Die Wurzeln des Anarchosyndikalismus in Österreich

1872 brach bekanntlich die 1. Internationale zusammen. Wie in fast allen industrialisierten Ländern kam es auch in Österreich zu einer Differenzierung der ArbeiterInnenbewegung, die sich bis dahin unter dem Begriff „Sozialdemokratie“ gesammelt hatte. Der eine Flügel lässt sich allgemein mit den Begriffen gemäßigt/autoritär/staatssozialistisch charakterisieren, der andere sah sich als radikale/libertäre/sozialrevolutionäre Fraktion. Die „Gemäßigten“ wurden (etwas abschätzig) auch „die Blauen“ genannt, beriefen sich auf Karl Marx und waren vor allem vom Vorbild der deutschen Sozialdemokratie geleitet. Lasalle etwa hatte mit seinem „ehernen Gesetz“, wonach jegliche ökonomische Aktion sinnlos sei, da jeder erkämpften Lohnerhöhung eine Preiserhöhung folgen würde, die Sozialdemokratische Partei auf den rein politischen, „gesetzlichen“ d.h. parlamentarischen Weg eingeschworen. Ursprünglich sollte seiner Ansicht nach die gewerkschaftliche Bewegung nicht mal mehr taktische Bedeutung im Kampf um die Eroberung der politischen Macht haben.

Die „Radikalen“, auch „die Roten“ genannt, beriefen sich ebenso auf Karl Marx, aber auch auf den Anarchisten Michael Bakunin, russische Sozialrevolutionäre, später auf die Weiterentwicklung des kollektivistischen Anarchismus, den Anarcho-Kommunismus wie er u.a. von Pjotr Kropotkin formuliert wurde. Sie traten unter verschiedenen Namen und Organisationen auf (Radikale Arbeiterpartei, radikale Sozialisten, revolutionäre Sozialisten, unabhängige Sozialisten). Die soziale Struktur der AnhängerInnen der beiden Strömungen war sehr unterschiedlich. V. a. Industriearbeiter, die den Gemäßigten näher standen, bildeten eine Art Arbeiteraristokratie, da sie oft jene ArbeiterInnen, die für Kleingewerbetreibende arbeiteten, verachten. Sie verachteten das „Lumpenproletariat“, jene die ihrer Meinung nach im Kampf zu einem besseren Dasein zu allen Mitteln bereit waren. Die Radikalen und Anarchisten hingegen bauten auf „jene unglücklichen Opfer der Gesellschaft“, die meist als ehemalige Landarbeiter und deklassierte Kleinbauern arbeitslos vor den Fabrikstoren für Hungerlöhne um Arbeit bettelten.

Da es in der ArbeiterInnenbewegung zu jener Zeit außer Streit stand (auch bei den Gemäßigten), dass es früher oder später zu einer sozialen Revolution kommen würde, wundert es nicht, dass die Mehrheit der organisierten ArbeiterInnen dem radikalen Flügel nahe stand, da ihnen der parlamentarische Weg bestenfalls als taktisches Mittel (unter vielen), niemals aber als Lösung ihrer Probleme erschien Beiden Strömungen ging es (oft nicht genauer definiert) um die Abschaffung des Privateigentums und damit die Beseitigung der privatkapitalistischen Produktionsweisen. Für die Gemäßigten gab es hierzu zwei Vorbedingungen: die Entwicklung der Produktionsverhältnisse und die Eroberung der politischen Macht, wozu erst das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht erreicht werden müsse. Die Radikalen, Sozialrevolutionäre und AnarchistInnen hingegen meinten, dass durch das allgemeine und direkte Wahlrecht die “soziale Frage” nicht gelöst werde. Statt der Eroberung der politischen Macht erschien ihnen eine soziale Revolution zielführender.

