Blogarchiv Anarchismus

Blogarchiv von www.anarchismus.at - Beiträge zum Thema Anarchismus


 

Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti, zwei in der anarchistischen ArbeiterInnenbewegung aktive italienische Einwanderer, wurden 1920 unter dem Vorwurf verhaftet, in Massachusetts einen Raubmord begangen zu haben. Obwohl Sacco und Vanzetti Alibis für die fragliche Zeit hatten und es im Gerichtsverfahren zahlreiche Unstimmigkeiten gab, wurden sie zum Tode verurteilt. Es folgte ein Sturm der Empörung in der internationalen ArbeiterInnenbewegung und eine weltweite Solidaritätskampagne. US-Botschaften mussten weltweit streng bewacht werden, es gab Massendemonstrationen mit hunderttausend TeilnehmerInnen, wilde Streiks und Generalstreiks in Südamerika. In Genf stürmte eine empörte Masse das Völkerbundgebäude und schlug den Glassaal in Trümmer. Im August 1927 wurden Sacco und Vanzetti hingerichtet. Zwar leugnete der amerikanische Staat den politischen Charakter des Prozesses - der Justizmord gegen die aktiven Gewerkschafter war jedoch offensichtlich. 1977 gab der damalige Gouverneur Michael S. Dukakis schließlich eine Ehrenerklärung für Sacco und Vanzetti und deren Familien ab.

Eine kurze Geschichte von Sacco und Vanzetti (englischsprachig):
http://www.youtube.com/watch?v=C3SuTTcj2u8




As the financial crisis weighs heavily on Greece, the country seems trapped in a cycle of violence. But discontent over the misuse of power has long been simmering. Greek youths reflect on how the killing of a teenager by police changed their lives.

http://www.youtube.com/watch?v=C45QKpGFy6w




Im Februar und März 1921 revoltierten die Matrosen der Festungsstadt Kronstadt in Unterstützung einer Streikbewegung im nahegelegenen Petrograd gegen die bolschewistische Herrschaft in Russland. Der Aufstand wurde schließlich von der Roten Armee unter Federführung Trotzkis blutig niedergeschlagen. Noch heute sorgt das Thema "Kronstädter Matrosenaufstand" für hitzige Debatten und Polemiken zwischen AnarchistInnen und RätekommunistInnen auf der einen und TrotzkistInnen auf der anderen Seite. 1917 noch als eine Speerspitze der kommunistischen Revolution gefeiert und in Liedern besungen, setzten sich die Matrosen 1921 für eine dritte Revolution ein - für ein freies Rätesystem an Stelle der bolschewistischen Parteienherrschaft. Sie bezahlten diesen Affront gegenüber den BolschewistInnen mit dem Tod. Am 17. März 1921 viel Kronstadt, tausende Tote waren zu beklagen.

Kurzfilm zum Kronstädter Matrosenaufstand:
http://www.youtube.com/watch?v=8InZ3vfQ6Ag




In der anarchosyndikalistischen Bewegung wird die Frage der Betriebsräte heftig diskutiert, in einigen Ländern führte sie auch zu Spaltungen anarchosyndikalistischer Gewerkschaften. Eine erfrischende Aufbereitung dieses "anarchosyndikalistischen Familienzwists" liefert Robbe Thomas von der queerfeministischen Anarchorobbenfront mit diesem Beitrag.

Willkommen zu Robbenfamilien im Brennpunkt. Die heutige Show befasst sich mit der Familie Anarcosindicalismo. Die Familie Anarcosyndicalismo ist eine riesige Familie, die über die ganze Robbenwelt verteilt ist. Sie hat eine lange und durchaus vorzeigbare Familiengeschichte. Aus ihren Reihen sind tolle Schriftsteller_innen, große Organisator_innen und Kämpfer_innen hervorgegangen. Aber seit einiger Zeit kriselt es. Die Robbe Revolucia hatte einen Riesenstreit mit ihrem Bruder Reforma. Angefangen hat alles mit dem leidigen Thema der Frage zu den Betriebsratswahlen. Dieses Problem wurde von Generation zu Generation innerhalb der Familie weitergereicht, es war schon immer eine schwierige Frage für die es keine Patentlösung gab, aber man konnte sich immer einigen, weil man wusste, dass man sich aufeinander verlassen konnte und sie sich trotzdem alle lieben auch wenn man nicht immer derselben Meinung ist. Bis heute? Aber alles nacheinander. Zunächst stellen wir ihnen einmal Revolucia und Reforma vor.

