Blood & Honour - Rechtsrock in Vorarlberg

Der folgende Text stammt aus dem Jahre 2004. Aktuellere Entwicklungen - der Tod eines B&H-Aktivisten bei einer Schlägerei in einem Clubheim des MC Outsiders 2009 und die darauf folgenden Auseinandersetzungen und das Vereinsverbot des B&H-Vereins "Motorradfreunde Bodensee" sowie der Amoklauf eines ehemaligen Vorarlberger B&H-Aktivisten bei einem Rockkonzert in Nenzing am 22. Mai 2016 mit zwei Toten und zahlreichen Verletzten sind hier nicht berücksichtigt. Eine umfangreiche Broschüre zu Blood&Honour aus dem Jahr 2001 kann hier als PDF (22 Mb) heruntergeladen werden, aktuelle Texte aus dem Jahr 2016 finden sich hier und hier.

Die Entstehung der Vorarlberger Faschoskinheadszene

Bereits seit Ende der 80er-Jahre existiert in Vorarlberg eine größere rechtsextreme Skinheadszene. Die Entstehung dieser Szene ist u.a. auf die Lage Vorarlbergs im Dreiländereck und auf Einflüsse aus Süddeutschland zurückzuführen. Von Beginn an bestanden deshalb gute Kontakte zu Skinheadgruppen in Deutschland, später auch der Schweiz. Die Vernetzung rechtsextremer Skinheads in der Bodenseeregion wurde mit regelmäßigen Treffen „institutionalisiert“, die zeitweise in Deutschland, zeitweise in Lustenau (Vlbg.) stattfanden.

In den 90er-Jahren sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extreme Häufung von Bränden in „AusländerInnenwohnheimen“ in Vorarlberg 1993. Bis heute sind einige Brände - teilweise unter dem Einsatz von Molotow-Cocktails gelegt - ungeklärt, die Täter(Innen) nicht gefasst. Die Ermittler verwendeten rasch die Floskel „ausländerfeindliche oder politische Motive sind auszuschließen.“ Eine von Franz Valandro interviewte Aussteigerin aus der Skinheadszene bestätigt zumindest, dass über Brandanschläge diskutiert wurde: „Diese Treffen (zwischen Vorarlberger, Schweizer und deutschen Faschoskins, Anm.) haben eine Zeitlang regelmäßig, ein bis zweimal im Monat, in Lustenau stattgefunden. Da war auch die Rede von Brandstiftungen. Wenn`s in Lustenau dann tatsächlich gebrannt hat, war die Berichterstattung darüber meistens ziemlich dubios.“

Neben den Kontakten zu KameradInnen in Deutschland und der Schweiz hatten Vorarlberger Skinheads punktuell auch Kontakte zum Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ), der Jugendorganisation der FPÖ. 1991 animierte ein RFJ-Mitglied zwei Skinheads aus dem Raum Bregenz zu Sprühaktionen, bei denen Sprüche wie „Türken sind Dreck, Dreck muß weg“ oder „Türkische Dealer hängen“ gesprayt wurden. Jörg Haider selbst holte bei einer Wahlkampfveranstaltung 1991 die Skinheads mit den Worten „lasst meine Kameraden herauf“ auf die Bühne. Seine Wahlkampfveranstaltung in Feldkirch 1996 wurde von 60 Faschoskinheads besucht.

Gegen Ende der 90er-Jahre ging die Zahl der rechtsextremen Übergriffe in Vorarlberg zurück. Dies ist aber nicht etwa auf eine Schwächung der Vorarlberg Skinheadszene zurückzuführen, vielmehr haben sich die Organisations- und Altersstrukturen der Szene verändert. Wie stark die Vorarlberger Skinheadszene zahlenmäßig wirklich ist, ist seit jeher zwischen der Sicherheitsdirektion, dem Innenministerium und SozialarbeiterInnen umstritten - die veröffentlichten Einschätzungen widersprechen sich teilweise sogar zwischen den staatlichen Behörden. Die Sicherheitsdirektion betonte immer wieder, dass „diese Gruppierungen nicht straff organisiert (sind) und keiner militanten rechtsextremen Szene pauschal zugeordnet werden (können)“. Sicherheitsdirektor Elmar Marent ging 1998 noch soweit, rechtsextreme Skinheads als „apolitische Krawallbrüder“ zu bezeichnen - dies ist auf Grund der auch damals bestehenden internationalen Vernetzung und der Organisationsversuche der Szene bei bestem Willen nicht mehr nachvollziehbar und verharmlosend. Mit der ebenfalls 1998 einsetzenden Organisierung von Teilen der Vorarlberger Skinheadszene bei Blood & Honour und den daraufhin entfalteten Tätigkeiten der „apolitischen Krawallbrüder“ hat sich die Einschätzung geändert: „Wir müssen aufpassen, dass Vorarlberg nicht zum Tummelplatz für Rechtsextreme aus dem Ausland wird“. Dass das Problem dabei nicht „aus dem Ausland“ nach Vorarlberg importiert wird, wie es manche Vorarlberger Medien gelegentlich suggerieren, soll dieser Artikel aufzeigen.

