Dieter Nelles - Anarchosyndikalismus und Sexualreformbewegung in der Weimarer Republik

Written for the workshop ‘Free Love and the Labour Movement’Second workshop in the series ‘Socialism and Sexuality’International Institute of Social History Amsterdam, 6 October 2000

“Alle Arbeiterorganisationen beschäftigen sich fast ausschließlich mit wirtschaftlichen und politischen Fragen. Die Geschlechtsfrage wird sowohl von Parteien als Gewerkschaften als nebensächlich, als überflüssig angesehen. Es gab eine Zeit, da es als unanständig galt, in der Öffentlichkeit über geschlechtliche Probleme zu sprechen. Und dennoch ist es ebenso wichtig, das Sexualproblem ohne jede Scheu zu behandeln wie das Hungerproblem. Denn Hunger und Liebe sind die beiden Pole, um die sich das ganze menschliche Leben und Treiben dreht. Beide Probleme sind so eng miteinander verwachsen, daß man kaum eines behandeln kann, ohne in das Gebiet des anderen einzugreifen.”[1]

Mit diesen Sätzen leitete der deutsche Anarchosyndikalist Max Winkler im Jahre 1925 die Broschüre Das Geburtenproblem und die Verhütung der Schwangerschaft ein, in der konkret und detailliert über die damals gängigen Methoden der Empfängnisverhütung informiert wurde. Winklers programmatische Forderungen wurden in der Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD) ernst genommen. In der FAUD galt der Grundsatz, daß die “Geschlechtsfrage (...) keine Privatsache” sei, sondern “in die Öffentlichkeit und in alle Arbeiterorganisationen” gehöre.[2] Dies zeigen nicht nur die vielen Beiträge zu den verschiedensten Aspekten der Sexualität in den Publikationen der FAUD, sondern auch und vor allem das große Engagement vieler AnarchosyndikalistInnen in den Laienorganisationen für Sexualreform, die sich in den 20er Jahren zu Massenorganisationen mit über 150 000 Mitgliedern entwickelten. [3]

Im Unterschied zu den meisten anderen Verbänden in Europa und den USA wurde die Sexualreformbewegung in Deutschland in erster Linie von diesen Laienorganisationen getragen und nicht von Ärzten, Intellektuellen oder Fachleuten aus der Mittelschicht. Die Geschichte dieser Laienorganisationen ist bislang noch nicht gründlich erforscht worden. Hartmud Rübner hat nachgewiesen, daß die FAUD einen maßgeblichen Einfluß auf die Gründung bzw. Politik eine der bedeutendsten Laienorganisationen, des ‘Reichsverband für Geburtenregelung und Sexualhygiene’ (RV) hatte. [4] Im folgenden werde ich die sexualpolitischen Aktivitäten der deutschen Anarchosyndikalisten und deren Engagement in der Sexualreformbewegung skizzieren. Daß in der Weimarer Republik “gerade der Syndikalismus zu einem wesentlichen Vertreter der theoretischen und praktischen Geburteneinschränkung im Proletariat” wurde, führt Ulrich Linse auf die lebhafte Resonanz zurück, die die ‘Gebärstreikidee’ in anarchistisch-syndikalistischen Kreisen gefunden hatte. [5] Im Jahre 1913 propagierten die Berliner sozialdemokratischen Ärzte Alfred Bernstein und Julius Moses den ‘Gebärstreik’ als eine ‘Waffe des Proletariats’. Diese Parole wurde von Arbeiterfrauen begeistert aufgenommen, nicht aber vom Parteivorstand der SPD und prominenten Sozialdemokratinnen wie Clara Zetkin und Rosa Luxemburg.