Revolucia ist 24 Jahre alt und lässt fast keine Party aus. Nachdem Motto “Das Leben ist zu kurz um die Zeit zu vergeuden” lebt sie in den Tag hinein. Anscheinend ohne Probleme und Sorgen. Wenn sie sich einmal dazu durchringt, sich einen Job zu suchen, dann ist dieser meistens nicht von Dauer. Auf ihren Kündigungen, die sie uns vorzeigte, stehen Entlassungsgründe wie: „aufgrund von aufrührerischer Aktivitäten“ oder „Entlassung aufgrund revolutionärer Umsturzversuche innerhalb des Betriebs“. Zu ihrem Bruder hat sie nach seiner Wahl zum Betriebsratsmitglied keinen Kontakt mehr. „Mein Bruder würde unsere Ideale selbst für ein Fisch eintauschen!“, sagt sie uns.

Reforma ist 32, verheiratet und hat 2 Kinder. Er lebt in einen schönen kleinen Iglu in der Schollenstraße. Von Beruf her ist er gelernter Eishauer und arbeitet schon seit 10 Jahren im selben Betrieb. Von seinen Kolleg_innen bekommt er ausschließlich gute Kritiken: “Er macht seine Arbeit mit viel Leidenschaft“ oder „Er hat sich immer für unsere Rechte eingesetzt“. Seine Abende verbringt er am liebsten mit seiner Frau und den Kindern. Oft findet man ihn auch mit einem Buch von Rocker, Kropotkin oder Bakunin vor dem Kamin. Auch er hat keinen Kontakt mehr zu seiner Schwester: “Das mit dem Anarchismus ist ja alles richtig, aber wir leben nun einmal im Kapitalismus da muss man nun einmal Kompromisse machen.“ Abwertend fügt er noch an: „Meine Schwester? Die ist doch Weltfremd“!

„Liebe Robinnen und Robben hier sind sie Revolucia und Reforma“: begrüßt der Moderator Progressivo seine Gäste. Applaus schallt durch den Raum: “Schildert uns doch noch einmal kurz wie es zu euren Streit gekommen ist.“

„Mein Bruder hat sich einfach in den Betriebsrat wählen lassen, obwohl er doch genau weiß, dass Holger, Inge und ich schon immer ein Problem damit hatten. Eigentlich sollte man das Ding ja auch lieber Betriebsparlament nennen, mit einem Rat im Sinne eines Arbeiterrates hat das doch nichts zu tun. Das Ding dient doch nur dazu, die Angestellten ruhig zu halten und den Betriebsfrieden zu wahren. Was hätten nur unsere Großeltern dazu gesagt!“

“Stimmt das Reforma?“ – “Ja natürlich. Aber genau der letzte Satz ist doch das Problem! Unsere Großeltern lebten in ganz anderen Zeiten. Das waren revolutionäre Zeiten, da brauchte man keinen Betriebsrat. Wer zweifelt heut zu Tage schon am Kapitalismus? Da muss man jede Gelegenheit ausnutzen, die sich bietet, um auch nur die kleinsten Verbesserung zu erreichen und seine Ideale auch einmal zurückstellen.“

„Du hast deine Ideale nicht zurückgestellt sondern verkauft!“, schreit Revolucia ihren Bruder an. „Wie willst du Leuten unsere Ideale näher bringen, wenn du selber nicht danach handelst. Ich weiss schon wieso du das wirklich gemacht hast. Der Bruder, der Cousin von Inge hat mir erzählt dass du letztens frei genommen hast während deine Kolleg_innen sich einen abschuften. Das ist es doch, worum es dir geht, eine Arbeitsplatzsicherung und dann noch Urlaub auf Kosten anderer Angestellter.“

„Wenn du schon solche Gerüchte in die Welt setzt, solltest du sie auch einmal prüfen, Revolucia. Natürlich habe ich frei bekommen aber wenn du eine 9 stündige Arbeitsrechtsschulung als Urlaub bezeichnest haben wir unterschiedliche Vorstellung von Erholung.“

Nachdenkliches Schweigen beider erfüllt den Raum. Progressivo ergreift das Wort: “Ich sehe schon, so kommen wir hier nicht weiter, gibt es denn nichts was ihr an dem anderen vermisst?“

Nach einigen Sekunden der Ruhe fasst sich Reforma ein Herz:“ Na ja es ist schon seltsam diese Familienfeste ohne Revolucia, Holger und Inge. Der Alltag kann manchmal ziemlich bitter und anstrengend sein. Da war es immer sehr hilfreich wenn man sie dabei hatte, um sein wirkliches Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren. Auch wenn diese ständige Idealismuskeule manchmal nervt“.

