Helge Döhring - Die kurze Geschichte des Anarcho-Syndikalismus in Heidelberg

  • Etwas aus der Geschichte des deutschen Syndikalismus
  • Weg und Ziel der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)
  • Von Heidelberg, da kommt es her
  • Bist du für gegenseitige Hilfe? Dann werde Mitglied der "Gilde freiheitlicher Bücherfreunde"!
  • Es lebe der Anarcho-Syndikalismus!
  • Der Heidelberger Notstandsarbeiterstreik
  • Zentralverbandsterror oder freie Gewerkschaften
  • Die FAUD stößt vor! Unsere Versammlung in Heidelberg - ein Erfolg
  • Zur Lage in Deutschland - Der Faschismus im Anmarsch

Etwas aus der Geschichte des deutschen Syndikalismus

„Die freiheitsfeindlichen Tendenzen und die blinde Staatsgläubigkeit, die in der modernen Arbeiterbewegung immer stärker zum Durchbruch kommen, tragen sicher nicht dazu bei, die wahren Ziele des Sozialismus zu fördern. Vergessen wir nie: Der Sozialismus wird frei sein oder er wird nicht sein!“ (Rudolf Rocker) (1)

Die anarcho-syndikalistische Arbeiterbewegung in Deutschland entsprang ursprünglich der alten sozialdemokratischen Organisation. Doch lehnte sie den Zentralismus und die marxistisch-materialistische Weltanschauung zunehmend ab und organisierte sich entsprechend föderalistisch in Lokalvereinen. Seit 1897 organisierten diese sich als Gewerkschaftsgruppen selbständig innerhalb der Sozialdemokratie, seit 1901 hieß ihre reichsweite Organisation „Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften“ (FVDG) mit dem organisatorischen Schwerpunkt in Berlin. Der Bruch mit der SPD erfolgte im Jahre 1908. Den anschließenden militaristischen Kurs der Partei teilten sie somit nicht, im Gegenteil erwiesen sie sich als konsequente Antimilitaristen. Die FVDG zählte vor dem Ersten Weltkrieg etwa 8.000 Mitglieder, nach dem Krieg bekam sie Zulauf von zehntausenden von der Sozialdemokratie enttäuschten Arbeitern und konnte sich als Organisation gehörig ausbauen.(2)

Weg und Ziel der Freien Arbeiter-Union (Anarcho-Syndikalisten)

Unabhängig von den sozialdemokratischen- und aufkommenden kommunistischen Organisationen entwickelte die Bewegung eine eigene Konzeption und Weltanschauung, welche sich an den französischen „Bourses du travail“, dem Modell der „Arbeiterbörsen“ orientierte. Die darüber hinausgehenden weltanschaulichen Aspekte entwickelten sich im Wesentlichen aus dem kommunistischen Anarchismus, wie ihn Peter Kropotkin darlegte. Kurz dargestellt lassen sich die Aufgaben dieser unabhängigen anarcho-syndikalistischen Gewerkschaftsorganisation so darlegen, nämlich:

  1. „Die Arbeiter in Berufs- und Industrieorganisationen zusammenzufassen, um täglich den Kampf zu führen für Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, für bessere hygienische Einrichtungen der Betriebe, für die moralische Durchbildung der Mitglieder, bei der Herstellung von Waren einzuwirken auf die Qualität und nach den Bedürfnissen des arbeitenden Volkes.
  2. Die Mitglieder zu schulen für die sozialistische Gesellschaftsordnung, sie zu erziehen dahin, dass sie fähig werden, die Träger und Verwalter der sozialistischen Produktion zu werden.“(3)


Nach der von Rudolf Rocker formulierten „Prinzipienerklärung des Syndikalismus“ sollte das organisatorisch auf den Punkt gebracht so aussehen: “Die Syndikalisten...sind prinzipielle Gegner jeder Monopolwirtschaft. Sie erstreben die Vergesellschaftung des Bodens, der Arbeitsinstrumente, der Rohstoffe und aller sozialen Reichtümer; die Reorganisation des gesamten Wirtschaftslebens auf der Basis des freien, d.h. des staatenlosen Kommunismus, der in der Devise: ‚jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach, seinen Bedürfnissen!’ seinen Ausdruck findet.“

Weiter führt Rocker aus, dass die „Syndikalisten der Überzeugung sind, daß die Organisation einer sozialistischen Wirtschaftsordnung nicht durch Regierungsbeschlüsse und Dekrete geregelt werden kann, sondern nur durch den Zusammenschluß aller Kopf- und Handarbeiter in jedem besonderen Produktionszweige: durch die Übernahme der Verwaltung jedes einzelnen Betriebes durch die Produzenten selbst und zwar in der Form, daß die einzelnen Gruppen, Betriebe und Produktionszweige selbständige Glieder des allgemeinen Wirtschaftsorganismus sind, die auf Grund gegenseitiger und freier Vereinbarungen die Gesamtproduktion und die allgemeine Verteilung planmäßig gestalten im Interesse der Allgemeinheit.“

"An jedem Ort schließen sich die Arbeiter der revolutionären Gewerkschaft ihrer resp. Berufe an, die keiner Zentrale unterstellt ist, ihre eigenen Gelder verwaltet und über vollständige Selbstbestimmung verfügt. Die Gewerkschaften der verschiedenen Berufe vereinigen sich an jedem Orte in der Arbeiterbörse, dem Mittelpunkt der lokalen gewerkschaftlichen Tätigkeit und der revolutionären Propaganda. Sämtliche Arbeiterbörsen des Landes vereinigen sich in der Allgemeinen Föderation der Arbeiterbörsen, um ihre Kräfte in allgemeinen Unternehmungen zusammenfassen zu können.

