Mujeres Libres - Die Föderation

Wir glauben nicht an die Bescheidenheit. Für uns zeugt sie entweder von einem armen Geist oder von hinterhältiger Eitelkeit. Deshalb werden unsere Handlungen von kühnen Behauptungen begleitet, und wir halten es niemals für unter unserer Würde, etwas zu korrigieren, wenn es notwendig ist. Wir sagen das, damit sich keiner über uns wundert, was wir hier jetzt behaupten: Die Nationale Föderation von "Mujeres Libres" ist der entschiedenste Vertreter, den sich die feministische Bewegung jemals gegeben hat.

Die Zeiten sind vorbei, über hypothetische Überlegenheit zu diskutieren. Jetzt geht es um den praktischen Nachweis. Die Frau hat bewiesen, daß sie sich selbst verwalten und einschätzen kann. Hier liegt ihre unbestreitbare Fähigkeit.

Unter den Männern hatte sich der Satz als Axiom verbreitet: "Der schlimmste Feind der Frau ist die Frau selbst." Einige wollten damit zu verstehen geben, daß der Mut einer Frau von der Zensur der anderen geahndet werde, und die anderen, die dem Satz eine tiefere Bedeutung geben wollten, meinten, die weibliche Natur selbst sei zum Fortschritt nicht in der Lage.

"Mujeres Libres" straft solche Unterstellungen entschieden Lüge. Unsere Föderation ist ein feministischer Block, der durch eigene Kraft weiter fortgeschritten ist. Auf eine Kerngruppe, die vor zwanzig Monaten zum ersten Mal ihren Willen äußerte, hat sich eine Föderation von 20.000 Frauen aufgebaut. Sie haben sich nicht im geringsten nach etwas gerichtet. Im Gegenteil: es gab einen gemeinsamen Nenner. Sie haben Arbeiten organisiert, Publikationen herausgegeben, sie haben kulturelle Zentren aufgebaut und dabei auch den Erneuerungsgeist des 19. Juli vertreten, etwas, was für viele sogenannte Revolutionäre der ersten Reihe so schwierig war.

Und diese bedeutenden Aufgaben wurden gleichzeitig mit den täglichen, unmittelbaren Problemen des Krieges, im alltäglichen Kampf erledigt. Die Frauen wußten, daß alle Anstrengungen und alle bis jetzt vollbrachten Arbeiten umsonst gewesen wären, wenn man diese Arbeiten mißachten würde. Ein Sieg würde die Festigung des bis dahin Erreichten bedeuten.

Das Interessanteste und Verdienstvollste an "Mujeres Libres" besteht darin, daß sie sich als Gruppe gebildet haben, gewachsen sind und allein durch die Bemühungen der Frauen eigenständig wurden. Hierin zeigen sich ihre Fähigkeiten. Und nicht darin, Trennungen zu errichten und Wettbewerbe zwischen den Geschlechtern zu veranstalten - wie die alten feministischen Parteien, deren Mitglieder alle zu gewerkschaftlichen und politischen Gruppen gehören. "Mujeres Libres" wollten zunächst ihre Lebensbedingungen als Frauen bestimmen und durch eigene Kraft für sich das Recht erreichen, in das politische und soziale Leben Spaniens einzugreifen.

Aus: "Mujeres Libres", Nr. 13

Originaltext:
Mary Nash: Mujeres Libres. Die freien Frauen in Spanien 1936 - 1978. Karin Kramer Verlag, Berlin 1979. Digitalisiert von www.anarchismus.at mit freundlicher Genehmigung des Freundeskreis Karin Kramer Verlag. Das Copyright des Textes liegt weiterhin beim Karin Kramer Verlag, der Text darf ohne Rückfrage nicht weiter kopiert oder gedruckt werden. Im Karin Kramer Verlag sind zahlreiche Bücher zum Anarchismus erhältlich.


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