„Möchtest du was dazu sagen Revolucia?“, fragt Progressivo. Etwas zurückhaltend antwortet Sie: “Eigentlich haben diese Familienfeste mir immer sehr geholfen. Ich bin ja auch nur eine Robbe und habe ja auch reelle Probleme im Kapitalismus, die ich mit Utopie im Augenblick nicht lösen kann.“

„Also laufen eure Familienfeste jetzt zurzeit so ab, dass die eine Hälfte um Revolucia sich trifft und die andere sich um Reforma trifft, ist das richtig?“ Beide antworten mit Ja. „Aber wenn ich das richtig beurteilen kann, macht euch das beide nicht wirklich glücklich.” Sie Nicken zurückhaltend mit den Kopf.

„Okay dann mache ich euch jetzt ein Vorschlag“: sagt Progressivo: “Entscheidet das Situationsabhängig. Ihr setzt euch jetzt alle zusammen und analysiert die Situation in Reformas Betrieb. Falls ihr das Potential seht, eine Alternative zu einem Betriebsrat aufzubauen, z.B. eine autonome Betriebsgruppe, dann tut das. Das ist natürlich das Beste, was euch passieren könnte. Wenn Reformas Kolleg_innen dazu natürlich nicht bereit sind, dann solltet ihr darüber nachdenken, ob es nicht doch sinnvoll ist, das Reforma im Betriebsrat ist. So kann er seinen Kolleg_innen besser helfen und evtl. das Interesse bei ihnen für eine autonome Betriebsgruppe wecken.

Ich gebe jedem von euch jetzt noch einen persönlichen Rat mit. Reforma, ich denke nicht, dass du blind an jeder Betriebsratswahl teilnehmen solltest, du weißt ja wahrscheinlich selbst am besten, dass Revolucia grundlegend recht hat mit der Funktion, welche dieser sogenannte „Rat“ einnimmt.“ Betroffen schaut Reforma zu Boden.

„Revolucia es ist nicht immer möglich eine autonome Betriebsgruppe aufzubauen, dadurch kann es unter gewissen Umständen nötig sein, sich in den Betriebsrat wählen zu lassen. Auch wenn es nicht toll ist, aber wenn du dogmatisch an diesem Ideal festhältst, wirst du nie von anderen Robben wahrgenommen. Dann kannst du eure Ideen auch niemand mehr näher bringen.“ Auch Revolucia schaut zu Boden.

Ruhe umgibt das Studio. „Meine liebe Robbinnen und Robben das war Robben Familien im Brennpunkt, ich hoffe wir konnten heute einige Probleme lösen und freue mich aufs nächste Mal.“

Originaltext: http://anarchorobben.blogsport.de/2012/03/05/robbenfamilien-im-brennpunkt-heute-betriebsratsfrage/




Occupy everythingIn den USA ist der Black Bloc spätestens seit den Auseinandersetzungen um das Treffen der WTO in Seattle 1999 ein Begriff und auch für Europa markierten diese Proteste einen Aufschwung der "Antiglobalisierungsbewegung" um die Jahrtausendwende. Für die USA wird seitdem sogar von einem "Neuen Anarchismus" gesprochen. In der Occupy-Bewegung traten bei Protesten immer wieder Black Blocs auf, vor allem im besonders aktiven Oakland. Dies führte in diversen Städten zu "Gewaltdebatten" und auch linksliberale AutorInnen äußerten sich. Den Vogel schoss dabei der Journalist Chris Hedges ab, der "Black Bloc AnarchistInnen" als "Krebs der Occupy-Bewegung" bezeichnete und ihnen vorwarf, die Bewegung zu Grunde zu richten - und das im Februar 2012, als Occupy  hauptsächlich noch Akzente im radikalen Oakland setzte. Sein Artikel besteht größtenteils aus Halbwissen und Platitüden. Er wirft den AnarchistInnen etwa vor, gegen Organisation zu sein und sich an John Zerzan zu orientieren. Kontakariert werden seine eigenen Ausführungen u.a. durch ältere Artikel, in denen er Krawalle in Griechenland folgendermaßen bewertete: "They know what to do when they are told their pensions, benefits and jobs have to be cut to pay corporate banks, which screwed them in the first place. Call a general strike. Riot. Shut down the city centers. Toss the bastards out. Do not be afraid of the language of class warfare - the rich versus the poor, the oligarchs versus the citizens, the capitalists versus the proletariat. The Greeks, unlike most of us, get it." und "Think of the Greek riots as a struggle for liberation."

