Lisa und Rosa - Anarchorobben und Polyamory

Emanzipation und Verantwortung

“Emanzipation kann verstanden werden als Befreiung von Strukturen, die die Freiheit Einzelner aufgrund der Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen einschränken. Neben der Gestaltung gesellschaftlicher Zusammenhänge, die Menschen mehr Freiheiten ermöglichen sollen, sind es aber auch die Beziehungen zu anderen, die emanzipatorisch gestaltet werden müssen. Emanzipation geht immer nur ‘zusammen’, in einem Netz von Menschen, die sich gegenseitig Freiräume und die Möglichkeit gewähren, aus einschränkenden und diskriminierenden Rollenmustern auszubrechen. (...) Piercy weist in ihren (...) Büchern darauf hin, dass Emanzipation auch Verantwortung bedeutet, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen und für andere Menschen.” “Erzählung als Horizont” outside the box (#1 dez 09)

Freiheit, freie Liebe, freie Beziehungen! Wir möchten viele lieben und fühlen uns in monogamen Zweierbeziehungen nicht vollkommen wohl. Deswegen machen wir uns in letzter Zeit viele Gedanken darüber, wie wir uns Beziehungen, Liebesbeziehungen, sexuelle Beziehungen vorstellen. Wie wir uns vorstellen, mit Verlustängsten oder Eifersucht umzugehen und so weiter. Dabei stoßen wir oft an unsere eigenen Grenzen. Wir tauschen Erfahrungen aus, die wir gemacht haben, mit Beziehungen, die nicht funktionieren, in denen wir uns nicht wohl und frei fühlen konnten oder können. Dabei merken wir immer und immer wieder: das Persönliche ist politisch.

Wir, zwei kleine queerfeministische Anarchorobben, möchten uns an dieser Stelle gegen ein unserer Meinung nach falsch ausgelegtes Polyamory- und Freiheitsverständnis aussprechen. Oft wird der Drang danach, sexuelle Freiheit ausleben zu wollen, mit Polyamory verwechselt. Anstatt zu sagen: "Ich möchte keine feste/n Beziehung/en, sondern ungebunden sein und Spaß haben", heißt es plötzlich: "Ich lebe poly". Es geht nicht darum, dass wir Ungebunden sein und (sexuellen) Freiheitsdrang kacke finden, oder diese Bedürfnisse irgendwem vorwerfen wollen (vor allem letzteres nicht). Es geht uns darum, zu verdeutlichen, dass unser Polyamoryverständnis ein anderes ist. Dass Menschen ungebunden sein wollen, ist natürlich völlig okay. Es wäre ja auch in Ordnung, sich als polyamorös lebend zu bezeichnen, wenn denn ausreichend kommuniziert wird, ob die Interpretation des Begriffes geteilt wird und welches Freiheitsverständnis der Lebensweise vorausgeht.

„Freiheit ist immer Freiheit des anders denkenden" Rosa Luxemburg

Dieses Zitat ist auf verschiedene Weisen zu verstehen. Geht es darum, mich möglichst nicht in meiner Freiheit einschränken zu lassen, oder eher darum, andere Menschen möglichst nicht in ihrer Freiheit zu beschränken?

Der Anspruch in vielen Polybeziehungen scheint auf dem Ideal zu basieren, sich möglichst nicht in der eigenen Freiheit einschränken zu lassen. Dies kann dazu führen, dass andere Menschen denken, sich diesem Freiheitsideal unterordnen zu müssen oder sich selbst einschränken.

Dieses Freiheitsverständnis ist individualistisch zu betrachten und entzieht sich damit jedes gesellschaftlichen Kontextes in dem Sinne, dass dieser Freiheitsbegriff nicht ausgehandelt werden muss, sondern bestimmte Verhaltensweisen diesem entsprechen können - oder eben nicht.

An dieser Stelle schließt sich die Frage danach an, wer sich hier überhaupt die Deutungshoheit über den Freiheitsbegriff anmaßt? Unserer Erfahrung nach sind das häufig die männlich sozialisierten Menschen, die erklären, welche Freiheitsvorstellungen sie haben und dagegen die weiblich sozialisierten, die die Verantwortung für den ganzen emotionalen Kram übernehmen und sich das umgekehrt auch für sich wünschen - aber hin und wieder gegen Wände rennen. Männlich sozialisierte Wände, deren emanzipatorisches Verständnis so weit geht, wie sie sich selbst damit wohlfühlen. Als wäre die Tür, die zu suchen ist, um aus einschränkenden Rollenmustern auszubrechen, nur eine aufgemalte. Dekorativ, zu Profilierungszwecken - um bei den Mädchen in der Szene gut anzukommen? Das ist selbstverständlich spekulativ und soll keinen Generalverdacht gegen männlich sozialisierte Menschen bedeuten, aber wir glauben nicht an Zufälle, was geschlechtsspezifisches Rollenverhalten betrifft.

