Dieter Nelles - Internationalismus im Dreiländereck

Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit [1]

Die Ablehnung von Nationen und Staaten und damit auch von Grenzen waren in keiner politischen Bewegung des 20. Jahrhunderts so ausgeprägt wie im Anarchismus und Anarchosyndikalismus. So heißt es in der 1919 von Rudolf Rocker verfaßten Prinzipienerklärung des deutschen Syndikalismus: „Die Syndikalisten verwerfen alle willkürlich gezogenen politischen und nationalen Grenzen; sie erblicken im Nationalismus lediglich die Religion des modernen Staates und verwerfen prinzipiell alle Bestrebungen zur Erzielung einer sogenannten nationalen Einheit, hinter der sich doch nur die Herrschaft der besitzenden Klasse verbirgt. Sie anerkennen nur Unterschiede regionaler Natur und fordern für jede Volksgruppe das Recht, ihre Angelegenheiten und ihre besonderen Kulturbedürfnisse gemäß ihrer eigenen Art und Veranlagung erledigen zu können im solidarischen Einverständnis mit anderen Gruppen und Volksverbänden.“[2]

Im folgenden soll untersucht werden, wie oberschlesische Anarchosyndikalisten versuchten ihre Ideale zu verwirklichen, in einer Region, deren Geschichte im 20. Jahrhundert wie kaum eine andere durch Grenzstreitigkeiten gekennzeichnet war. Es ist nur wenigen Insidern bekannt, daß während der Weimarer Republik in Oberschlesien eine kleine aber sehr aktive und militante anarchosyndikalistische Bewegung existierte. In den Biographien deren führender Repräsentanten spiegelt sich, wie im folgenden gezeigt werden soll modellhaft das Spannungsverhältnis zwischen Theorie und Praxis der anarchosyndikalistischen Bewegung.

In Oberschlesien gab es vor dem Ersten Weltkrieg keine anarchistischen oder syndikalistischen Gruppen. Gegen die gemeinsame Front von Kapital, Klerus und Staat hatten schon die weniger radikalen sozialdemokratischen Gewerkschaften einen schweren Stand.[3] Jedoch stammte Augustin Souchy, einer der bekanntesten deutschen Anarcho-Syndikalisten Sohn eines der ältesten Sozialdemokraten Schlesiens, aus Ratibor.[4]

Die syndikalistische Bewegung in Oberschlesien hatte ihren Ursprung in den großen Streikbewegungen 1918/19, die zum Teil gewaltsam von den brutal vorgehenden Freikorps zerschlagen. Diese Politik wurde maßgeblich von dem sozialdemokratischen Gewerkschaftsfunktionär Otto Hörsing, seit März 1919 Reichs- und Staatskommissar für Oberschlesien, getragen. Deshalb schlossen sich viele Arbeiter der KPD an, die Anfang 1919 zur stärksten Arbeiterpartei in Oberschlesien avancierte. Im Mai 1919 rief die KPD zur Bildung eines revolutionären Gewerkschaftsverbandes auf, der dann im August als „Freie Arbeiter-Union“ (FAU) gegründet gegründet wurde und sich 1920 der „Freien Arbeiter-Union Deutschlands [Syndikalisten]“ (FAUD) anschloß.[5]

Anarchosyndikalistisches Gedankengut wurde dabei von Franz Nowak [Pseudonym Zigeuner] in die Bewegung gebracht. Nowak, der schon vor schon vor 1914 in anarchistischen Gruppen aktiv war, war im Sommer als Maurerpolier auf Baustellen im ganzen Deutschen Reich unterwegs und lebte im Winter in Kravarn (Tschechoslowakei).[6] Es gibt keine genauen Angaben über die Zusammensetzung und Mitgliederzahl der oberschlesischen FAUD. Im Februar 1921 gehörten ihr vor allem Bau-, Berg- und Hütten- und Verkehrsarbeiter (Eisenbahner) an. Ratibor war Sitz der Agitationskommission und blieb bis 1933 das Zentrum des Syndikalismus in Oberschlesien.[7] Darüber gab es auch eine FAU der Tschechoslowakei, die zum Wirtschaftsgebiet Oberschlesien gehörte.[8] Laut Schumann hatte die oberschlesische FAUD im März 1921 ca. 20.000 Mitglieder; die Geschäftskommission der FAUD gab 1921 jedoch nur 1083 Mitglieder für ganz Schlesien an.[9] Für diese große Diskrepanz gibt es zwei Gründe: Zum einen spaltete sich 1920/21 der kommunistisch orientierte Flügel der FAUD in Oberschlesien, der nach Angaben der Polizei 15.000 Mitglieder hatte, ab und schloß sich mit anderen Organisationen im Ruhrgebiet und Mitteldeutschlands zur „Union der Hand und Kopfarbeiter“ zusammen.[10] Zweitens war die oberschlesische FAUD von der 1919 zunehmenden nationalen Aufladung der Klassenauseinandersetzungen in ganz besonderer Weise betroffen. Die Syndikalisten hatte sich aus prinzipiellen Gründen gegen eine Beteiligung an der Volksabstimmung 1921 ausgesprochen.[11]

Damit isolierten sie sich nicht nur von einem großen Teil der deutschen und polnischen Arbeiterschaft sondern wurden auch zur Zielscheibe der nationalistischer Hetze ihrer politischen Gegner. So heißt es in einem Artikel im Syndikalist: „In Oberschlesien weht die Kriegs- und Putschfackel. Die polnische und deutsche Arbeiterschaft ist daran sich für die polnischen und deutschen Kapitalisten, für den polnischen und deutschen Staat den Schädel und die Knochen entzwei zu schlagen. (...) Uns Syndikalisten nannte man von deutscher Seite die ‚polnischen Stoßtrupps‘. Die Polnisch-Nationalen aber nannten uns, ‘deutsche Heimattreue unter der Maske internationaler Völkerverbrüderung‘. Und ein Wutgeheul ertönte, als wir beschlossen, daß wir uns an der Abstimmung nicht beteiligen. Die Gewerkschaftsbeamten schimpften uns ‚Heimatverräter‘. (...) Die syndikalistischen Versammlungen wurden immer mehr gemieden, da die Arbeiterschaft die Wahrheit nicht hören wollte.“[12]