Aufstand - aber nicht in meinem Schrebergarten!? In Antwort auf Hedges Text erschienen mehrere Beiträge, von denen einige hier wiedergegeben werden. Auch David Graeber, einer der "Gründer" der Occupy-Bewegung, Anarchist und derzeit vieldiskutierter Buchautor hat sich zu Wort gemeldet.

Erstveröffentlicht am 16.2.2012. Am 1.3.2012 wurden zwei weitere Texte unten hinzugefügt. Der Text "God only knows what Devils we are" wurde u.a. von Crimethinc verbreitet, der zweite argumentiert aus einem religiösen (?! Sachen gibts...) Hintergrund heraus. Zudem werden aktuell grundlegende Texte zur Black Bloc-Debatte in den USA neu diskutiert. Blocs, Black and otherwise kann hier als PDF heruntergeladen werden, Can’t Stop Kaos: A Brief History of the Black Bloc gibt es hier zum Download.

Aktualisierung am 19.9.2012: In New York gab es eine offene Diskussion zwischen Chris Hedges und einem Crimethinc.-Vertreter. Die lesenswerte Zusammenfassung kann hier gefunden werden.




It is becoming increasingly clear that the age of revolutions is not over. It's becoming equally clear that the global revolutionary movement in the twenty first century, will be one that traces its origins less to the tradition of Marxism, or even of socialism narrowly defined, but of anarchism.

Day for revolutionEverywhere from Eastern Europe to Argentina, from Seattle to Bombay, anarchist ideas and principles are generating new radical dreams and visions. Often their exponents do not call themselves "anarchists". There are a host of other names: autonomism, anti-authoritarianism, horizontality, Zapatismo, direct democracy... Still, everywhere one finds the same core principles: decentralization, voluntary association, mutual aid, the network model, and above all, the rejection of any idea that the end justifies the means, let alone that the business of a revolutionary is to seize state power and then begin imposing one's vision at the point of a gun. Above all, anarchism, as an ethics of practice-the idea of building a new society "within the shell of the old"-has become the basic inspiration of the "movement of movements" (of which the authors are a part), which has from the start been less about seizing state power than about exposing, de-legitimizing and dismantling mechanisms of rule while winning ever-larger spaces of autonomy and participatory management within it.

There are some obvious reasons for the appeal of anarchist ideas at the beginning of the 21st century: most obviously, the failures and catastrophes resulting from so many efforts to overcome capitalism by seizing control of the apparatus of government in the 20th. Increasing numbers of revolutionaries have begun to recognize that "the revolution" is not going to come as some great apocalyptic moment, the storming of some global equivalent of the Winter Palace, but a very long process that has been going on for most of human history (even if it has like most things come to accelerate of late) full of strategies of flight and evasion as much as dramatic confrontations, and which will never-indeed, most anarchists feel, should never-come to a definitive conclusion.




Was passiert, wenn ein König auf eine Landkommune anarchosyndikalistischer Bauern trifft, zeigt der folgende Ausschnitt aus Monty Pythons "Ritter der Kokusnuss". Nieder mit dem Unterdrücker!

http://www.youtube.com/watch?v=Z06TDTtOCf4




Ein Occupy-kritischer Beitrag aus der Bewegung des aufständischen Anarchismus.

„Wir haben euch gesehen. Wir haben euch gehört. Ihr seid nun überall. Wir wissen wer ihr seid. Ihr seit die 99%, die gegen die Exzesse des Kapitalismus und die Missbräuche des Staates protestieren. Ihr seid die 99%, die Wahlreformen, soziale Alternativen, ökonomische Subventionen und politische Maßnahmen fordern. Ihr seid die 99%, die Angst haben, ihre Zukunft zu verlieren, nicht länger im Stande zu sein, zu leben, wie ihr es bis jetzt getan habt: einen Job, ein Gehalt, eine Hypothek, eine Pension.