Nach deren Meinung waren Abtreibung und Empfängnisverhütung ‘Privatsache’ und gehörten ins Sprechzimmer des Arztes bzw. Schlafzimmer des Ehepaares. [6] Auf Wunsch der syndikalistischen Organisation, der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften (FVDG) verfaßte Bernstein die Broschüre Wie fördern wir den kulturellen Rückgang der Geburten?, die im September 1913 im Verlag der FVDG erschien. [7] Vermutlich auch wegen der darin enthaltenen praktischen Verhütungshinweise fand die Broschüre einen große Absatz; bis Mai 1914 wurden 31 000 Exemplare vertrieben.[8]

Die Gebärstreikpropaganda - verstanden als bewußte Geburtenregelung - wurde nach dem Kriege vor allem von dem 1920 gegründeten Syndikalistischen Frauenbundes (SFB) wieder aufgenommen. [9] “Die Geschlechtsfrage” heißt es in einem programmatischen Artikel von Milly Witkop-Rocker, sei die “wichtigste Frage”, die vom SFB behandelt werden müßte. Denn “die geistige Höherentwicklung der Frau” sei “nicht möglich ohne die Befreiung von der Sklaverei des Gebärens”.[10]

Die Propaganda für Geburtenregelung fand bei Arbeiterfrauen offensichtlich eine relativ große Resonanz. Denn öffentliche Veranstaltungen zu ‘Gebärstreik’ waren sehr gut besucht [11] und einige Ortsgruppen des SFB wurden im Anschluß an solche Veranstaltungen überhaupt erst gegründet.[12] Ein ober-schlesischer Anarchosyndikalist bemerkte dazu kritisch: “Viele Frauen gehen in den Frauenbund nur, um über gewisse Fragen der Geburtenverhütung Aufklärung zu erhalten. Ist das erledigt, treten sie wieder aus.”[13]

Die FAUD und der SFB setzten sich kontinuierlich auf öffentlichen Veranstaltungen für die Abschaffung des sogenannten ‘Sittlichkeits und Unzuchtsparagraphen’ 184.3, der die Werbung für Verhütungsmittel unter Strafe stellte, und des Abtreibungsparagrahen 218 ein. [14] Auf diesen Veranstaltungen referierten oft auch Ärzte, Juristen und Schriftsteller. Besonders enge Beziehungen bestanden zu dem dem neomalthusianischen Sexualreformer Dr. Felix A. Theilhaber, der 1913 die Gesellschaft für Sexual-Reform (Gesex) gegründet hatte. Seit 1925 gab Theilhaber im Verlag ‘Der Syndikalist’ die Schriftenreihe Beiträge zum Sexualproblem heraus, in der insgesamt 19 Broschüren erschienen.[15]

In diesem Kontext ist das Engagement vieler Anarchosyndikalisten in den Laienorganisationen zu verstehen, die Anfang der 20er Jahre in vielen Orten Deutschlands entstanden. In vielen Fällen wurden diese Organisationen von Verhütungsmittelproduzenten gegründet, deren geschäftliches Interesse an den Laienorganisationen in den restriktiven Konsequenzen des Paragraphen 184.3 begründet lag. Denn im Rahmen sogenannter “geschlossener Veranstaltungen” war dieser Paragraph zumindest theoretisch nicht anwendbar. Diese kommerziellen Interessen der Geschäftsleute verbanden sich mit den Interessen ihrer Klientel aus Arbeiterkreisen nach preiswerten Verhütungsmitteln. Atina Grossmann spricht deshalb von einer “lively marriage of commerce and politics”.[16] Nach 1923/24 verloren die Geschäftsleute immer mehr an Einfluß und es entstanden unabhängige Laienorganisationen für Geburtenkontrolle. Von Mitgliedern der FAUD wurde 1923 der ‘Verein für Sexualhygiene und Lebensreform’ (VSL), der seinen Sitz in Chemnitz hatte und dessen Tätigkeit sich auf Bayern, Sachsen, und Thüringen erstreckte, gegründet. Die Polizeibehörden bezeichneten ihn 1925 als einen “den Syndikalisten nahestehenden und sich hauptsächlich aus deren Kreisen rekrutierenden Verein”.[17] Aus dem Zusammenschluß des VSL mit anderen Laienorganisation entstand im Jahre 1928 der schon erwähnte RV. Zum Vorsitzenden wurde der Nürnberger FAUD-Funktionär Franz Gampe gewählt. Im Jahre 1930 zählte der RV 15526 Mitglieder in 192 Ortsgruppen und hatte seine Tätigkeit auf Berlin-Brandenburg, Bremen, Hamburg, Württemberg und Niederschlesien ausgedehnt. Daneben hatten sich eine Anzahl regionaler Verbände sowie die Gesex als eigenständige Bezirke dem RV angeschlossen. In Berlin, Bremen, Delmenhorst und Sömmerda waren Funktionäre der FAUD an führender Stelle im RV tätig.[18] Auch in anderen Regionen Deutschlands ist das Engagement von Anarchisten und Anarcho-SyndikalistInnen in den Laienverbänden belegt. Im Rheinland waren waren Anarchisten und Anarchosyndikalisten in der ‘Arbeitsgemeinschaft Freier Sexual-Reformer-Vereine’ an führender Stelle tätig.[19]