Und nach ihrer eigenen Darstellung wurden vor allem die Syndikalisten von den Freikorps brutal unterdrückt: „Oberschlesien ist zu einem“Tummelplatz aller nationalistischen Parteien und der Orgeschbanden [Organisation Escherich, D.N.] ganz Deutschlands geworden. Und damit häuften sich die Anschläge und Pogrome gegen die Sozialisten, die mit Staaten und Nationalitätenfrage nichts zu tun haben wollten. Parolen und Schauermärchen werden in die die unwissende und nationalistisch verhetzte Arbeiterschaft getragen, um sie gegen die Syndikalisten aufzuputschen. (...) Man hört nur noch den Schrei nach Blut. Man will uns Syndikalisten ausrotten und zum Teil auch die Parteikommunisten. (...) Es ist die nationalistische Bestie, die sich in Oberschlesien austobt. (...) Alle von früher her bekannten Mörderbataillone trifft man in Oberschlesien an. (...). Uns Syndikalisten sind die Händ gebunden. Jede Aufklärungsarbeit unter den verblendeten Klassengenossen ist uns unmöglich gemacht.“[13]

Unter diesen Bedingungen blieben, wie es ein oberschlesischer Syndikalist ausdrückte, „von den großen Scharen der Arbeiterschaft“, die 1919/20 zur FAUD gestoßen waren, „nur die klassenbewußten und klaren Syndikalisten übrig.“[14] 1924 waren die meisten Ortsgruppen der FAUD aufgelöst worden und die führenden Funktionäre in den Betrieben waren spätestens in der Inflationszeit entlassen worden; von den Organisationen in Polnisch-Oberschlesien und der Tschechoslowakei blieben nur einige wenige Genossen übrig.[15] In seinem Tätigkeits- und Kassenbericht bemerkte 1925 Theodor Bennek, der Vorsitzende der Agitationskommission in Oberschlesien: „Das Zweisprachensystem, der Klerikalismus, Nationalismus und Terror der Orgeschbanden machen Oberschlesien zu einem schweren Agitationsfeld“. Die Bewegung habe in den letzen Jahren einen „sehr schweren Stand“ gehabt. Viele der besten Funktionäre hätten wegen der Arbeitslosigkeit Oberschlesien verlassen. Dennoch sei es vereinzelt gelungen „neue Mitglieder aufzunehmen und einen Einfluß auf die Gesamtbewegung auszuüben“. Die Erwerbslosen- und Freidenkerbewegung würden vor allem von syndikalistischen Funktionären getragen. Daß sich diese Aktivitäten nicht in einer größeren Mitgliederzahl niederschlugen, lag nach Meinung Benneks daran, „daß der Organisationsgedanke unter den oberschlesischen Arbeitern noch nicht festen Fuß gefaßt“ habe.[16]

Dies sollte sich bis 1933 nicht ändern. Die Organisationsbereitschaft der oberschlesischen Arbeiterschaft stand oft im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Militanz bei Arbeitskämpfen. Ein wirkliches Interesse für die Arbeiterorganisationen war bei ihnen nur dann vorhanden, wenn diese als Instrument zur unmittelbaren Verbesserung ihrer Lebensbedingungen nützlich erschienen. So blieb die FAUD eine kleine und von „einzelnen Personen“ getragene Kleinorganisation am linken Rand der Arbeiterbewegung. Daß die FAUD aber dennoch einen weit über ihre Mitgliederzahl hinaus weitreichenden Einfluß ausüben konnte, lag daran, daß sie über sehr engagierte und fähige Funktionäre verfügte.[17] Neben den erwähnten Nowak und Bennek ragte vor allem Alfons Pilarski heraus, den die Polizei als „geistigen Führer“ der FAUD bezeichnete.[18] Der 1902 geborene Pilarski vereinte drei Fähigkeiten, die gerade für eine kleine Organisation wie die FAUD von großer Bedeutung waren waren. Er war ein mitreißender Redner, ein talentierter Journalist und fähiger Grafiker.[19]

Pilarski und mit ihm oberschlesischen FAUD-Genossen legten ein sehr großes Gewicht auf die Propaganda. Bis 1925 verfügten sie mit der „Arbeiterstimme“ über ein eigenes Agitationsorgan, das dann aber aus finanziellen Gründen eingestellt werden mußte.[20] Jedoch erschien seit 1928 in Breslau die „Freiheit. Politische Wochenschrift für Schlesien und Oberschlesien“, für die Pilarski als Politischer Redakteur und Bennek für Oberschlesien verantwortlich zeichnete. Das Blatt, das als „die einzige revolutionäre Zeitung im finsteren Osten“ vorgestellt wurde, war ein Novum in der libertären Presse.[21] In einem aggressiven Ton verfaßt und im Boulevardstil aufgemacht, war es vor allem auf die Enthüllung von Skandalen spezialisiert [22] „Die Freiheit“ stellte sofort einen „neuen Rekord“ auf. Von den ersten sieben Nummern wurden zwei beschlagnahmt und die Zeitung für vier Wochen verboten.[23] Offensichtlich kam die Zeitung sehr gut bei den Lesern an; Auflage von „7.000 und mehr“ war für eine radikale Provinzzeitung sehr hoch.[24]

