Cornelia Regin - Hausfrau und Revolution. Die Frauenpolitik der Anarcho-Syndikalisten in der Weimarer Republik   

Das Interesse für die Frauenpolitik der "Freien Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten)" [FAUD(AS)] in der Zwischenkriegszeit läßt sich kaum mit einem bedeutenden Einfluß dieser Arbeiterorganisation auf Politik und Gesellschaft der 20er Jahre insgesamt (1) und schon gar nicht mit einer erhöhten Mobilisierung von Frauen begründen. Vielmehr ist es der spezielle Ansatz anarchosyndikalistischer Frauenpolitik, der zu einer eingehenderen Beschäftigung mit diesem Aspekt der anarchosyndikalistischen Bewegung anregt: Im Unterschied zu anderen proletarischen Organisationen nämlich zielte die Frauenpolitik der FAUD auf eine Mobilisierung der Hausfrauen und Mütter ab. Die Anarchosyndikalisten machten den Reproduktionsbereich zum Bestandteil ihrer revolutionären Strategie und organisierten die Hausfrauen in autonomen Bünden, die in einer eigenen Berufsorganisation der FAUD angeschlossen waren. (2) Die Familie, die Privatsphäre, die Arbeiterorganistionen in marxistischer Tradition als "unproduktiv" und damit als politisch bedeutungslos weitgehend außer acht ließen, war eigentlicher Gegenstand anarchosyndikalistischer Frauenpolitik. Die Situation der Lohnarbeiterinnen klammerte die FAUD zwar nicht gänzlich aus, sie spielte aber bis etwa Anfang der 30er Jahre keine nennenswerte Rolle. (3)

Die Organisation der syndikalistischen Frauenbünde und Foren der anarchosyndikalistischen Frauenpolitik

Auf dem Gründungskongreß der FAUD im Dezember 1919 (4) wurde die "Frauenfrage" aus Zeitmangel nur am Rande behandelt, den Ortsvereinen aber empfohlen, "auch die Hausfrauen und weiblichen Dienstboten in die Bewegung hineinzuziehen". (5) Anfang 1920 wurden daraufhin an verschiedenen Orten Frauenbünde gegründet, und "Der Syndikalist", das Zentralorgan der FAUD, druckte im Februar desselben Jahres die Satzung des Frauenbundes Groß-Berlin ab, in der die Funktion der Frauenbünde erstmals beschrieben wurde. Aufgabe des Frauenbundes sollte es sein, "die Mitglieder mit den Prinzipien des Syndikalismus vertraut zu machen, sie im sozialistischen Fühlen und Denken zu schulen, eine rege Agitation für die syndikalistischen Ideen in der Frauenwelt und unter der Jugend zu betreiben und für die besonderen Angelegenheiten des weiblichen Geschlechts bei dem Neuaufbau der Gesellschaft einzutreten. Im besonderen sollen studiert werden: die Erziehungs-, Bildungs-, Wirtschafts- und Familienfragen, Körperpflege, Hygiene, Ernährung, Bekleidung und Wohnung". (6)

Im Oktober 1921 fand in Düsseldorf die 1. Reichskonferenz der Syndikalistischen Frauenbünde statt, auf der dreizehn Ortsgruppen vertreten waren, darunter allein drei aus Berlin und acht aus dem Rheinland. (7) Einige Bünde aus Nord- und Süddeutschland konnten wegen der damit verbundenen Kosten keine Delegierten entsenden. In Düsseldorf schlossen sich die bisher weitgehend auf sich selbst gestellten Bünde zu einer Föderation zusammen und wählten eine Föderationsleitung, die den Informationsfluß unter den einzelnen Gruppen sicherstellen sollte. Die Föderationsleitung hatte ihren Sitz in den folgenden Jahren in Berlin und lag in den Händen von Hertha Barwich und Milly Witkop-Rocker, (8) beide verheiratet mit einflußreichen Mitgliedern der Berliner Geschäftskommission der FAUD. Die Mitgliederzahl der Bünde von insgesamt ca. 1000 Frauen - angesichts der ca. 70.000 Mitglieder der FAUD zu diesem Zeitpunkt verschwindend gering - veranlaßte den 13. Kongreß der FAUD auf Initiative der Reichsfrauenkonferenz, die Genossen zu verpflichten, in "allen Orten syndikalistische Frauenbünde ins Leben zu rufen und dafür zu sorgen, daß die Frauen und Töchter aller Syndikalisten Mitglieder dieser Frauenorganisation werden." (9) 

Als Organ stellte der Kongreß den Frauen eine in der Regel monatlich erscheinende vier- bis sechsseitige Beilage im "Syndikalist", "Der Frauenbund", zur Verfügung, deren Redaktion in den Händen der Berlinerinnen lag. Da im Laufe des Jahres 1922 die Zahl der in den Bünden engagierten Frauen nicht zu-, sondern auf etwa 800 abnahm, konnten die drei auf dem 14. Kongreß der FAUD anwesenden Frauen durchsetzen, daß die Delegierten die Männer erneut zur Unterstützung der Frauenbünde aufriefen, daß den Vertreterinnen der Frauenbünde für den nächsten Kongreß der FAUD das volle Stimmrecht gewährt wurde und daß die Föderationen für die in ihnen organisierten Frauen (10) künftig eine bestimmte Summe an die Bünde abführen mußten, damit sich ihre weiblichen Mitglieder ohne finanzielle Doppelbelastung den Frauengruppen anschließen könnten. 

Obwohl der Kongreß den Forderungen der Frauen zugestimmt hatte, zeigten sich die Vertreterinnen der Bünde von der ihrer Meinung nach "stiefmütterlichen" Behandlung ihrer Angelegenheiten enttäuscht. Als 1923 die Periode wirtschaftlicher Destabilisierung in Deutschland und der Niedergang der anarchosyndikalistischen Bewegung, verbunden mit enormen Mitgliederverlusten, einsetzte, ließ sich auch der Zerfall der Frauenbünde nicht mehr aufhalten. Viele Ortsgruppen gingen ein, der überregionale Zusammenhang der Bünde löste sich auf, und "Der Frauenbund" erschien von Mitte 1923 bis zum Mai 1924 nicht mehr. 

Viele Männer, die bis dahin den Bünden eher gleichgültig gegenübergestanden hatten, gingen nun zum offenen Angriff über, behinderten Aktivitäten der Frauengruppen und forderten gar ihre Auflösung. Zwar konnte dieser Angriff von den Frauen abgewehrt werden - der 15. Kongreß der FAUD sanktionierte noch einmal die Existenzberechtigung einer eigenständigen und gleichberechtigten Berufsorganisation der Hausfrauen, des Syndikalistischen Frauenbundes, eine Wiederbelebung der Frauenbünde im großen Maßstab aber gelang trotz wiederholter Anläufe nicht. 

Auf der Reichsfrauenkonferenz 1925 in Dortmund waren nur noch Vertreterinnen von vier Bünden anwesend, die den übrigen noch bestehenden Gruppen vorwarfen, die Konferenz zu sabotieren. Da die Föderationsleitung kaum mehr Berichte aus den einzelnen Frauengruppen erhielt, wurde die im "Frauenbund" eigens dafür eingerichtete Spalte 1927 aufgegeben. Eine letzte Notiz (über die Wiedergründung des Frauenbundes in Leipzig auf Initiative von M. Witkop-Rocker) erschien im Mai 1928. (11) Nach einem letzten, erfolglosen Versuch der Föderationsleitung, die Arbeit noch bestehender Bünde 1929 noch einmal zu koordinieren, fiel die Frauenbeilage des "Syndikalist" ab Juni 1930 ganz weg. Die Frauenpolitik der FAUD war spätestens zu diesem Zeitpunkt - zumindest organisatorisch - gescheitert. 

Die meisten Bünde waren im Rheinland und Westfalen sowie in Berlin zu finden, wo auch die FAUD ihre Hochburgen hatte. Für die westfalischen Gruppen wurde eine eigene Informationsstelle eingerichtet, deren Sitz 1923-1924 Mengede war. (12) Weitere, offensichtlich recht aktive Bünde gab es in Dresden und Leipzig, aber auch im Saarland, in Nürnberg, Ratibor und an anderen Orten bildeten sich Frauengruppen. Die Mehrzahl der Gruppen zerfiel bald nach ihrer Gründung wieder. Über die Mitgliederzahlen der einzelnen Bünde ist wenig zu erfahren. Die drei Berliner Gruppen meldeten 1921 208, 104 bzw. 26 Mitglieder, die Dresdener Gruppe war Ende 1921 von 22 Frauen gegründet worden. Zwar arbeiteten die einzelnen Bünde mit den Ortsgruppen der FAUD zusammen, hatten aber einen autonomen Status. Sie verwalteten ihre Gelder selbst und unterstanden keiner Weisung gebenden Instanz. Ihre Föderation war nur lose durch die Informationsstellen und über die anarchosyndikalistische Presse vernetzt.

Foren der Frauenpolitik der FAUD waren, wie erwähnt, "Der Syndikalist" und die Frauenbeilage "Der Frauenbund". Beide Blätter stellten eher die offiziellen Sprachrohre der Berliner Führung der FAUD und der Föderationsleitung der Frauenbünde dar, die in engem Kontakt miteinander standen. Die Zeitschrift "Die Schaffende Frau", die Aimée Köster (A. Köster selbst war führend am Aufbau des Frauenbundes Dresden beteiligt) in Dresden ab Oktober 1919 bis September 1925 jeden Monat in eigener Regie herausbrachte, gab sich politisch unabhängig und wandte sich an ein breiteres Publikum, an "die vorurteilslose Frau aus den Reihen der Intellektuellen und die denkende Frau aus sozialistischen Arbeiterkreisen". (13) 

Das Konzept der "Schaffenden Frau", das sie auch tatsächlich über den beschränkten Kreis anarchosyndikalistisch geprägter Leserinnen hinaus Verbreitung finden ließ, basierte im wesentlichen auf der Idee A. Kösters, ihrem Publikum eine "sozialistische Zeitung mit Modenbeilage" in die Hand zu geben. Damit sollte den "rückständigen Familien- und Frauenzeitungen" der Einfluß entzogen werden, auf die auch die fortschrittlich eingestellten Frauen bisher angewiesen waren, wollten sie Anleitungen für ansprechende hausgeschneiderte Kleidung bekommen. (14) 

Schließlich ist noch die von Juli 1921 bis September 1923 in Düsseldorf erscheinende anarchosyndikalistische Tages-, später Wochenzeitung "Die Schöpfung" zu nennen, die in ihrer samstäglichen Unterhaltungsbeilage (!) und einer ebenfalls der Wochenendbeilage beigefügten Seite "Für unsere Frauen" Artikel zu den Themen Frau und Familie veröffentlichte. (15) Mit dem Redakteur der "Schöpfung", Fritz Köster, war A. Köster verheiratet, und die Regionalzeitung übernahm von der "Schaffenden Frau" zahlreiche Artikel zu Frauenfragen und regelmäßig auch Modezeichnungen. Wie "Die Schöpfung" ist auch "Die Schaffende Frau" eher dem kulturrevolutionären Flügel der FAUD zuzurechnen, (16) und beide Blätter, besonders aber "Die Schaffende Frau", publizierten auf dem Gebiet der Frauenpolitik Artikel, die in ihrer antipatriarchalischen Radikalität wesentlich über das Organ der FAUD hinausgingen.