Blood & Honour

1996 scheiterte ein erster Versuch Vorarlberger Faschoskinheads sich in festen Strukturen zu organisieren. Der im Frühjahr 1996 gegründete Verein „Skinheads Vorarlberg - Verein zur Erhaltung der kulturellen Merkmale der Skinheadbewegung“ wurde bereits im September 1996 wegen „Überschreitung des statutenmäßigen Wirkungskreises und der Pflege bzw. Verbreitung von nationalsozialistischem Gedankengut“ wieder aufgelöst, nachdem im Zuge behördlicher Maßnahmen Mitgliederlisten mit der Aufschrift „88 White Power“ und ein Rundbrief mit der Übertitelung „Heil und Sieg“ gefunden worden waren.

Bereits 1997 entstand deshalb die Idee, eine Vorarlberger Blood & Honour - Sektion zu bilden. Die Umsetzung konnte allerdings auf Grund eines „längeren Aufenthalts im Knast“ im Zusammenhang mit einem aufsehen erregenden Vergewaltigungsprozess gegen mehrere Skinheads erst Ende 1998 in Angriff genommen werden. Die Organisierung in diesem losen rechtsextremen Musiknetzwerk hat für die Faschoskinheads vor allem den Vorteil, dass Blood & Honour nicht einfach so verboten werden kann. Die Gruppe ist nämlich nicht als Verein organisiert, ihre behördliche Auflösung deshalb umso schwieriger. Zudem kommt eine solche Organisationsform dem “way of life“ vieler Vorarlberger Faschoskinheads näher, die sich schon mal von „Scheitelträgern“ oder neonazistischen Parteikadern abgrenzen. In Österreich existierten Ende 1999 Sektionen von Blood & Honour in Vorarlberg, Tirol, und Wien. Zudem zählte sich Blood & Honour Südtirol zur „Blood & Honour - Division Österreich“. Einer Skinheadgruppe aus der Steiermark verweigerte die „Division“ dagegen die Aufnahme in das Netzwerk. Nachdem die italienische Polizei B&H Südtirol 2001 auflöste und ein führender B&H Tirol-Aktivist nach Italien ausgeliefert wurde, dürfte Blood & Honour in Österreich derzeit nur noch aus B&H Vorarlberg und B&H Wien bestehen. Diese beiden Gruppen sind jedoch seit Hausdurchsuchungen in Wien und Vorarlberg 2002 zerstritten und prügelten sich bei einem Rechtsrockkonzert am 26.7.2003 in Oberösterreich dermaßen heftig, dass ein Krankenwagen gerufen werden musste. Von der einstigen einzigen bundesweiten Skinheadgruppe ist damit nicht mehr viel übrig geblieben. Dafür ist B&H in Vorarlberg äußerst aktiv und konnte die eigenen Strukturen im westlichsten Bundesland stabilisieren.

Was ist Blood & Honour?

Blood & Honour ist ein international agierendes rechtsextremes Musiknetzwerk, das sich aus KonzertveranstalterInnen, Bands, Fanzines, Szene-Läden etc. zusammensetzt. Die Gründung dieses Netzwerkes im Jahre 1987 geht auf den bei einem Autounfall 1993 verstorbenen „Skrewdriver“-Sänger Ian Stuart Donaldson zurück. Mittels Musik sollen gezielt nationalsozialistische Inhalte an Jugendliche herangetragen werden - mit Erfolg, wie die Entwicklung der rechtsextremen Musikbranche in den letzten 25 Jahren verdeutlicht. Blood & Honour ist inzwischen in den meisten europäischen Ländern aktiv, musste aber immer wieder Rückschläge wie Spaltungen und Verbote hinnehmen. Die Auseinandersetzungen innerhalb der Rechtsrockszene eskalierten sogar soweit, dass es zu Bombenanschlägen und Morden kam. Hier ist vor allem die britische Naziterrorgruppe „Combat 18“ zu nennen, die ab etwa 1992 das britische Blood & Honour - Netzwerk vier Jahre lang beherrschte und auch vor Gewalt gegen GesinnungsgenossInnen nicht zurückschreckte. Inzwischen berufen sich auf Ian Stuart Donaldson weltweit C18-nahestehende und C18-ablehnende Blood & Honour - Gruppen. Für ihre szeneinternen GegnerInnen ist die militante Naziterrortruppe mit eigenen Gruppen in England, Skandinavien und den USA durch die Durchsetzung mit Polizeispitzeln schlicht ein „police opration code named C18“.

Die etwa 350 AktivistInnen umfassende „Blood & Honour Division Deutschland“ wurde im Herbst 2000 behördlich verboten. Bei einer Welle von Hausdurchsuchungen beschlagnahmte die Polizei zahlreiche einschlägige CD´s, Fanzines, T-Shirts, Adressen und Geld. Durch die Größe des B&H-Netzwerkes war allerdings nur ein geringer Teil der Strukturen betroffen, nahezu die selben Personen organisieren weiterhin Szeneläden und Labels. Lediglich bei der Organisation von Konzerten sind ehemalige Blood & Honour - Aktivisten gegenüber ihrer führenden Rolle vor dem Verbot in den Hintergrund getreten. Die deutsche Polizei löst inzwischen vermehrt rechtsextreme Musikkonzerte auf und auch das Magazin der Blood & Honour - Division Deutschland kann nicht weiter verbreitet werden. Nicht zuletzt das härtere Vorgehen gegen Rechtsrock-Konzerte in Deutschland macht Vorarlberg als Veranstaltungsort umso attraktiver.