Neben der Herausgabe der „Freiheit“ stellten die unter maßgeblicher Initiative Pilarski gegründeten „Schwarzen Scharen“ eine Besonderheit im deutschen Anarchosyndikalismus dar. Im Oktober 1929 gründeten Mitglieder der FAUD in Ratibor eine antifaschistische Kampforganisationen, die „Schwarze Schar“, deren „besondere Aufgabe“ es war „proletarische Veranstaltungen zu schützen und den Faschismus mit allen Mitteln zu bekämpfen“.[25] Das Neue an der Schwarzen Schar war die Uniformierung, die in der anarchosyndikalistischen Bewegung sehr umstritten war. Der Aktivismus der Schwarzen Schar zeigte sich in verstärkter Propagandaarbeit in Ratibor und Umgebung.[26] Im November 1929 wurde die Schwarze Schar in Beuthen gegründet, 1930/31 kamen noch Gruppen in Rosenberg, Katscher, Gleiwitz und Bobrek-Karf hinzu. „Überall ist die S.[chwarze] S.[char] stärker als die FAUD, sondern auch stärker als die kommunistische Arbeiterwehr“, heißt es 1930 in einem Bericht der oberschlesischen FAUD und man wolle den von „von gutem Erfolg geprägten Weg“ weitergehen. [27] Zur ihren Versammlungen konnten die Schwarze Scharen nach ihren eigenen Angaben bis zu 1.500 Teilnehmer mobilisieren, nach Angaben der Polizei durchschnittlich 300-400.[28]

Das Beispiel der Schwarzen Scharen in Oberschlesien zeigte, daß einige wenige fähige und überzeugte Syndikalisten reichten, um Einfluß auf die antifaschistischen Aktivitäten zu gewinnen.[29] Die Frage der nationalen Zugehörigkeit spielte in der FAUD und auch in den Schwarzen Scharen keine Rolle. In Beuthen gehörten nach Angaben Czakons „viele polnische Deserteure“ der FAUD an.[30] Daß die Gründung der Schwarzen Scharen gerade von oberschlesischen Anarchosyndikalisten ausging, ist vielleicht kein Zufall. Angesichts ihrer Erfahrungen mit den Freikorps hatten sie schon 1921 hellsichtig bemerkt, daß die „nationale Bestie, einmal gereizt überhaupt keine Rücksicht und Grenzen kennt“.[31] Pilarski vertrat schon 1930 die Meinung, wenn der Faschismus siege, werde die Arbeiterbewegung um 30 Jahre zurückgeworfen.[32] Dieser Einschätzung entsprechend bereiteten sich die oberschlesischen Anarchosyndikalisten auf eine gewaltsame Auseinandersetzung mit den Nazis vor. Die Schwarze Schar in Ratibor verfügte über ein Maschinengewehr und mehrere Pistolen. Im Mai 1932 entdeckte die Polizei bei einem Mitglieder Schwarzen Schar Beuthen ein geheimes „Strengstofflager“. Die in diesem Zusammenhang verhafteten Georg Bierowski, Max Basista, Roman Kaluza und Alois Kaczmierczak aus Beuthen wurden im März 1933 zu einer Zuchthausstrafe von je zehn Jahren verurteilt.[33] Paul Czakon, dem Leiter der FAUD in Beuthen, Alfons Molina und Bernhard Pacha, gegen die in diesem Zusammenhang ebenfalls ermittelt wurde, gelang dank ihres grenzüberschreitenden Netzwerkes der Anarchosyndikalisten die Flucht nach Spanien. Sie erhielten falsche Papiere von ihrem Genossen Leo Marek aus Kravarn in der Tschechoslowakei, der nicht nur ein exzellenter Paßfälscher war sondern auch Eisenbahnfahrkarten fälschen konnte.[34]

Offensichtlich geriet auch Pilarski in die Ermittlungen, denn er emigrierte im September 1932 nach Polen.[35] Die erzwungene Emigation war für Pilarski nicht so ein einschneidendes Erlebnis wie für andere Emigranten. Zum einen wegen des ausgeprägten internationalistischen Selbstverständnisses der Anarchosyndikalisten, zum anderen weil er fließend polnisch sprach und legal leben konnte, faßte er schnell Fuß in Polen.[36] Als Stipendiat des polnischen Instituts für Erforschung der nationalen Probleme studierte er1933/34 in Warschau. Von 1934-1936 war er Bezirkssekretär der Zentrale der Gewerkschaften (Central Wydzial Zawodny) ZZZ - kurz Dreizack genannt - im Dabrowa Becken. Jedrzey Moraczweski, der erste Ministerpräsident Polens 1918/19, war Vorsitzender der ZZZ, die 1937 130.000 zahlende Mitglieder zählte. [37] Innerhalb des ZZZ gab es einen konspirativ organisierten syndikalistischen Flügel, der von Pilarski geleitet wurde.[38]

Zu seinen Genossen in Ratibor und zu Souchy in Paris unterhielt Pilarski lose Verbindungen. Nach der Machtübergabe an Hitler waren vereinzelte Mitglieder der FAUD festgenommen worden.[39] Die Ratiborer brachten illegale Schriften aus Polen und der Tschechoslowakei nach Deutschland, die auch in Beuthen, Gleiwitz und Hindenburg verteilt wurden.[40]. Mit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs wurden die Beziehungen zwischen den in Deutschland verbliebenen und den im Exil lebenden Anarchosyndikalisten enger geknüpft. Der bewaffnete Aufstand des spanischen Proletariats gegen das putschende Militär unter General stoppte nicht nur den Vormarsch des Faschismus in Europa, sondern war zugleich - was oft vergessen wird - der Beginn einer beispiellosen sozialen Revolution, die vor allem von getragen wurde.