Eine systematische Erforschung der Laienorganisationen würde mit Sicherheit noch viele weitere Belege für das große Engagement der Anarchosyndikalisten ergeben. Daß es der FAUD gelang eine “derart wichtige Initalfunktion in einer entstehenden Massenbewegung”[20] ist nur dadurch zu erklären, daß sie der “Geschlechtsfrage” eine so große Bedeutung zumaß und ihr Engagement in den Laienorganisationen nicht wie die KPD als taktisches Organisationsinstrument benutzten. Im Gegenteil betonte Franz Gampe 1928 im Syndikalist, daß der RV “parteipolitisch, gewerkschaftlich und religiös streng neutral” sei.[21] Daß sich Gampe und andere Anarchosyndikalisten, die in der Sexualhygiene, der Zeitschrift des RV, regelmäßig Artikel publizierten, an diesen Grundsatz hielten, hat vermutlich zu der Einschätzung beigetragen, im RV hätten sich “vornehmlich Neomalthusianer und Sozialisten”[22] versammelt bzw. sei politisch der SPD zugeneigt gewesen. [23] Letzteres traf vielleicht auf einen großen Teil der Ärzte zu, die mit dem RV kooperierten , nicht aber auf die Funktionäre.[24] Die Ziele der Laienorganisationen faßte das Mitglied der Gesex und Leiter einer Sexualberatungsstelle des RV Hans Lehfeldt1932 folgendermaßen zusammen: “Vorzugsweise sexuelle Aufklärung, Kampf für Sexual- und Strafrechtsform, Verteilung von Schutzmitteln an die Mitglieder.”[25] Aus guten Gründen erwähnte Lehfeldt nicht, daß die Laienorganisation auch Hilfe bei ungewollter Schwangerschaft leisteten. Soweit Kontakte zu sympathisierenden Ärzten bestanden, wurden hilfesuchende Frauen an diese verwiesen. Aber nur die wenigsten Frauen erhielten qualifizierte Hilfe, da der überwiegende Teil der Ärzteschaft das Abtreibungsverbot befürwortete und auch den Aktivitäten Laienorganisationen negativ gegenüber stand.[26] So wurde der RV, der rund 200 Ortsgruppen hatte, nur in vier Großstädten - Berlin, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart - offen von Ärzten unterstützt.[27] Deshalb wurden auch Abtreibungen von Mitgliedern von Laienorganisationen vorgenommen. Dazu schrieb rückblickend Hans Schmitz (geb. 1914), dessen Vater einer der führenden Aktivisten der FAUD und der ‘Liga für Mutterschutz und soziale Familienhygiene’ in Wuppertal war. “Vater war für die ‘Liga’ aktiv. (...) Im Geheimen unterstützte sie [die Liga] auch Frauen bei Abtreibungen. Es gab einige Frauen, die aufgesucht werden konnten, wenn man eine Abtreibung vornehmen lassen wollte. Meine Mutter hatte da wohl auch einige Erfahrung, gehörte auch zu ihnen. Natürlich durften wir nicht dabei sein, doch die Wohnung war so klein, dass uns das nicht verborgen blieb. (...) Ein paar Mal hat mich Mutter dann auch zum Arzt Dr. B. geschickt. (...) Er kam, wenn es Komplikationen gab, bzw. nachdem meine Mutter die Abtreibung eingeleitet hatte, um die Ausschabung vorzunehmen.”[28]

