Kommunistische Konzentrationslager in Bulgarien (1948)

Zwangsarbeit, Hungertod und Folter für die Gegner des roten Faschismus

Trotz der grausamen kommunistischen Unterdrückung in Bulgarien, auf die wir in unserer letzten Ausgabe hinwiesen, sind die Stimmen unserer anarchistischen Kameraden in jenem Land nicht zum Schweigen gebracht worden. Der Bericht des Sekretariats der Anarchistischen Kommunistischen Föderation Bulgariens, den wir im folgenden abdrucken, wurde durch den eisernen Vorhang hindurchgeschmuggelt und uns vom Sekretariat der Internationalen Arbeiter-Assoziation für Westeuropa zugesendet.

"Alle Buchstaben des Alphabets würden nicht ausreichen, um das wahre Wesen der Konzentrationslager in unserem Lande darzustellen. Sie sind mit der Absicht gebaut, Menschen und ihre Freiheit auszurotten. Mit unseren Kameraden Seite an Seite sind Tausende anderer Bulgaren in diesen Lagern. Wir werden einige Fakten und Beispiele nennen, so daß Sie die Wirklichkeit vielleicht beurteilen können.

Die Lager bestehen aus zweiflügeligen Baracken, die aus Holz oder irdenen Ziegelsteinen gebaut sind. Die Betten - übereinander angeordnet - sind 2 Meter lang und 40 cm breit. Auf dem Bett muß der Gefangene gleichzeitig sich und sein Gepäck unterbringen. Von der ersten Nacht an wird er das Wesen der Lager perfekt begreifen. Man kann nicht von Hygiene sprechen, weil es meistens nur ungenügende Mengen Wasser gibt. In den meisten Lagern muß das Wasser von weit her gebracht werden, und dann ist noch nicht einmal genug zu trinken für jeden da. Es ist ein großes Ereignis, wenn jemand seine Kleidung waschen kann - das ist nicht jedem möglich. Nur die Stärksten können ihre Leinenkleidung einmal im Monat, oder einmal in zwei Monaten waschen. Medizinische Hilfe gibt es nur auf Verordnung. Den Ärzten ist es verboten, mehr als die vorgeschriebene Prozentzahl von Fällen krankzuschreiben. Im Lager Kuzjan z.B. beträgt diese Zahl 1%.

Die Qualität des Essens liegt jenseits des Beschreibbaren. Im Lager Kuzjan z.B., das in der Nähe der Stadt Pernik liegt und wo die Arbeit in den Minen schwer und qualvoll ist, beträgt eine Tagesration 600 Gramm Brot und eine "tschorba" genannte Suppe, die nicht die notwendigen Kalorien hat. Monatelang wurde in dem Lager nur Kohl von der schlechtesten Sorte gekocht, wie uns ein Zeuge mitteilte. "Den größten Teil unserer Fett- und Zuckerration behalten die Lagerwachen", berichtete ein Koch, der kürzlich aus dem Lager freigelassen wurde. Das Essen für fast tausend Menschen wird in Kesseln gekocht, die für 200-250 Personen gedacht sind. Das gleiche gilt für das Lager Bogdanov-Dol. In Kesseln, die Essen für 70-80 Personen fassen, wird für 150-200 Personen gekocht. Die Gefangenen arbeiten 15 Stunden pro Tag; sie fertigen Ziegelsteine. Die Situation in diesen Lagern ist besonders schlecht, nachdem seit 1. Januar das Schicken von Kleider- und Essenspaketen verboten ist.

Die schlechten Unterkünfte und das schlechte Essen sind nicht die einzigen Ursachen für die drückende Lage, unter der die Internierten so leiden. Die Arbeitsnorm, die von jedem einzelnen gefordert wird, ist schwer zu erfüllen und außerdem von einem unmenschlichen Bestrafungssystem begleitet. Kuzjan ist bekannt als "Liebkosungen des Todes" und Bogdanov-Dol als "Lager der Schatten".

Die Anarchisten werden ungewöhnlich schlecht behandelt. Oft werden sie gezwungen, 36 Stunden ohne Pause zu arbeiten. Zwölf bis sechzehn Stunden Arbeit sind der Normalfall. Die Männer fallen vor Hunger und Müdigkeit oft um, und es gab auch schon einige Todesfälle, obwohl man die sterbenden Gefangenen in der Regel freiläßt, so daß sie zuhause sterben können und nicht im Lager bleiben müssen.