Begründet wurde das Vereinsverbot damit, dass sich Blood & Honour gegen die „verfassungsmäßige Ordnung“ richte und sich „zu Hitler und führenden Nationalsozialisten“ bekenne. Die Organisation vertrete eine „rassistische und antisemitische Ausrichtung“ und propagiere eine „Abschaffung der parlamentarischen Demokratie zugunsten eines Führerstaates nationalsozialistischer Prägung“. Für diese bemerkenswerte Einsicht benötigten die deutschen Behörden allerdings über sechs Jahre, bis das Vereinsverbot ausgesprochen wurde. In dieser Zeit konnte Blood & Honour die Bildung einer Rechtsrockszene vorantreiben.

Ideologisch ist B&H neonazistisch einzuordnen, wichtige Fragmente ihrer Ideologie sind Rassismus, Antikommunismus, positiver Bezug auf den Nationalsozialismus und Antisemitismus. Letzterer äußert sich oftmals auch in „Codes“ wie der Verwendung von „Z.O.G“, was für „zionist occupied governement“ steht und für alles mögliche verantwortlich gemacht wird. Seit dem Verbot in Deutschland wird die Zahlenkombination „28“ als Code für Blood & Honour verwendet, gelegentlich fallen auch Ausdrücke wie „Barny & Homer“.

Die Bewegung ist elitär ausgerichtet, d.h., dass nicht jedeR einfach so bei Blood & Honour Mitglied werden kann. Teilweise müssen Probezeiten absolviert werden, „Saufskins“ etc. sollen so aus dem Netzwerk ferngehalten werden. Als Beispiel eine Beschreibung der Aufnahmekriterien von B&H Schweiz: „Die Gruppe ist konspirativ organisiert. Anwärter haben einen Antrag auf Mitgliedschaft inklusive ihrer Beitrittsmotivation auszufüllen und werden dann als provisorisches Mitglied aufgenommen. Während der Probezeit von einem Jahr werden sie von einem älteren Mitglied als Paten betreut, mit dem sie sich wöchentlich in Verbindung setzen müssen.“

Eine noch stärkere elitärere Ausrichtung vertritt das zweite große Rechtsrocknetzwerk, die „Hammerskins“. Zwischen den beiden Gruppen gibt es neben Zusammenarbeit auch immer wieder Rivalitäten und in der Vergangenheit kam es sogar zu Auseinandersetzungen bis hin zu Massenschlägereien bei Konzerten. So besteht etwa Blood & Honour Schweiz zu einem Teil aus bei den Hammerskins abgelehnten Mitgliedern - mit entsprechenden Folgen…

Aktivitäten von Blood & Honour Österreich

In Österreich tritt Blood & Honour seit 1998 in Erscheinung. Bislang wurden mehrere Konzerte - ab 2000 hauptsächlich in Vorarlberg - organisiert und zwei Ausgaben des Magazins der „Blood & Honour - Division Österreich“ verbreitet. Eine weitere Ausgabe (Nr. 3) wurde zwar lange angekündigt, viel allerdings inzwischen bei einer Hausdurchsuchung in Wien den Behörden in die Hände. (Finanzielle) Probleme hatten den Druck weiter verzögert. Von Bedeutung ist dies vor allem, weil das Hochglanzmagazin derzeit das einzige deutschsprachige Blood & Honour - Fanzine ist. Mit dem Erscheinen einer weiteren Ausgabe ist vorerst einmal nicht zu rechnen.

Inhalte des Blood & Honour Division Österreich Magazin: Das Magazin wurde zum größten Teil von der Wiener B&H-Sektion herausgegeben, die anderen Sektionen steuerten einzelne Artikel bei. In den ersten beiden Ausgaben des Magazins 1999 erschienen Artikel zu: B&H Vorarlberg, Wissenswertes über die Germanen, Dienstgrade der Wehrmacht, Judenfahne über Europa, Deutschlands umkämpfte Farben, Sturmbannführer Walter Reder, Leibstandarte Adolf Hitler usw. sowie zahlreiche Konzertberichte und Bandinterviews. Zudem enthält das Heft auch rechtliche Tips, etwa für den Umgang mit der Polizei. Die bei Hausdurchsuchungen in Vorarlberg und Wien im Herbst 2002 sichergestellte dritte Ausgabe des Magazins sollte 1.500 Exemplare als Auflage haben!

Politisch tritt Blood & Honour jenseits des Magazins oder den Konzerten in Österreich kaum in Erscheinung, d.h., dass im nennenswerten Umfang weder Aufkleber und Flugblätter verteilt noch Demonstrationen organisiert werden. Dagegen beteiligte sich Blood & Honour Wien an der Kundgebung gegen die Wehrmachtsausstellung am 13.4.2002 auf dem Heldenplatz und pflegt Kontakte zu anderen rechtsextremen Gruppen. Im „Dr.Fritz Stüber - Heim“ der „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (AFP) im 16. Bezirk in Wien stieß die Polizei im November 2000 bei einem von B&H Wien organisierten Treffen von 50 RechtsextremistInnen auch auf Gottfried Küssel und seinen ehemaligen VAPO - Stellvertreter Gerhard Endres. In Vorarlberg zeichnet sich dagegen eine neuere Entwicklung ab, bei der Blood & Honour und ihr Umfeld auch das Durchführen von eigenen Demonstrationen und politischen Veranstaltungen anvisiert haben. Zwar gab es bislang mehrere Trauermärsche für den Bregenzer Faschoskinhead „Franky“, der nach einer Verhaftung beim Fußballmatch FC Tirol gegen Schwarz-weiß Bregenz 1999 Selbstmord verübt hatte. Doch handelte es sich dabei um stille Protestmärsche ohne Transparente und Sprechchöre, weshalb sie nicht als rechtsextreme Demonstrationen eingestuft werden können. Die Beteiligung lag jeweils bei 50 bis 150 Faschoskinheads. Zu Zwischenfällen kam es dabei nicht.

