In Spanien stehen derzeit rund 3 Millionen Wohnungen leer und es kommt weiterhin täglich zu zahlreichen Zwangsräumungen. Schließlich muss kapitalistische "Ordnung" aufrechterhalten werden - auch wenn dafür hunderte Menschen (die Hälfte von ihnen Minderjährig) von Riotcops auf die Straße gesetzt werden, damit ein weiterer leerstehender Wohnblock dazu kommt... Bericht geklaut vom lesenswerten Blog Bodenfrost.

Gran Canaria - Wohnprojekt Esperanza räumungsbedroht

Das selbstverwaltete Wohnprojekt Comunidad la Esperanza auf Gran Canaria ist akut räumungsbedroht. Am 14. März erhielten die Bewohner ein Schreiben des Bürgermeisters von Santa María de Guía, in dem er ihnen ein Ultimatum stellte. Bis Ende des Monats sollen sie die Gebäude “freiwillig” verlassen haben, sonst werde er veranlassen, dass sie von Strom und Wasser abgeschnitten werden. Die verzweifelten Bewohner wandten sich daraufhin an die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC), mit der Bitte um Beistand.

Das Wohnprojekt Comunidad la Esperanza war Anfang 2013 von der Anarchistischen Föderation Gran Canaria ins Leben gerufen worden, als die ersten 20 Familien in einem bis dahin leerstehenden Wohnblock in Santa María de Guía untergebracht wurden. Seitdem ist das Projekt stetig gewachsen. Mittlerweile leben dort in vier Wohnblöcken bis zu 310 Menschen, wovon über 150 minderjährig sind. Sie stammen allesamt aus prekären Verhältnissen, Arbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit.


Die Bewohner organisieren sich basisdemokratisch in regelmäßigen Hausversammlungen, wo Beschlüsse gemeinsam getroffen werden. Im Alltag praktizieren die Bewohner gegenseitige Hilfe, weil auf diese Weise alle besser über die Runden kommen. Auf eigene Faust und Kosten haben die Bewohner viele der Wohnungen hergerichtet und bewohnbar gemacht und repariert, was kaputt war. Staatliche Unterstützung haben sie dabei nie bekommen. Die Wohnblöcke der Esperanza waren in Zeiten der Immobilien-Blase entstanden und wurden – wie viele andere – nach deren Platzen nicht fertig gestellt. Um die Versorgungslage zu verbessern, wurden auch mit vereinten Kräften Gemüse-Gärten angelegt und ein System zur Wasserwiederaufbereitung eingerichtet (Bericht über den Alltag in der Esperanza).

Pedro Rodríguez, der Bürgermeister, der den Familien zerstören möchte, was diese sich in Jahren mühsam aufgebaut haben, ist Mitglied der kanarischen Regional-Partei Nueva Canarias. Laut FAGC eine Partei, die sich gern als sozial und auf Seiten der der einfachen Leute verkauft und die vorgibt, sich gegen Zwangsräumungen einzusetzen. Eben dieser Pedro Rodríguez hat jedoch keine Skrupel, den Ärmsten der Armen zu drohen, ihnen die Grundversorgung zu sperren, wenn diese nicht “freiwillig” ins ungewisse Schicksal auf der Straße zurückkehren. Pedro Rodríguez droht auch der Anarchistischen Föderation Gran Canaria, dass diese nicht so viel Wirbel um die Sache machen solle.

Die Guardia Civil versuchte bereits vor einigen Tagen in die Gebäude einzudringen und zu fotografieren. Als dies misslang, postierten sie sich vor dem Gebäude und drangsalierten Bewohner, die versuchten, ein- und auszugehen. Es stellt sich die Frage, ob dies nicht die Reaktion auf einen Gerichtsprozess ist, der eine unerwartete und für die Guardia Civil unerfreuliche Wendung nahm (siehe Bericht).

Von solchen Einschüchterungs-Versuchen lässt sich die FAGC nicht beirren und steht zu ihrem Versprechen, den Bewohnern der Comunuidad la Esperanza zu helfen, wenn Gefahr droht. Bei einer großen Versammlung, an der Mitglieder der FAGC und der Comunidad la Esperanza teilnahmen, wurden Strategien zur Verteidigung ersonnen. Sie sind nicht bereit, die Räumung hinzunehmen, solange sie nicht wenigstens Ausweichunterkünfte angeboten bekommen.

“Die Hoffnung ist das letzte, was man verliert”, steht an der Eingangstür des Wohnprojekts Esperanza, dessen Name auf deutsch Hoffnung bedeutet.

Umso eifriger sollte sie verteidigt werden. Von unserer Seite vollste Unterstützung und solidarische Grüße – ¡Todo nuestro apoyo y saludos solidarios desde Alemania a la Comunidad la Esperanza en Santa María de Guía y Brisas de Sardina en Santa Lucía de Tirajana!

Im Süden der Insel ist derzeit ein weiteres Wohnprojekt räumungsbedroht. 200 Menschen (100 davon Kinder) aus Brisas de Sardina in Santa Lucía de Tirajana bangen derzeit um ihr Dach über dem Kopf. Die FAGC unterstützt auch diese .


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