Außerdem ist jede Gewerkschaft noch föderativ verbunden mit sämtlichen Gewerkschaften desselben Berufs im ganzen Lande und diese wieder mit den verwandten Berufen, die sich zu großen allgemeinen Industrieverbänden zusammenschließen. Auf diese Weise bilden die Föderation der Arbeiterbörsen und die Föderation der Industrieverbände die beiden Pole, um die sich das ganze gewerkschaftliche Leben dreht.

Würden nun bei einer siegreichen Revolution die Arbeiter vor das Problem des sozialistischen Aufbaues gestellt, so würde sich jede Arbeiterbörse in eine Art lokales statistisches Büro verwandeln, und sämtliche Häuser, Lebensmittel, Kleider usw. unter ihre Verwaltung nehmen. Die Arbeiterbörse hätte die Aufgabe, den Konsum zu organisieren und durch die Allgemeine Föderation der Arbeiterbörsen wäre man dann leicht Imstande, den Gesamtverbrauch des Landes zu berechnen und auf die einfachste Art organisieren zu können.

Die Industrieverbände ihrerseits hätten die Aufgabe, durch die lokalen Organe und mit Hilfe der Betriebsräte sämtliche vorhandenen Produktionsmittel, Rohstoffe usw. unter ihre Verwaltung zu nehmen und die einzelnen Produktionsgruppen und Betriebe mit allem Notwendigen zu versorgen. Mit einem Worte: Organisation der Betriebe und Werkstätten durch die Betriebsräte; Organisation der allgemeinen Produktion durch die industriellen und landwirtschaftlichen Verbände; Organisation des Konsums durch die Arbeiterbörsen."

Von Heidelberg, da kommt es her...

Ein Ortsverein der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) gründete sich in der industriearmen Universitätsstadt Heidelberg erst im Sommer 1931, in einer Zeit, wo diese anarcho-syndikalistische Gewerkschaft reichsweit bereits sehr zurückgedrängt war, aufgerieben zwischen sozialdemokratischen/kommunistischen Arbeiterorganisationen und zudem bedroht durch den aufkommenden Hitlerfaschismus.

Nachbarorts, in Mannheim und Ludwigshafen war die FAUD dagegen einmal eine sehr präsente Organisation gewesen, mit zahlreichen Versammlungen und etwa 1.500 Mitgliedern, führend in manchen Industriezweigen. Das war zu Beginn der zwanziger Jahre, als die FAUD beinahe im gesamten Reichsgebiet ihren Aufschwung nahm, nämlich überall dort, wo viel Industrie angesiedelt war, und die Arbeiter gezwungen waren, sich in effektiven, kämpferischen Betriebsgruppen zu organisieren. Das geschah vornehmlich im Bergbau (Ruhr und Oberschlesien), sowie in der Bau- und Metallindustrie, der Schiffahrt, dem Transportwesen, der Textil- und der boomenden chemischen Industrie. In dieser Hochphase um 1921 zählte die Organisation im gesamten Reichsgebiet 100.000 bis 150.000 Mitglieder, zehn Jahre später nur noch etwa 5.000, im Raum Mannheim/Ludwigshafen immerhin um die 300.(4) Noch immer entstanden im Reichsgebiet Ortsvereine der FAUD, doch meistens nicht mehr aus betrieblichen Organisationsansätzen heraus, sondern als kleine Ideengemeinschaften.(5) Diese versuchten, über Zeitungsverkauf, Kulturinitiativen und Veranstaltungen nach außen zu treten. Wie dieser Versuch in Heidelberg verlief, davon erzählen die folgenden Kapitel. Ähnlich wie es nach dem 2. Weltkrieg die NachfolgerInnen in der Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS) und in der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter Union (FAU) versuch(t)en, begannen auch die Heidelberger Anarcho-Syndikalisten auf dem Gebiete der Literatur:

Bist Du für gegenseitige Hilfe? Dann werde Mitglied der "Gilde freiheitlicher Bücherfreunde"!

Woher die lokale Initiative kam, ist nicht bekannt, aber für die seit 1928/29 reichsweit bestehende anarcho-syndikalistische Kulturorganisation „Gilde freiheitlicher Bücherfreunde“ (GfB) hatten die Aktiven in der 80.000 Einwohner-Stadt Heidelberg offenbar ein Herz und starteten eine Initiative zum Aufbau einer solchen Gruppe.

Auf einer Veranstaltung konnten offenbar Mitglieder für eine GfB geworben werden, allerdings sind weder Treffen noch Veranstaltungen einer örtlichen GfB bekannt geworden. Konkret nachgewiesen werden kann lediglich eine Spende des Heidelberger Anarcho-Syndikalisten Hans Brietzius an die Gesamtorganisation im Sommer 1931.(6)

Diese Büchergilde mit ihren bis zu 1.200 Mitgliedern hatte es tatsächlich in sich. Sie organisierte Veranstaltungen beispielsweise mit den bekanntesten Köpfen der internationalen Bewegung, beispielsweise mit Rudolf Rocker, Emma Goldmann oder dem Schriftsteller Theodor Plievier, und sie produzierte eine Reihe von Büchern, die augenscheinlich großen Zuspruch hatten, denn die Gilde wuchs in manchen Orten zu einer beachtlichen Größe heran. Die Veranstaltungen erreichten Besucherzahlen, welcher der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft als solcher oftmals den Rang abliefen. Im schwäbischen Göppingen zählte die GFB beispielsweise mehr Mitglieder als die örtliche sozialdemokratische Büchergilde. Überhaupt zählten Württemberg und die Region „Süd-West“ zu den Zentren der anarcho-syndikalistischen Büchergildenbewegung mit Gruppen in Stuttgart, Ulm, Heilbronn und Ludwigshafen.(7)

„Satzungen

Die GfB will den Schaffenden im Kampfe um eine bessere Menschheitsordnung helfen durch Vermittlung wertvollen Schrifttums unter Ausschaltung von Verlegergewinn.