Nachdem die Sozialistische Jugend (SJ) in Vorarlberg im November und Dezember 2002 gegen die zunehmende Anzahl von Rechtsrockkonzerten mobil gemacht hatte (ein eigenes Antifa - Konzert der SJ wurde von Seiten der Behörden mit massiven und nicht finanzierbaren Auflagen verhindert), riefen die „Skinheads Vorarlberg“ über einen Aufruf im Forum des „Wikingerversandes“ zu einer Demonstration am 14.12.2002 nach Bregenz. Damit trat B&H Vorarlberg erstmals auch massiver politisch in Erscheinung, beschränkten sich die Aktivitäten bislang größtenteils auf das Veranstalten von Konzerten und Partys. Der von Rechtschreibfehlern gespickte Aufruf richtete sich gegen „Linke Intoleranz, Eingeschränkte Meinungsfreiheit, Assoziale Hetzer, Kommunistische Reaktionen, Asylbetrüger, Sozialschmarotzer.“ Als Kontakt wurde eine e-mailadresse bekanntgegeben, über die der genaue Treffpunkt erfahren werden konnte. Begründet wurde die Demonstration mit den beiden Demos der SJ, als Links wurden die Seiten der SJ und des KV Sägefisch angegeben („Diverse Infos über die Hetzer“).

Alarmiert durch diesen Aufruf starteten Antifas und die SJ Gegenaktivitäten, ein entsprechendes mediales Echo in Vorarlberg war die Folge. Die „Neonazidemonstration“ erregte die Gemüter vom Bregenzer Bürgermeister über die Wirtschaftsgemeinschaft („Skinhead-Demo in Bregenz: Die Geschäftsleute zittern“) bis hin zur Landesregierung was den Druck auf die Sicherheitsdirektion deutlich erhöhte. Diese erwartete 150 - 1.000 TeilnehmerInnen in Bregenz und forderte deshalb zur Unterstützung der Vorarlberger Gendarmerie zwei Einsatzzüge (etwa 60 BeamtInnen) aus Tirol und Salzburg an. Ein für den selben Tag geplantes Oi-Konzert im Bregenzer JUZ Between wurde nach Verhandlungen mit der Stadt abgesagt.

Durch den massiven Druck von allen Seiten entschied sich die Sicherheitsdirektion am 13.12.2002 schließlich zu einer Untersagung der Versammlung. Im Raum Bregenz wurden Polizeikräfte zusammengezogen und in Zusammenarbeit mit dem bayrischen und baden-württembergischen Zoll die Grenzkontrollen verschärft. Dies war eher überraschend, betonte Sicherheitsdirektor Elmar Marent noch am 12.12 in einem Interview: „Einerseits zum Glück, andererseits leider sind vergangene Veranstaltungen im Land völlig ohne Konflikte über die Bühne gegangen“ - weshalb die geplante Demonstration am 14.12. nicht verboten werden könne. Am nächsten Tag folgte die Untersagung: „Sicherheitsdirektor Marent begründete den Bescheid für die Untersagung der von Rechtsextremen aus dem gesamten Bodenseegebiet und deutschsprachigen Raum für Samstag in Bregenz geplanten Demonstration u.a. mit Zwischenfällen bei einem als "Konzert" ausgegebenen Skinheadtreffen mit über 1.000 Teilnehmern am 12. Oktober dieses Jahres in Hohenems. Damals sei es zu strafrechtlichen Tatbeständen der NS-Wiederbetätigung gekommen.“ Die „Skinheads Vorarlberg“ haben gegen die Untersagung der Demonstration Einspruch beim Innenministerium eingelegt, jedoch wurde das Vorgehen der Behörden rechtlich bestätigt. Am Versammlungsort trafen jedenfalls in der Folge nur wenige Faschoskinheads ein, die das Verbot wohl nicht mehr mitbekommen hatten.

Am Abend des 14.12. brach die Polizei erstmals ein rechtsextremes Konzert mit der Band „Razors Edge“ in Rankweil ab, zu dem sich rund 150 Faschoskinheads versammelt hatten. Um das Konzert lieferte B&H Vorarlberg ein Verwirrspiel, in dem im Wikingerversandforum bewusst Falschmeldungen gestreut wurden. In einem Bericht auf einer einschlägigen deutschen Homepage heißt es zum Konzert: „Jedoch konnten die Skinheads Vorarlberg noch kurzfristig ein Konzert organisieren, welches von der Polizei erlaubt wurde! (…) Leider wurde die gute Stimmung schon relativ früh getrübt, da die Polizei, welche angeblich mit 200 Polizeibeamten im Einsatz war, das Konzertende auf 22.45 Uhr festgesetzt hatte.“ Inwieweit die Darstellung einer polizeilichen Akzeptanz des Konzertes stimmt, kann nur schwer abgeschätzt werden. Vorarlberger Medien berichteten davon, dass das Konzert von der Polizei abgebrochen wurde: „Als die Gendarmerie eintraf, war das Konzert mit 150 Teilnehmern schon in vollem Gange. Nach Verhandlungen zwischen dem Bürgermeister und der Sicherheitsdirektion mit dem Anwalt der Veranstalter wurde das Konzert um 22.30 Uhr abgebrochen.“