Czakon, Molina und Pacha waren an der Seite ihrer spanischen Genossen am Aufstand beteiligt und kämpften später in anarchistischen Einheiten.[41] Souchy, der lange Jahre Sekretär der anarchosyndikalistischen Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) avancierte in Spanien zu einer Art Außenminister der spanischen Anarchosyndikalisten. In dieser Funktion betreute er u.a. die zahlreichen ausländischen Journalisten, Politiker und Schriftsteller in Barcelona und unternahm zahlreiche Auslandsreisen, um Solidaritätsaktionen für die Spanische Republik zu organisieren. In Absprache mit Czakon bat Souchy, der fähige internationale Mitarbeiter brauchte, Pilarski nach Spanien zu kommen. Dieser Plan scheiterte letztlich am Widerstand des Vorstands der ZZZ, die offensichtlich einen so fähigen Mitarbeiter wie Pilarski nicht ziehen lassen wollten. Bis zum Kriege war Pilarski Redakteur der „Front Robotniczy“ und im Juni 1939 wurde er als Mitglied des Präsidiums der ZZZ kooptiert.[42] Statt Pilarski machten sich aber drei andere oberschlesische Anarchosyndikalisten im Sommer 1937 auf den Weg nach Spanien: Heinrich Friedetzki, Max Piechulla und Richard Pilarski.[43] Behilflich war ihnen dabei der bereits erwähnte Marek und Johann Essler Witkowitz (Tschechoslowakei), die von Souchy die notwendigen Informationen und Papiere sowie Broschüren und Zeitungen aus Spanien erhielten.[44]

Unter dem Eindruck der Niederlage der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus unterzog Pilarski zentrale anarchosyndikalistischen Prinzipien einer Revision.[45] Die „patriotischrevolutionäre Mentalität der Dreizacks“, schrieb er 1937 an Souchy, sollte nicht bekämpft werden, „denn dies wäre ebenso fehlerschwer wie die Vergeudung und Engagierung von Kräften zur Bekämpfung der Religion“.[46] Auf dem Kongreß der IAA im Oktober 1938, trat Pilarski als polnischer Vertreter vehement der Auffassung des niederländischen Delegierten Albert de Jong entgegen, daß jeder Krieg zwischen demokratischen und faschistischen Staaten „imperialistisch” sei und eine „gewisse Angst” vor der „Machtsteigerung des Nationalsozialismus” nicht “zum Eintreten für den antifaschistischen Krieg führen” dürfe. Unter Beifall der spanischen Delegierten trat Pilarski für eine „bewaffnete Verteidigung“ der Tschechoslowakei ein. Er wandte sich „gegen demokratische Illusion aber für demokratische Rechte und antifaschistische Frontbildung bis zur äußersten Konsequenz“. Darüber hinaus plädierte er für „eine differenziertere Anwendung“ der anarchistischen „Staatsgegnerschaft“ und in einem gewissen Umfang für die „Anerkennung der nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen“ in Mitteleuropa.[47]

Während des Krieges kämpfte Pilarski illegal gegen die deutschen Besatzer in einer illegalen syndikalistischen Organisation und nahm am Warschauer Aufstand teil, wo er schwer verwundet wurde. Nur „dank einem glücklichen Zufall“, schrieb er 1975, waren er und seine Familie dem Todeslager Auschwitz entgangen. Nowak und Franz Wrobel, ein Veteran der FAUD aus Bismarckhütte, wurden noch kurz vor Kriegsende im KZ Groß-Rosen bzw. KZ Flossenbürg umgebracht.[48] Friedetzki überlebte die KZs Sachsenhausen und Ravensbrück, Piechulla war bis 1943 Gefangener bei Franco und konnte dann als „Pole“ nach London reisen, Czakon kämpfte in der Résistance.

Soweit es ihnen möglich war, nahmen die ehemaligen Genossen nach dem Kriege Kontakt zueinander auf. Pilarski korrespondierte in den ersten Jahren mit den führenden anarchosyndikalistischen Theoretikern Rudolf Rocker in den USA und Helmut Rüdiger in Stockholm.[49] Er trat 1947 der Polnischen Arbeiterpartei PPR (Polska Partia Robotnicza) und später der PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotncza) PPR bei, was von seinen im Ausland lebenden deutschen Genossen kritisch zur Kenntnis genommen wurde. So kritisierte Rüdiger, scharf, daß Pilarski zu weit gehe in der Anpassung an den polnischen Nationalismus. Zwar hatte er Verständnis für die „nationalen Reaktionen anderer Völker gegen Deutschland“ und „weitgehende Annektionen deutschen Landes durch Polen ohne Bedenken hingenommen“. Aber kein „nationales Interesse“ könne verlangen, „daß 8 Millionen Menschen aus ihren Heimen vertrieben werden“, damit könne sich kein Sozialist solidarisch erklären.[50]

Im Januar 1950 wurde er aus politischen Gründen aus der Partei ausgeschlossen und im April 1954 verhaftet und bis zum 30. November 1954 inhaftiert. Seit 1956 war er „Reklamechef“ in der staatlichen Zentrale des Buchhandels. Nach seiner Pensionierung 1969 lebte Pilarski, von einer „schäbige[n] Rente“ aber dennoch glücklich in einer „winzigen 2 Zimmerwohnung“. Er hatte „Orden- und Ehrenzeichen“ stets abgelehnt und war auch dem „polnischen Kriegerverein“ nicht beigetreten.[51]

Wie seinem Briefwechsel mit dem in Kanada lebenden Piechulla zu entnehmen ist, pflegte Pilarski Anfang der 70er Jahre intensive Kontakte zu den in Polen und der DDR lebenden oberschlesischen Genossen. Er hatte auch Kontakte zu Souchy in München und reiste in den kapitalistischen Westen. Jedoch scheiterten häufigere Besuche im Westen als auch Gegenbesuche, wie Pilarski es ausdrückte, an der „Bürokratie unserer devisenlüsternen Demokratie“. Vor dem Ersten Weltkrieg sei es für Handwerksburschen leichter gewesen Grenzen zu überschreiten als für Touristen im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert.[52] Gegenüber Piechulla resümierte er sein politisches Leben folgendermaßen: „Jedenfalls habe ich (und meine hiesigen Gesinnungsfreunde) seit meinem Verlassen Deutschlands 1932 in der verschiedensten Weise und Form meine revolutionäre Pflicht erfüllt und das im Einklang mit den Idealen des freiheitlichen Sozialismus, den ich auch jetzt als 71jähriger und politisch von der herrschenden Partei ‚abgestellter Aktivist‘ weiterhin als einzige erstrebenswerte Organisationsform der menschlichen halte, wenn gleich ich auf Grund meiner Erfahrungen weit davon entfernt bin, das Werden der neuen Gesellschaft (...) als einen wissenschaftlich berechenbaren Prozeß anzusehen.“[53]

Als einer der wenigen noch lebenden Zeugen hatte Pilarski schon in den 50er Jahren daran gedacht, einen Beitrag zur Geschichte der syndikalistischen Bewegung Polens zu schreiben. Vermutlich hat er dieses Vorhaben nicht in die Praxis umgesetzt. Leider, denn die Aktivitäten Pilarskis und der oberschlesischen Anarchosyndikalisten stellen zwar ein marginales, aber, wie ich meine, dennoch beachtenswertes Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungen dar, das näher erforscht werden sollte.