Die GfB bietet ferner literarische und künstlerische Vorträge, Führungen, Theater-, Film- und Konzertveranstaltungen, um das Interesse für freiheitliche Kunst und kulturelle Erneuerung zu fördern.

Die GfB gibt für ihre Mitglieder jährlich mindestens drei schöngeistige oder wissenschaftliche Bücher heraus, bei deren Wahl und Ausstattung die Gildenleitung von einem Kreis namhafter Schriftsteller und Graphiker beraten wird. (…) Die Mitglieder der GfB erhalten die Monatszeitschrift ‚Besinnung und Aufbruch’, die den Gildengedanken pflegt, die Pläne der Gilde ankündigt, Aufsätze freiheitlicher Schriftsteller bringt und Stellung nimmt zu allen Fragen des Kulturlebens der Gegenwart.

Die Gildenmitglieder schließen sich zu Ortsgruppen zusammen, die ihre örtliche Leitung wählen. Diese besorgen die Propaganda, die Kassierung der Beiträge, den Verkehr mit der Gildenleitung und die Auslieferung der Literatur. Einzelmitglieder treten mit der nächstgelegenen Ortsgruppe unmittelbar in Verbindung oder zahlen an die Geschäftsstelle Berlin direkt. (…) Über den Ausbau der GfB bestimmen die Gruppen gemeinsam mit der Gildenleitung. Der Reichsgildentag tritt alle zwei Jahre zusammen, ist von der Gildenleitung einzuberufen und entscheidet über die Richtung und Durchführung der Gildenarbeit.“(8)

Es lebe der Anarcho-Syndikalismus!

In der Folge organisierten die Anarcho-Syndikalisten in Heidelberg das Zeitungswesen und schrieben Artikel für das Reichsorgan der FAUD, den „Syndikalist“, über einen Notstandsarbeiterstreik vom Juni 1931, in dessen Folge es zu Auseinandersetzungen mit der örtlichen KPD kam und über ein SA-Treffen am 20./21. Juni Vorort, wo etwa 5.000 Nazis durch die Stadt marschierten.(9) Die Abonnements für den „Syndikalist“ nahm Jakob Köhler unter der Adresse Apothekergasse 3 an.(10)

Die Heidelberger Anarcho-Syndikalisten beteiligten sich auch an der regionalen FAUD- Struktur, der sog. „Provinzialarbeitsbörse Süd-West“ (PAB). Auf der Herbstkonferenz der PAB im November 1931 in Mannheim wurde Hans Brietzius zum Schriftführer gewählt.(11) Die angeschlossenen Ortsvereine koordinierten hier ihre Aktivitäten, organisierten beispielsweise Vortragsrundreisen, Feierlichkeiten, versuchten, neue Gruppen aufzubauen und sammelten gemeinsam Solidaritätsgelder. Außer den größeren Ortsvereinen in Mannheim/Ludwigshafen (1932 noch etwa 250 Mitglieder) waren hier neben Heidelberg noch Gruppen zusammengefasst aus Alzey, Darmstadt, Frankfurt, Jockgrim, Oberhausen i.B., Offenbach, Wiesbaden und Worms mit jeweils zwischen 4 und 35 Mitgliedern.(12)