B&H Vorarlberg ist mit Sicherheit die aktivste und bestvernetzte B&H - Gruppe in Österreich. Die Konzerte werden äußerst konspirativ vorbereitet, teilweise gelang auch eine kurzfristige Verlegung in Deutschland untersagter Konzerte nach Vorarlberg. Dagegen setzt B&H Wien kaum öffentlich wahrnehmbare Aktivitäten. Das Engagement im Musikbereich überwiegt in Vorarlberg derzeit deutlich vor dem politischen Engagement, was sich neben den Konzerten und Balladenabenden auch in der Bildung eines eigenen B&H - Klubraums in Vorarlberg oder dem Engagement der Vorarlberger Skinheadbands „Tollschock“ und „Stoneheads“ äußert.

Rechtsrock in Vorarlberg

Blood & Honour Vorarlberg zählt etwa 10 - 15 AktivistInnen und eine größere Anzahl von SympathisantInnen. „Wir halten unsere Sitzungen wöchentlich ab und machen T-Shirtgestaltungen, Beratungen, Konzertplanungen, Partievorbereitungen...“ heißt es in der Selbstbeschreibung der B&H Sektion Vorarlberg von 1999.

Das erste Mal trat die Gruppe als „Blood & Honour“ öffentlich 2000 bei einem Trauermarsch für „Franky“ in Erscheinung. Dieser hatte sich nach der Verhaftung bei einem Fußballspiel in Innsbruck in der Haft das Leben genommen. Die erste Demonstration für „Franky“ 1999 mit rund 50 TeilnehmerInnen aus Vorarlberg, Tirol und Deutschland verlief friedlich. Im Anschluss an den Trauermarsch brachten die Skinheads ein Transparent mit dem Inhalt „Franky - Von der Justiz in den Tod getrieben“ beim Bregenzer Stadion an. Im Staatsschutzbericht 1999 hieß es noch: „Die Szene in Vorarlberg macht sich vorwiegend bei Fußball- und Eishockey-Spielen bemerkbar“. Doch bereits ein Jahr später fand das erste große Rechtsrockkonzert in Vorarlberg statt, dem inzwischen einige weitere folgten.

Die Problematik mit rechtsextremen Konzerten in Vorarlberg wird durch die gute Vernetzung der Szene im Bodenseeraum weiter verschärft. So kommen bei den Konzerten Faschos aus der gesamten Region zusammen. Wird ein Konzert z.B. in Deutschland im Vorfeld (polizeilich) verhindert, versuchen die Skinheads in einem der anderen Bodenseestaaten einen Ersatzort zu finden.

Das erste große Rechtsrockkonzert Westösterreichs fand am 26.8.2000 in Koblach mit den Bands „Hate crime“, „Extreme hatered“, „Faustrecht“ und „Tollschock“ statt. Die Skinheads gingen dabei so konspirativ vor, dass die Sicherheitsbehörden erst kurz vor dem Konzert davon erfuhren. Da der Konzertort mit dem Lokal „Route 66“ mitten in einem beliebten Lokalviertel (u.a. ein Punklokal, Diskotheken…) lag, sperrten einigen Wirte für diesen Tag kurzerhand zu. Ihren Umsatzausfall gaben sie mit über 20.000.- € an, der Polizeieinsatz schlug mit etwa 35.000.- € zu Buche. Am Nachmittag vor dem Konzert fand der zweite Trauermarsch für „Franky“ statt. Ein Teil der Faschoskins war einheitlich mit schwarzen T-Shirts und dem Logo von „Blood & Honour Österreich“ „uniformiert“.

Am 23.12.2000 kam es ebenfalls in Koblach zu einem organisierten Überfall auf das als Punktreffpunkt bekannte Lokal „Rast(h)aus“. Ein Rollkommando von 22 Faschoskinheads aus Deutschland, Österreich und der Schweiz griff gegen drei Uhr früh mehrere Punks und Gäste mit Stühlen, Aschenbechern und sogar Tischen an. Dabei wurden vier der zehn anwesenden Gäste verletzt, zwei von ihnen mussten mit schweren Gesichts- und Kopfverletzungen in das Landeskrankenhaus Feldkirch eingeliefert werden. Einer der Täter hatte ein T-Shirt von „Blood & Honour“ an, ein weiterer an dem Überfall beteiligter Skinhead führte eine Schusswaffe mit sich. Das gerichtliche Nachspiel für acht Skinheads endete in erster Instanz mit fünf Freisprüchen und drei Geldstrafen zwischen 350.- € und 1.300.- €. Die Angeklagten hatten sich gegen den Vorwurf eines organisierten Überfalls damit verteidigt, nur zufällig in dem Lokal gewesen zu sein. Der eigentliche Grund für den Angriff (zuerst betraten zwei Skins das Lokal, verließen es wieder und kehrten kurze Zeit später mit der „Verstärkung“ zurück. Die anwesenden Gäste wurden sofort angegriffen) lag wohl in einer Machtdemonstration der Vorarlberger Faschoskinszene gegenüber den Punks - wenige Tage zuvor war eine kleinere Gruppe Skinheads aus dem Lokal verwiesen worden. Nach einer Berufung durch den Staatsanwalt wurden die Urteile deutlich verschärft: sechs Angeklagte wurden zu unbedingten Geldstrafen zwischen 200 und 360 Tagessätzen verurteilt.

