Blogarchiv Februar 2013

Die Blogbeiträge aus dem Februar 2013


 

Anarchismus im Kinderbuchregal - oder warum Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen anarchistisches Gedankengut in Kinderköpfe transportieren und politisch keinesfalls das Prädikat "wertvoll" verdienen... Das meint zumindest der Politikwissenschafter Gerd Strohmeier und hat daher die Kinderbücher genauer analysiert. Seine Erkenntnisse sind im Beitrag "Politik bei Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg" für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung zusammengefasst. Breiter bekannt wurden seine Thesen zudem vor einigen Jahren durch ein Interview im Spiegel.


SPIEGEL ONLINE: Und was lernen die Kinder in den Hörspielen über Politik?

Strohmeier: Das Politikbild, das in den von mir untersuchten Hörspielfolgen vermittelt wird, ist sehr bedenklich. Die Politiker werden durch den Bürgermeister von Neustadt repräsentiert, und der ist inkompetent, korrupt und immer nur an seinem eigenen Wohl interessiert. Er lässt sich von seinem Assistenten als "Majestät" behandeln und übergeht ständig den Stadtrat. Entscheidungen werden nicht demokratisch, sondern autokratisch getroffen.




Fabrik Vio.Me in Griechenland beginnt mit Produktion unter Arbeiterkontrolle

Vio.Me ist eine Fabrik in Thessaloniki, die Baustoffe herstellte und in der im Mai 2011 die Produktion eingestellt wurde. Seither wurden die Arbeiter von Vio.Me nicht mehr bezahlt, Eigentümer und Manager verließen die die Fabrik. Bei einer auf fast 30% gestiegenen Arbeitslosigkeit, sinkenden Löhnen, abgespeist mit leeren Worten, Versprechungen und Steuererhöhungen, erfolglosen Interventionen bei verschiedenen Ministerien, haben sich die Arbeiter nach einer Reihe von Vollversammlungen entschlossen, die Fabrik gemeinsam wieder in Betrieb zu nehmen. Sie haben die Fabrik und die für die Produktion benötigten Maschinen besetzt und geschützt. Sie haben sich außerdem mit anderen Arbeitenden und Kollektiven aus ganz Griechenland vernetzt und dadurch große Unterstützung erhalten.

Dienstag, der 12. Februar war der erste offizielle Tag der Produktion in Selbstverwaltung unter Arbeiterkontrolle von Vio.Me. Das heißt, eine hierarchisch organisierte, von Bossen diktierte Produktion wurde durch eine von der Arbeitervollversammlung in direkter Demokratie geplante Produktion ersetzt.

"Wir denken, dass das die Zukunft der ArbeiterInnenkämpfe ist." Μakis Anagnostou, Vertreter der Betriebsgewerkschaft von Vio.Me

Wo? W23 - Wipplingerstrasse 23, 1010 Wien
Wann? Freitag, 22.2., 20.00 Uhr

Die Veranstaltung findet mit Μakis Anagnostou von Vio.me in englischer Sprache statt.

Eine Veranstaltung von akw [Freund_innen von analyse&kritik in Wien].

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Hinweis: im Rahmen vom Solidarische Ökonomie Kongress 2013 findet auch am Samstag, 23.2., von 12-13 Uhr ein Workshop mit KollegInnen aus Griechenland, Serbien und Argentinien zum Thema statt: "Wenn du sie betreibst, solltest du sie kontrollieren. Der Kampf um Arbeiterselbsverwaltung". Weitere Infos: http://www.solidarische-oekonomie.at/




Organisierter Antifeminismus im deutschsprachigen Raum

›Maskulismus‹ ist die Selbstbezeichnung des modernisierten Antifeminismus. Der vorgestellte Sammelband vereint aktuelle Forschungsergebnisse mit Erfahrungsberichten zum Maskulismus im deutschsprachigen Raum.

Im ersten Kapitel wird die Entwicklung des Maskulismus skizziert. Thomas Gesterkamp berichtet über die sich bereits in den 1990er Jahren etablierende Vaterrechtsbewegung. Jörg Rupp skizziert die Entwicklung der Männerrechtsbewegung von den Anfängen im Usenet und deren Ausbreitung im Web 2.0. Die interne Debatte über den antifeministischen Oslo-Attentäter Breivik und die vermeintliche Spaltung der Männerrechtsbewegung untersucht Andreas Kemper.

Auf der Grundlage von drei wissenschaftlichen Abschlussarbeiten kann erstmals die Männerrechtsbewegung umfassender analysiert werden.

Isolde Aigner befasst sich mit antifeministischen Denkmustern im medialen Diskurs. Hinrich Rosenbrock stellt die Hauptideologien der Männerrechtsbewegung, nämlich Antifeminismus und männliche Opferideologie vor. Darauf geht auch Robert Claus in seiner Analyse von „AGENS“ und „MANNdat“ ein.