Ausgewählte Biographien oberschlesischer Anarchosyndikalisten

Czakon, Paul (Max), geb. 14.7. 1897 in Nieder-Heiduk, Schlosser. Czakon war Vorsitzender der FAUD in Beuthen/Oberschlesien und 1930 Mitbegründeter der Schwarzen Schar. Bei einer Hausdurchsuchung im Mai 1932 entdeckte die Polizei das Waffen- und Sprengstofflager der Gruppe. Czakon floh mit zwei Genossen nach Spanien. Czakon, der sich in Spanien Maximo Mas nannte, war während des Bürgerkriegs Chef des Artillerie-Bataillons ‚Sacco und Vanzetti‘, das der Milizkolonne Tierra y Libertad angehörte. Im September 1936 kämpfte die Kolonne in Madrid und im Frühjahr 1937 in Cuenca an der Teruelfront. Zuletzt war er Offizier im Range eines Hauptmann. Im Internierungslager Gurs in Frankreich war Czakon einer der Sprecher der sogenannten 9. Kompanie, die sich gegen die Vorherrschaft der kommunistischen Freiwilligen im Lager zur Wehr setzte. Nach der deutschen Okkupation Frankreichs schloß Czakon sich einer militärischen Einheit der Résistance an. Er kehrte nach Deutschland zurück, wo er seine Frau wieder traf, die bis zum Ende des Krieges in einem KZ gesessen hatte. Um einer Verhaftung zu entgehen, floh er aus der damaligen sowjetisch besetzten Zone nach Salzgitter, wo er 1949/50 völlig verarmt starb.[54]

Nowak, Franz [Ps.: Zigeuner], geb. 30.8. 83 in Kravarn, Maurerpolier. Nowak arbeitete im Sommer auf Baustellen im gesamten Reichsgebiet. Seit 1907 wurde er als Anarchist von der politischen Polizei überwacht. Er wurde mehrmals verhaftet, u.a. während der Kaiserbesuche in Breslau 1909 und 1910. Von 1912-1924 lebte er im damals russichen Lodz. 1915 einige Wochen Sicherheitshaft in Hindenburg, später Armierungssoldat in Breslau. Nach 1918 war er einer der führenden Anarchosyndikalisten in Oberschlesien. Er lebte im Winter in Kravarn (Tschechoslowakei), wo er 1922 ausgewiesen wurde. Er wohnte danach in Waldorf bei Rückers (Kreis Glatz). Von März 1933 bis Dezember 1933 im KZ Esterwegen inhaftiert. Am 28.10. 1944 erneut verhaftet und im Januar 1945 im KZ Groß-Rosen ermordet.[55]

Alfons Thomasz Pilarski [Pseudonym: Kompardt], geb. am 6. Juli 1902 in Leschnitz, Kreis Groß Stehlitz als Sohn des Arbeiters Piotr und seiner Frau Rosalie, geb. Mikus. Von 1917 bis 1921 arbeitete Pilarski als Zeichner bei der Bauverwaltung des Magistrats Ratibor. 1921 absolvierte er als Externer das Abitur am Mathias Gymnasium in Breslau. Er wurde 1918 Mitglied der Kommunistischen Partei Oberschlesiens (Spartakusbund), die sich später der KPD anschloß. Nach dem Heidelberger Parteitag im Oktober 1919, auf dem sich die linkskommunistische und syndikalistische Opposition abspaltete, tat Pilarski aus der KPD aus. Er wurde Mitglied der FAUD, für die er auch reichsweit als Propagandist tätig war. Von 1921 bis 1927 arbeitete er als Zeichner und Praktikant für den anarchosyndikalistischen Fritz Kater Verlag. Seit 1928 war er politischer Redakteur der Freiheit in Breslau und Ratibor. Zwischen 1919-1932 war er mehrmals verhaftet und saß insgesamt 19 Monate im Gefängnis. Im September 1932 floh Pilarski nach Polen, weil er in Deutschland mit einer Verhaftung rechnen mußte. 1933/34 studierte er in Warschau als Stipendiat des polnischen Institutes für Erforschung der Nationalen Probleme (Instytut Badan Narodowych). Von 1934 bis 1936 war er Bezirkssekretär des ZZZ im Dabrowa Becken und bis Juni 1937 in der Hauptverwaltung der Gewerkschaften der Metallarbeiter. Von Juni 1937 bis Februar 1939 arbeitete er in der Redaktion der „Front Robotniczy“ und im Juni 1939 wurde er kooptiert als Mitglied des Präsidiums der ZZZ. Er leitete die konspirativ operierende syndikalistische Opposition in der ZZZ. 1937 heiratete er seine Frau Halina, die aus einer polnischen Arbeiterfamilie stammte und in Warschau Philosophie studiert hatte. 1944 wurde ihre Tochter Joanna geboren.