Knapp ein Jahr nach dem Konzert in Koblach folgte am 4.8.2001 ein weiterer Trauermarsch mit etwa 100 Skinheads in Bregenz. Anschließend trafen sich die Rechtsextremen in Fußach zu einem Konzert, an dem offiziell etwa 250 Skinheads, nach anderen Angaben aber bis zu 500 Personen teilnahmen. Das Konzert verlief erneut ohne Zwischenfälle, es spielten die Bands „Tollschock“, „Noie Werte“, „Razors Edge“, „Schutt&Asche“ und „Stromschlag“.

Inzwischen hat sich Blood & Honour Vorarlberg etabliert und gefestigt. In den Jahren 2002 und 2003 fanden mehrere kleinere und größere Rechtsrock-Konzerte statt. Zudem verfügt die Gruppe über einen eigenen Clubraum, der für regelmäßige wochenendliche Treffen von bis zu 50 Skinheads genutzt wird.

Bei einem Konzert am 30.3.2002 mit den Bands „Race war“, „Natural born haters“, „Extreme hatred“, „Intimidation one“ und „Stoneheads“ kam es unter den BesucherInnen zu einer Massenschlägerei, an der rund 50 Skinheads beteiligt waren. Nichts desto trotz fand bereits am 6.4.2002 die nächste rechtsextreme Party in Vorarlberg statt. Diesesmal trafen sich Rechtsextreme aus der gesamten Region auf einem Partyschiff am Bodensee, um in der Folge noch zum B&H-Clubraum zu fahren.

Das bislang mit Abstand größte Konzert in der gesamten Region ging am 12.10.2002 offiziell ohne Zwischenfälle über die Bühne. Rund 1.000 Faschoskins aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Tschechien trafen sich in einem riesigen Partyzelt auf einem Privatgrundstück bei Hohenems. Die VeranstalterInnen richteten von naheliegenden Parkplätzen einen Shuttle-Bus-Dienst zum Konzertort ein, die Polizei kontrollierte Autos in der gesamten Umgebung. Bei Lindau beschlagnahmten die Grenzbehörden rund 70 CD´s, 15 Kassetten sowie Broschüren und anderes Propagandamaterial, während auf dem Konzert selbst Verkaufsstände rechtsextreme Musik anboten. Jener Landwirt, der den Skinheads sein Grundstück verpachtet hatte, sieht sich im Nachhinein geneppt: „Es war nur vom kleinen Fest eines Dart-Clubs für 100 Personen die Rede!“  „Gefakte“ Anmeldungen als Klassentreffen, Geburtstagsparty etc. sind für solche Konzerte Gang und Gebe, die AnmelderInnen selbst treten meistens sehr seriös auf und führen die Gespräche entsprechend nicht in Skinmontur. Die Darstellung des Landwirtes ist deshalb durchaus glaubwürdig.

Die Einschätzung der Sicherheitsbehörden, dass es im Zuge dieses Konzertes zu Straftatbeständen der NS-Wiederbetätigung gekommen sei (siehe oben), ist dabei alles andere als verwunderlich. Verwunderlich ist eher, dass das Konzert trotzdem stattfinden konnte und nicht behördlich verhindert wurde wie etwa ein Rechtsrockkonzert im Burgenland 1998. Denn nach unterschiedlichen Angaben spielten in Vorarlberg die Bands „Aggressive force“, „Max Resist“, „Blitzkrieg“, „Final war“, „Extreme hatred“, „Razors edge“, „Brutal attack“, „Intimidation one“, „Stoneheads“, „Race war“, „Radikahl“ und „Pork hunters“ . Während etwa „Intimidation one“ aus den USA sich als „White National Socialist Skinheads“ bezeichnen und auf ihrer Homepage Hakenkreuze veröffentlichen, wird die in den USA produzierte CD der Band „Race war“ aus Süddeutschland mit ihren „NS-Lyrics“ beworben, auf dem CD-Cover befindet sich eine Hakenkreuzfahne. Die deutsche Band „Radikhal“ wurde wiederum mit dem „Hakenkreuzlied“ berühmt, das von der Band bei Konzerten immer noch gespielt wird: „Hängt dem Adolf Hitler, hängt dem Adolf Hitler, hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um! Hißt die rote Fahne, hißt die rote Fahne, hißt die rote Fahne mit dem Hakenkreuz! Schon als kleiner Junge, da war es mir klar, dass dieses System leitend für mich war. Und heut`, da steh ich noch voll dazu, es gibt nur eines, und das bist du. Wie es auf alten deutschen Fahnen, so führt es mich auf rechte Bahnen. Für mich gilt es auch noch heut`: Rasse, stolz und Hakenkreuz! (Refrain…).“