Die AnarchistInnen, die sich auch “libertäre Kommunisten” nannten, erstrebten nicht wie fälschlicherweise von bürgerlicher und sozialdemokratischer Seite unterstellt, Chaos und Terrorismus an, sondern vielmehr die Errichtung einer anarchistisch-kommunistischen Gesellschaft mit autonom-föderativer Struktur durch die soziale Revolution. Die Wahlrechtkampagne der Gemäßigten machte es notwendig, zunehmend mit den Liberalen im Reichstag (welche sich vor allem aus dem Industriekapital bildeten, das sich gerade im Machtkampf mit den alten Feudalklerikalen befand) zu kooperieren. Diese paradox wirkende Situation rief naturgemäß auch einiges Unverständnis in der ArbeiterInnenschaft hervor. Auch war die Zeitung der Radikalen, „Die Zukunft“, wesentlich populärer als z.B. „Der Sozialdemokrat“, den die Gemäßigten aus Deutschland bezogen. Der wachsende Einfluß der Radikalen SozialistInnen wurde erst mit der Verhängung des Ausnahmezustandes 1884 gebrochen. Erst dadurch konnte sich die gemäßigte Strömung der Sozialdemokratie beim Einigungsparteitag in Hainfeld (1888/89) durchsetzen. Mit dem Hainfelder Parteitag war es der sozialdemokratischen Arbeiterpartei gelungen, radikale Elemente in der Partei weitgehend unschädlich zu machen oder rauszudrängen, zum anderen aber auch Teile davon zu integrieren. Bekanntlich gelang es der Sozialdemokratie in Folge weitgehend, in das politische System der Monarchie integriert zu werden, was auch in das allgemeine Wahlrecht für Männer 1907 gipfelte*).

In den 1880ern kam es aber zu einer deutlichen Radikalisierung der ArbeiterInnenschaft, was sich unter anderem auch in zahlreichen Gewaltakten gegen politische und ökonomische Repräsentanten sowie Polizeioffizieren aber auch in der wachsenden Popularität legendärer Krimineller, welche zugunsten der Armen die Reichen bestahlen, widerspiegelte. Während des Ausnahmezustandes in Österreich/Ungarn (ähnlich den Sozialistengesetzen im Deutschen Reich) mussten die Zusammenkünfte der SozialistInnen geheim oder durch „apolitischen“ Veranstaltungen (z. B. Gewerkschaftsvereine) getarnt stattfinden. In Deutschland hatte dies dazu geführt, dass einige ArbeiterInnen die egalitäre, auf den rein ökonomischen und sozialen Kampf orientierte Struktur gegenüber der zentralistischen Partei favorisierten. So hatte sich letztlich der revolutionäre (auch Anarcho-) Syndikalismus aus einer Notlösung gegenüber der staatlichen Repression entwickelt. Es gab noch Mitte der 1890er Jahre, aber auch nach der Jahrhundertwende, wilde und spontane Aufstände in Wien, die von keiner bestimmten politischen Strömung organisiert worden waren, aber eine nach wie vor bestehende revolutionäre Tendenz in der ArbeiterInnenschaft offen legten. Bis zum Ausnahmezustand hatte es zahlreiche radikale “Arbeitervereine”, also Gewerkschaften gegeben, u.a. bei den Bäckern, Hutmachern, Schneidern, Tischlern/Drechslern/Stuhlmachern mit jeweils einigen Tausend Mitgliedern.

Bis in den 1.Weltkrieg hinein sollte v.a. die radikale SchuhmacherInnengewerkschaft in Österreich bestehen bleiben. Sie war noch nicht explizit “anarchosyndikalistisch” sondern eine Berufsgewerkschaft mit stark anarchistischen Tendenzen. Die 1904 in Wien erschienene Zeitung “Generalstreik” wird allerdings auch als die erste anarchosyndikalistischen Zeitung überhaupt bezeichnet. 1917 war der 1.Weltkrieg auf seinem blutigen Höhepunkt angekommen. In der v.a. auch von Frauen getragenen Produktion kam es zunehmend zu Streiks. Gipfel dieser Streikbewegung war der große Jännerstreik 1918. Dieser war wohl ein entscheidender Schritt in Richtung Kriegsende. V.a. im Raum Niederösterreich/Wien kam es, erst recht nach Ausbruch der russischen Revolution, zur Bildung einer gemeinhin als “linksradikal” (in Abgrenzung zur sozialdemokratischen Linken) bezeichneten Rätebewegung. 750 000 ArbeiterInnen beteiligen sich am Jännerstreik (davon 550 000 auf dem Gebiet des heutigen Österreichs). Es folgen weitere Streiks, Fabriksbesetzungen, Meutereien… und die Bildung von ArbeiterInnenräten. An den ersten österreichweiten Ur-Wahlen zu den Arbeiterräten beteiligen sich 800.000 ArbeiterInnen! **)

