Ahto Uisk - Syndikalismus: Eine Ideenskizze

Eine Ideenskizze der (reformistisch-)syndikalistischen Gewerkschaft SAC aus Schweden in den 70er-Jahren. Die SAC hat sich in den letzten Jahren wieder radikalisiert und ist in Arbeitskämpfen in Schweden aktiv. Mit einer modernen Neuauflage des "Registersystems" organisiert sie z.B. erfolgreich (illegalisierte) MigrantInnen gegen die Ausbeutung am Arbeitsplatz...

Inhaltsverzeichnis:

  • Einige syndikalistische Grundbegriffe
  • Antiparlamentarismus und Staatsfeindlichkeit
  • Direkte Aktion
  • Industrielle Demokratie
  • Föderalismus
  • Syndikalismus - ein Sozialismus in Freiheit
  • Anhang: Prinzipienerklärung der SAC (Sveriges Arbetares Centralorganisation, Zentralorganisation der Arbeiter Schwedens)

Einige syndikalistische Grundbegriffe

"Die zentralen Gedanken des Syndikalismus sind die Abschaffung privatkapitalistischer Willkür und die Verhinderung staatlicher Zwangsherrschaft." (Evert Arvidsson: Syndikalismen i nutidssamhället)

Mit dieser Aussage wird der Kern der syndikalistischen Ideologie, die auch Freiheitlicher Sozialismus genannt wird, formuliert. Der Syndikalismus ist eine sozialistische Bewegung in der freiheitliche Werte dominieren. Damit geht der Syndikalismus weit über den Marxismus hinaus, dessen Vorstellungen vom Weg zum Sozialismus allein über den Staat geht. Die Durchsetzung des Syndikalismus - vom französischen Syndicat = Gewerkschaft - würde durch den Umweg über Institutionen, Parlamente und Regierungen gelähmt. Es geht darum, daß die Lohnabhängigen selbst und ohne Führungskader soziale Umwälzungen herbeiführen und die Produktionsmittel selbst verwalten. Der Syndikalismus hat immer schon vor  einer   fortschreitenden  Konzentration  der  Staatsmacht gewarnt; Warnungen, die, wie die historischen Erfahrungen gezeigt haben, ihre Berechtigung hatten.

Syndikalismus: gegen einen hemmungslosen Privatkapitalismus, gegen die staatliche Allmacht, für eine föderalistische Gesellschaftsordnung auf produzentenkooperativer Basis - so kann die Zielsetzung kurz skizziert werden. Wie diese Ideologie Grundlage für praktische Gewerkschaftsarbeit in Schweden und in anderen Ländern wurde, wollen wir hier nicht näher ausführen. Wir wollen nur  auf  einige  Begriffe  eingehen, die  mit  dem Syndikalismus eng verknüpft sind, und in aller Kürze andeuten, welche Rolle diese Begriffe für den modernen Syndikalismus und dessen schwedischer Variante spielen ...

Antiparlamentarismus und Staatsfeindlichkeit

Nach syndikalistischer Auffassung hat die Gewerkschaftsbewegung eine doppelte Aufgabe. Sie ist (teils) ein Instrument für die täglichen Lohnkämpfe, für Verhandlungen mit der Gegenpartei um Löhne, Arbeitszeit, Versicherungen usw. - eine alltägliche Situation von Gewerkschaften und vordergründig ihre hauptsächliche Aufgabe. Aber ebenso kann und muß sie in sich eine Organisationsform sein, die bereit ist, die Führung der Gesellschaft, von Politikern, privaten Kapitalbesitzern und Staatsbürokraten zu übernehmen. Von einer Verhandlungsorganisation wird die Gewerkschaft zu einer verwaltenden und führenden Einheit.

Eine Folge davon ist, daß die Organisation nun den Zustand wiederspiegelt, der angestrebt wird, und das heißt, daß Syndikalismus sich von gesteuerten gewerkschaftlichen Einheiten distanziert, wo das Stimmrecht der Mitglieder nicht gewährt ist. Solange dies möglich ist, soll die direkte Demokratie realisiert werden und diese Realisierung sollte nicht auf eine ferne Zukunft verschoben werden. Das beinhaltet auch, daß gewerkschaftlich-ökonomische Einheiten bedeutender werden, die Parteipolitik kommt an zweiter Stelle. Selbstverständlich soll die Organisationsbildung frei sein, keine Parteien sollen verboten werden - aber weil es in der Politik zum allergrößten Teil um Ökonomie geht, wird das - wenn die ökonomischen Machtverhältnisse verändert werden -, womit sich die politischen Parteien beschäftigen, von weniger Interesse sein.

Syndikalismus bedeutet, daß die parlamentarische Agitation der politischen Parteien, bis heute im privatkapitalistischen System aus verschiedenen Gründen von geringerem Interesse ist als das was an anderer Stelle in der Gesellschaft geschieht. Augustin Souchy hat das so ausgedrückt: "Die Mehrheitsherrschaft ist dann illusorisch, wenn sie nur im politischen Bereich gilt, während weiterhin eine ökonomische Minorität herrscht, die im Besitz der Produktionsmittel und der Nationalreichtümer ist." (Diktatur och socialism)

Mit anderen Worten: Viele, für die Lohnempfänger wesentlichen Beschlüsse, oft die wesentlichsten, werden nicht in den Parlamenten beschlossen. In diesen und anderen Zusammenhängen werden nur parlamentarische Debatten reflektiert und bekräftigt und gesellschaftliche Aktivitäten verschiedener Art beschlossen. Deshalb manifestiert sich der Syndikalismus nicht durch Parteibildung. Ein anderes Motiv für die Haltung der Syndikalisten ist, daß man glaubt, daß die Verknüpfung von Politik und gewerkschaftlicher Aktivitäten ein Übel sei. Das wäre eine Verbindung, die zur Sterilität gewerkschaftlicher Tätigkeit führen könnte. Es ist interessant, daß dieser Gedanke nun gestützt wird.

U.a. im Hinblick auf die Erfahrungen in Jugoslawien führt der marxistische Theoretiker Andre Gorz aus: "Nur eine selbstgelenkte Gewerkschaft, die das Vertrauen der Arbeiter hat, weil sie in den Fabriken und in der Gesellschaft vorbehaltlos die Bedürfnisse der Arbeiter der Produktionsstätten vertritt, kann im Sinne der bestmöglichen Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen agieren." (Den svara socialismen)

Hinter der Skepsis der Syndikalisten gegenüber den Parteiapparaten stehen auch die brutalen historischen Erfahrungen: Der Versuch der Kommunisten, den Sozialismus mit einer alleinherrschenden Partei als Instrument zu verwirklichen, hatte abschreckende Folgen. Die Diktatur demoralisierte, unabhängig davon, ob man sie die Diktatur des Proletariats nennt oder anders. Isaac Deutscher hat das auf die Ausgangslage in Rußland nach der Oktoberrevolution (1917) zurückgeführt und es so formuliert: "Da die Arbeiterklasse physisch nicht vorhanden war, beschlossen die Bolschewiki als deren Stellvertreter zu handeln. Diese Politik der Bolschewiki formte eine 'neue' Arbeiterklasse. In dieser Zeit waren die Aussagen über die 'proletarische Diktatur' Aussagen im Namen eines Proletariats, das nicht vorhanden, oder so gut wie nicht vorhanden war. Das war der eigentliche Ursprung der bürokratischen Diktatur, der unkontrollierten Macht und der Korruption." (Den ofullbordade revolutionen)

Auch das Weiterbestehen von Bürokratie und Diktatur ist darauf zurückzuführen.

Der Syndikalismus tritt also dafür ein, daß die gewerkschaftlich-ökonomischen Organisationen die entscheidende Rolle in der sozialen Umwälzung spielen sollen. Langfristig befürwortete er die Dezentralisierung der gesamten Gesellschaftsstruktur. Gleichzeitig bekennt er sich zu demokratischen Prinzipien: Gerade in der sozialistischen Gesellschaft müssen die Grundrechte für Beschlüsse, freie Wahlen und Mandate gewährleistet sein. Die Beschlüsse müssen verbindlich sein, und sie müssen erfolgen unter Rücksichtsnahme und Toleranz für alle Gruppen und Meinungen, die von der Mehrheit abweichen. Wenn sich die politische Demokratie vervollständigt hat durch eine ökonomische Demokratie, dann muß der Schwerpunkt auf die letztgenannte gelegt werden. Aber das beinhaltet nicht die Forderung, daß Parteien und Parlament abgeschafft werden müßten.

Die SAC - die syndikalistische Bewegung in Schweden – nimmt nicht an der Parteipolitik teil, aber einzelne Mitglieder haben das Recht dazu, "unter der Voraussetzung, daß diese Tätigkeit sie nicht in offene Gegnerschaft zur syndikalistischen Bewegung bringt", heißt es in der SAC-Prinzipienerklärung von 1952 (Anm. d. Ü.: 1975 ist eine neue Prinzipienerklärung verabschiedet (s. Anhang) worden, die weder diesen noch einen ähnlichen Passus enthält).

Die einzige Präzisierung die gemacht wurde, ist die Unvereinbarkeit einer Mitgliedschaft in nazistischen Organisationen mit der Mitgliedschaft in der SAC.