Aus dem anarchosyndikalistischen Spektrum sind alleine vier Fälle bekannt, wo es zu Verurteilungen kam. Die FAUD-Aktivistin Albrecht wurde 1930 in einem öffentliches Aufsehen erregenden Prozeß zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, da sie in Hindenburg (Oberschlesien) für den dortigen ‘Volksbund für Mutterschutz und Sexualhygiene’ über 100 Abtreibungen vorgenommen hatte.[29] Luise Wich aus Ludwigshafen wurde 1933 zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. [30] Otto Bach, der Vorsitzende des RV in Sömmerda (Thüringen) wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.[31] Nach dem Kriege saß die Frau von Franz Gampe in Nürnberg wegen illegaler Abtreibung in Untersuchungshaft.[32] Offensichtlich hatten sich in den Kreisen der Laienorganisationen vor allem Frauen, wie die kommunistische AIZ über Frau Albrecht schrieb, sich “mit der größten Gewissenhaftigkeit ärztliche Kenntnisse angeeignet” um Abtreibungen durchzuführen. Die AIZ betonte ausdrücklich, daß sie “keine Pfuscherin” sei und “kein Geld für die Abtreibungen genommen habe”.[33] Angesichts der geschätzten Zahl von einer Millionen Abtreibungen im Jahre 1930 kann die Praxis der Laienorganisationen gar nicht hoch genug bewertet werden. Sie boten sexuelle Aufklärung, informierten über Verhütungsmittel und  Methoden und gaben sie preiswert an Ratsuchende ab. Damit leisteten sie einen entscheidenden Beitrag zur sexuellen Emanzipation der Arbeiterklasse. Aber diese “sexuelle Revolution”, so Atina Grossmann, war komplex und widersprüchlich. “Zwar wurde sexuelle Befriedigung für die Frauen gefordert, aber proklamiert und definiert wurde sie vorwiegend von Männern.”[34] Diese Einschätzung trifft auch für die FAUD zu, trotz der Tatsache, daß diese in Fragen der Sexualität offener war als andere Arbeiterorganisationen.

“Wir machen immer wieder die Erfahrung”, bemerkte dazu Trautchen Caspers, eine Aktivisten der FAUD und des (SFB) in Süchteln (Rheinland) “daß die Männer in unserer Bewegung die Frau nur als Sklavin, Magd und Gebärmaschine betrachten, nicht aber als Menschen und Kameradin”.[35] Trautchen Caspers war eine der wenigen proletarischen Frauen in der FAUD, die das Ideal der “freien Liebe” propagierte und auch praktizierte.[36] Darunter verstand sie keineswegs “eine purifizierte bürgerliche Ehe”, wie dies im Arbeiter-Anarchismus ansonsten vertreten wurde. Sie schrieb dazu im Syndikalist: “Auch wir Proletarier sollten wissen, daß die Freiheit des Menschen auch in sexueller Beziehung gilt. Man kann häufig beobachten, daß der Mann auf Grund seiner Vormachtstellung die Frau zwingt, sich unterzuordnen, obwohl er weiß, daß ihre Liebe andere Wege geht. Diese Handlungsweise ist ebenso gemein wie die eines Wüstlings, der ein wehrloses Mädchen vergewaltigt. Diese Gier nach dem alleinigen Besitz einer Frau ist barbarisch und ein schreiender Gegensatz zu der so viel gerühmten Gleichberechtigung der Frau.” Jedoch vertrat sie auch die Auffassung, daß die “Befriedigung des Geschlechstriebes ohne Liebe zur Perversität” führe.[37]

Mit ihren Auffassungen und ihrer Praxis bildete Trautchen Caspers eine Ausnahme in der FAUD. Jedoch gab es durchaus auch andere proletarische Frauen in der FAUD, die ähnlich dachten und lebten. Dies zeigt z.B. der Briefwechsel zwischen der erwähnten Luise Wich und ihrem 1933 emigrierten Mann Georg. Und das deutet daraufhin, daß das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frau bei Basisaktivisten der FAUD nicht nur ein theoretisches Thema war.[38]