Leo Rothziegel, einer der bekanntesten österreichischen Revolutionäre in der Rätebewegung (er fiel in der ungarischen Räterevolution) war Anarchosyndikalist und hat zusammen mit seiner Gruppe einen relativ starken Einfluß während des großen Jännerstreiks. Die AnarchosyndikalistInnen waren im anarchistischen Bund Herrschaftsloser Sozialisten organisiert und konnten v.a. im wiener Bezirk Favoriten eine gewisse AnhängerInnenschaft mobilisieren. Die Rätebewegung konnte sich allerdings v.a. nach der Niederschlagung der ungarischen Räterepublik nicht mehr gegen die staatliche Repression und der sozialdemokratischen Kompromißpolitik mit der bürgerlichen Klasse behaupten. Ein Teil der Rätebewegung glaubte den sozialdemokratischen Verheißungen (”Rotes Wien”), während ein anderer Teil, wie beispielweise die u.a. von Leo Rothziegel ins Leben gerufene “Föderation Revolutionärer Sozialisten, Internationale” in der neugegründeten an der Sowjetunion orientierten Kommunististischen Partei Deutschösterreichs KPDÖ – später KPÖ – aufging. Leider war es den AnarchosyndikalistInnen nicht gelungen einen stärkeren und v.a. eigenständigen Einfluß auf diese Entwicklungen zu nehmen. In Österreich war es also der Sozialdemokratischen Partei in der Folge gelungen, die radikalen Elemente der ArbeiterInnenbewegung weitgehend kalt zu stellen, indem zum einen mit der Drohung einer Revolution der Bourgeoisie zahlreiche soziale Errungenschaften abgepresst werden konnten (als taktisches Instrument war der revolutionäre Teil der ArbeiterInnenbewegung gut genug), zum anderen die gesamte ArbeiterInnenbewegung dem Diktat einer auf (parlamentarische) politische Machteroberung ausgerichteten Partei unterworfen werden konnte.

In Österreich hat es aber in den 1920er – Jahren in Folge der räterevolutionären Bewegungen – wenn im internationalen Vergleich auch sehr kleine- anarchosyndikalistische Organisationsansätze gegeben. 1921 gab es bereits einen Kongress der Anarchosyndikalisten in Innsbruck (evtl. ist hier eine Konferenz der IAA vom 2. - 4. Dezember 1923 gemeint, Anm. anarchismus.at). Es gab jedoch zu diesem Zeitpunkt noch keinen erfolgreichen Versuch, eine österreichweite anarchosyndikalistische Gewerkschaftsföderation aufzubauen. Es existierten jedoch zahlreiche Betriebsgruppen und Syndikate, die sich v.a. im anarchistischen Bund Herrschaftsloser Sozialisten (BhS) organisiert haben. Der BhS war nach der Revolution 1818/19 von Kreisen um den Anarchisten Pierre Ramus in Wien gegründet worden, und erfreute sich bald eines großen Zuspruchs: “Der ´linksradikale´ Flügel der SJ, viele Mitglieder der ´FREIE VEREINIGUNG RADIKALSOZIALISTISCHER STUDENTEN´ , die VEREINIGUNG HERRSCHAFTSLOSER GEISTIGER ARBEITER´, der sogenannte ´KUNSTKULTURBUND`, die ´FREIE SCHUHMACHERGEWERKSCHAFT`, der `BUND FREIER JUGEND`, verschiedene `SIEDLUNGS- UND PRODUKTIONSFÖRDERUNGEN´, mehrere `herrschaftslos-sozialistische Kleinsiedlungen´ wie etwa: FRUCHT HAIN, EDEN, ZUKUNFT, MENSCHENFRÜHLING u. a., die `MIETZINSLEGION GRAZ`, natürlich verschiedene `Arbeiterverbände´ in Wien, Graz, Linz, Steyr, Mürzzuschlag, Wr. Neustadt…, einige `Syndikalistische´ Gruppen (Gastgewerbe, Taxifahrer, Schuhmacher), der `BUND DER KRIEGSDIENSTGEGNER´, die stirnenanische `VEREINIGUNG INDIVIDUELLER ANARCHISTEN´ um nur einige zu nennen, schlossen sich bald dem BhS an, bzw. sympathisierten oder vernetzten sich in Aktionsgemeinschaften mit diesem. 1925—26 war der BhS in mindestens 60 verschiedenen Ortsgruppen organisiert und hatte mehr als 4.000 zahlende Mitglieder. (Arbeitslose Mitglieder wurden nicht wie zahlende geführt und können daher heute nicht mehr nachgewiesen werden.) Dazu kamen noch die vielen freien Mitarbeiter und Sympathisanten in ganz Österreich. Der BhS-( Anarchisten), wie er sich an Flugblättern, Einladungen zu Vorträgen und Versammlungen, Plakaten und in Publikationen (z. B. “ERKENNTNIS UND BEFREIUNG”) bezeichnete, war unbestritten fast 20 Jahre lang die größte anarchistische Organisation in Österreich. Mit dem Ausbruch des Austrofaschismus kam auch das Ende für den BhS.” ***)