In einem weiteren Teil berichten FeministInnen von ihren Erfahrungen mit Maskulisten und deren Strategie „hate speech“. Ines Fritz berichtet über ihre Erfahrungen mit antifeministischen Bloggern – Ähnliches hat auch Gudrun Debus in der Piratenpartei mit der maskulistischen Männer-AG erlebt. Einen neuen Umgang mit der Strategie „hate speech“ versucht eine Gruppe, die das Projekt „hatr.org“ gestartet hat.

Ines Fritz und Andreas Kemper, Autorin und Herausgeber/Autor präsentieren “Die Maskulisten. Organisierter Antifeminismus im deutschsprachigen Raum.” (Unrast-Verlag 2012)

Vortrag am 22. Februar ab 19:00 Uhr, Buchhandlung ChickLit, Kleeblattgasse 7, 1010 Wien




In seiner Sitzung am 18. Januar 2013 hat der Vorstand der Erich-Mühsam-Gesellschaft e.V. zu Lübeck (EMG) die Preisträger für den Erich-Mühsam-Preis 2013 aus der Liste der 13 vorgeschlagenen Kandidaten nominiert. Die Wahl fiel auf die beiden Verleger Dr. phil. Andreas Hohmann (Jahrgang 1968) aus Lich bei Gießen und seinen AV-Verlag, der in diesem Jahr übrigens sein 25-jähriges Bestehen feiert, und Jochen Schmück (Jahrgang 1953) aus Potsdam und seinen Libertad-Verlag sowie sein DadA-Webprojekt (www.dadaweb.de), ein digitales Lexikon der Anarchie im Internet, verfasst von einer Vielzahl namhafter Autoren.

Beide Verlegerpersönlichkeiten sollen auf diese Weise auch als Repräsentanten des anarchistischen Verlagswesens in der BRD geehrt werden. Ebenso möchte die EMG den langjährigen und unermüdlichen Arbeitseinsatz beider Preisträger würdigen, die unter beständiger Zuhilfenahme eigener, in ihren jeweiligen Zusatzberufen erworbener finanzieller Mittel und ohne jegliches gewinnorientiertes Streben quasi ehrenamtlich die Vorstellungen und Ziele des Anarchismus in „Wort und Schrift“ unters Volk bringen wollen und sich so als Verkünder einer besseren und menschenwürdigeren Welt verstehen und betätigen, einer Welt, die gekennzeichnet ist durch die Freiheit und die soziale Verantwortung aller und für alle.




http://www.youtube.com/watch?v=4oSgLlI5p74&




Internationale SolidaritätDas kapitalistische Spardiktat der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF treibt die Menschen in Griechenland in Armut und Verzweiflung. Der Ausverkauf des Landes wird seit dem Sommer 2012 verschärft vorangetrieben. Entlassungen, Lohnkürzungen, Arbeitslosigkeit, Auswanderung und Suizide aus Verzweiflung sind Alltag. Begleitet von brutalen rassistischen Repressionsmaßnahmen gegen Flüchtlinge. Unter dem zynischen Namen Xénios Zeus (gastfreundlicher Zeus) wurden mehrere Zehntausend Flüchtlinge und "ausländisch" aussehende Menschen seit Sommer 2012 kontrolliert, Tausende verhaftet, abgeschoben und oftmals auf Polizeiwachen misshandelt.  Darüber hinaus blasen Staat und Nazis verstärkt zum Angriff auf die anarchistische Bewegung und selbstverwaltete Strukturen. Ziel ist, die Infrastruktur der Bewegung, als dem widerständigsten Teils der griechischen Bevölkerung, zu zerschlagen.

Doch das ist natürlich nicht alles. Anarchistische Mobilisierungen, antifaschistische Gegenwehr, Kollektivgründungen, Landbesetzungen und selbstbestimmte Arbeitskämpfe sind die emanzipatorische Seite der Entwicklung. Da noch so starke Gegenwehr gegen die kapitalistische Ausplünderung auf rein nationaler Ebene nicht zum Erfolg führen wird, versucht das internationale Netzwerk M31 unter dem Motto “Der Kapitalismus ist die Krise” den Widerstand europaweit zu vernetzen. Im zweiten Teil der Veranstaltung soll es auch darum gehen wie diese Vernetzung schlagkräftiger ausgebaut werden kann.

Der Referent Ralf Dreis, Griechisch-Übersetzer, freier Journalist und FAU-Aktivist, berichtet von den sozialen Kämpfen, der Gefahr eines wieder erstarkenden Faschismus und möglichen antikapitalistischen Perspektiven in Griechenland.

  • Wien, 20. Februar 2013 - 20:00 Uhr, que[e]r, Wipplingerstraße 23, 1010 Wien
  • Salzburg, 21. Februar 2013 - 19:00 Uhr, Infoladen Salzburg, Lasserstraße 26, 5020 Salzburg



Refugee Camp Demo 16.2.2013Mit dem Marsch von Traiskirchen begannen Flüchtlinge selbst für ihre Rechte zu kämpfen. Sie haben sich nicht einschüchtern lassen, weder von Medienhetze, Drohungen des Innenministeriums, noch von der Kälte. Sie sind vor Krieg, Umweltzerstörung und Armut geflohen.