Der Heidelberger Notstandsarbeiterstreik

Den oben erwähnten Artikel zum Thema im „Syndikalist“ schrieb „j(akob). k(öhler)“. Er berichtete darin über die Intervention von Anarcho-Syndikalisten beim Notstandsarbeiterstreik vom Juni 1931. Begonnen hatte dieser mit einem Protest der örtlichen Notstandsarbeiter aufgrund einer Lohnsenkung. Der Oberbürgermeister Carl Neinhaus (parteilos, seit 1933 NSDAP, später CDU) erklärte, dass er denjenigen, die an einem von ihm als solchen deklarierten „politischen Streik“ teilnehmen würden, die Unterstützung streichen würde. Trotzdem traten die Arbeiter am 01. Juni 1931 in den Streik. Aus Sicht der Anarcho-Syndikalisten hatten die Streikenden jedoch mehr Gegner, als nur das Kapital und den Oberbürgermeister. Denn zum einen biederten sich die Nazis, welche sich unter den Beschäftigten befanden, als Streikbrecher an und würden dementsprechend bei der Einstellung vom Unternehmertum bevorzugt. Und zum anderen habe die kommunistische „Revolutionäre Gewerkschafts- Opposition“ (RGO) die Führung des Streiks an sich gerissen und nicht dafür gesorgt, außerhalb der eigenen Streikaktivitäten um Solidaritätsstreiks in anderen Betrieben zu werben. Für den 02. Juni berief die RGO eine Erwerbslosenversammlung ein, um Streikposten zu gewinnen. Von den 300 Anwesenden war dazu jedoch kaum jemand bereit. Die benachbarten Anarcho-Syndikalisten aus Mannheim machten in ihrer Stadt ebenfalls Erfahrungen in dieser Sache. Daher sprach das Mannheimer FAUD-Mitglied Reichard die Versäumnisse der RGO an, und so kam es zu einem Disput mit dem KPD-Redner Hoffmann, der, so J(akob) K(öhler) als „Diskussionsredner allerhand Märchen über Spanien und Russland erzählte. So z.B. haben nach seiner Meinung ‚die Syndikalisten in Spanien reaktionäre Generäle und dergleichen gewählt, um der Reaktion wieder zur Macht zu verhelfen.“ Die Anarcho-Syndikalisten werteten diese Zusammenkunft, in welcher zudem der ukrainische Anarchist und Freiheitskämpfer Nestor Machno als „Verräter“ tituliert wurde, als „parteikommunistische Propagandaversammlung (die) mit dem üblichen patentrevolutionären Tamtam ihr Ende fand.“ Die Kommunisten beschuldigten im Anschluß in ihrem örtlichen Parteiorgan den FAUD-Redner Reichard, er habe auf der Erwerbslosenversammlung „Flauheit und Mißstimmung in die Arbeiter getragen und den Kommunisten seine syndikalistischen ‚Utopien’ aufzwingen wollen.“ Die Syndikalisten ihrerseits bezeichneten den Artikelschreiber als „parteikommunistischen Gernegroß“ und stellten heraus, „dass der revolutionäre Syndikalismus auch in Heidelberg Fuß gefasst hat und lebt, bis die revolutionäre Arbeiterbewegung die Richtung eingeschlagen hat, die allein aus Ausbeutung und Unterdrückung in die wirkliche Freiheit führt.“ Denn, so benannte J(akob) K(öhler) in seinem Bericht im „Syndikalist“ seine „Utopien“: „nicht Privat- noch Staatskapitalismus, sondern eine sozialistische Bedarfswirtschaft, organisiert im freien Rätesystem, das sind unsere Ziele, und dafür wollen wir kämpfen.“

Der Streik wurde letztlich erstickt auf Grund von sich anbiedernden Nazis, und der Drohung eines NSDAP-Stadtratsabgeordneten, die SA zum Schutz von Streikbrechern einzusetzen, falls die Polizei untätig bliebe. Die SPD im Stadtrat wiederum sprach den Streikenden immerhin noch eine 48- Stundenfrist zur Wiederaufnahme der Arbeit aus. Tatsächlich wollten die ersten schon am Sonntag, dem 06. Juni wieder arbeiten, und zwei Tage später war der Streik zu ende.(13)

Zentralverbandsterror oder freie Gewerkschaften

Die Arbeiterschaft sollte sich nach Meinung der Anarcho-Syndikalisten von der Vormundschaft durch die sozialdemokratischen Zentralverbände (ADGB) befreien, da sie sonst ihr Zutrauen in die eigene verändernde Kraft verlören. Diese geeinte Kraft nämlich ist von existentieller Bedeutung für die Selbstbefreiung des Proletariats von der kapitalistischen Ökonomie, von der Klassenherrschaft. Statt in fatalistische Resignation zu verfallen und auf Zentralverbände und Parteien zu vertrauen, müsse sich die Arbeiterschaft selber föderalistisch und unabhängig organisieren. Eine der wichtigsten Grundeinsichten zur Schaffung einer bedarfsorientierten Wirtschaft formulierte Rocker so: „Der Mensch ist schließlich nicht der Wirtschaft wegen da, sondern die Wirtschaft sollte ihm nur ein Mittel sein, sein Leben freier und angenehmer zu gestalten.“(14)

In der Resolution über die prinzipielle Grundlage des Syndikalismus und den organisatorischen Aufbau der FAUD hieß es 1925: Die praktischen Erfahrungen der Vergangenheit und ganz besonders die großen Erfahrungen der letzten zehn Jahre haben deutlich gezeigt, dass politische Parteien weder imstande sind, notwendige Verbesserungen zugunsten der Arbeiterklasse innerhalb der heutigen Gesellschaft durchzusetzen, noch für eine planmäßige Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens und die Einführung einer wahrhaft sozialistischen Wirtschaftsordnung in Betracht kommen können, da ihre ganze Einstellung, die ausschließlich auf die Eroberung der politischen Macht gerichtet ist, sie zu dieser Aufgabe unfähig macht.

Aus diesem Grunde ist auch jede geistige Bevormundung der proletarischen Wirtschaftsorganisation durch politische Parteien, sowie die Teilung der Arbeiterbewegung in einen politischen und wirtschaftlichen Flügel eine stete Gefahr für die einheitliche Aktion der Arbeiterklasse und ein fortgesetztes Hindernis für ihre endgültige Befreiung von jeder Form wirtschaftlicher Ausbeutung und politischer Unterdrückung...“.(15)

Die SPD wurde nicht als Teil der Arbeiterbewegung angesehen, sondern als „der linke Flügel des Bürgertums“. Die ADGB- Gewerkschaften seien SPD- dominiert und daher ohne revolutionäre Energie. Ganz im Sinne sozialdemokratischer Anpassungspolitik würgen sie die eigentlichen Aufgaben einer Gewerkschaft, wie den Kampf um Lohnerhöhungen oder die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen ab und verhinderten alle Bestrebungen gegen den Abbau sozialer und wirtschaftlicher Errungenschaften. Durch diese bewusste Passivität aber hätten sie dem aufkommenden Faschismus erst die Möglichkeiten gegeben, sich entfalten zu können.