An manchen Orten entwickelten die Syndikalisten große Aktivitäten in der Kommunalpolitik; sie gründeten dafür eine eigene Organisation - die freiheitliche Kommunalbewegung -, die sich den Wahlen stellt und kommunalpolitisch konstruktiv arbeitet. Organisatorisch und ökonomisch steht jedoch diese Organisation außerhalb der SAC. Trotz dieser Trennungslinie zeigen ihre Aktivitäten eine Befreiung von zeitweisen dogmatischen Einstellungen innerhalb der SAC. Denn den Staat kann man nicht mit den Kommunen gleichsetzen. Dieser Ansicht ist besonders Albert Jensen, und er entwickelt und begründet dies so: "Ich bin prinzipiell ein Feind des Staates. Deshalb verwerfe ich den Staat. Doch was die Kommunen angeht, glaube ich, daß diese als Gesellschaftsinstitutionen für die Zukunft erhalten werden müssen ... Ich sehe in den Kommunen an und für sich eine Gesellschaftseinrichtung, ein Instrument zur Dezentralisierung von Staatsmacht, womit die Kommunen eine große und wichtige Aufgabe erfüllen. Die erweiterte kommunale Selbstverwaltung fördert eine Tendenz zur staatlichen Dezentralisierung. Diese befindet sich im Gegensatz zu anderen Tendenzen unserer Zeit: Ausdehnung der Staatsmacht, des Staatstotalitarismus." (Syndikalisterna och t idsprob lernen)

Mit anderen Worten: Der Terminus "Antiparlamentarismus" ist keine exakte Beschreibung der modernen syndikalistischen Auffassung dieses Problems. Es ist bezeichnend, daß man in der Propaganda gegen die SAC gerade diesen Terminus herausstellt, um damit zum Ausdruck zu bringen, daß die Syndikalisten für die Abschaffung der Demokratie wären. Aber dem ist nicht so. Intensives Herausstellen der Bedeutung außerparlamentarischer Aktivitäten ist nicht dasselbe wie "Antiparlamentarismus", in seiner verständlichen Bedeutung. Es bedarf sichtbarer Anstrengungen, um dieses Mißverständnis um der syndikalistischen Ziele und Methoden auszuräumen.

Frans Severin zeigt die Staatsfeindlichkeit des Freiheitlichen Sozialismus deutlich auf: "Er - der Syndikalismus - ist kein Feind des Staatswesens, nicht der Staaten in allen seinen Formen; er steht im Widerstand zu der herrschenden zentralistischen Macht in der Gestalt des modernen Staates, der alles menschliche Leben zu reglementieren versucht in den Gesetzesverordnungen und Paragraphen; sie sind Gegner einer Lebensgesellschaft mit allen nur möglichen Paragraphen und einer versklavenden Bürokratie; sie sind Gegner einer zentralisierten Beamtenherrschaft, kurz gesagt, sie sind Gegner jeglicher Zentralisationen. Logischerweise eröffnet dieses positive Streben große Möglichkeiten für die Freiheit von Individuen und Gruppen, große Freiheiten, welche innerhalb der menschlichen Gesellschaft Zusammenarbeit organisiert, große Freiheit, welche im praktischen politischen und wirtschaftlichen Leben existieren muß." (Ar syndikalismen statsfientlig?)

Unabhängig davon, welche politische Partei die Regierungsmacht innehat, neigt die Staatsverwaltung dazu, die zentralistische Bürokratie auszuweiten. Und dieselben Zentralisierungstendenzen zeigen sich in allen großen Organisationen. Zum Vorteil für die direkten Bestimmungsrechte und Kontrollrechte, müssen diese Tendenzen verhindert werden.

Der Zentralismus und somit die Staatsmacht macht demSyndikalismus Angst. Das aber hat nicht Gleichgültigkeit gegenüber Erörterungen und Beschlüssen innerhalb des Parlaments und der Regierung zur Folge. Im Gegenteil: Der Syndikalismus versucht, wie auch andere gesellschaftliche Gruppierungen, durch Meinungsbildung die dort zu verabschiedenden Beschlüsse zu beeinflussen. Er verhält sich auch nicht gleichgültig gegenüber der Art der Staatsmacht und in welcher Form diese ausgeübt wird. Im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) stellte sich die CNT, die große spanische anarcho-syndikalistische Organisation, auf die Seite der legalen Regierung im Kampf gegen den Faschismus. Auch akzeptierten die Syndikalisten während dieser Zeit Ministerposten. Unter Verweis auf das spanische Beispiel hat speziell Helmut Rüdiger behauptet, daß der Syndikalismus als "eine aktive Bewegung eine differenzierte Taktik gegenüber dem Parlamentarismus anwenden muß und sich nicht dem besonderen Inhalt der parlamentarischen Tätigkeit gegenüber indifferent verhalten darf". (Syndikalism och parlamentarism)

Der Syndikalismus respektiert die gesellschaftlichen Verträge und die politisch-demokratischen Rechtsverhältnisse. Die SAC- Prinzipienerklärung (Vgl. Anhang) läßt daran keine Zweifel: "Syndikalismus ist eine der Kräfte, die zur Eroberung der Menschenrechte und demokratischen Freiheiten beigetragen haben, die die heutige demokratische Gesellschaft gewährt, und er ist bereit, diese Rechte gegen die Anhänger der Diktatur zu verteidigen."

Zusammengefaßt: Der Syndikalismus ist nicht antiparlamentarisch; seinem Herkommen nach will er jedoch die Demokratie auf den wirtschaftlichen Bereich, auf die Verwaltung und auf den Besitz an Produktionsmitteln ausweiten. Seine Staatfeindlichkeit bezieht sich auf die Bedeutung des Antizentralismus, oder positiv ausgedrückt: Der Syndikalismus ist für den föderalistischen Organisations- und Gesellschaftsaufbau, in dem das Beschlußrecht vielseitig und direkt angewendet werden kann.

Direkte Aktion

Der Syndikalismus existiert seit mehr als einem halben Jahrhundert als eine revolutionäre Bewegung in der Gesellschaft, als Verfechter eines permanenten Kampfzustandes gegen die Arbeitgeber und den Staat, der mit gutem Grund als ihr Werkzeug angesehen wird. In den Betrieben wurde die Taktik der Direkten Aktion angewendet in Form von Streiks, Pfuscharbeit, Sabotage und ähnlichen Methoden.

Daß die SAC den Traum von der Revolution als einer schnellen Veränderung der Gesellschaft aufgab, bedeutete eine ideologische Kursänderung. Dies fand seinen konkreten Ausdruck in der Prinzipienerklärung von 1952, als Resultat eines ideologischen Reifungsprozeßes. Der Begriff "Direkte Aktion" ist jedoch nach wie vor wichtig für die schwedischen Syndikalisten, doch hat sich sein Inhalt verändert. Bereits 1949 will G.A. Kronheffer dem Begriff der "Direkten Aktion" eine andere Bedeutung zumessen: "Man kam dazu Parallelen zu ziehen zwischen direkter Aktion und Gewalt ... Mit der direkten Aktion ist nur recht und schlecht Selbsttätigkeit gemeint, warum sollte man deshalb nicht dieses Wort verwenden? Wenn das Volk nicht irgendwelche tieferen Einsichten in den Begriff der Direkten Aktion hat, ist dessen Anwendung zwecklos." (Syndikalisterna och tidsproblemen)

In der politisch-demokratischen Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt, der durch Übereinkünfte geregelt ist, hat Sabotage keine Funktion zu erfüllen. Ohne dieses Gefühl für die soziale Wirklichkeit, dieses Verständnis, daß das irdische Paradies nicht über Nacht kommt, sondern daß es geduldig und schrittweise zu erkämpfen und zu bewahren ist - ohne diese Einsicht ist es ungewiß, ob die SAC als eine Organisation von irgendeiner Bedeutung heute noch existieren würde. Die Kampfmethoden müssen sich den Verhältnissen anpassen: "Der rechtlose Proletarier schlägt sich durch rücksichtslose Methoden um die Rechte der Mitbürger und um Verhandlungspositionen. Daß die Demokratie festen Fuß fassen kann, ist auch für den Syndikalismus verpflichtend." (Evert Arvidsson: Syndikalism i. nutidssamhället)

Herbert Anckar geht hier weiter, nur mißt er dem Begriff Direkte Aktion eine mehr theoretische Bedeutung bei, ganz einfach als Gegensatz zu den indirekten Aktionen, d.h., daß die Lohnabhängigen passiv und mit langen Zwischenräumen einen Vertreter ins Parlament wählen, der dann mit Richtlinien agiert, die zum größten Teil zentral von den Parteien bestimmt werden: "Direkte Aktionen sind alle Aktionen, d.h. alle Beeinflussungen, die nicht mit Hilfe von 'Vermittlern' geschehen, wie solchen vom Reichstag (Anm. d. Ü: Schwedisches Parlament) und Regierung. Die Inhalte der Direkten Aktion bestimmen die Arbeiter selbst. Der Begriff Direkte Aktion und der Begriff Gewalt haben nichts miteinander zu tun. Direkte Aktion kann Druck, welcher Form auch immer, bedeuten, der von den Arbeitern selbst ausgeübt wird." (Syndikalism och samhället)

Die Einstellung zur Gewalt, zu deren Methoden und ungeschriebenen Spielregeln hat in unserer Zeit durch den Kampf der armen Länder gegen äußere Unterdrückung, durch die mitunter erbitterten bewaffneten und sozialen Kämpfe in diesen Ländern, eine besondere Aktualität gewonnen. Die Befürwortung von Gewalt hat eine unerhörte moralische Schlagkraft durch den Befreiungskampf der FLN (Anm. d. Ü.:  Nationale Befreiungsfront) in Vietnam und durch die studentischen Aktionen in der ganzen Welt erfahren. Selbstverständlich solidarisiert sich der Syndikalismus mit dem Befreiungskampf unterdrückter Völker und Klassen. Ebenso mit den größeren Aktionen wie die der Studenten- und Arbeiterrevolte im Mai 1968 in Frankreich, in der übrigens auch junge Anarchisten eine aktive Rolle spielten. Daß die Syndikalisten in Schweden nicht die Lösung sozialer Konflikte mit Gewalt wünschen, bedeutet nicht, daß man diese Taktik zu einem für alle Länder und alle Zeiten gültigen Dogma erklärt. Unter anderen Verhältnissen und in anderen Situationen kann Gewalt notwendig und das kleinere Übel gegenüber der herrschenden Gewalt sein.

