Mujeres Libres - Retten wir die Frauen von der Diktatur der Mittelmäßigkeit

Ein kulturelles und konstruktives Werk, um den Krieg zu gewinnen und die Revolution zu machen.

Die Gruppe "Mujeres Libres" setzt sich nicht aus Frauen zusammen, die unter mehr oder minder verborgener männlicher Oberaufsicht geführt und von Männern zur Schau gestellt werden. Sie ist auch keine Gruppe, die einen direkten Kampf der Frauen mit ihren Genossen anstrebt. Die Gruppe "Mujeres Libres" hat eine grundlegende Daseinsberechtigung, die auch zu ihrer Entstehung führte: die Genossinnen so weit zu befähigen, daß sie von einem höheren kulturellen und sozialen Niveau aus und ihrer vollständig ausgebildeten Identität als Frau und Mensch in der Lage sind, mit den Genossen zusammen zu arbeiten - angesehen und mit größter Leistungsfähigkeit.

Zuerst haben wir das innerhalb der sozialen Organisationen versucht, der wir angehören, aber ohne Ergebnis. Wegen der herrschenden Situation können sich unsere Organisationen im Augenblick nicht darum kümmern, Frauen zu gewinnen. Diese tiefgehende und komplexe Arbeit ist eine spezifische Aufgabe für uns geworden.

Auf der anderen Seite können wir, weil wir weniger handeln und von daher auch weniger an durch den Kampf bedingte teilweise schmerzliche und meistens unvermeidliche Kompromisse gebunden sind, ideologische Grundhaltungen aufrechterhalten und klarstellen. Sie stellen eine Kraft für mögliche zukünftige Aufgaben dar, ohne daß wir dabei die Disziplin verletzen, der wir uns verpflichtet fühlen. Wir müssen immer wieder darauf hinweisen: Wir wollen unserer Bewegung nichts entziehen, sondern - im Gegenteil - ihr eine weitere Kraft hinzufügen, die die schon bestehende verstärkt.

Für dieses grundlegende Ziel hat die Gruppe "Mujeres Libres" bereits alle für sie erreichbaren Mittel in die Praxis umgesetzt und dabei von Grund auf eine kulturelle Arbeit in Gang gebracht, die die widrigen Umstände zwar einige Male in die falsche Richtung gelenkt hat, die aber niemals aufgegeben und auch vor kurzem noch intensiviert worden ist.

Gerade wurde ein begeisternder Feldzug gegen den Analphabetismus begonnen, der einhergeht mit dem Grundkurs, an dem bereits hunderte von Genossinnen in unserem Institut "Mujeres Libres" teilgenommen haben. Dann gibt es z.B. auch einige Intensiv-Kurse für künftige Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen; eine über das Radio verbreitete Kampagne; eine Serie von Gesprächen und Konferenzen; die Organisation von Biliotheken; andauernder Kampf gegen die Prostitution, bei dem menschliche und wirksame Lösungen angegeben werden sollen, um sie abzuschaffen; Landschulheime für die Flüchtlingskinder und für die Kinder, die aus den katholischen Schulen entlassen wurden, etc.

Neben dieser kulturellen und konstruktiven Arbeit hat es die Gruppe "Mujeres Libres" stets verstanden, genau und klar ihre Position gegenüber den Problemen und Aktionen der Revolution und des Krieges darzulegen. Dabei hörten sie nicht auf, im Kampf weiterhin einen praktischen Beitrag zu leisten, indem sie die "Arbeits-Sektionen" organisierten, die darauf vorbereitet waren, in der Nachhut die Genossen ersetzen zu können, die an die Front gerufen wurden. Außerdem sammelte und schickte die Gruppe Tonnen von Lebensmitteln nach Madrid; errichtete zu Beginn des Kampfes kollektive Speisesäle in allen Stadtteilen; organisierte die Kolonne "Mujeres Libres", um an der Front mit Näh-, Wasch-und Bügelmaschinen zu arbeiten, etc.

All das erscheint uns aber noch sehr wenig. Unser Ziel - die Frauen geistig, kulturell und sozial zu bilden, sie von der Diktatur der Mittelmäßigkeit zu befreien, der sie unterworfen sind und der man sie weiterhin unterwerfen will - besteht noch immer und wird weiterhin bestehen bleiben. Es ist eine große Aufgabe, für die wir bis zum Schluß zu kämpfen bereit sind.

Aus: "Ruta", 30. April 1937

Originaltext:
Mary Nash: Mujeres Libres. Die freien Frauen in Spanien 1936 - 1978. Karin Kramer Verlag, Berlin 1979. Digitalisiert von www.anarchismus.at mit freundlicher Genehmigung des Freundeskreis Karin Kramer Verlag. Das Copyright des Textes liegt weiterhin beim Karin Kramer Verlag, der Text darf ohne Rückfrage nicht weiter kopiert oder gedruckt werden. Im Karin Kramer Verlag sind zahlreiche Bücher zum Anarchismus erhältlich.


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