Fußnoten:
[1] Max Winkler, Das Geburtenproblem und die Verhütung der Schwangerschaft (Amsterdam, 1925), S. 1.
[2] Etwas zum Geburtenproblem in Der Syndikalist, Organ der Freien Arbeiter Union Deutschlands, 3 (1921), Nr. 12.
[3] S. Atina Grossmann, Reforming Sex. The German Movement for Birth Control and Abortion Reform, 1920- 1950 (New York, 1995); Cornelie Usborne, Frauenkörper – Volkskörper. Geburtenkontrolle und Bevölkerungspolitik in der Weimarer Republik (Münster, 1994), S. 159-168.
[4] S. Hartmud Rübner, Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus (Berlin etc., 1994), S. 219-236.
[5] Ulrich Linse, “Arbeiterschaft und Geburtenentwicklung im Deutschen Kaiserreich von 1871”, Archiv für Sozialgeschichte, 12 (1972), S. 205-271, 252.
[6] Zur Gebärstreikdebatte vgl. Anna Bergmann, Die verhütete Sexualität. Die Anfänge der modernem Geburtenkontrolle (Hamburg, 1992), S. 286-292; Karl Heinz Roth, “Kontroversen um Geburtenkontrolle am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Eine Dokumentation zur Berliner ‘Gebärstreikdebatte’ von 1913”, Autonomie, 9 (1978), S. 78-103.
[7] Alfred Bernstein, Wie fördern wir den kulturellen Rückgang der Geburten?. Ein Mahnruf an das arbeitende Volk (Berlin, 1913).
[8] S. Rübner, Freiheit und Brot, S. 221.Zur Diskussion und Rezeption der Gebärstreikdebatte unter Anarchisten und Syndikalisten vgl. Linse, Arbeiterschaft und Geburtenentwicklung, S. 250ff.; Hubert van den Berg: “‘Frauen, besonders Frauenrechtlerinnen, haben keinen Zutritt!’ Misogynie und Antifeminismus bei Erich Mühsam”, IWK 28 (1992), S. 479-510, S. 505ff. Die Feministin Helene Stöcker schrieb rückblickend, daß “Syndikalisten und Anarchisten” schon vor 1913 “in zahlreichen Versammlungen die Methoden der Geburtenregelung als Selbsthilfe des Proletariats empfohlen” hatten. Zitiert in Christiane Dienel: Kinderzahl und Staatsräson. Empfängnisverhütung und Bevölkerungspolitik in Deutschland und Frankreich bis 1918 (Münster: Westfälisches Dampfboot 1995), S. 180.
[9] Zum SFB vgl. Ulrich Klan and Dieter Nelles, Es lebt noch eine Flamme: Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus (Grafenau, 1990), S. 289-316; Cornelia Regin, “Hausfrau und Revolution. Die Frauenpolitik der Anarchosyndikalisten in der Weimarer Republik”, IWK 25 (1989), S. 379-397; Rübner, Freiheit und Brot, S. 184-192; Christine Weghoff, ““Die Frauenpolitik der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) 1921-1934. Eine Untersuchung auf der Grundlage ausgesuchter Quellen” (Staatsexamensarbeit Uni. Göttingen, 1984).
[10] Milly Wittkop-Rocker: “Frauenarbeit – Frauenorganisationen”, Der Frauenbund. Monatsbeilage des Syndikalist, 1 (Oktober 1921).
[11] In Berlin nahmen Anfang 1921 2200 Frauen und Männer an einer Veranstaltung des SFB teil. Vgl. “Der Gebärstreik als antimilitaristische Waffe und Kulturhebel”, Der Syndikalist, 3 (1921), Nr. 12.
[12] Vgl. Klan and Nelles, Es lebt noch eine Flamme, S. 298; “1. Reichskonferenz der syndikalistischen Frauenbünde Deutschlands”, Der Frauenbund, (1921), Nr. 1; “Oberschlesien”, Der Syndikalist, 4 (1922), Nr. 8.
[13] Protokoll über die Verhandlungen vom 15. Kongreß der FAUD vom 10.-13.4. 1925 in Dresden (Berlin, 1925), S.69.
[14] Zu den rechtlichen Rahmenbedingungen vgl. Dienel, Kinderzahl und Staatsräson, S. 68-71; Usborne, Frauenkörper, S. 106-111, 201-229.