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Kleiner Exkurs in den Alltag:

Oft fühlen sich weiblich sozialisierte Personen für das Wohlergehen ihres Gegenübers verantwortlich und übernehmen die emotionale Arbeit für andere Menschen gleich mit. Sie1 fragt: „Ist es für dich okay, wenn ich mich so verhalte, wie geht es dir damit?“ Und seine kurze und sehr aussagekräftige Antwort ist nicht selten „Ich werd dir schon sagen, wenn mich irgendwas stört.“ Die Nachfrage, ob SIE irgendetwas stört bleibt aus, vermutlich wird daran nicht mal gedacht, SIE ist ja schließlich selbst dafür verantwortlich sich mitzuteilen. Womit wir wieder bei der Unterordnung unter die Definitionsmacht wären. Dieses Beispiel findet in Aussagen wie: „Selbst Schuld, wenn man nicht Nein sagt.“ ihren traurigen aber allzu oft wahren Höhepunkt. Wir haben unter anderem auch selten erlebt, dass mögliche Grenzen im Umgang mit Sexualität überhaupt erfragt oder ausgehandelt wurden. Auch hier läuft oft die Platte des heteronormativen Mainstreams, der z.B. selbstverständlich davon ausgeht, dass von allen der Wunsch nach Penetration während Menschen miteinander Sex haben, geteilt wird.
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Unseren Erfahrungen nach wird ein individualistisches Verständnis von Freiheit oft als Basis für eine Beziehung genommen, die in irgendeinem Sinne dem linksalternativen Szeneverständnis von Polyamorie, nichtmonogamen Beziehungen, freier Liebe entspricht. Doch so sehr moderne Verhältnisse zu einem Verständnis und einem Begriff von Freiheit führen, in dem jede_r so uneingeschränkt wie möglich handeln möchte und wollen kann, so sehr kann dieser Begriff nicht ohne Sicherheit gedacht werden. Sie bedingen sich gegenseitig. „Freiheit stirbt mit Sicherheit“ - was auf den Überwachungswahn zutreffen mag, ist auf zwischenmenschliche Beziehungen wohl nur sehr eingeschränkt anzuwenden. Betrachten wir es mit einem physischen Bedürfnis - vielleicht mit so etwas banalem wie dem Essen: Nur mit der Sicherheit und dem Wissen darum, dass mein Kühlschrank morgen auch noch voll ist, kann ich die Freiheit haben überhaupt etwas zu mir zu nehmen und im besten Fall auch noch frei auswählen, was ich davon nehme. Wenn ich es nicht wüsste, dann würde ich vielleicht mit der Frage einschlafen, ob denn morgen überhaupt noch etwas da ist, was ich dafür tun muss um mir meine Nahrungsmittel zu beschaffen und mit wem ich sie vielleicht teile.

Was hat diese Sicherheit jetzt mit Freiheit zu tun? Die Sicherheit und das Gerüst, das mit dem Aufbau einer exklusiven Zweierbeziehung einhergeht wird für gewöhnlich nicht zwischen den Menschen, die diese Beziehung eingehen, ausgehandelt.

Genauso scheint es bei Polybeziehungen zum Standard geworden sein, ebenso von einer Matrix freiheitlicher und emanzipatorischer Ansprüche auszugehen, bei denen jede Person danach handelt, sich in der eigenen Freiheit nicht einschränken zu lassen. Diese Freiheit und der nicht vorhandene Aufbau eines Gerüstes für eine nicht exklusive Zweierbeziehung, werden für gewöhnlich auch nicht ausgehandelt. So scheint es selbstverständlich, nicht eifersüchtig zu sein, nicht durch das Verhalten anderer verletzt werden zu können oder selbst zu verletzen, oder Ansprüche und Erwartungen stellen zu können als auch womöglich gestellt zu bekommen.

