Bei den Diskussionen um die Auswirkungen der Austeritätspolitik in der Linken zu selten beachtet: die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Auswirkungen. Manuela Banoza beschreibt diese in einer Reportage aus Thessaloniki unter dem Titel "Solidarität als Mittel zum Kampf":

Ich sitze mit Voula in ihrer Wohnung in einem Vorort von Thessaloniki. Sie hat handgemachte griechische Süßigkeiten und Espresso Freddo aufgetischt. Die 54-Jährige ist Mitbegründerin der Women’s Initiative Against Debt and Austerity Measures, die sich gegen die unsoziale Sparpolitik richtet, und bereits seit ihrer Jugend politische Aktivistin und Feministin. „Frauen sind die ersten, die von Sparmaßnahmen betroffen sind, und die Situation wird jedes Jahr immer schlimmer und schlimmer. Wir leben wie Gefangene“, sagt Voula. Es sind vor allem Frauen, die sich aufgrund der Kürzungen im Care-Bereich nun unentgeltlich um Kinder, Kranke und Alte kümmern – was sich natürlich auch auf ihr soziales Leben auswirkt.

Zurück in alte Rollen. Auch Nasia, die mit 27 Jahren eines der jüngsten Mitglieder der Fraueninitiative gegen die Austeritätspolitik ist, bestätigt diesen Befund: „Frauen arbeiten oft in prekären und schlechter bezahlten Jobs. Sie sind sehr stark von der Zerstörung des Wohlfahrtsstaates betroffen. Aber der zentrale Punkt dabei ist: Welche Frauenrollen werden durch diese Politik gefördert? Welche Möglichkeiten bleiben jungen Frauen? Entweder zurück an den Herd oder ins Ausland.“ Sie selbst lebt seit letztem Jahr in Deutschland, viel lieber wäre sie aber in Griechenland geblieben. Doch seit der Krise scheint Migration für viele junge Griech_innen die einzige Option zu sein.

„Wenn die Armut durch die Türe tritt, springt die Liebe aus dem Fenster“, lautet ein griechisches Sprichwort. Neben Arbeitslosigkeit, Kürzungen im öffentlichen Sektor, Privatisierungen und einem desaströsen Gesundheitssystem kommt es zu einem weiteren Problem: Seit der Krise steigen die Fälle von häuslicher Gewalt an Frauen, aber auch an Kindern. Gleichzeitig können Hilfsorganisationen durch die finanziellen Kürzungen kaum überleben. In Griechenland wurde erst 2006 ein Gesetz eingeführt, das häusliche Gewalt und Vergewaltigung in der Ehe kriminalisiert. Ohne Unterstützung und mit zunehmender finanzieller Unsicherheit wird es für Frauen immer schwieriger, gewalttätige Beziehungen zu beenden.

Zum gesamten Artikel in der sehr lesenswerten feministischen Zeitung "Anschläge"


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