Im weltweiten Maßstab sei besonders die deutsche Arbeiterschaft nahezu von Beginn an zentralistischen Arbeiterinstanzen unterworfen worden. Diese hätten durch kompromißlerische Bestrebungen die kapitalistische Wirtschaft mitsamt dem regulierenden Staatsgefüge von Konflikt zu Konflikt widerstandsfähiger gemacht und seien schließlich sozialpartnerschaftlich zusammengewachsen. Gewerkschaftsführer seien Reichstagsmitglieder und in der sozialdemokratischen Partei. Kulturell sei damit die Verbürgerlichung weiter Teile der Arbeiterschaft einhergegangen. Dieses System der Unterordnung, statt der Selbstverwaltung der Arbeiterklasse habe jedes eigenständige, schöpferische und selbstbewusste Handeln unterbunden. So sei die „Hauptursache aller Misserfolge in der administrativen und wirtschaftsorganisatorischen Unfähigkeit der Arbeiter zu suchen (...), die innerhalb ihrer Gewerkverbände und politischen Parteien niemals für eine solche Aufgabe erzogen wurden.“

Die Verschiebung des Klassenkampfes von der wirtschaftlichen auf die politische Ebene habe sich zum Nachteil für die Arbeiterselbstverwaltung ausgewirkt, da die politisch-parlamentarische Form der Auseinandersetzung eine spezifisch bürgerliche Form des Kampfes sei. Statt politischer Arbeitskämpfe oder Solidaritätsstreiks propagierten die Zentralverbände bestenfalls reine Wirtschaftskämpfe (Lohnerhöhung, Verkürzung der Arbeitszeiten) und überließen die grundlegenden, die Systemfrage stellenden Streitpunkte dem bürgerlichen Parlament, welches sich dem Klasseninteresse folgend natürlich hinter den Weiterbestand der kapitalistischen Wirtschaftsordnung stellte und den Staat zum flexibel-sozialpartnerschaftlichen Sachverwalter ausbaute.(16)

Um sich der syndikalistischen Kritiker zu entledigen kam es an vielen Orten zu Streiks der Zentralverbändler, welche eigens dazu geführt wurden, die Unternehmer zu zwingen, die syndikalistischen Kollegen zu entlassen.

Die FAUD stößt vor! Unsere Versammlung in Heidelberg - ein Erfolg

Eine öffentliche Veranstaltung der FAUD- Heidelberg ist ausführlich überliefert. Um anschaulich zu machen, mit welchen praktischen Schwierigkeiten diese kleine anarcho-syndikalistische Organisation im Aufbau zu kämpfen hatte, wird der Bericht darüber von „(Hans) b.r.(ietzius)“ im Wortlaut wiedergegeben:

Unsere junge Ortsgruppe der FAUD in Heidelberg hielt am 15. August ihre erste öffentliche Versammlung ab. Über das Thema: ‚Sozialismus oder Faschismus’ referierte Genosse Karl Gültig. Die Versammlung, die von ungefähr 150 Personen besucht war, zeigte mit aller Deutlichkeit, wie verheerend die Partei-Mameluken aller Schattierungen auch in der Heidelberger Arbeiterschaft wüten. Schon wochenlang vor Stattfinden dieser Versammlung wurde uns von verschiedenen Seiten, hauptsächlich vom Leiter der KPD, die Sprengung unserer Versammlung angedroht. Eine wohlbedachte Taktik machte jedoch diesen ‚Klassengenossen’ einen gehörigen Strich durch ihre saubere Rechnung. Wohl sah man vor Versammlungsbeginn einige verdächtige Gestalten das Versammlungslokal umschleichen, jedoch traute man wohl dem Wetter nicht, so daß man sich begnügte, Arbeiter, soweit sie sich abhalten ließen, von unserer Versammlung fernzuhalten. Wie dem auch sei: Wir können mit dem Erfolg zufrieden sein, hat die Versammlung doch manchem Außenseiter die Augen geöffnet. Nun zur Versammlung selbst.

In überzeugender Weise analysierte Genosse Gültig das Wesen des Faschismus, wobei er eine Menge Beispiele offenfaschistischer sowie „demokratisch“-faschistischer Länder anführte. Daß Genosse Gültig auch auf das Steckenpferd der Parteikommunisten, „Sowjet-Rußland“, zu sprechen kam, gehörte natürlich zum Thema, und man kann es letzteren nachfühlen, daß sie verärgert waren, als der Referent schonungslos den faschistischen Charakter auch „Sowjet“-Rußlands aufzeigte. Ausgehend von den Anfängen der russischen Revolution bis zur Liquidierung des freien Rätesystems war es Genosse Gültig ein leichtes, im Verfolg der weiteren Entwicklung in Russland die zunehmende Abkehr vom sozialistischen Gedanken nachzuweisen.

Was den „demokratischen“ Faschismus in Deutschland betrifft, so bezeichnete Genosse Gültig mit Recht die politischen Parteien und Zentralgewerkschaften als dessen Haupt-Geburtshelfer und Ernährer. Vor allem geißelte er die SPD. In gründlicher Weise zeigte Genosse Gültig weiter die Rolle der Zentralgewerkschaften, deren Aufgabe darin besteht, die Arbeiterschaft vom direkten Klassenkampf abzuhalten und sie dadurch ohnmächtig dem Kapitalismus auszuliefern. An Stelle des zentralistischen Aufbaus forderte der Referent den föderalistischen Aufbau der Gewerkschaften, wie sie im Syndikalismus vereinigt sind. Hier erwähnte Genosse Gültig die Kampfesweise unserer spanischen Bruderorganisation, der CNT, welche mit den Mitteln der direkten Aktion kämpft und alle staatlich sanktionierten Schlichtungstheater ignoriert. Nachdem Genosse Gültig noch den Faschismus in Italien einer eingehenden Kritik unterzogen hatte, zerpflückte er in längeren Ausführungen die Stellung der Parteien zum Parlamentarismus. In dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Organisation der Arbeiter in Industrieföderationen usw., von unten nach oben, mündend in das freie Rätesystem, erblickt Genosse Gültig mit uns die einzige Möglichkeit, die Produktionskontrolle durchzuführen, die Konsumtion zu regeln und dadurch die Menschheit von gegenseitiger Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien.