Was damit einhergeht ist die Beschwörung einer schönen Zeit, die man miteinander genießt und sich möglichst nicht mit den Bedürfnissen der anderen Person auseinandersetzen muss. Dazu gehören Aussagen wie: „Wenn ich dir gerade nicht nahe sein möchte, dann musst du das akzeptieren. Dafür muss ich mich nicht rechtfertigen.“

Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich geht es genau darum, Wünsche und Bedürfnisse zu artikulieren und darum, dass diese akzeptiert werden. Aber die Freiheit, sich zu äußern, sollte nicht damit gleichgesetzt werden, von anderen Menschen bedingungsloses Verständnis einzufordern. Wenn Menschen eine Beziehung welcher Art auch immer eingehen, so gehen sie auch gleichzeitig eine Verantwortung ein, die andere Person zu berücksichtigen und im besten Fall nicht zu verletzen. Diese Verantwortung bedeutet, dass ich Menschen den Raum gebe, sich mit ihren Unsicherheiten und Bedürfnissen artikulieren zu können. Diesen Raum sollten sie sich nicht unter den größten Anstrengungen und unter der Angst, missverstanden zu werden, erkämpfen müssen.

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Kleiner Exkurs in den Alltag:

Aussagen und Fragen, die scheinbar ganz selbstverständlich in einer monogamen Beziehung an die andere Person herangetragen wurden: Und wie sahst du da aus, als du weggegangen bist? Hattest du einen tiefen Ausschnitt? Wurdest du angemacht? Hast du mit jemand anderem rumgemacht? Mit wem hast du da geredet? Ich bin stinksauer dass dein/e Exfreund/in bei dir übernachtet hat! Alles andere ist dir wichtiger als ich! Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann ...!
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Damit gehen einher: Exklusivitätsanspruch, Besitzdenken, der Partner/die Partnerin wird für die eigenen Gefühle verantwortlich gemacht, die trotz allem nicht artikuliert werden, sondern in Vorwürfe verpackt werden. (das soll natürlich nicht bedeuten, dass monogame Beziehungen immer so ablaufen, wir bringen hier bloß unsere eigenen Erfahrungen an, die uns dazu bewegt haben, das Konzept monogame Zweierbeziehung an sich in Frage zu stellen. Wir stellen uns stattdessen vor, dass in Beziehungen ehrlich mit anderen und mit sich selbst umgegangen wird. Das z.B. Verlustängste nicht in Vorwürfe verpackt werden, usw. Dazu gehört viel Selbstreflexion, Auseinandersetzung, Geduld... und Anstrengung. Aber im Prinzip muss das ja keinen Unterschied zur Monogamie darstellen, der Unterschied liegt womöglich einfach in dem Denken, man könne nur einen einzigen Menschen lieben und mit diesem Sexualität teilen. Dieses teilen wir nicht, das bedeutet allerdings, wie gesagt, viel Auseinandersetzung darüber, um überhaupt zu versuchen aus einem anerzogenen Rollen- und Monogamiedenken „auszubrechen“.)

Wir glauben, dass die Bürde nicht ist, mit Polyamorie umzugehen, sondern damit, zu sagen, was man wirklich fühlt, denkt, dass man verletzt ist oder Verlustängste hat. Niemand ist dafür verantwortlich WIE sich eine Person aufgrund des Verhaltens anderer fühlt, aber man kann einer anderen Person dabei helfen, mit diesem Gefühl umzugehen anstatt sie vielleicht dafür zu verurteilen, dass sie dieses Gefühl hat. Denn im schlimmsten Fall verurteilt sie sich selbst bereits dafür. Nur durch den Austausch und das Wissen um die mögliche Gefühlslage des anderen kann Sicherheit geschaffen werden. Die Sicherheit, die notwendig ist, um wirklich frei miteinander sein zu können und auch, um frei handeln zu können. Denn wenn ich weiß, wie es dir geht, ist es für mich leichter, zu entscheiden, wie ich mich verhalten möchte, da ich alle Optionen in Betracht ziehen kann. Selbst wenn ich weiß, dass ich dich damit verletzen könnte, kann ich dir sagen, dass dies nicht meine Absicht ist und du kannst das Vertrauen haben, dass ich dich in deiner Gänze akzeptiere, ohne, dass wir uns einschränken müssen und trotzdem frei miteinander sein können.

Was ich mal geglaubt habe:

  • jeder Mensch ist ausschließlich für sich selbst verantwortlich
  • meine Gefühle sind mein eigenes Problem, mit denen ich andere nur belasten würde
  • ich will mich selbst nicht mit den Problemen anderer Menschen belasten
  • Verantwortung bedeutet Verpflichtung
  • man muss den Menschen, die man mag, keine Sicherheit versprechen, denn:
  • Sicherheit gibt es nicht
  • feste Rollenmuster und Beziehungskonstrukte abzulehnen, bedeutet mehr oder weniger automatisch, ein unbeschriebenes Blatt zu werden, das die absolute Freiheit erreichen kann


Glaubst du das auch? Dann schnapp dir dein Privilegienpony und reite zurück auf deine einsame Wiese, auf welcher man weder Polyamory noch menschliche Beziehungen an sich verstanden hat. Oder hinterfrag dich selbst.