Auch die offene, demokratische Gesellschaft beinhaltet einen Konflikt zwischen Gesetz und Moral; auch hier kann es schwierig sein, zwischen demokratischen Aktionen und Kampfaktionen zu unterscheiden. Meinungsgegner am Sprechen zu hindern ist immer eine schlimme und riskante Sache. Aber kann man ohne weiteres Proteste moralisch verdammen, die zwar außerhalb der formalen Regeln liegen, sich aber gegen Diktatoren richten?

Diese zentralistischen Tendenzen in der modernen Gesellschaft haben dazu geführt, daß Gruppen und Individuen sich in immer größerem Ausmaß gegen erstarrte Formen wenden, gegen für sie wichtige Beschlüsse reagieren, die über die Köpfe derer hinweg gefaßt werden, die sie betreffen. Durch Direkte Aktion handelt man selbst. Das mag dann den Aktivitäten, deren Ziel z.B. eine Verbesserung der Umwelt und mehr Hilfe für Entwicklungsländer sind, dienen. Der Syndikalismus sieht in diesen Aktionen eine erfreuliche Vitalisierung der Demokratie. Wenn nicht die Direkten Aktionen in das gesellschaftliche Durcheinander hineinwirken, würde sich die Demokratie langsamer denn je bewegen. Dem entgegenzuwirken bedeutet dauernde Aktivität, ständige direkte demokratische Aktionen, um die Institutionen zu beeinflussen und sie in Bewegung zu setzen. Das bedeutet ein verstärktes Bewußtsein und eine Ungeduld um Stillstand zu verhindern. Das bedeutet aber noch keine fix und fertige alternative Gesellschaft ohne Apparate - Staatsmacht, politische Parteien. Ohne ungeduldige Kritik und ungeduldige Aktionen, die zu Handlungen und zur Überprüfung existierender Positionen zwingen, würde die Gesellschaft erstarren und mumifizieren.

Industrielle Demokratie

Die industrielle Demokratie ist an sich die Basis eines föderalistischen Gesellschaftssystems. Während vieler Jahre waren es in Schweden allein die Syndikalisten, die praktisch und theoretisch den Gedanken des direkten Einflusses der Lohnabhängigen aufrechterhielten. Nun wird dieser ernsthafte Gedanke auch von anderen Gruppen der Gesellschaft in die Debatte aufgenommen.

Wenn Unternehmer von Betriebsdemokratie sprechen, meinen sie meistens eine verbesserte Information von oben nach unten, von Betriebsleitung zu den Lohnabhängigen. Dieses Motiv war auch für einzelne Fälle entscheidend, wo man die Repräsentanten für die Lohnabhängigen in der Unternehmensführung akzeptierte. Die sozialdemokratische Gewerkschaftsbewegung hat auf der anderen Seite, durch den engen Kontakt zur Partei, den Schwerpunkt auf staatliches Eingreifen, auf Dirigieren des Wirtschaftslebens und auf Kontrolle gelegt, während das Interesse einer direkten Demokratisierung gering war und ist. Nicht zuletzt zeigte sich das 1955 bei der Nationalisierung der schwedischen Erzfelder. Die SAC schlug der Regierung vor, die Gruben der Arbeiterverwaltung zu unterstellen. Die produzentenkooperative Einheit sollte die geschäftsmäßige Basis bilden. Im Vorschlag der SAC hieß es: "Mit einer produzentenkooperativen Verwaltung der Gruben in Norrbotten sollte ein Grundstein für eine Entwicklung gelegt werden, der die gegenwärtigen sozialen Spannungen verringern und den Weg für eine Demokratie im Wirtschaftsleben öffnen und breiten Volksschichten größere Möglichkeiten zur Formung der Grundlagen der Freiheit für ein eigenes Dasein geben sollte."

Diese syndikalistische Forderung wurde nicht berücksichtigt, trotz einer persönlichen Sympathieerklärung des damaligen Finanzministers P.E. Sköld, der meinte, daß "die Angestellten Mitbestimmung bekommen müßten, da der Mensch und nicht bloß das Kapital das Wirtschaftsleben bestimmt."

Die Folge dieser sozialdemokratischen Nonchalance ist, daß die sozialen Spannungen in den schwedischen Gruben gleichgroß geblieben sind. Aber das staatliche Eigentum hat auch Veränderungen zwischen Lohnabhängigen und Unternehmensführung mit sich gebracht. Der große Streik in den Erzgruben brachte klaren Aufschluß über diese Situation. Diese Nonchalance basierte in hohem Maße auf dem gestiegenen Einfluß der Lohnabhängige in den Unternehmen, und sie bedrohen dort den Einfluß der LO (Anm. d. Ü: Sozialdemokratische Gewerkschaftsbewegung Schwedens). Eine zentralisierte, bürokratisierte Organisation schätzt keine "unbefugte" Einmischung in ihre Machtausübung. "Der Sozialismus ist für die Spitze der Gesellschaften ein ähnlich suspektes Wort wie für die Spitze der SAF" (Anm. d. Ü.: Schwedischer Arbeitgeberverband) sagt Joachim Israel.

Auf der Seite des praktisch-konkreten Handelns - Bildung von produzentenkooperativen Unternehmen und spezieller Kreditinstitute gerade für solche Zwecke - wurde die Diskussion um die Unternehmensdemokratie innerhalb der SAC stets aufrechterhalten, und die Zeitung "Arbetaren" hat dauernd Impulse für Experimente und für Diskussionen in anderen Ländern vermittelt.

Nicht zuletzt beeinflußten syndikalistische Ideen die Entwicklung der Arbeiterräte in Jugoslawien. Die eigene Macht einzuschränken, ist für die kommunistische Partei die einzige radikale Lösung des Problems, die Ökonomie zu vitalisieren ohne dabei den privaten Profit wieder einzuführen.

1950 übernahmen die Lohnabhängigen selbst die Führung der Unternehmen in Jugoslawien, indem sie Arbeiterräte wählten, die für die Produktionsleitung und die Gewinnverteilung u.a. verantwortlich waren. Dies geschah alles innerhalb des Rahmens eines relativ flexiblen Plans: Das Unternehmen gehört nicht den Lohnabhängigen. Es ist Gesellschaftseigentum, das nicht für ökonomische Ziele mißbraucht werden darf. Das Selbstbestimmungsrecht ist seit 1963 in der Landesverfassung festgelegt. Wie funktioniert dieses System in der Praxis? Nach einem Besuch bei einer Reederei in der Stadt Piran schildert Joachim Israel den Prozeß in dieser Weise:

"In Splosna Plovba besteht ein permanenter Arbeiterrat mit 40 Mitgliedern. Sie werden für jeweils zwei Jahre gewählt. Aber jedes Jahr wird die Hälfte der Räte wieder neugewählt. Der Rat, der mindestens fünfmal im Jahr, höchstens einmal im Monat zusammentritt, bestimmt ein Exekutivkomitee, das die gewerkschaftliche Abteilung des Unternehmens leitet. Ein leitender Unternehmensdirektor kann, muß jedoch nicht, in den Rat oder das Exekutivkomitee gewählt werden. Ist er kein Mitglied, so arbeitet er doch eng mit dem Kommitee zusammen. Aber seine Machtbefugnisse sind begrenzt. Folglich kann er selbständig nur über Ausgaben bestimmen, wenn sie eine Summe von 350 Kronen nicht übersteigen.

Um das Risiko der Entstehung einer Planbürokratie zu vermeiden können die Wortführer im Rat und im Exekutivkommittee nur für zwei Jahresperioden gewählt werden. Sie müssen dann mindestens zwei Jahre warten, bevor sie wieder in dieses Amt neu gewählt werden können ... Das Exekutivkommittee plant die Produktion und arbeitet das Unternehmensbudget aus, falls dieses vom Rat gebilligt wird. Das Reedereibudget wird sogar mit der Stadtverordnetenversammlung von Piran abgesprochen. Das größte Unternehmen beeinflußt selbstverständlich die ökonomische Situation des Ortes und das gesamte gesellschaftliche Leben. Auf der anderen Seite bürgt die Stadt für die Darlehen der Reederei für neue Investitionen. Deshalb besteht sogar der Stadtrat zur Hälfte aus gewählten Repräsentanten aus Unternehmen in der Stadt und zur Hälfte aus Einwohnern." (Välfärdssamhället - och därefter)

Je besser ein Unternehmen entwickelt ist, desto höher sind die Löhne. Das ist vielleicht wegen der großen regionalen Unterschiede in Fragen des Lebensstandards eines der schwierigsten Probleme Jugoslawiens auf der Ebene der staatlichen Dienste und der Arbeitsmöglichkeiten. Besonders umfassend wurde die Arbeitslosigkeit nach den Reformen von 1965 und 1967, die davon ausgingen, daß sich das Unternehmen ökonomisch ohne staatliche Subventionen zurechtfinden müsse.

Ein anderes Problem waren die Aufgaben der Gewerkschaften. Traditionell sind Gewerkschaftsbewegungen in kommunistischen Staaten ein Instrument der Partei und deren Politik. Teilweise gilt dies auch immer noch für Jugoslawien. Aber der Demokratisierungsprozeß hat auch die Gewerkschaften beeinflußt, und die Parteiabhängigkeit ist offen kritisiert worden, ebenso wie man oft bei den spontanen Streiks, den sogenannten "Arbeitsstopps" Partei für die Arbeiter ergriffen hat.