Die meisten Artikel im "Syndikalist" zu Frauenfragen und im "Frauenbund" stammten aus der Feder führender Anarchosyndikalisten und Anarchosyndikalistinnen. In der "Schaffenden Frau" schrieben überwiegend Frauen mit anarchosyndikalistischer Grundeinstellung, die zum Teil auch in der "Schöpfung" veröffentlichten, deren Namen aber nicht in das Spektrum bekannter FAUD-Mitglieder einzuordnen sind. Alle Blätter brachten Auszüge aus den Werken und Artikel bekannter anarchistischer Theoretiker, aber auch von Alexandra Kollontai und von Protagonistinnen der bürgerlichen Frauenbewegung. Die weniger profilierten Mitglieder der Frauenbünde meldeten sich, wenn überhaupt, nur in Leserbriefen zu Wort.

Motive und Hintergründe anarchosyndikalistischer Frauenpolitik

Wenn die FAUD bei ihrer Frauenpolitik von der Notwendigkeit ausging, "die in der Familie gelandete Frau im Hause aufzusuchen", (17) also sie in erster Linie in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter anzusprechen, um sie für den Anarchosyndikalismus zu gewinnen, so stimmte dieser Ansatz mit den tatsächlich überwiegend zu beobachtenden Dispositionen der Frauen in der Weimarer Republik überein. In der einschlägigen Literatur ist herausgearbeitet worden, daß die allermeisten Mädchen und Frauen ihre Wünsche, Lebensziele und Glücksvorstellungen auf die Familie, auf ein Dasein als Hausfrau und Mutter, richteten, obwohl diese Arbeit meist hart war und unbezahlt, "aus Liebe" geleistet werden mußte und keine gebührende gesellschaftliche Anerkennung erfuhr. (18) Auch stellten die Anarchosyndikalistinnen richtig fest, daß selbst die Arbeiterinnen in der Industrie in der Regel "ihre Arbeit in der Fabrik als eine vorübergehende Etappe ihres Lebens" ansahen und u.a. deshalb, wenn überhaupt, nur kurzfristig für gewerkschaftliche Organisationen zu gewinnen waren. (19) Vor allem die jungen Frauen hofften, daß sie eine Heirat dauerhaft von der eintönigen und meist unterbezahlten Lohnarbeit befreien würde, selbst wenn die Ehe "nur noch in ganz seltenen Fällen die wirtschaftliche Frage der Frau" zu lösen imstande war, also sie weiterhin gezwungen blieben, durch Erwerbsarbeit mit zum Unterhalt der Familie mit beizutragen. (20) 

Durchaus realistisch war die Einschätzung der Anarchosyndikalistinnen, daß die von den Sozialisten und Kommunisten als Hebel der Frauenemanzipation gepriesene Lohnarbeit die meisten Frauen ihrer Befreiung nicht näher gebracht, sondern "in vielen Beziehungen ihre versklavte Stellung noch wesentlich schlimmer gemacht" hatte. (21) Durch die häufig anzutreffende Doppelbelastung in Form von Erwerbs- und Familienarbeit, oft noch zusätzlich erschwert durch häufige Schwangerschaften und eine große Kinderzahl, ruinierten viele Arbeiterfrauen ihre Gesundheit. (22) Statt das erhoffte Familienglück zu finden, mußten sich nicht wenige mit einem Ehemann abfinden, der nicht nur ihre Hausarbeit geringschätzte, sondern sie obendrein als "Haushaltsbedienstete und willfährige Liebesobjekte" behandelte. (23) 

Die Anarchosyndikalistinnen konstatierten auch zu Recht, daß "der weitaus schwerste Teil des Familienjoches" auf den Frauen lastete und sie angesichts ihres hohen Arbeitsaufwandes, aus "Mangel an Gelegenheit und der nötigen Muße", meist gar keine Energie mehr hatten, sich politisch und gewerkschaftlich zu engagieren. (24)

Erfolgversprechend war angesichts der Erfahrungen anderer Arbeiterorganisationen die Überlegung der FAUD, die Frauen in eigenständigen Gruppen zusammenzufassen und dort vor allem auch "Bestrebungen gegenseitiger Hilfe in Krankheitsfällen etc." zu fördern. (25) Am ehesten nämlich konnten Frauen dann mobilisiert oder für Organisationen gewonnen werden, wenn sie weitgehend eigenständig, ohne die Bevormundung der Männer, auf ihnen vertrautem Gebiet arbeiten konnten: auf der Ebene praktischer Solidarität (etwa in der Arbeiterwohlfahrt der SPD oder der Roten Hilfe der KPD). (26)

Mit großer Sorge registrierte M. Witkop-Rocker die schon Anfang der 20er Jahre sich abzeichnende Abkehr vieler Frauen von den Organisationen der Arbeiterbewegung, (27) die sich wohl auch auf die weitgehende Ausklammerung der Bedürfnisse der proletarischen Hausfrauen aus den Emanzipationsstrategien der Arbeiterparteien zurückführen läßt. (28) M. Witkop- Rocker fürchtete, daß die Frau durch das Wahlrecht "keineswegs an die Revolution und ihre Errungenschaften geschmiedet" worden sei, wie die sozialistischen Politiker behaupteten. Nicht nur werde sie durch das Festhalten der Arbeiterparteien am "Wahnglauben des Parlamentarismus" jeder "wahrhaft revolutionären Auffassung der Dinge" entfremdet, sondern ihre starken religiösen Bindungen und die ihr anerzogene Unwissenheit im Verein mit enttäuschten Hoffnungen auf grundlegende gesellschaftliche Umwälzungen würden, vermittelt über den Stimmzettel, "letzten Endes nur der Sache der Reaktion" nützen. (29) 

Der Versuch der Anarchosyndikalisten, die Frauen "in ihrem Verstecke", (30) der Familie, aufzusuchen und dort für ihre Überzeugungen zu agitieren, war also durchaus auf zutreffende Beobachtungen und berechtigte Befürchtungen gegründet. Weitere Erklärungsmomente dafür, warum ausgerechnet die FAUD die Situation der proletarischen Hausfrauen und Mütter zum zentralen Gegenstand ihrer Frauenpolitik machte, können in Spezifika der anarchosyndikalistischen Theorie und Strategie (31) sowie in deren Implikationen für die Frauenpolitik gesucht werden. (32)

Ausgangspunkt der anarchosyndikalistischen Theorie sollte die Nähe zum Gegenstand sein, d.h. sie sollte an den alltäglichen Erfahrungen der Arbeiter ansetzen. Eines der wichtigen Ziele der FAUD bestand darin, möglichst kurzfristig spürbare Verbesserungen der Lebensbedingungen des Proletariats zu erkämpfen und so seine Kampfmoral zu heben. In bezug auf die Arbeiterfrau hieß das, ihre Orientierung auf den Familienbereich ernstzunehmen und ihren Sorgen und Bedürfnissen nach Arbeitserleichterung, Reduzierung der Kinderzahl, harmonischem Familienleben etc. Rechnung zu tragen. 

Ein weiteres zentrales Moment der anarchosyndikalistischen Theorie, nämlich die Überzeugung, "daß der Sozialismus letzten Endes eine Kulturfrage" (33) sei und der Syndikalismus deshalb "den ganzen Menschen", nicht nur in seiner Eigenschaft als Produzenten, verlange, (34) erklärt, daß auch die "unproduktive" Privatsphäre Gegenstand anarchosyndikalistischer Politik sein mußte. Der Lohnarbeit im allgemeinen und derjenigen der Frau im besonderen wurde zudem jeder emanzipatorische Wert abgesprochen, da sie ein Zwangssystem sei, in dem sich der Mensch niemals schöpferisch entfalten und zu der daher "kein innerlich freier Mensch Lust haben" könne. (35) 

Vielleicht können gerade diese theoretischen Aspekte erklären, warum anarchosyndikalistische Autorinnen und Autoren die Hausfrauenarbeit ebenfalls als eine "gesellschaftlich notwendige und nützliche Tätigkeit" werteten, die mit der Erwerbsarbeit des Mannes gleichzusetzen und als Beruf anzuerkennen sei. (36) Die körperlichen Anstrengungen der Hausfrau, die ihr abverlangten Fähigkeiten und auch ihre emotionalen Aufwendungen wurden ausdrücklich als Arbeit gewürdigt. Die Hausarbeit sei nicht nur mit einem erheblichen Zeitaufwand von 10, 12, ja 14 Stunden täglich verbunden, sondern es erfordere auch "Umsicht und Organisationstalent [...], mit dem Wenigen im Haushalt zu wirtschaften", und es sei unter diesen Umständen "eine Kunst, Bekleidung, Räumlichkeiten und Ernährung einigermaßen schön zu gestalten." (37)

Das von Gustav Landauer inspirierte Postulat einer "Revolutionierung der Köpfe", (38) einer Bewußtseinsrevolution, das auch den Aufbau solidarischer, zukunftsweisender Beziehungen der Menschen untereinander hier und jetzt als Bestandteil einer revolutionären Praxis forderte, hatte auch für den für die Frau so wichtigen Bereich des Familienlebens zu gelten. Nirgends nämlich sei die "Reaktion der Gesinnung mehr zu Hause als im Familienleben", wo sich auch der Sozialist oft seiner Frau gegenüber wie der "größte Reaktionär" verhalte. (39) Von der Befreiung der Frau hänge es ab, "ob die ganze Menschheit befreit wird." (40) Und, so wurde formuliert, "die Frau kann den Sozialismus erst begreifen, wenn sie wirklich merkt, daß er eine neue Gesinnung ist, die sich auch im privaten Leben der Familie auswirkt und auch die rein persönlichen Beziehungen der Menschen wirklich verschönert." (41) In diesem Zusammenhang ist auch zu verstehen, daß das von Peter Kropotkin formulierte Prinzip der "gegenseitigen Hilfe" eine große Rolle in den praktischen Aktivitäten der Frauenbünde spielte.