Dass solche Konzerte zudem auch Ausgangspunkte für Übergriffe und Krawalle sein können, hat sich z.B. nach dem Verbot von Blood & Honour in Deutschland immer wieder gezeigt. Dort griffen Faschoskinheads mehrfach PolizeibeamtInnen an, als diese verbotene Konzerte auflösen wollten. In der Schweiz endete ein großes Rechtsrock-Konzert im Raum Zürich im Mai 2001 mit Massenschlägereien und zahlreichen schwerer verletzten KonzertbesucherInnen. Etwa 15 von ihnen mussten notärztlich behandelt werden. Und Blood & Honour Tirol und Vorarlberg mischten kräftig mit, als es am 13.1.2001 vor einem Konzert der Blood & Honour Sektion Südtirol zu Auseinandersetzungen mit italienischstämmigen Skinheads des „Fronte Veneto“ kam. Die Polizei konnte durch ihr Eingreifen eine Massenschlägerei zwischen den 40 italienischsprachigen Skinheads und dutzenden KonzertbesucherInnen gerade noch verhindern. Grund für die Auseinandersetzung zwischen deutsch-neonazistischen und den italienisch-faschistischen Skinheads: die Südtirolfrage. Am 20.2.2001 durchsuchte die Staatsanwaltschaft bei einer Aktion gegen Blood & Honour Südtirol 23 Wohnungen und nahm 12 Skinheads in Untersuchungshaft. Weitere acht Jugendliche wurden auf freiem Fuße angezeigt. Grund für die Verhaftungen waren „aufrührerische Ausrufe oder Äußerungen“ und andere Gesetzesverstöße sowie die Beteiligung der Verhafteten an der Schlägerei vom 13.1.2001 und an anderen Gewaltdelikten. Unter ihnen befand sich auch ein deutscher Rechtsextremist, der bereits seit Jahren in der Umgebung von Innsbruck wohnte und Blood & Honour Tirol mitorganisierte. Seit dieser Verhaftungswelle ist Blood & Honour in Südtirol zerschlagen, die bis dahin aktive Band „Südfront“ ist aufgelöst. Im Mai 2003 wurden mehrere AktivistInnen zu teilweise mehrjährigen, unbedingten Haftstrafen verurteilt. Ein weiterer Prozess gegen führende Aktivisten von B&H-Südtirol steht noch aus.

Blood & Honour Vorarlberg beim Angriff auf eine Antifa-Demo in Dornbirn 2004

Neben den von Blood & Honour organisierten Konzerten existieren in Vorarlberg derzeit zwei Faschoskinheadbands, die regelmäßig im In- und Ausland auftreten.

Rechtsrock aus Vorarlberg

Von den drei bekannten Rechtsrock-Bands aus Österreich kommen zwei aus Vorarlberg. Neben der jahrelang aktiven und inzwischen aufgelösten Wiener Band „Schlachthaus“ (über 10.000 verkaufte CD`s) konnten sich in den letzten beiden Jahren die Vorarlberger Bands „Tollschock“ und „Stoneheads“ durch Auftritte etablieren. Bei Blood & Honour Österreich gab es außerdem Bestrebungen, einen eigenen B&H-Sampler zu produzieren.

Die Band „Tollschock“ (in ihrer Anfangszeit „Prollschock“) brachte es in den letzten Jahren auf dutzende Konzerte in der Schweiz, Deutschland, Südtirol, Slowenien, Frankreich und Österreich. Zumindest Teile der Band sind direkt bei Blood & Honour organisiert und nützen entsprechend die geknüpften Kontakte für Konzerte in Österreich.

Die von „Tollschock“ bei „Pühses Liste“ (NPD-nahes Label) produzierte Musikkassette „Der erste Schock“ umfasst mit dem Intro acht Lieder und wurde bei einigen rechtsextremen Musikversanden vertrieben. Im Jahr 2002 brachte die Band dann in Eigenregie ihre erste CD mit 18 Liedern und 72 Minuten Gesamtlänge heraus. Die CD „Outlaw melodies“ erschien mit einem umfangreichen Booklet und ist u.a. beim Wikingerversand, Backstreet noise, Asgardversand oder Front records erhältlich. Inzwischen ist die Band auch gerngesehener Interviewpartner bei diversen Skinheadfanzines wie etwa dem „Donnerschlag“ (Nr.8), „Violence“ (Nr.4), „Der Foiersturm“ (Nr.9) oder dem Hochglanzrechtsrockmagazin „Rock Nord“ (Nr.63/64/65).

„Tollschock“ gehören nicht zu den extrem politischen Rechtsrockbands, sie stellen den „way of life“, Partys oder Gewalt (z.B. Schlägereien mit Punks…) textlich in den Vordergrund. Gegenüber Politkadern und der Parteipolitik äußern sich die Bandmitglieder in Interviews durchwegs kritisch: „Mit Scheitelträgern können wir uns nicht identifizieren, da wir für sie nur rumgrölende, asoziale Glatzköpfe sind.“ Zum Koalitionseintritt der FPÖ in die Regierung befragt, zeigten sie zwar Sympathie: „Was Einwanderung oder die Drogenpolitik angeht, da liegen die Jungs und Mädels der FPÖ nicht auf dem falschen Weg. Wobei man beides noch etwas härter angehen könnte.“ Gleichzeitig strichen sie aber hervor: „Haider`s Partei sind Vertreter von Law and Order, und da haben wir ja öfters unsere Probleme damit.“ Trotz ihrer eindeutig rechtsradikalen Gesinnung konnten "Tollschock" jahrelang Proberäume eines gemeindeeigenen Jugendzentrums in Lustenau nutzen. Erst Proteste der Grünen im Dezember 2003 führten dazu, dass die Band ihre Proberäume verlor.