Welche Funktionen haben die Gewerkschaften in dem neuen System, und warum konnte den Gewerkschaften nicht die Aufgaben des Arbeiterrates anvertraut werden? Diese letzte Frage hat der Zentralrat der Gewerkschaften selbst so beantwortet: "Wenn man die gegenwärtigen Vorgänge in Jugoslawien betrachtet ..., so ist klar, daß aus prinzipiellen und praktischen Gründen die Arbeiterräte und deren Punktionen den Gewerkschaften nicht überlassen werden können. Die Gewerkschaften sind ein freiwilliger Zusammenschluß der jugoslawischen Arbeiterklasse. Arbeiter und Angestellte schließen sich einer Gewerkschaft an, weil sie es wünschen, und der Eintritt bedeutet für sie keine Entlastungen und Vorteile. Das Recht zur Teilnahme an der Arbeiterselbstverwaltung gehört dagegen jedem Angestellten ohne Rücksicht auf dessen gewerkschaftliche Mitgliedschaft oder dessen politischen oder ideellen Ansichten." (Arbetarnas sjäivförvaltning i Jugoslawien)

Der Sinn ist, daß die Teilnahme an der Selbstverwaltung eher als Verpflichtung gesehen wird. Dieses erfordert Kenntnisse und Interessen bei den Arbeitern und den Gewerkschaften, um ihren hauptsächlichen Aufgaben nachzukommen - der Schulung, Information, der Wachsamkeit gegenüber bürokratischen Tendenzen.

Die schwedischen Syndikalisten haben eine prinzipielle Einstellung zur Entwicklung in Jugoslawien, deren Maßstabe sich in etwa aus folgender Erklärung ergibt: "Das wirklich interessante an Jugoslawien ist die Suche nach einem dritten Weg zwischen Staatskapitalismus und Staatssozialismus, zwischen dem traditionellen demokratischen Mehrparteiensystem und dem kommunistischen Einparteiensystem. Das ist besonders spannend für uns, weil grundlegende syndikalistische Ideen hier in hohem Maße praktiziert werden. Daraus soll keine falsche Vorstellung abgeleitet werden, daß der Syndikalismus nun gegen den Kommunismus gebraucht wird - in Jugoslawien stellt sich die Frage nach einer Befreiung vom Staatssozialismus nicht, aber eine neue Phase dessen." (Ahto Uisk: Under utveckling)

Ziel des Syndikalismus ist die Übernahme der Produktion durch die Arbeiter. Jedoch hat auch jeder Etappensieg zu diesem Ziel durchaus seine Bedeutung. In einer solchen schrittweisen Entwicklung kommen verschiedenste Formen und Methoden zum Ausdruck. Gleichschaltung und Monopoldenken sind die "schwarzen Schatten des Todes"; Impulse können aus vielen Richtungen kommen und auf vielerlei Weise verwirklicht werden: Produzentenkooperativen, Repräsentation der Lohnabhängige in der Führung, Unternehmensausschüsse usw. Besonders betonen die Syndikalisten die Bedeutung der produzentenkooperativen Unternehmen: "Denn selbstverständliche kann nicht die effektive Weise der industriellen Demokratisierungen einige mehr begünstigen und schon bewirken, daß Breschen in die autokratische Front geschlagen werden, und um gleichzeitig zu volldemokratischen Unternehmen überzugehen." (Evert Arvidsson: Industriell demokrati)

Arvidsson formuliert in seiner Schrift eine Anzahl von Leitlinien für syndikalistische Tendenzen zur Realisierung industrieller Demokratie. Dies wurde 1955 niedergeschrieben und hat auch heute noch Gültigkeit:

- Die Demokratisierungsforderung muß sich prinzipiell gegen alle Formen von Unternehmen richten, die nicht demokratisch sind. Trotzdem sollen die Umstände des unterschiedlichen Unternehmenscharakter, dessen Zweck und Wirksamkeit Berücksichtigung finden.

- Die Wirksamkeit muß an und für sich nicht eingeschränkt werden um die Unternehmensdemokratie für sich zu erreichen, ohne auch - wenn es um Großunternehmen geht - auf zweckmäßige Formen von Zusammenarbeit zwischen mehr oder weniger demokratisierten Unternehmen, den Bürgern und der Gesellschaft Wert zu legen. Schon der Zweck des ökonomischen Lebens ist die soziale Anpassung zu erleichtern und Reibungen in der ganzen Gesellschaftsmaschinerie zu vermindern.

- Die Angestellten - Arbeiter wie auch Beamte - müssen als Repräsentanten in die Unternehmensleitungen kommen, wenn es sich um gewöhnliche von privaten Kapitaleigentümern dominierte Unternehmen handelt.

- Weitreichende Demokratisierungsmaßnahmen, die in gewisser Weise den Einfluß der Angestellten erhöhen, dürfen nicht eingeschränkt werden durch den Einfluß der Angestellten auf traditioneller Weise über die gewerkschaftlichen Organisationen hinaus. Das verhindert gegebenenfalls nicht, daß die Gewerkschaftsunterstützungen so eingeschränkt werden können, daß sie unbrauchbar werden, z.B. durch die von den Arbeitern gewählten Kommissionen und deren Einfluß auf die Unternehmensführung.

- Das übliche Lohnsystem muß beibehalten werden bis der Einfluß der Lohnabhängigen auf das Unternehmen so groß ist, daß eine volle Kontrollmöglichkeit besteht ...

Es muß darauf hingewiesen werden, daß die Unternehmensdemokratisierung unter keinen Umständen mit sich bringen darf, daß die dominierende Gewerkschaftsbewegung ihre steigenden Befugnisse soweit erhöht, daß durch die Monopolisierung des Arbeitszustandes u.a. die Arbeit anderer Gewerkschaften behindert wird. Das Recht auf freie Wahlen der gewerkschaftlichen Zugehörigkeit muß unabhängig davon wie die Unternehmensdemokratie aussieht, festgesetzt werden. Dies soll gesagt sein auf dem Hintergrund der Monopolaktionen des LO, die die SAC in ihrer gesamten Existenzperiode dazu gezwungen haben, dagegen zu kämpfen. Aktionen die beinhalteten, daß das Recht zur Arbeit den Mitgliedern des LO vorbehalten ist und über das gesagt wurde: "Die Organisationsklauseln sind mißbraucht worden. Sie schaden dem negativen Vereinigungsrecht. Sie sind gegenüber den Unorganisierten nicht zu billigen. Sie sind zeitlich unvereinbar mit den Bewegungen und der Struktur rationalisierenden Arbeitsmarktpolitik der modernen Gesellschaft. Unter diesen Umständen und vor dem Hintergrund dessen, was aus den Organisationsklauseln in dieser Untersuchung hervorgegangen ist, ist es berechtigt diese durch das Gesetz zu verbieten." (Lennart Nyborg: Om ideell föreningsrätt, särskilt fackling negativ förengingsrätt)

In Norwegen gibt es Experimente mit den sog. selbstgesteuerten Organisationsgruppen und ähnliche Versuche sollen auch in Schweden unternommen werden. Die norwegischen Erfahrungen mit Reformen sind überwiegend positiv. In ihrem eigenen Spezialgebiet und in den Kleingruppen haben die einzelnen Lohnabhängigen beides, einmal das Interesse am Beschluß teilzunehmen und zum anderen die nötigen Kenntnisse dies zu tun. Es hat sich auch gezeigt, daß die Produktivtät gestiegen ist und daß eine Teilnahme das Wohlgefühl steigert.

Die Reformen bestreiten nicht die Interessen der Arbeitgeber, sie sind Teilreformen, eine Etappe auf dem Wege zum vollständig demokratisierten Unternehmen. Doch jede Maßnahme, die die Entfremdung der Lohnabhängige im Arbeitsprozeß vermindert, ist ein wertvoller Gewinn.

Das private Eigentumsrecht auf die Produktionsmittel muß verschwinden, doch wie soll dann Eigentum organisiert werden? Stark vereinfacht kann man sagen, daß Arbeit und Kapital sogar in einem System mit Kollektiveigentum miteinander in Konflikt geraten in gewissen Punkten, nicht zuletzt durch die Notwendigkeit Mittel für Investitionen abzusetzen. Nivellierungen zwischen verschiedenen Unternehmen und Branchen nicht nur in ökonomischer Hinsicht, sondern auch in regionaler und sozialer, sind notwendig.

Ein gewisser Einfluß und Kontrolle seitens äußerer Instanzen ist also unvermeidlich wenn es das einzelne Unternehmen angeht. Doch heißt das, daß das Eigentums- und Verfügungsrecht der Angestellten unter keinen Umständen angetastet werden darf. Das Wissen um dieses hat schwedische Syndikalisten vom Gedanken stiftungseigener Unternehmen weggeführt, wo Eigentums- und Nutzungsfunktion getrennt sind. Selbst das Eigentum würde dadurch anonym werden und eine formelle Funktion bekommen, die keinen Einfluß auf die tägliche Arbeit und Planung hat.

Die Naturschätze und die Produktionsmittel gehören im Prinzip allen und alle haben ein Interesse daran, sie zu erhalten. Wenn die Lohnabhängigen eines großen Unternehmens beschließen die Arbeit niederzulegen, einen Teil der Maschinen zu verkaufen, zu weniger rationellen Arbeitsformen zurückkehren oder eine Filiale im Ausland zu starten, so sind dies Angelegenheiten, die nicht allein die Angestellten des Unternehmens betreffen. Alle haben das Interesse den gemeinsamen Zugang zu bewahren und zu entwickeln und man kann sich nicht leicht vorstellen, daß dies prinzipiell völlig den einzelnen Unternehmen überlassen wird, sogar wenn sie eine produzentenkooperative Einheit sind. "Das anonyme Eigentum" ist eine befriedigende Art Konflikte zu lösen, die zwischen den einzelnen und den allgemeinen Interessen entstehen. Die Stiftungen oder die "Besitzervereinigungen", sind direkt für das zentrale ökonomische Planorgan verantwortlich, und dieses kann wiederum durch allgemeine Bestimmungen, Kreditpolitik u.a. bewirken, daß es dem Gesellschaftsinteresse zugute kommt.

Föderalismus

Der Staat, in dem das Volk durch allgemeine und geheime Wahlen seine "Vertreter" auserwählen kann, führt zur Abhängigkeit. Aber die Einstellung zur Demokratie bleibt formell und mangelhaft, wenn man sich nur an dieser Wahlhandlung stößt. Eine wirkliche Demokratie fordert Freiheit für die Einzelnen und für Gruppen, die sich zusammenschließen und handeln; sie fordert Selbstbestimmungsrecht in eigenen Angelegenheiten, das was im Syndikalismus als Föderalismus bezeichnet wird.