Der hohe Stellenwert, den die Anarchosyndikalisten der Emanzipation des Individuums von allen inneren und äußeren Zwängen als Voraussetzung für eine erfolgreiche Revolution beimaßen, hieß auch für die Frauen, daß sie mit ihrer Befreiung nicht bis zur "kommenden Revolution" und damit bis zum "Nimmerleinstag" warten sollten, sondern daß ihre Befreiung nur von ihnen selbst ausgehen konnte. (42) Entsprechend dieser Prämisse wurden die Frauen in eigenständigen Gruppen organisiert, die "den Geist der Selbständigkeit und die persönliche Initiative zwischen den Frauen nach Kräften zu fördern und zu entwickeln" hatten. (43)

Die anarchosyndikalistische Strategie band die Frauen theoretisch vor allem in drei wesentlichen Zusammenhängen in den revolutionären Kampf und ihre Vision des herrschaftslosen Sozialismus ein. Zum einen hatte die Frau "in ihrer Eigenschaft als Mutter unverkennbar den größten Einfluß auf das Kind" (44) und spielte daher als Erzieherin der künftigen Generation für die kulturrevolutionären Bestrebungen der Anarchosyndikalisten eine entscheidende Rolle. Auch in der herrschaftslosen Gesellschaft sollte die Erziehung in erster Linie der Mutter, die dann allerdings wirtschaftlich abgesichert werden sollte, überlassen bleiben und die Familie wieder die "erste und wichtigste Zelle" der Gesellschaft werden. (45) Eine umfassende Vergesellschaftung der Hausarbeit, vor allem aber der Mütterarbeit, wie sie marxistisch geprägte Zukunftsentwürfe vorsahen, mußten die Anarchosyndikalisten unter anderem aufgrund ihrer prinzipiellen Feindschaft gegenüber "der Vereinheitlichung aller Verhältnisse und alles Geschehens", diesem "A und O des Marxismus", und allen staatlichen Eingriffen in das Leben der einzelnen ablehnen. (46)

Zum anderen konnte die Frau nach syndikalistischer Überzeugung gerade auch als Hausfrau zur Verbesserung der Lebensbedingungen des Proletariats in der Gegenwart und für die Umwälzung der Wirtschaftsstrukturen Entscheidendes leisten: in ihrer Funktion als Konsumentin mit der Waffe des Warenboykotts. (47) Diese hohe Bewertung des Konsumentenstreiks in der anarchosyndikalistischen Theorie resultiert aus der Überzeugung, daß "die Beraubung des Produzenten der mehr oder weniger verschleierte Zweck der kapitalistischen Produktion" sei, aber "der Betrug an den Konsumenten der eigentliche Zweck des kapitalistischen Handelns." (48) 

Um nun einen Konsumentenstreik, als eine der Taktiken der "direkten Aktion" (49) wirksam organisieren zu können, lag es nahe, die Hausfrauen in einer eigenen Gewerkschaftsföderation der FAUD einzugliedern. M. Witkop-Rocker äußerte 1923 die Überzeugung, daß sich gerade in der gegenwärtigen Inflationsperiode erweise, daß das Mittel des Streiks zur Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen des Proletariats nicht mehr ausreiche, sondern um das Mittel des Warenboykotts im "Kampf gegen die unerträglichen Wucherpreise" ergänzt werden müsse. (50) Aber auch nach einer siegreichen Revolution würden den Hausfrauen und ihren örtlichen Organisationen wichtige Aufgaben zufallen, nämlich die Organisation des Konsums im Rahmen der Arbeiterbörsen, die in "eine Art statistisches Büro" verwandelt werden sollten, "um sämtliche Häuser, Lebensmittel, Kleider usw. unter ihre Verwaltung zu nehmen." (51) Man schlug vor, in die zuständigen Kommissionen vor allem Frauen zu wählen.

Als wichtiger Faktor anarchosyndikalistischer Strategie ist schließlich noch der "Gebärstreik der Arbeiterfrau als antimilitaristische Waffe und Kulturhebel" (siehe unten) zu nennen, in dem die Frauen qua Geschlecht eine Schlüsselfunktion einnahmen.

Die Frauenpolitik der FAUD kann aber auch auf dem Hintergrund organisationssoziologischer Aspekte gedeutet werden. Ein wichtiges Motiv, die Frauen und vor allem die eigenen Ehefrauen für die eigene Bewegung zu gewinnen, könnte in den nachweisbaren Schwierigkeiten der männlichen Aktivisten gesehen werden, ihre Frauen von der Notwendigkeit ihres politischen Engagements zu überzeugen. Viele Ehefrauen nämlich mochten den Aufwand an Zeit und Geld, den ihre Männer in die Organisationsarbeit investierten, nicht billigen und vergällten deshalb ihren Gatten und deren Genossen die häusliche Atmosphäre. (52) "Anstatt ihr Euren Lebenskameraden helft im Kampf [...], stellt hindernd ihr Euch in den Weg und saget: `Was soll das alles, ihr erreicht ja doch nichts!` Statt dessen machet ihr mit Keifen, Schimpfen, Murren [...] das Heim zur Hölle", klagten die geplagten Männer.(53) 

Außerdem sah man wohl ein, daß ohne die Frauen der Aufbau des herrschaftslosen Sozialismus nun einmal nicht durchzuführen sein würde. Das weibliche Geschlecht mußte also am besten ebenfalls für die Ideale des Anarchosyndikalismus gewonnen werden. Die Einbeziehung der Frauen in die Versammlungen der Ortsgruppen erwies sich als wenig erfolgversprechend, weil die Frauen sich kaum an den theoretischen Debatten der Genossen interessiert zeigten und sich in der Regel nach einigen Anläufen gelangweilt zurückzogen. Oft konnten sie mangels theoretischer und rhetorischer Fähigkeiten gar nicht mitreden oder mußten schlicht zu Hause bleiben, um Haushalt und Kinder zu versorgen. (54)

Schließlich kann die spezifische Frauenpolitik der FAUD auch darauf zurückgeführt werden, daß qualifizierte Facharbeiter den Kern überzeugter Anarchosyndikalisten bildeten, (55) besser verdienende Arbeiter also, deren Ehefrauen in der Regel nicht gezwungen waren, einer Erwerbsarbeit nachzugehen, um den Lebensunterhalt der Familie sicherzustellen. Typisch gerade für diese privilegierte Schicht der Arbeiterschaft war die große Wertschätzung der Familie und ein Frauenbild, das vor allem von der überwiegenden Mehrheit der bürgerlichen Frauenbewegung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert kultiviert worden war und in der Zwischenkriegszeit auch in der Arbeiterschaft zunehmend Verbreitung fand. (56) 

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, (57) wurden die tradierte Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter und die Eigenschaften, die sie zur Ausfüllung dieser Funktion ausgebildet hatte (oder die man von ihr dafür verlangte), auch von den Männern und Frauen der FAUD aus der "Natur", dem "Wesen" der Frau abgeleitet. So hieß es beispielsweise, daß "in der Hingebung an die Person" die Persönlichkeit der Frau am stärksten zum Ausdruck komme, daß "die wunderbarsten Frauenkräfte" ihre Erfüllung "in der Hingabe als Gattin, Mutter, Schwester, Tochter, Freundin, Kameradin und Helferin" fanden. (58) Ihre "natürliche Aufgabe" liege "in dem Beruf als Mutter", Schule und Erziehung seien "naturgemäß das rechte Arbeitsfeld für die Frau". (59) Einige Anarchosyndikalistinnen vertraten sogar die Ansicht, daß "das gesunde, normale Weib ganz gerne den Haushalt" führe und "glücklich" sei, "wenn es zu einem Mann aufblicken und sich von ihm führen lassen" könne. (60) 

Auf dem Hintergrund ähnlicher Prämissen formulierten andere Autorinnen in der "Schaffenden Frau" aber auch radikalere, tendenziell antipatriarchalische Standpunkte. Da "Mütterlichkeit" der "Urgrund" des weiblichen Wesens sei, sei die Liebe zum Mann eher sekundär, gehe "die innigste Sehnsucht jeden echten Weibes [...] über den Mann hinaus auf das Kind." (61) "Kulturerneuerung durch die Frau" (62) lautete die Maxime einer Autorin, die ähnlich wie Vertreterinnen des radikal pazifistischen Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung argumentierte. (63) "Zerstören" sei "des Mannes Tat", auch die des männlichen Revolutionärs, der "mit ideologisch verbrämtem Machthunger Systeme" baue, aber das tägliche menschliche Elend nicht heile. (64) Die Frau dagegen, deren Blick "Liebe" sei, die Armut, Sorgen und Not mit ihren "bedrückten Schwestern" teile, sie allein besitze die schöpferische "Seelenkraft" zum Aufbau einer "neuen Kultur". (65) Die "natürlichen" weiblichen Eigenschaften wie "Güte", "Mütterlichkeit", "Verstehenwollen" und "Ausgleichenkönnen" (66) wurden aber selbst von manchen Männern gegenüber der "Männermoral", die eng mit der kapitalistischen Moral verknüpft sei und auf Besitzdenken, Konkurrenz etc. aufbaue, (67) überaus hoch bewertet, ja sogar als diejenige revolutionäre Kraft angesehen, die, "zu einer einzigen Welle zusammengefaßt", geeignet sei, "alles, was bisher erreicht wurde an autoritären Gewalten, sterilen Dogmen, kriegsbrütenden Militarismen, menschenknechtenden Kapitalismen" hinwegzuschwemmen. (68) 

Eng verknüpft mit dieser Idealisierung der "Weiblichkeit" war die schon angeklungene Hochschätzung der Familie als wichtigste Erziehungsinstanz, in der die Mutter eine Schlüsselposition innehatte, und die Abneigung gegen die Vergesellschaftung der Mütterarbeit, die nach Ansicht der männlichen und weiblichen Mitglieder der FAUD überhaupt nicht den Bedürfnissen der Frau entsprechen konnte. Ebenso sahen die Anarchosyndikalisten die Erwerbsarbeit der Frau als notwendiges Übel der Zeit an, das der "Natur" der Frau im Grunde widersprach. In der herrschaftsfreien kommunistischen Gesellschaftsordnung sollte die Frau die von ihr ersehnte Erfüllung als Mutter finden können. 

Gemäß dieser Rollenzuweisung für die Frau wurde die herrschende geschlechtsspezifische Arbeitsteilung auch kaum in Frage gestellt. Wenn etwa "Die Schaffende Frau" geeignete Berufe für die jungen Frauen aus der Arbeiterschaft vorstellte, so deckten sie sich alle mit den vermeintlich natürlichen Neigungen und Fähigkeiten der Frau, von der Wirtschafterin auf dem Lande über die Krankenpflegerin bis hin zur Friseuse. (69) Wie Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung, die ebenfalls das "Berufsbewußtsein" der Hausfrauen wecken wollten und an ihre "Macht als Käuferin" appellierten, (70) gingen also auch die Anarchosyndikalistinnen bei ihrer Forderung einer Gleichbewertung der Hausfrauenarbeit mit der Erwerbstätigkeit des Mannes von einer natürlichen Polarität der Geschlechtscharaktere aus. Zwar wurde die jahrhundertelange Unterdrückung der Frau als Ursache ihrer "organisatorischen und geistigen Unselbständigkeit" und ihres Desinteresses auf politischem Gebiet immer wieder - quasi zu ihrer Entschuldigung - angeführt, (71) daß aber die so positiv beurteilten "natürlichen" weiblichen Charakterzüge ebenfalls als Produkte dieser Unterdrückung begriffen werden könnten, reflektierten auch die Männer und Frauen der FAUD so gut wie nie.