Was ich jetzt glaube:

Freiheit finde ich nicht in Einsamkeit, sondern in einem Netzwerk von Menschen, mit denen ich freiheitliche Ideale teile. Und ich finde Freiheit, indem wir aufeinander eingehen, uns füreinander verantwortlich fühlen, füreinander da sein wollen. Eine monogame Beziehung entspricht nicht meinen Bedürfnissen, daher lehne ich sie für mich ab. Aber das bedeutet nicht, dass ich statt einer festen Beziehung gar keine möchte, sondern viele. Dadurch, dass die Menschen, mit denen ich in Beziehung stehe, ebenfalls weitere Beziehungen haben, geht der Exklusivitätsanspruch, der eine monogame Beziehung u.a. ausmacht und den ich kritisiere, verloren. Es gibt nicht die eine bedeutungsvolle Beziehung für mich, sondern viele bedeutungsvolle. Und wenn diese Menschen ebenfalls viele bedeutungsvolle Beziehungen haben, ist es leicht, die Verantwortung füreinander aufzuteilen, so dass man letztlich nicht eingeschränkt wird, durch die Ansprüche, die, werden sie an einen einzelnen Menschen gestellt, überfordern können.

Diese Verantwortung füreinander in Beziehungen ist letztlich immer irgendwie da, auch wenn sie natürlich kein festes vertragliches Abkommen darstellt oder in Stein gemeißelt steht. Erst in der Sicherheit, Rückhalt zu finden, bei Menschen, denen ich etwas bedeute und die mir etwas bedeuten, finde ich meine Freiheit. Ansonsten müsste ich die ganze Zeit, von Zweifel und Ängsten erfüllt, um die Menschen bangen, die ich liebe, zerfressen von Verlustängsten.

Die Verantwortung in einer Beziehung ist eine freiwillige, und keine Verpflichtung. Ich habe jederzeit die Möglichkeit, Verantwortung von mir zu weisen. Zum Beispiel, wenn ein Freund/eine Freundin mich darum bittet, ihr bei Problemen zu helfen und ich mich selber gerade nicht in der Lage dazu fühle, kann ich das selbstverständlich äußern. Jedoch zieht jede Handlung Konsequenzen nach sich und womöglich ist der Freund/die Freundin enttäuscht von mir.

Damit ich jedoch überhaupt erst eine Entscheidungsfreiheit habe - die Verantwortung anzunehmen oder von mir zu weisen - muss ich die Konsequenzen meines Handelns kennen. Erst durch möglichst vollständige Information kann ich eine freie Entscheidung treffen, da ich dann erst wirklich wissen kann, was ich eigentlich will. So kann eine Handlung, die ich gerade im Sinne habe, bedeuten, einen Menschen zu verletzen. Würde ich um diese Konsequenz meines Handelns nicht wissen, wäre diese dennoch real. Weiß ich darum, so beeinflusst sie selbstverständlich mein Handeln, da ich nun zwischen dem anfänglichen Willen und dem Willen, einen Menschen nicht zu verletzen, abwägen und entscheiden muss. Für feste Beziehungen bedeutet dies konkret, dass ich die Gefühle meines Gegenübers kennen muss und gegebenenfalls danach frage. Und das bedeutet auch, die Beziehungen zu kennen, die die Person noch zu anderen pflegt, da ich dadurch viel besser abwägen kann, wie viel Verantwortung mir in einem bestimmten Moment womöglich auferlegt wird.

Was alles nach selbstverständlichen, verantwortungsbewussten und menschlichen Umgangsregeln in Beziehungen klingen mag, ist scheinbar einigen Menschen nicht bewusst.

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Kleiner Exkurs in den Alltag:

Er: „Ich fühl mich aber wohl so wie ́s ist.“ ... Sie: „Ich mich aber nicht.“ ... tick tack tick tack ... (Grillenzirpen im Hintergrund) ... Er: „Und warum soll ich jetzt was ändern?“
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Polyamory und Anarchismus?