Nach der deutschen Okkupation flüchtete Pilarski in den später sowjetisch besetzten Teil Polens, wo er in Mozejki bei Wilna als Arbeiter lebte. Seit Mai 1942 war er wieder in Warschau und aktiv in der geheimen syndikalistischen Organisation „Wolnosc“ (Freiheit). Am Warschauer Aufstand nahm er in den Reihen der sozialistischen Wehrorganisation „Polska Armia Ludowa“ (PAL) teil. Nach acht Tagen wurde er schwer verwundet. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde er mit seiner Familie nach Ojcow bei Krakau evakuiert.

Nach der Befreiung arbeitete Pilarski im Januar 1945 als Sekretär für Propaganda im Krakauer Bezirkskomitee der Gewerkschaften, von Juni 1945 bis Dezember 1947 war er Angestellter in verschiedenen Betrieben in Schlesien. Von Januar 1948 bis Juni 1950 arbeitete er als Beamter im Ministerium für Westliche Gebiete, später im Ministerium für Öffentliche Verwaltung. Wegen seines Parteiausschlusses mußte Pilarski das Ministerium verlassen. Danach arbeitete er bis zu seiner Pensionierung 1969 in der staatlichen Zentrale des Buchhandels „Dom Ksiazki“. Pilarski wurde im April 1954 aus politischen Gründen verhaftet und war bis zum 30. November 1954 inhaftiert. Er starb am 3. Februar 1977 in Warschau.[56]