Die Praxis der Frauenbünde

Über die Praxis der einzelnen Bünde ist wenig zu erfahren. (72) "Der Frauenbund" brachte wie "Die Schöpfung" in der Regel nur knappe Notizen über Neugründungen und Veranstaltungen, und in "Die Schaffende Frau" wurden zwar ausführlichere, aber nur wenige Berichte aus einzelnen Gruppen veröffentlicht. In der Regel ging die Gründung der einzelnen Frauenbünde so vor sich, daß die Ortsgruppen der FAUD, also nicht interessierte Frauen selbst, eine Gründungsversammlung einberiefen, zu denen die Genossen dann ihre Frauen und Töchter mitbrachten. Meist hielt dann ein Mann den Frauen einen Vortrag zum Thema "Die Frau und der Syndikalismus", anschließend wurden Vorstand, Schriftführerin und Kassiererin gewählt und Mitgliedskarten ausgegeben. Die Bünde bekamen für organisatorische Fragen in der Anfangszeit möglichst einen Genossen zur Seite gestellt, "der Verständnis und Liebe zur Sache der Frauen" hatte. (73)

An dieser Stelle ist zu betonen, daß die Vertreterinnen der Frauenbünde zwar eine autonome Organisation der Frauen forderten, aber keineswegs die Männer prinzipiell ausschließen wollten. Vielmehr begriffen sie sich als Teil der anarchosyndikalistischen Bewegung, deren Grundsätze und Ziele sie teilten, und suchten die Unterstützung ihrer männlichen Genossen. (74)

Die Bünde tagten durchschnittlich zweimal im Monat. Viel Raum nahm die theoretische Schulung und Erziehung der Frauen im anarchosyndikalistischen Sinne ein. Aber auch die den Frauen "besonders am Herzen liegenden Fragen" (75) wie Kindererziehung, Empfängnisverhütung usw. kamen zur Sprache. Meist waren die Treffen als Diskussionsveranstaltungen konzipiert, die mit einem Referat, oft mangels geeigneter Rednerinnen von einem Mann, eingeleitet wurden. Um die Redegewandtheit der Frauen zu schulen, führten einzelne Bünde rhetorische Schulungen oder Referentinnenkurse durch, andere gingen von dem Schema: Vortrag mit anschließender Diskussion ab und gestalteten die Abende als weniger förmliche Gesprächskreise. Auf diese Weise versuchten die Frauen, ihre "Schüchternheit, die hindert öffentlich zu sprechen", abzubauen und zu lernen, den Männern auf gemeinsamen Versammlungsabenden mit mehr Selbstbewußtsein entgegenzutreten. (76) Das Rotationsprinzip für den Vorstand, das die Dresdenerinnen, zu denen auch A. Köster gehörte, einführten, um das Verantwortungsgefühl der einzelnen Mitglieder zu heben, wurde allerdings von der Föderationsleitung der Bünde mit dem Hinweis auf die unterschiedlichen Begabungen der einzelnen Frauen als eher schädlich denn förderlich verworfen. 

Manche Frauenbünde organisierten auch öffentliche Veranstaltungen über wirtschaftliche, politische und künstlerische Fragen, die zum Teil recht gut besucht waren, wenn auch die vom Frauenbund Groß-Berlin Anfang 1921 organisierte Kundgebung zum Thema Gebärstreik mit über 2200 Besuchern sicher eine Ausnahme bildete. Die von M. Witkop-Rocker anvisierten "kleinen Frauenklubs [...], angenehm und geschmackvoll eingerichtet und mit Büchereien versehen, wo die Genossinnen sich jederzeit treffen können [...] und wohin sie auch nötigenfalls ihre Kinder mitbringen können," (77) scheiterten wohl am Mangel an geeigneten Räumlichkeiten und den nötigen finanziellen Ressourcen. Mehr an den praktischen Möglichkeiten und Bedürfnissen ihrer Mitglieder orientiert waren erfolgreiche Versuche der Frauenbünde, gemeinsame Waschtage und Flickabende einzurichten.

Gegenseitige Hilfe leisteten die Anarchosyndikalistinnen im Krankheitsfall, bei Geburten und bei der Kinderbetreuung. Die Organisation von Kindergruppen, zum Teil in Zusammenarbeit mit der syndikalistischen Jugend, Spielplatznachmittagen, Sonnenwendfeiern und Ausflügen sowie die Gestaltung von Familien-, Unterhaltungsnachmittagen und Wohltätigkeitsabenden waren geeignet, den Zusammenhalt der Frauen, ihre Kreativität und ihr Selbstwertgefühl zu fördern. Gleichzeitig aber setzte sich damit die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung auf der Ebene der Politik, ähnlich wie etwa in der SPD, (78) fort: Die Frauen leisteten Sozialarbeit, die Männer machten hohe Politik und wollten die Kleinarbeit ihrer Genossinnen zum Verdruß der Syndikalistinnen nicht gebührend würdigen. (79)

Trotz all dieser positiven Ansätze beklagten viele Bünde den mäßigen Besuch der Versammlungsabende. Die engagierten Genossinnen stellten enttäuscht fest, daß viele Hausfrauen nicht nur "durch häusliche Arbeiten verhindert" waren, sondern "vielfach Bequemlichkeit und fehlende innere Anteilnahme die Frauen davon abhält, sich mit ihrer Befreiung zu beschäftigen." (80)

Die Reform der Hausarbeit und der Geschlechterbeziehungen  

Um das Leben der Hausfrauen und Mütter kurzfristig oder langfristig zu erleichtern und die Befreiung der Frau voranzubringen, konzentrierten die Theoretiker und Theoretiker innen der FAUD ihre Überlegungen auf drei wesentliche Bereiche: auf eine Verkürzung der Arbeitszeit für die Hausfrau, auf die Geburtenbeschränkung und alternative Formen des Zusammenlebens von Mann und Frau.

M. Witkop-Rocker machte als wesentliche Ursache der geistigen "Rückständigkeit" der Frau ihre Überlastung durch die Hausarbeit aus, die die Frau geistig verkümmern lasse. (81) Da eine umfassende Vergesellschaftung vor allem der Mütterarbeit abgelehnt wurde, zielten die Verbesserungsvorschläge einerseits auf eine effektivere Gestaltung des Einzelhaushalts ab und zum Andern auf alternative Wohnmodelle, mit deren Realisierung der Familienhaushalt zum Teil aufgelöst werden sollte. Als geeignete Maßnahme zur Arbeitszeitverkürzung im Kleinhaushalt wurden, wie auch von Teilen der bürgerlichen Frauenbewegung, die Rationalisierung der Hausarbeit durch die Einführung moderner elektrischer Haushaltsgeräte angeführt, was aber angesichts des schmalen Geldbeutels der Arbeiterhaushalte zumindest kurzfristig illusorisch war. (82)

Realistischer und auch geeigneter die Isolation der einzelnen Hausfrauen aufzulösen, war dagegen der Vorschlag, die Hausarbeit mehrerer Familien im "Einküchenhaus" gemeinschaftlich zu erledigen. Die Vorteile eines solchen Modells, das Einsparen von Geld, Zeit und so dringend benötigtem Wohnraum, wurden den Frauen immer wieder, auch anhand gelungener Beispiele, vor Augen geführt. (83) Im schon vor dem Ersten Weltkrieg von der Sozialdemokratin Lily Braun (84) propagierten Einküchenhaus sollten die einzelnen Familien ihre Wohnungen und auch die Möglichkeit, ihre Mahlzeiten im engeren Familienkreise einzunehmen, behalten, aber das Kochen, evt. auch das Putzen und Waschen, sollte von eigens dafür angestellten und bezahlten Hausfrauen erledigt werden. An die Übernahme solcher Arbeiten durch professionelle Hausmänner war in diesen Zukunftsentwürfen ebenso wenig gedacht wie dies in den vom kulturrevolutionären Flügel der FAUD favorisierten Siedlungsprojekten realisiert wurde. (85) Es gab seitens der Frauenbünde auch Ansätze, solche Einküchenhäuser einzurichten, (86) die zum Teil am Mangel an geeigneten Häusern, wahrscheinlich aber auch an Widerständen bei den Frauen selbst (87) oder ihren Ehemännern, scheiterten. Um den Einkauf weniger zeitaufwendig und kostengünstiger zu gestalten, regte A. Köster, teilweise mit Erfolg, an, Verbrauchergenossenschaften zu bilden (88) - ein erster Schritt auch auf dem Weg zur künftigen gemeinsamen Regelung des Konsums durch die Arbeiterbörsen.

Als weiteren Faktor, der die Befreiung der Frau, aber auch die der gesamten Arbeiterklasse hemmte, betrachteten die Anarchosyndikalisten den "Kindersegen ohne Ende". (89) "Ein Weib, dessen ganzes Leben sich von einer Schwangerschaft zur nächsten bewegt, ist für jede geistige Entwicklung verloren", stellte M. Witkop-Rocker fest. (90) Die bewußte Geburtenregelung zur Befreiung der Frau von der "Sklaverei der Gebärmutter" war ein zentrales Anliegen der Frauenpolitik der FAUD. Die FAUD knüpfte hier an die Tradition neomalthusianischer Propaganda (91) seitens der Syndikalisten und Anarchisten vor dem Ersten Weltkrieg an, (92) wenn sie seit Beginn der 20er Jahre vehement für die Aufhebung aller Beschränkungen auf dem Gebiet der sexuellen Aufklärung sowie der Propagierung und Verbreitung von Verhütungsmitteln (die der sogen. Sittlichkeits- und Unzuchtsparagraph, der § 184 StGB, kriminalisierte) eintrat und in den eigenen Reihen aufklärte. Viele Anarchosyndikalisten waren selbst in sexualreformerischen Organisationen der Weimarer Republik engagiert (93) und hatten in einigen auch führende Positionen inne. (94) "Der Syndikalist" stand profilierten Propagandisten der Bewegung (wie Helene Stöcker, Dr. Felix Theilhaber u.a.) als publizistisches Forum zur Verfügung, und der Verlag "Der Syndikalist" veröffentlichte eine eigene Schriftenreihe zu Sexualproblemen. (95)

In der Kampagne gegen den Paragraphen 218, die 1931 ihren Höhepunkt erreichte, (96) trat die FAUD für eine vollständige Abschaffung des §218 ein. Wie andere linke Organisationen, etwa die KPD, argumentierte sie, daß dieser in erster Linie ein Klassenparagraph sei, (97) weil er vor allem die mittellose Proletarierfrau treffe. Anders aber als Abtreibungsgegner aus dem marxistischen Lager (98) setzten sich die Anarchosyndikalisten wie der linke Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung um Helene Stöcker (99) prinzipiell für das uneingeschränkte Selbstbestimmungsrecht der Frau auf ihren eigenen Körper ein. (100) Kein Staat, auch kein sozialistischer, habe das Recht, der Frau zu diktieren, ob und wie viele Kinder sie haben wolle. Auch der Frau müsse unter allen Umständen eine lustvolle, angstfreie Sexualität zugestanden werden, die nicht zwangsläufig an die Fortpflanzung gekoppelt sein dürfe. (101) 