Anarchismus schließt ein, dass Menschen in freien Vereinbarungen leben und solidarisch und verantwortungsvoll miteinander umgehen. In der Sicherheit des solidarischen Rückhalts liegt die Freiheit des Individuums. Anarchismus könnte nicht davon leben, dass alle Menschen rücksichtslos ihren egoistischen Interessen nachkommen und darauf bedacht sind, sich um Himmels Willen nicht in ihrer Freiheit einschränken zu lassen. Ohne Herrschaft und in Freiheit leben hieße, dass wir alle verstehen, wie wir uns gegenseitig Freiheit geben können, ohne zu viel der eigenen Freiheit aufzugeben. Und damit geht unweigerlich Verantwortung füreinander einher.

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Kleiner Exkurs in den Alltag:

Sie: „Man muss doch darüber reden, wenn man sich eventuell in einer Situation scheiße fühlen würde?“ ... Er: „Aber wenn du mir immer sagst, wenn dich irgendwas verletzen könnte, dann beeinflusst das ja meinen Willen und schränkt meine Freiheit ein.“ What the fuck?
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Es gibt keine Beziehungen, die immer flockig, locker, einfach, unkompliziert und frei sind. Aber sie werden es erfahrungsgemäß auf jeden Fall eher, wenn ich mit allen über möglichst alles spreche, was die Beziehung betrifft. So kann auch überhaupt erst garantiert werden, dass die Beziehung eine freie Vereinbarung darstellt. (Ohne vollständige Information -> keine Möglichkeit Konsequenzen abzuwägen -> keine Entscheidungs- und Handlungsfreiheit) Ist das nicht der Fall, wird diese Beziehung auch keinem emanzipatorischen Anspruch gerecht.

Beispiel Eifersucht

Eifersucht ist nichts böses. Es sei denn, sie wird als emotionales Druckmittel eingesetzt. Kenne ich jedoch einen Menschen und seine Beziehungen zu anderen Menschen, kann ich die Situation und Gefühle gleich viel besser einschätzen, um dann darüber sprechen zu können, wann sich wer wie wo eifersüchtig und verletzt fühlt. Anschließend wird es erst möglich einen Umgang miteinander auszuhandeln. Gar nicht darüber zu sprechen, kann vielleicht auch funktionieren. Aber woher kann man dass so genau wissen, wenn man gar nicht darüber spricht? Dieser Grand Canyon in der Argumentationslogik sollte einem doch auffallen? So was wie ein Fazit Wie der Umgang mit negativen Gefühlen dann konkret aussieht, bleibt natürlich allen selbst überlassen. Aber ein Polyamoryverständnis, was Auseinandersetzungen über negative Gefühle nicht beinhaltet wegzuignorieren, ist und nicht stattdessen das fordert die Polyamoryverständnis „bösen der Besitzansprüche“ queerfeministischen Anarchorobben. Für Gefühle kann kein Mensch etwas. Aber dafür, wie wir damit umgehen. Und wenn ich von anderen verlange, die Gefühle wegzuignorieren, in dem ich nicht darüber sprechen will, setzte ich mich über sie hinweg. Und das hat letztlich nichts mehr mit Emanzipation zu tun, sondern bedeutet einfach nur einen Egotrip auf Kosten der Freiheit anderer Menschen.

Kommunikation ist, wie ich finde, überhaupt das Wichtigste. Wir 2 kleinen Anarchorobben beanspruchen an dieser Stelle natürlich nicht, die absolute Wahrheit über Beziehungen zu kennen und auch nicht, wie man denn nun Polyamory “richtig” definiert. Wir versuchen darzulegen, wie wir Freiheit für uns interpretieren und das auf unsere Vorstellung von Beziehungen übertragen möchten. Es steht jedem Menschen offen, etwas anderes in Polyamory hineinzudeuten. Nur die Reflexionen und das Kommunizieren über die Deutungshoheit, die Geschlechterrollen, die Beziehungsvorstellungen und das Freiheitsverständnis dürfen nicht fehlen. Etwas stillschweigend als Konsens vorauszusetzen kann womöglich nur mit viel Glück nicht schief gehen, aber warum sollten wir uns auf unser “Schicksal” verlassen? Beziehungen, wie wir sie uns wünschen und ausleben wollen, können wir selbst gestalten.

Keine Macht für niemand,
oder
Alle Macht für Jeden.

Alle Macht
über das eigene Leben,
aber
keine Macht,
über das Leben anderer. (2)


Fußnoten:
1.) Wir finden es sinnvoll in den Alltagsexkursen auf die Geschlechter hinzuweisen, da die erlernten geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen unserer Meinung nach eine Rolle spielen.
2.) Anarchafeminismus - Edition Schwarze Kirschen - Libertag Verlag Berlin

Originaltext: http://anarchorobben.blogsport.de/images/anarchorobbenundpolyamory.pdf


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