Der BHS entwickelte sich allerdings mit seinem „Führer“ Pierre Ramus im Laufe der Zwischenkriegszeit weg von anarchosyndikalistischen Grundlagen hin zu einem auf genossenschaftlichen Ideen beruhenden Reform-AnarchistInnenverein, der sich von der Perspektive einer revolutionären ArbeiterInnenklasse entfernte.

In den 30er Jahren gründete eine 30 bis 40 Personen starke anarchosyndikalistische Agitationsgruppe einen österreichischen Ableger der deutschen Freien Arbeiter Union. Die FAU-Ö brachte u.a. die Zeitung „Der Freie Arbeiter“ heraus und vertrieb die deutsche Zeitschrift „Der Syndikalist“ in Österreich. Eine Taxifahrer-Berufsvereinigung war die zahlenmäßig wichtigste Initiative, die der FAU-Ö entsprang. Ihr sollen auf ihrem Höhepunkt an die 1200 Taxifahrer angehört haben (laut Polizei 120 eingeschriebene Mitglieder und 1200 AbonenntInnen der Zeitung). Allerdings traten mit dieser personellen Verbreiterung die anarchosyndikalistische Grundlage stark in den Hintergrund, man trat vielmehr als alternative Berufsvereinigung zu den sozialdemokratischen (Bus-)Fahrergewerkschaften v.a. bei Betriebsratswahlen auf. Auch fanden sich in der Folge mitunter wohl kaum mit anarchosyndikalistischen Prinzipien zu vereinbarende Äußerungen in der Zeitschrift “der Taxichauffeur” wie antisemitische Angriffe gegen einige Fuhrwerkunternehmer. Das heißt, es gelang nach der Niederlage der Rätebewegung 1918/19 erst gegen Ende der 1.Republik angesichts des bereits aufkeimenden Faschismus wieder eine gewerkschaftliche Verankerung zu erlangen, die ArbeiterInnenbewegung (nicht nur die anarchosyndikalistische) war zu diesem Zeitpunkt aber bereits in einem v.a. qualitativen Niedergang begriffen. Interessant ist allerdings, dass unter Taxichauffeuren bis in den  austrofaschistischen Ständestaat  eine  gewisse Radikalität erhalten bleiben sollte, so kam es 1934 zu gegen das Regime gerichteten Taxiblockaden rund um die Innenstadt von Wien (Regierungsviertel).

Es gab allerdings zu jedem Zeitpunkt auch anarchistische Initiativen mit stark syndikalistischen Tendenzen, die sich v.a. mit propagandistische Aktivitäten bemerkbar machten. Auch können die Wiener AnarchosyndikalistInnen in den 30ern noch einmal einen kleinen Erfolg verbuchen: So wurde ein wilder Streik in einem Caféhaus gewonnen.

Der für das restliche Europa unvorhersehbare Ausbruch der spanischen Revolution 1936 ließ noch einmal die libertäre Hoffnung aufflackern. Bemerkenswerter Weise brachte eine wiener anarchosyndikalistische Untergrundgruppe 1936 - 1937, schon zur Zeit der austrofaschistischen Diktatur von der spanischen Revolution inspirierte Flugblätter heraus.

Aus der Zeit der Nazi-Diktatur sind im Moment nur einige in Wien verbreitete (eher individual-) anarchistische Schmähschriften gegen Hitler bzw. den „Anschluss“ an Deutschland bekannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte die libertäre Bewegung in Wien v. a. an die genossenschaftlichen Traditionen eines Pierre Ramus an. Allerdings gab es anders ausgerichtete anarchistische Gruppierungen, v.a. auch in der Steiermark (Schwerpunkt war v.a. Antimilitarismus).