In der willkürlichen Geburtenbeschränkung des Proletariats, massenhaft als "Gebärstreik" praktiziert, sahen die Anarchosyndikalisten außerdem ein geeignetes, wenn auch "nicht einfach das Mittel", um das System kapitalistischer Ausbeutung und staatlicher Unterdrückung in seinem Nerv zu treffen. (102) Hier wurde eine Strategiediskussion wiederbelebt, die schon 1913 in der SPD geführt worden war, mit dem Ergebnis, daß der Gebärstreik von der Parteispitze als zur Gesellschaftsveränderung untaugliches Mittel verworfen und die Anwendung von Verhütungsmitteln zur Privatsache erklärt wurde. (103) Der "Gebärstreik der Arbeiterfrau als Kulturhebel und antimilitaristische Waffe" (104) war nach Ansicht der FAUD geeignet, sowohl die materielle Situation der einzelnen Arbeiterfamilien zu verbessern und damit Energien vom Kampf ums bloße Überleben weg und hin auf den revolutionären Kampf zu lenken, als auch dem staatlichen Militarismus und dem Kapitalismus die "Menschenware", die wichtigste Ressource für Ausbeutung und Unterdrückung, zu entziehen. Selbstbewußt unterstrich A. Köster die Machtposition der Frau, die gerade aus ihrer Gebärfähigkeit resultierte: "Die schwächste, die ohnmächtigste Klasse, das weibliche Proletariat, kann dadurch, daß sie die Geburten bestimmt, die mächtigste werden". (105) 

Wenig später kritisierte A. Köster aber auch die Bewegung für eine willkürliche Beschränkung der Kinderzahl, in der sich gerade auch Männer stark profilierten. (106) Die Propagierung eines Verzichts auf Kinder konnte nämlich auch als ein Versuch der Männer gedeutet werden, die Gebärfahigkeit der Frau erneut zu funktionalisieren und zu kontrollieren, diesmal im Namen des Klassenkampfes, aber wieder einmal gegen die Bedürfnisse vieler Frauen. A. Köster ermutigte ausdrücklich diejenigen Frauen, die zwar den Gatten entbehren könnten, "aber niemals das Kind", zur Rebellion gegen die "kalte Theorie", die die "Epoche der Männerherrschaft" zur Unterdrückung der Frau und ihrer natürlichen Kinderwünsche ersonnen habe, zum "Mut zur Tat, zur freien Mutterschaft". (107)

Ausgehend von der Überzeugung, daß "die Geschlechtsfrage [...] keine Privatsache" sei, sondern "in die Öffentlichkeit und in alle Arbeiterorganisationen" gehöre, (108) thematisierten die Anarchosyndikalisten die sexuelle Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen, auch durch die eigenen Genossen. Die Frauen sollten ihre eigenen sexuellen Bedürfnisse entdecken und sie gegen die Besitzansprüche der Männer durchsetzen, "das Recht im Schlafzimmer" erobern und den Mann zu "Hingabe und Selbstlosigkeit in der Liebe" erziehen - auch zu seinem eigenen Besten. (109)

Die Erkenntnis, daß dies in der gegenwärtigen Form der Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, in der staatlich sanktionierten Ehe, zumindest problematisch war, ließ die Anarchosyndikalisten schon aus ihrer prinzipiell staatsfeindlichen Haltung heraus über Alternativen zur Ehe, dieser "furchtbaren, grausamen Fessel für die Frau", (110) nachdenken. Wie schon der linke Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung (111) und manche Sozialdemokraten (112) vor dem Ersten Weltkrieg propagierten die Anarchosyndikalisten, zum Teil in ausdrücklicher Anlehnung an Helene Stöcker (113) und unterstützt von Emma Goldman und Erich Mühsam, die "freie Liebe" als zukünftige Alternative zur herkömmlichen Ehe. (114) Denn unter den Bedingungen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung werde die Ehe weniger aus Liebe als aus materiellen Gründen geschlossen und weise deshalb "alle Kennzeichen der Prostitution" (115) auf, unter der die Frau - angesichts ihrer rechtlichen und oft auch materiellen Abhängigkeit vom Mann sowie der gesellschaftlich sanktionierten größeren sexuellen Freiheiten des männlichen Geschlechts - ungleich mehr zu leiden habe als ihr Ehemann. (116) 

"Freie Liebe", das hieß "freiwillig gewählter Partner, selbstgewünschte Ausübung der Liebe, geleitet von Harmonie, getragen von Verantwortlichkeit sich selbst und der Gesellschaft gegenüber" (117) sowie die Möglichkeit, die Beziehung wieder zu lösen, wenn die Liebe erlosch. Die Anarchosyndikalisten waren sich darüber im Klaren, daß die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau unbedingte Voraussetzung für die Verwirklichung der "freien Liebe" war, damit sie nicht im Falle einer Schwangerschaft die eigene Existenz und die ihrer Kinder gefährdete. Deshalb wurden die Genossen vor solchen revolutionären Experimenten in der Gegenwart eindringlich gewarnt. (118) Daß dies angesichts mancher Mißverständnisse auch nötig war, belegen Erinnerungen von Anarchosyndikalistinnen. "Da gab es nicht selten die Meinung `Freie Liebe`, das sollte heißen, daß die Frauen in der Gruppe nun für jeden Genossen dazusein hätten." (119) Zwar gab es auch Anarchosyndikalisten, die in "freier Liebe" zusammenlebten und auch Experimente mit mehreren Partnern, die meisten Männer und Frauen, die in der FAUD engagiert waren, lebten aber in standesamtlich sanktionierter Ehe zusammen. (120)

Während die Konzeption der "freien Liebe" eher auf eine "Veredelung" traditioneller Paarbeziehungen als auf Libertinage hinauslief, zielte die schon angesprochene "Bewegung der freien Mutterschaft" in die Richtung einer Auflösung der Kleinfamilie. Zur Umsetzung dieser Idee propagierten "Die Schaffende Frau" und "Die Schöpfung" u.a. die "Mutterschaftsehe", d.h. die befristete Ehelichung eines Mannes zum Zwecke der Kinderzeugung, (121) und - im Zusammenhang mit den von beiden Blättern unterstützten Siedlungsexperimenten und vielleicht auch inspiriert durch solche Überlegungen in Kreisen der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung (122) - die Gründung von Müttersiedlungen, in denen die Mütter durch den Besitz eines Stückes Land wirtschaftlich abgesichert werden sollten. (123) 

Einem Mißverständnis, das angesichts von Stichworten wie "freie Liebe" oder Enttabuisierung von Sexualfragen aufkommen könnte, soll hier begegnet werden. Zwar redeten die Anarchosyndikalisten einer angstfreien und durchaus lustbetonenden Sexualität das Wort, an eine hemmungslose Entfesselung vor allem jugendlicher Sexualität, einer "sexuellen Revolution" im Sinne Wilhelm Reichs etwa, dachten die wenigsten. Vielmehr empfahl man, ähnlich wie in der Sozialdemokratie, (124) gerade im Hinblick auf die Kinder- und Jugenderziehung von den "aufkeimenden Geschlechtskräften" ablenkende Maßnahmen wie kalte Waschungen, Sport etc. Den jungen Leuten, denen es aufgrund ihrer materiellen Situation unmöglich wäre zu heiraten, wurde nahegelegt, bis zum 20., ja 24. Lebenjahr sexuelle Enthaltsamkeit und "sittliche Kraft", "Reinheit" und "Selbstzucht" in der Liebe zu üben, um die Kräfte aufzubewahren für "wirklich tiefe Liebe", eine Voraussetzung für wahre sexuelle Erfüllung und die Zeugung "gesunder, starker Kinder". (125) Zwar sei die Unterdrückung sexueller Bedürfnisse für das Nervensystem nicht gerade förderlich, aber die Anwendung von Verhütungsmitteln, Onanie und homosexuelle Beziehungen seien noch unnatürlicher und gesundheitsschädlicher. (126)

An diesen Beispielen wird deutlich, daß auch die Anarchosyndikalisten durchaus mit traditionellen, restriktiven Vorstellungen behaftet waren und wie die große Mehrheit der Sexualreformer in der Weimarer Republik eher eine befriedigende Form der heterosexuellen Sexualität in einer festen Partnerschaft (127) anstrebten als eine umfassende Befreiung der sexuellen Triebe.

Die "Sabotage" der Männer

Die in den Frauenbünden engagierten Frauen mußten schon sehr bald feststellen, daß sehr viele ihrer sich radikal antiautoritär gerierenden Genossen der Emanzipation der Frau (vor allem ihrer eigenen) sowie den Frauenbünden, allen Bemühungen der Theoretiker zum Trotz, gleichgültig, ja bisweilen feindselig gegenüberstanden. (128) Hatte man immerhin in treuer Pflichterfüllung einen Frauenbund am Ort ins Leben gerufen, so schob man "die Frauen zur Seite und gründete einen Kegelklub, oder man schlug sich die Zeit tot und überließ die Frauen sich selbst". (129) Die Männer nahmen die Arbeit der Bünde entweder nicht ernst oder hielten sie für völlig überflüssig. Ein Genosse etwa gab zum Besten, daß sich seine Frau "nicht um die Bewegung zu kümmern" habe, sie sei "eine bessere Syndikalistin als diejenigen, die im Frauenbund zusammenkommen." (130) Ein anderer äußerte die Ansicht, daß die Abende der Frauenbünde mangels ernsthaften Diskussionsstoffes oft genug zu reinen Klatschveranstaltungen gerieten, um "die Langeweile zu verscheuchen." (131) Viele Ehemänner hielten ihre Frauen offensichtlich von den Treffen der Bünde ab, und die Frauen mußten feststellen, "daß manche unserer Genossen die Aufklärung der Frauen nicht wünschen, weil sie dann konsequentere Sozialisten sein müßten, auch ihr [sic!] gegenüber." (132)

Die feindselige Haltung mancher Männer gegenüber den Frauengruppen nahm manchmal die Form offener Sabotage an. Dem Frauenbund Wattenscheid etwa wurde von den eigenen Genossen der Saal abbestellt, den die Frauen für eine Wohltätigkeitsveranstaltung gemietet hatten. Das latente Unbehagen vieler Anarchosyndikalisten gegenüber den Frauenbünden gipfelte in einer von einem Genossen unter einem Pseudonym (!) im Jahre 1924 ausgelösten Leserbriefdebatte im "Syndikalist", der die Existenzberechtigung der Frauenbünde prinzipiell in Frage stellte. (133) "Espero" hielt den Frauen vor, sie seien zu dumm, sich eigenständig mit den Ideen des Syndikalismus vertraut zu machen, die Bünde könnten deshalb ihrer Aufgabe nicht gerecht werden und müßten deshalb zugunsten einer Eingliederung der Frauen in die Ortsgruppen der FAUD aufgelöst werden. (134) Es sei ein Fehler gewesen, "durch Schaffung separater Frauenorganisationen eine neue Klasse und einen Dualismus [...] aufzurichten. (135) 

Gegen diese deutlich frauenfeindlichen Auffassungen und Bevormundungsversuche, die selbst einige Genossen als Ausdruck einer "überheblichen Männermoral" (136) anprangerten, setzten sich einige Frauen heftig zur Wehr. Ein "Dualismus" sei nicht erst durch die Frauenbünde geschaffen worden, er bestehe vielmehr schon durch die herrschende Unterdrückung der Frau, auch in den eigenen Reihen. (137) Die Genossen betrachteten eben ihre Frauen "im allgemeinen noch als Haushaltsbedienstete und willfährige Liebesobjekte" und nicht als gleichwertige Partnerinnen. Eine eigenständige Organisation der Frauen sei schon deshalb notwendig, weil die Männer, wie jede herrschende Klasse oder Schicht, "niemals freiwillig oder aus sich heraus der Frau die Gleichberechtigung einräumen" würden. Und solange die Unterdrückung der Frau fortbestehe, könne "auch keine freie Gesellschaft existieren." Die Föderationsleitung der Bünde hielt sich längere Zeit aus der Diskussion heraus und schlug schließlich versöhnlichere Töne an, indem sie den Männern keine "schlechten Absichten" unterstellte und wieder einmal die Funktion und Notwendigkeit eigener Frauengruppen begründete. (138) - Die Gegner der Frauenbünde konnten schließlich deren offizielle Auflösung durch die FAUD nicht durchsetzen, trugen aber sicher zur Verunsicherung und Frustration vieler Frauen bei und beschleunigten damit den Niedergang der ohnehin schon schwachen Frauenbünde.