Fußnoten:
[1] Für die Zusendung von Materialien danke ich Knut Bergbauer, Hartmut Rübner und Feliks Tych
[2] Prinzipienerklärung der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Syndikalisten) (FAUD) angenommen im Dezember 1918, in: Hans Manfred Bock: Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik. Aktualisierte und mit einem Nachwort versehene Neuausgabe, Darmstadt 1993, S. 363-367, hier S. 367.
[3] Lediglich in Breslau und Görlitz gab es vereinzelte Anarchisten. Ulrich Linse: Organisierter Anarchismus im Kaiserreich von 1871, Berlin 1969, S, 265. Zu Gewerkschaften und Sozialdemokraten vgl. Franciszek Hawranek: Deutsche und polnische Sozialdemokratie in Oberschlesien, in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung künftig (zit. IWK), 15 (1979), S.105-114; Reinhard Krämer: Zur Gewerkschaftsbewegung in Oberschlesien von den Anfängen bis zur Teilung (1869-1922), in: IWK 29 (1993), H. 4, S. 471-490.
[4] Augustin Souchy: „Vorsicht Anarchist!“ Ein Leben für die Freiheit. Politische Erinnerungen, Darmstadt 177.
[5] Vgl. Wolfgang Schumann: Oberschlesien 1918/19. vom gemeinsamen Kampf deutscher und polnischer Arbeiter; Rainer Eckert: Arbeiter in der preußischen Rheinprovinz, Schlesien und Pommern 1933 bis 1939 im Vergleich, Frankfurt/Main 1997, S. 182f; Ralph Schattkowsky: Die Kommunistische Partei Oberschlesiens 1918/19 bis 1922, in Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung 30 (1988), S. 26-33. Zur FAUD allgemein vgl. Bock (wie Anm. 2) und Hartmut Rübner: Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994.
[6]. Vgl. Linse (wie Anm. 2), S. 265. Auf dem Gründungskongreß der FAUD war Nowak nur als Gast anwesend. Vgl. Protokoll über die Verhandlungen vom 15. Kongreß der FAUD (S). Abgehalten am 27., 28., 29. und 30. Dezember 1919 in Berlin, Berlin 1920.
[7] Vgl. Syndikalistischer Kongreß in Oberschlesien, in: Der Syndikalist 3 (1921), Nr. 11.
[8] Diese hatte nach eigenen Angaben Ende 1922 zwei Ortsvereine mit insgesamt 1000 Mitgliedern. Vgl. Wayne Thorpe: „The Workers Themselves“. Revolutionary Syndicalism and International Labour, 1913-1923, Dordrecht 1989, S.244, 247, 313; Der Syndikalist 4 (1922), Nr. 51.
[9] Vgl. Vgl. Schumann (wie Anm. 4), S. 124; Hans Manfred Bock: Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK 25 (1989), H. 3, S. 293-358, hier S. 315. Die Freien Gewerkschaften hatten 1921 134.000, die Christlichen Gewerkschaften 50.000, die Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaften 30.000 und die Polnischen Gewerkschaften 120.000 Mitglieder. Vgl. Krämer (wie Anm. 2), S. 490.
[10] Vgl. Bock (wie Anm. 1), Syndikalismus und Linkskommunismus, S. 181.
[11] Vgl. die dazu von Alfons Pilarski verfaßte Resolution der oberschlesischen FAUD in: Der Syndikalist 3 (1921), Nr. 11.
[12] Brief aus Oberschlesien, in: Der Syndikalist 3 (1921), Nr. 16.
[13] Weißer Terror in Oberschlesien, Der Syndikalist, Nr. 23.
[14] Reichskonferenz der FAUD, in: Der Syndikalist 6 (1924), Nr. 1924. Auch im Rheinland und im Saarland wurde 1923 die nationale Frage zum Sprengsatz für die Syndikalisten,, weil sie sich geweigert hatten, die Politik der passiven Resistenz gegen die französischen Besatzer zu unterstützen. Vg. Dieter Nelles: Syndikalismus und Linkskommunismus – Neuere Ergebnisse und Perspektiven der Forschung, in: IWK 31 (1995), S. 348-356, hier S. 354.
[15] Vgl. Bolek: Aus Polnisch-Oberschlesien, in: Der Syndikalist 12 1930), Nr. 26.
[16] Siebente oberschlesische Bezirkskonferenz in Ziegenhals, in: Der Syndikalist 7 (1925), Nr. 24.
[17] Nowak bemerkte dazu, daß die Arbeiterbewegung in Schlesien vielleicht mehr an „einzelnen Personen“ hänge, wie in anderen Teilen Deutschlands. Reichskonferenz der FAUD, in: Der Syndikalist 6 (1924), Nr. 1924. Die FAUD hatte 1933 hatte 100 Mitglieder in Oberschlesien und Ortsgruppen in Beuthen, Gleiwitz, Hindenburg, Katscher und Ratibor. Vgl. Statistik über die Industrieföderations-Mitgliedschaft der FAUD (AS), in: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (künftig zit. GStA), Rep. 219, Nr. 140; Stapo Oppeln an Geheimes Staatspolizeiamt, 24.2. 1938, in: Bundesarchiv Koblenz (künftig zit. BAK), R 58, Nr. 319, Bl. 189-194.
[18] GStA, Rep. 219, Nr. 72, Bl. 29.
[19] Vgl. Kurzbiographie von Pilarski im Anhang.
[20] Siebente oberschlesische Bezirkskonferenz in Ziegenhals, in: Der Syndikalist 7 (1925), Nr. 24.
[21] Der Syndikalist 10 (1928), Nr. 17.
[22] Von der Freiheit sind leider nur noch sehr wenige Exemplare erhalten. Vgl. Ralf G. Hoerig/Jochen Schmück: Datenban des deutschsprachigen Anarchismus – DadA, Dok. Nr.: DA-P001709 (www.free.de/dada-p/Pooo1709.HTM). So lauteten die Schlagzeilen 1928/29 „Raiffeisen-Pleite“, „Sexual-Verbrechen eines Lehrers“, „Intimes aus Breslauer Kriegervereinen“, Breslauer Pfarrer als Sittlichkeitsschnüffler“, „Ein Casanova beim Breslauer Landgericht“, „Ein Breslauer Pfarrer treibt Nacktkultur“, „Perversitäten der Kirche“.
[23] Der Syndikalist 10 (1928), Nr. 19.
[24] Der Syndikalist 12 (1930), Nr. 5.
[25] PAB-Konferenz Oberschlesien. Es geht vorwärts!, Der Syndikalist 12 (1930), Nr. 19.
[26] Sie trugen schwarze Blusen, schwarze Baskenmützen, Koppel und Schulterriemen; Koppelschlösser und Schulterriemen und Mützenkokarden zierte das antimilitaristische Symbol des zerbrochenen Gewehrs. Falls nicht anders zitiert vgl. zur Schwarzen Schar, Ulrich Linse: Die „Schwarzen Scharen“ – eine antifaschistische Kampforganisation deutscher Anarchisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstands und der Arbeit, Nr. 9 (1989), S. 47-66; ders.: Militante Abwehr gegen den Nationalsozialismus 1929-1933. „Schwarze Scharen“ und Kampfgemeinschaften gegen Reaktion und Faschismus“,. Mauskript 1991. Ein besonderes Augenmerk legte die Schwarze Schar auch auf den Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218; 1930 war die FAUD-Aktivistin Albrecht wegen über 100 illegaler Abtreibungen in einem aufsehenerregenden Prozeß zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden. Vgl. Dieter Nelles: Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: IISG Research Papers 40. Free Love and the Labour Movement. Papers presented at the workshop ‚Free Love and the Labour Movement‘. Institute of Social History, Amsterdam, 6-7 October, Amsterdam 2001, S. 27-32, hier S. 31.
[27] PAB-Konferenz Oberschlesien. Es geht vorwärts!, Der Syndikalist 12 (1930), Nr. 19. Das bezog sich aber zu diesem Zeitpunkt nur auf die Gruppen in Beuthen und Ratibor; die Gleiwitzer und Hindenburger FAUD lehnte die Schwarzen Scharen ab, weil sie befürchteten, daraus könne sich eine militärische Organisation entwickeln. Die Gleiwitzer änderten offensichtlich ihre Meinung.
