I.W.W. - Grundlegende Schritte zur Organisierung am Arbeitsplatz

Übersetzung der IWW-Tipps

I. Kontakte knüpfen

Beginne damit, mit den Leuten zu sprechen, die du am Arbeitsplatz kennst. (Mehr dazu unten, unter "Kontakte knüpfen und pflegen") Versuche herauszufinden, wer "den Ton angibt", wem andere folgen. Wer beeinflusst die Meinungen und die Handlungen von anderen im Betrieb? Du musst mit diesen Leuten Kontakt aufnehmen, oder du wirst sie sehr wahrscheinlich als Anführer deiner Gegner wiederfinden. Erstelle eine möglichst vollständige Liste von den ArbeiterInnen in deinem Betrieb - ohne Rücksicht auf ihre Berufe und Anstellungsverhältnisse mit so viel Informationen über sie, wie du bekommen kannst. Lass niemanden aus. Während dieser Zeit, bleibe unauffällig und rede nicht auffällig über die Organisierung mit Leuten, denen du nicht traust, dass sie still bleiben.

Allerdings kannst du trotzdem mit ihnen reden, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlen und du mitbekommst, was sie denken. Je mehr du organisieren kannst, bevor der Chef merkt was passiert, desto besser. Schaue dich nach Leuten um, die Interesse und Bereitschaft zur gewerkschaftlichen Arbeit zeigen, und versuch, mit ihnen ein organisierendes Kollektiv aufzubauen.

II. Kartographieren & Darstellen

Setz dich mit jedem deiner zuverlässigen Kontakte hin und bring sie oder ihn dazu, eine Landkarte des Betriebes zu zeichnen, die zeigt wo jedeR ArbeiterIn normalerweise sitzt oder steht, wo der Chef oder der Aufseher ist etc. Versuche dann eine Art Akte für jedeN ArbeiterIn im Betrieb (oder, wenn das nicht geht, halt nur in deiner Abteilung) zu erstellen, die zwischenmenschliche Beziehungen (wer wessen FreundIn oder FeindIn ist, wer auf wen hört, Beziehungen mit Aufsehern und so weiter), Gruppenmitgliedschaften (ethnische Gruppen Sprachgruppen, änderungen, Raucher, eingeschränkte Leute, besondere Aufgaben auf der Arbeit, und so weiter). Versuche bei jeder Gruppe Leiter und persönliche Beziehungen aufzudecken.

III. Aufbau der Betriebsgruppe

Überleg dir, wie du es schaffst die interessierten Leute für das organisierende Kollektiv anzuziehen. Vertrau nicht nur deinem Glück und warte nicht einfach ab, dass massenhaft interessierte Leute zu dir kommen, sondern geh selbst auf sie zu. Versuche, möglichst viele leitende oder VorarbeiterInnen einzubeziehen, auch wenn sie problematisch sind. überleg dir, wie du mit lästigen Leitern umgehen und zusammenarbeiten kannst und wie ihre schlechte Qualitäten zu verändern sind. Gib jedem Mitglied des Kollektivs eine Aufgabe, damit möglichst alle persönlich und mit gleich viel Energie in die Kampagne eingebunden sind.

IV. Forschung

Versuche, alles über den Chef und die Firma herauszufinden (sowohl die Gesellschaft als auch die Leute, die die Gesellschaft leiten) versuch aber, nicht in den Details stecken zu bleiben. Fokussiere Daten, die dem Aufbau helfen werden. Wer zum Beispiel besitzt die Gesellschaft? Haben die gleichen Besitzer andere Unternehmen? Wer leitet die Gesellschaft? Wie sieht die korporative Struktur aus? Benimmt sich der Chef schlecht? Ist die Firma wirtschaftlich stark oder schwach? Gab es dort schon vorher einmal Organisierungsansätze? Wie reagierte der Chef? Wer sind die Lieferanten der Firma? Werden ihre Arbeiter organisiert? Haben sie gerade Konflikte am Arbeitsplatz? Wer sind die Kunden des Unternehmens? Sind sie andere Unternehmen? Wenn ja, sind die Arbeiter jener Unternehmen organisiert? Was für Organisationen ausserhalb des Betriebs - AnwohnerInnengruppen, Kirchengruppen, politische Gruppen, NGOs, Behörden, Verbraucherorganisationen, Aktionäre und so weiter - können notfalls benutzt werden, um Druck auf die Leitung auszuüben?

V. Kontakte knüpfen und pflegen

Wenn du ersten Kontakt mit einem/einer interessierten KollegIn (d.h. deinen ersten "vertrauensvollen" Kontakt, selbstverständlich nicht notwendigerweise das erste Mal dass du je mit ihm oder ihr sprichst), mach mit ihm oder ihr ein Datum und eine Zeit ab, um sich irgendwo absteits des Arbeitsplatzes zu treffen. Das ist alles, was du an diesem Punkt schaffen musst. Stürz dich nicht in Debatten über Einzelheiten darüber, wie die Probleme am Arbeitsplatz zu lösen sind. Sag zum Beispiel nur, dass du mit der Person über einige Probleme im Arbeitsplatz sprechen möchtest und sehen, wie er oder sie sich darüber denkt und sich in einer solchen Situation fühlt. Spar dir die Einzelheiten auf für das abgemachte Treffen, hol dir nur die Vereinbarung, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt und Ort zu treffen.