Auch gelang es einer zeitweise recht großen und inhaltlich breit gefächerten, vorrangig libertär/syndikalistische Gruppe in Wien/Hietzing, welche u.a. unter dem Namen “Hietzinger Revolutionärsozialisten und Anarchisten” firmierte, Kontinuitäten von der Zwischenkriegszeit bis in die 1950er Jahre aufrecht zu erhalten (beteiligt waren anfangs auch Ramus, später dann u.a. Newerkla, Lanner, Rudolf Geist).

In Folge der Alternativbewegung in den 1970ern bzw. der Ökologiebewegung in den 80ern, v.a. auch durch die Arena-Bestzung in Wien wurde die libertären Szene verjüngt und wiederbelebt, die Tendenz zu genossenschaftlichen Ideen blieb erhalten.

1993/94 wurde auch erstmals wieder eine FAU-Ö gegründet, wenngleich sie eine auf den Raum Wien begrenzte Initiativgruppe bleiben sollte, die sich mit dem Rückzug ihres Gründers Adi Rasworschegg auflöste. Etwa zur selben Zeit organisierte Adi Rasworschegg den „Pfingstkongress der FAU/IAA“ in Wien, dem die „Libertären Tage“ (gemeinsam mit dem RBH) im vierten Wiener Gemeindebezirk folgten.

Allerdings war die FAU-Ö auch bemerkenswerter Weise in den 1990ern bei zwei wilden Streiks in einem Lager der Lebensmittelkette Billa in Wiener Neudorf beteiligt. Rund 80 Personen bildeten in diesem Zusammenhang die „BILLA Protest Initiative“. Im Zentrallager der BILLA-Supermarktkette war es zu sozialrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen der Geschäftsleitung und den überwiegend türkisch- und kurdischstämmigen ArbeiterInnen gekommen. Hier konnten einige Verbesserungen im Hinblick auf die Arbeitssituation durchgesetzt werden.

In den 90ern ist neben autonomen Gruppen im wesentlichen die sozial-anarchistische Agitpropgruppe Revolutionsbräuhof in Wien zu nennen, die über längere Zeit eine beachtlichen Propandatätigkeit entfaltete, sich allerdings weitgehend auf Theorieverbreitung beschränkte.

Erst gegen Ende der 90er gab es wieder eine Initiativgruppe für eine FAU Wien, die aber nicht von langer Lebensdauer war. Erst mit der Bildung von FAU-Initiativgruppen in Oberösterreich und Vorarlberg kann wieder von einer FAU-Österreich gesprochen werden, die jedoch eher auf dem Papier bestand.

Wohl lag hierin bislang auch das Problem, dass viele beteiligte Personen eher auf der Suche nach einer allgemeinpolitischen libertären/linksradikalen österreichweiten Organisation waren, denn nach einer anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsföderation. Mit der Gründung des Allgemeinen Syndikat Wiens und den Gewerkschaftsinitiativen (vorerst) in den Branchen Sozialarbeit und Bildung erhoffen wir uns, Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, indem wir die anarchosyndikalistischen Organisierung v. a. auch auf die Grundlage des praktischen ökonomischen Kampfes stellen wollen. Jüngst ist auch ein Allgemeines Syndikat in Oberösterreich und in der Folge erstmals seit langer Zeit wieder eine funktionierende österreichweite anarchosyndikalistische Föderation entstanden.

Anmerkungen:
*) Vgl. v.a. Staudacher, Anna: Sozialrevolutionäre und Anarchisten. Die andere Arbeiterbewegung vor Hainfeld. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, 1988.
**) Vgl. einschlägige Publikationen von Hans Hautmann
***) “Was ist und will der Bund herrschaftsloser Sozialisten? Die auf der Bundestagung am 25. und 26. März 1922 angenommenen Leitsätze und Richtlinien unserer Anschauung und Betätigung” Nachdruck der Broschüre durch den Revolutionsbräuhof (RBH). Original erschienen im Verlag “Erkenntnis und Befreiung”, Wien – Klosterneuburg.

P.S.: ACHTUNG! Dies soll keine, schon gar keine vollständige Historiografie des österreichischen Anarchismus sein! Wir haben lediglich versucht die uns bekannten Entwicklungslinien des österreichischen Anarchosyndikalismus nachzuzeichnen, wobei dieser Artikel laufend ergänzt und korregiert wird.

Originaltext: http://anarchosyndikalismus.wordpress.com/geschichte/


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