Die Strafen sind so schlimm, daß sie jenseits jeder Vorstellungskraft liegen. Zusätzlich zu Schlägen, Nacharbeit und Arrest über Monate, wird das berüchtigte "Sterne zählen" angewendet. Die Gefangenen werden gezwungen, den Wachen unter freiem Himmel, bei Nacht, im Regen, Frost und Schnee regungslos gegenüberzustehen. Diese Strafe dauert einen, zwei, drei, vier, fünf oder zehn aufeinanderfolgende Tage, und jene, die diese Bestrafung überstehen, müssen am Tage arbeiten. Diese Strafe wird beim kleinsten Vorwand verhängt. Zum Beispiel wurde einem unserer Kameraden befohlen, "Sterne zu zählen", weil er einen Invaliden vom Arbeitsplatz ins Bett gebracht hatte. Ein anderer, älterer Kamerad erhielt drei Tage für das Verbrechen des Nichtaufstehens, als ein Lageroffizier durch den Saal ging, während er zu Mittag aß.

"Kollektivstrafen" werden oft verhängt. Für den Irrtum eines einzelnen Häftlings wird eine Gruppe, eine Baracke oder vielleicht das ganze Lager bestraft. Diese "Kollektivstrafen" werden oft gegen die Anarchisten benutzt. Es gibt andere spezielle Strafen. Zum Beispiel wurde auf Befehl von oben die Gruppe der Anarchisten aufgelöst. Man beschlagnahmte fast alle ihre Lebensmittel, allein im September 100 kg.

Was wir bis jetzt über die bulgarischen Vernichtungslager gesagt haben, würde ohne einige zusätzliche Details unvollständig sein. In Kuzjan z.B. verbrachten vor einigen Monaten zwei vierzehnjährige Kinder fast zwei Monate Haft. In Bogdanov-Dol und Kuzjan sind immer noch zehn türkische Kinder im Alter von 15-17 Jahren inhaftiert. Zusammen mit diesen Kindern leben 60-70jährige.

Wie im Franco-Spanien und im monarcho-faschistischen Griechenland regiert heute auch in Bulgarien ein Regime des Terrors und der unerträglichen Gewalt. Die Haftzeit unserer Kameraden verlängert sich und das geschieht nun sogar ohne Anklage: "Wer nicht für uns ist, ist ein Feind des Volkes", erklärte kürzlich ein bulgarischer Minister, "und gegen den müssen wir mitleidlos kämpfen." Wenn man Anarchist ist oder einfach ein ehrlicher Mensch, wenn man sich weigert, aus schwarz weiß zu machen oder die neuen Herren anzuerkennen, dann reicht das aus, um als "Volksfeind", "Saboteur" oder "Agitator" abgestempelt und von seinem Heim und seiner Familie getrennt zu werden.

Alle frei denkenden Menschen in der ganzen Welt müssen ihre Stimme erheben und gegen diese Verbrechen protestieren. Wir bitten Sie, diese Fakten bekannt zu machen, so daß sie sich mit uns gegen die bolschewistische Schlächterei erheben können. Nieder mit der Maskerade des falschen Kommunismus und der falschen Kommunisten!

BULGARIEN - Januar 1948

Übermittelt durch das Generalsekretariat der IAA für Westeuropa, vorläufiger Sekretär Bernado Pou.


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Gefangene in den bolschewistischen Konzentrationslagern in Bulgarien, Januar 1948

Liste einiger Anarchisten und Anarchosyndikalisten, die sich in den bolschewistischen Konzentrationslagern in Bulgarien befinden.

1). ALEXANDER DIMITROV ALEXEJEV: Maschinenbaustudent, 28 Jahre alt, stammt aus Isvor-Radomirsko. Durch die Faschisten eingekerkert, verbrachte er vor dem 9. September 1944 eineinhalb Jahre bei den schwarzen Arbeitsbrigaden des faschistischen Bulgariens. Die Geschichte wiederholt sich heute unter dem bolschewistischen Regime. Im Jahre 1945 verbrachte dieser Kamerad fast 6 Monate im Lager Dupniza. Danach wurde er erneut inhaftiert. Die letzten 9 Monate verbrachte er in einem Lager bei Pernik, weil er Mitglied einer anarchosyndikalistischen Studentenorganisation ist und weil er im März 1947 an einer von anarchistischen Studenten organisierten Bewegung teilgenommen hatte, die sich gegen antistudentische Verordnungen richtete.

2). ATANAS DIMITROV METSCHKAROV: 28 Jahre alt, stammt aus Potravo-Sveti-Vratschko. Lehrer und guter anarchistischer Kämpfer. Er hatte die Sympathien seiner Schüler. Die bolschewistischen Behörden, die ihn als "gefährlich" einstuften, inhaftierten ihn vor anderthalb Jahren in Bogdanov-Dol.

