Der österreichische Kartonhersteller Mayr-Melnhof hat mit militantem Arbeiterwiderstand zu kämpfen: In Bootle bei Liverpool besetzten 40 Arbeiterinnen und Arbeiter am Samstag, dem 18. Februar 2012, ihre Fabrik.

Die Beschäftigten befinden sich im Arbeitskampf und wehren sich gegen das Vorhaben der Unternehmensführung, 50 der 180 Beschäftigen zu entlassen. Viele arbeiten bereits seit 40 Jahren im Betrieb und organisieren jetzt Widerstand. Bereits eine Woche vor der Besetzung streikte die Belegschaft für 48 Stunden. Ein Sprecher von Mayr-Melnhof betonte noch: »Die Türen standen immer offen um Streitigkeiten aus dem Weg zu räumen. Und die Türen stehen natürlich jetzt auch offen.« Doch als die Arbeiter nach einer Protestaktion vor der Kartonagenfabrik am Freitag wieder das Werksgelände betreten wollten, standen sie vor verschlossenen Türen.

Werksgelände besetzt

Die Bosse bekamen es mit der Angst zu tun und sperrten die Arbeiter aus, nachdem diese in einen 24-Stunden-Streik getreten waren und mit weiteren Aktionen drohten. Der Frontalangriff des Managements ging allerdings nach hinten los, der Kampf eskalierte. Die Streikenden besetzten am darauffolgenden Tag die Fabrik [...]


Ian Tonk von der Gewerkschaft Unite erzählt: »Seit 20 Jahren bin ich jetzt Interessensvertreter in der britischen Gewerkschaftsbewegung, und das ist meine erste Aussperrung.« Tatsächlich war es die erste Aussperrung in der Grafik- und Druckindustrie seit 1958.

Abwälzen der Krise auf die Lohnabhängigen

Die Konzernleitung, mit Sitz in Wien unter Chef Wilhelm Hörmanseder, schloss bereits 2008 das Werk in Nikopol in Bulgarien und warf 290 Mitarbeiter hinaus. 2010 schloss dann das Management auch die Fabrik in Deisswil in der Schweiz; 255 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz.

Während die Werktätigen verlieren, gewinnen die Bosse: Im selben Zeitraum erhöhte sich die Produktivität, gemessen an hergestellten Kartons pro Mitarbeiter, um 50 Prozent – die Profite stellten sich durch die Schließung »unproduktiver« Werke wieder auf das Niveau vor Einsetzen der Wirtschaftskrise 2007/08 ein (im Jahr 2010 betrug der Bilanzüberschuss, also quasi der Gewinn, satte 110,4 Mio. Euro).

Internationale Solidarität wäre gefragt: Neben den Angriffen auf die Beschäftigten in Liverpool will die Konzernleitung auch das Werk in Budaörs in Ungarn zusperren. 50 Mitarbeiter könnten ihren Arbeitsplatz verlieren.

Der Arbeitskampf in Bootle bei Liverpool ist ein unglaublich inspirierendes Beispiel. Es geht weiter. Für den 28. März rufen die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes (PCS), der Universitätsangestellten (UCU) und die Lehrergewerkschaft (NUT) zum nächsten groß angelegten Streik gegen die Pensionsreform der Regierung auf.

Via Linkswende

Originaltext: http://syndikalismus.wordpress.com/2012/02/20/arbeiterinnen-besetzen-mayr-melnhof-werk-bei-liverpool/


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