Im Vergleich mit der Debatte um die Notwendigkeit der Frauenbünde verliefen ähnliche Diskussionen um die Autonomie der Jugendorganisation der FAUD (139) weit weniger dramatisch. Die Wichtigkeit einer eigenen Jugendorganisation wurde von den Genossen nie prinzipiell in Frage gestellt. Interessanterweise verliefen hier die Konfliktlinien gerade anders herum als in der Auseinandersetzung um die Frauenbünde: Die Jugendlichen hatten sich vor allem gegen die Gängelungsversuche der Geschäftskommission der FAUD zu wehren, das Verhältnis zu den Lokalorganisationen war im allgemeinen unkompliziert. Die Frauenemanzipation dagegen wurde von den führenden Theoretikern protegiert, von den Genossen vor Ort aber sabotiert. "Die Angst, sein Abendbrot einmal selber aufwärmen zu müssen, wenn die Frau eine Versammlung besucht, oder die Furcht, daß sie ihnen durchbrennen könnte, wenn sie von Freiheit oder - der Herr behüte - von freier Liebe sprechen hört...", (140) beunruhigten die Männer offensichtlich weit mehr als die nicht immer linientreuen Eskapaden ihrer Söhne und Töchter.

Abschließende Bemerkungen  

Wenn man die Frauenpolitik der FAUD zusammenfassend beurteilen will, sollten vor allem folgende Merkmale noch einmal hervorgehoben werden: (141) Die Konzentration anarchosyndikalistischer Frauenpolitik auf die Hausfrauen und Mütter entsprach in ihrem Ansatz wohl eher den realen Interessen und Bedürfnissen der meisten Frauen als die Politik anderer Arbeiterorganisationen des linken Spektrums in der Weimarer Republik, die sich hauptsächlich an die Frau in ihrer Funktion als Lohnarbeiterin richtete. In vielen Punkten freilich war die Frauenpolitik der FAUD nicht originär, sondern setzte schon in der Vorkriegs-SPD geführte Diskussionen fort und machte Anleihen bei der bürgerlichen Frauenbewegung, vor allem bei deren linkem Flügel. Daß die Anarchosyndikalisten zumindest theoretisch Hausarbeit als Arbeit werteten, diese in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung erkannten und der Hausfrau und Mutter in ihrer revolutionären Strategie eine wichtige Funktion einräumten, hebt sie von anderen zeitgenössischen Strömungen der Arbeiterbewegung ab. Neben der Umwälzung der wirtschaftlichen und politischen Strukturen hatte nach radikal antiautoritärem Verständnis eine Bewußtseinsrevolution zu stehen, eine neue Moral, die den Frauen eigene Qualitäten zur Verwirklichung einer menschlicheren Gesellschaft hoch bewertete. Die Frau wurde dabei aber für alle Zeit auf eine Rolle als Hausfrau und Mutter festgelegt, und das "Wesen" der Frau weniger als Produkt historischer Entwicklungsprozesse begriffen, sondern vielmehr - freilich im Einklang mit dem Zeitgeist - aus ihrer Biologie abgeleitet. An eine grundsätzliche Aufhebung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung dachten die Männer und Frauen der FAUD nicht.

Daß trotz vieler durchaus erfolgversprechender Aspekte anarchosyndikalistischer Frauenpolitik die Hausfrauen und Mütter aus der Arbeiterschaft nicht massenhaft in die Frauenbünde der FAUD strömten, ist sicher vor allem darauf zurückzuführen, daß die FAUD insgesamt - von regional und zeitlich begrenzten Ausnahmen abgesehen - nur von marginaler Bedeutung war. Daß aber auch die Frauen und Töchter der Syndikalisten nur in bescheidenem Umfang und meist nur kurzfristig für die Bünde gewonnen werden konnten, dürfte vor allem folgende Gründe gehabt haben: Die Initiative zur Gründung der Bünde ging vielfach nicht von ihnen selbst und ihrem Bedürfnis nach einem solchen Zusammenschluß aus, sondern oft von ihren dazu "von oben" verpflichteten Genossen. Die Frauen konnten sich zwar in eigenständigen Gruppen organisieren, aber die Organisationsform mit Vorstand, Kassiererin, Schriftführerin etc. wurde ihnen vorgegeben. Die eher spontan entstandenen oder gewachsenen Zusammenschlüsse von (Haus-)Frauen hatten einen ganz anderen, informellen Charakter. (142) 

Auch das Verhalten der meisten Männer vor Ort war nicht geeignet, die Frauen zur Mitarbeit in den Bünden zu ermutigen. Im Familienalltag blieben sie trotz ihrer revolutionär antiautoritären politischen Option Herr im Hause, die Arbeit der Frauengruppen nahmen sie nicht ernst oder behinderten sie sogar. Wenn die Frauen Interesse an einem Engagement in den Frauengruppen bekundeten, so konnten sie sich oft nicht von der anfallenden Hausarbeit und der Kinderbetreuung frei machen - trotz wiederholter Appelle an die Männer, ihren Frauen zumindest an den Abenden, an denen die Frauenbünde tagten, die häuslichen Pflichten abzunehmen. Die Belastungen der proletarischen Hausfrauen verschärften sich in den Inflationsjahren noch erheblich und waren mitverantwortlich für den Zerfall der meisten Frauenbünde. 

Auch bei den Anarchosyndikalisten ließ sich die in der politisch aktiven Arbeiterschaft vorherrschende familiäre Arbeitsteilung nicht - und vielleicht schon gar nicht im Interesse der Befreiung der Frau - aufheben: Die Frau machte den Haushalt, der Mann die Politik. Und schließlich war wohl auch die Haltung vieler Frauen selbst für das Scheitern der Frauenbünde verantwortlich. Engagierte Vertreterinnen der Frauenemanzipation in den Reihen der FAUD stellten nämlich Ende 1928 ernüchtert fest: "Die Versklavung der Frau durch den Mann hat ihren größten Stützpunkt in der Frau selbst. Ihr ist das Dienen und Leiden zur zweiten Natur geworden, sie empfindet es als selbstverständlich." (143)

Anmerkung:
Der vorliegende Beitrag stützt sich in wesentlichen Teilen und im Einvernehmen mit der Autorin auf die unveröffentlichte Examensarbeit von Christine Weghoff, Die Frauenpolitik der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) 1921-1933. Eine Untersuchung auf der Grundlage ausgesuchter Quellen, Göttingen 1984. Die Examensarbeit von Christine Weghoff und die der Verf. über die anarchistische und anarchosyndikalistische Jugendbewegung in der Weimarer Republik (zusammengefaßt in: IWK, Jg.22 (1986), H.4, S.471-498) sind aus einem engen Arbeitszusammenhang heraus entstanden. Für den vorliegenden Artikel hat die Verf. diejenigen anarchosyndikalistischen Schriften ausgewertet, die Christine Weghoff nicht berücksichtigen konnte, und weitere, ergänzende Literatur eingearbeitet.