Als erster Diskussionsredner nahm der Parteikommunist Beiler das Wort, um sich gleich von vornherein lächerlich zu machen. So verbat er sich die Anrede „Genosse“ und nannte uns kurzweg „die Herren Anarchosyndikalisten“. Er bezeichnete das Referat des Genossen Gültig als „utopistische Utopien“ (!) und „widerlegte“ die dokumentarisch feststehende Tatsache, dass der König von Sachsen mit Hilfe der KPD die horrende Abfindungssumme von 14.000.000 Mark erhalten habe. Weiter versicherte Beiler, daß nur unter der Diktatur der Partei die wirkliche Freiheit möglich und gewährleistet sei. Der nun einmal unentbehrlichen Polizei in Arbeiterversammlungen gegenüber beschwerte sich Beiler, dass diese zuviel Rücksicht dem Referenten gegenüber walten lasse, während ihm längst die Versammlung aufgelöste worden wäre. Diese Aufmerksamkeit gegenüber der Polizei erregte den schärften Protest einiger Genossen, und nur unter größter Bemühung unseres Versammlungsleiters, des Genossen Weidenhammer, war es möglich, den Redner zu Ende sprechen zu lassen.

Als zweiter Redner fungierte Lenz von der SPD. Dieser Redner fand bei dem Referat alles in Ordnung, nur konnte er sich von seinem Schoßkindchen, den Zentralgewerkschaften, nicht trennen und fand ein selbständiges Handeln der Arbeiterschaft außerhalb der Gewerkschaftsbonzokratie absurd. Zur Übernahme der Wirtschaft in die eigenen Hände ist nach seiner Meinung die Arbeiterklasse noch nicht fähig. Im übrigen zeigten seine Ausführungen Sachlichkeit, auch enthielt er sich jeder beleidigenden Äußerung.

Im Schlusswort war es dem Referenten nicht schwer, dem Redner der KPD mit zahlreichen Belegen noch etwas nachzuhelfen, um dessen „Argumente“ wie Spreu im Winde zu zerstreuen; während es die Ausführungen des Redners der SPD nötig machten, die Analyse von Zentralismus und Föderalismus zu wiederholen. Um 12.15 Uhr konnte Genosse Weidenhammer die gut verlaufene Versammlung schließen. Wir konnten einige Neuaufnahmen für die GfB machen und Abonnenten für den „Syndikalist“ gewinnen. Am Montag, dem 17. August, erschien in der hiesigen „Volkszeitung“ mit dem Untertitel „Tageszeitung für die werktätige Bevölkerung“ ein von einem gewissen fiz. (…) verfasster Bericht, der alles andere als objektiv ist. So wird darin behauptet: Es sei dem Referenten nicht möglich gewesen, die Verräterrolle der SPD zu beweisen. Abgesehen davon, dass seine Beweise geradezu erdrückend waren, pfeifen die „Heldentaten“ der SPD doch längst die Spatzen von den Dächern. Gibt es eine Arbeiterpartei, die sich im Krieg schändlicher benommen hat als die SPD? Wenn das nicht genügt, wir können aufwarten.

Daß unser Genosse Gültig an Stelle der Zentralgewerkschaften föderalistische Organisationen setzen will, unterschlägt fiz. ebenfalls. Dafür faselt er von „utopistischen Wirrideen“. Gibt es eine größere Utopie, als den Sozialismus mit einer bewaffneten Zentralgewalt einführen zu wollen? Was versteht die SPD übrigens unter Sozialismus? Weiter nichts als den Staatskapitalismus und damit die Regierungsgewalt und Gesetzemacherei über die Arbeiterklasse, mit anderen Worten: die Herren Bonzen wollen „regieren“, und andere sollen die Arbeit schaffen. Wir aber rufen den Arbeitern zu:
Der Sozialismus wird frei sein, oder er wird überhaupt nicht sein!

Wollt ihr die Freiheit, so seid keine Knechte!
Wollt ihr das Glück, so schafft das Rechte!
Wollt ihr die Früchte, so ackert die Saat!
Wollt ihr das Leben, so leistet die Tat!(17)

Dieser Bericht ist deutlich gezeichnet von der allgemeinen Kampfstimmung, welche in der damaligen Arbeiterbewegung nicht ungewöhnlich war. Zu Beginn der dreißiger Jahre kam zu den rivalisierenden Arbeiterorganisationen noch der erstarkende Faschismus als mächtige Bedrohung hinzu. Daher wurde die Versammlung von dem erfahrenen Anarcho-Syndikalisten Fritz Weidenhammer aus Mannheim geleitet;(18) als Referent trat der nicht weniger gewandte Karl Gültig aus Offenbach auf.(19) Die Starthilfe zum Aufbau in Heidelberg kam also, wie wir hier und am Beispiel vom Notstandsarbeiterstreik sehen können, von anderen Ortsvereinen aus der Region, ganz im Sinne der Aufgabenstellung der Provinzial-Arbeitsbörse Süd-West.

