4. April 1992: in einem Chinarestaurant in Berlin-Neukölln attackieren AntifaschistInnen ein Treffen der neofaschistischen Partei "Deutsche Liga". Im Laufe der Auseinandersetzung wird der Landesschriftführer der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH), Gerhard Kaindl, erstochen. Mehrere "Deutsche Liga"-Mitglieder werden verletzt.

Polizei und Staatsschutz verdächtigen zunächst eine Kurdin. Die junge Frau wird unter dem Vorwurf "gemeinschaftlichen Mordes" in Untersuchungshaft genommen, weil sie zur türkisch-kurdischen Jugendgruppe "Antifa Genclik" (Antifaschistische Jugend) gehört, die offensiv und öffentlich für den Widerstand gegen die rassistischen Neonazis wirbt. Nach ihr werden weitere Mitglieder der Gruppe unter Mordverdacht festgenommen - die Staatsanwaltschaft klagt schließlich mehrere AntifaschistInnen wegen Mordes und 6fachen Mordversuchs an. 1994 wird sieben türkisch- und kurdischstämmigen Antifas der Prozess gemacht; drei wurden wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu jeweils drei Jahren Haft verurteilt, zwei weitere zu Bewährungsstrafen.


Der "Fall Kaindl" wurde in der autonomen Antifa-Bewegung der 1990er-Jahre breit diskutiert - mehrere Antifa-Broschüren befassten sich intensiv mit den politischen und juristischen Folgen sowie mit ethischen Fragen von antifaschistischem Selbstschutz, von Militanz und ihren Grenzen.

Literaturtipps:

http://www.youtube.com/watch?v=yACmW6WRPug


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