Im schlechtesten Fall sich am Überleben halten und im besten Fall eine Karriere machen. Dies ist, was ihr fordert. Ihr wollt die “Krise” nicht bezahlen, ihr wollt, dass alles wieder so wird, wie es früher war. Ihr traut euch nicht, jene Bildschirme auszuschalten, die eurem Leben Tag für Tag jede Bedeutung und Emotion rauben, und es zur Traurigkeit des bloßen Überlebens verurteilen.




Wer in den letzten Jahren gelegentlich Texte zur kurdischen Guerillagruppe PKK las, stieß dabei immer wieder auf Berichte zu inhaltlichen und ideologischen Aktualisierungen in der Bewegung. Eine Annäherung der (ehemals?) marxistisch-leninistischen Befreiungsbewegung an den Anarchismus war da zu vernehmen. Doch wie ist der antiautoritäre Schwenk ausgerechnet von Abdullah Öcalan zu bewerten? Der folgende Beitrag der "Karakök Autonomen" (einer türkisch-schweizerischen AnarchistInnengruppe) beschäftigt sich ebenso mit dem Thema wie ein Text von Marcus Munzlinger in der "Direkten Aktion". Er wurde der 14. Ausgabe der Gǎi Dào entnommen, der Zeitung des Forums deutschsprachiger Anarchisten und Anarchistinnen. Dort findet sich auch noch ein Interview mit türkischen AnarchistInnen, die ebenfalls auf die Thematik eingehen.

Am 11.4.2012 erschien zudem auf anarkismo.net ein spannendes Interview von Janet Biehl zu den Formen des Kommunalismus, die mit dieser Strategieänderung einhergehen. Und am 7.5. veröffentlichte die Direkte Aktion den Beitrag "Vom Zentralismus zum Kommunalismus?"

Auch das amerikanische Roarmag widmete dem Thema am 17. August 2014 einen umfangreichen Artikel. Und im Zuge der Auseinandersetzungen mit der islamistischen ISIS in Syrien erschien auch eine kritische Betrachtung aus anarcho-syndikalistischer Perspektive bei anarkismo.net.




Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien am 30.1. ein Beitrag von Uwe Ebbinghaus, der sich mit der Prägung sozialer Bewegungen durch den Anarchismus auseinandersetzt. Aufgezeigt wird dies u.a. an der Occupy-Bewegung. Ist nach dem Scheitern des "real existierenden Sozialismus" der Anarchismus die linke Utopie der Zukunft?

"Als der russische Wissenschaftler Timofey Pnin, die Hauptfigur des gleichnamigen Romans von Vladimir Nabokov, 1940 mit dem Schiff in den Vereinigten Staaten anlangt, wird ihm bei der Einreise eine ultimative Frage vorgelegt. Ob er Anarchist sei, will der Zollbeamte wissen. Pnin, aus einem Heimatland der Bewegung stammend, erkundigt sich beflissen, welche Form des Anarchismus gemeint sei - der „praktische, metaphysische, theoretische, mystische, abstrakte, individuelle oder der soziale“? In jungen Jahren habe das alles Bedeutung für ihn gehabt.

Der Beamte verkürzt die „interessante Diskussion“ und lässt den harmlosen Gelehrten zur politischen Ausnüchterung erst einmal zwei Wochen auf Ellis Island schmoren. Der hinter dieser Maßnahme stehende „Anarchist Exclusion Act“ stammt aus dem Jahr 1918.

Zwei Jahre zuvor, 1916, denkt Mohandas Karamchand Gandhi, gerade als erfolgreicher gewaltloser Rebell aus Südafrika nach Indien zurückgekehrt, in einer Rede zur Einweihung der Hindu-Universität von Benares ebenfalls laut über verschiedene Formen des Anarchismus nach. Für die Radikalität einiger seiner Landsleute, die durch Attentate versucht hatten, die Unabhängigkeit Indiens zu erzwingen, zeigt er zwar Verständnis, verurteilt die Gewalttaten aber als unehrenhaft und „Zeichen für Angst“. Als sich Gandhi, ein Verehrer Leo Tolstois und Henry David Thoreaus, in der Rede schließlich selbst als „Anarchist, aber von einer anderen Art“ bezeichnet, bricht Protest unter den anwesenden englischen Honoratioren los, die Rede wird abgebrochen.




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