Zur Lage in Deutschland - Der Faschismus im Anmarsch

Doch alle Klarsicht und alle Anstrengungen halfen nichts, die Nazis hatten sich schon vor 1933 in Heidelberg sogar innerhalb der örtlichen Arbeiterschaft als feste Größe etabliert, und konnten als Streikbrecher die nötige Arbeitereinheit von vornherein zunichte machen. In Heidelberg verblieben bis 1932 nur fünf Aktive Anarcho-Syndikalisten, welche Ostern 1932 mit dem Ludwigshafener Jakob Schanzenbächer einen Delegierten zum 19. Reichskongress der FAUD nach Erfurt schickten.(20)

Der Zeitgeist lief in eine andere Richtung und viele Anarcho-Syndikalisten exilierten, einige davon nach Spanien, um an der Seite ihrer GenossInnen der Confederacion Nacional del Trabajo (CNT) im Spanischen Krieg gegen Franco und für eine bemerkenswerte soziale Revolution zu kämpfen. Andere füllten die Konzentrationslager, und nicht alle überlebten die Nazidiktatur.(21)

Nach dem Zweiten Weltkrieg formierten sich bundesweit neue anarcho-syndikalistische Gruppen unter dem Namen Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS) u.a. in den alten Hochburgen Ludwigshafen und Mannheim. Im näher gelegenen Schwetzingen bildeten Eduard Bischoff und Paul Sammel eine Gruppe. In Heidelberg dagegen verstummte die Bewegung.(22)

Informationen über die heutige anarcho-syndikalistische Bewegung und die nächstgelegenen Ortsvereinigungen finden sich auf: www.fau.org

Helge Döhring, Bremen im August 2007

Anmerkungen:
(1) Rudolf Rocker: Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, S. 67.
(2) Zur Geschichte den Syndikalismus in Deutschland seit den Anfängen siehe auch: Gerhard Aigte: Die Entwicklung der revolutionären syndikalistischen Arbeiterbewegung Deutschlands in der Kriegs- und Nachkriegszeit.
(3) „Die Aufgaben der Arbeiterbörsen“, in: „Der Syndikalist“, Nr. 8/1920. Diesbezüglich legte die FAUD ein sehr ausführliches Programm vor: Studienkommission der Berliner Arbeiterbörsen/Franz Barwich (1923): Das ist Syndikalismus. Die Arbeiterbörsen des Syndikalismus, Neu aufgelegt.
(4) In Mannheim davon im Jahre 1919:
305 Dachdecker, in Viernheim noch mal 150
600 Metallarbeiter
470 Verkehrsarbeiter
45 Straßenbahnarbeiter,
vgl.: Protokoll über die Verhandlungen vom 12. Kongress der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, Präsenzliste.
(5) Siehe für Baden auch: Helge Döhring: Anarkisindikatismo en Freiburg. Zur Geschichte des Anarcho-Syndikalismus in Freiburg i. Br.
(6) Vgl.: „Der Syndikalist“, Nr. 22/1931.
(7) Vgl.: „Besinnung und Aufbruch“, Heft 3/Juli 1930. Zur GfB im Allgemeinen siehe Wolfgang Haug: Zum Thema Anarchismus, Teil 3: Die Gilde freiheitlicher Bücherfreunde, in: Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft, Heft 5, Wolfgang Haug: Jährlich mindestens drei schöngeistige oder wissenschaftliche Bücher – Die GfB der FAUD, in: Schwarzer Faden, Nr. 52. Zur Gildenarbeit in einigen Beispielen Württembergs siehe Helge Döhring: Syndikalismus im Ländle, S. 79-83 (Stuttgart), 147 ff. (Göppingen), 159 (Heilbronn) und 168 f. (Ulm). Einen schnellen fundierten Überblick liefert auch das Internetwiki Anarchopedia.
(8) „Besinnung und Aufbruch“, Nr. 4/1929.
(9) Vgl.: „Der Syndikalist“, Nr. 25 und 27/1931. Zum Thema Faschismus in Deutschland aus anarcho-syndikalistischer Sicht erschienen im Jahre 1932 zwei bedeutende Schriften der FAUD: Gerhard Wartenberg („H.W. Gerhard“): Über Hildburghausen ins dritte Reich. Nationalsozialismus und Arbeiterklasse und Voran! Unser Weg. Prinzipienerklärung des Anarcho-Syndikalismus. Organisationsstatut der FAUD. (A.S.), in denen besonders die Rolle der zentralistischen Arbeiterorganisationen als Wegbereiter des Faschismus aufgezeigt wird.
(10) Vgl.: „Der Syndikalist“, Nr. 32/1931.
(11) Vgl.: „Der Syndikalist“, Nr. 47/1931.
(12) Vgl.: Bundesarchiv, R. 58/318 und 321.
(13) Alle Angaben nach: „Der Syndikalist“, Nr. 25/1931.
(14) Rudolf Rocker: Die Rationalisierung..., S. 48.
(15) Protokoll über die Verhandlungen vom 15. Kongreß der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (A.S.), S. 49.
(16) Alle Angaben aus: Rudolf Rocker: Die Rationalisierung..., S. 4-7.
(17) „Der Syndikalist“, Nr. 35/1931. Der Zuruf am Schluß ist entlehnt von Rudolf Rocker und Erich Mühsam.
(18) Fritz Weidenhammer vertrat als Delegierter auf dem 18. Reichskongress der FAUD im Jahre 1930 die Ortsvereine aus Mannheim, Waldhof-Mannheim, Feudenheim, Wallstadt und Heddesheim, vgl.: Protokoll über die Verhandlungen des 18. Kongresses der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (A.S.), abgehalten vom 29. Mai bis 1. Juni 1930.
(19) Der Schreiner Karl Gültig (1906-1992) war ein wichtiger Funktionär der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands (SAJD), der Jugendorganisation der FAUD und einer der wichtigsten Aktiven der Erwachsenenorganisation im süd-westdeutschen Raum. Auf dem 16. Reichskongress der FAUD im Jahre 1927 vertrat er die Ortsvereine Köln-Kalk, Münster und Offenbach. Während der Nazizeit war er eine wichtige Stütze des illegalen anarcho-syndikalistischen Widerstandes.
(20) Vgl.: Geheimes Staatsarchiv Berlin-Dahlem, Rep. 219, N. 140.
(21) Zum anarcho-syndikalistischen Widerstand speziell im süd-westdeutschen Raum während der Nazidiktatur siehe: Manfred Geis: Anarchosyndikalistischer Widerstand in Mannheim, Axel Ulrich: Zum Widerstand der Freien Arbeiter-Union Deutschlands gegen den Nationalsozialismus. Ihr konspiratives Verbindungsnetz in Hessen und im Raum Mannheim/Ludwigshafen, Siegbert Wolf: Der erste Prozeß des Volksgerichtshofs gegen die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) im Sommer 1936 und Helge Döhring zum anarcho-syndikalistischen Widerstand in Württemberg, erscheint 2008.
(22) Vgl.: Hans Jürgen Degen: Anarchismus in Deutschland 1945-1960. In Schwetzingen (damals ca. 10.000 Einwohner) existierte ein eigenständiger Ortsverein der FAUD, vgl.: IISG, IWMA, Albert de Jong, Nr. 59.und „Der Syndikalist“, Nr. 14/1923, Nr. 6/1924.