3). ANDON DOMUSCHJEV: Dreher. Vor einem Monat in Kuzjan inhaftiert, weil er in seiner Heimatstadt Jambol Propaganda für eine freie Arbeitergewerkschaft machte.

4). VASSIL TODOROV JARDANOV: 44 Jahre alt, Drucker und anarchistischer Kämpfer. Machte lange Jahre der Illegalität und des Exils während des faschistischen Regimes durch. Während des Faschismus zwei Mal im Gefängnis. Wurde am 9. September 1944 freigelassen. Seit 9 Monaten befindet er sich in Kuzjan, weil er vor Sofioter Arbeitern anarchosyndikalistische Ideen verbreitet hatte.

5). VENZESLAV IVANOV BRANDOV: Landwirtschaftsstudent, 25 Jahre alt, stammt aus Vyssoka-Maguila-Dupnitschko. Seit 7 Monaten in Kuzjan inhaftiert, weil er mit einigen Kameraden Flugblätter zur Jahresfeier für den großen Dichter und Anarchisten Christo Botev verteilt hatte.

6). VASSIL JANKOV IVANOV: Bäcker, Organisator der Produktionsgenossenschaft für Brot in Jambol (26.000 Einwohner) nach dem 9. September 1944. Seit vielen Jahren ein Kämpfer für Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Von den Faschisten und Bolschewiken viele Male eingekerkert. Seit einigen Monaten ist er in Kuzjan, weil er einige bolschewistische Bäcker kritisierte und weil er ein Anarchist ist.

7). GEORGI DIMITROV KURTOV (KARAMICHAILOV): Journalist, ehemals Herausgeber der "Rabotnitscheska Missal". Viele Jahre lang in faschistischen Gefängnissen. Zum zweiten Mal in Kuzjan seit nunmehr 6 Monaten inhaftiert, weil er Artikel für die ausländische anarchistische Presse schrieb.

8). DONTSCHO KRISTOV KARAIVANOV: 26 Jahre alt, Medizinstudent. Von den Faschisten brutal gefoltert und zum Tode verurteilt. Mutiger Kämpfer der libertären Jugend. Befindet sich seit 9 Monaten in Kuzjan, danach Tordoravo (Bezirk Silistra) weil er an Studentenprotesten gegen die Hochschulverordnung, die nun Gesetz ist, teilgenommen hatte.

9). DONTSCHO MANDOV : 26 Jahre alt, von den Faschisten mehrere Male von der Universität exmatrikuliert. Zum zweiten Male in bolschewistischen Lagern. Seit mehreren Monaten in Kuzjan, einfach weil er anarchistische Ideen propagierte.

10). DELTSCHO VASSILJEV: 42 Jahre alt, stammt aus Haskovo, Journalist und Kritiker. Seit 20 Jahren Vegetarier. Die Faschisten ermordeten seinen Bruder und die Bolschewiken entschlossen sich, ihn umzubringen. Seit mehreren Monaten in Kuzjan, weil er auf einer öffentlichen Versammlung im Namen des Anarchismus sprach.

11). GELLASKO MILANOV RUSSEV: Medizinstudent. Von den Faschisten oftmals verhaftet und gefoltert. Im Todeslager Kuzjan seit 9 Monaten, nur weil er im März 1947 an Studentenprotesten teilnahm.

12). ILJA DIMITROV METSCHKAROV: 21 Jahre alt, junger Anarchist, nahm an den antifaschistischen Kämpfen als Partisan teil. Wie sein Bruder verbrachte auch er die letzten zwei Jahre im "Lager der Schatten" - Bogdanov-Dol. Wurde beschuldigt, einen Bolschewiken umgebracht zu haben. Trotz eines Freispruchs von einem bolschewistischen Gericht, blieb er während der letzten zwei Jahre im Lager.

13). KOSTADIN DIMITROV KOTSCHINOV: 27 Jahre alt, stammt aus Jambol, Architektur- und Maschinenbaustudent. War anderthalb Jahre in faschistischen Gefängnissen, weil er 1942 an einer militärischen Verschwörung gegen den Faschismus teilgenommen hatte. Er ist seit 9 Monaten in Kuzjan, weil er es gewagt hatte, zum Zeitpunkt der Verhaftungen von anarchistischen Studenten bei Mitgliedern der Regierung telegraphisch zu protestieren.

14). KOSTA ATANASOV: 46 Jahre alt, Tabakarbeiter aus Filipoli. Bekam Tuberkulose nach Verfolgung und Exil unter dem faschistischen Regime. Begeisterte die Tabakarbeiter durch sein Verhalten und seine Reden. Dafür sitzt er seit 6 Monaten in Kuzjan.