Alle Macht muß verteilt und kontrolliert werden, so daß das Risiko für Machtmißbrauch ausgeschaltet werden kann, und daß Individuen und Gruppen selbst teilnehmen können, die besonders in der industriell entwickelten Gesellschaft gerne dazu tendieren, in die Hände technisch qualifizierter Experten überzugleiten. Dazu bedarf es regionaler, nationaler und überregionaler Organe, durch die die industriell-ökonomischen Zusammenschlüsse eine natürliche Basis bekommen. Der Föderalismus beinhaltet, daß die Macht des nationalen Staates auf verschiedene Weise kontrolliert wird. Viele der unberechenbaren Funktionen, die jetzt in der Hand des Staates sind, werden aufgeteilt und dezentralisiert - oder, in gewissen Fällen, übernationalen Organen übertragen – so daß der Staat ein machtausübendes Organ unter anderen wird: "Föderalismus bedeutet heute auf internationalem Gebiet Aufgabe der Idee des außenpolitischen souveränen Staates; innenpolitisch und sozial die Ersetzung der zentralistischen Demokratie mit ihren atomisierten Wähler- und Interessencliquen auf der einen und isolierter Parlaments- und Regierungsapparatur auf der anderen Seite durch eine territoriale und funktionell stärker gegliederte soziale und politische Gemeinschaft mit einem neuen, volksnäheren und elastischerem System." (Helmut Rüdiger: Federalism. Bidrag till en frihetens historia)

Aber politischer Föderalismus reicht nicht, ohne daß dieser mit ökonomischer Demokratie, mit Sozialismus komplettiert wird: "So untadelig auch die föderale Konstitution in ihrer Logik ist ... so kann man sie nur aufrechterhalten, so lange sie nicht die öffentliche Ökonomie stützt. Mit anderen Worten: das politische Recht braucht eine Stützmauer im ökonomischen Recht. Wenn die Produktion und die Verteilung der Reichtümer aufs Geradewohl geschieht, wenn die föderative Ordnung nur dazu dient die kapitalistische und merkantilistische "Anarchie" zu schützen, wenn sich die Gesellschaft als Folge dieser falschen Anarchie in zwei Klassen aufteilt, die eine bestehend aus Eigentümern, Kapitalisten, Unternehmern, die andere aus Proletariern, Lohnarbeitern, die eine aus Reichen, die andere aus Armen, so wird das politische Gebäude unsicher." (Pierre-Joseph Proudhon: Den föderativen principien)

Ein anderes Prinzip, das Proudhon vorschlug war, daß die Einheiten in einer Föderation einen größeren Teil ihrer Selbständigkeit beibehalten müssen als den, der ihnen von den gemeinsamen zentralen Behörden überlassen wird und daß jede Einheit jederzeit das Recht hat, aus der Föderation auszutreten.

Das letzte kann diskutiert werden. In einer Welt, wo der Sozialismus durchgeführt wird, und wo der Staat und die nationalen Planorgane in weitere föderative Einheiten eingeordnet sind, verliert der Begriff "austreten" an Inhalt und an Bedeutung - aus der sozialen Gemeinschaft kann keiner, kein Einzelner und keine Gruppe austreten. In der heutigen Welt mit ihren zentralen Einheitsstaaten ist die Lage eine andere. Die Sowjetunion ist formell eine Föderation mit dem Recht der Teilstaaten austreten zu können. Aber in der Praxis fehlt natürlich diese Möglichkeit. Besonders aktuell ist dieses Problem in den neugebildeten Staaten, z.B. in Afrika und der blutige Krieg im Kongo und in Nigeria sind Folgen davon, wenn eine regionale Einheit den Einheitsstaat verlassen wollte.

Das Problem kann wie folgt formuliert werden: Gilt das Recht auszutreten unabhängig davon, welche Motive dahinter stehen, heißt das dann, daß dieses Recht für andere Ziele erneuert wird, die aus moralischen und sozialen Gesichtspunkten zu verwerfen sind? Hatten die amerikanischen Südstaaten das Recht die Föderation zu verlassen und damit die Sklaverei zu erhalten? Hatte Katanga das Recht eine autonome Einheit zu bilden und mit Unterstützung belgischer Finanzinteressen dem Land die Zukunft zu nehmen, indem man es von seinen Naturreichtümern abtrennte?

Eindeutige Antworten kann man nicht geben. Im Allgemeinen schaut der Syndikalismus auf die Ausbrüche die außerhalb sozialer Motive geschehen, als Reaktionen gegen zentralen Druck. Umgekehrt kann es niemals nur eine "innere Angelegenheit" sein, wenn in einem Teil des Landes menschliche Grundrechte beiseitegeschoben werden.

In Schweden gibt es alte Traditionen der Selbstbestimmung in den Kommunen, wo die Kommunen und das 'Landsting' (Provinzlandtag) dann als staatliche Verwaltungseinheiten gelten. Dadurch, daß die Anzahl der Kommunen nun radikal reduziert ist, wie gleichzeitig deren geographische Ausdehnung weit über das hinaus geht, was der Einzelne überblicken kann, wird diese Selbstverwaltung ausgehölt: der Abstand zwischen den Menschen und den beschließenden Organen wächst, die direkte Teilnahme vermindert sich. Es ist eine zentralistische Tendenz, die sich hier breit macht: Die Teilnahme und die Kontrolle wird reduziert zum Vorteil der formellen demokratischen Wahlprozedur.

Aus dem Blickwinkel der Einzelnen werden die Kommunen zu groß, aber aus dem regionalen Planungsaspekt sind sie zu klein. Abhilfe ist möglich, wenn ein Teil der Aufgaben der Landesführung ins 'Landsting' übergeht (s. Gesetz von 1968). Diese föderalistische Reform muß als Gegengewicht gegen die wachsende staatliche Bürokratie verwirklicht werden. Gleichzeitig müssen neue Organe entwickelt werden zwischen den Primärkommunen und den einzelnen Individuen, die Stadtteilkommitees. In diesen Organen würden Aktivitäten bzgl. Wohnrechtsfragen, konsumentenkooperativen Vereinigungen usw. so geordnet werden können, daß das Interesse für das lokale Selbsbestimmungsrecht erweitert würde.

Die Kommune, das Land, der Staat, sind geographische Einheiten, aber in unserer Zeit sind die Menschen territorial ungebunden; dies ist ganz anders als früher. Deswegen ist das Individuum trotzdem viel mehr an einen bestimmten Beruf gebunden und das heißt, daß ein großer Teil des sozialen Interesses sich auf die Entwicklung in einem bestimmten industriellen Gebiet bezieht. Die Funktion des Individuums und der Gruppe in industrieller und ökonomischer Hinsicht spielt eine immer größer werdende Rolle: "Die Politik und die soziale Frage interessieren den Einzelnen in stärkerem Ausmaß, nicht zuletzt mit dem Ausgangspunkt in dessen Beruf, zum zweiten von seiner Kommune und zuletzt erst vom Ausgangspunkt des Staates." (Helmut Rüdiger: Syndikalism och parlamentarism)

Bezüglich des Territoriums bedarf es deswegen auch einer funktionalen Repräsentation. Diese muß von den Arbeitsplätzen ausgehen und stets Kontakt aufrechterhalten, so daß die höheren Organe jederzeit kontrolliert werden können - ungefähr so wie in der englischen 'shopsteward-Bewegung'. Es muß auch betont werden, daß die funktionelle Repräsentation nichts mit den sog. Kooperativismen zu tun hat. Die Kooperationen in totalitären Staaten sind ein Werkzeug, den Einfluß der Arbeiter zu eliminieren, stehen also genau im Gegensatz zur Idee der funktionellen Repräsentation.

Innerhalb der syndikalistischen Auffassung über den Sozialismus sind freie Kommunen ebenso wichtig wie freie Gewerkschaften. Rein theoretisch setzt man voraus, daß die Aufgaben der Kommunen in der freiheitlich-sozialistischen Gesellschaft von den lokalen Organisationen übernommen werden sollen, nämlich in den Grundeinheiten, in denen alle Lohnabhängigen organisiert sind, unabhängig welchen Beruf sie ausüben, während Syndikat und Föderationen für die funktionelle Repräsentation verantwortlich sind. Da die SAC eine Minderheitsbewegung ist muß heutzutage beide Aufgaben in der Organisation realisiert werden. In künftigen Situationen spielt die industrielle Repräsentation eine große Rolle:

"Die SAC ist eine landesumfassende Organisation, die Arbeiter und Angestellte aller Kategorien miteinbezieht. Der Grundgedanke ist die Zusammenarbeit und die Solidarität, die nicht irgendeine Gruppenangelegenheit sein kann und die auch nicht auf Berufs- oder Industriebereiche beschränkt werden kann ... Da es darüberhinaus oft notwendig ist, daß praktische Ziele die Arbeiter in ein bestimmtes Industriegremium zusammenführen, gibt es auch in der LO genauso wie in der SAC spezielle Industrieorgane, wie Syndikate, Föderationen oder Departments." (SAC - Handbok för det syndikalistik organisationsarbetet)

Der Föderalismus kann unmöglich Halt vor den nationalen Grenzen machen; er ist seinem Wesen nach international und strebt eine globale Zusammenarbeit in gemeinsamen Angelegenheiten an. In gewisser Hinsicht und in bestimmten Teilen der Welt existiert diese Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, einem mangelhaften, jedoch hoffnungsvollem Instrument. Trotz der existierenden Abhängigkeit von den Großmächten sind doch die Vereinten Nationen ein Keim für eine künftige föderalistische Weltordnung.