Wenn Sie sich treffen, gibt es vier Schritte zu befolgen: Agitation, Education, Innoculation und Organizing.

(A)gitation
- Finde heraus, was die ArbeiterInnen am Arbeitsplatz als Probleme betrachten - zu lange oder flexible Arbeitszeiten, zu niedrige Bezahlung, respektlose Behandlung durch das Management - und hilft ihnen zu verstehen, wer dafür verantwortlich ist: nähmlich die Firmenleitung; die Chefs. Auch wenn es wie ein persönliches Problem scheint, machen Sie es zur Schuld der Chefs. Aber erinnere dich, dass es ein Gespräch ist und nicht ein Vortrag (texte ihn oder sie nicht zu). Das Ziel ist, den Arbeiter herauszuziehen, und lässt sie gegen die Chefs gefühlsmässig agitieren.

(E)ducation
(Bildung) - Unterrichte den/die KollegIn, wie ArbeiterInnen in ähnlichen Situationen gemeinsam mit Problemen dieser Art umgehen oder umgegangen sind. Für dienen Teil bedeutet die s natürlich, dass du dich angemessen darauf vorbereitest. Dass heisst: Informiere dich über aktuelle Arbeits- und Klassenkämpfe (wahrscheinlich sind sogar gerade ähnliche im Gange),lies die Direkte Aktion oder die Work-Zeitung, lies in der Geschichte und Theorie der Klassenkämpfe, surfe im Internet oder rede mit KollegInnen.

(I)nnoculate
("Schutzimpung") - Bereite ihn oder sie auf eine gewerkschaftsfeindliche Kampagne vor. Frag den oder die KollegIn "Was denkst du, das unsere Chefs machen werden, wenn sie uns herausfinden, dass wir uns organisieren (wollen)"? Chefs folgen erfahrungsgemäss einem voraussagbaren Muster von Belästigung und Propaganda. Du kannst die Angst von ArbeiterInnen entschärfen, wenn du sie wissen lässt, was du vermutest, was passieren wird und dass du bereit bist, damit fertig zu werden.

Gewöhnliche "böser Bulle"-Taktiken beinhalten Entlassungen von Gewerkschaftsaktivisten, ausserordentliche Gesprächsrunden (wo von ArbeiterInnen verlangt wird, sich mit den Chefs,oder ihrem Antigewerkschafts-Berater zu treffen und sich eine Predigt anzuhören, wie schrecklich es sei, dass ArbeiterInnen sich organisieren), Einschüchterungen der ArbeiterInnen, gewerkschaftsfeindliche Mitteilungen, antikommunistische Hetze (insbesondere in Bezug auf die FAU, weil wir eine anarchosyndikalistische und revolutionäre Gewerkschaft sind).

Andererseits gibt es "guter Bulle"-Taktiken, wie vorübergehende Lohnerhöhungen, das Entlassen von unpopulären Aufsehern oder Vorgesetzten, das Befördern von Gewerkschaftsleitern, das Belohnen von Klatschmäulern und so weiter. Die Hauptsache ist, den Kollegen oder die KollegIn für all diese Sachen gefühlsmässig vorzubereiten und ihn oder sie zu beruhigen, dass wir wissen, wie damit umzugehen ist. Solidarität ist der Schlüssel. Zum Beispiel können wir zu Pflichtversammlungen alle Gewerkschaftsbuttons oder T-shirts tragen. Wir können bei jenen Versammlungen statt dagegen zu Argumentieren nur teilnahmslos und schweigend dasitzen. Ausbildung ist auch wichtig. Wir haben Kopien von gewerkschaftsfeindlichen Briefen, die die Chefs möglicherweise verschicken werden, und wir können den ArbeiterInnen beibringen, wie ihre Behauptungen zu verstehen sind, so dass die KollegInne nur darüber lachen können, wenn sie mit der Post kommen. Wir können den KollegInnen beibringen, was es wirklich bedeutet, dass wir antikapitalistisch sind, damit die Warnungen der Chefs über "gottlosem Kommunismus" oder "Anarchie=Chaos" lächerlich erscheinen (allerdings bringt das, wenn unvorsichtig oder zu schnell gemacht, immer das Risiko mit, dass du die Leue überrumpelst und erschreckst oder dass sie sich instrumentalisiert fühlen - dashalb muss es immer vorsichtig angegangen werden und dürfte mit einem gewissen Aufwand verbunden sein).