Fußnoten:
1.) Zum deutschen Anarchosyndikalismus in der Zwischenkriegszeit vgl. v.a. Hans Manfred Bock, Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918-1923. Zur Geschichte und Soziologie der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Syndikalisten), der Allgemeinen Arbeiter-Union Deutschlands und der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands (künftig zitiert: Syndikalismus), Meisenheim/Glan 1969, und ders., Geschichte des "linken Radikalismus" in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976.
2.) Ein ähnlicher Ansatz wurde, soweit mir bekannt, sonst nur in der rätesozialistischen Zeitung "Der Arbeiterrat. Organ der Arbeiter- und Betriebsräte Deutschlands", Jg.2 (1920), H.4, von Gertraude Götze unter dem Titel "Hausfrau und Ehefrau auf dem Wege zum Rätesystem" propagiert. Daß den Anarchosyndikalisten diese Ideen bekannt waren, belegt der Abdruck dieses Artikels in der anarchosyndikalistisch orientierten Frauenzeitschrift "Die Schaffende Frau" (siehe Anm. 13) im März 1920. Inwieweit sich die beiden eng verwandten Konzeptionen beeinflußt haben könnten und in welcher der beiden Strömungen solche Ideen zuerst entwickelt wurden, konnte nicht ermittelt werden. Die rätekommunistischen Organisationen der Zwischenkriegszeit haben diese Idee meines Wissens nicht weiter verfolgt. Vielmehr lehnte etwa die Allgemeine Arbeiter-Union (Einheitsorganisation) jede Sonderorganisation von Jugendlichen und Frauen in ihren Richtlinien von 1927 prinzipiell ab. Vgl. Ulrich Linse, Die anarchistische und anarchosyndikalistische Jugendbewegung. Zur Geschichte und Ideologie der anarchistischen, syndikalistischen und unionistischen Kinder- und Jugendorganisationen 1919-1933, Frankfurt/M. 1976, S.80.
3.) In der 1932 verstärkt einsetzenden Agitation der Lohnarbeiterinnen forderte die FAUD(AS) u.a. gleichen Lohn für gleiche Arbeit und prangerte die sexuellen Belästigungen der Frauen am Arbeitsplatz sowie die Feindseligkeit der Männer gegenüber den Arbeiterinnen als Konkurrentinnen um die knappen Arbeitsplätze an. Vgl. Der Syndikalist, Organ der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten), Jg.15 (1932), Nr.12, N.N., Frauen! Mit uns für den Sozialismus!, und a.a.O., Nr.13, N.N., Die gewerkschaftliche Organisierung der Frau, sowie a.a.O., Nr.24, N.N., Die Frau als Lohnarbeiterin.
4.) Zum Gründungskongreß und zur Organisationsstruktur der FAUD vgl. Hans Manfred Bock, Syndikalismus ..., S.153ff.
5.) Vgl. hierzu und im folgenden, wenn nicht besonders gekennzeichnet, Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.30-37.
6.) Der Syndikalist, Jg.2 (1920), Nr.18, Die Satzung des Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.31.
7.) Zur Düsseldorfer Reichsfrauenkonferenz vgl. auch Ulrich Klan und Dieter Nelles, "Es lebt noch eine Flamme". Rheinische Anarcho-Syndikalisten/innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1986, S. 300-303.
8.) Zur Person von Milly Witkop-Rocker vgl. Rudolf Rocker, Milly Witkop-Rocker, Berkeley Heights 1956.
9.) Der Frauenbund, Nr.1 (Oktober 1921), Hertha Barwich, 1. Reichskonferenz der syndikalistischen Frauenbünde Deutschlands, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.32.
10.) Frauen waren vor allem in der Föderation der Textilarbeiter organisiert; vgl. hierzu Ulrich Klan und Dieter Nelles, "Es lebt noch eine Flamme" ..., S.299.
11.) Der Frauenbund, Nr.3 (Mai 1928), N.N., Von praktischer Arbeit.
12.) Der Syndikalist, Jg.5 (1923), Nr.20, und Der Frauenbund, Nr.3 (Juli 1924), Konferenz der syndikalistischen Frauenbünde Westfalens.
13.) Die Schaffende Frau. Sozialistische Zeitung mit Modenbeilage, Jg.1 (1919/20)-Jg.6 (1925). Zu Gestaltung und Inhalt der Zeitschrift ausführlicher: Elisabeth Vormschlag, Inhalte, Leitbilder und Funktionen politischer Frauenzeitschriften der SPD, USPD, der KPD in den Jahren 1890-1933 und der NSDAP in den Jahren 1932-1945, Diss. Göttingen 1970, S.125-143, sowie Kirsten Wilhelms, Frauenzeitschriften in der Weimarer Republik, in: Neue Frauen. Die zwanziger Jahre. Hrsg. von Kristine von Soden/Maruta Schmidt, Berlin 1988, S.65-72. Wegen der von Aimée Köster immer wieder beschworenen politischen Neutralität hatten beide Autorinnen Schwierigkeiten, das Blatt einzuordnen. Elisabeth Vormschlag bezeichnet es als USPD-nah (a.a.O., S.125), Kirsten Wilhelms als unabhängig und "pazifistisch-sozialistisch" (a.a.O., S.69). Aber sowohl die Buchempfehlungen, als auch die Beiträge bekannter anarcho-syndikalistischer Theoretiker und die häufig auftauchende Vokabel "freiheitlich" u.v.m. belegen die anarcho-syndikalistische Orientierung des Blattes, die MSPD, USPD und KPD veranlaßte, von seiner Lektüre abzuraten (Elisabeth Vörmschlag, a.a.O., S.129). Nach Aufgabe ihrer eigenen Zeitschrift arbeitete Aimée Köster dann allerdings im Modenteil der ab 1925 erscheinenden "Frauenwelt" der SPD mit, deren Konzept stark dem der "Schaffenden Frau" glich (Kirsten Wilhelms, a.a.O., S.70f.).
14.) Die Schaffende Frau, Jg.1 (1919/20), H.1, Was wir wollen!
15.) Die Schöpfung. Sozialrevolutionäres Organ für das sozialistische Neuland. Publikationsorgan der FAUD(S) Rheinland-Westfalen, Jg.1 (1921)-Jg.3 (1923). Zum Frauenteil der "Schöpfung" vgl. auch Ulrich Klan und Dieter Nelles, "Es lebt noch eine Flamme"..., S.300 und S.305.
16.) Zur ideologischen Ausrichtung der "Schöpfung", die zu mancherlei Konflikten mit der Berliner Geschäftskommission der FAUD führte, vgl. Hans Manfred Bock, Syndikalismus ..., S.175-179.
17.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund, 2. Aufl., Berlin 1923, S.11.
18.) Vgl. hierzu als zeitgenössische Untersuchung Alice Rühle-Gerstel, Die Frau und der Kapitalismus. Eine psychologische Bilanz, Frankfurt/M. 1972 (Reprint der Originalausgabe Leipzig 1932), S.253f., zur jüngeren Frauenforschung vgl. Gisela Bock und Barbara Duden, Arbeit aus Liebe - Liebe als Arbeit: Zur Entstehung der Hausarbeit im Kapitalismus, in: Frauen und Wissenschaft. Beiträge zur Berliner Sommeruniversität für Frauen, Juli 1976, Berlin 1977, S. 118-199, sowie zusammenfassend für die neueren Forschungsergebnisse Ute Frevert, Frauengeschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit, Frankfurt/M. 1986, S.172ff.
19.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S.11; zum Frauenanteil in den Gewerkschaften in der Weimarer Republik vgl. Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S. 170.
20.) Milly Witkop-Rocker, a.a.O., S.11; zur wirtschaftlichen Lage der Lohnarbeiterinnen und der Frauen von Angestellten und Arbeitern: Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S.179.
21.) Der Syndikalist, Jg.3 (1921), Nr.18, R.R., Die große Mission der Frauen, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.57.
22.) Vgl. Atina Grossmann und Elisabeth Meyer-Renschhausen, Frauen und Arbeiterbewegung in Deutschland, 1914-1938, in: Arbeiterbewegung und Feminismus. Berichte aus vierzehn Ländern. Hrsg. von Ernest Bornemann, Frankfurt/M., Wien und Berlin 1882, S.54-61, hier S.59f.
23.) Vgl. a.a.O., S.55 und S.61 sowie Alice Rühle-Gerstel, Die Frau ..., S.254f.; Der Syndikalist, Jg.6 (1924), Nr.37, Franziska, Sind syndikalistische Frauenbünde notwendig?
24.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S.6; zur Belastung der Hausfrauen und ihren Schwierigkeiten, politisch und gewerkschaftlich aktiv zu werden, Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S.189; Atina Grossmann und Elisabeth Meyer-Renschhausen, Frauen und Arbeiterbewegung ..., S.55 und S.58f.
25.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S. 14.
26.) Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S.140f.; Atina Grossmann und Elisabeth Meyer-Renschhausen, Frauen und Arbeiterbewegung ..., S.55f.
27.) Zu den politischen Optionen der Frauen in der Weimarer Republik vgl. Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S. 169f.
28.) So die These von Atina Grossmann und Elisabeth Meyer-Renschhausen, Frauen und Arbeiterbewegung ..., S.57.
29.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S.12f.
30.) A.a.O., S.6.
31.) Zu den politischen Standpunkten der FAUD im allgemeinen vgl. Hans Manfred Bock, Syndikalismus ..., S.167-175, und Angela Vogel, Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977.
32.) Vgl. hierzu und im folgenden, wenn nicht besonders gekennzeichnet, Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S. 17-24 und S.55-58.
33.) Prinzipienerklärung der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Syndikalisten) (FAUD), angenommen im Dezember 1919, abgedruckt bei Hans Manfred Bock, Syndikalismus ... S.363-367, hier S.366.
34.) Der Frauenbund, Nr.6 (Dezember 1928), R.B., Sozialismus und Frau, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ... S. 19.
35.) Der Syndikalist, Jg.15 (1932), Nr.24, N.N., Die Frau als Lohnarbeiterin.
36.) Der Frauenbund, Nr.6 (August 1925), Hertha Barwich, Die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft und unsere Forderungen III, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.55.
37.) Der Frauenbund, Nr.5 (Oktober 1924), Karl Simmrock, Die Arbeit der Frau im Hause, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.56.
38.) Hans Manfred Bock, Syndikalismus ..., S.169.
39.) Die Schaffende Frau, Jg.3 (1921/22), H.36, Aimée Köster, Der Frauenbund.
40.) A.a.O.
41.) Der Frauenbund, Nr.4, (November 1927), N.N., Arbeiterfrau und Klassenkampf, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., 
42.) Der Frauenbund, Nr.2 (März 1925), Isegrimm, Die Aufgaben der Frauen II, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.21.
43.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S. 14.
44.) A.a.O., S.12.
45.) Der Frauenbund, Nr.2, (Februar 1922), Cyclop, Frauenbund - Menschheitsbund, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S. 57.
46.) Der Frauenbund, Nr.6 (Juni 1922), N.N., Die Aufgaben der Frauen I.
47.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S.4.
48.) Prinzipienerklärung der FAUD, abgedruckt bei Hans Manfred Bock, Syndikalismus ..., S.363.
49.) A.a.O., S.367, sowie Arnold Roller, Die direkte Aktion. Revolutionäre Gewerkschaftstaktik, Berlin 1969 (Reprint der Originalausgabe New York 1912).
50.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S.4.
51.) Prinzipienerklärung ..., a.a.O., S.364.
52.) Ulrich Klan und Dieter Nelles, "Es lebt noch eine Flamme"    ..., S.294.
53.) Der Syndikalist, Jg.2 (1920), Nr.8, Frigor, An unsere Frauen, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.44f.
54.) Die Schaffende Frau, Jg.4 (1922/23), H.41, S.69.
55.) Hans Manfred Bock, Syndikalismus ..., S.160.
56.) Heinz Niggemann, Emanzipation zwischen Sozialismus und Feminismus. Die sozialdemokratische Frauenbewegung im Kaiserreich, Wuppertal 1981, S.240ff und S.275ff; Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S.123ff, S. 138ff und S.174f.