Auch „Stoneheads“ haben es inzwischen zu einigen Auftritten im benachbarten Ausland und in Vorarlberg gebracht. Ihre im Mai 2003 in den USA erschienene Split CD mit der US-Band „Final war“ bestätigt Internetberichte über das offen neonazistische Auftreten der Band. Manche Internetseiten rechnen sie in Konzertberichten den Texten nach sogar dem ideologischen Umfeld der Naziterrorgruppe C18 zu. Die Texte von „Stoneheads“ sind antisemitisch und rassistisch und enthalten Aufrufe, alle „Zionisten“ zu töten. Die bislang nur über Amerika beziehbare CD enthält im Booklet nationalsozialistische Bilder und ein Lied der „Stoneheads“ endet sogar offen mit „Sieg Heil“. Verwunderlich bleibt da allenfalls, dass „Stoneheads“ trotz ihrem offen neonazistischen Auftreten ohne Probleme mit den Behörden agieren und in Vorarlberg auch bei Konzerten auftreten können.

Bei einem am 2.11.2002 von Ex - Blood & Honour - Kadern und NPD-Aktivisten konspirativ organisierten Konzert in Mannheim spielten „Stoneheads“ indizierte Lieder der extremst rassistischen und antisemitischen Kultband „Landser“ nach, gegen die aktuell ein Verfahren wegen Bildung einer „kriminellen Vereinigung“ läuft. Mehrfach hatten rechtsextreme TäterInnen vor oder bei tödlich verlaufenden Hetzjagden gegen „AusländerInnen“ in Deutschland Lieder von Landser konsumiert und sich so in Stimmung gebracht.

Und weiter?

Nach der explosionsartigen Ausbreitung rechtsextremer Bands, Labels und Konzerte in Deutschland und Skandinavien Mitte der 90er-Jahre hat das Millionengeschäft mit dem Rechtsrock in den letzten Jahren auch die Schweiz und (West)Österreich erreicht. Dabei geht es nicht nur um den Spaßfaktor der Konzerte, sondern auch um die Vermittlung rechtsextremer und neonazistischer Inhalte an Jugendliche. Der Gründer von Blood & Honour und Sänger der Kultband „Skrewdriver“, Ian Stuart Donaldson meinte dazu: „Musik ist das ideale Mittel, um Jugendlichen den Nationalsozialismus näherzubringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden.“ Die Attraktivität der Skinhead-Subkultur soll gesteigert werden (wo nix geboten wird, bleiben die Leute auch nicht) und die erzielten Einnahmen kommen „der Bewegung“ zu gute. Bislang ist Blood & Honour in Österreich - abgesehen von Vorarlberg - relativ bedeutungslos und auch in der Skinheadszene nicht unumstritten. Trotzdem ist das parteiungebundene und auf die Musik ausgerichtete Verständnis der Gruppe für viele Jugendliche allemal attraktiver als die Politik „alteingesessener“ rechter Gruppen wie einiger Traditionsverbände oder der AFP. Die ersten Versuche, eine eigene Demonstration und eigene Veranstaltungen in Vorarlberg durchzuführen, deuten auf ein verstärktes politisches Engagement von Blood & Honour hin. Da die Rechtsrock-Szene im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Österreich noch schwach entwickelt ist und über ein entsprechendes Potential verfügt, könnte Blood & Honour eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Szene spielen. Grund genug, die Entwicklung des rechtsextremen Musiknetzwerkes (auch jenseits von Blood & Honour) und allfällige Vernetzungen mit Gruppen wie den „Freien Kameradschaften“ oder dem „Bund Freier Jugend“ weiterhin im Auge zu behalten.

Literatur:

  • Searchlight / Antifaschistisches Infoblatt / Enough is enough / rat (Hg.):White Noise. Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour - Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene. 2.Auflage, Unrast-Verlag 2000.
  • Valandro, Franz: Rechtsextremismus in Vorarlberg nach 1945. Reihe Studien zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, Band Nr. 15. Bregenz 1999.
  • Baacke, Dieter / Farin, Klaus / Lauffer, Jürgen (Hg): Rock von Rechts II. Milieus, Hintergründe und Materialien. Reihe Schriften zur Medienpädagogik 28 der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur in der Bundesrepublik Deutschland (GMK) e.V. 1999.
  • Christian Dornbusch / Jan Raabe (Hg.): Rechtsrock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien, Unrast-Verlag 2002.


Die Skinhead-Subkultur kann nicht pauschal als „rechtsextrem“ eingestuft werden, da es - auch in Vorarlberg - unpolitische (Oi-Skin, Sharp-Skin) oder sogar linksextreme (Redskins, Anarchoskins) Skinheads gibt. Wenn in diesem Artikel von Skinheads gesprochen wird, dann sind ausschließlich rechtsextreme Faschoskins gemeint! Der Begriff „Faschoskin“ dient dabei der Abgrenzung von unpolitischen oder linken Skinheads und bedeutet nicht, dass diese sich politisch am italienischen Faschismus Mussolinis orientieren.

Stand: Februar 2004

Originaltext: ein Antifa aus Vorarlberg


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