Trotzdem werden sie hier unterdrückt: Sie dürfen nicht arbeiten, haben kaum Zugang zu Bildung und werden in Lagern wie in Gefängnissen gehalten. AsylwerberInnen werden selbst die grundlegendsten Rechte verwehrt. Ihre Rechtlosigkeit trifft uns alle: Sie werden von Unternehmen missbraucht - als illegale Arbeitskräfte und LohndrückerInnen. AsylwerberInnen sind nicht schuld an sozialen Problemen - Sie werden aber von der Politik zu Sündenböcken, echte Lösungen werden durch rassistische Blendungen blockiert.

Wir wollen auf internationaler Ebene auf diesen Missstand aufmerksam machen. Jedes Jahr sterben Tausende beim Versuch nach Europa zu gelangen. Die EU hat das Budget der Anti-Flüchtlings Grenzschutzorganisation Frontex in den letzten Jahren verzehnfacht. - Während die brutale Sparpolitik der Mitgliedsstaaten Menschen zu tausenden in den Selbstmord treibt. Am 16.02. demonstrieren wir. In Solidarität mit den kämpfenden Flüchtlingen in Österreich und dem Rest der Welt. Wir stellen dem Rassismus und der rechten Hetze internationale Solidarität entgegen. Nur, wenn wir alle gleiche Rechte haben, können soziale Probleme gelöst werden. Komm auch du zur Demo! Bring deine Familie, deine FreundInnen, deine KollegInnen mit! Gleiche Rechte für uns alle!

  • Solidarität mit der Flüchtlingsbewegung!
  • Schluss mit der Repression!
  • Zugang zum Arbeitsmarkt für AsylwerberInnen!


16. Februar 2013, 14 Uhr, Westbahnhof Wien


Blog: refugeecamp vienna
Flyer: hier
Facebook-Event: hier
Aufruf in verschiedensten Sprachen: hier




Geboren im Jahr 1924 gehört Esther Bejarano zu den letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde sie gezwungen am Lagereingang von Auschwitz mit ihrer Musik für „gute Stimmung" zu sorgen. Ein Erlebnis, das sie heute noch belastet. Zusammen mir ihrem Sohn und der Microphone Mafia gibt sie heute Konzerte und erzählt aus ihrer Geschichte. Am 28.Juli 2012 erzählte sie im Rahmen des Antifa-Camps in Weimar ihre Geschichte und gab anschließend ein Konzert.

Konzert mit Esther Bejanero & Microphone Mafia am 14.2.2013 ab 19:00 Uhr im Donausaal Mauthausen

http://www.youtube.com/watch?v=4aotQBSdT9I




Die Februar-Ausgabe 2013 der Gâi Dào ist erschienen.

Inhalt:

  • Autorität, wo steckst du? Studierende besetzen aus Protest ihr Unigebäude in Dresden
  • Eine feministische Erwiderung auf den Artikel “Staat, Patriarchat und Geschlecht – Zusammenhang am Beispiel des §218 StGB“
  • Eins, zwei, viele libertäre Zentren. LiZ-Kampagne in Bonn - Rückblick und Vorfreude
  • „Oft steckt der Teufel im Detail“. Ein paar Worte zur Wichtigkeit von Verantwortung und Transparenz in anarchistischen Organisationen
  • Schnüffeln - Razzen - Wegsperren. §129-Verfahren aus Sachsen dehnt sich jetzt auf Berlin aus
  • Wenn wir uns an sie erinnern. Geschichte ist unser kollektives Gedächtnis
  • Anarchismus, Marxismus, Emanzipation. Rezension des gleichnamigen Buches von Philipp Kellermann
  • Anarchismus und Judentum. Kapitel 3.3
  • Die reinste Trauerveranstaltung. Aufruf zu den Protesten gegen die Nazi-Fackelmahnwache am 23. Februar in Pforzheim
  • Einmal Barcelona und zurück - ein Reisebericht
  • Es geht um mehr als um EDV. Aufruf gegen den 16. europäischen Polizeikongress
  • Solidarität muss Bargeld werden. Aufruf zum Kongress der kämpfenden Flüchtlinge in München


Die Gâi Dào Nr. 26 zum Download




Die Anarchistische Buchmesse in Zagreb (Anarhisticki sajam knjiga, ASK) ist eine jährliche anarchistische Veranstaltung und stellt sich zum Ziel, ein sich entwickelndes Langzeitprojekt zu werden. Die ersten acht Buchmessen verliefen gut und wir hoffen, jedes Jahr mehr und mehr Menschen als Teilnehmende, VerlegerInnen, Gruppen, Projekte und Interessierte einbringen zu können.

Für den Diskussionsteil ist noch alles offen, wie in jedem Jahr. Daher sind Vorschläge, Ideen usw. sehr willkommen, aber auch Texte, die ihr gern zur weitergehend diskutieren möchtet.

Die ASK findet jeden Frühling in Zagreb als eine lokale Ressource für anarchistische und libertäre Bücher und andere Publikationen statt. Wir beabsichtigen außerdem, Diskussionen über Themen zu eröffnen, die für die anarchistische Bewegung oder unsere lokale Community wichtig sind.




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