15). KOSTADIN ILJEV ZACHARINOV: 28 Jahre alt, stammt aus Radomir, Ingenieurstudent, war über ein Jahr lang bei den schwarzen Arbeitsbrigaden der Faschisten. Nun seit 7 Monaten im Lager. Die Bolschewiken brachten ihn nach Kuzjan, weil er Flugblätter zur Jahresfeier für Christo Botev verteilte.

16). KOLJO STOJANOV KARDJALISKI: 25 Jahre alt, stammt aus dem Dorf Milhalzi-Karlovsko, Chemiestudent. Ebenfalls seit 7 Monaten interniert, weil er versuchte, Flugblätter auf das Grab seines Lehrers, des anarchistischen Revolutionärs und Dichters Christo Botev zu werfen.

17). MANOL VASSEV NIKOLOV: 49 Jahre alt, stammt aus Haskovo, Arbeiter in den Tabakfabriken. Glühender Redner und Propagandist des Anarchismus. Durch die Faschisten gejagt und verfolgt, verbrachte er 23 Jahre in der Illegalität. Diese Verfolgung aber machte seinen Kampf nur noch heroischer, seine Reden nur noch glühender. Die Bolschwiken brachten ihn (zum dritten Mal) vor einem Monat nach Kuzjan.

18). MICHAIL STOJANOV MINDOV: 29 Jahre alt, stammt aus Nova Zagora, Drucker. Vor 9 Monaten zum zweiten Mal eingekerkert, weil er Bulletins und andere Flugblätter der Anarchistischen Kommunistischen Föderation verbreitet hatte.

19). NIKOLINA EVTIMOVA GUERGUJEVA: 23 Jahre alt, stammt aus Haskovo, Druckerin. Vor drei Monaten in Najarevo - Tutrakansko inhaftiert, nachdem die Bolschewiken sie grausam gefoltert hatten. Ihr Verbrechen war es, gefangenen Kameraden geholfen und für den Anarchismus gearbeitet zu haben.

20). SLAVEJKO IVANOV STOJANOV: Chemiestudent, bis zum 9. September 1944 Partisanenkämpfer. Seit 9 Monaten in Kuzjan, weil er im März 1947 eine Rede gegen die Hochschulverordnung gehalten hatte.

21). STEFAN ZLATEV KRESTEV: Bibliothekar, während des faschistischen Regimes elfeinhalb Jahre eingekerkert, davon drei Jahre in der Todeszelle. Durch die Verfolgung ist seine Gesundheit ruiniert. Wurde von den Bolschewiken mehrere Male verhaftet und gefangengehalten. Seit einigen Monaten in Kuzjan, weil er Anarchist ist.

22). TASE ANDONOV DOJTSCHINOV: Medizinstudent, Bruder von Zinovi, einem Kameraden, der von den Hitlerfaschisten ermordet wurde. Seit 7 Monaten zur Zwangsarbeit in den Minen von Kuzjan, weil er Flugblätter auf Botevs Grab warf.

23). CHRISTO KOLEV JORDANOV: 37 Jahre alt, stammt aus Sofia, Techniker und wahrer Anarchist. Von den Faschisten vor dem 9. September 1944 drei Mal verurteilt. Seit der bolschewistischen Machtergreifung zwei Mal gefangengenommen. Zur Zeit in Kuzjan.

24). CHRISTO MINKOV: Bauer aus Bani, Karlovsko. Anarchist. Seit mehreren Monaten in Kuzjan.

25). CHRISTO KOLEV: 21 Jahre alt, junger Anarchist, von den Bolschewiken mehrere Male verhaftet und mißhandelt. Seit mehreren Monaten in Kuzjan.

26). STEFAN KOTAKOV: stammt aus Plovdiv

27). STANAS DIMITROV: stammt aus Stara Zagora

28). IVAN KOLEV: stammt aus Karlovsko

29). KOEZA KARAKOSTAV: stammt aus Nova Zagora

30). TEODOR ARNAUDOV: Schulinspektor aus Nevrokop, seit zwei Jahren inhaftiert.

31). STANKO ZASAROV FILKOV: Lehrer aus Radomirsko

32). GEORGU SIRAKOV: am 6. Dezember 1947 verhaftet, nun im Lager Kuzjan.

33). IVAN NEDJALKOV: am 7. Dezember 1947 verhaftet, nun im Lager Kuzjan.

Unzählige andere Kameraden befinden sich in den Konzentrationslagern Kuzjan, Bogdanov-Dol (nahe Pernik), Najarevo, Tordoravo, Bosna, in Lagern in der Dobrudscha und anderen Teilen Bulgariens.

Bulgarien, Januar 1948

Originaltext: http://www.fau.org/archiv/art_021112183247 und http://www.fau.org/archiv/art_021112183551


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