Es ist nicht so sehr der politische, oder der ökonomische Bereich, wo die Bedeutung der nationalen Grenzen reduziert wird. Die für viele dogmatische Sozialisten unbequeme Wahrheit ist, daß das Kapital und die Kapitalisten es waren, die dem Internationalismus einen konkreten Inhalt gegeben haben, indem sie die großen Grenzüberschreiter waren. Gewiß war das Motiv die Jagd nach Profiten und die Methoden waren und sind rücksichtslos - aber unabhängig, davon ist das Ergebnis, daß alle entwickelten Länder mehr oder weniger ökonomisch abhängig voneinander sind. In den meisten kommunistischen Ländern wurde der Sozialismus pervertiert, indem ein beschränkter Nationalismus zur ökonomischen, sozialen und kulturellen Isolation führt.

Die Entwicklung des Industrialismus ist die Basis für den Wohlstand des Volkes. Dieser Prozeß soll nicht verhindert, aber vom Volk kontrolliert werden. Es ist schlecht bestellt mit der Kontrolle in der heutigen EG, und die schwedische Arbeiterbewegung strebt nicht die volle Mitgliedschaft an. Es muß ein größerer gewerkschaftlich-demokratischer Einfluß geschaffen werden und ein repräsentatives föderalistisches System in jeder nationalen und multinationalen Einheit sei es in der EG, in der EFTA oder bei einer ökonomischen Zusammenarbeit des Nordens.

Die internationale Zusammenarbeit der Kapitalisten für neue und größere Gewinne bedeutet nicht Föderalismus. Ebenso arbeiten totalitäre kommunistische Regime zusammen um die Privilegien der herrschenden Gruppen gegen Freiheitsbestrebungen des Volkes zu bewahren. Der Föderalismus setzt ein freies Volk und freie Zusammenschlüsse voraus. Nur auf dieser Grundlage kann man eine Welt ohne Armut und ohne Krieg bauen.

Syndikalismus – Ein Sozialismus in Freiheit

Der Gedanke, den Gang der Geschichte voraussagen zu können, ist ein Irrtum - es gibt keinen "wissenschaftlichen Sozialismus". Solche Voraussagen, nicht zuletzt die, die Karl Marx machte waren stets beschämend; die soziale Wirklichkeit war viel komplizierter, als daß sie in Formeln gepreßt werden könnte. Der Syndikalismus weist jeglichen Dogmatismus von sich; es gibt viele Wege, die zur Solidarität und zur Freiheit führen, und die Freiheit darf nicht im Namen der Solidarität mit Füßen getreten werden:

"Es ist natürlich, daß die Menschen nach der Wahrheit suchen, z.B. in sozialen Dingen. Aber es ist unnatürlich und gefährlich, die zufällig und ständig wechselnden Resultate der Suchenden mit der Wahrheit selbst zu verwechseln. Diese Ergebnisse sind bestenfalls Teilwahrheiten. Die Menschen können nur unter der Voraussetzung zusammenleben, daß sie zur gegenseitigen Hilfe bereit sind, ohne Gleichförmigkeit als eine Bedingung für die Solidarität zu fordern, und indem sie viele Formen von solidarischer Zusammenarbeit anerkennen. Das betrifft in hohem Maße sogar die Wirksamkeit im Sozialismus. Gerade der Kampf gegen Unterdrückung kann dann weitergeführt werden, wenn man die neue angestrebte Gesellschaft nicht als ein Dogma auffaßt; als die einzige totale Wahrheit." (Helmut Rüdiger: Socialism i frihet)

Der Syndikalismus akzeptiert, befürwortet die Vielfalt – von Ideen, Bewegungen und Bestrebungen. Dieser Pluralismus macht den freiheitlichen Sozialismus unvereinbar mit den Elitetheorien des Marxismus-Leninismus. Die sozialistische Gesellschaft ist kein Zustand der zwangsläufig eintreten muß. Er entsteht nicht automatisch deshalb, weil eine kleine Elite die Macht über den Staatsapparat und die Produktionsmittel übernimmt und den Stempel Sozialismus auf ihre Machtausübung setzt. Sozialismus ist eine Willensrichtung der Menschen, die in einer Vereinigung danach streben, ein Ideal zu verwirklichen, sagt Gustav Landauer im 'Aufruf zum Sozialismus'. Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind Ideale, richtungsweisend - aber sie haben keinen absoluten Wert, der durch Befehle oder durch organisatorische Finessen verwirklicht werden kann. Die Analysen und Parolen des Sozialismus müssen in engem Zusammenspiel zu den Bedürfnissen der Menschen stehen. Diese Bedürfnisse sind eng verbunden mit der technischen und ökonomischen Entwicklung. Wenn diese Nabelschnur abgeschnitten würde, würde der Sozialismus zur Theorie, zum Dogma, im letzten Fall zum Fanatismus.

Der Voluntarismus und Pluralismus sind der Kern des syndikalistischen Freiheitsbegriffs. Die Veränderungen kommen nicht aus sich selbst, sondern sie sind eine Folge menschlichen Willens, soziale Verhältnisse zu verändern, auch dann, wenn äußere Umstände, wie die technische Entwicklung eine große Rolle spielen.

Ein sozialistischer Wertebegriff muß eine feste, volksnahe Verankerung haben, in der Revolte, im Reformprozess, in der Verwaltung; er darf sich nicht vom Humanismus entfernen. Freie Aktivitäten der Individuen und der Gruppen sind eine natürliche und notwendige Basis für die sozialistische Gesellschaft.

Anhang: Prinzipienerklärung

der SAC (Sveriges Arbetares Centralorganisation, Zentralorganisation der Arbeiter Schwedens), angenommen vom Kongreß des Jahres 1975

1. Die Zentralorganisation der Arbeiter Schwedens (SAC) ist eine syndikalistische Arbeiterbewegung, deren Ziel es ist, den freiheitlichen Sozialismus zu verwirklichen. In diesem gehen die Produktionsmittel in den Besitz aller über und werden von den Arbeitern verwaltet. Damit werden die Voraussetzungen für eine klassenlose Gesellschaft geschaffen.

2. Der entscheidende Gegensatz im Kapitalismus ist der zwischen der Klasse, die die Produktionsmittel besitzt und der, die die wertschaffende Arbeit ausführt. Dieser Gegensatz führt zum Klassenkampf, in dem die Lohnarbeiter ausschließlich auf sich selber gestellt sind.

3. Im Kapitalismus werden alle Mittel verwendet, um die Produktion und den Profit zu steigern. Unkontrollierter Zuwachs wird durch Raubbau an den Menschen und ihrer Umwelt erkauft: Arbeiter werden verschlissen und außerhalb des Berufslebens gestellt, unersetzbare Naturvorräte verschwendet, Produktionsmittel zerstört, und die Kluft zwischen verschiedenen Gesellschaften vergrößert sich.

4. Der bürgerliche Demokratiebegriff beschränkt sich auf das politische Leben. Die SAC will den parteipolitischen Parlamentarismus durch eine wirkliche Demokratie ersetzen, die auch die ökonomischen, industriellen und kulturellen Gebiete einschließt. Eine freiheitliche sozialistische Gesellschaft kann nur von der Mehrheit des Volkes unter Berücksichtigung der Minoritäten geschaffen werden. Die bis jetzt errungenen demokratischen Freiheiten und Rechte müssen deswegen verteidigt und entwickelt werden.

5. So wie die freiheitliche Gesellschaft, die der Syndikalismus aufbauen will, ist auch schon die SAC nach dem föderalistischen Prinzip aufgebaut. Das bedeutet, daß alle die von einer Entscheidung betroffen werden das Recht haben, sich daran zu beteiligen. Keine Gruppe darf jedoch im Widerspruch zu gemeinsam gefaßten Beschlüssen handeln.

6. Größere Gruppen von Menschen sollen Beschlüsse durch Vertreter fassen. In der sozialistischen Gesellschaft sollen die Repräsentanten der Gruppe rotieren. Die Befugnisse der Vertreter sollen begrenzt werden, und sie sollen jederzeit abwählbar sein, damit keine Eliten mit eigenen Interessen entstehen.

7. Die syndikalistische Organisation soll so entwickelt werden, daß alle gesellschaftlichen Funktionen umfaßt werden. Sie soll den jetzigen Verwaltungsapparat durch eine eigene Gesellschaftsstruktur ersetzen. Deswegen ist die SAC in einen gewerkschaftlichen sowie in einen gesellschaftlichen Teil aufgeteilt. Das Anwachsen der Kampforganisation und die Erweiterung der Erfahrungen und des Wissens der Mitglieder führen ständig zu neuen Anforderungen, die zum Schluß eine definitive Übernahme der Produktionsmittel bewirken.

8. Der Syndikalismus ist seiner Natur nach international und wirkt für Solidarität und Zusammenarbeit zwischen den Lohnarbeitern aller Länder. Er will Föderationen von freien Gesellschaften schaffen, die die jetzigen Nationalstaaten ersetzen sollen.

9. Der Mensch verwirklicht sich selbst in und durch seine Arbeit. Deswegen wirkt die SAC für das Recht aller auf eine sinnvolle Beschäftigung. Nur im Rahmen der Selbstverwaltung der Arbeiter bekommt das Individuum die Möglichkeit, seine eigene Arbeitssituation zu gestalten.

10. Gewerkschaftliche Solidarität, Bewußtsein und Organisation sind die Basis für den Kampf der Arbeiterklasse gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Die SAC organisiert deswegen alle Lohnabhängigen ohne Rücksicht darauf, ob sie Arbeiter oder Beamte genannt werden.

11. Die SAC sieht die Gewalt als für den Menschen unwürdig an und nimmt Abstand sowohl von der gesellschaftlichen als auch von der individuellen Gewalt. Es können jedoch Situationen entstehen, in denen die Lohnarbeiter gezwungen sind, die Freiheit und die Rechte, die sie sich erkämpft haben, zu verteidigen.

12. Die SAC sieht die Direkte Aktion als Mittel an, um die Gesellschaft und die Lebensbedingungen zu verändern. Nur dadurch kann sich die Selbstverantwortung, die die Voraussetzung für den Sozialismus ist, entwickeln.

