1972.
  • Oberländer, Erwin: Der Anarchismus. Zur Theorie und Praxis der herrschaftsfreien Gesellschaft. In: Berichte des Bundesinstitutes für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Köln, 1972, S. 31-37.
  • Ratsch, Ullrich: Vom guten und vom bösen Menschen. Der "wissenschaftliche Anarchismus" von Peter Kropotkin. In: Diefenbacher, Hans(Hrsg.): Anarchismus. Zur Geschichte und Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft, Primus Verlag, Darmstadt, 1996, S. 52-66.
  • Wittkop, Justus F.: Unter der schwarzen Fahne, Frankfurt am Main, 1973, S. 129.
  • Woodcock, George und Avakumovic, Ivan: The Anarchist Prince, London, 1960.
  • Zoccoli, Hector: Die Anarchie. Ihre Verkünder - Ihre Ideen - Ihre Taten, Karin Kramer Verlag, Berlin, 1976, S.1919-256.


Fußnoten:
[1] Im folgenden werde ich beide Beschreibungen als Synonyme verwenden.
[2] Kant, Immanuel: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht.
[3] vgl. Barclay, Harold: Völker ohne Regierung, S. 16-17 und Eltzbacher, Paul: Der Anarchismus , S.244-257.
[4] vgl. Cattepoel, Jan: Anarchismus, S. 26-46.
[5] Kropotkin, Peter A.: Memoiren eines Revolutionärs, S.60ff.
[6] ebenda, S. 85.
[7] ebenda, S. 184.
[8] vgl. ebenda, S.214.
[9] Kropotkin, Peter A.: Memoiren eines Revolutionärs, S.254.
[10] ebenda, S. 256.
[11] Nach dem polnischen Aufstand von 1863, der vom zaristischen Rußland niedergeschlagen wurde, wurden über zehntausend Polen nach Ostsibirien verschleppt, um Zwangsarbeiten zu leisten.
[12] vgl. Kropotkin, Peter A.: Memoiren eines Revolutionärs, S. 280-284.
[13] ebenda, S. 338.
[14] Kropotkin, Peter A.: Moderne Wissenschaft und Anarchismus, S. 57.
[15] Ähnliche Unterteilungen lassen sich auch bei Cattepoel, Jan: Anarchismus und Eltzbacher, Paul: Der Anarchismus finden.
[16] vgl. Kropotkin, Peter A.: Gesetz und Autorität, S. 10ff. und Kropotkin, Peter A.: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt, S.71-72.
[17] Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 77.
[18] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 78.
[19] vgl. Kropotkin, Peter A.: Gesetz und Autorität, S.10.
[20] Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 8.
[21] Auszug aus der Presseerklärung Kropotkins bei dem Prozeß gegen frz. Anarchisten in Lyon 1883, zitiert nach: Wittkop: Unter der schwarzen Fahne, S. 129.
[22] vgl. Kropotkin, Peter A.: Der Anarchismus, S. 68ff
[23] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 98-109.
[24] vgl. Kropotkin, Peter A.: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt, Vorwort S. IX ff. und ebenda, S.69ff. und ebenda S. 269-275.
[25] vgl. ebenda, S. 272.
[26] ebenda, S. 272.
[27] Kropotkin, Peter A.: Moderne Wissenschaft und Anarchismus, S. 54.
[28] vgl. Kropotkin, Peter A.: Der anarchistische Kommunismus, S.34.
[29] vgl. Kropotkin, Peter A.: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt, S. 270 und Kropotkin, Peter A.: Moderne Wissenschaft und Anarchismus, S. 86ff und ebenda, S. 78.
[30] Kropotkin, Peter A.: L'état: son rôle historique, in: Les Temps Nouveaux, Jg. III, Nr 10(3.-9. Juli 1897), S.1, zitiert nach: Oberländer, Erwin: Der Anarchismus, S.34.
[31] Kropotkin, Peter A.: Der Anarchismus, S. 81.
[32] Kropotkin, Peter A.: Moderne Wissenschaft und Anarchismus(LV 3), S. 74.
[33] vgl. ebenda, S. 74f..
[34] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 101.
[35] vgl. ebenda, S. 23.
[36] vgl. ebenda, S.98-109.
[37] Kropotkin, Peter. A.: Paroles d'un revolté, Paris, 1885, S. 10, zitiert nach: Eltzbacher, Paul: Der Anarchismus, S. 138.
[38] vgl. dazu Kropotkin, Peter. A.: Die Eroberung des Brotes, S. 98-109.
