Der soziale Neuaufbau

Eine Revolution ist immer schmerzhaft, heftig und bringt fatale Nebenerscheinungen. Das Volk selbst, sowohl in der französischen als auch in der russischen Revolution war es, welches seine Sache rettete. Nach fünf Monaten Revolution und Krieg, gezwungen zu improvisieren und den Schwierigkeiten gegenüber stehend, die Revolutionen mit sich bringen, zwingt sich uns die Aufgabe auf, zu verhindern, dass sie scheitert. Aus dieser sozialen Konvulsion muss etwas Neues geboren werden. Ehe der Bürgerkrieg nicht beendet ist, ist es unmöglich, das soziale Leben zu rekonstruieren, und auch für später ist dieses Problem unlösbar, wenn nicht auf der Grundlage eines neuen Rechtes und einer neuen sozialen Organisation. Wir müssen suchen, nein wir wissen sogar die Formel für ein neues Morgen.

Es ist ein Irrtum, dass nach dem Ende des Krieges wieder begonnen werden könne nach den alten Gesichtspunkten, die vor dem neunzehnten Juli galten. Es ist unmöglich, Spanien wieder nach kapitalistischen Grundsätzen aufzubauen, und dies aus einem sehr einfachen Grunde: Weder in den Regionen der Fascisten noch in den unsrigen bestehen noch die grossen Reichtümer und Grundbesitztümer, welche die Kraft der alten Gesellschaft bildeten. Alles hat sich verändert. Neu müssen wieder aufgebaut werden die Felder, die Fabriken und die Werkstätten, eine Arbeit, die grossen Willen, Bereitschaft und Intensität erfordert, die die Arbeiter nicht geben werden, wenn sie nicht die Leiter der Wirtschaft sind.

Mit welcher Wirksamkeit kann sich der Bourgeois an die Arbeiter wenden, um sie vielleicht zu 12, 14 und 16 Stunden Arbeit am Tage zu rufen? Wer hört ihn, wenn er wieder seine Kassen füllen will? Niemand, absolut niemand. Aber wenn die Arbeiter in Versammlungen und Beschlüssen es festlegen, werden sie arbeiten, weil sie wissen, dass es für sie selbst ist.

Hier öffnen sich die grossen Möglichkeiten, die die bürgerliche Republik so wenig wie die Monarchie realisieren konnte. Wie gross sind die Perspektiven, wenn zur Bewunderung der Welt, Spanien beginnt mit einem Leben der Freiheit für alle, des Respektes vor allen, des Rechtes für alle, in einer Einheit der Aktion und in freiwilliger Disziplin.

Wenn wir unsere Revolution zu fundieren wissen und wenn die Arbeiter und die Syndikate zum Gerüst eines neuen Baues der Gesellschaft werden, dann eröffnen sich für Spanien eine neue Aera und weite Möglichkeiten.

In Spanien wird eine Entscheidungsschlacht zwischen dem Faschismus und dem Antifaschismus geschlagen. Wir Anarchisten erheben in diesem Kampfe die Fahne des Föderalismus. Freie Gemeinden und Provinzen bis zur Föderation der Provinzen! Auf dem ökonomischen Gebiet werden die Syndikate leiten und regulieren und die Produktion intensivieren.

Wenn wir diesem Willen folgen, wenn wir geschlossen stehen wie ein Block, einig im Denken und im Wollen, welch grosses Beispiel ist das! Dann werden auch die andern Lander folgen und die Erde befreien von jeder Diktatur!

Aus dem spanischen Bolletin der CNT-FAI.

Aus: Die Soziale Revolution Nr. 3, 1937. Digitalisiert von der Anarchistischen Bibliothek und Archiv Wien. Nachbearbeitet (Scanungenauigkeiten entfernt, ä zu ä, That zu Tat usw.) von www.anarchismus.at.


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