Kommentar zur Prinzipienerklärung

1. Die Lohnarbeiterbewegung wurde als eine Waffe im Kampf gegen Kapitalismus und Klassengesetze geschaffen. Sie umfaßt heute hauptsächliche drei Zweige:

a) Die gewerkschaftlichen Interessenvereinigungen, die begrenzte Gruppen organisieren und nur für ihre Tagesforderungen eintreten. Als Beispiel hierfür stehen TCO (Anm. d. Ü.: Gewerkschaft der Angestellten) und SACO/SR (Anm. d. Ü.: Gewerkschaft der Akademiker und Staatsbeamten).

b) Die autoritären Sozialisten, sowohl die reformistischen als auch die revolutionären, die den gewerkschaftlichen Kampf dem parteipolitischen untergeordnet sehen. Sie haben sich entschieden, hierarchische Organisationen aufzubauen und arbeiten oft mit indirekten und in der Regel mit defensiven Mitteln. Die autoritären Reformisten, z.B. LO-SAP (Anm. d. Ü.: Sozialdemokratische Gewerkschaft - Sozialdemokratische Arbeiterpartei), möchten die Gesellschaft Schritt für Schritt verändern, so langsam und vorsichtig, daß das Ziel dadurch immer weiter entfernt zu sein scheint. Die autoritären Revolutionäre meinen, daß eine Gesellschaftsveränderung nicht durchgeführt werden kann ohne eine lenkende Elite und die Eroberung des Staatsapparates. Um die Macht behalten zu können, werden sie dann abhängig vom Staat und der bewaffneten Gewalt und haben in bestimmten Situationen zu Terror und Unterdrückung, auch gegen ihre eigenen Anhänger, gegriffen. In Schweden werden sie von verschiedenen kommunistischen Fraktionen repräsentiert.

c) die freiheitlichen Sozialisten (Syndikalisten) werden in Schweden durch die SAC vertreten. Nach Meinung der Syndikalisten kann der Sozialismus nie durch zentralistische Beschlüsse geschaffen werden, sei es in Form von Dekreten der Gewerkschaftsbonzen, oder durch Verordnungen der Zentralbürokraten. Der Sozialismus kann nur von unten aufgebaut werden, als Resultat der Selbsttätigkeit der Arbeitenden. Das jetzige Eigentumsrecht an Produktionsmitteln soll in der freiheitlichen sozialistischen Gesellschaft durch zwei begrenzte Erlasse ersetzt werden:

- das Rahmenplanungsrecht, das darin besteht, die Fragen zu lösen, die die verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen in ihrer Gesamtheit berühren, soll von den Repräsentanten der lokalen Grundorganisationen ausgeübt werden.

- Das Selbstverwaltungsrecht besteht darin, die Arbeit zu leiten und zu verteilen, sowie im Rahmen der Beschlüsse die übrigen Fragen zu entscheiden. Diese berühren vorwiegend die Arbeiter und sollen deswegen von ihnen, durch ihre eigenen Organisationen am Arbeitsplatz entschieden werden.

2. Die Triebkraft der kapitalistischen Ökonomie ist der größtmögliche Gewinn für die Wenigen, die die wirtschaftlichen Ressourcen kontrollieren. Die Mehrheit des Volkes muß ihre Arbeitskraft verkaufen und wird gezwungen, den Mehrwert und das Verfügungsrecht dem Kapitaleigentümer zu überlassen. Ständig ist ein Kampf zwischen den Lohnarbeitern und den Kapitalisten um die Verteilung der Produktionsergebnisse im Gang. Die Zusammenarbeit zwischen den Klassen kann scheinbare Erfolge bringen, aber dies geschieht zu dem Preis, daß der Kapitalismus gestärkt wird. Die ökonomische Macht wird in immer wenigeren Händen konzentriert. Die multinationalen Unternehmen verschaffen sich einen immer größeren Einfluß auf den Weltmarkt, auf das Produktionsgeschehen und auf die Ökonomie einzelner Länder.

3. Früher erschien das ökonomische Wachstum als das herausragende Ziel. Heute wird deutlich, daß das unkontrollierte Wachstum in starkem Konflikt steht mit unserer Umwelt, unserer Solidarität mit den armen Ländern und unserer Verantwortung für kommende Generationen. Zeituntersuchungen und Akkordstreß erzeugen gesundheitsschädliche Arbeitsverhältnisse. Giftstoffe, Lärm, Schmutz und Vibrationen machen viele Arbeitsplätze gefährlich für die Arbeitenden. Die gesetzliche Arbeitszeit wird dadurch untergraben, daß immer mehr Menschen zu langen Arbeitswegen gezwungen werden. Die Gewinninteressen bestimmen das gesellschaftliche Geschehen. Das chaotische und streßerzeugende Milieu der Großstädte, wie auch die verarmten dünn besiedelten Gegenden zeigen die Konsequenzen. Der Kapitalismus nutzt die Technologie für Profitstreben und den Raubbau an den Naturvorräten: die Erde, das Wasser und die Luft werden vergiftet, anbaufähiger Boden zerstört. Die Ressourcen werden den armen Ländern und kommenden Generationen geraubt. Die jetzige Naturvorrats- und Umweltkrise steht in einem direkten Zusammenhang mit den derzeitigen ökonomischen Verhältnissen. Auch in Ländern, die sich sozialistisch nennen, haben kapitalistische Wachstumsziele zur Verschwendung der Naturvorräte geführt. Der Kapitalismus bringt den reichen Ländern ökonomischen Zuwachs, aber er vermag die Bestände nicht gerecht zu verteilen. Er schafft einen Überfluß an Waren in den Industrieländern, während große Teile der Menschheit der täglichen Nahrung entbehren.

4. Alle Parteipolitik, sei sie parlamentarisch oder nicht, bedeutet, daß die Vertreter ohne die Zustimmung der Wähler agieren können. Die Machtansprüche der Gewählten steigen in dem Maße, wie die Passivität der Wähler zunimmt und die Kluft zwischen ihnen sich erweitert. Dies gilt sowohl für die politische Szene der Gemeinde als auch für die der Nation. Gegenüber den Parteien behauptet die SAC, daß die Fragen gemeinsam gelöst werden sollen von denen, die sie betreffen - direkt, so weit es praktische möglich ist, durch Vertreter dort, wo es notwendig ist.

Wichtige Beschlüsse, die die Lebensbedingungen des Volkes berühren, werden oft außerhalb von parlamentarischen Versammlungen gefaßt. Die Beschlüsse basieren auf Voraussetzungen, die letztlich von den Großkapitalisten diktiert werden und die ihren Interessen dienen. Deswegen soll der Kampf für ein anderes ökonomische System vorwiegend im Produktionsbereich geführt werden. Hier, wie auch innerhalb des sonstigen Gesellschaftslebens soll das Engagement des Volkes entscheiden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß öffentliches Eigentum an Produktionsmitteln nicht automatisch Leitung durch die Arbeitenden zur Folge hat. Wirkliche Demokratie setzt überdies die Selbstverwaltung voraus - die Produktionsübernahme durch die Arbeiter und das Recht auf Selbstbestimmung in eigenen Angelegenheiten auf allen Ebenen. Dieses Ziel bedeutet nicht, daß die Syndikalisten sich heute gleichgültig gegenüber den existierenden demokratischen Freiheiten und Rechten verhalten können. Die syndikalistischen Organisationen dürfen nur in Ländern mit politischer Demokratie offen wirken, auch wenn die Möglichkeiten auch dort äußerst begrenzt sein können. Unter Diktaturen ist keine syndikalistische Tätigkeit erlaubt.

5. Föderalismus bedeutet, daß jede Gruppe ihre eigenen Angelegenheiten bestimmt, gleichzeitig wie alle Gruppen in gemeinsamen Angelegenheiten zusammenwirken. Der Föderalismus baut darauf, daß alle darum bemüht sind, eine gemeinsamen Beschluß zu erreichen und diesen durchzuführen. Der Föderalismus ersetzt das Staatsdenken und bindet die lokalen gesellschaftlichen Einheiten zu einer internationalen Einheit zusammen.

Dies bedeutet, daß zentrale Gremien den lokalen Einheiten nichts befehlen oder verbieten können, solange diese in eigenen Angelegenheiten unter eigener Verantwortung und mit eigenen ökonomischen Ressourcen handeln. So z.B. haben die lokalen Grundorganisationen innerhalb der SAC das Streikrecht, das ihnen kein zentrales Veto nehmen kann, aber sie müssen dann auch lokale Streikkassen aufbauen. Die SAC meint, daß das Vetorecht, das die Leitung der LO hat, eine Gewalttat gegenüber dem Selbstbestimmungsrecht ist.

Gemeinsame Beschlüsse müssen von allen respektiert werden. Solche Beschlüsse müssen selbstverständlich von den Betroffenen akzeptiert werden. Das ist keinesfalls gegeben, wo die Machtausübung über den Reichstag, die Regierung, die Behörden und die zentralistisch aufgebauten Organisationen geschieht.

6. Soweit es praktisch möglich ist, soll die Beschlußfassung direkt sein. In größeren Zusammenhängen muß ein Vertreterprinzip unter Berücksichtigung der üblichen Tagesordnung verwendet werden. Die Befugnisse der Vertreter werden dann begrenzt gültig für im voraus definierte Gebiete. Die zentralistische Auffassung über die Führung hat in ihrer extremsten Form zu Personenkult mit katastrophalen folgen geführt.

Eine Leitung ist auch in weniger ausgeprägter Form schädlich, da die Geführten freiwillig auf die Verantwortung verzichten, während die Führer immer professioneller werden und sich damit vom Volk entfernen. Die Syndikalisten meinen, daß allen die Möglichkeit und der Ansporn gegeben werden soll, die Verantwortung für sich selber und für ihre Gruppen zu übernehmen. Die beste Art, dies zu bewirken, ist, den Vertrauensauftrag in der Gruppe rotieren zu lassen.