[39] Einteilung nach Martin Bubers Werk Pfade nach Utopia: Unter den Werksgemeinden sind Produktionsgruppen zur Erzeugung der lebensnotwendigen Waren und Güter zu verstehen und unter den Wahlgemeinden Gruppen, zu denen sich gleichgesinnte Mitglieder der Gesellschaft in ihrer Freizeit zusammenschließen, um ihre sonstigen Bedürfnisse zu befriedigen. (vgl. dazu Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 77-89).
[40] Kropotkin, Peter A.: L'Anarchie dans l'evolution socialiste, S. 30 zitiert nach: Eltzbacher, Paul: Der Anarchismus, S.139.
[41] Kropotkin, Peter A.: Paroles d'un revolté, a.a.O., S.117, zitiert nach: Oberländer, Erwin: Der Anarchismus, S. 34.
[42] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S.27.
[43] vgl. Beyer, Wolfgang(Hrsg.): Anarchisten.
[44] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S.120-121.
[45] vgl. ebenda, S.110-114.
[46] vgl. Kropotkin, Peter A.: Gesetz und Autorität, S.24.
[47] ebenda, S.18.
[48] vgl. ebenda, s.20.
[49] vgl. ebenda, s.21.
[50] vgl. ebenda, s.10.
[51] ebenda, s.13.
[52] Kropotkin, Peter A.: Paroles d'un revolté, a.a.O., S. 221, zitiert nach: Eltzbacher, Paul: Der Anarchismus, S.134.
[53] Kropotkin Peter A.: Gesetz und Autorität, S. 24.
[54] vgl. Kropotkin Peter A.: Gesetz und Autorität, S. 21-25.
[55] Kropotkin, Peter A.: Gesetz und Autorität, S. 24.
[56] Kropotkin, Peter A.: Anarchismus, S.69.
[57] vgl. ebenda, S.71.
[58] Kropotkin, Peter A.: Moderne Wissenschaft und Anarchismus, S. 87.
[59] vgl. ebenda, S. 69-70.
[60] vgl. dazu Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 22-23.
[61] Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S.9.
[62] Der Beweisführung dieser These widmet Kropotkin sein Buch Landwirtschaft, Industrie und Handwerk.
[63] vgl. ebenda, S.4.
[64] ebenda, S.19.
[65] vgl. ebenda, S. 4-19.
[66] Gerade in diesem Punkt liegt einer der größten Unterschiede zwischen den kollektivistischen(Bakunin) und den kommunistischen Anarchisten.
[67] Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S.113.
[68] ebenda, S.113.
[69] Die Zahl der Arbeitskräfte in der Produktion steigt, da die Arbeitslosen, die Beamten und diejenigen, die um zu überleben, gar keiner Tätigkeit nachgehen mußten, im anarchistischen Kommunismus dazukommen werden.
[70] Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 77.
[71] ebenda, S. 77.
[72] vgl. ebenda, S. 78.
[73] ebenda, S. 78.
[74] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 77.
[75] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S.29ff.
[76] Kropotkin, Peter A.: Die anarchistische Idee und ihre Verwirklichung, in: Dokumente der Weltrevolution Band 4, Walter Verlag AG, Olten, 1972, S.186.
[77] Kropotkin geht von einer mehrjährigen Revolutionsperiode aus, damit sich die Verbreitung der neuen Ideen nicht nur auf die großen geistigen Zentren beschränkt, sondern bis in die letzten Dörfer dringt und letztendlich in einer gründlichen Umgestaltung der gesamten Gesellschaft enden kann. (vgl. dazu Die anarchistische Idee und ihre Verwirklichung S.188-189)
[78] Kropotkin, Peter A.: Die anarchistische Idee und ihre Verwirklichung, a.a.O., S.187..
[79] Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S.13.
[80] Kropotkin, Peter A.: Die anarchistische Idee und ihre Verwirklichung, a.a.O., S.187.
[81] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die anarchistische Idee und ihre Verwirklichung, a.a.O., S. 188-189.
[82] ebenda, S.188.
[83] vgl. Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, S. 77.
[84] Kropotkin, Peter A.: Paroles d'un revolté, a.a.O., S.312 zitiert nach Eltzbacher, Paul: Der Anarchismus, S. 161.
[85] In diesem Zusammenhang sei auf die Beispiele wie die Lifeboat-Association, u.a. verwiesen. vgl. dazu Kropotkin, Peter A.: Die Eroberung des Brotes, a.a.O., S.98-110.
[86] Erinnert sei in diesem Zusammenhang an Marx, Engels, W. Liebknecht, A. Bebel, etc.

Originaltext: http://alf.zfn.uni-bremen.de/~mythos/3sem98sb3.htm


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