[28] Vgl. Versammlungsberichte in GStA, Rep. 219, Nr. 72, 82, 140; Der Kampf um Oberschlesien, in: Der Syndikalist 13 (1931), Nr. 40.
[29] Während die FAUD wegen der Wirtschaftskrise immer mehr Mitglieder verlor, konnten in einigen Orten mit aktiven Schwarze Scharen dieser Trend umgekehrt werden. In Ratibor hatte die FAUD 1931 18 und 1932 32 Mitglieder, in Gleiwitz 13 bzw. 16 und in Katscher wurde erst 1931 eine Ortsgruppe der FAUD gegründet. Vgl. Zahlen in: GStA, Rep. 219, Nr. 140.
[30] Vgl. Protokoll über die Verhandlungen des 18. Kongreß der FAUD (AS), abgehalten vom 29. Mai bis 1. Juni 1930 im „Atlantik“, Berlin Gesundbrunnen, Berlin 1930,  S. 72.
[31] Weißer Terror in Oberschlesien (wie Anm. 12); Interview Heinrich Friedetzki mit Dieter Nelles, 29.4. 1990. Vgl. auch: Sie werden kaputt gemacht und merken das nicht mal! Ein Gespräch mit Heinrich Friedetzki, in: direkte aktion 121, Mai/Juni 1987.
[32] Interview Friedetzki (wie Am. 30)
[33] Vgl. Urteil gegen Bierowski u.a., in: Bundesarchiv-Zwischenarchiv Dahlwitz Hoppegarten (künftig zit. BA-ZW), Z/C 5296.
[34] Sie wurden begleitet von Pilarskis jüngerem Bruder Richard, der allerdings nicht mit Spanien ging, sondern in Paris blieb. Interview Friedetzki (wie Anm. 30).
[35] Glaubt man den Erinnerungen des Berliner Gerhard Reinicke, dann lebte Pilarski einige Zeit in Berlin und plante mit anderen Oberschlesiern ein Attentat auf Hitler. Interview Gerhard Reinicke mit Dieter Nelles, 10.5. 1990. Der erwähnte Pacha hielt sich bis zur Machtübergabe an Hitler illegal in Berlin auf und folgte dann erst seinen Genossen nach Spanien. Vgl. Wiedergutmachungsakte Bernhard Pacha, Stadtarchiv Remscheid,
[36] Zum anarchosyndikalistischen Exil vgl. Rudolf Berner, Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland (1937). hrsg. , annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von Andreas G. Graf und Dieter Nelles, Berlin 1997, S. 71-129.
[37] Vgl. Feliks Tych: Lebenslauf Alfons Tomasz Pilarski, Manuskript, 2 S.;  Albert de Jong: Der Syndikalismus in Polen, in: IAA-Pressedienst 1939, H. 2, S. 16-18.
[38] Pilarski an Souchy, Januar 1937, in: Internationales Institut für Sozialgeschichte, Amsterdam (künftig zit. IISG), Archiv Federación Anarquista Iberíca - Propaganda Exterior (künftig zit. FAI-PE), Film 80.
[39] Georg Bennek - nicht verwandt mit Theodor Bennek - aus Ratibor war vom März 1933 bis Juni 1934 inhaftiert, Johann Onderka aus Hindenburg von April bis Juni 1933. Vgl. Stapo Oppeln an Geheimes Staatspolizeiamt, 24.2. 1938, in: Bundesarchiv Koblenz (BAK), 58, Nr. 319, 189-193.
[40] Interview mit Heinrich Friedetzki, 29.4. 1990; Gespräch mit Heinrich Friedetzki (wie Anm. 31) Ob die Verhaftung von fünf Anarchosyndikalisten 1935 damit in Zusammenhang standen, ist nicht geklärt. Die Brüder Ignatz und Johann Stoklossa waren von Mai 1935 bis Dezember 1936 inhaftiert; Johann Onderka von Mai bis Dezember 1935. Theodor Bennek war seit Oktober 1935 im KZ Sachsenhausen. Vgl. Stapo Oppeln an Geheimes Staatspolizeiamt, 24.2. 1938, in: BAK, R 58, Nr. 319, 189-193.
[41] Vgl. Dieter Nelles: Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK 33. (1997), S. 500-519.
[42] Souchy an Pilarski, 18.12. 1936, in: IISG, Film 80.
[43] Richard Pilarski, der jüngere Bruder von Alfons, blieb in Paris, da anarchistische Genosse aus Perpignan sie nicht illegal über die Grenze nach Spanien brachten. Da sie nun nicht mehr die Möglichkeit hatten in einer anarchistischen Einheit zu kämpfen und auch nicht als Emigranten in Paris oder Schweden leben wollten, meldeten sich Friedetzki und Piechulla als Freiwillige bei den Internationalen Brigaden. Ihr Mißtrauen gegenüber den deutschen Kommunisten war berechtigt. So heißt es in einem Dossier des geheimen Nachrichtendienstes der KPD in Spanien: „In Spanien stand er [Piechulla] unter Kontrolle, weil der Verdacht bestand, daß er sowie Friedetzki mit bestimmten Aufträgen von der deutschen Gestapo nach Spanien geschickt wurden.“ Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisation der DDR im Bundesarchiv, Berlin (künftig zit. SAPMO), RY 1, I 2/3/89, Bl. 11. Friedetzki und Piechulla gerieten im März 1938 in Gefangenschaft. Es unterstreicht das internationalistische Selbstverständnis, daß sich Friedetzki dort als Tscheche und Piechulla als Pole ausgab. Interview Friedetzki (wie Anm. 30); Gestapo-Akte Friedetzki,  BA-ZW, NJ 3494.
[44] Vgl. Leo Marek an Augustin Souchy, 7.1. 1937, in: IISG, Archiv FAI-PE, Film 80. Aus diesem Schreiben geht hervor, daß auch Nowak [Zigeuner] nach Spanien gehen wollte. Möglicherweise lebte Nowak zu dieser Zeit in der Tschechoslowakei, da dieser in den Listen der Gestapo nicht mehr auftaucht.
[45] In den zwanziger Jahren hatte Pilarski einen eher dogmatischen Standpunkt vertreten. Aus prinzipiellen Erwägungen hatten er dagegen protestiert, daß die FAUD an der Volksabstimmung über die Fürstenenteignung teilgenommen hatte. Vgl. Alfons Pilarski: Front gegen den Reformismus, in: Der Syndikalist 8 (1926), Nr. 8.
[46] Pilarski an Souchy, Januar 1937, IISG, Archiv FAI-PE, Film 80.
[47] Helmut Rüdiger: Kurzer Bericht über den Kongreß der IAA 1938, in: IISG, Nachlaß Emma Goldmann, XXXVI Annex, Bl. 25124-25135
[48] Pilarski an Max Piechulla, August 1973, in: IISG, Nachlaß Souchy, Nr. 18.
[49] Pilarski plante 1946 in einer von ihm gegründeten Verlagsgenossenschaft in Lodz Rockers Buch „Nationalismus und Kultur“ herauszugeben. Vgl. IISG, Archiv Rocker, Nr. 179.
[50] Helmut Rüdiger an Werter Genosse [Pilarski], 31.1. 1947, in: IISG, Nachlaß Rüdiger, Nr. 57.
[51] Pilarski an Max Piechulla, August 1973, in: IISG, NL Souchy, Nr. 18
[52] Pilarski an Piechulla, Februar 1975, ebd.
[53] Pilarski an Piechulla, August 1973: ebd..
[54] Vgl. Theodor Bennek: Theodor Bennek: Paul , in: Die freie Gesellschaft 3 /1952), Nr. 33/34, S. 66; Nelles (wie Anm. 41), Deutsche Anarchosyndikalisten im Spanischen Bürgerkrieg; Ders. Die Unabhängige Antifaschistische Gruppe 9. Kompanie im Lager Gurs. Zur gruppenspezifischen Aktion nach dem Spanischen Bürgerkrieg, hrsg. v. Helga Grebing / Christl Wickert, Das „andere Deutschland“ im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Essen 1994, S. 56-85.
[55] Auskunft von Knut Bergbauer.
[56] Vgl. Tych (wie Anm. 37)

Der Text wurde uns freundlicherweise vom Autor zur Verfügung gestellt.


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