Man soll diesen Prozeß so regeln, daß die notwendige Kontinuität zwischen den Beschlüssen aufrechterhalten bleibt. Diese Prinzipien sind mit Erfolg z.B. in den Arbeiterräten Jugoslawiens und im organisierten Arbeitsaustausch in China durchgeführt worden.

7. Die gesellschaftliche Organisation ist so gestaltet, daß die Lohnarbeiter zusammen mit den Gruppen der Studenten und Schüler, Heimarbeiter, Rentner, Arbeitslosen usw. an einem Wohnort eine lokale Grundorganisation (LS) bilden. Mehrere LS wirken in einem Distrikt zusammen und sämtliche LS des Landes arbeiten zusammen in einer zentralen Organisation (SAC). Der gewerkschaftliche Zweig ist so aufgebaut, daß die Mitglieder an einem Arbeitsplatz eine Betriebssektion bilden. Die verschiedenen Betriebssektionen von Unternehmen der gleichen Branche am selben Ort wirken zusammen in einem Syndikat. Die Syndikate arbeiten dann in landesumfassenden Föderationen zusammen. Mehrere Föderationen werden in Industriekomitees zusammengefaßt, um die Probleme der verschiedenen Branchen zu lösen.

Das Ziel des Syndikalismus, daß die Produktionsmittel und die Gesellschaft von den Lohnabhängigen übernommen werden, macht die Schulung zu einer äußerst wichtigen und fortwährend dringenden Aufgabe für die SAC. Die praktischen Erfahrungen müssen durch theoretische Kenntnisse ergänzt werden. Diese sind notwendig, damit die Selbstverwaltung in einer komplizierten Industriegesellschaft funktionieren kann.

8. Gruppen und Völker, oft innerhalb von abgegrenzten geographischen Gebieten, haben gemeinsame kulturelle Interessen. Dagegen sind die Nationalstaaten künstliche Gebilde ohne Daseinsberechtigung. Alle Nationalstaaten haben Minoritäten innerhalb ihrer Grenzen. In Schweden leben z.B. seit alters her finnische und samische Volksgruppen; später sind hunderttausende Einwanderer dazugekommen. Damit der Nationalstaat verwirklicht werden kann, muß die Mehrheit die Minderheit unterdrücken.

Es ist offenbar, daß die Arbeiterklasse der ganzen Welt gemeinsame Interessen hat, die für das sozialistische Zusammenwirken von ausschlaggebender Bedeutung sind. Der Nationalstaat ist deswegen unvereinbar mit dem Sozialismus. Indem man auf die gemeinsamen Interessen der Arbeiterklasse baut, gleichzeitig aber die nationalen Sonderinteressen der Völker respektiert, kann eine föderalistische Weltordnung geschaffen werden.

9. Im Kapitalismus werden die Lohnarbeiter gezwungen, ihre Arbeitskraft wie eine Ware auf einem Markt zu verkaufen. Derjenige, der die Arbeitskraft kauft, besitzt das Recht, über sie zu verfügen. Die Arbeit wird hierdurch zu einem notwendigen Übel, zu einer täglichen Schufterei für den Lebensunterhalt. Die Diskriminierung der Frau ist weiterhin eine Realität auf dem Arbeitsmarkt. Längere Freizeit und höhere Bezahlung sind zwar gut, können aber niemals die Mängel der Arbeit auf wiegen.

Der freiheitliche Sozialismus will der Arbeit ihren tatsächlichen Wert zurückgeben, als Quelle menschlicher Würde. Um Allen eine sinnvolle Beschäftigung geben zu können, müssen die Arbeitsaufgaben und das Beschlußrecht in solidarischem Sinn verteilt werden. Waren und Produktionsmethoden müssen an die Bedürfnisse der Menschen und an den Kreislauf der Natur angepaßt werden.

Die Technologie soll deswegen in den Dienst des Volkes gestellt und besonders daraufhin ausgerichtet werden, minderwertige Arbeitsaufgaben und gefahrvolle Produktionsprozesse abzuschaffen.

10. Die Lohnarbeiter haben zu allen Zeiten bitter erfahren müssen, wie der gewerkschaftliche Kampf durch verschiedene Sonderinteressen gespalten wurde. Die organisatorische Spaltung hat sie dazu getrieben, einander zu bekämpfen. Parteipolitik und Zunftgeist haben gewerkschaftliche Wirksamkeit geschmälert und große Gruppen passiv gemacht. Dadurch haben die Lohnarbeiter für kurzfristige Vorteile teuer zahlen müssen. Die syndikalistische Bewegung ist auf der Erkenntnis aufgebaut, daß die Lohnarbeiter grundlegende gemeinsame Interessen haben. Deswegen will die SAC alle Arbeitenden in einer gemeinsamen Organisation zusammenfassen. Als Gewerkschaftsorganisation kämpft die SAC, um die Arbeits-, Lohn- und Einstellungsbedingungen zu verbessern. Den Mitgliedern werden bei Verhandlungen, Konflikten und Arbeitslosigkeit Unterstützung und Hilfe zugesichert.

11. Der Syndikalismus ist ein geschworener Gegner des Militarismus und sieht in dessen Bekämpfung eine seiner wichtigsten Aufgaben. Die SAC stellt nicht den Radikalpazifismus als Forderung an seine Mitglieder, aber fordert Respekt vor jenen, die sich weigern, zur Gewalt zu greifen. Die menschlichen, gewerkschaftlichen und sozialen Freiheiten und Rechte, die schon erreicht sind, und die, die in der Zukunft gewonnen werden, müssen verteidigt werden, wenn sie von fremden Mächten oder von den Gewaltapparaten des eigenen Landes bedroht werden. Die SAC ist solidarisch mit den unterjochten Völkern in deren Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, auch dort, wo es die Situation notwendig macht, zu Waffen zu greifen.

12. Die SAC ist der Meinung, daß die Veränderungen in der Gesellschaft voran getrieben werden sollen durch die Aktivitäten der Menschen an ihren Arbeitsplätzen und in ihren Wohngebieten. Solche direkten Aktionen sind "Handlungen ohne Vertreter", d.h. daß alle am Kampf aktiv teilnehmen, um die gemeinsamen Probleme zusammen zu lösen, anstelle passiv die Arbeit anderen zu überlassen. Die Direkte Aktion kann verschiedene Formen annehmen, bedingt durch das Problem und die Kampfsituation, aber sie verlangt immer eine organisierte Zusammenarbeit in föderalistischen Formen. Da es die notwendige Aufgabe des Staates ist, die existierende Gesellschaft zu verwalten, werden staatstragende Parteien gezwungen, dessen Fortdauer zu garantieren. Die SAC arbeitet deswegen nicht parteipolitisch. Die Mitglieder haben jedoch das Recht, außerhalb der SAC an gesellschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, die mit ihrer persönlichen Auffassung übereinstimmen, vorausgesetzt, daß diese Tätigkeit sie nicht in offenen Gegensatz zur syndikalistischen Bewegung bringt.

Durch zentralistische Beschlüsse werden die Menschen vom Staat und den Parteien passiv gehalten und ihrer Initiativkraft und Verantwortung beraubt. Der Staat unterstützt und bewirkt Bürokratisierung und Zentralisierung, auch bei gewerkschaftlichen Organisationen und anderen Volksbewegungen. Deswegen muß die syndikalistische Bewegung ihre Selbständigkeit schützen. Die SAC kämpft mit allen Mitteln für eine antiautoritäre Gesellschaftsorganisation gemäß den Prinzipien des Föderalismus.

Zitierte Literatur:

  • Hebert Anckar: Syndikalismen och samhället. Ferativs, Stockholm 1955.
  • Evert Arvidsson: Industriell demokrati. Federativs, Stockholm 1955.
  • Evert Arvidsson: Syndikalismen i nutidssamhället. Federativs, Stockholm 1959.
  • Isaac Deutscher:  Den ofullbordade revolutionen 1917-1967. Aldus/Bonniers, Stockholm 1967.
  • Andre Gorz: Den svara socialismen. Te m a-Serien, Raben & Sjögren, Halmstadt 1968.
  • Britta Gröndahl: Pierre - Joseph Proudhon, Frihetliga Bokgillet, Stockholm 1959.
  • Joachim Israel: Välfärdssamhället - och därefter. Aldus/Bonniers, Stockholm 1969.
  • P. Romac/J. Franic: Arbetarnas sjäivförvaltning i Jugoslavien. Federativs, Stockholm 1964.
  • Helmut Rüdiger/Karl Bergkvist: Federalismen. Federativs, Stockholm 1957. (deutsch: Föderalismus. Beitrag zur Geschichte der Freiheit, Berlin 1978, AHDE-Verlag)
  • Helmut Rüdiger: Socialism i frihet. Stockholm 1970. (deutsch: Sozialismus in Freiheit, Wetzlar 1977)
  • Helmut Rüdiger: Syndikalism och parlamentarism. Federativs, Stockholm 1945. (deutsch: Sozialismus und Parlamentarismus. Ein Diskussionsbeitrag, Berlin 1979, AHDE-Verlag) SAC - Handbok för det syndikalistiska organisationsarbetet. Federativs, Stockholm 1959. (2. Aufl. 1978)
  • Frans Severin: Ar syndikaiismen statsfientlig? Federativs, Stockholm 1925.
  • Augustin Souchy: Diktatur och socialism. Bokförlaget Brand, Stockholm 1919.
  • Ahto Uisk: Under utveckling. SAC:s Studierads skrifter nr 17, Stockholm 1968.


Titel der schwedischen Originalausgabe: Ahto Uisk: Syndikalism - en ideskiss, Federativserien 3, Federativs Förlag, Stockholm, 1971 (2. Aufl. 1979) Aus dem Schwedischen und bearbeitet von Dagmar Michel, Katrin Elborgh NN, H.-J. Degen

SCHRIFTEN DES LIBERTÄREN FORUMS BERLIN, NR. 2 Erste Auflage 1985

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