Wie spanische Arbeiter kämpfen

Unser Bild zeigt eine Strassenbahn in Barcelona. Alle Wagen tragen seit 19. Juli die Buchstaben "CNT". Nach und nach werden sie auch neu gestrichen — in den Farben des Anarchosyndikalismus, "der siegreichen Revolution"; schwarz und rot in diagonaler Anordnung.

Kollektivierte Straßenbahn BarcelonaWas das für die Strassenbahner von Barcelona bedeutet, weiss nur, wer die Geschichte ihrer Kämpfe kennt. Im November 1933 traten die Strassenbahner von Barcelona, alle in der CNT organisiert, zusammen mit den Arbeitern der Autobusse, U-Bahn usw. in den Streik. Vier Wochen ruhte in Barcelona der Verkehr. Die katalonische "Links"-Regierung tat alles Erdenkliche, um den Streik mit bewährten Methoden niederzuknüppeln. Marineoffiziere und Studenten sollten den Betrieb wieder in Gang bringen, jedoch ohne Resultat. Die Arbeiter wurden massenhaft in die Gefängnisse geworfen. Dadurch aber waren sie nicht klein zu kriegen. Die Arbeiter der CNT waren von jeher in den Gefängnissen "zuhause"; hier verbrachten ihre "Funktionäre" einen grossen Teil ihres Lebens. Sie hatten kein "Gewerkschaftshaus" und keinen "Apparat" von Beamten; ihre Kampfkraft war deshalb ungebrochen.

Endlich aber konnte der Streik nicht mehr weitergeführt werden: denn der grosse Dezemberaufstand der CNT war in Aragon niedergeschlagen, auch in Hospitalet bei Barcelona das letzte Aufflackern der Revolte erstickt worden. Eine Reaktion setzte ein. 200 Strassenbahner flogen aufs Pflaster. An ihre Stelle kamen "friedfertigere" Elemente, Streikbrecher: Sozialisten, Pestanisten. Es bildete sich eine UGT. Wie noch öfter bei solchen Gelegenheiten.

Das ganze Jahr 1934, das ganze Jahr 1935 kämpften die 200 entlassenen Arbeiter zusammen mit ihren Kameraden von der CNT-FAI um ihre Rechte. Die Presse liess den Fall nicht ruhen. Aber es geschah noch mehr, natürlich ohne jede Teilnahme des Syndikats. In allen Stadtteilen, bald hier bald da, wurden Strassenbahnen verbrannt. Die Wagen wurden angehalten, die Fahrgäste und das Personal höflich, aber entschieden aufgefordert sich zu entfernen — und dann explodierte im Wagen eine Flasche mit einem "Liquido inflamable" (dieselben Flaschen werden heute an der Front verwendet). Dasselbe geschah mit Autobussen. Viele Dutzende von Wagen gingen in Flammen auf. Die Gesellschaften gaben nicht nach. Sie verloren Millionen. 1934 kam Gil Robles, der starke Mann. Der Kampf ging weiter. Im Sommer 1935 griffen die Saboteure zu einem neuen Mittel. Mehrere Male wurden Strassenbahnwagen angezündet auf den abwärtsführenden Hauptstrassen der Neustadt; von da liess man sie mit gelösten Bremsen den Berg hinablaufen. In Flammen rasten sie sie Calle Muntaner, den Paseo de Gracia hinunter. Schrecken erfasste die Bourgeoisie. Da verhängte Gil Robles den Kriegszustand in Barcelona. Es half nichts. Der Kampf ging weiter. Im Januar 1936 wurden die 200 Genossen endlich wieder eingestellt.

Im Juli nahmen sie die Strassenbahnen in Besitz und malten auf die Wagen die Lettern, die ihren Glauben an ihr Recht, ihren Willen zum Kampfe und die Gewissheit ihres Sieges bedeutet hatten: CNT. Und heute hüten die syndikalistischen Arbeiter diese Wagen als ihnen anvertrautes Gut der Allgemeinheit. Das Transportarbeitersyndikat der CNT von Barcelona, die Strassenbahner von Barcelona haben den Arbeitern der Welt ein Beispiel dafür gegeben, was Klassenkampf und was Sozialismus ist!

Aus: Die Soziale Revolution Nr. 5-6, 1937. Digitalisiert von der Anarchistischen Bibliothek und Archiv Wien. Nachbearbeitet (Scanungenauigkeiten entfernt, ä zu ä, That zu Tat usw.) von www.anarchismus.at.


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