(O)rganisieren
- Versuch den Kollegen oder die KollegIn in das Kollektiv zu integrieren. Frag sie oder ihn, "was wirst nun tun, um dieses Projekt weiterzubringen"? Geben Sie ihr oder ihm eine leichte Aufgabe, wie zum Beispiel Namen und Adressen zu sammeln/ zu verwalten. Bringen Sie sie dazu, zu einem fälligen Datum zu begehen, folgen Sie dann aufwärts. Wenn sie die Aufgabe vervollständigt, lobe sie und gibt ihr noch ein, mehr kompliziert einer. Wenn sie die Arbeit nicht macht, wie versprochen, wiese sie oder ihm auf eine konstruktive Weise auf ihre/seine Verantwortung (gegenüber dem Projekt, den KollegInnen, der Gewerkschaft) hin. Gib ihr oder ihm eine weitere Chance und und gib ihr oder ihm den berechtigten Eindruck, dass sie es machen kann und dass sich Leute auf sie oder ihn verlassen. Finde heraus, was ihr oder ihm in den Weg kam (und/oder kommt) - Familienpflichten? "Disziplinlosigkeit"? - rede mit ihr oder ihm über dieses Hindernis, und hilf, es zu überwinden. Lass andere Mitglieder des Ausschusses mit ihr oder ihm reden, um sie oder ihn zu ermutigen und um sanften Druck auf sie oder ihn auszuüben.

(U)nion
(Einbindung in die Gewerkschaft) - Sobald der/die ArbeiterIn an Bord ist, setzen Sie fort, ihn zu schieben, um den nächsten Schritt zu machen. Dies wird von den Leuten sehr wahrscheinlich als anstrengend empfunden, aber es ist notwendig. Genauso wie Du sind sie gegenüber Leuten, die sie drängen, sich zu engagieren berechtigterweise zurückhaltend oder. Aber wenn Du sie nicht drängst, wird das Engagement nicht gemacht und wir enden mit einem winzigen Kern enthusiastischer Leute, der die ganze Arbeit macht und einer grosse Gruppe von farblosen Leuten, die keine Risikos eingehen werden. Dann der Kernleute-Brandfleck aus und der Antrieb fällt auseinander. Solidarität hängt von Leuten ab, die Risikos einander zusammen und zurück aufnehmen. Und dazu ist drängen (möglicherweise) notwendig.

Es ist nicht notwendig, die Leute sofort gewerkschaftlich unter Vertrag zu nehmen. Ihre Gewerkschaftskarte sollte etwas sein, was sie verdienen - nicht, dass wir ausschliessend sind, aber wir wollen, dass die Karte eine angemessene Bedeutung hat. Sie sollte ein Ausdruck eines gegenseitigen Engagements zwischen dem/der ArbeiterIn und dem Rest der Gewerkschaft darstellen, und nicht einfach nach dem Giesskannenprinzip ausgeteilt werden.

VI. Öffentlichkeitsarbeit

Schliesslich wird es Zeit, mit der Kampagne an die öffentlichkeit zu treten. Mach nicht den Fehler, das zu früh zu tun. Oft wird der Chef euch dazu zwingen, weil jemand reden wird, oder der Chef sieht, das sich Leute zusammentun. Sobald die oben erwähnten Stufen alle ausgeführt und die ArbeiterInnen zur nächsten Phase des Kampfes bereit sind, macht einen Plan und setzt ihn um. Es gibt viele Wege, dies zu machen, und der Ansatz den ihr wähl wird Aufnahme wird von euren Zielen abhängen. Es ist lebenswichtig, sich klare bestimmte Ziele zu setzten und sie dann einen Schritt für Schritt zu erreichen,. Ihr könnt eine Liste mit Forderungen haben, die ihr dem Chef präsentieren wollt. Ihr könnt das mit einer Machtdemonstration kombinieren, wie einem "rote-Hemden-Tag" oder eine andere Handlung. Eine Gruppe von Arbeitern wollte für die Zeit, der von ihnen verlangt wurde, von der Uhr auszugeben, die ihre Terminals beim Ende von jeder änderung reinigt, bezahlt werden. Sie machten eine grosse Show daraus, viele verschmutzte Geräte hereinzubringen und blieben Stunden lang um zu reinigen, das Zwang die Chefs, die überstunden zu zahlen und für Sicherheit und mehr Personal zu sorgen. Es gibt viele Wegen, je nach dem, was ihr auf kurzen und langen Sicht erreichen wollt.

Wir sind kein Gewerkschaftsapparat, und wir machen die Dinge auf andere Weise. Sie interessieren sich für Anerkennung durch die Chefs, damit sie so schnell wie möglich anfangen können, Gebühren zu kassieren. Wir interessieren uns für Solidarisierung zwischen den Leuten, damit wir anfangen können Forderungen zu gewinnen, unsere Bedingungen zu verbessern und Demokratie auf der Arbeit durchzusetzten.


Originaltext: http://www.faubern.ch/index.php?pid=organize&spid=1&lid=de


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