Personen:

  • Bri(e)tzius, Hans
  • Köhler, Jakob, Apothekergasse 3


Quellen und Zeitschriften:

  • IISG, IWMA, Albert de Jong, Nr. 59
  • Bundesarchiv, R. 58/318 und 321
  • Geheimes Staatsarchiv Berlin-Dahlem, Rep. 219, N. 140
  • Protokoll über die Verhandlungen vom 12. Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften
  • Protokoll über die Verhandlungen vom 15. Kongreß der Freien Arbeiter- Union Deutschlands (A.S.)
  • Protokoll über die Verhandlungen des 18. Kongresses der Freien Arbeiter-Union Deutschlands
  • Besinnung und Aufbruch, Monatsblätter freiheitlicher Bücherfreunde
  • Der Syndikalist, Organ der Freien Arbeiter-Union Deutschlands


Literatur (mit *** gekennzeichnete Texte gibt es auch im Internet!):

  • Aigte, Gerhard: Die Entwicklung der revolutionären syndikalistischen Arbeiterbewegung Deutschlands in der Kriegs- und Nachkriegszeit, Bremen 2005
  • Degen, Hans Jürgen: Anarchismus in Deutschland 1945-1960. die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002
  • Döhring, Helge: Anarkisindikatismo en Freiburg. Zur Geschichte des Anarcho-Syndikalismus in Freiburg i. Br., Bremen 2007***
  • Döhring, Helge: Liste von Ortschaften mit Ortsvereinen der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (1918-1933), Bremen 2007 (mit Karte auf www.syndikalismus-im-Laendle.tk)***
  • Döhring, Helge: Syndikalismus im Ländle. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) in Württemberg 1918 bis 1933, Lich 2006
  • FAUD: Voran! Unser Weg. Prinzipienerklärung des Anarcho-Syndikalismus. Organisationsstatut der FAUD. (A.S.), Berlin 1932
  • Geis, Manfred: Anarchosyndikalistischer Widerstand in Mannheim, in: Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Mannheim, hrsg. v. Erich Matthias u. Hermann Weber, Mannheim 1984
  • Haug, Wolfgang: Zum Thema Anarchismus, Teil 3: Die Gilde freiheitlicher Bücherfreunde, in: Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft, Heft 5, Lübeck, 1994
  • Haug, Wolfgang: Jährlich mindestens drei schöngeistige oder wissenschaftliche Bücher – Die GfB der FAUD, in: Schwarzer Faden, Nr. 52, 1995.
  • Rocker, Rudolf: Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, Frankfurt 1980
  • Rocker, Rudolf: Prinzipienerklärung des Syndikalismus, Berlin 1919***
  • Studienkommission der Berliner Arbeiterbörsen/Franz Barwich (1923): Das ist Syndikalismus. Die Arbeiterbörsen des Syndikalismus. Mit Texten von Franz Gampe, Fritz Kater, Augustin Souchy u.a. mit einer Einleitung von Helge Döhring, Frankfurt 2005
  • Ulrich, Axel: Zum Widerstand der Freien Arbeiter-Union Deutschlands gegen den Nationalsozialismus. Ihr konspiratives Verbindungsnetz in Hessen und im Raum Mannheim/Ludwigshafen, in: Nassauische Annalen. Jahrbuch des Vereins für Nassauische Alterumskunde und Geschichte, Bd. 99 (1988)***
  • Wartenberg, Gerhard („H.W. Gerhard“): Über Hildburghausen ins dritte Reich. Nationalsozialismus und Arbeiterklasse, Berlin 1932
  • Wolf, Siegbert: Der erste Prozeß des Volksgerichtshofs gegen die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) im Sommer 1936, "...bis die Bestie Kapitalismus niedergerungen und der Moloch Staat zertrümmert ist.", in: AGWA, Nr. 11/1991***

Originaltext: http://www.fau.org/texte/historie/art_070827-233638


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