57.) Ausnahmen bildeten etwa positive Rezensionen im "Syndikalist" und in der "Schaffenden Frau" von Mathilde Vaertings wissenschaftlichen Arbeiten, die die unterschiedlichen Geschlechtscharaktere als historisch und kulturell geprägt interpretierte und biologistische Argumentationen mit Beispielen aus der Kulturgeschichte zu widerlegen versuchte.
58.) Der Frauenbund, Nr.1 (Oktober 1921), Max Winkler, Frauenarbeit - Frauenorganisation, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.56.
59.) Der Frauenbund, Nr.8 (August 1922), N.N., Die Frau im politischen und wirtschaftlichen Leben.
60.) Die Schaffende Frau, Jg.3 (1921/22), H.28, S.60.
61.) Die Schaffende Frau, Jg.2 (1920/21), H.24, S.184.
62.) Die Schaffende Frau, Jg.5 (1923/24), H.53, S.99-101.
63.) Vgl. Christine Wittrock, Weiblichkeitsmythen. Das Frauenbild im Faschismus und seine Vorläufer in der Frauenbewegung der 20er Jahre, Frankfurt/M. 1983, S.76ff.
64.) Die Schaffende Frau, Jg.5 (1923/24), H.53, S.100.
65.) A.a.O., S.1OOf.
66.) Der Frauenbund, Nr.1 (Mai 1924), Gerhard F. Wehle, Die Religion des Weibes, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S. 94.
67.) Der Frauenbund, Nr.8, (August 1922), N.N., Die Aufgaben der Frauen II, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.94.
68.) Der Frauenbund, Nr.l (Mai 1924), Gerhard F. Wehle, Die Religion des Weibes, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.94.
69.) Die Schaffende Frau, Jg.1 (1919/20), H.2, S.18f., H.3, S.35f. und H.8, S.114f.
70.) Für diesen Aspekt ihrer Frauenpolitik beriefen sich die Syndikalistinnen auch ausdrücklich auf Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung, vgl. z.B. Auszug aus Agnes von Zahn-Harnack, Die arbeitende Frau, abgedruckt in: Die Schaffende Frau, Jg.5 (1923/24), H.52, S.82f.; zu den Positionen der bürgerlichen Frauenbewegung vgl. auch Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S.126f.
71.) So z.B. Der Syndikalist, Jg.6 (1924), Nr.37, Franziska, Sind syndikalistische Frauenbünde notwendig?
72.) Vgl. hierzu und im folgenden, wenn nicht anders vermerkt, Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.37-42.
73.) Der Syndikalist, Jg.3 (1921), Nr.48, N.N., Gründet an allen Orten syndikalistische Frauenbünde.
74.) Die Schaffende Frau, Jg.4 (1922/23), H.41, S.69.
75.) A.a.O., S.70.
76.) Ebd.
77.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S.14.
78.) Zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung innerhalb der SPD vgl. Renate Wurms, Gleichberechtigt, aber zur linken Hand. Zur Frauenbewegung in der Weimarer Republik, in: Neue Frauen. Die zwanziger Jahre, S.50-64, hier S. 5 8.
79.) So appellierte etwa Milly Witkop-Rocker an die Männer, die Leistungen der Frauen auf dem Gebiet der gegenseitigen Hilfe endlich anzuerkennen und sich ein Beispiel daran zu nehmen: Der Frauenbund, Nr.3 (Mai 1925), Milly Witkop-Rocker, Die Notwendigkeit der Frauenbünde.
80.) Der Frauenbund, Nr.8 (August 1923), N.N., Über syndikalistische Frauenbünde.
81.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S.6f.
82.) A.a.O., S.7; Auszug aus Agnes von Zahn-Harnack, Die arbeitende Frau, abgedruckt in: Die Schaffende Frau, Jg.5 (1924/25), H.52, S.81f.; vgl. auch Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S.127 und S. 189ff.
83.) Die Schaffende Frau, Jg.2 (1920/21), H.21, S.171ff; a.a.O., Jg.3 (1921/22), H.29, S.73f.
84.) Heinz Niggemann, Emanzipation ..., S.244ff.
85.) Vgl. z.B. Die Schaffende Frau, Jg.4 (1922/23), H.40, S.58.
86.) Die Schaffende Frau, Jg.4 (1922/23), H.37, S.13.
87.) Zu den möglichen Motiven der Widerstände bei den Frauen vgl. Alice    Rühle-Gerstel, Die Frau ..., S.252.
88.) Die Schaffende Frau, Jg.4 (1922/23), H.37, S.13.
89.) Milly Witkop-Rocker, Was will der Syndikalistische Frauenbund ..., S.8.
90.) Ebd.
91.) Zu Malthusianismus und Neomalthusianismus vgl. Kristine von Soden, Die Sexualberatungsstellen in der Weimarer Republik, Berlin 1988, S.15-18.
92.) Ulrich Linse, Arbeiterschaft und Geburtenentwicklung im Deutschen Kaiserreich von 1871, in: Archiv für Sozialgeschichte, Bd.12 (1972), S.205-271, hier S.250ff. Vgl. auch für Deutschland und Frankreich den Hinweis von Hans Manfred Bock, Syndikalismus ..., S.34; für den italienischen Anarchismus Adriana Dada, L` anarchismo in Italia: fra movimento e partito. Storia e documenti dell` anarchismo italiano,
93.) Ulrich Klan und Dieter Nelles, "Es lebt noch eine Flamme" ..., S.295f.
94.) Ulrich Linse, Arbeiterschaft und Geburtenentwicklung ..., S.252.
95.) "Beiträge zum Sexualproblem". Hrsg. von Dr. Felix Theilhaber.
96.) Vgl. Petra Schneider, Weg mit dem § 218. Die Massenbewegung gegen das Abtreibungsverbot in der Weimarer Republik, Berlin 1975.
97.) Der Syndikalist, Jg.9 (1927), Nr.48, Arthur Streiter, Sittlichkeit und Strafrecht.
98.) Vgl. Kristine von Soden, Hilft uns denn keiner? Zum Kampf gegen den §218, in: Neue Frauen. Die zwanziger Jahre, S. 103-110, hier S. 109.
99.) Heide Schlüpmann, Radikalisierung der Philosophie. Die Nietzsche-Rezeption und die sexualpolitische Publizistik Helene Stöckers, in: Feministische Studien, Jg.3 (1984), H.l, S.10-34, hier S.20.
100.) Der Frauenbund, Nr.10 (Oktober 1922), M.W., Das Recht auf den eigenen Körper.
101.) Der Frauenbund, Nr.4 (September 1924), Isegrimm, Die Geschlechtsethik mit Hilfe des Seziermessers.
102.) Der Syndikalist, Jg.3 (1921), Nr.12, N.N., Etwas zum Geburtenproblem.
103.) Clara Zetkin etwa charakterisierte die Idee des Gebärstreiks als "bürgerliche, individualistische, anarchistelnde (!) Auffassung"; zur Gebärstreikdebatte vgl. Ulrich Linse, Arbeiterschaft und Geburtenentwicklung ..., S.238ff. und die Dokumente in: Karl Heinz Roth, Kontroversen um Geburtenkontrolle am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Eine Dokumentation zur Berliner "Gebärstreikdebatte" von 1913, in: Autonomie. Materialien gegen die Fabrikgesellschaft, Jg.9 (1978), Nr.12, S.78-103, hier S.90. Die Verbreitung der Broschüre eines der Befürworter der gezielten Geburtenkontrolle, des Arztes Dr. Alfred Bernstein, wurde anscheinend von der SPD-Führung torpediert (vgl. Ulrich Linse, Arbeiterschaft und Geburtenentwicklung ..., S.255) und erschien dann 1913/1914 unter dem Titel, "Wie fördern wir den kulturellen Geburtenrückgang? Ein Mahnruf an das arbeitende Volk" im Verlag von Fritz Kater in Berlin, einem der Protagonisten des revolutionären Syndikalismus im Kaiserreich.
104.) So der Titel einer Veranstaltung des Frauenbundes Groß-Berlin Anfang 1921.
105.) Die Schaffende Frau, Jg.2 (1920/21), H.21, S.141.
106.) Die Schaffende Frau, Jg.3 (1921/22), H.27, S.42f.
107.) A.a.O., S.43.
108.) Der Syndikalist, Jg.3 (1921), Nr.12, N.N., Etwas zum Geburtenproblem.
109.) Die Schaffende Frau, Jg.3 (1922/23), H.36, S.156.
110.) Die Schaffende Frau, Jg.4 (1923/24), H.38, S.19.
111.) Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S. 128.
112.) Heinz Niggemann, Emanzipation ..., S.243f.
113.) Fritz Oerter, Die freie Liebe, Berlin 1920.
114.) Vgl. hierzu auch Ulrich Klan und Dieter Nelles, "Es lebt noch eine Flamme" ..., S.314-318.
115.) Der Syndikalist, Jg.3 (1921), Nr.11, Fritz Oerter, Prostitution, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.90.
116.) Vgl. Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.90.
117.) Der Frauenbund, Nr.6 (Dezember 1928), H.P., Jugend in Not, zitiert nach a.a.O., S.91.
118.) Der Syndikalist, Jg.4 (1922), Nr.47, Fritz Oerter, Verantwortung und freie Liebe.
119.) Ulrich Klan und Dieter Nelles, "Es lebt noch eine Flamme" ..., S.318.
120.) A.a.O., S.316f.
121.) Die Schaffende Frau, Jg.2 (1920/21), H.24, S.184.
122.) Vgl. Heide Schlüpmann, Radikalisierung ..., S.22.
123.) Die Schöpfung, Jg.1 (1921), Nr.73, S.6.; Die Schaffende Frau, Jg.4 (1922/23), H.38, S.25.
124.) Ulrich Linse, "Geschlechtsnot der Jugend". Über Jugendbewegung und Sexualität, in: "Mit uns zieht die neue Zeit". Der Mythos Jugend. Hrsg. von Thomas Koebner, Rolf-Peter Janz und Frank Trommler, Frankfurt/M. 1985, S.245-309, hier S.279ff.
125.) Die Schaffende Frau, Jg.5 (1923/24), H.53, S.101-102. Mit solchen und ähnlichen Formulierungen waren aber keine eugenischen Postulate verbunden, wie sie etwa in Kreisen der Sozialdemokratie nach dem Ersten Weltkrieg verbreitet waren; vgl. dazu Kristine von Soden, Die Sexualberatungsstellen ..., S.274ff.
126.) Die Schaffende Frau, Jg.5 (1923/24), H.53, S.102.
127.) Vgl. Ute Frevert, Frauengeschichte ..., S.187. Ausführlicher zu den sexualreformerischen Konzepten der zwanziger Jahre: Atina Grossmann, Die "Neue Frau" und die Rationalisierung der Sexualität in der Weimarer Republik, in: Die Politik des Begehrens. Sexualität, Pornographie und neuer Puritanismus in den USA. Hrsg. von Ann Snitow, Christine Stansell und Sharon Thomas, aus dem Amerikanischen von Pieke Biermann, u.a., Berlin 1985, S.38-62.
128.) Vgl. im folgenden, soweit nicht anders angemerkt, Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.43-47.
129.) Der Syndikalist, Jg.3 (1921), Nr.6, Lola Engelhart, Syndikalismus und Frauenorganisation, zitiert nach: a.a.O., S.39.
130.) Der Frauenbund, Nr.5 (Mai 1923), Ekke, Zur syndikalistischen Frauenbewegung, zitiert nach a.a.O., S.42.
131.) Der Syndikalist, Jg.6 (1924), Nr.33, Espero, Sind syndikalistische Frauenbünde notwendig?
132.) Der Syndikalist, Jg.6 (1924), Nr.49, T. Caspers, Diskussion.
133.) Vgl. zu diesen Diskussionen auch Ulrich Klan und Dieter Nelles, "Es lebt noch eine Flamme" ..., S.306ff.
134.) Der Syndikalist, Jg.6 (1924), Nr.33, Espero, Sind syndikalistische Frauenbünde notwendig?
135.) Ebd. Also auch in der FAUD drohte der Frauenfrage wie in der sozialistischen und kommunistischen Bewegung, in der Klassenfrage auf- bzw. unterzugehen; vgl. Alice Rühle-Gerstel, Die Frau ..., S.141ff.
136.) Der Syndikalist, Jg.6 (1926), Nr.49, Nestor, Syndikalismus und Frauenbünde, zitiert nach Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.45.
137.) Hierzu und im folgenden: Der Syndikalist, Jg.6 (1924), Nr.37, Franziska, Sind syndikalistische Frauenbünde notwendig?
138.) Der Frauenbund, Nr.3 (Mai 1925), Milly Witkop-Rocker, Die Notwendigkeit der Frauenbünde.
139.) Vgl. Cornelia Regin, "Vom Anarchismus des Gefühls zum Anarchismus der Überzeugung". Ein Beitrag zur Geschichte und Ideologie der anarchistischen und anarcho-syndikalistischen Jugendbewegung in der Weimarer Republik, in: IWK, Jg.22 (1986), H.4, S.471-498.
140.) Der Frauenbund, Nr.3 (Mai 1925), Milly Witkop-Rocker, Die Notwendigkeit der Frauenbünde.
141.) Vgl. auch die Zusammenfassung von Christine Weghoff, Die Frauenpolitik ..., S.94-99.
142.) Zu den Formen der Zusammenarbeit und politischer Aktivität von Frauen vgl. Atina Grossmann und Elisabeth Meyer-Renschhausen, Frauen und Arbeiterbewegung ..., S.55f.
143.) Der Frauenbund, Nr.6 (Dezember 1928), N.N., Frau und Ehe.

Aus: IWK - Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 25. Jg., Heft 3, September 1989. Digitalisiert von www.anarchismus.at mit freundlicher Genehmigung der Autorin.


Creative Commons - Infos zu den hier veröffentlichten Texten / Diese Seite ausdrucken: Drucken


Email  RSS