[15] S. auch Corinna Kaiser, “Der ‘Kater-Konzern’. Ein Beitrag zur (anarcho)-syndikalistischen Verlagsgeschichte”,Schwarzen Faden, 2(1994), Nr. 49, S. 62-69. Zu Theilhaber s. Hans Lehfeldt, “Felix A. Theilhaber – Pionier-Sexologe”, Archiv Bibliographia Judaica, annual 1 (1985), S. 85-93. Lehfeldt, ein Kollege Theilhabers aus der Gesex, geht auf die Schriftenreihe Theilhabers ein, aber erwähnt nicht, daß sie in einem anarchosyndikalistischen Verlag erschien.
[16] S. Grossman, Reforming Sex, S. 16.
[17] Zitiert in Rübner, Freiheit und Brot, S. 224; s. auch Usborne, Frauenkörper, S. 160.
[18] S. Rübner, Freiheit und Brot, S. 228-231.
[19] S. R. Theissen, P. Walter, and J. Wilhelms, Der Anarchosyndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr (Meppen, 1980), S. 91; “Der Schareina-Prozeß in Cleve; Protestversammlung der ‘Arbeitsgemeinschaft Freier Sexualreform-Verbände’”‚ Der Syndikalist 12 (1931), Nr. 24; Karl Börder to Pierre Ramus, September 8. 1931, in: IISG, Nachlaß Ramus.
[20] Rübner, Freiheit und Brot, S. 225.
[21] Fraga [Franz Gampe], “Bevölkerungspolitik und Geburtenrückgang” Der Syndikalist 10 (1928), Nr. 37.
[22] S. Kristine von Soden, Die Sexualberatungsstellen der Weimarer Republik 1919-1933 (Berlin, 1988), S. 87.
[23] S. Grossmann, Reforming Sex, S. 31.
[24] Neben Funktionären der FAUD scheinen vor allem Mitglieder sozialistischer und kommunistischer Kleingruppen in den Laienorganisationen aktiv gewesen sein.
[25] Hans Lehfeldt, “Die Laienorganisationen für Geburtenregelung”, Archiv für Bevölkerungspolitik, Sexualethik und Familienkunde, 2 (1932), S. 63-87, 64.
[26] S. von Soden, Die Sexualberatungsstellen, S. 140ff. In einem Nachruf auf den Berliner Chirugen Dr. Jaquet schrieb die FAUD, daß dieser für Arbeiterfrauen kostenlose Abtreibungen vorgenommen hatte. Vgl. Rübner, Freiheit und Brot, S. 228.
[27] S. Grossmann, Reforming Sex, S. 24; von Soden, Die Sexualberatungsstellen, S. 78.
[28] Reiner Rhefus, Spurensicherung 1920. Der Arbeiteraufstand gegen den Kapp-Putsch und die damalige Arbeiterkultur im Bergischen Land (Essen, 2000), S. 102.
[29] S. Rübner, Freiheit und Brot, S. 230.
[30] S. Der Arbeitslose, 4 (March 1933); Stapo-Außenstelle Ludwigshafen to Stapo-leitstelle Neustadt an der Weinstr, 3. Februar 1938, Landesarchiv Speyer, H 91, Nr. 1287. Wegen “versuchter Abtreibung” war Luise Wich schon 1929 zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden.
[31] Frank Havers, “Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands in Sömmerda (Thüringen) von 1919 bis 1933” (Magisterarbeit Universität Bochum, 1997), S. 105.
[32] Dies ergibt sich implizit aus einem Brief von Franz Gampe an Rudolf Rocker, 22.8.1948, in: IISG, Archiv Rocker, Nr. 114.
[33] AIZ, nr. 12, 131, abgedruckt in: Karen Hagemann (ed), Eine Frauensache. Alltagsleben und Geburtenpolitik 1919-1933 (Pfaffenweiler, 1991), S. 93f.
[34] Atina Grossmann, “Die ‘Neue Frau’ und die Rationalisierung der Sexualität in der Weimarer Republik”, Ann Snitow, Christine Stansell, Sharon Thompson (eds), Die Politik des Begehrens. Sexualität, Pornographie und neuer Puritanismus in den USA (Berlin, 1985), S. 38-62, 40.
[35] Protokoll des 15. Kongresses der FAUD, S. 69.
[36] Zu Trautchen Caspers, s. Klan and Nelles, Es lebt noch eine Flamme, S. 305ff.; 313f.
[37] Trautchen: Etwas über die Freie Liebe, in: Der Syndikalist 8 (1926), Nr. 5.
[38] S. den Briefwechsel, Landesarchiv Speyer, H 91, Nr. 1287.

Originaltext:
www.fau-bremen.de.vu


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